Meer Europa

Schlagwort Archiv: Autofahrer

Tag 314 (13.07.2019) / Norwegen: Kobbelv -> Saltstraumen

Strecke: 107 km  (09:45- 20:00 Uhr)

Ja, genau. Man sieht nichts.

Schwarzes Ungeheuer

Meine GoPro nahm nur Schatten von mir auf und ich vermute, dass die Autofahrer, die mich überholten, auch nicht viel mehr von mir sahen, trotz angeschalteter Fahrradfunsel. Uffff. Jedesmal hatte ich ein wenig Schiss, mich in dieses Abenteuer zu werfen. Und es waren derer viele an diesem Tag.

Norwegen. Land der tausend dunklen Tunnel, der zehntausend Brücken und der hunderttausend rollenden Wohnungen. Die “Weiße Pest” nannten sie heimische LKW-Fahrer, die ihnen das zügige Arbeiten auf der Straße verunmöglichte. Durch rentnerisches Trödeln, Naturgaffen, Kolonnen-Verhalten.

Auch mir machten die oft schleichenden und manchmal doch rasenden Wohnmobile zu schaffen. Viel zu oft – vor allem in den Tunneln – fuhren sie auf Handbreite an mir vorbei. Offensichtlich konnten die Chauffeure die Ausmaße ihres Riesenbesitzes nicht richtig einschätzen. Sie fuhren ihre motorisierten Haus-Monster ja auch nur einmal im Jahr übers Land.

Irgendwann war es mir genug und ich bog von der Europastraße 6 ab. Mit ihr wäre ich zwar schnell Richtung Süden gekommen. Aber auf ihr brummte eindeutig zu viel Verkehr. Ich machte, dass ich wegkam vom norwegischen Autoput und bog nach Westen ab, direkt an die Küste. Ab jetzt war die ehemalige Reichsstraße 17 mein Fahrrad-Reich.

Das Wetter wie es halt ist: nieslig. Kalt. Landschaft in tiefen Wolken. Nur als ich in mein Ziel – Saltstraumen – einfuhr, gab es einen kleinen Lichtblick. Ich sah: Die Küste war völlig anders als bisher.

Die Leichtigkeit des Steins

Als würde der wässrigbraune Boden in der bläulich gefärbten Luft schweben.

Steine als Schwebepartikel

Tag 268 (19.9.2018)/ Niederlande: Den Haag -> Alkmaar

Strecke: 94 km (09:15 – 17:15 Uhr)

Kein Meer heute! Stadtlandschaften und Kopfsteinpflaster statt tosende Wellen und Strandsand in den Schuhen. Ich fuhr im Hinterland drei geschichtsträchtige Klassiker ab: Leiden, Haarlem, Alkmaar. Kein holländisches Klischee, das diese Drei nicht bedienen.

Leiden – gleich zu Beginn – mein Favorit. Verspielte Fassaden und Farben.

Auffallend
Nach oben verschlankt

Fantastische Cafés. Belebte Märkte und stilvoll beblumte Grachten.

Die Radwege zwischen den Städten penibel gepflegt. Oft entlang von Bilderbuchkanälen.

WindAmWasserMühle

Haarlem protzig. Amsterdam en miniature. Genauso überlaufen.

Radfahrerprivileg

Der “Grote Markt” zum Hinsetzen schön.

Bewacht und besternt

Und schließlich Alkmaar. Ein wenig verschlafen. Ab 18 Uhr fast unbelebt.

Schlummernd schön
Gleicher Fotostandpunkt - nur andere Richtung

Unterkunft in Alkmaar: Wolf Hotel. Schön an einer Gracht gelegen. Netter Service. 75 Euro (ohne Frühstück). Fahrrad draußen angekettet.

Tag 267 (18.9.2018)/ Niederlande: Zoutelande -> Den Haag

Strecke: 124 km (11:15 – 20:15 Uhr)

Drei Dinge habe ich heute über mein Gastland gelernt:
1) Beim Fahrradfahren kann ich träumen. Das Velo-Netz ist so irre gut, dass ich mich weder auf die Straße noch auf Autos konzentrieren muss.
2) Im Einwanderungsland Niederlande sehe ich jetzt schon 200 Kilometer lang nur Weiße: am Strand, in den Straßen, in den hochpreisigen Restaurants. Nicht mal als Servicekraft ein Gesicht, aus dem der Migrationshintergrund lächelt. Offenbar sind all die Indonesier, Surinamer, Türken und Curaçaoer in den großen Städten.
3) Es gibt Rückenwind. Zum ersten Mal auf meiner Europa-Tour.

Der Tag begann mit einem Besuch in einem Fahrradladen. Meine Schaltung zickte, ich wollte sie reparieren lassen. Ging aber nicht. Eine Gruppe deutscher Rentner bevölkerte den Shop und ließ sich ausführlich in Sachen E-Bike beraten.

Draußen lärmte der pittoreske Wochenmarkt, rund um die Kirche von Zoutelande.

Marktkirche

Sogar einen großer Stand mit Fahrradartikeln gab es.

Typischer als Holzpantoffeln

Das Wegenetz: großartig. So gut wie immer mit getrennten Rad-Spuren. Mit Autos kam man nur selten in Kontakt. Mit verbissenen und durchgeknallten Radlern ebenso wenig.

