Meer Europa

Einmal um den Kontinent

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Schluss der 6. Etappe

Die 6. Etappe ist vorbei!
3.150 Kilometer in genau 6 Wochen.
Portugal, Spanien, Frankreich.

Insgesamt habe ich jetzt in Europa 14.750 Kilometer zurückgelegt.

Grob überschlagen fehlen noch einmal 10.000 Kilometer – bis ich den Kontinent vollständig umrundet haben werde.
Das wird mich noch eine Weile beschäftigen.

Tag 202 (28.04.2017) / Frankreich: Juan-les-Pins -> Nizza

Strecke: 32 km (10:00 – 13:15 Uhr)

Getrödelt, langsam in Juan-les-Pins losgefahren.
Bald bemerkt, dass etwas am hinteren Rad nicht stimmte. Gepäckträger war gebrochen. Irgendetwas anderes schleifte. Mein Fahrrad wurde instabil und schlingerte.
Die Etappe hatte mein Gefährt wohl überfordert. Es hatte einen Ermüdungsbruch.
Und auch ich war durch. Völlig verwildert. Gierig bald unter die Schere zu kommen: Wuschelhaar und Robinson-Bart.
Meine Gesichtshaut in 6 Wochen gegerbt, ledrig.

Schon nach einer halben Stunde machte ich Halt in Antibes. Nahe des wunderschönen „Provenzalischen Marktes“ frühstückte ich ausgiebig.

Es war nicht mehr weit bis Nizza.

Ich raffte noch einmal Kräfte zusammen. Ein bequemer Radweg lotste mich. Ich hatte das Gefühl auf die Alpen zuzufahren.

Zunächst dachte ich, dass sich blitzweiße Wolken über die Berge schieben würden, bis ich sah, dass die Kuppen zugeschneit waren. Die letzten Tage hatte es einen Temperatursturz gegeben. Die Nächte bitterkalt. Auch an diesem Morgen Temperaturen um die 8, 9 Grad.

This is the end!

Aber nichts konnte mich mehr erschüttern.
Ich war bald am Ziel.

Kulinarisches Brevier: Frankreich / Teil 4 (Mittelmeer)

Wieder Frankreich und wieder nicht recht überzeugt. Kulinarisches Paradies ist anderswo. In Spanien zum Beispiel.
Selten war etwas wirklich schlecht. „Exzellent“ aber kam kaum vor. Jammere ich jetzt auf hohem Niveau? Ich weiß es nicht. Vielleicht liegt es am budget, das ich zu klein ansetzte. Aber im Bereich von 30 bis 40 Euro für ein einfaches Menü ohne Wein (eigentlich nicht so wenig Geld) strengen sich französische Mittelmeerköche offenbar nicht mehr an.
To make a long speech short: Ich habe gut gegessen, aber kein Gefühl für außergewöhnliche Leistung bekommen.

Collioure

Gruissan

Saintes-Maries-de-la-Mer

Marseilles

Cassis

Le Lavandou

Fréjus

Juan-les-Pins

Tag 200 (26.04.2017) / Frankreich: Fréjus -> Juan-les-Pins

Strecke: 52 km (10:45 – 15:45 Uhr)

Zwei (!) Hundertster Tag meiner jetzt schon langen Europa-Umrundung. Netto mehr als ein halbes Jahr auf dem Europa-Sattel zugebracht. Ich war ein bißchen in Feierstimmung, der Himmel aber nicht. Wolkenverhangen. Ab und zu regnete es.

An diesem Strand, landeten am 14. August 1944 die Alliierten, um Frankreich und Europa zu befreien.

stone washed

Ein Landungsboot der US-Marine zeugt davon.

heroes

Trotz trübem Wetter: grandiose Natur! Porphyrrot.

red flowers red stones

Das Massif de l’Estérel schiebt sich mit Wucht zwischen Fréjus und Cannes und hat doch lauschige Plätzchen. Wer würde nicht gerne mit dem Besitzer da unten tauschen, wenigsten für ein paar Wochen im Jahr und sein Abendbrot direkt auf der Meerterrasse zubereiten? Windbeschützt von rotem Fels und wild wuchernden Pinien.

hier könnt ich wohnen / Teil 1

Eine wunderschöne Panoramastraße führt um die zerklüfteten Bergzüge herum. Und immer wieder entdeckte ich Orte, an denen ich es gut mal ein halbes Jahr aushalten könnte. (Und dass sich kein Mensch nähere!)

hier könnt ich wohnen / Teil 2

hier könnt ich wohnen / Teil 3

Ich verlangsamte meine Fahrt. Hielt immer wieder an. Staunte.

red ball

red stone

Nur der angekündigte Regen trieb mich weiter.

