Meer Europa

Einmal um den Kontinent

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Tag 265 (17.04.2018) / Moldawien: Schluss in Chisinau

Puhhh!
Noch ein bisschen durch Chisinau geschlendert.
Überall Hektik, nur nicht auf dem Kunsthandwerks-Markt.
Matrjoschka-Putins und Trumps warteten heute vergeblich auf Käufer.

Dreigestirn

Wer diese T-Shirts kaufen soll?

Dreifaltig

Merkwürdiger Kitsch in Rahmen gefasst.

Einfalt

Sowjet-Orden als Ramschware.
Wer kauft sowas ?

Ordensvoll

Die Verkäufer langweilten sich.

mit feinem Stich

Manche malten ohne Kunden vor sich hin.

mit feinem Strich

Die andern zerbrachen sich die Schädel.

gedankenschwer

Besiegten mit Ruhe und Beharrlichkeit …

zügig

… die Langeweile.

aufgeräumt

Ich war durch! Etappe 8 zu Ende.

Ich rechnete noch einmal nach: In 8 Etappen jetzt fast 19.000 Europakilometer geradelt.

Etappe Datum Länder Kilometer
1. Etappe 13.9. – 9.10. 2014 Spanien, Portugal 1.430
2. Etappe 14.3. – 22.4. 2015 Italien, Slowenien, Kroatien, Montenegro, Bosnien-Herzegowina, Albanien, Griechenland 2.535
3. Etappe 7.10. – 15.11. 2015 Spanien, Frankreich, Belgien 2.600
4. Etappe 27.3. – 19.4. 2016 Italien 2.160
5. Etappe 31.8. – 1.10.2016 Estland, Lettland, Litauen, Polen, Ukraine, Rumänien, Moldawien 2.885
6. Etappe 19.3. –  28.4. 2017 Portugal, Spanien, Frankreich 3.150
7. Etappe 21.9. – 20.10. 2017 Frankreich, Italien 1.800
8. Etappe 11.3. – 17.4. 2018 Griechenland, Bulgarien, Rumänien, Moldawien 2.305
       
GESAMT 265 Tage 19 Länder 18.865

Ab der nächsten Etappe muss mich nun der Norden Europas ertragen.

Kulinarisches Brevier: Moldawien 2

Deutliches Land-Stadt Gefälle. Auf dem Land ist es sehr schwer, überhaupt ein Restaurant zu finden. Selbst Bars, Gaststuben, einfache Kneipen sind selten. Oft haben kleine Minimärkte (Tante Emma Läden) einen Tisch auf dem Gehsteig. Dort kann man dann sein gekühltes Bier zu sich nehmen und irgendetwas Kaltes dazu essen. Brot. Wurst gibt es auch. Sie wird aber häufig nicht gramm-  oder scheibchenweise verkauft, sondern als ganzes Wurst.

Einmal hab‘ ich ich mich eben nur von Bier und trocken Brot ernährt. Geht auch mal für einen Tag. Spottbillig zudem.

Das Frühstück in den Landhotels (wenn es überhaupt welche gibt) – äußerst schlicht: Kaffee, hart gekochte Eier, bisschen Wurst und Käse.

Moldawien ist noch weitgehend ein touristisches Entwicklungsland.

Ganz anders sieht es dagegen in der Hauptstadt aus. Dort gibt es fast schon ein Überangebot guter Restaurants und Cafés.
Die Küche dort mit allerlei mediterranen, kontinentalen und osteuropäischen Einflüssen. Die Preise aber (verglichen mit mitteleuropäischen Verhältnissen) sind immer noch sehr moderat.

Cahul

Es war schwierig, ein offenes Restaurant zu finden. Die zwei vom Reiseführer empfohlenen Lokale beherbergten geschlossene Gesellschaften.
In einer kleinen netten Bar bekam ich wenigstens einen Snack (mit Spinat gefüllte Teigtasche).

