Meer Europa

Schlagwort Archiv: Bauer

Tag 318 (17.07.2019) / Norwegen: Vevelstad -> Bogen

Strecke: 102 km mit dem Fahrrad. 

Dazu 2 Fähren. (09:30- 18:45 Uhr)

Manchmal wurde es richtig flach. Die Berge zogen sich ins Hinterland zurück. Weiße Schneehauben waren seit ein paar Tagen (seit wann eigentlich genau?) verschwunden.

Jetzt dominierten die Bauernhäuser. Fischerkaten wurden seltener.

Nicht mehr jedes Haus war rotbraun oder gelb. Manche im aristokratischen Weiß.

Mit schöner Schreinerkunst.

Aber die Berge kamen zurück. Forderten mich wieder heraus.

Ich machte häufiger Rast.

Der Wald wuchs in das Meer hinein. Von oben wirkten die Fjorde jetzt wie aufgeraute Waldseen.

Nach etwa 100 Kilometern hatte ich Glück. Ich spechtete in einem Dreiseelendorf ein “Feriehus”, das sogar noch ein Zimmer frei hatte. Das teuerste natürlich. Ein riesiges Apartment mit Einbauküche. Ich hatte vorgesorgt. Ich hatte genügend Wein, Brot, Käse und Dosentunfisch (in Öl und peperoni-scharf) dabei. Ich wurde satt. Und durstig blieb ich auch nicht.

Tag 214 (02.10.2017) / Italien: Anzio -> Sperlonga

Strecke: 83 km (09:30 – 17:00 Uhr)

Langlang der Morgen.
Lang entlang der See.
Außerordentlich schöne Dünenstrände.

aufgereiht

Zum ersten Mal Wasserkontakt. Kann’s selbst kaum glauben. (Fahre das Mittelmeer entlang, ohne reinzuspringen.)

ungeschönt

Blaublau die Radwege

alongside

Dann stoppte ich. Sah eine merkwürdiges Trauerarrangement.

Ich verstand nichts (will sagen kein Italienisch). Es handelte sich offenbar um Trauerschmuck für im Einsatz umgekommene italienische Soldaten. Wo? Afrika? Syrien?
Wer schmückte? Staat? Militär? Bevölkerung?
Waren die Toten (wenn es sich darum handelte) von hier?
Haben also Freunde das arrangiert?
Mannomann – warum bleib ich so (sprach)dumm!

was ?

Mein Fahrrad bockte plötzlich. Quietschte. Ich sah nach. Die Befestigung des vorderen Schutzbleches hatte sich gelöst und schwingte (schwang?) frei.
Mir fehlten Schrauben und Muttern, also schnürte ich das Gestänge mit einem groben Seil (das ich Gott sei Dank mit mir führte) zusammen. Es hielt fürs Erste.

getackert

Abseits der Küste – Landwirtschaft. Der Boden sah fruchtbar aus (sag ich Bauer!).

gefurcht

Irgendwann abgekämpft nach Sperlonga reingeradelt. Reizvoll und herbstleer. Luft war raus dem Ort.

gebräunt

Hoch in die Altstadt gestiefelt und doch immer nach unten geblickt.

geordnet

Extrem enge Gassen. Extrem schöner Ort.

gegoldet

Aber die Schönheit der verstohlenen Plätzchen, Winkel, Ecken – sie ließen sich mit meinen fotografischen Mitteln nicht abbilden.

Nicht mal die kleinen offenen Kapellen.

gerosat

Kurz vor Sonnenuntergang wieder runter zum Strand gestiefelt. Der Horizont blühte rot. Und obwohl ich extremer Sonnenuntergangs-Allergiker bin, konnte ich nicht anders – ich musste den Auslöser lösen.

gesonnt

Tag 182 (08.04.2017) / Spanien: Mojácar -> Cartagena

Strecke: 122 km (10:00 – 20:30 Uhr)

3 Stunden gefahren und dann um die Mittagszeit mich mit einem eiskalten Bier gestärkt. Gerade hatte ich Andalusien verlassen und war in die Region Murcia hineingefahren. Ich wusste, gleich hinter Aguila würde ein steiler Aufstieg alles von mir fordern.

Geschafft

Der Berg kostete mich eine Stunde. Dann wieder ab ins Tal. Auch hier erneut Agro-Business. Aber mit nicht ganz so vielen Gewächshäusern. Das Gepflanzte wurde wie Spargelreihen mit Plastik eingehüllt.

