Meer Europa

Einmal um den Kontinent

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Tag 6 (18.9.2014) / Spanien: Villaviciosa -> Cudillero

Strecke:  77 km (9:00-19:00)

Bisher längste Strecke. Verlangte mir viel ab. Mein Körper gewöhnte sich gleichwohl langsam an Strapazen. Dennoch, nachdem ich ja “erst” zu Fuß Deutschland umrundet hatte, zog ich immer noch den Vergleich zur Wanderung. Laufen ist gleichmäßiger. Eigentlich ist es egal, ob es bergauf oder bergab geht. Fast immer hatte ich meinen Fünfer-Schritt durchhalten können (5 Kilometer die Stunde). Ein Berg ist für mich mit dem Fahrrad eine ungleich größere Herausforderung. Das Fahrrad wiegt etwas über 20 kg. Mein Gepäck ebenfalls. Mit anderen Worten – ich rolle 40 bis 45 kg irgendwo hoch. Manchmal, wenn ich tatsächlich schieben musste, fiel mir das beinahe schwerer als im kleinsten Gang zu radeln. Und noch eins: Egal wie mühsam es beim Wandern war – immer hatte ich die Kamera griffbereit, konnte Bildausschnitte suchen. Vom Fahrrad abzusteigen (um zu fotografieren) ist äußerst mühsam. Der Fahrradständer ist zudem zu schwach, er kann das Gewicht nicht halten. Ich brauche also immer einen Baum, eine Seitenplanke, eine Wand, um mein Gerät abzustellen. Und die Kamera ist verstaut. Mit anderen Worten. Die wenigen Schnappschüsse, die ich unterwegs machte, waren eigentlich vom Fahrradsattel aus. Mehr als Totalen brachte ich kaum zustande.

Und noch ein Unterschied: Nach Ankunft muss ich erst einmal ein zwei Stunden verschnaufen, bevor ich Lust habe, das Hotel zu verlassen.

Bin gespannt, ob sich das mal legt.

Egal: Die asturische Landschaft heute wieder traumhaft.

Die meerabgewandte Seite sattes Grün!

In Gijón überlegte ich kurz, ob ich bleiben sollte.

Sehr schöne Lage, reizend restaurierte kleine Altstadt, lang gezogener Stadtstrand.

Ich entschied mich fürs Weiterfahren.
Wenig später – in Avilés – schlug es mich zum erste Mal hin.
Ich war müde. Um abzusteigen muss ich mein rechtes Bein nach vorne dicht an der Lenkstange vorbei über den Rahmen heben. Ich blieb hängen, verlor das Gleichgewicht, konnte die 45 Kilo Ladung Fahrrad und Gepäck nicht mehr ausbalancieren und schlug auf die Straße. Direkt vor einer Arbeiterkneipe. Eine Frau half mir aus dem Staub.
Eigentlich war mir nichts passiert. Ich war nur total schmutzig von der staubigen Straße und hatte fast keine Kraft mehr, das Fahrrad hoch zu stemmen.
Und das vor der versammelten Arbeiterklasse, den Stahlkochern und Kumpels mit ihren tätowierten dicken Armen. Peinlich.
Was für eine Kneipe! Nebenan Industrieschlote und hier das pralle Siesta-Leben. Bier, Sidra und Pintxos. Was man so braucht, um anständig malochen zu können.

Ich unterhielt mich mit einem jungen Stahlarbeiter. Und spürte zum ersten Mal so etwas wie die spanische Krise. Er berichtete mir von Freunden, die alle nach Deutschland ausgewandert sind. Er würde auch gehen, habe aber Angst vor der fremden Sprache.

Hotel in Cudillero: “Sol de la Blanca”. Ein Stern, dennoch sehr luxuriös mit großzügigen Zimmern. Äußerst freundlicher Patrón. 35 Euro. Fahrrad mit ins Zimmer genommen.

Tag 5 (17.9.2014) / Spanien: Llanes -> Villaviciosa

Strecke: 68 km (9:00-17:00)

Extrem lange (aber nicht zu steile) Aufstiege. Herrliche Aussichten. Zum ersten Mal konnte ich sie genießen. Ich hatte enormen Wasser- und Bierdurst. Kehrte oft in kleine Bars ein. Einnehmende Herzlichkeit der Wirte und Bargäste. Grüßen ist obligatorisch, selbst den fremdesten Gast. Jedenfalls sobald Blickkontakt besteht.