Später dann doch nich etwas entdeckt: „Andy’s Pizza“.
Wie ich erst danach feststellte, war dies eine sehr erfolgreiche Restaurant-Kette – mit ettlichen Filialen in der Hauptstadt. Das Menü beinhaltete weit mehr als „nur“ Pizza.

1) Bruschetta mit geräuchertem Lachs (2,25 Euro)
2) Rindfleischeintopf mit Auberginen, Zucchini, Paprika (4 Euro)
3) Mango-Käsekuchen (2 Euro)

Alles sehr fein und köstlich.

Comrat

Auch hier wieder nichts anderes gefunden außer die o.g. Pizza-Kette.

Pizza mit Artischocken, Pilzen, Oliven und Schinken. (4 Euro)
Gutes Niveau.

Chisinau

La Taifas (Altstadt)
Restaurant in historischem Gewölbekeller. Mit gutgelaunt aufspielender Folkloregruppe.

1) Borscht mit Entenfleisch
2) Geschmortes Kaninchen

Köstlich beides!

Cerbul de Aur (Altstadt)
Kleines Lokal mit 5 Tischen. Spezialisiert auf Wildgerichte. Sehr kompetenter Betreiber. Viele Wildschwein-, Hirsch- und sonstige präparierte Köpfe an der Wand.

1) Blinii mit geräuchertem Lachs und Butter (5,50 Euro)
2) Hirschgulasch mit exotischen Früchten (7 Euro)

Beides exzellent! Vor allem der Hirschgulasch war sehr fein abgestimmt. Überraschende Aromen durch Orangen, Kiwi, Melone. Dazu selbstgemachtes Zwetschgenmus. Und ebenfalls selbstgemachter Rotwein! Durchaus etwas rustikal. Passte aber sehr gut.

Cactus (Altstadt)
Eher eine Art Bistro. Fast schon kalifornisches Ambiente. Dazu passend auch die Speisekarte und die Preise. Für Chisinau: teuer.

Aal mit Avocado-Creme und Mozzarella (12,50 Euro)

Ungewöhnliche Kombination. Aber klasse.

Wine Bar/ Q-Bar (Altstadt)
Nettes Lokal. Modern eingerichtet. Entsprach auch dem Stil der Küche.

1) Bruschetta klassisch (3 Euro)
2) Scharfe Bohnensuppe (2,75 Euro)
3) Gegrillte Forelle mit Kräutern (5,50 Euro)

Sehr überzeugende Küche. Bohnensuppe eher fein als derb. Forelle klasse. Auf den Punkt gegart.

Tag 264 (16.04.2018) / Moldawien: Comrat -> Chisinau

Strecke: 100 km (09:00 – 16:30 Uhr)

Letzter Radl-Tag. Auch wenn mein Drahtesel krächzte, stöhnte, quietschte: Er hielt durch. So wie ich.

in Konkurrenz

Gagausien ließen wir gemeinsam hinter uns.

Die schlechten Straßen ebenso.

Sinfonie in Braungrün

Die Berge und Dörfer auch.

mit blauen Einsprengseln

Wir schrubbten zusammen nochmal ganz schön was runter.
Achteten kaum noch auf Details.

braun-blau-grün

Wir wollten beide nur heil in der Hauptstadt Chisinau ankommen. Es wurde uns gewährt: sogar schneller als gedacht.

Das Hotel, in dem wir uns einquartierten, kannten wir schon vom letzten Besuch (vor 1 1/2) Jahren.
Ankunft nach exakt 2.305 km.

Jetzt schloss sich der Kreis. Die letzte Lücke war geschlossen und die Südroute Europas damit auch geschafft.

Unterkunft: Weekend Boutique Hotel, zentrumsnah. Ruhepol in der sonst ziemlich hektischen Stadt. Sehr zuvorkommender Service. Sehr schöne Zimmer. Großes Bad. 38 Euro (ohne Frühstück).

Tag 263 (15.04.2018) / Moldawien: Cahul -> Comrat

Strecke: 80 km (10:00 – 16:30 Uhr)

Am Morgen noch kurz über den Markt in Cahul gegangen, um mich mit Wasser und Snacks für die Fahrt einzudecken. Hatte leider den Fotoapparat nicht dabei. Sehr belebter und schöner Markt. Wie überhaupt: Cahul hatte mich beeindruckt.

