Meer Europa

Einmal um den Kontinent

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Tag 227 (20.10.2017) / Italien: Taormina -> Catania

Strecke: 54 km (09:45 – 14:00 Uhr)

Letzter Tag der 7. Etappe.
In Taormina noch ein wenig getrödelt.

BergWaldStadtMeer

Dann gemütlich der Küstenlinie gefolgt. Fast von überall war der Ätna zu sehen. Und schon bald war ich an meinem Ziel: Catania.
Mein Fahrrad hatte ab sofort ausgedient!

Ich lief kreuz und quer durch die herrliche Altstadt, besuchte Bars, von deren Decken Drahtesel baumelten.

fly high

Ruhte mich an Brunnen aus.

lesen alle ebooks?

Ließ mich von turtelnden Paaren überreden, für sie Fotos zu schießen.

Turtle und Turtlerin

Schlief in der Nacht kaum.
Und trieb mich bereits früh am Morgen auf Märkten rum.
Sizilianer haben keine Scheu vor gehäuteten Tieren,

ausgeblutet

vor Innereien,

ausgeschlachtet

vor Fischblut.

bloody Saturday

Überhaupt: der Fischmarkt.
Mit mitteleuropäischen Augen, Nasen, Ohren nicht zu begreifen, was da vor sich geht.

Mehr Mensch als Fisch

Mit „südländisch“ ist das nicht wirklich beschrieben, dieses Gewimmel, Geschrei, dieser Gestank.

Mehr Fisch als Mensch

Mit „sinnlich“ vielleicht schon mehr.

Wessen Fisch stinkt nun?

Langsam nahm ich Abschied von Italien, …

unterm roten Baldachin

… das mich immer wieder überrascht hatte. Durch die Schönheit der Riviera, durch die Liebenswürdigkeit und Gastfreundschaft der Menschen. Ich konnte gar nicht mehr verstehen, wie ich dieses Land so lange habe ignorieren (und verkennen) können.
Ich werde wiederkommen – pronto!

——-

Zum Schluß:
Rund 1.800 Kilometer in gut 3 Wochen zurückgelegt.
Jetzt fehlt nur noch eine Etappe, dann ist das Mittelmeer komplett geschafft. Dann fehlt im Grunde „nur“ noch Skandinavien, um Europa komplett umradelt zu haben.

Kulinarisches Brevier: Italien 4

Auf der bisherigen Europarunde habe ich eine Menge landschaftlicher Favoriten – aber eigentlich nur einen in Sachen Essen: Italien/Westcoast.
Wirklich grandios. Ich habe gute Lokale gesucht, aber keine Sterneküchen. Ich wurde verwöhnt. Welche Vielfalt, welche Ambition, Essen so zuzubereiten, dass es ein Vergnügen war, einzukehren. Köche haben hier viel von „Mama“ gelernt. Aromenzauber, gute Produkte, sicheres Handwerk: All das scheint im Blut zu liegen. Es war die erste Etappe meiner Rundfahrt auf der ich – das stellte ich später an meinem Gürtel fest – zugenommen habe. Trotz anstrengender Fahrten. Ich konnte gar nicht mehr aufhören zu essen. Fisch und noch mal Fisch. Pasta über Pasta.

Und: Ich konnte gar nicht so viel notieren so sehr ich begeistert war. Deswegen diesmal nur kulinarische Fotos – ohne textliche Beilagen.

Albenga

Restaurant: Enosfizioteca Conterosso

Genua

Restaurant: Sopranos

Santa Marguerita

Restaurant: Da Beppe

Restaurant: Il Patio

Vernazza

Castignoncello

Restaurant: Il Cardellino

Grosseto

Anzio

Sperlonga

Pozzuoli

Paestum

Restaurant: Domus Clelia

Sorrent

Pisciotta

Maratea

Restaurant: La Perla

Amantea

Tropea

Villa San G

Milazzo

Restaurant: Doppio Gusto

Ginostra

Taormina


Ristorante Grotta Azzurra

Catania

Tag 226 (19.10.2017) / Italien: Milazzo -> Taormina

Strecke: 53 km (11:00 – 15:45 Uhr)

Die letzten beiden Tage lagen vor mir. Ich teilte sie in zwei angenehm zu fahrende Streckenabschnitte.

Von Milazzo fuhr ich mit dem Zug zuerst nach Messina zurück. Dort, wo ich vor über einer Woche bereits gewesen war.
(Ungemein billig, das Bahnfahren in Italien. Dazu bequem. Könnte die DB einiges lernen!)

