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Tag 302 (01.07.2019) / Finnland: Sodankylä -> Inari (Teil 2)

Ziemlich genau um Mitternacht fuhr ich an Saariselkä, einem bekannten Wintersportort, vorbei. Checkte per Handy, ob es irgendwo noch eine offene Kneipe geben könnte. Volltreffer. Und landete schließlich in einer riesigen Holzhüttenbar, ganz offensichtlich für den Après-Ski oder den Après-Husky-Lauf konfektioniert. Jedenfalls keine Sommerbar und entsprechend leer: ein paar Jugendliche, die sich betranken oder ihr Geld an den Spielautomaten vernichteten.

Ich wärmte mich auf, leerte zwei kalte Biere und machte mich nach dem Rausschmiss aller Gäste um 2 Uhr morgens wieder auf den Weg.

Mein Schatten irritierte mich. Vor 2 Stunden war er noch rechts von mir, jetzt auf einmal links. Bis mir klar wurde, dass die Sonne, obwohl sie eigentlich nicht wirklich untergegangen war, von West auf Ost umgestellt hatte. Aber wie funktionierte das? Wie konnte sie einfach vom Westhorizont zum Osthorizont hüpfen? Innerhalb weniger Minuten? Wieso hatte ich auf meiner Fahrt durch die nordfinnischen Berge nicht besser aufgepasst?

Schönes milchiges Morgenlicht (schon um 3 Uhr in der Früh!!!).

Weit vor mir liefen einige Rentiere auf der Straße. Ließen sich aber nicht fotografieren (obwohl sie überhaupt nicht scheu sind).

Es dampfte und rauchte in den noch ziemlich klammen Flüssen.

Ich zog dicke Strümpfe an, auch mein Handy signalisierte mir, dass die Außentemperatur bei etwa 5 Grad lag.

Nur langsam, langsam wärmte sich das Licht (und ich auch).

Gegen 5 Uhr morgens wurde ich kraftlos. Aber ich wollte unbedingt bis zum Inari-See kommen. Es fehlten noch 30, 40 Kilometer.

Kaum ein Mensch unterwegs. Ich hatte die ganze Morgenwelt für mich.

Und schleppte mich selbst immer weiter, bis ich kurz nach 9 Uhr endlich in Inari einfuhr. Ein kleiner schmuckloser Weiler am für Samen heiligen Inari-See. Die Ortschaft richtig unansehlich. Gleichwohl: Von hier aus starten viele Touren zu den Inseln auf dem riesigen See oder in die viel angepriesenen Waldtrails. Selbst mit Wasserflugzeugen kommen Touristen hierher. Stranden für ein paar Tage.

So vergebens ich heute Nacht (was ist das?) versucht hatte, ein brauchbares Foto von Rentieren zu schießen, so leicht war es in Inari : Ganze Herden wilderten sich durch die Parks und Grünanlagen.

Kein Mensch, kein Tier fühlte sich belästigt.

Ich war viel zu früh in Inari angekommen. Das Hotel, das ich gebucht hatte, führte im Internet 14 Uhr für den Check-In an.

Ich hatte aber jedes Empfinden für Zeit verloren. Nach meiner morgendlichen Radtour hatte ich das Gefühl, als sei es schon später Nachmittag. Ich ging in einen Supermarkt, ließ mir sagen, dass es erst früher Morgen sei, kaufte trotzdem ein Dosenbier (Lapin Kulta!) und suchte mir ein schönes Plätzchen. Stellte mein Fahrrad an den Stromschnellen des Ivalokoki ab, trank und wartete, dass die Zeit verrann.

P.S. Kurz nach 12 Uhr fragte ich im Hotel nach einem frühen Check-In. No Problem. Ich wollte einfach nur schlafen.

Tag 294 (23.06.2019) / Finnland: Vaasa -> Kokkola

Strecke: 136 km (09:45 – 20:00 Uhr)

Okay. Ich hatte mittags geschlafen (3 Stunden) und spät nachts auch (6 – 7 Stunden). Ich fühlte mich nach der (vor)letzten durchzechten und durchradelten Nacht wieder einigermaßen fit. Die Sinusitits (ging einfach nicht weg!) störte, aber behinderte mich nicht mehr. Ich fuhr drauf los. Ich wollte endlich in den Norden. Am besten sofort an den Polarkreis. Aber da lagen nach einige Hundert Kilometer vor mir.