Geschlaucht

Überall Saisonarbeiter. Die sich nicht gerne fotografieren lassen wollten.
Diese erlaubten es mir, aber nur mit dem Handy.
(Das sieht nicht so “gefährlich” aus wie meine Spiegelreflex.)
Ob sie den Mindestlohn bekommen? Gut behandelt werden? Eine menschenwürdige Unterkunft haben?

Gestrandet

Ich hatte mir eigentlich für diese Etappe vorgenommen, nicht über Politik nachzudenken. Mich nur auf die Reise und meine Eindrücke zu konzentrieren. Ich schaffte es nicht.
Nicht wegen der Migranten, die ich unterwegs immer wieder sah.
Ich las (fast) jeden Tag Zeitung (“El País”). Terror in Schweden, Giftgas in Syrien, US Bombardement eben dort, Klassenkampf in Venezuela, Tote im Mittelmeer. Der Horror hörte gar nicht mehr auf.
Kann man in solchen Zeiten überhaupt noch unbeschwert (und ohne schlechtes Gewissen) Urlaub machen?

Ich wusste nicht, was ich denken sollte.
Ich fuhr durch eine spanische Gegend, in der die kleinen Bauernhöfe verschwanden…

Windfraß

… die Agrarbarone die Landwirtschaft unter sich ausmachen, Lebensmittel zu industriellen Erzeugnissen umdefinieren. Aber immerhin – hier gibt es Arbeit für die, die welche suchen/brauchen (Migranten).

Ich ließ das Denken sein und konzentrierte mich wieder auf das Naheliegende.

Berge fressen, um ans Ziel zu kommen.

Und wieder ...
geht's …
bergauf

Cartagena müde noch kurz vor Sonnenuntergang erreicht.
Die Stadt vibrierte. Die Feierlichkeiten der Semana Santa waren in vollem Gang. Die Straßen auch nachts noch rappelvoll. Die Kellner der unzähligen Kneipen rannten wie um ihr Leben. Ich hatte Mühe, etwas zu trinken zu ergattern.

Unterkunft in Cartagena: Hotel Los Habaneros. Modern. Am Rande der Altstadt. Komfortabel. Etwas mürrischer Service. Fahrrad in Kammer untergestellt. 42 Euro (ohne Frühstück).

Tag 179 (05.04.2017) / Spanien: Pause in Almería

Ich brauchte eine Atempause.
Ich nahm sie mir.
Ein Tag das lokale Kneipenleben in Almería studiert.

Sehr angenehme Stadt. Wenig wirklich Sehenswertes. Aber entspannter Alltag.

Sehr schöne Markthalle.

Befreit von Plastik sahen die Obst- und Gemüseauslagen einladend aus.

Wär ich nur nicht vorher durch die apokalyptische Agro-Landschaft Almerías geradelt. Um Gemüse und Obst zu erzeugen, braucht es keine Bauern mehr. Nur noch Industrie.

Tag 109 (30.03.2016) / Italien: Mestre -> Porto Tolle

Strecke: 98 km. (08:30 – 16:00)

Unterkunft in Porto Tolle: “Hotel Italia”. An der Hauptstraße gelegen. Modern. Zweckmäßig. Sehr netter Empfang. (45 Euro mit Frühstück.) Fahrrad in Garage abgestellt.

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Die Kanäle laufen schnurstracks. Manche über 50, 60 Kilometer. Keine Biegung, keine Kurve. Direkt in den Horizont.

Die meiste Zeit fuhr ich auf der lärmigen Landstraße, manchmal auf dem Damm selbst. Die vielen versteckten Erdlöcher bremsten mich jedoch gewaltig.

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Dammlich gehts zum Horizont

So wählte ich also wieder Asphalt.

Gut ausgebaut das Straßennetz. Die Züge fahren überpünktlich (das konnte ich in Venedig feststellen). Busse gibt es zuhauf und verbinden noch die kleinsten Ortschaften untereinander.
Das Einzige, was bisher nicht in Italien funktioniert: Die Straßenpfosten halten nichts aus.
Einer brach unter der Last meines abgestellten Fahrrads regelrecht ab.

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Ausgebremst

Anyway. Ich schoß mein Selfie.

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Spieglein Spieglein an der Straß…

Nach zwei Stunden die Provinz Venezia verlassen und die Po-Ebene erreicht. Brettflach. Kanäle, Flussarme, Felder, Moore. Ab und zu ein Gehöft oder eine Winzsiedlung.

