Meer Europa

Strecke

Tag 321 (20.07.2019) / Norwegen: Steinkjer -> Trondheim (ETAPPENSCHLUSS)

Strecke: 135 km.  (08:30 – 18:30 Uhr.)

Einmalig schönes Trondheim! Ich radelte frohgestimmt ins Etappenende hinein. Schluss mit Etappe 10.

Nach 3.330 Kilometern in exakt 5 Wochen, von Helsinki über das Nordkap bis nach Trondheim, wird jetzt für die Rückreise gepackt.

Der Schlusssprint heute schmerzlos, die Strecke größtenteils flach.

Es fehlt nun nicht mehr viel, nur noch eine weitere Etappe (nächstes Jahr), und Europa ist geschafft!

Insgesamt (in 10 Etappen) nun rund 24.030 Kilometer abgefahren.

Tag 320 (19.07.2019) / Norwegen: Namsos -> Steinkjer

Strecke: 74 km.  (10:45 – 17:00 Uhr)

Wie ich mich fühle? So:

Vorletzter Tag. Ich hatte beschlossen, morgen in Trondheim die Tour zu beenden. Ich war kaputt. Ich kämpfte gegen eine ganze Rebellenarmee in mir:

  • Die rechte Wade verweigerte immer dreister den Dienst
  • Eine Hirnhälfte verhielt sich zunehmend subversiv und flüsterte mir ein, Unsinn zu machen, statt faul mit Freunden in der Sonne zu liegen, zu plaudern, zu lesen und dazu einen gut gekühlten Riesling zu trinken
  • Sogar mein einst treuer Gefährte Fahrrad bockte wieder und wollte nicht mehr durch Staub, Schlamm oder Kiesel

Ich hatte alle Mühe, den Aufstand niederzuschlagen, setzte grobe Mittel ein, kam aber dennoch zusehends in öffentlichen Rechtfertigungszwang.

Schon seit Tagen nahm ich kaum mehr noch Menschen, Landschaften, Situationen, Fotomotive wahr. Ich war nur noch mit mir selbst beschäftigt. Das Weiterkommen ein einziger Kampf mit mir (nicht mit den Bergen, der Straße oder dem Gegenwind).

Ich wünschte manchmal, ich könnte mir ein Hexentaxi nehmen und mich auf einem Besen zum Etappenziel kutschieren lassen.

Oder dass ich mich in einen Baumriesen verwandelte: fest verwurzelt, nie unstet, nie wandernd. Einfach da. Nie weg. Die Sonne kreist um jeden einzelnen Baum, nicht nur um die Erde. So muss man denken! Ich – Baum – Zentrum!

Aber es nutzte nichts. Noch war ich nicht vegan wiedergeboren. Ich musste in diesem Leben weiterkommen. Aber nur noch bis morgen. Ich kam früh in Steinkjer an. Sammelte Kräfte für den letzten Hexenritt nach Trondheim. 135 Kilometer. Morgen.

Tag 319 (18.07.2019) / Norwegen: Bogen -> Namsos

Strecke: 106 km.  (09:30- 20:30 Uhr)

Spiegel-Tag.

Sattelfotografie. Nicht absteigen, das Fahrrad an den Straßenrand bugsieren, kurz das Motiv fixieren, abdrücken, Kamera einpacken und weiter.

Da stieg ich mal ab. Abgesoffene Wolken.

Ansonsten hingen sie am Himmel rum, störten die Sonne aber nicht wesentlich.

Knallschöner Tag.

Kraftvoll.

Nur ich nicht. Ich wankte. Langsam konnte ich nicht mehr. Die Knie weich. Jeder Anstieg ein Mühen. Ich hatte inzwischen Namsos erreicht – 200 km nördlich von Trondheim. Diese Tour muss jetzt langsam aufhören.

Tag 318 (17.07.2019) / Norwegen: Vevelstad -> Bogen

Strecke: 102 km mit dem Fahrrad. 

Dazu 2 Fähren. (09:30- 18:45 Uhr)

Manchmal wurde es richtig flach. Die Berge zogen sich ins Hinterland zurück. Weiße Schneehauben waren seit ein paar Tagen (seit wann eigentlich genau?) verschwunden.

Jetzt dominierten die Bauernhäuser. Fischerkaten wurden seltener.