Aussicht

Dann startete ich mit dem Fahrrad.
Angenehme Küstenstrecke.

Fernsicht

Nur zweimal musste ich mich anstrengen. Einmal ein kleiner Berg – und später der schweißtreibende Anstieg auf das fantastisch in den Fels eingeschmiegte Taormina.

Aber eigentlich waren meine Gedanken immer noch im Vergangenen. Die Woche Stromboli klang nach.

Ich erinnerte mich auch an meine erste Reise nach Sizilien, vor über 40 Jahren. Hier an der Ostküste, die ich gerade entlang radelte, schoss ich damals dieses Schwarzweiß-Foto eines Werbeplakats. In dem prüden Italien der 70er Jahre, besonders in Sizilien, hatte mich die recht offenherzige Anzeige überrascht.

Nahsicht

Etwa 10 Jahre später versuchte ich das Bild zu animieren. Meine erste GIF-Animation! Kann mich schon gar nicht mehr an den Rechner erinnern, auf dem ich das Werk in nächtelanger Arbeit erstellt habe.

Gegen 16 Uhr in Taormina eingetrudelt.

verbaut

Zu Füßen des antiken Amphitheaters die fantastische Altstadt. Sie war (erwartbar) total überlaufen. Ich dachte, wo viele – vor allem – deutsche Touristen sind, gibt es sicher auch aktuelle deutsche Tageszeitungen oder politische Wochenmagazine zu kaufen. Weit gefehlt. Magazine gab es Zuhauf. Aber für welches Publikum? Wer kaufte sich das Zeugs?

Ansicht

Ich schlenderte ein wenig herum und setzte mich rasch in ein schönes Fischrestaurant. Ohne Lesestoff.

toter Blick

 

Tag 225 (18.10.2017) / Italien: Rückfahrt nach Milazzo

Eine Woche war rum.
Warum?
Ich hatte wieder gelernt, langsam zu sein. Nichts tun – gar nichts tun. Erholsamer als jeden Tag 100 Kilometer abzustrampeln.
Ich musste aber meine Etappe zu Ende bringen. Also zurück. Frühmorgens mit der Fähre. Nicht mit dem rasenden Tragflügelboot. Ich wollte langsam Abschied nehmen, nicht fliehen.
Schweren Herzens tappte ich in völliger Dunkelheit hinunter zum Landesteg. Leuchtete mir mit der Handy-Lampe den Weg.

Nachtgespenst

Es graute, als die Fähre sich aus dem Hafen schlich. Selbst die Frühaufsteher Ginostras dachten noch nicht daran, ihr Haus zu verlassen. Völlige Stille.

Gerade das war es, an was ich mich so gewöhnt hatte.
Ginostra war still. Kein Straßenlärm. Kein Menschenlärm. Manchmal meldete sich die Natur, ein Zirpen, ein Zwitschern, ein Flattern, ein Maulen des Esels, ein paar unterscheidbare Stimmen. Manchmal hörte ich den Vulkan, wenn er rumpelte, rülpste, zischte.
Sonst nichts. Kein künstlicher Ton – nirgends. Kein Fernseher, der lief.
Doch – manchmal brummte mein Kühlschrank. Dann stellte ich ihn aus.

Herrliche Stille. Sie hielt die Zeit an.
Und jetzt lief sie wieder.

I come back

Die Fähre stampfte. Aber ich ignorierte das.
Ich war auf Deck – mal Bug mal Heck – und guckte.

Wie Inseln an mir vorbei schwammen.

Horizont-Schleiche

Wie Inseln von ersten Sonnenstrahlen gewärmt wurden.

Fels im stillen See

Wie mein geliebter Stromboli immer mehr Form bekam – zur reinen Idee wurde – zum Idealbild eines Vulkans.

O I do look back

Wie die Sonne kämpfte, ihr Morgenrot abzuschütteln.

Schwarz gegen Sonne

Wie Fährschiffe sich als Forschungsschiffe maskierten, um unbekannte Welten zu erkunden.

was gibt’s zu forschen?

Wie meine fast menschenleere Fähre Kurs ins Blaue nahm.

wake up

Wie die Hauptinsel Lipari sich führ meinen Empfang schick machte.

Ales liegt irgendwann aufm Horizont

Wie ganz plötzlich das Wache über das Schläfrige siegte.