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Einöd mit Zweibaum

Jetzt bin ich schon 3 Tage unterwegs und habe immer noch nicht dass offene Meer zu sehen bekommen.
Lagunen, Flüsse, Bäche, Binnenseen. Viel Wasser.

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Ausgebootet

Immer wieder Fliegenschwärme, die über mich herfielen. Oder waren es Winzkäfer? Stachen jedenfalls nicht.
Die Landschaft eintönig, mit nur wenig Farbe. Nur ab und zu lauschige Winkel.

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Kreuchtierparadies

Eigentlich wirkte vieles verlassen oder zumindest eher ärmlich. Doch dann immer wieder kleine Feudalgrundstücke mit ansehnlichen Bauernhäusern.

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Sogar das Wasser schimmert klar

Die Fischerbehausungen dagegen eher ärmlich. Die Bootsschuppen aus Wellblech. Improvisierte Kleinsthäfen.

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Sogar das Wasser dümpelt faulig

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Armut ist pittoresker als Reichtum

Ein altes Fischerpaar näherte sich.

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Immer zu zweit!

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Eine Hand hilft der anderen

Der Fang: Krebse satt und dazwischen/darunter/darüber: ein Aal.

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Hölleneimer

Kaum war der Fang entladen, stiefelte das Fischerpaar über die Straße die nächste Böschung runter, bestieg ein Kleinstboot und kontrollierte geduldig die ausgelegten Reusen im nächsten Gewässer.

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Warum finden Krebse und Aale nicht mehr aus der Reuse raus?

Lange dachte ich, ich würde mich einem Leuchtturm nähern. Doch als ich davor stand, entpuppte sich der Turm als ein Taubenhaus(?).

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Taubenschornstein

Merkwürdige Dinge gab es in der Po-Ebene. Auch museumsreife Traktoren, deren Motoren liefen, ohne dass sich ein Fahrer in der Nähe befand. Irgendetwas wurde gepumpt. Es erschloss sich mir aber nicht, was!

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Pumpstation

Einige Kilometer vor meinem Tagesziel kam mir ein Fahrradwanderer entgegen, der sich offensichtlich verirrt hatte. Ein 76jähriger Schweizer, der in der Poebene Vögel spotten wollte und in genau das gleiche Dorf zu radeln gedachte wie ich auch. Nur: Er fuhr in die entgegengesetzte Richtung. Es kostete mich einige Minuten, ihm klar zu machen, dass er sich irrte. Er sagte, er habe schon 60 Kilometer auf dem Buckel. Ich lotste ihn (mein HandyNavi überzeugte ihn!) auf den richtigen Weg.

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Good country for old man

Wir fuhren Seit an Seit weiter. Baten unterwegs eine Dame am Wegrand, ein Foto von uns beiden Italienbummlern zu schießen. Es gelang ihr nur mit Mühe, unsere Beine nicht vollständig abzuschneiden. Auch nachschärfen (am Abend) konnte das Foto nicht wirklich retten.

Peter & Stefan

Unterwegs erzählte mir “Peter”, so hatte er sich mir vorgestellt, dass er vor kurzem von seinen Ärzten MS diagnostiziert bekommen habe. Jetzt wolle er noch solange Fahrrad fahrend die Welt erleben wie er noch strampeln/gehen könne. Er hatte kein Hotel vorbestellt, nichts. Mit 76!
Ich führte ihn zu meiner Unterkunft, die ich schon am Morgen per Internet gebucht hatte. Und dachte: Wow!

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This is the end

In Porto Tolle, dem Zentrum der Po-Ebene, nahmen wir noch zusammen das Abendbrot ein. Peter erzählte von einem langen Leben. Good man!

Tag 99 (6.11.2015) / Frankreich: Carentan > Bayeux

Strecke: 48 km. (09:15 – 13:00)

Unterkunft in Bayeux: “Hotel Reine Mathilde”. Gegenüber Kathedrale. Sehr hilfsbereiter Empfang. Sprach etwas Englisch. Hotel hatte Bar/Brasserie. Angenehm. (60 Euro ohne Frühstück.) Fahrrad in Kabine Garage untergestellt. Kostete 5 Euro extra.

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Regentag. Superwindtag. Böen, die mich fast vom Fahrrad warfen.
Nur selten klarte es etwas auf. Nur einmal, als es ein bisschen trockener wurde, zückte ich mein Foto.

Ich fuhr durch Bauernland. Ohne das ich jeh einen Bauern zu sehen bekam. Die gehen bei Wind und Wetter wohl auch nicht raus.

