Meer Europa

Tag 259 (11.04.2018) / Rumänien: Pause in Murighiol und Fahrt durchs Donaudelta

Ich wollte früh aufbrechen, so im Morgengrauen. Mein Wirt sagte : “sinnlos” – und hatte recht.
Noch um 8 Uhr war es saukalt und neblig trüb. Um 9 Uhr ein wenig besser.
Wir starteten. Ließen das Boot ins Wasser.
Nach 5 Minuten die Donau-“Tanke” erreicht. Mein Wirt füllte die Bootskanister auf. Ich kaufte einen Sixpack. Und los.

Eingemummelt

Durch einen Seitenkanal steuerte mein Gastgeber Richtung Donau. Will heißen: den unteren der 3 Mündungsarme.

Eingetrübt

Der Donauarm: breit, riesig, uninteressant.

Eingefahren

Spannend wurde es erst, als es ins Gebüsch ging.

Eingeschilft

Fischerhütten. Dort übernachten in der Saison Fischer. Am  Morgen bringen sie dann ihren Fang in die Dörfer. 1 Stunde Fahrt.
Manchmal mehr.

Jetzt waren die Hütten unterflutet. Die Donau hatte Hochwasser. Zudem war Schon- und Laichzeit. Kein Fischen erlaubt.

Eingeweicht

Auf manchen Delta-Inseln (sehr klein!) lebten Familien in ihren klammen Hütten.

Einödhof

Die Kinder sahen nie eine Schule. Noch packt es der rumänische Staat nicht, solch entlegene Orte mit Infrastruktur zu versorgen (Schul-Boot-Taxi?).

Splendid isolation

Wir wurden mit viel Hallo und Geschrei begrüßt und verabschiedet.

Als sei's der Amazonas

Immer tiefer steuerten wir ins Delta hinein. Mein Wirt hatte die Lizenz, selbst in das absolut geschützte Bioreservat zu fahren.

Bisschen brackig

Wasserdschungel.

Ganz brackig

Auf einer kleinen Insel ein Grabkreuz:

Auch hier wird gestorben

Die ersten Vögel bekam ich vor die Linse. Unscharf noch.

Von hinten

Fasan männlich.

Beäugt

Fasan weiblich.

Halb von der Seite

Weiter und weiter in den Urwald. Mein Wirt kannte jeden Winkel.

Verzweigt und verästelt

Sie hatte er aber auch noch nicht gesehen: eine Wildkatze. Für Sekunden war sie da. Lugte durch das Gestrüpp einer kleinen Landzunge. Guckte selbst überrascht.

Ertappt

Ich recherchierte später (in der Nacht) im Internet: Offenbar ist es fast unmöglich, eine Wildkatze in freier Wildbahn zu fotografieren. Zu scheu. Wildkatzen gelten zudem als nicht zähmbar.

Offensichtlich hatte ich Riesenglück. Fotojägerglück.

Vergrößert

Mir gelangen zwei drei Aufnahmen. Dann war sie weg.

Und tschüss

Und kaum eine halbe Stunde später wieder ein Glücksschuss: “Look look” – rief mein Wirt aufgeregt – “a wild dog!”

Gemütlich

Er wirkte gar nicht scheu. Schaute interessiert, wie wir uns dem Ufer näherten.

Als wir Anstalten machten, den Grund zu betreten, trottete er von dannen.

Dackelblick

Auch hier recherchierte ich in der Nacht im Internet: Offensichtlich war dies ein “Marderhund”. Gilt ebenfalls als sehr scheu (kann ich nicht bestätigen). Sein Lebenskreis ist eigentlich Japan, China und Sibirien. Seit einigen Jahrzehnten wird er u.a. auch in der Ukraine und eben hier im rumänischen Donaudelta gesichtet.

Was für ein Tag!

Wir drehten noch ein paar Runden im Schilf.

Schilfinseln
Gespiegelt

Dann lotste mich mein Wirt auf einen der vielen Binnenseen im Delta.
Er sagte, leider seien wir zu früh dran. Im April gäbe es dort noch nichts zu sehen. Wasserblumen und Vögel verschönerten die Seen erst ab Mai. Vor allem die Pelikane seien noch in Afrika.
Wie gut, dass er sich irrte.
Kaum waren wir auf dem See, sichteten wir schon die ersten Pelikane.

Rosa, weiß, schwarz

Rosapelikane. Schwarze. WeißderTeufelwasfürwelche-IchRecherchierteNichtimInternet.

Nach rechts
Nach links
Nach rechts

Es gab nicht nur Pelikane.

Nach links und auf der Flucht

Mittlerweile hatten wir 5 bis 6 Stunden auf dem Wasser verbracht. Wir wurden hungrig. Steuerten das Boot nach Hause.
Ich guckte nicht mehr nach Tieren. Nur noch auf das Wasser. Irre Spiegelungen.

Artwork

Nur die Wasserpolizei störte das ruhige Gewässer. Brauste mit Macht und ohne Rücksicht auf die Stille durch den Kanal.

Ungestüm

Kurz vor Ankunft noch ein LanghalsReiher (gibt’s gar nicht, hab ich recherchiert – also ein Fake-Reiher).

Langhals

Es war später Nachmittag als wir wieder festen Boden betraten.
Zuhause brutzelte mir mein Wirt über offenem Feuer noch den besten Grillfisch, den ich je gegessen habe. (Dieser Superlativ muss sein!) Scrumbie!

Hausgrill

Jetzt im April sei der Fisch am besten! Laichzeit. Dann kämen die Schwärme aus dem Schwarzen Meer die Donau hoch. Und genau dann sei das Fleisch der Fische fantastisch. Ich hatte keinen Vergleich, war aber völlig begeistert.

Ich fragte meinen Wirt, wie er eigentlich erkenne, ab wann die Fische über dem Feuer gar seien.

“Wenn die Augen weiß werden”, erwiderte er.

Dinner for two

Und schließlich zeigte er mir, dass man hierzulande den toten Fisch nicht mit Messer und Gabel traktiert, sondern ihn schön mit den Fingern filetiert.
Es war superköstlich.

Dazu servierte die Frau des Wirtes eine selbstgemachte Kaviarcreme. Aus dem Rogen von Donaukarpfen.
Umwerfend.

Fast schon leer