Nur: “gemach” ging heute überhaupt nicht.

Ich kam schnell ins Schwitzen. Keine Anstiege, nichts, und doch: Ich verbrauchte T-Shirt nach T-Shirt. Allesamt klatschnass. Und erst die Funktionsjacken. Konnten gar nicht so viel Wasser aufnehmen und wieder nach außen transportieren.

Es wehte (trotz Sonnenschein) eine kalter, unangenehmer Frontal-Wind.

Gegen 2 Uhr machte ich an der aufgewühlten Ostsee Rast. Breitete meine Klamotten auf dem Rasen eines Picknickplatzes aus. Wind & Sonne sind die besten Trockner.

Schon seit Tagen gab es unterwegs praktisch nichts zu kaufen. Mittsommer-Feiertage. Natürlich hatten auch die Alko-Läden (staatliches Monopol!) zu. Ich hatte es nicht rechtzeitig bemerkt und war in die finnische Alkohol-Falle getappt. In einem Supermarkt (bei einer Tanke) hatte ich mir schließlich eine Flasche spanischen Rotwein besorgt. Alkoholreduziert. Statt 11 Prozent nur mal 5,5 Prozent. Richtigen Wein dürfen die Tanken nicht verkaufen (staatliches Monopol – siehe oben).

Ich tat so als schmeckte er mir.

In Wahrheit süffelte ich maximal einen leicht alkoholischen Traubensaft. Aus Deutschland hatte ich mir extra ein spezielles Wein-Plastikglas mitgebracht (unkaputtbar) und auf dieser Tour schon vielfach ausprobiert. Es taugte! Fast kein Unterschied zu Glas. Nur diesmal machte es den (alkoholreduzierten) “Sangre de Toro” auch nicht lebendiger.

Mein Mittagessen bestand aus 1 Glas Rotwein, 1 Banane, 1 Pflaume.

Irgendwann durch Jakobstad geradelt. Beeindruckender Wasserturm (war das einer?).

Und dann wieder ein Lupinen-Radweg. Rad Rad Rad nach Norden.

Die Ostsee gewährte mittlerweile großzügig Einblicke.

Auf den letzten zwei drei Stunden hüpfte ich (mit Hilfe von Brücken) von Schäre zu Schäre und landete schließlich im vollkommen feiertagstoten Kokkola. Erneut kein Restaurant, keine Bar offen. Nur zwei drei Kebab-Pizza-Service-Läden. In einem versorgte ich mich mit einer Margherita zum Mitnehmen und entsorgte das wertvolle Lebensmittel gleich danach in einem städtischen Mülleimer – wegen Ungenießbarkeit.

Kulinarisches Brevier: Moldawien 2

Deutliches Land-Stadt Gefälle. Auf dem Land ist es sehr schwer, überhaupt ein Restaurant zu finden. Selbst Bars, Gaststuben, einfache Kneipen sind selten. Oft haben kleine Minimärkte (Tante Emma Läden) einen Tisch auf dem Gehsteig. Dort kann man dann sein gekühltes Bier zu sich nehmen und irgendetwas Kaltes dazu essen. Brot. Wurst gibt es auch. Sie wird aber häufig nicht gramm-  oder scheibchenweise verkauft, sondern als ganzes Wurst.

Einmal hab’ ich ich mich eben nur von Bier und trocken Brot ernährt. Geht auch mal für einen Tag. Spottbillig zudem.

Das Frühstück in den Landhotels (wenn es überhaupt welche gibt) – äußerst schlicht: Kaffee, hart gekochte Eier, bisschen Wurst und Käse.

Moldawien ist noch weitgehend ein touristisches Entwicklungsland.

Ganz anders sieht es dagegen in der Hauptstadt aus. Dort gibt es fast schon ein Überangebot guter Restaurants und Cafés.
Die Küche dort mit allerlei mediterranen, kontinentalen und osteuropäischen Einflüssen. Die Preise aber (verglichen mit mitteleuropäischen Verhältnissen) sind immer noch sehr moderat.

Cahul

Es war schwierig, ein offenes Restaurant zu finden. Die zwei vom Reiseführer empfohlenen Lokale beherbergten geschlossene Gesellschaften.
In einer kleinen netten Bar bekam ich wenigstens einen Snack (mit Spinat gefüllte Teigtasche).