Ob's hier europäische Subventionen gibt?

ob’s hier europäische Subventionen gibt?

Völlig durchweicht gab ich nach 3 Stunden Druckwasserbespaßung auf und sucht mir in Bayeux ein Hotel.

Ich hatte Glück. Ich hatte dieses Städtchen im Reiseführer überlesen. Sehr sehr sehr schön. Mit einer der schönsten Kathedralen, die ich jeh besucht habee.

Alle Kraft nach oben

Alle Kraft nach oben

Langsam werd’ ich zum Kirchgänger. Immerhin wird man dort nicht nass.

Klasse Ort. Mit vielen kleinen Bars, Weinprobierstuben und Restaurants. Ich bekam den Tag auch so rum – ohne Fahrradfahren.

Besuchte ein beeindruckendes Museum. 70 Meter gestickter Stoff – über tausend Jahre alt – erzählt in Leinen-Bildern die Geschichte der Eroberung Englands durch die Normannen. Weltkulturerbe.

Alle Kraft voraus

Alle Kraft voraus

Feine Arbeit.

Alle Kraft zum Töten

Alle Kraft zum Töten

Zum ersten Mal viele Touristen gesehen, Keine Binnenfranzosen, extrem viele US-Bürger. Verbinden wohl D-Day-Tourismus mit französischer Küche. Am Abend fiel mir auf, dass morgen mein hundertster Tag der Europa-Umrundung beginnen würde. HUNDERT TAGE!

Ich genehmigte mir ein feines Mal auf das Jubiläum.

(Und hatte keine Ahnung wie viel weitere Hundert Tage noch folgen würden, bis ich diesen Kontinent umrundet haben würde.)

Jubel

Jubel

Vorspeise: “L’assiette de coquillages et crevettes” (huitres, bulots, birgoneaux, crevettes) / (Meeresfrüchte)
Hauptgericht: “Pavé de noix de veau campagnard et sauveurs d’automne aux bais rouges” (Rindersteak)
Und als Nachspeise einen exzellenten normannischen Apfelkuchen mit Vanilleeis und Karamellcreme.

Tag 96 (3.11.2015) / Frankreich: Mont Saint Michel > Granville

Strecke: 58 km. (08:45 – 14:15)

Unterkunft in Granville: “Hotel Des Bains”. Klasse Lage. Zimmer mit Meerblick. Supersympathische Empfangsdame. (65 Euro ohne Frühstück.) Fahrrad in einem nicht benutzten Raum untergestellt.

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Der Morgen brachte den Wetterumschwung: Wind, Nieselregen. Es sollte noch heftiger werden.

Ich machte mich davon und nahm Abschied vom “Mont Saint Michel”.
Auf einen Besuch des Kirchenberges hatte ich verzichtet. Zum einen weil ich schon einmal in den Gemäuern war, zum andern weil mich die Busladungen von asiatischen Touristen schreckten, die schon früh dahin aufgebrochen waren. (Wieso tragen sie hier am Meer Mundschutz?)

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Schafsberg

Die Mont Saint Michel Bucht ist weitläufig, zwei Tage brauchte ich, um mich dem Bauwerk zu nähern und wieder zu entfernen.

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Rotberg

Ich konnte gar nicht anders als ständig den Blick nach hinten zu richten: Ich wollte sehen, wie es ihm erging.

Gerade tobte ein Unwetter über dem Thron.

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Silberberg

Irgendwann – nach Stunden – war er kaum noch zu sehen: ein winziger Punkt am Horizont.

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weite Weite

Ich befand mich ab jetzt in der Normandie!
Und alles war anders als in der Bretagne!
Es ist irre, wie sich mit den Menschen auch die Landschaft ändert. Ich weiß, dass das normalerweise anders herum erklärt wird. Ich kann das Phänomen auch nicht verstehen, die Gegend war ja die gleiche: die Bucht Saint Michel – nur etwas nördlicher. Ich habe auch kein Foto, das das verdeutlichen kann, ein Gesicht, ein Beleg, irgendetwas. Die Menschen waren plötzlich mehr Bauern als Fischer, auf einmal waren draußen mehr Felder als Weiden. Die Häuser in den Dörfern auf einen Schlag mit weniger Granit, dafür häufig mit Mörtelfassaden.
Der Mensch macht die Landschaft. Und die war in der Normandie definitiv anders als in der Bretagne.

Mein Tagesziel, Granville, hatte ich schnell erreicht.