Here comes the sun

Wie eine Stadt sich belebte.

Kirche immer on top

Gleich neben Lipari …

Slow

… lag Vulcano.
Der Vulkan ist nicht mehr aktiv. Die Erde schwefelt aber nach.

schwefelig

Schließlich siegte der Tag endgültig über die Nacht. Und ich war zurück in Sizilien.
Milazzo, das ich vor einer Woche verlassen hatte, nahm mich wieder freundlich auf.

Sizilien!

Ruhewoche Ginostra/Stromboli (12.-17.10.2017)

Der reiche Poet

Zimmer mit Aussicht …

… und Schreibtisch

Poetenausstattung

Im Laptop der neueste Band Elena Ferrantes („Die Geschichte der getrennten Wege“). Im Kühlschrank immer ein gut gekühlter Tropfen.

angelehnt

Der Blick frei – frei aufs Meer. Auf die anderen Liparischen Inseln am nahen Horizont.

zickzack

Auf das Tragflügelboot, das auch mich hierhergebeamt hatte.

Füße gut gekühlt

Ginostra: Im Winter leben hier 30 Menschen. Im Sommer kommen manchmal 500 Touristen an einem Tag. Jetzt, in der Nebensaison, war der Ort fast leer.

Vielzack

Vor 40 Jahren war ich das erste Mal hier. Dann noch zweimal im Abstand von jeweils rund 10 Jahren.
Damals gab es noch keine Schnellboote, die hier anlandeten. Nur eine große Fähre, die weit außerhalb hielt. Fischerboote nahmen mich noch vor 20 Jahren draußen auf und brachten mich an die Steilküste, an der es nur einen Kleinsthafen (für 1 Fischerboot!) gab.
Mittlerweile ragt einen befestigter und robuster Landungssteg in die See.

Etagenbau

Aber noch immer ist der Esel das einzige Transportmittel in Ginostra. Es mühen steile Treppen hoch zum Dorf.

Zieh-Esel

Manche Gesichter erinnere ich noch. Wenn ich auch schnell beschloss, keine Einheimische zu fotografieren. Sie werden im Vierteljahresrhythmus von Fotografen regelrecht belagert.
Seit etwa 12 Jahren fließen Strom und  Wasser im Dorf. (Gab es vorher tatsächlich nicht!)
Strom: Dank einer Solaranlage in einer Bergmulde (versteckt).
Wasser: Dank großer Wassertank-Schiffe aus Neapel. (Früher so gut wie nur Zisternen-Wasser.)
Die Toiletten sind jetzt innerhalb der Häuser. (Früher Plumpsklos draußen.)

Und trotz unübersehbarer Modernisierung: Viel hat sich in Ginostra trotz Landungssteg, Strom und fließend Wasser nicht geändert.
Kein Internet. Keine Bank, kein Geldautomat, kein öffentliches Gebäude. Eine leerstehende Kirche, 2 kleine Läden, 1 offenes Restaurant (bis Ende Oktober).

Kein Auto, kein Fahrrad, keine Vespa.
Nur steile Wege …

scharfer Blick

… samt wunderschöner Häuser im traditionellen Stil.

geschliffene Kanten

erträgliches Rosa

 

eingekalkt

Götterthron

 

Lieblingsblau

Einst war der Ort ein Himmelsgeschenk. Zumindest was die Natur anbelangt. Die Vulkanerde fruchtbar. Der Wein, der auf kunstvoll angelegte Terrassen wuchs, berühmt.

stachelig

Obst und Gemüse im Überfluss.

dickhäutig

Bis ein heftiger Vulkanausbruch in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts fast alles zerstörte: Gärten, Häuser. Ginostra erholte sich nie wieder richtig. Verarmte.
Auf dem Friedhof, der über dem Dorf thront,

Am Fuße der Zeder

ist die Armut in den Gesichtern der Verstorbenen zurückgeblieben. Ausdrucksstarke Gesichter. Fast alle Toten waren Fischer, Bauern, Bäuerinnen, Mägde. Einige wenige: Lehrer, Bürgermeister, Postbeamte.

Erst in den 70er Jahren brachten erste Touristen ein bisschen Wohlstand für die wenigen dagebliebenen Familien. Auch wenn die Anreise für die Abenteurer beschwerlich war. Sie lebten damals – wie ich auch heute in Ginostra: Den Tag verbummeln. Ein bisschen Spazierengehen. Das Meer bestaunen.