Nicht mehr jedes Haus war rotbraun oder gelb. Manche im aristokratischen Weiß.

Mit schöner Schreinerkunst.

Aber die Berge kamen zurück. Forderten mich wieder heraus.

Ich machte häufiger Rast.

Der Wald wuchs in das Meer hinein. Von oben wirkten die Fjorde jetzt wie aufgeraute Waldseen.

Nach etwa 100 Kilometern hatte ich Glück. Ich spechtete in einem Dreiseelendorf ein “Feriehus”, das sogar noch ein Zimmer frei hatte. Das teuerste natürlich. Ein riesiges Apartment mit Einbauküche. Ich hatte vorgesorgt. Ich hatte genügend Wein, Brot, Käse und Dosentunfisch (in Öl und peperoni-scharf) dabei. Ich wurde satt. Und durstig blieb ich auch nicht.

Tag 317 (16.07.2019) / Norwegen: Nesna -> Vevelstad

Strecke: 73 km mit dem Fahrrad. 

Dazu 2 Fähren mit ca. 24 Kilometern. (10:15- 19:45 Uhr)

Nach dem gestrigen Tag, der mich fast völlig ausgelaugt hatte, ging ich es heute etwas gemütlicher an. Spät erst brach ich auf. Der Tag lud eh zum Bummeln ein. Die Sicht war grau, diesig. Es war kalt. Meine Unterkunft war eine Katzensprung vom Fährhafen in Nesna entfernt. Die Überfahrt nach Levang ging schnell. Der dortige Anlegestelle – wie so häufig – im Niemandsland. Ein Verladesteg. Eine Schlange von wartenden Autos und Caravans. Ein, zwei Häuser. Sonst nichts.

Unterwegs: immer wieder ein paar Siedlungen an den Fjordufern. Ich weiß nicht, ob man bei der Ansammlung einiger Häuser von einem Dorf sprechen kann. Es gab keine Mitte, kein Marktplatz, keine Kirche mit Kirchplatz. Die Häuser standen eher neben einander. Anwohner waren so gut wie nie auf der Straße. Auf dem Wasser manchmal ein paar Fischer oder Angler. Aber ansonsten: Landschaft und Meer ohne Menschen.

Die Küste: ein Gewirr aus Inselchen und Inseln.

Über Land fahren hieß oft: über Brücken fahren. Manche waren spektakulär konstruiert. Eine – die Helgelandbrücke – führte scheinbar aufs Meer, nutzte eine Landzunge im seichten Ozean, um sanft auszulaufen.

Auf der zweiten Fähre sah ich zufällig einen Prospekt, der die Ferien-Unterkünfte der Gegend aufreihte. Ein Gästehaus in der Nähe der schönen Kirche in Vevelstad hatte noch ein Zimmer frei.

Das Haus entpuppte sich als Wunderkiste. Liebevoll im alten Stil eingerichtet. Eine Herberge mit 5 Zimmern.

Die Wirtin kochte selbst – aber nur auf Vorbestellung. Da ich spontan geklingelt hatte, bekam ich nicht das Menü ab. Die Wirtin kramte aus dem Gefrierschrank dafür einen exzellenten Bacalao-Eintopf hervor, kochte ihn vorsichtig auf, würzte und schärfte ihn noch etwas.

Selten einen so schmackhaften (getrockneten und gesalzenen) Kabeljau gegessen. Mit Kartoffeln und Zwiebeln. Portugiesische Klippfischküche im hohen Norden.

Überhaupt die Wirtin: Sie schaute einen listig an, war schlagfertig, juxte viel und war stolz auf ihre Unterkunft. Erklärte gerne die vielen Details der sorgfältig ausgewählten Einrichtung. Fast alles Erinnerungsstücke. Aber nichts, rein gar nichts war muffig. Alles strahlte heiter. So wie die Wirtin. Es schmeichelte ihr, wenn man ihre Kochkünste lobte. Dann seufzte sie tief und zufrieden.

Im kleinen Speisesaal nur Deutsche: ein Männerpaar aus München und ein Blogger (hab vergessen woher), der neue Wanderwege suchte.

Wir zogen uns nach dem Essen gemeinsam ins “Entrée” genannte Herrenzimmer zurück. Berauschten uns an dem, was wir alles schon in Norwegen gesehen hatten.