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normannischer Badestrand

Welch ein Glück! In der Rezeption des Hotels begrüßte mich eine Französin mit guatemaltekischen Wurzeln. Wir quasselten eine halbe Stunde auf Spanisch (über ihre Heimat, wie sie nach Frankreich gekommen war, warum sie unbedingt Deutsch lernen wollte und … und … und). Ich fühlte mich wieder unter Menschen.

Tag 77 (15.10.2105) / Frankreich: Arcachon > Margaux

Strecke: 90 km. (09:30 – 17:30)

Unterkunft in Margaux: Bed & Breakfast Pension: Villabordoh. Sehr sympathisch. Im Zentrum des Winzortes gelegen. Großzügiges Zimmer. Außerordentliche nette Frauen, die die Pension betreiben und gleichzeitig auch einen Geschenkladen samt Snacks und Getränke-Angebot managen. Schöner kleiner Vorgarten mit Tischen und Stühlen. 60 Euro mit Frühstück. Fahrrad draußen an Fahrradständer gekettet.

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Als ich aufstand um zu packen, regnete es draußen stark. Ursprünglich wollte ich sehr früh in Arcachon zur Fähre, um nach Cap Ferret überzusetzen.
Das lohnte sich bei dem Wetter nicht.
Ich wartete eine Stunde bis es nur noch nieselte und fuhr los. Grundrichtung -> ins Bordeaux Land.
Nach Bordeaux Stadt, das hatte ich in der Nacht beschlossen, wollte ich nicht. Ich hatte keine Lust auf Straßenschluchten.

Ich mochte den Geruch der Dörfer.

Gelbes 14. Jahrhundert

Gelbes 14. Jahrhundert

Die Strecke war heute uninteressant.

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Treffen sich am Horizont zwei Geraden …

Irgendwann noch mal ein wenig Küste mit Ebbe.

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Immerhin scharfkantig der Horizont

Dann nur noch Flachland. Bauernland und Wald. Keine Abwechslung. Keine Kurve. Kilometerweise keine Behausung. Immer schnurstracks-gerade-aus. Kaum Autos unterwegs. Fühlte mich wie an einem Sonntag.

Irgendwann dachte ich, ich sei ein Mann ohne Schatten. Ein halbes Etwas. Ein halbes Nichts. Bis die Sonne Erbarmen mit mir hatte und mir meinen schwarzen Begleiter wieder schenkte.
Ich war froh, nicht mehr allein zu sein.

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Double-Me

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Him and me

Tag 64 (19.04.2015) / Griechenland: Kalamata > Githio

Strecke: 98 km. (8:45 – 18:15)

Unterkunft in Githio: Hotel Aktaion an der Hafenpromenade. (Geschmackvolle Einrichtung. Balkon mit Meerblick. Hilfsbereiter Service.) 40 Euro mit Frühstück. Fahrrad zum ersten Mal draußen lassen müssen. Drinnen gab es tatsächlich keinen Platz. Nichts passiert.

Strecke 0063-Griechenland-Kalamata-Githio

Brutal anstrengende Strecke. Es ging ins Gebirge. Mit Abstand landschaftlich die bisher schönste Route in Griechenland. Einziges Manko: Eklatant schlechte Sicht. Enorm diesig. Keine Kontraste. Das was mein Auge sah, konnte die Kamera nicht abbilden. Wie schade.

Der Reihe nach.

Gleich hinter Kalamata schlängelte sich die Straße in Serpentinen in den Himmel hinein. Von dort aus wunderbare Aussichten über das noch hügelige Land, das mir immer mehr wie die schönere Toskana erschien.

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Leider wenig zu sehen

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Licht – es werde Licht!

Schon bald wurden aus Hügeln Berge.

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Man könnte hier Western drehen

Fruchtbares Land. Oben …

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Oliventerassen

…wie unten (=Hochebene).

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Filmkulisse

Die Küste bizarr.

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Fingerberge

Halbe Stunde Abfahrt. Im Schuss. Meine Wangen von aufgeprallten Mücken, Schmetterlingen und Geschmeiß so verdreckt wie eine Auto-Windschutzscheibe. (Können diese Viecher eigentlich nicht navigieren?)
By the way: Habe noch kein Land gesehen, wo so viele totgefahrene Hunde und Katzen (manchmal auch Schildkröten) am Wegrand lagen.

Unten angekommen: gestaunt über pittoreske Fischerdörfer. Der Massentourismus hat noch keinen Weg hierher gefunden.

Eine halbe Stunde Pause eingelegt und mich ein wenig aufgepäppelt.