Archaeopterix

Den Lauf der Sonne verfolgen.

Sonnenblume

Kurz vor Sunset zur Sciara wandern – der Lava-Rutsche des Vulkans. Eine Viertel Stunde von Ginostra entfernt.

Spuk

Mit etwas Glück …

Konfrontation

… das Feuerwerk bestaunen, das der Vulkan in schöner Regelmäßigkeit veranstaltet.
Zuhören wie die Lavabrocken und Steine über die Feuerrutsche ins Meer donnern.

Feuersterne

Ich hatte dieses Mal beschlossen, nicht zum Gipfel hoch zu wandern und dort zu übernachten. Ich hatte den Vulkan schon drei Mal bestiegen.

Lieblingsberg

Ich wollte nur faul sein. Nichts tun. Lesen, trinken, lesen, trinken. Den Tag vergehen lassen. Er tat es auch ohne meinen guten Vorsatz.

Tag 223 (11.10.2017) / Italien: Villa San Giovanni -> Milazzo

Strecke: 56 km (10:00 – 18:15 Uhr)

Mit der Fähre in weniger als einer halben Stunde die Straße von Messina gequert.

Inselhopper

In Messina selbst tobte ein heftiges Unwetter …

Regenfilter

… das sich bei der Anlandung Gottseidank bereits ausgepowert hatte. Ich entkam dem Regen.
Statt den kürzesten Weg querfeldein und hoch über die Berge (700 Meter Pass), wählte ich die längere bequeme Strecke, die sich um den Nordzipfel der Insel schlängelte. Immer dicht am Ufer.
Nach 3 1/2 Stunden lag Milazzo vor mir.

Regenfilter 2

Auch hier hatte das Unwetter losgedonnert- und mir als Erinnerung nur einen Regenbogen über der vorgelagerten Raffinerie zurückgelassen.

stairway to what? to whom?

Da ich viel früher als gedacht mein Etappenziel (Catania) erreichen werde, hatte ich gestern spontan beschlossen, eine längere Fahr-Pause einzulegen: auf der Vulkaninsel Stromboli. Ich fuhr gleich zum Hafen und besorgte mir ein Ticket für den nächsten Morgen.

Tag 222 (10.10.2017) / Italien: Tropea -> Villa San Giovanni

Strecke: 97 km (10:00 – 18:15 Uhr)

Uff, war das gemein.

Weitblick

Gleich hinter Tropea fast 700 Meter hoch.
Wenn auch immer wieder schöne Runterblicke.
Über Weltkriegsbunkerdeckel hinweg.

Draufsicht

Blütenbracht wechselte …

Anblick

mit Straßenmüll …

Mistblick

Er war gar nicht mehr zu ignorieren. Die süditalienische Landschaft – und vor allem die Straßenränder – verwandelte sich in eine große Müllkippe.
Zeitungsartikel erklärten mir stets: Mafia!
Aber kann das sein?
Ist da auch nicht viel privates Versagen dabei?

Kaum unten im Tal, ging es schon wieder nach oben. Lang und supersteil.
Ich holte alles aus meinem Körper raus: Viel war es aber nicht mehr, was mir an Kräften geblieben war.

Plötzlich ein irritierendes Plakat:

Augenblick

Er lebt also!
Er ist also unsterblich! Nie gemeuchelt worden, nie dahingerafft.
Wolfgang Amadeus besitzt sogar eine Telefonnummer – in einem kleinen kalabresischen Bergdörfchen.

Vogelblick

Von dort (Berg) ging es dann bald wieder steilst runter.
In einen atemberaubenden Küstenstrich.

aufgereiht

Fast war ich am Ziel …

hinter Fels gebaut

… dann beschloss ich, mir viel viel Zeit zu lassen.
1 Woche Pause auf der Vulkaninsel Stromboli – bevor ich meine Etappe zu Ende fahre.

Tag 221 (09.10.2017) / Italien: Amantea -> Tropea

Strecke: 97 km (09:00 – 16:15 Uhr)

Wie schon die Tage vorher hatte ich die Küstenstrecke unterschätzt. Sie verlief tatsächlich sehr meer-nah. Aber alles andere als flach.
Geschenkt.
Die Postkarten Bilder wurden seltener – eigentlich verschwanden sie.
Auf der Straße extrem viel Müll – ich konnte mich nicht entschließen, ihn zu fotografieren.
Es stank manchmal heftig.