Später dann doch nich etwas entdeckt: “Andy’s Pizza”.
Wie ich erst danach feststellte, war dies eine sehr erfolgreiche Restaurant-Kette – mit ettlichen Filialen in der Hauptstadt. Das Menü beinhaltete weit mehr als “nur” Pizza.

1) Bruschetta mit geräuchertem Lachs (2,25 Euro)
2) Rindfleischeintopf mit Auberginen, Zucchini, Paprika (4 Euro)
3) Mango-Käsekuchen (2 Euro)

Alles sehr fein und köstlich.

Comrat

Auch hier wieder nichts anderes gefunden außer die o.g. Pizza-Kette.

Pizza mit Artischocken, Pilzen, Oliven und Schinken. (4 Euro)
Gutes Niveau.

Chisinau

La Taifas (Altstadt)
Restaurant in historischem Gewölbekeller. Mit gutgelaunt aufspielender Folkloregruppe.

1) Borscht mit Entenfleisch
2) Geschmortes Kaninchen

Köstlich beides!

Cerbul de Aur (Altstadt)
Kleines Lokal mit 5 Tischen. Spezialisiert auf Wildgerichte. Sehr kompetenter Betreiber. Viele Wildschwein-, Hirsch- und sonstige präparierte Köpfe an der Wand.

1) Blinii mit geräuchertem Lachs und Butter (5,50 Euro)
2) Hirschgulasch mit exotischen Früchten (7 Euro)

Beides exzellent! Vor allem der Hirschgulasch war sehr fein abgestimmt. Überraschende Aromen durch Orangen, Kiwi, Melone. Dazu selbstgemachtes Zwetschgenmus. Und ebenfalls selbstgemachter Rotwein! Durchaus etwas rustikal. Passte aber sehr gut.

Cactus (Altstadt)
Eher eine Art Bistro. Fast schon kalifornisches Ambiente. Dazu passend auch die Speisekarte und die Preise. Für Chisinau: teuer.

Aal mit Avocado-Creme und Mozzarella (12,50 Euro)

Ungewöhnliche Kombination. Aber klasse.

Wine Bar/ Q-Bar (Altstadt)
Nettes Lokal. Modern eingerichtet. Entsprach auch dem Stil der Küche.

1) Bruschetta klassisch (3 Euro)
2) Scharfe Bohnensuppe (2,75 Euro)
3) Gegrillte Forelle mit Kräutern (5,50 Euro)

Sehr überzeugende Küche. Bohnensuppe eher fein als derb. Forelle klasse. Auf den Punkt gegart.

Tag 253 (05.04.2018) / Bulgarien: Pause in Varna

Gestern Abend in einer schrägen Bar (und mich wie im Prenzlberg gefühlt). Heute morgen in einem reizvollen Café (als wär’s eine Bio-Kooperative mit Fairtrade-Kaffee in München-Neuhausen).
Danach in einem beheizten Riesen-Freibad verweilt, in dem Wasserballer, Schwimmer und Wassertänzerinnen sich auf Wettkämpfe vorbereiteten. (Außentemperatur etwa 11 Grad! Die Trainer und Trainerinnen am Beckenrand in dicke Fleeze-Jacken eingepackt.)

Spitze

Am Mittag in einem stimmungsvollen Traditionsrestaurant mit bulgarischer Küche vom Feinsten (also: rustikal) gegessen. Am Abend in einem Fischlokal an der Kaispitze des Hafens die bulgarische Hautevolee (und Expat-Szene) studiert.
Varna hat alles.
Mancherorts wirkte die bulgarische Hafenstadt sehr sehr modern.
Dann aber wieder: kaputte Strassen, ungepflegte Vorgärten, halbzerfallene Häuserzeilen – so als hätte sich seit 1989 gar nichts getan. Kolonnen von “Kehrerinnen” in den Straßen, als seien sie 1 Dollar-(am Tag)-Sklavinnen. Alles Roma-Frauen. Sie kehrten den Straßendreck (viel Sand) aus den Gehsteigritzen und schaufelten ihn in große Plastiktüten.
(War das ein Sozialprogramm?)
Eine Stadt, die ganz extrem die Klassenunterschiede vorführte. Aber es fehlte? – der Klassenkampf.