Die Fahrt dann sehr anstrengend. Es ging quer zu den Bergketten.

Einen Weinberg rauf.

Rebland

Den andern wieder runter.

Berg-Tal-Land

Extrem ermüdend. Die Straße schlecht. Aber auch heute kaum Autos unterwegs. Ich freute mich immer, wenn ein Dorf auftauchte.

Straßendorf

Es brachte ein wenig Abwechslung in die staubige und noch gar nicht frühlingsbereite Landschaft.

Seestraßendrof

Urplötzlich wurde die Straße besser. Und es wurde flacher.

einsatzfähig

Unterwegs immer wieder deutliche Zeichen von echter Volksfrömmigkeit.
Zahlreiche gut gepflegte Kapellen.

vergoldet

Oder Kirchen.

versilbert

In einem Minimarkt kaufte ich mir mein Mittags-Bier.
Im Nu hatte ich Gesellschaft. Ein Herr, der mich mit seinen Goldzähnen anlachte, ließ sich nicht lange bitten.

unterhaltsam

Ich lud ihn zu einem Wodka samt Chisinau-Bier ein.
Der Herr konnte zwei, drei Brocken Deutsch: „Auf Wiedersehen“, „Bier“, „Tschüss“ und wiederholte seine Kenntnisse gerne.

Goldanlage

Ich befand mich im Herzen Gagausiens (gesprochen: Gaga-Usien). Die Region beansprucht ähnlich wie Transnistrien eine autonomes Gebiet zu sein. Noch (immerhin) kam es aber mit Moldawien nicht zu einem militärischen Konflikt.

Comrat, die Hauptstadt Gagausiens, herausgeputzt.

goldversilbert

Mit Erinnerung an den realen Sozialismus.

überlebt

Und dem Klimbim, den eine autonome Region wohl haben muss: übermässiger Nationalstolz.

Brimbamborium, das ich nie verstehe

Eigenes Militär. Und Kram.

Schild-Autonomie

Die Menschen in den Straßen: friedlich, freundlich.

Unterkunft: Hotel Altin Palace. Zentrum. Völlig verwinkelter Bau. Mein Zimmer ohne Fenster. Eng. Empfang sprach nur russisch. Schwierige Verständigung. 30 Euro (ohne Frühstück).

Tag 262 (14.04.2018) / Rumänien: Galati -> Cahul (Moldawien)

Strecke: 67 km (10:30 – 16:30 Uhr)

Am frühen Morgen noch einmal eine Bestandsaufnahme meines Fahrrads vorgenommen: Gepäckträger gebrochen, Lichtkabel zerrissen, Schutzblech hinten teilweise lose und schlackert, Ketten-Schutzblech gebrochen und abgerissen. Kette lahmt, Schaltung tut nicht mehr richtig, Bremsen ziehen kaum noch, Vorderrad quietscht. Reifen ohne Profil. Ich machte mir ernsthaft Sorgen um meinen Gefährten und hatte Zweifel, ob er die letzten paar Tage bis zum meinem Ziel noch durchhalten würde. Sah nach starker Entkräftung aus.

geknickt

Um 9 Uhr in Galati eine offene Fahrradwerkstatt gefunden. Der Mechaniker war skeptisch, ob er mir wenigstens den Gepäckträger würde reparieren können. Einen neuen hatte er nicht. Er kramte in der Abstellkammer herum und fand einen alten gebrauchten.

geschickt

Aus zwei mach eins: Nach einer halben Stunde konnte er das Ding fixieren. Als ich zahlen wollte, meinte er: „Kostet nichts!“ Ich schüttelte ungläubig den Kopf. Aber beharrte darauf: Er habe mir doch nur einen gebrauchten Gepäckträger geben können. Der habe ihn ja auch nichts gekostet. Ich drückte ihm 5 Euro in die Hand. Es war ihm peinlich.