„Where do you go to my lovely“?
Natürlich nach Juan-les-Pins.

Konnte aber bei der Ankunft in dem legendären Badeort der Côte d’Azur nicht ganz begreifen, was so legendär an ihm ist.
Lag es am grauen Wetter? An den leeren Stränden? Den verlassenen Kneipen? Den schon ziemlich heruntergekommenen Seitenstraßen? Den trotz Tristesse irreal überhöhten Preisen in den wenigen offenen Lokalen?

Unterkunft: Hotel „Villa Nina“. Strandnah. Eine Oase in der Schar der gesichtslosen Großhotels. Eine kleine privat geführte Villa, innen sehr geschmackvoll und kolonial eingerichtet. Sogar bezahlbar (59 Euro ohne Frühstück). Absolut zu empfehlen. Fahrrad in Hofschuppen abgestellt.

Tag 199 (25.04.2017) / Frankreich: Le Lavandou -> Fréjus

Strecke: 69 km (10:00 – 16:15 Uhr)

Ich ließ es „ausrollen“. Diese Tour neigte sich dem Ende zu. Die Tagesetappen wurden kürzer und ich immer langsamer. Oft konnte ich auf eigenen Fahrradstrecken der Küste folgen.

zerzaust

Manche hatte sogar Tunnels. Vermutlich stillgelegte Zugstrecken.

linksdrehend

Ich freute mich darauf, heute Saint-Tropez anzuschauen. Je näher ich dem Hotspot kam, umso höher die Dichte der Cabrios auf den Straßen. Jeder wollte mit heruntergelassenem Visier kenntlich in Saint-Tropez einfahren. Jaguare, Peugeot-Löwen, Tank-Tiger, Ferrari-Pferde, sogar einige aufgehübschte Käfer: Auf freier Wildbahn hatte ich noch nie so viel Fauna gesehen wie auf der Einfallstraße in das Hafenstädtchen. Die halbe Tierwelt und viel menschliche Halbwelt hatten sich gemeinsam aufgemacht.
Aber welch eine Enttäuschung Saint-Tropez selbst. Statt Gunter Sachs: Neckermänner. Statt Brigitte Bardot: Naddels. Statt Sternelokale: Moules-Frites-Buden.

Zum ersten Mal in Frankreich bekam ich mittags einen fast nicht trinkbaren Weißweinfusel vorgesetzt. Tetrapack statt Grand Cru.

Ich ließ meinen zuvor angespitzten Fotoapparat unangetastet in der Satteltasche. Und zog davon.

Nach Fréjus war es nicht mehr weit.

spitz

Ein unaufgeregtes, sympathisches Städtchen.

breit

grün

orange

Unterkunft: Hotel „Atoll“, Hafennähe. Einfach und gut. 50 Euro (ohne Frühstück). Fahrrad in geschütztem Hof abgestellt.

Tag 198 (24.04.2017) / Frankreich: Cassis -> Le Lavandou

Strecke: 91 km (10:15 – 18:15 Uhr)

Cassis: Von mächtigen Bergen eingerahmt. Und von Wein. Ausgesprochen schöne Ausreise aus dem Städtchen.

mighty

Wenig später durch den Weinberge des Bandol geradelt. Einen Weißen dann auch im gleichnamigen Städtchen getrunken. Extraklasse!

Schließlich einen weiteren Halt in Sanary gemacht. Pittoresker Hafen. Die Promenade hatte mondäne Anflüge.

frontal

Ich hatte gelesen, dass während der Naziherrschaft in Deutschland große deutsche Schriftsteller wie Thomas Mann, Lion Feuchtwanger und Stefan Zweig in diesem ehemaligen Fischerdorf zeitweise Exil gefunden hatten. Als ich dann am Tourist-Office die Gedenktafel sah, war ich erstaunt wie viele Namen dort eingraviert waren. Es schien als sei das halbe literarische Deutschland vor den Nazis an die Côte d’Azur geflohen. Beeindruckende Liste.

who is who

Was ist von diesen Geistesolymp an diesem Ort noch geblieben?
Ich konnte dem nicht nachspüren. Auf den ersten Blick unterschied sich Savigny nicht von anderen touristischen Orten entlang der französischien Riviera.

ins Herz

Der Rest des Tages ist schnell erzählt.
Es passierte nichts mehr.