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Alt-Herren-Mütze in Kalamata gekauft

Mit Käse gefüllte Paprika gegessen. Dazu klasse lokales Olivenöl.

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Beste Produkte

Schließlich wieder den Weg nach oben eingeschlagen. Kam mir noch steiler vor als der erste Aufstieg. Es tat weh.

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Dorf kann nicht schöner werden

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Dorf kann auch nicht mehr schöner werden

Nur noch selten Dörfer. Dafür wurden sie immer malerischer.

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Hochgebirgsdorf

Auf dem Weg ins Hochgebirge eine Schildkröte gerettet. Ich holte sie von der Straße runter und setzte sie ins Gebüsch.

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Panzer schützt nicht vor Autoreifen

Winzorte. Mit Winzkirchen.

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Wie alt sie wohl ist?

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Duster im Altarraum

Ein paar Bauern boten (wem eigentlich?) ihre Ernte an. Honig, Oliven, getrocknete Kräuter – vor allem Oregano. Ich kaufte ein Glas (4 Euro).

Blickfang

Blickfang

Dann wieder Schussfahrt ans Meer.
Ausgepumpt und entkräftet im Hafenstädtchen Githio angekommen.

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Sicherer Hafen

Herrlicher Tag!

Tag 63 (18.04.2015) / Griechenland: Pause in Kalamata

Mousakás-Tag!

Deswegen hatte ich heute eine Pause eingeschoben.
“Moussaka”, “Musaka” – egal wie geschrieben, wie betont. Heute war ein Festtag.

Ein Traum!

Ein Traum!

Meine Europareise ist ja auch eins kulinarische. Und ohne diesen Auberginenauflauf ist das gastronomische Programm in Griechenland nicht komplett.
Nur: Bisher war es auf meiner Radtour faktisch unmöglich dieses klassische Gericht zu bekommen. Egal wo ich fragte: immer die gleiche Antwort: heute gerade nicht.

So war es auch gestern Abend. Ich hatte im Internet recherchiert und ein Lokal in Kalamata ausgeguckt, das berühmt für traditionelle griechische Küche ist. Also war ich spät Abends hinmarschiert. Nur: Das  Mousakás war bereits aus. (Dafür aß ich verdammt gute Wild-Artischocken). Die junge Wirtin sprach ein wenig Deutsch und meinte: Das Mousakás sei eigentlich immer am frühen Nachmittag schon ausverkauft. Ich beschloss sofort, einen Tag in Kalamata dranzuhängen.
Die Wirtin beruhigte mich und versprach, mir auf jeden Fall ein Stück zu reservieren. Ich müsste morgen nicht so früh erscheinen. Ihre Mama regiere im übrigen die Restaurant-Küche, und sie sei die beste Köchin weit und breit. (Die Mama zupfte derweil in einer Ecke Berge von Spinat klein.)

So kam ich also wieder an diesem Mittag und speiste wie Zeus in Griechenland. Götterspeise!
(Wer immer auch nach Kalamata kommt, er darf die Küstenstadt nicht verlassen, ohne in der Taverne “Ta Rolla” (kurz vor der Markthalle) eingekehrt zu sein.

Was für ein Tag.
Er hatte eh sehr angenehm begonnen.

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Meerbaum

Früh war ich vom Strand in das rund 4 Kilometer entfernte Zentrum der Hafenstadt gelaufen.
Die Altstadt: einfach liebenswert.

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Flair

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Mediterranes Flair

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Guck!

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Velo

Viele kleine Kaffeeröstereien. Die Gassen dufteten.

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Wer ist die Schönste ?

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Wer ist die Lauteste?

Im Viertel ging es beinahe arabisch zu.

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Souk

An einer Kneipentür: Geschichtsunterricht!

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Ohne Worte

Den quirligsten Markt seit langem besucht.

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Heiliger Fisch

 

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Gefangener Fisch

Fische werden im Akkord ausgeweidet.

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Schnelle Hände

 

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Das Meer ist fruchtbar

 

Auf dem Gemüsemarkt.

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Ich liebe Artischocken

 

Die Bäuerinnen haben alles schon erlebt. Krieg, Diktatur, Demokratie, Eurokrise. Ihre Gesichter ausdrucksstark, aber erschöpft.

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Erschöpfte Marktfrauen

 

Auch ihre Familien haben alles schon erlebt.

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Good Music

 

Ästhetisch die Gewänder.

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beggar & beggar

Verhärmt die Gesichter.

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beggar

Welch ein Tag.