Zurück zum Hotel, mein Zeugs gesattelt, um halb elf los und in einer Stunde zur Grenze nach Moldawien.

Die Grenzformalitäten waren (obwohl EU Außengrenze) sehr schnell erledigt.

Im moldawischen Grenz-Dorf wurde ich von einem seltsamen Dreigestirn empfangen:

unvermittelt

Sozialistischer Russenstern, skeptische Jungfrau Maria und extravaganter Jesus.

Jesus in blue

Die Strecke nach Cahul verlief mehr oder weniger parallel zum Grenzfluss Pruth, einem Nebenfluss der Donau.

parallel

Moldawien schien dünn besiedelt. Auf jedenfall kaum zersiedelt. Entweder Landschaft – oder kompaktes Dorf.

Chaos kommt von oben

Von der Ferne schienen die Dörfer grau.

kompakt

ab-schüssig

Aus der Nähe war es eine Farbenpracht.

farb-fühlig

farb-fühlig 2

Ähnlich schon wie auf der rumänischen Seite. Überhaupt schien man sich hier entlang der Grenze ziemlich nah.
Wobei: In Moldawien tendierten manche Häuser-Verzierungen ins ziemlich Kitschige.

kitsch as kitsch can

Autos waren kaum zu sehen, nicht geparkt, nicht unterwegs auf der Straße.

empty way

Relativ früh in Cahul angekommen. Einem sehr sympathischen Kleinstädtchen.
Der zentrale Platz: mit einer Universität bestückt.

bildungsnah

Später las ich, dass Cahul eines der wenigen moldawischen Städtchen war, das wuchs, statt seine junge Bevölkerung ins Ausland zu verlieren.

ohne Kommentar

Unterkunft: Hotel Azalia. Stadtmitte. Plattenbau, aber kürzlich renoviert. Netter Empfang. Zimmer groß, mit alten Möbeln bestückt. Eigener Wohnzimmerbereich. Fahrrad in Hof angekettet. 32 Euro (mit Frühstück).

Kulinarisches Brevier Rumänien 2

Gar nicht so leicht, zu sagen, was die rumänische Küche an der Schwarzmeerküste und im Hinterland des Donaudeltas ausmacht.
Zumindest in den Restaurants, die jetzt in der Vorsaison offen hatten, dominierte eine mediterrane, internationale Richtung.
Lokales Kolorit war kaum zu spüren.
Dafür war meist die Qualität/Frische der Fische wirklich gut.

Mangalia

Es war nicht einfach, ein offenes Restaurant zu finden. In Hafennähe dann doch fündig geworden.

Maritimo
Eher eine Bar, eine Lounge, denn ein Restaurant. Merkwürdiges Publikum, das offenbar hier seinen Status zur Schau stellte ( = Geld haben). Ich war skeptisch, wurde aber angenehm überrascht. Die Küche war ausgezeichnet.

1) Bruschetta mit Anchovi (2,5 Euro)
2) Tagliatelle mit Tintenfisch in schwarzer Soße (8 Euro)
3) Obstkuchen mit Vanilleeis (2,5 Euro)

Besonders der Tintenfisch in seiner schwarzen Tinte hatte es mir angetan. Sehr gut!

Konstanza

Bacaro Port
Eines der vielen Hafenlokale, die sich eigentlich alle ähneln. Schick, herausgeputzt, ein bisschen mondän, ein Platz, um sich zu zeigen und zu demonstrieren, dass man zur Geldelite des Landes gehört oder zumindest so tut. (Für den mitteleuropäischen Geldbeutel war das kein Problem, für den einheimischen allerdings sicher!) Viele im Lokal waren sehr damit beschäftigt, Selfies zu machen und sie gleich ins Netz zu stellen.

1) Fischsuppe
2) Gebratener Lachs mit Meerrettichsauce

Suppe gut, Lachs sehr trocken.