Bis… bis auf die Tatsache, dass mir erst jetzt auffiel, dass fast alle Ortsschilder in zwei Sprachen geschrieben waren.
Französisch und Okzitanisch. Aber wer sprach das hier noch?

in beiden Sprachen wohlklingend

Unterkunft in Le Lavandou. Hotel „Le Terminus“. So langweilig wie der Ort selbst. Weniges wurde es langsam wieder ein wenig billiger. 50 Euro (ohne Frühstück). Fahrrad in Abstellkammer untergebracht.

Tag 197 (23.04.2017) / Frankreich: Marseille -> Cassis

Strecke: 31 km (10:45 – 13:15 Uhr)

Am Morgen konnte ich einem Marseiller Café ein wenig den Gesprächen folgen. Überwiegend von Franzosen maghrebinischer Herkunft besucht. Fast alle Satzfetzen, die ich verstand, handelten von der heutigen ersten Runde der Präsidentschaftswahl. Die meisten Diskutanten wollten überhaupt nicht zur Wahl. Einige wenige sprachen sich laut für Macron aus.
Ich hatte einen Außenplatz. Eine junge Frau gesellte sich zu mir, fragte, ob es mich stören würde, wenn sie rauchte. Ohne die Antwort abzuwarten, zündete sie den Stengel an. Auch sie eine Französin mit maghrebinischem Migrationshintergrund (wie sich das schon anhört – mit fällt aber nicht ein, wie sich das politisch korrekt formulieren lässt.) Ich fragte sie (gebrochenes Französisch), für wen sie stimmen würde. Sie schüttelte den Kopf und bedeutete, dass sie nicht zur Wahl ginge. Dann wollte sie von mir wissen, ob ich Le Pen „lieben“ würde?
Sie verstand meine Entgeisterung nicht wirklich.
Und ich verstand, dass ich mich in Le Pen Country bewegte. Hier im Süden hatte die rechtsextreme Dame verdammt viele Anhänger.

Ich war gespannt, wie am Abend das Ergebnis ausfallen würde. Ob Europa gesprengt oder als Friedens- und Demokratieversprechen weiter entwickelt werden konnte.

Ich hatte beschlossen, mehr oder weniger einen Ruhetag einzulegen. Meine Kraft ließ merklich nach und ich verzichtete darauf, die spektakulären Fjorde des Calenques-Nationalparks abzuradeln. Es hätte mich heute überfordert.

Hohlgasse

Stattdessen fuhr ich direkt nach Cassis, rund 30 Kilometer östlich von Marseille gelegen und gemütlich zu erreichen. In Cassis begann die Côte D’Azur.

klassisch

Obwohl überlaufen,

klassisch

hatte sich das einstige Fischerdorf seinen alten Charme bewahrt.

Farbenmut

Sogar einige ruhige Gassen luden zum Innehalten ein.

Straßenruh

Ich quartierte mich ein und ließ es mir gut gehen.

Um 20 Uhr dann die ersten Hochrechnungen der Präsidentschaftswahl auf dem Handy verfolgt. Vor Ärger über das Le Pen Ergebnis richtete ich eine kleine Katastrophe an. Schüttete aus Versehen ein ganzes Glas Rotwein über den Tisch. Das französische Publikum im Restaurant schien wenig interessiert. An mir und an der Politik.

Unterkunft: Hotel „Laurence“. Schon etwas bejahrt. Zuvorkommender Service. 55 Euro (ohne Frühstück). Fahrrad Foyer abgestellt.

Tag 196 (22.04.2017) / Frankreich: Saintes-Maries-de-la-Mer -> Marseille

Strecke: 107 km (09:15 – 18:00 Uhr)

Vor schätzungsweise 35 Jahren hatte ich schon einmal Saintes-Maries-de-la-Mer besucht. Damals ein verschlafenes Nest, das außerhalb der berühmten Wallfahrt der Zigeuner wie eingemottet wirkte.
Wie sehr hat sich das einstige Fischernest verändert. Parktisch kein Haus, das nicht zum Restaurant, zur Bar, zum Souvernishop ausgebaut wurde. Der alte Hafen zum Yacht-Marktplatz erweitert. Erneut demonstrierte der Massentourismus seine egalitäre Kraft: Alles sah gleich aus. Wie überall. Es war schwierig, überhaupt noch ein paar Ecken zu finden, die ein Fitzelchen des „Alten“ bewahrt hatten.

wehrhaft

geschattet

Ich machte mich rasch auf den Weg.
Die Meerfarben hatten eine Licht-Kraft, die Maler begeistern würde.

gleißend

Die Camargue flach,

farblich abgestimmt

das Rhonedelta seicht und brackig.

