Meer Europa

Kulinarisches Brevier Finnland

Zu den Geheimnissen der finnischen Küche bin ich nicht vorgedrungen. Das lag auch daran, dass ich unterwegs nicht häufig genug Restaurants fand, in denen einheimisch oder irgendwie “nordisch” gekocht wurde. Die Gasthofdichte auf dem Land – selbst entlang der Ostseeküste – ist gering.

Wenn ein Lokal offen hatte, dann waren es oft Pizzerien, Schnellimbisse, Kebab-Stuben. Die Qualität dort: miserabelst. Einmal musste ich eine Pizza – trotz Riesenhungers – sofort entsorgen. Sie schwamm in Fett und trug eine verklebte billige Käsematte – schlicht ungenießbar.

Wenn ich Glück hatte gab’s wenigstens Meeressnacks aus der Tiefkühltruhe.

Oder – und das war dann köstlich – belegte Brote aller Art. Einmal bestellte ich in einem Kiosk ein Dosenbier dazu. Es ist eigentlich nicht erlaubt, dieses auch im Imbiss gleich zu trinken. Die Wirtin camouflierte das Bier aber augenzwinkernd. Schüttete es in Kaffeehumpen, so dass es aussah, als tränke ich Cappuccino.

Und dann gab es noch die Burger-Stuben. Nicht so ganz mein Geschmack. Aber besser als verhungern. Immerhin war die Qualität des Fleisches und vor allem auch der Brötchen gut.

Fand ich dann doch ein Restaurant, war das Essen meist das, was wir bei uns “gutbürgerlich” nennen. Die Preise stattlich. Die Hauptgerichte etwa zwischen 20 bis 25 Euro. Bier und Wein in den Lokalen astronomisch teuer. Da half dann nur “Selbstversorgung” in den staatlichen “Alko”-Shops.

Sie lagen manchmal etwas versteckt (Absicht?). Aber dort gab es für den Preis eines 0,12 l Glases im Restaurant gleich die ganze Flasche. Ein akzeptabler Côtes du Rhône kostet dort etwa 12 Euro.

Tammisaari

Restaurant Fyren, direkt am Hafen. Neu, riesige Glasfront, die den Blick auf die Ostsee freigibt. Ambitionierte Küche, die gleichwohl auf Klassiker setzt.

Gebratener Lachs mit grünem Spargeld und Pell-Kartoffeln. Gut

Karuna

Restaurant/Pension Kievari. Eigentlich unglaublich, dass es in einem so winzigen Dorf ein solch gutes Restaurant gibt. Wenngleich die Karte sehr übersichtlich war und ich nicht viel mehr als die Wahl zwischen Burger und Steak hatte – hier wurde aber mit Liebe gebrutzelt. So gut wie alle Zutaten kamen aus der näheren Umgebung und waren “Bio”. Sogar das Bier war aus einer kleinen Craftbeer-Brauerei einige Kilometer entfernt.

Beefburger. Mit selbstangerührten Soßen und Chutney. Klasse.

Turku

Restaurant Vaakahuone Pavilion. Beliebtes Fischlokal mit Terrasse, direkt am Fluss. Schneller und freundlicher Service. Jazz gab’s live und umsonst.

Gebratener Lachs mit gekochten Kartoffeln und Paprikagemüse. Ordentlich.

Oulu

Restaurant Hellas. Schönes und gemütliches Lokal im Zentrum.

Jerusalem artichoke soup. Overcooked beef brisket and pork rips. Suppe fein. Rinderbrust zart. Für meinen Geschmack hätte es nicht so eine dicke Béarnaise Sauce gebraucht.

Rovaniemi

Restaurant Monte Rosa (im Hotel Arctic City). Sehr gute Küche. Wie so häufig befinden sich viele der besseren Restaurants in Finnland in Hotels.

Dreierlei Brot mit gesalzener cremiger Butter ist Standard. Lachssusppe mit Pellkartoffeln.

Rentier auf 2 Arten zubereitet. Waldbeeren mit Joghurt Eis. Alles – Suppe, Fleisch, Nachspeise – richtig köstlich. Überrascht war ich über das zarte, sehr aromatische Rentierfleisch, das so gar nicht nach “Wild” schmeckte (wobei ich das mag). Die Nachspeise klang in der Ankündigung simpel, war aber sehr raffiniert kombiniert.

Restaurant Nili. Touristisches Lokal, ein bisschen auf mittelalterlich getrimmt. Sicher stimmungsvoll, wenn nicht so viele Gruppen da wären. Das machte den Ort eher zu einer Durchlauf-Kantine.

Bear meat stock.

Caramelized pork side and fresh pea mayonnaise with mustard. Arctic pikeperch in rye crust and carrot foam. Homemade oven cheese of colostrum milk and garden berries.

Das ganze Menü klang sehr raffiniert, aber alles (bis auf die Bärensuppe) war eine einzige Enttäuschung. Vielleicht hatte der Koch keinen guten Tag. Beim Zander fehlte Salz und Pfeffer. Das Schweinefleisch war Gummi. Und die Nachspeise war lieblos.

Sodankylä

Restaurant im Hotel Sodankylä. Gutes Niveau.

Parmesan Snails. Reindeer Wok. Schnecken gut. Und sehr gut wieder einmal das Rentier. Geschnetzelt, im Wok zubereitet, mit noch krossem Gemüse drapiert und mit Sauerrahm verfeinert.

Inari

Restaurant Aanaar im Hotel Kultahovi. Sehr schön an einer Stromschnelle gelegen, unweit des Zentrums von Inari. Restaurant hat Gourmet-Ansprüche und erfüllt sie auch. Bestes Essen, seit ich in Finnland unterwegs bin.

Vorspeise: Nettle and Lingonberry Toast. Reindeer calf’s liver and matsutake jus.

Hauptspeise: Grilled Lake Imari Whitefish. Hollandaise sauce seasoned with pine needles, cauliflower purée and carrot and lemon air.

Nachspeise: Bark cake crumble, sweet grass ice ceam, berries and spruce needle granita.

Irre, das Nessel-Brot. Mir ein Rätsel, wie man so was hinbekommt. Sensationeller Geschmack und erst in der Kombi mit den Beeren. Unglaublich. Der Fisch auf den Punkt gegart mit einer fantastischen Hollondaise. Und die Aromenbombe zum Schluss: unglaublich. Da wurde mit Tannennadeln experimentiert, mit unterschiedlichen Texturen. Ich war verzaubert. Später las ich, dass die Küche schon mehrfach ausgezeichnet wurde. Total verdient.

Karigasniemi

Restaurant des Hotels Hansabar. Hatte etwas von einer bayerischen Gaststube. Das Bier floss gut und die Speisen waren vor allem üppig.

Smoked-reindeer pasta. Sehr anständiges Wirtshaus-Essen. Zum wiederholten Male war ich vom Geschmack des Rentierfleisches (diesmal geräuchert) sehr angetan.