Murighiol

Blue House

Neu eröffnetes Hotel samt Restaurant. Wurde mir von meinem Pensionswirt empfohlen, was nicht weiter verwunderlich war. Der Besitzer war sein Bruder. Es gab aber (in der Nebensaison) eh kaum eine Alternative. Schön eingerichtetes Lokal. Viel auf Edel (und Weiß) gemacht. Die Küche gab sich Mühe.

1) Fischsuppe
2) Scrumbie, gebraten

Bei der Fischsuppe wurden getrennt  zur Brühe diverse gekochte Fische serviert – samt einer exzellenten Knoblauchpaste. Insgesamt sehr gut und enorm sättigend, Hätte eigentlich gereicht.
Gegrillter Fisch anschließend etwas trocken geraten.

Casa Badea
Privatunterkunft. Die Frau des Wirtes brutzelte auf dem Grill über offenem Feuer den besten Grillfisch, den ich je gegessen habe. (Dieser Superlativ muss sein!) Scrumbie!

Näheres: siehe Blogeintrag Tag 259 / 11.4.2018

Tulcea

Ivan Pescar Fish Bar
Schönes Lokal am Hafen. Einfach eingerichtet. Sehr kompetente Bedienung. Und sehr gute und einsehbare Küche, die frischen Fisch verarbeitet.

1) Ivan Pescar Speciality (10,5 Euro)
2) Catfish(Wels) with Vegetables Stew in the Oven (6 Euro) 

Die Vorspeise doppelt so teuer wie der Hauptgang. War aber gerechtfertigt. Exzellent geräucherter  Fisch. Samt Karpfenkaviarcreme. Hauptspeise: Welsfilet. Saftig gegart. Mit Tomaten-, Gemüsesoße und Polenta. Sehr gut.

Galati

Blue Aqua
Restaurant in Betonblock, aber schön über der Küste gelegen. Treffpunkt der Schönen und (Schein)Reichen und denjenigen, die es mal für einen Abend sein wollen.
Küche ambitioniert. Aber teilweise überfordert.

1) Bruschetta (Lachs mit Kapern)
2) Gesottenes Fischfilet mit Broccoli
3) Orangenkuchen

Alles ordentlich, ohne wirklich zu überzeugen.

Tag 261 (13.04.2018) / Rumänien: Tulcea -> Galati

Strecke: 83 km (10:30 – 18:00 Uhr)

Beim Losfahren blockierte wiedermal mein Hinterrad. Das Schutzblech war auf den Reifen abgesunken und bremste ihn. Ich hatte Mühe, das wieder zu richten. Das Blech ließ sich nicht richtig fixieren. Mit Ach und Krach ging’s dann doch.
Die Strecke Richtung moldawischer Grenze unspektakulär. Nur selten kam ich der Donau spucknah.

gedoppelt

Die Donau-Ortschaften einfach.
Die drei Damen, die an einem Dorfeingang Honig, Selbsteingemachtes und selbstgebraute Getränke verkauften, ließen sich erst fotografieren, nachdem sie sich hübsch gemacht hatten.
„Zieh dein Kopftuch aus dem Gesicht“ – hatte die eine zur andern gerufen. Und alle drei haben gelacht und sich nach dem „Fotoshooting“ bekreuzigt.

Die drei Damen von der Schankstelle

Kurz bevor ich die Fähre zur Donauhafenstadt Galati erreichte, passierte es.
Ein Schlag – und wieder blockierte mein Hinterrad.
Jetzt war ich gezwungen, genauer hinschauen.
Der Gepäckträger war gebrochen. Die Aufhängung des Schutzbleches hinten ebenfalls. Das Lichtkabel gerissen.
So war kein Weiterkommen.
(Schon vor 2 Tagen hatte ich das Schutzblech über der Kette verloren und noch ein paar andere Wehwehchen am Rad entdeckt. Offensichtlich war es den Belastungen der Tour nicht mehr gewachsen. Ich musste hoffen, die Tour noch irgendwie zu Ende bringen zu können.)