Abfluß

Eine 30 Kilometer lange Sandpiste ermöglichte Wanderern und Radfahrern den Zugang.

Zufahrt

Ich fuhr langsam, genoss die absolute Stille. Immer wieder hielt ich.

Ich sah Herden von Flamingos, Schwärme von weißen Camargue-Pferden, Scharen von schwarzen Rindern.

Wildlife

Nach 3 Stunden brachten eine Fähre mein Fahrrad und mich über einen Rhône-Arm aus der Camargue heraus.

bequem

Ich nahm Fahrt auf Richtung Marseille.
Sah irgendetwas im Gebüsch rot blitzen und fotografierte schnell, bevor das Etwas sich unsichtbar machen konnte.
Welch eine Pracht! Fasan?

Wildlife 2

Unterwegs immer wieder kleine sympathische Provinzstädtchen.

wie gemalt

Ich verweilte nicht lange. Ich hatte es eilig. Ich wollte rechtzeitig in Marseille sein. Das Ladekabel meines Laptops war gebrochen. Ich brauchte ein neues. Musste also vor Ladenschluss ankommen.
In Hafennähe gab es riesige Einkaufskomplexe. Ein Türsteher bewachte mein beladenes Fahrrad, während ich in das Einkaufszentrum hechtete und mir ein Ersatzkabel besorgen konnte.
(Auf dieser Reise hatte ich ziemlichen Materialverschleiß. Sowohl am Fahrrad als auch an meiner Fotoausrüstung und meinem Computer-Equipment.)

Dann Marseille genossen. Eine Stadt, die mich sofort gefangen nahm. Nicht wirklich schön, aber pulsierend.

am großen Rad drehen

Irres Völkergemisch.

that’s citylife

Lautes Nachtleben.

Unterkunft: Hotel „Lutetia“. Nahe am Alten Hafen. Etwas gammeliger Eindruck, aber völlig okay. Sehr netter Empfang. Fahrrad in Kammer untergebracht. 50 Euro (ohne Frühstück).

Tag 195 (21.04.2017) / Frankreich: Gruissan -> Saintes-Maries-de-la-Mer

Strecke: 159 km (09:00 – 20:45 Uhr)

Heute war eine Kopie von gestern.

Abschied

Nicht die Küste war interessant. Ausschließlich das Hinterland. Schnell lag Gruissan hinter mir und die Weinlanschaft des Languedoc vor mir.

Das Weinjahr beginnt

Einige meiner roten Lieblingsweine kommen von hier. Viele davon sind biologisch erzeugt.
Keine Herbizide, um das Unkraut zu beseitigen. Hand- und Maschinenarbeit sind nötig, um den Boden zu bereiten.
So wie hier mit diesem eigentümlichen Getüm, das laut knatternd jätete. Château d’Anglès.

Klapperkiste

Die Schlösser der Weingüter nicht ganz so herausgeputzt und herrschaftlich wie die im Bordeaux.
Château la Négly.

Weinschloss

Kurz nur zweigte ich Richtung Küste ab.

à la plage

Aber die Retortensiedlungen – in denen Häuser, Boote und Yachten sich stapelten –

Stapelboote

trieben mich wieder ins Hinterland.

schleusengefangen

Erneut folgte ich Kanälen

Kanalweg

und wilden Wegen.

kanalrot

kanallila mit kanallgelb

Ganz selten eine Siedlung.

kanalblau

Kilometerlang ging es auf schmalen, sehr schmalen Streifen durch die Lagunen.

kanalvoll

Ein Hochgenuß. Ich vergaß die Zeit und spürte die Entfernung nicht mehr. Ich radelte und radelte. Und erreichte nach fast 160 Kilometern schließlich die Camargue.

Sonnenpferd

Saintes-Maries-de-la-Mer empfing mich freundlich.

Unterkunft: Hotel „Le Mirage“. Familiengeführt. Außerordentlich sympathisch. Einfache Zimmer. Völlig okay. (64 Euro mit Frühstück).