Grandiose Küste.

Punta de la Dehesa

Die Küstenstraße führte fast durchs Meer.

Viele Pilger auf dem Santiago-Weg. Man wünscht sich bei jeder Begegnung ein “buen camino”.  Ich gelte unterwegs für alle als Fahrrad-Pilger. Mache mir gar nicht die Mühe, jemanden (oder alle) über meinen Nihilismus in Kenntnis zu setzen.

Eigentlich geht der Jakobs-Weg weiter südlich. Aber es gibt auch die Nordvariante, entlang der Costa Verde.

Pilgerweg Costa Verde

Ich mochte die blauen Ausblicke und den Geruch nach Eukalyptus in den Waldwegen.

Zwischenstation in Ribadesella.

Wenn Spanier älter werden, schrumpfen sie, werden dick und quadratisch.
Wenn Spanierinnen älter werden, erblonden sie sehr rasch.

Schmuckes Örtchen. Auch hier von Krise kaum etwas zu bemerken.

Markttag

Müdes Ankommen in Villaviciosa. Aber Ausruhen ging nicht. Die Stadt feierte sich selbst.

Stadtfest: Trachten-Parade kurz vor Anbruch der Dunkelheit.
(In Spanien ist alles spät: Abendessen ab halb neun. Umzüge nach Sonnenuntergang.)

Unterkunft: Hostal “Congreso”. Einfach, sehr hellhörig. Aber großzügige Zimmer. 20 Euro. Spezialpreis, weil die Wirtin dachte, ich sei Pilger. Offensichtlich gibt es für sie Rabatt. Fahrrad im Eingang gelassen.

Tag 4 (16.9.2014) / Spanien: San Vicente -> Llanes

Strecke:  38 km (9:00-12:00)

Hatte keine Lust, lange zu fahren. Beschloss in Llanes, einem der bekanntesten Badeorte Asturiens zu ankern. Das Baskenland lag schon lang hinter mir.
Unterwegs merkte ich, dass ich immer mehr Zutrauen in mein stählernes Pferd gewann. Es bockte nicht mehr so häufig. Abfahrten genoss ich mittlerweile. Sie waren Belohnung für schweißtreibende Anstiege. Nur noch selten stieg ich ab.
Dennoch: Ich konnte nach wie vor nichts anderes machen, als mich extrem auf die Strecke zu konzentrieren. Kaum, dass ich einmal den Fotoapparat zückte: zu anstrengend.

Noch am Abend zitterte ich die Fotos unscharf.

Ein versuchtes Selbstporträt wurde zum Suchbild.

Unterkunft in Llanes: Hotel Sablón. Etwas heruntergekommenes ehemals schönes Strandhotel. Trotzdem gut. Direkt an einem kleinen Strand und in Hafennähe. 50 Euro. Fahrrad in Abstellkammer gelassen.

Tag 3 (15.9.2014) / Spanien: Santander -> San Vicente

Strecke: 57 km (10:15-18:00)

Zum ersten Mal das Gefühl, dass ich mein Fahrrad lenke und nicht umgekehrt. Zum ersten Mal auch die Abfahrten genossen und meist die Bremse losgelassen. Wenn auch mein Gefährt immer noch befremdlich schlingerte. Aber das ist wohl die Beladung und irgendwann auch die Geschwindigkeit.
Bin unvernünftig, trage keinen Helm. Es ist heiß. Ich brauche Pausen.

Postkartenort: Santillana del Mar.

Erinnerungsfotograf

Die ganze Strecke bisher sehr touristisch. Von der spanischen Krise kaum etwas zu spüren. Die Menschen sitzen in Restaurants und Cafés. Tummeln sich an den Stränden. Fast alles Einheimische.

Schöne Strände als Wegbegleiter:

Comillas
Oyambre
San Vicente

Schließlich San Vicente de la Barquera erreicht. Eher ein Dorf als eine Kleinstadt. Mit beeindruckender Betongalerie und freiem Blick auf den mittelalterlichen Kern der Siedlung …

… und auf den fast schon industriellen Fischereihafen.