Ich hatte dennoch Glück im Unglück, dass das Ganze kurz vor der Fähre passiert war. Ich schob das havarierte Gerät bis zum Fluss. Löste das Ticket und setzte über.

so fern, so nah

Auf der anderen Seite der Donau sattelte ich die Gepäcktaschen ab. Lud alles in die Reisetasche um.

so kaputt

Schulterte das gesamte Gepäck, fixierte den Gepäckträger mit 2 Spannseilen, so dass ich wenigstens fahren konnte, und strampelte die letzten 4 Kilometer bis zu meinem Hotel in Galati.

18 Uhr – alle Geschäfte zu – ich musste hoffen, morgen (Samstag) eine offene Werkstatt zu finden.

Der Blick aus meinem Hotelfenster auf das Donauufer gegenüber entschädigte mich ein wenig.

am andern Ufer

am andern Ufer 2

Galati interessant, jung, voll. Ich war aber zu müde, um den Trubel zu genießen.

Unterkunft: Hotel Falezza. Toll am Donauufer gelegen. Grandioser Blick auf das Donautal. Modernisierter Plattenbau. Etwas schwierig die Kommunikation mit der Rezeption (kein Englisch). Fahrrad draußen angekettet. 45 Euro (mit Frühstück).

Tag 260 (12.04.2018) / Rumänien: Murighiol -> Tulcea

Strecke: 38 km (09:00 – 12:00 Uhr)

Mein Wirt und Bootsführer von gestern hatte mir mitgegeben: Murighiol sei zu 65 % ukrainisch. Er vergaß nicht dazu zu sagen: „Schwierige Menschen“. Was immer das auch zu bedeuten hatte: Es war Grenzgebiet. Dutzendmal haben die Herrscher/Besatzer in den letzten Jahrhunderten gewechselt. Wessen Heimat das genau ist ? Wohl von allen.

Der schönste Dachschmuck jedenfalls ukrainisch.

Ca. 1900.

Handwerkskunst 1

Handwerkskunst 2

Ich war noch betäubt vom gestrigen Tag und radelte eher gemächlich. Mein Tagesziel nicht weit entfernt.

Die Donau (genauer ein Donau-Arm) wirkte aus der Ferne verwunschen. Ab und zu ein Ausflugsboot.

Wasserkunst 1

Die Dörfer aus der Ferne interessanter als aus der Nähe.

Wasserkunst 2

Die Landstraße kaum befahren.

Wegekunst

Der Frühling und das Wachstum ließen noch auf sich warten.

Landwirtschaftskunst

Die Sonne kam aber raus und kräftigte die Farben.

Ich kam sehr früh nach Tulcea. Und fühlte mich kurz wie – in der Karibik? – in New Orleans? – in Suriname?

New Orleans?

Ich war aber in Rumänien. Schönes Land.

Unterkunft: Hotel Delta. Moderne Vier-Sterne-Unterkunft am Hafen. Rezeption zuvorkommend, hilfsbereit. Große Zimmer. Fahrrad in Abstellkammer untergebracht. 52 Euro (mit Frühstück).

Tag 259 (11.04.2018) / Rumänien: Pause in Murighiol und Fahrt durchs Donaudelta

Ich wollte früh aufbrechen, so im Morgengrauen. Mein Wirt sagte : „sinnlos“ – und hatte Recht.
Noch um 8 Uhr war es saukalt und neblig trüb. Um 9 Uhr ein wenig besser.
Wir starteten. Ließen das Boot ins Wasser.
Nach 5 Minuten die Donau-„Tanke“ erreicht. Mein Wirt füllte die Bootskanister auf. Ich kaufte einen Sixpack. Und los.

eingemummelt

Durch einen Seitenkanal steuerte mein Gastgeber Richtung Donau. Will heißen: den unteren der 3 Mündungsarme.

eingetrübt

Der Donauarm: breit, riesig, uninteressant.

eingefahren

Spannend wurde es erst, als es ins Gebüsch ging.

eingeschilft

Fischerhütten. Dort übernachten in der Saison Fischer. Am  Morgen bringen sie dann ihren Fang in die Dörfer. 1 Stunde Fahrt.
Manchmal mehr.