Tag 316 (15.07.2019) / Norwegen: Ornes -> Nesna

Strecke: 150 km mit dem Fahrrad. 

Dazu 3 Fähren mit ca. 44 Kilometern. (07:15- 00:30 Uhr)

Fährentag. Kurz nach 7 Uhr in Ornes auf das Schiff, das mich (und zahlreiche Autos) nach Vassdalsvik brachte.

An Bord wollte ich schnell einen Kaffee trinken. Aber der Automat akzeptierte keine Visa-Karte. Nur Münzen. Zum ersten Mal überhaupt, seit ich in Norwegen unterwegs war, wurde Cash verlangt. Hatte natürlich kein Kleingeld. Also kein Aufwachkaffee.

32 Kilometer geradelt, schon wartete die nächste Auto-Fähre. Ein Haifisch-Monstrum. Irrsinnig – wie viel Geld Norwegen in die Brücken- und Fähren-Infrastruktur steckt. Aber anders ist dieses Insel-, Halbinsel-, Berg-Land nicht zu erschließen.

Die Sonne kämpfte über der Wolkenschicht, um mich Norwegenfahrer zu grüßen und auch ein bisschen aufzuwärmen. Bekam aber kein Licht-Strählchen durch die grauweiße Totalblockade. Ich fror.

Erst heute fiel mir auf, dass das Meer in Norwegen nicht rauschte. Die Fjorde seenhaft ruhig.

Alles, was ich hörte, war das summende Rollen meiner inzwischen völlig abgefahrenen Fahrradreifen.

Bizarre Spiegelungen an den Fjordenden. Ich hatte das Gefühl jeden einzelnen Fjord Norwegens auszufahren.

Schon bald wartete die dritte Fähre. Von Jektvik nach Kilboghamn. Sie fuhr lang.

Und kreuzte genau hier, an diesem grau-grünen Berglein den nördlichen Polarkreis.

Eine Weltkugel am fernen Ufer zeigte den genauen Punkt an.

Das halbe Schiff stapfte auf Deck, um sie (den weit weit entfernten “Punkt” auf der gegenüberliegenden Küstenwiese) zu fotografieren.

Dann noch mal 90 Kilometer bis nach Nesna. Ich hatte auf dem dortigen Campingplatz angerufen und gefragt, ob es noch ein Zimmer oder eine Hütte gäbe. Treffer. Das Problem: Die Rezeption schloss bereits um 19 Uhr, ich aber war noch 60 Kilometer entfernt und es war bereits 18:30 Uhr. Der Rezeptionist war supernett. Sagte, er würde die Tür zu dem Zimmer offen lassen und den Schlüssel aufs Bett legen. Ich solle mir keine Sorgen machen. Machte ich mir nicht.

Und (ich wiederhole mich) hatte der Tag die höchste Schwierigkeit bis zum Schluss aufgehoben. Es ging steil auf rund 350 Meter hoch. Die meiste Zeit (1 Stunde) schob ich. Hatte keine Kraft mehr.

Auf dem Pass Stille Stille Stille. Kein Zikadenlärm (gibt’s hier gar nicht), kein Fledermausgefiepe (gibt’s hier gar nicht?), kein Eulenflügelschlag. Nichts. Stille. Die Sonne war untergegangen. Endlich wieder so etwas wie Nacht, auch wenn der Horizont feurig glühte.

Unter mir lag Nesna

Ich musste nur noch rollen lassen.

Und kam nach 150 Kilometer Strampeln eine habe Stunde nach Mitternacht an. Grandios erschöpft.

Tag 315 (14.07.2019) / Norwegen: Saltstraumen -> Ornes

Strecke: 91 km  (10:45- 19:15 Uhr)

Jetzt also vom Motel auf dem Campingplatz in Saltstraumen weiter auf der alten Reichsstraße 17. Gen Süden. Die Südsonne zeigte sich gleichwohl fast den ganzen Tag nicht. Mit einer Lichtblick-Ausnahme: gleich am Anfang.

Der (angeblich) größte Gezeitenstrom der Welt in fast schon gewittrig schönem Morgenlicht.