Tag 249 (1.04.2018) / Bulgarien: Swilengrad -> Burgas

Strecke: 170 km (09:30 – 22:15 Uhr)

Manchmal werden Vorahnungen zu wenig überraschenden Tatsachen.
So schwante mir beim Aufbruch heute, dass es ein furchtbar langer Tag werden würde. (Mein Hotel-App zeigte mir auf einer Strecke von fast 170 Kilometern keine Unterkunft an.)
Der Tag wurde lang und er wurde furchtbar.

da droht was

Die Richtung war ja klar: gen Schwarzes Meer, gen Burgas. Der Blick noch einmal zurück auf das Grenzgebiet zur Griechenland und der Türkei: Dort braute sich ein wüstes Wettercocktail zusammen. Der Wind trieb die dunkle Wolkenmischung in meine Richtung.

Einsam die Strecke. Gut befahrbare Straße, so gut wie nie ein Auto. So gut wie nie ein Dorf.

allein unter Bäumen

Ich war allein mit mir.

leicht entflammbar

Ich war Gedanken-los.

al cielo

Oder eigentlich beherrschte mich doch ein einziger Gedanke: Würd ich eine Unterkunft finden? Hundertsiebzig Kilometer waren kaum zu schaffen, auch deshalb, weil es schon zu Beginn steil nach oben ging. Etwa 600 Höhenmeter.

Ich war froh, wenn ich mal ein bisschen Leben zu Gesicht bekam.

ruhendes Arbeitspferd

Der erste Eindruck von Bulgarien – oder besser – vom Landesinneren: arm, gar ärmlich.

Manch vorsintflutliche Erntemaschine stand am Feldrand und wartete auf ihren Einsatz.

ruhender Mähdrescher

Die wenigen Dörfer, die ich durchfuhr, wirkten von Weitem betrachtet zwar pittoresk, kompakt, belebt …

Dorf in Sicht

..die Nahansicht aber war desaströs: zerfallene und halbverlassene Dorfmitten.

abgewrackt

Nach einem kurzen Schauer verdüsterte sich der Eindruck noch zur schwarzen Melancholie.

postsozialistisch

Immerhin mit einem Ostergruß.

freundlich

Nirgends auch nur der Hauch eines Hotels, einer Pension oder einer Privatunterkunft.
Am Nachmittag fand ich in einem Dorf zumindest eine Bar.

Biertür offen

Zwei lustige Gesellen leerten gemeinsam eine Flasche. Mehr war wohl nicht drin.

Teilen macht Freude

Auch wenn das Bier hier noch so billig war (50 Cent!).

mein Mittagstisch

Ich fuhr weiter, immer weiter. Der Abendhimmel fiel bald wie ein schwerer, düsterer Bleisack auf den Wald, den ich durchfuhr.

Oh weh!

Es wurde dunkel.
Und dann kam das Gewitter. Völlig aus dem Nichts.
Erst spürte ich die Hagelkörner. Ich war schneller nass als ich meine Regenkleidung aus der Fahrradtasche holen konnte.
Dann war die Nacht da und es blitzte und donnerte um mich herum.
Ich wusste nicht was tun. Zählte den Abstand von Blitz zu Donner: 4 Sekunden. Also etwa 1 bis 1 1/2 Kilometer entfernt.
Grelles Leuchtfeuer.
Anhalten wollte ich nicht, es goss in Strömen.

Sredez war nicht weit entfernt, eine Kleinstadt mit 8.000 Einwohnern. Ich steuerte hin, niemand auf der Straße, niemand, den ich fragen konnte. Keine Bar offen. Keine Unterkunft nirgends.

Also weiter: Noch 30 Kilometer bis zur Hafenstadt Burgas.
Ich aktivierte meine App, wählte mir ein Hotel, radelte weiter. Der Regen ließ nach. Das Gewitter war hinter mir, grollte.
Eine Sorge weniger. Ich – völlig eins mit meinem Fahrrad. Radelte, radelte, radelte wie in Trance. Verlor die Konzentration.
Aus der Dunkelheit plötzlich ein Hund an meiner Ferse, bellte wild. Ich wachte auf, reagierte falsch. Steuerte nach rechts in den Schotter am Straßenrand. Bremste falsch. Hinten – statt vorne. Kam ins Schleudern. Der Hund an meiner Ferse erschrak sich, wich aus. Fiel. Kullerte und stürzte sich überschlagend eine Böschung runter, die ich erst jetzt sah, da meine Fahrrad quer zur Straße stand und ich grad noch die Balance halten konnte und meine erstaunlich lichtstarke Fahrradfunsel die Böschung ausleuchtete. Mann was hatte ich ein Glück da nicht runtergestürzt zu sein. Der Hund 5 Meter unter mir – mit einem ordentlichen Trauma. Weg war er dann. Er hatte  genug.
Ich auch. Zitternd fuhr ich weiter und überlegte mir, ob es nicht doch klüger sei, den Helm, der an meinem Gepäckträger hing, aufzuziehen.