Jetzt waren die Hütten unterflutet. Die Donau hatte Hochwasser. Zudem war Schon- und Laichzeit. Kein Fischen erlaubt.

eingeweicht

Auf manchen Delta-Inseln (sehr klein!) lebten Familien in ihren klammen Hütten.

Einödhof

Die Kinder sahen nie eine Schule. Noch packt es der rumänische Staat nicht, solch entlegene Orte mit Infrastruktur zu versorgen (Schul-Boot-Taxi?).

splendid isolation

Wir wurden mit viel Hallo und Geschrei begrüßt und verabschiedet.

als sei’s der Amazonas

Immer tiefer steuerten wir ins Delta hinein. Mein Wirt hatte die Lizenz, selbst in das absolut geschützte Bioreservat zu fahren.

bisschen brackig

Wasserdschungel.

ganz brackig

Die ersten Vögel bekam ich vor die Linse. Unscharf noch.

von hinten

Fasan männlich.

halb von hinten

Fasan weiblich.

halb von der Seite

Weiter und weiter in den Urwald. Mein Wirt kannte jeden Winkel.

verzweigt und verästelt

Sie hatte er aber auch noch nicht gesehen: eine Wildkatze. Für Sekunden war sie da. Lugte durch das Gestrüpp einer kleinen Landzunge. Guckte selbst überrascht.

ertappt

Ich recherchierte später (in der Nacht) im Internet: Offenbar ist es fast unmöglich eine Wildkatze in freier Wildbahn zu fotografieren. Zu scheu. Wildkatzen gelten zudem  als nicht zähmbar.

Offensichtlich hatte ich Riesenglück. Fotojägerglück.

vergrößert

Mir gelangen zwei drei Aufnahmen. Dann war sie weg.

und tschüss

Und kaum eine halbe Stunde später wieder ein Glücksschuss: „Look look“ – rief mein Wirt aufgeregt – „a wild dog!“

gemütlich

Er wirkte gar nicht scheu. Schaute interessiert, wie wir uns dem Ufer näherten.

Als wir Anstalten machten, den Grund zu betreten, trottete er von dannen.

Dackelblick

Auch hier recherchierte ich in der Nacht im Internet: Offensichtlich war dies ein „Marderhund“. Gilt ebenfalls als sehr scheu (kann ich nicht bestätigen). Sein Lebenskreis ist eigentlich Japan, China und Sibirien. Seit einigen Jahrzehnten wird er u.a. auch in der Ukraine und eben hier im rumänischen Donaudelta gesichtet.

troll dich, Troll

Was für ein Tag!

Wir drehten noch ein paar Runden im Schilf.

Schilfinseln

gespiegelt

Dann lotste mich mein Wirt auf einen der vielen Binnenseen im Delta.
Er sagte, leider seien wir zu früh dran. Im April gäbe es dort noch nichts zu sehen. Wasserblumen und Vögel verschönerten die Seen erst ab Mai. Vor allem die Pelikane seien noch in Afrika.
Wie gut, dass er sich irrte.
Kaum waren wir auf dem See, sichteten wir schon die ersten Pelikane.

rosa, weiß, schwarz

Rosapelikane. Schwarze. WeißderTeufelwasfürwelche-IchRecherchierteNichtimInternet.

nach rechts

nach links

nach rechts

nach links

Mittlerweile hatten wir 5 bis 6 Stunden auf dem Wasser verbracht. Wir wurden hungrig. Steuerten das Boot nach Hause.
Ich guckte nicht mehr nach Tieren. Nur noch auf das Wasser. Irre Spiegelungen.

artwork

Kurz vor Ankunft noch ein LanghalsReiher (gibt’s gar nicht, hab ich recherchiert – also ein Fake-Reiher).

Langhals

Es war später Nachmittag als wir wieder festen Boden betraten.
Zuhause brutzelte mir über offenem Feuer mein Wirt noch den besten Grillfisch, den ich je gegessen habe. (Dieser Superlativ muss sein!) Scrumbie!