Radlerparadies

Ich hatte viel Zeit, abzutauchen … in die Farben … ins strahlende Meer … in mich.

Dreikäsehoch

Die Dörfer herausgeputzt. Adrett. Fast klinisch sauber. Überfüllt von deutschen Rentnern aus dem Rheinland. Ich hörte mehr rheinischen Dialekt als holländisch.

Drei Seelen hoch

Die Strände wild. Rauschhaft. Heute auch stürmisch.

Geerdet

Jugend immer dort in der Überzahl, wo es Sportmöglichkeiten gab.

Gelüftet
Gewässert

Ich durchfuhr das Holländiche Delta. Die großen Flüsse mündeten hier: Rhein, Maas und Schelde. Ich befuhr die größten Sturmflutwehre der Welt. Gigantische Bauwerke, die das Meer bändigen sollen.

Weltwunder

Ich durchradelte Industrielandschaften, die so proper waren, dass sie fast etwas Idyllisches vorspiegelten.

Geputzt

Gewächshäuser wuchsen aus der Erde (statt Gerste, Weizen und Mais). Wie riesige Kunst-Pavillons für eine Dauerausstellung “Virtuelle Landwirtschaft”. Arbeiter, Bauern sah ich nicht. Vielleicht braucht man sie hier auch nicht.

Künstlich, kunstfertig

Ein imposantes Land.

Sehr spät in Den Haag eingefahren. Es dunkelte bereits.

Unterkunft: Hotel Excelsior. Wie alle Hotels in der Hauptstadt extrem überteuert. Für mein kleines (schönes) Zimmer berappte ich 90 Euro (mit Frühstück). Fahrrad auf der Straße gelassen. “Kein Risiko” sagte der Portier.

Tag 22 (4.10.2014) / Portugal: Viana do Castelo -> Espinho

Strecke: 92 km (9:15 – 20:00)

Bemerkenswert wie sich die portugiesische Luft mit Wasser vollsaugt. Schon der zweite Tag extrem diesig. Viana do Castelo wie unter einem Schleier.

Der Weg führte mich heute oft weg von der Küste. Erstaunlich wie zersiedelt und vor allem dicht besiedelt das Land hier ist.
Unterwegs immer wieder mal eine schöne Dorfkirche.

Kleinod

Die Straße: meerfern. Wenn ich mal wieder ans Wasser kam: leere Strände.

Und leere Apartmentsiedlungen.

Pittoreske Tristesse.

Unterwegs immer wieder kleine Lebensmittelmärkte. Oder Bauern und Bäuerinnen, die am Straßenrand im Direktverkauf ihre Produkte anboten.
Extrem billig alles. 20 Kilogramm Neue Kartoffeln für 2,50 Euro!

Die Landstraßen manchmal in sehr schlechtem Zustand. Zahlreiche Schlaglöcher. Musste höllisch aufpassen. Viele Autofahrer (anders als in Spanien!) nehmen kaum Rücksicht. Fahren knapp an einem vorbei. Das Fluchen verlerne ich hier jedenfalls nicht.
Es wurde anstrengend. Wellig die Landschaft. Vor Porto ging es hinauf.
Porto wunderschön. Nur: Ich fand keine Unterkunft. Eineinhalb Stunden auf der Suche. Selbst die teuren Hotels ausgebucht. Wochenende. Porto ist bei den Städtehoppern total in!

Schweren Herzens weitergeradelt. In die Nacht hinein. Noch einmal 16, 18 Kilometer, die weh taten.
Schließlich in Espinho eine Bleibe gefunden. Das Badestädtchen hat sicher schon mal bessere Zeiten erlebt. Jetzt ist es nur noch Abfresse für Billigheimer. Nicht eine Bar mit gutem Wein gefunden. Zum Teil ungenießbarer Fusel. Und das in Portugal!

Zentrum des Städtchens ist das Casino. Ein Riesending mit mehreren Stockwerken. Gut gefüllt. Und hier saßen Prolls, Spielsüchtige und was weiß ich und ließen sich das Geld aus der Hosentasche ziehen.
Ich sah eine Zeitlang zu und gruselte mich.

Hotel in Espinho “Mar Azul”. (Reichlich runtergekommenes Billighotel. War aber sauber und hatte eine nette Portiersdame.) 31 Euro (mit Frühstück). Fahrrad im Hotelfoyer untergestellt.

Tag 13 (25.9.2014) / Spanien: Betanzos -> La Coruña

Strecke: 25 km (10:30 – 13:00)

Ruhiger Bummeltag. Ausgiebig gefrühstückt in einem Altstadt-Café Betanzos’.

Betanzos

Nach dem späten Start dann zuerst ein ellenlanger Aufstieg. Danach eine langgezogene Abfahrt nach La Coruña. Die Straße oft zweispurig. Die allermeisten Autofahrer nehmen aber auf Radfahrer Rücksicht.

Voraus: La Coruña

Interessante Großstadt.

La Coruña

Hotel in La Coruña: “Maycar”. Bescheiden, aber sehr ordentlich. Wie alle Unterkünfte auch mit funktionierendem WiFi versehen. 30 Euro. Fahrrad in Hotelrezeption aufbewahrt. Außerordentlich nette ältere Empfangsdame.