Um Viertel nach 10, in tiefer Nacht, endlich angekommen.
Geduscht, getrocknet, eine Bar gesucht, ein paar Happen gegessen und lange lange geblieben. Bis sich meine Muskeln wieder entspannten.

Unterkunft: Hotel Bulgaria. Stadtmitte. Legendärer Hotelkomplex.

Tag 183 (09.04.2017) / Spanien: Pause in Cartagena

Die Bedienung einer Wein-Bar hatte mich überredet, noch einen Tag in Cartagena zu bleiben. Sie schwärmte von der Semana Santa. Diesen Sonntag, Palmsonntag, sollte eine “schöne” Prozession stattfinden.

Ich blieb.

Und wurde belohnt.

Kolonialimperial

Am späten Nachmittag begannen die Bruderschaften. 5 Stunden lang folgte ich ihnen. Und mir wurde nicht klar, ob ich tatsächlich einer religiösen Veranstaltung beiwohnte oder einer großen Travestie zusah.

Till Eulenspiegel?

Tausende Menschen verkleidet.

Regimentsmutter

Als Mönch, Priester, Bischof, als Schwester, Betende und ich weiß nicht was.

Dem Till seine Mutter?

Und alle im gleichen Rhythmus. EINS, zwei, EINS, zwei. Streng nach dem Schlag Hunderter Tamboren.

Ernste Sache
Ganz ernste Sache

Waren sie beseelt, die die tonnenschwere Altäre auf ihren Schultern schleppten?

Tausendfüßler

Sie waren jedenfalls eine Gemeinschaft.

Tausendhändler
Schwesternschaft

Ob Frauen schon immer an den Prozessionen der Semana Santa teilnehmen durften? Ich merkte, dass ich nichts über diese Tradition wusste.

Es tut weh
Sehr weh

Und nahm mir vor, da nun die Osterwoche begann, mehr darüber zu lernen.

Schmerzenswoche

Ich ließ meinen Fotoapparat Foto sein und packte das Handy aus.

Videographierte ein wenig.

Was übten diese Verteidiger des Christentums?

Tag 171 (28.03.2017) / Spanien: Las Cabezas de San Juan -> Jerez de la Frontera

Strecke: 53 km (10:00 – 15:00 Uhr)

Der Frühling besuchte jetzt auch Andalusien!

Weitblick

Ich fuhr heute nur befestigte Straßen!

Sicherer Untergrund

Und nicht zu lang! Ich hatte mich umentschieden. Sanlúca de Barrameda wollte mich gestern offensichtlich nicht als Gast. Also fuhr ich heute auch nicht hin, sondern steuerte direkt Jerez de la Frontera an.
Früh angekommen. Fantastische Stadt.

Wurde mit einem Sherry begrüßt.

Fino

Noch wenige Touristen unterwegs.

aufgeräumt

Ich schaute mir selbstverständlich ein paar Essentials an.

Must see 1

Alcázar und Kathedrale. Außen wie innen beeindruckend.

Must see 2

Göttliche Stille (Ich war allein in den Hallen!)

Must see 3

Jerez bereitete sich schon auf die Semana Santa vor. Auf Plätzen und in den Straßen wurden bereits Zuschauerränge aufgestellt. Für die Karfreitagsprozession.

Es kommt der Tag

Mich schließlich belohnt für die gestrigen Strapazen.
Mit einem fantastischen Essen.
Erst Kabeljau Carpaccio mit kandierten Orangen.
Dann Reis in schwarzer Tintenfischsoße mit Garnelen.

geschmeckt

Den Tag in einer Flamenco-Kneipe beendet.

Zugehört

Die Peña war rammelvoll. Ich bekam die Musik-Gruppe gar nicht zu sehen. Konnte sie nur hören. Aber auch das war gut!

Heute war alles gut.
Sogar die handgeschriebene Kreide-Rechnung vor meinem Weinglas.