Relativ früh mein Ziel erreicht: Tropea. Kalabresische Touristenhochburg und doch mit sympathischer Größe (nämlich relativ klein).
Richtig gutes Hotel gefunden. Extrem hilfsbereite Rezeptionistin.
Und auf der Dach- und Frühstücksterrasse thronte man wie der Kaiser von Tropea.
Blick auf die Neustadt.

Happy View

Blick auf die Liparischen Inseln.
Der Abend lastete schwer auf den kleinen Eiländern.

Mysterious View

Wie trotzen sie solch erdrückem Welten-Gewicht?
Was kann ich von diesem Widerstand lernen?

Tag 220 (08.10.2017) / Italien: Maratea -> Amantea

Strecke: 114 km (09:15 – 18:15 Uhr)

Schöner Tag. Der Abschied aus Maratea luftig kühl.

Morgentaulicht

Die Weiterfahrt: rollercoaster. Aber immer schön im Licht.

Blaulicht

Ich fuhr im Grunde immer halbhöhenlagig. Ganz runter zum Wasser kam ich so gut wie nie. Extrem steil wurde es auch nicht.
Ich war stets ein wenig über den Dingen.
Fotografierte keine Details. Meist Halbtotalen. Tieffliegende Vogelperspektive eben.

Grell-Licht

War ich nun eine Herbst-Schwalbe?

eingekreist

Oder eher eine Rad-Drohne?

Abendrosalicht

Mit dem Sonnenuntergang nach Amantea eingefahren.
Lebhafte Neustadt. Trotz Sonntag.

Tag 219 (07.10.2017) / Italien: Pisciotta -> Maratea

Strecke: 77 km (09:30 – 17:00 Uhr)

Unendlich liebevolle Wirtsfrau, die Burghotelbesitzerin. Zimmer bis ins letzte Detail geschmackvoll komponiert. Man spürte die (gewaltige) Investition und die Besessenheit, eine ästhetische Welt zu bauen. Gelungen! Frühstück auf der Burgsommerterrasse auch detailversessen.
Schöner Abschied von Pisciotta.

sweet one-day-home

Schuss runter ins Tal. 10, 15 Minuten. Serpentinengeschlängel.
Dann ein wenig eben und schließlich ab ins Küstengebirge.
Junge, Junge, mir wurde bang.
Brutaler Abwind – will sagen: Gegenwind.
Musste mehrmals anhalten, um nicht vom Sattel geweht zu werden.
Dann bauten sich Bergungeheuer vor mir auf.

Wände türmen sich

Nach ein wenig mehr als 2 Wochen Dauerfahrt ließ die Kraft merklich nach. Kaum ein Blick übrig für die wilde Bergwelt.

aus D kenn ich solche Bergdörfer nicht

Bergpass nach 3 Stunden überwunden und schließlich ellenlange Abfahrt zum Meeresufer.

Danach – natürlich – wieder rauf. Kruzifix wie anders ist die Riviera. Kein Vergleich zur italienischen Flach-Adria. Und „Allergrößten Respekt!“ für die italienische Berg-Straßen-Bau-Kunst. Haben die das im vorletzten Jahrhundert mit Hammer, Meißel und Dynamit gelöst?
Chapeau!

Blauexperten sind gefragt: korallenblau? Côte d’Azur Blau?

 

oder sogar grünblau? korallengrünblau?

Ich hatte die Basilikata erreicht. Maratea war mein Ziel. Mein digitaler Reiseführer schwärmte vom Flair des Berg-Dörfchens.
In Wahrheit aber war es ein gottverlassenes Nest, das sich in seinen Rändern selbst zum Verkauf anbot. Leere, halbzerfallene Häuser, die per großer Tafel einen (finanzstarken) Besitzerwechsel erbaten.

Allerdings: Das kleine Zentrum war fein herausgeputzt. Und heute war Dorffest.
Die Bewohner spielten Mittelalter. Überwiegend für sich selbst. Sympathisch.

Der singende Schäfer-Intellektuelle.

nicht mundfaul

Der handtrommelnde Innen-Architekt.

nicht handfaul

Der ungewöhnliche Quetschkommoden-Abiturient.

blickfaul

Die authentische Hausfrau.

niemals faul

Die gespielte Bäuerin.

manchmal?

Heile Dorfwelt.

fauler Sonntag

Auf dass es außerhalb der Saison nicht ausstirbt.

leergefegt