Hausgrill

Jetzt im April sei der Fisch am besten! Laichzeit. Dann kämen die Schwärme aus dem Schwarzen Meer die Donau hoch. Und genau dann sei das Fleisch der Fische fantastisch. Ich hatte keinen Vergleich, war aber völlig begeistert.

Ich fragte meinen Wirt, wie er eigentlich erkenne, ab wann die Fische über dem Feuer gar seien.

„Wenn die Augen weiß werden“, erwiderte er.

Dinner for two

Und schließlich zeigte er mir, dass man hierzulande den toten Fisch nicht mit Messer und Gabel traktiert, sondern ihn schön mit den Fingern filetiert.
Es war superköstlich.

Dazu servierte die Frau des Wirtes eine selbstgemachte Kaviarcreme. Aus dem Rogen von Donaukarpfen.
Umwerfend.

fast schon leer

Tag 258 (10.04.2018) / Rumänien: Jurilovka -> Murighiol

Strecke: 63 km (09:00 – 14:30 Uhr)

Ich bremste mich selbst ab. Statt schneller Strecken, vergnügte ich mich mit langsamen Dorfdurchfahrten. Weit wollte ich nicht kommen, höchstens ankommen. Irgendwann.

Jurilovka präsentierte mir am Morgen seine schönsten Straßenrand-Häuser mit Frühlicht.

Sinn für Farbe

Ich hätte eigentlich jedes Haus fotografieren können.

Sinn für verblasende Farben

Beschränkte mich aber auf 3 nebeneinander liegende Anwesen.

Sinn für alte Farben

Die Landschaft wellig – mit lang langen Alleen.

Licht am Ende des Tunnels

Ich dachte, je näher ich dem Donaudelta komme, umso flacher die Strecke. Weit gefehlt.
Fast mittelgebirgsmäßige Anstiege. (In Wahrheit nicht mehr als jeweils 100 Höhenmeter – aber subjektiv ging’s steil hoch.)

Und Abfahrten natürlich, die mich immer wieder zum Anhalten zwangen. Zu schöne Aussichten.

wohin führt die Straße ?

Im nächsten Dorf ein Bauernmuseum.

Time I remember

Ein typischer Bauernhof aus dem Jahr 1900, liebevoll restauriert und konserviert.

on top

grounded

Ob noch jemand im Dorf diese Webkunst beherrscht?

einladend

Feine Stoffe und Teppiche.

Stilleben mit Puppen

kann das noch jemand im Dorf?

Zu welchem Anlass trug Frau solche Schlappen?

bestimmt keine Arbeitslatschen?

Arm war der Besitzer dieser Kutsche sicher nicht.

für die Sonntagsfahrer

Das Dorf selbst alles andere als museal. Viel Leben auf der Straße. Frauen in Kopftücher, die Einkäufe erledigten. Alte Männer wild gestikulierend im Schatten. Und vor vielen Häusern saßen Paare einträchtig auf der Bank vor ihrem Haus und schauten interessiert dem Treiben zu.

sehr lebendig

Wieder raus aus dem Dorf und weiter. Immer wieder kleine Lagunen.

wassersatt, natursatt

Kleine Binnenseen.

Froschsicht

Ich hatte das Delta erreicht. Murighiol. Ein kleines Fischernest, das noch ziemlich eingemottet wirkte. Ich erlebte aber einen Glückstag. Ich fand eine Unterkunft mit einem Besitzer, der mir versprach, mich morgen mit seinem Boot den ganzen Tag durchs Delta zu kutschieren.
„You are a lucky guy“ – sagte er mir. Woher er das wußte?

Unterkunft in Murighiol: Casa Badea. Mitten im Dorf. Sehr sympathische Privatunterkunft. (3, 4 Zimmer). Schöner Garten mit Terrasse. Super Besitzer, der auch Ausflüge im Delta selbst organisiert und durchführt. (Er hat dafür ein Boot, das ein halbes Dutzend Gäste transportieren kann.) 30 Euro (ohne Frühstück).