Abgerechnet

Unterkunft: Hostal Fenix, am Rande der Altstadt. Sehr schönes Haus, sehr geschmackvoll eingerichtet. 32 Euro mit Frühstück. Äußerst empfehlenswert! (Fahrrad in Zimmer untergestellt.)

Tag 170 (27.03.2017) / Spanien: Sevilla -> Las Cabezas de San Juan

Strecke: 65 km (09:30 – 20:30 Uhr)

Hätt’ ich’s vorher gewußt, hätt’ ich eine andere Strecke gewählt.
Hätte, hätte ….
Ich hätte gewarnt sein können. Blind folgte ich meiner Strecken-App, die mir die ideale Fahrradroute nach Sanlúcar de Barrameda anzeigte. Immer dem östlichen Ufer des Guadalquivir und seinen Altarmen entlang. Schon relativ schnell wurde aus einer befahrbaren Sandpiste ein Schlammbett.

Schlammschlacht

Ich dachte, dass sich das wieder ändern würde, und fuhr fröhlich hinein in den Schlammassel.

Der Lehmboden klebte wie Kaugummi an allem. Setzte sich in Nullkommanix zwischen Reifen und Schutzblech fest und blockierte mir Vorder- und Hinterrad.

ausgebremst

Ich saß fest. Zurück ging nichts mehr – ich war schon zu weit. Vorwärts ging auch nichts mehr.
Jeder Schritt wurde zur Qual. Der Boden saugte sich an meinen Sohlen fest. Ich hatte Klumpfüße. Beidseitig.

Und zu allem Übel: Der Vorderreifen machte schlapp. Irgendwo hatte er sich wohl einen Dorn eingefahren.

Dabei war die Landschaft, die ich durchfuhr, unglaublich schön. Hätte ich Muse gehabt, ich hätte die schönsten Vogelfotos schießen können. Ich befand mich am Rande des Doñana Nationalparks und es gurrte, sang, zwitscherte und gackerte symphonisch in Dolby-Surround-Qualität.

idyllisch

Mehrfach sattelte ich alles ab, befreite die Reifen von Schlamm. Und dann: SCHOB ICH! 4 Stunden! Mein Weg hatte einen leichten Gras- und Blumenbewuchs am Rand. Meine Rettung! Hier sanken weder ich noch mein Fahrrad ein. Ich schob die 50 Kilo durchs Gebüsch. Bis zur Erschöpfung.

Sumpfkanal

Irgendwann kam eine mit Schotter befestigte Piste. Meine zweite Rettung!

Straßenschafe

Ich suchte den Weg zum nächsten Dorf, an einer asphaltierten Straße. Pumpte alle 5 Minuten mein schlapp machendes Vorderrad auf.

Im Winz-Dorf gab es wenigstens eine Bar. Ich machte mich breit …

Meine Werkstatt

… tauschte den Schlauch des Vorderrads aus. Checkte mit dem Handy, wo es die nächste Unterkunft gab. Und fuhr noch einmal 18 Kilometer weiter. Mit einem kleinen Boxenstopp.

Letzte Stärkung

Kurz vor Sonnenuntergang in Las Cabezas de San Juan eingetroffen. Völlig entkräftet. Eher langweiliges Kaff, mit ein paar Bars.


Unterkunft: “Hostal Las Cabezas”. Riesen Apartment, das ich gar nicht nutzen konnte. 43 Euro ohne Frühstück. Das Fahrrad an der Rezeption abgestellt.

Tag 131 (01.09.2016) / Estland: Tallinn -> Haapsalu

Strecke: 118 km (08:15 – 18:45)

Unterkunft in Haapsalu: “Villa Soffa”. Nettes Restaurant mit Zimmervermietung. Die meisten Zimmer mit Gemeinschaftsbad und -WC. War aber egal, da ich der einzige Gast war. (35 Euro mit Frühstück.)  Fahrrad in Hof-Scheune untergebracht.

T013-Tallinn-Haapsalu

118 Kilometer ohne eine einzige offene Bar. Ich musste gleich am ersten Tag meiner Tour auf meinen geliebten mittäglichen Wein verzichten. Keine Stärkung unterwegs.
Estland extrem dünn besiedelt. Dutzende Kilometer durch Wald gefahren ohne ein Dorf gesehen zu haben.
Und flunderflach – wie ich angenommen hatte – war es auch nicht immer.

Wo es Wasserfälle gibt, braucht es auch Fallhöhe.