Hier schießt die zurückkehrende Flut Wasser mit 40 kmh durch die engen Sunde, dass sich Wirbel bilden, die kein kleines Boot queren kann. Auch nicht motorisiert. Die großen  Strudel reichen bis zu 4 Meter in die Tiefe.

Der Rest des Tages: grau. Kalt. Ich war allein mit mir. Kilometer für Kilometer. Mal grandiose Landschaften, die mich wolkenbeschwert und melancholisch ablenkten.

Mal nichts: nur fahren, fahren. Bis die Beine schmerzten.

Die Straße jetzt eine echte Küstenstraße. Hart an der Meereskante. Hart an den stürzenden Felsen.

Ich näherte mich wieder dem Polarkreis. Von Norden.

Tag 314 (13.07.2019) / Norwegen: Kobbelv -> Saltstraumen

Strecke: 107 km  (09:45- 20:00 Uhr)

Ja, genau. Man sieht nichts. Meine GoPro nahm nur Schatten von mir auf und ich vermute, dass die Autofahrer, die mich überholten, auch nicht viel mehr von mir sahen, trotz angeschalteter Fahrradfunsel. Uffff. Jedesmal hatte ich ein wenig Schiss, mich in dieses Abenteuer zu werfen. Und es waren derer viele an diesem Tag.

Norwegen. Land der tausend dunklen Tunnel, der zehntausend Brücken und der hunderttausend rollenden Wohnungen. Die “Weiße Pest” nannten sie heimische LKW-Fahrer, die ihnen das zügige Arbeiten auf der Straße verunmöglichte. Durch rentnerisches Trödeln, Naturgaffen, Kolonnen-Verhalten.

Auch mir machten die oft schleichenden und manchmal doch rasenden Wohnmobile zu schaffen. Viel zu oft – vor allem in den Tunneln – fuhren sie auf Handbreite an mir vorbei. Offensichtlich konnten die Chauffeure die Ausmaße ihres Riesenbesitzes nicht richtig einschätzen. Sie fuhren ihre motorisierten Haus-Monster ja auch nur einmal im Jahr übers Land.

Irgendwann war es mir genug und ich bog von der Europastraße 6 ab. Mit ihr wäre ich zwar schnell Richtung Süden gekommen. Aber auf ihr brummte eindeutig zu viel Verkehr. Ich machte, dass ich wegkam vom norwegischen Autoput und bog nach Westen ab, direkt an die Küste. Ab jetzt war die ehemalige Reichsstraße 17 mein Fahrrad-Reich.

Das Wetter wie es halt ist: nieslig. Kalt. Landschaft in tiefen Wolken. Nur als ich in mein Ziel – Saltstraumen – einfuhr, gab es einen kleinen Lichtblick. Ich sah: Die Küste war völlig anders als bisher.

Als würde der wässrige Boden in der bläulich gefärbten Luft schweben.

Tag 313 (12.07.2019) / Norwegen: Tysfjord -> Kobbelv

Strecke: 111 km  (09:45- 21:15 Uhr)

Rauf! Runter! Es war schon erstaunlich, wie viele Höhenmeter ich täglich auf dieser Tour abspulte. Allein auf dieser Tagesstrecke geschätzt 2.000 bis 2.500 Meter. Alpenpass!

Ständig sah ich Landschaften aus der Adlerperspektive. Panoramen, die ich vorher nie Norwegen zugeschrieben hätte. Eher dem Norden oder Westen der USA oder auch Kanada. So amerikanisch weit. So wild-west.

An jeder Tanke (die es nur selten gab) kaufte ich Trinkbares nach. So schnell konnte ich die Flüssigkeit gar nicht in mich hineinschütten, wie ich sie schon wieder herausgeschwitzt hatte.

Ich fluchte ständig, bis ich oben war und jaulte glücklich, wenn es wieder im Schuss nach unten ging. Mit meinem schweren Gepäck bekam ich einen ganz schönen Abwärtsschub. Heavy Rider.

Nur einmal jammerte ich. Als spätabends ein Schild mir verbot, weiter der Hauptstraße zu folgen. 4 lange Tunnel waren fürs Fahrrad gesperrt.

Ich musste sie umfahren. Und das am späten Abend.

Irrsinnig steil ging es hoch.