Dort mit einigen Fischern gesprochen. Sie klagen, dass die küstennahen kantabrischen Gewässer leergefischt seien.

Nicht von ihnen, vor allem von Koreanern. Schuld seien aber “die in Brüssel”, die das erlauben würden. Die nichts verstünden von den lokalen Problemen. Die so weit weg seien von jedem Alltag der Menschen in Europa. Sie meckerten ziemlich viel. Und doch eigentlich freundliche Kerle.

Unterkunft: Hotel “Luzon”. Im Zentrum. Fast edel. Kolonialstil. Sehr geschmackvoll und gut geführt. 35 Euro. Fahrrad in einer Hotelkammer gesichert.

Tag 2 (14.9.2014) / Spanien: Laredo -> Santander

Strecke: 50 km  (10:30-16:00)

Laredo - Santander

Wieder ein heißer Tag. Was half, waren die kleinen Cañas zwischendurch. Gut gezapfte und vor allem gekühlte galizische Biere. 0,2l. Das gab Kraft. Immer wieder suchte ich diese Tankstellen auf, kleine Bars am Wegrand.

Erneut verlangten die langen Steigungen alles von mir ab. Noch traute ich mich nicht, die ebenso langen und steilen Abfahrten im Schuss zu fahren. Mein satt beladenes Fahrrad schlingerte und ich hatte es noch nicht im Griff. Ich musste mich die ganze Zeit extrem auf das Fahren und Strampeln konzentrieren. Nicht dran zu denken, an etwas anderes zu denken. Aber ich lernte dazu. Santander unbeschadet erreicht.

Santander Hafen
Santander Strand
Golden Palace

Unterbringung: Hotel “Central” im Zentrum Santanders. Modern. Rezeptionist äußerst zuvorkommend. 50 Euro. Fahrrad in Garage untergebracht.

Tag 1 (13. 9. 2014) Spanien: Bilbao -> Laredo

DER ANFANG MEINER EUROPA-UMRUNDUNG AUF DEM RADSATTEL IST GEMACHT!

Überlebensgroß

Samstag, 11 Uhr, 13. September. Bilbaos Guggenheim-Spinne spuckte mich an (können Spinnen spucken?) und ich setzte mich leicht angewidert in Gang.

Wobei: Der Anfang war eigentlich gestern. Gestern war ich gegen Mittag in Bilbao angekommen, hatte auf dem Flughafen mein Fahrrad zusammengebaut, alles angeschirrt und war blauäugig Richtung Innenstadt aufgebrochen. Es folgte das Unvermeidliche: Zum ersten Mal auf einer längeren Radtour, keine Ahnung wie hoch baskische Berge sein konnten, nicht genügend Wasser dabei, enorme Mittagshitze, nirgends Schatten und überhaupt keine Vorstellung davon, dass ein Fahrrad mit ziemlich viel Gepäck fast einen Zentner wiegt – und der ist bergauf ziemlich schwer zu bewegen.

Also: Erst den Weg nicht gefunden (es schien als führten nur Autobahnen ins Zentrum von Bilbao), dann extrem steile Waldwege gegangen, Handy-Navi verflucht und Kreislaufzusammenbruch schon ein paar Stunden nach der Ankunft. Komplett! Stundenlang am Straßenrand gelegen und nach Luft geschnappt. In der Nähe war eine Straßenbaustelle und alle halbe Stunde kam ein Arbeiter bei mir vorbei, um zu sehen, ob ich noch zappelte.  Die Fassung nur langsam wiedergefunden. Erst nach Stunden in meinem Hotel angekommen.

Am nächsten Morgen dann los.

Dass ich oft mehr neben dem Fahrrad als auf dem Sattel war, will ich (auch wenn es Steigungen von über 10% waren) nicht verhehlen. Ich kam aber voran.

Stählerne Gefährte
Castro Urdiales
Oriñon
Oriñon
Laredo

Strecke: Bilbao – Laredo  58 km  (11:00 – 18:00)

Spanien: Bilbao -> Laredo

Hotel in Laredo:  “El Cortijo” / 44 Euro / Schöne, freundliche und sehr komfortable Unterkunft. Fahrrad in abgeschlossenem Innenhof untergestellt.