Wasser fällt

Wasser fällt

Wasser fällt schön

Wasser fällt schön

Es war also gleich zu Beginn anstrengend.

Zunächst die Nordküste abgeradelt. Unzulängliche Klippenlandschaft.

Cliff Hanger

Cliff Hanger

Sie wurde abgelöst durch Waldstrände mit schmalen Sandsäumen.

beachtree

beachtree

Sandfressende Pflanzen

Sandfressende Pflanzen

Dann stundenlang gen Süden gefahren – durch endlose Wälder. Eigentlich auch stundenlang kein Auto gesehen. Dörfer wurden durch Schilder angekündigt, versteckten sich aber im Wald. Nur Briefkästen legten nahe, dass in dieser grünen chlorophyllgesättigten Einöde tatsächlich Menschen lebten.

Wo bitte geht's ... ?

Wo bitte geht’s … ?

Ganz ganz selten gelang mir ein Blick auf ein bewohntes Haus. Schöne bunte Einsiedeleien.

Ich bin eine Landhaus-Paparazzo

Ich bin eine Landhaus-Paparazzo

Kam ziemlich verschwitzt und kaputt um kurz vor Sieben an mein Ziel. Das Hafenstädtchen Haapsalu lag bereits im Tiefschlaf.

Tag 39 (25.03.2015) / Kroatien: Sibenik-> Trogir

Strecke: 62 km (08:30- 16:30)

Villa Tudor in Trogir. Sehr schöne, fast privat gehaltene Unterkunft. Musste bei Ankunft Besitzerin per Telefon informieren. War aber gleich da. Sehr nette Gastgeberin. Geschmackvolle Zimmer. Klasse Lage. Vor meinem Fenster breitete sich die ganze Altstadt aus. Fahrrad im Eingangsbereich untergebracht. (38 Euro ohne Frühstück.)

Strecke 0039-Kroatien-Sibenik-Trogir

Der Tag fing mit einem Tropfen an. Und endete in einem katastrophalen Regensturm.

In Sibenik noch relativ trocken am Markt vorbei gefahren. Wobei: Es nieselte nicht mehr, es regnete bereits.

Regenmarkt

Regenmarkt

Wenig später schütte es aus vollen Kanistern. Eigentlich hatte ich mir vor der Reise extra gute Regenkleidung gekauft. Fehleinkauf. Schon nach wenigen Kilometern war ich völlig durchgeweicht.

Selten eine Küste gesehen, die so viele schöne kleine Dorfkerne aneinanderreiht.

Regenstadt

Regenstadt

Aber wenn keine Saison ist, sind alle Kerne wie weggespuckt. Ich suchte Schutz in Primosten. Der Wind peitschte laut durch die Straßen, die Böen waren so stark, dass ich vom Rad absteigen musste, der Himmel kübelte sämtliches verfügbare Wasser auf mich: Und – es ist langweilig zu sagen – keine Bar, kein Café, kein Restaurant offen – nicht am Marktplatz, nicht am Hafen, nicht am Strand. Nirgends Schutz.

Ich musste lange suchen, bis ich am Rande des Örtchens dennoch ein offenes Café fand. Nette Jungs dort.
Ich zog meine klammen, durchweichten Sachen aus und legte sie im Café zum Trocknen aus.

Keine Regenhose

Keine Regenhose

Ein bißchen merkwürdig ist es schon, durch eine Welt zu reisen, die es außerhalb der Saison gar nicht gibt.
Ich fragte einen der Jungs, was für einen nassen Sturm denn dies nun sei, er wehte ja vom Meer her und nicht wie der Bura von den Bergen.
Die Antwort habe ich leider nicht verstanden. Einer sprach aber von “Jugo”.
Das kurze Googeln ergab: Südsturm. Warm.

Ob er das war, gegen den ich kämpfte? Und hatte “Jugo” etwas mit “Jugoslawien” zu tun? Also etwa: Das Land der Slawen, dort wo der Südwind weht?

Ich konnte das nicht klären. Ich hatte die Befürchtung, dass ich mein Tagesziel Trogir nicht erreichen würde. Alle 5 Minuten zwang mich der Mistwind vom Rad.

Irgendwie kam ich doch an.

Unglaublich schöne Altstadt.
Natürlich nur für mich.

Die Pension, die ich gebucht hatte: mit einem grandiosen Fensterblick.

Regenblick

Regenblick