Ich bin kein Kletterer. Ich trainierte jetzt (schiebend) mehr meine Oberarm-Muskulatur als meine Oberschenkel. Nun bekomm ich auf dieser Tour auch noch Muckis.

Und wieder dieser Blick auf eine Landschaft, in der ich zwei Dinge nicht richtig zusammenbrachte: bäuerliches Idyll und wildes Meer.

Mit viel Dusel ein Hotel gefunden. Ich hatte mich schon darauf eingestellt, die Nacht durchzufahren. Mein Unterkunfts-Portal hatte mir angezeigt, dass es 1) kaum bis gar keine Betten auf meiner Strecke gibt und 2) alle schon ausgebucht waren. Müde und vom Schieben/Klettern ausgelaugt war ich gegen Viertel Neun in das seit vielen Stunden erste Gasthaus auf dem Weg gegangen, um mir ein Bier zu genehmigen und hatte nachgefragt, ob es vielleicht doch noch ein freies Zimmer gäbe. Und siehe: ja! Glück! Riesenglück! Mann!

Tag 312 (11.07.2019) / Norwegen: Gratangen -> Tysfjord

Strecke: 126 km  (09:30 – 21:45 Uhr)

Kurzer Aufwachblick aus dem Fenster: Der Fjord war noch da.

Nach dem Frühstück ging ich zur Küche. Ich wollte mich vom Koch verabschieden, mit dem ich mich gestern bis spät in die Nacht verquasselt hatte, und mich für seine Gastfreundschaft bedanken. Er kam mir zuvor, drückte mir lange die Hand und sagte, ich hätte ihm gestern viel positive Energie gegeben. Es sei an ihm zu danken.

Ich war perplex und fuhr demütig in den neuen Tag hinein.

Er begann mit Zauberbildern.

Ich jagte die noch fast autofreie Straße runter zum Fjord.

Querte danach Täler, Brücken …

… übte den Vogelblick,

… erreichte gegen Mittag die (unansehnliche) Stadt Narvik. Orientierte mich.

Stärkte mich mit einem Beef-Wrap und einem kühlen Blonden.

Und hoppte bald per Brückenhub auf die nächste Halb-Insel.

Auch hier zeigte mir die Vogelperspektive, welch irrsinnig schöne, zerklüftete Welten die Eiszeitgletscher auf ihrem Rückzug nach Norden hinterlassen hatten. Wahre Erdkünstler.

Plötzlich tauchten am Wegrand drei junge Wanderinnen auf.

Ich hatte auf meiner Skandinavien-Umrundung schon ziemlich viel gesehen:

  • Einen Italiener mit roten Rastalocken, der mit dem Rennrad von Rom ans Nordkapp unterwegs war. (Er behauptete, jeden Tag 200 Kilometer zu fahren. Er hatte fast kein Gepäck dabei und schlief meist im Wald. Mir war rätselhaft, von was er sich ernährte, woher er das Trinkwasser besorgte.)
  • Ein Paar, das auf Tretrollern über die Straßen huschte, das schwere Gepäck auf den Rücken geschnallt.
  • Eine Ehepaar, das mit überdachten Fahrrad-Anhängern ihre beiden laut jammernden Bälge durch die Landschaft nach Norden zog.

Aber drei junge Frauen mit Lastenhund?

Wir grüßten uns fröhlich. Hallo, woher kommst Du, wohin geht Ihr? Der aufrichtig freundliche und froh stimmende Wanderer-Small Talk. Und tschüss. Ich wünsch Dir viel Glück. Passt auf Euch auf.

Ich musste wenig später Berge überwinden, um an mein Ziel zu kommen.

Kurz vor 9 erreichte ich schließlich den Fährhafen Skarberget. Dort endete die Hauptstraße (E6) Richtung Süden. Autos mussten über das Meer geschafft werden (so spät waren nur noch wenige unterwegs). Fußgänger und Fahrradfahrer (ich war der einzige) durften umsonst die halbstündige Überfahrt genießen.

Am Horizont glitzerte, wie eine mattkühl angestrahlte Wand, die Traumlandschaft der Lofoten. Auf dieser Reise würde ich sie nicht sehen.

Kurz vor 22 Uhr kam ich an dem mittags bereits vorgebuchten Hotel an. Das Restaurant war schon lange geschlossen, die Bar aber noch offen.