Meer Europa

Schlagwort Archiv: Bauer

Tag 318 (17.07.2019) / Norwegen: Vevelstad -> Bogen

Strecke: 102 km mit dem Fahrrad. 

Dazu 2 Fähren. (09:30- 18:45 Uhr)

Manchmal wurde es richtig flach. Die Berge zogen sich ins Hinterland zurück. Weiße Schneehauben waren seit ein paar Tagen (seit wann eigentlich genau?) verschwunden.

Sommerfarben

Jetzt dominierten die Bauernhäuser. Fischerkaten wurden seltener.

Aber der Sommer gleicht hier eher dem mitteleuropäischen Frühling

Nicht mehr jedes Haus war rotbraun oder gelb. Manche im aristokratischen Weiß.

Unbefleckt

Mit schöner Schreinerkunst.

Keusch

Aber die Berge kamen zurück. Forderten mich wieder heraus.

Runter macht es mehr Spaß

Ich machte häufiger Rast.

Warmer Rastplatz. Die Sonne wärmte mich und den Stein

Der Wald wuchs in das Meer hinein. Von oben wirkten die Fjorde jetzt wie aufgeraute Waldseen.

Ich warte immer noch auf den ersten Indianer

Nach etwa 100 Kilometern hatte ich Glück. Ich spechtete in einem Dreiseelendorf ein “Feriehus”, das sogar noch ein Zimmer frei hatte. Das teuerste natürlich. Ein riesiges Apartment mit Einbauküche. Ich hatte vorgesorgt. Ich hatte genügend Wein, Brot, Käse und Dosentunfisch (in Öl und peperoni-scharf) dabei. Ich wurde satt. Und durstig blieb ich auch nicht.

Tag 284 (05.10.2018) / Schweden: Melbystrand -> Varberg

Strecke: 112 km (09:15 – 19:00 Uhr)

Der Morgen legte eine Regenpause ein. Ließ mich den Melbystrand genießen. Im Sommer müssen hier Rimini-Zustände herrschen.

Ziemlich bedünt

Jetzt war ich allein.

Ziemlich bespült

Alle 100 Meter druckte sich ein Fertighäuschen hinter den Dünen weg.
Ich weiß nicht, ob die alle bewohnt oder nur Ferienwohnungen waren. Menschen sah ich nicht.

Eingebettet

Es ging kilometerweit so weiter. Grundstück an Grundstück. Ohne dass die Häuser sich mal zu einem Dorf klumpten.

Häusersaum

Aber dann doch: eine winzige Ansiedlung, die den Namen Ortschaft verdiente. Sogar mit einem Kurhotel. Das jedoch schon in Herbst-Winter-Frühlingsschlaf gefallen war.

Eingemottet

Der Fahrradweg eh schon einsam und dann führte er auch noch durch einen stummen Wald.

Beschattet

Nur manchmal Zeichen, dass in dieser Gegend tatsächlich jemand lebte.

Farbklecks

Aber selbst die Bauern waren heute nicht auf ihren Feldern.

Gegen Mittag erreichte ich ein Naturschutzreservat.

Gebeugt, nicht gefällt

Einsamkeit lässt sich nicht steigern. Einsam, einsamer? Nee, geht nicht

Gestrandet

Ich konnte gar nicht so viel atmen, wie der Sauerstoff sich mir aufdrängte. Reinste Luft. Aber feucht-schwer und eigenartig dunkel.

Gekurvt

Immerhin regnete es mal eine Weile nicht.
Der Herbst hatte Schweden bereits fest im Griff.
Manchmal raschelte das rote Laub (raschelt es anders als grünes?).

Gewässert

In einer Bucht ein Fischereibetrieb ohne Fischer.

Verlassen
Aufgespult

Alles verrammelt und verriegelt.

Rot macht froh

Natur nur für mich.

Begrünt

Verweilen?
Nee, ging auch nicht.
Regen kündete sich an.
In der nächst größeren Stadt machte ich eine kurze Rast. Kaufte mir auf dem Marktplatz von Halmstad an einem Stand einen Hotdog. 20 Kronen. Ich hatte aber nur einen 100er Schein und der Verkäufer konnte nicht herausgeben. Er wollte mir die Wurst schenken. Ich wehrte mich. Ich fragte ihn, woher er stamme. Es war klar, dass er kein gebürtiger Schwede war. Er antwortete (in gebrochenem Englisch): aus Syrien. Mit der ersten Flüchtlingswelle zu Beginn des Bürgerkrieges war er hierher gekommen. Offensichtlich hielt er mich für bedürftig (sah ich schon nach 3 Wochen Rundreise so heruntergekommen aus?) und zeigte Solidarität mit einem Schicksalsverwandten (sah ich wirklich so abgemagert und hungrig aus?).
Ich drückte ihm 2 Euro in die Hand und hoffte, er konnte sie irgendwo tauschen.
Er winkte mir nach.

Spät in Varberg eingetrudelt. Pitschenass. Das einzige Hotel mit noch freien Betten war das ehrwürdige alte Stadthotel. Very british. Die Hautevolee war hier versammelt bei Klaviergeklimper und Whisky-Tasting. Frauen (vor allem junge) in Abendgarderobe, Männer in Anzug und mit Hipsterbart. Ich kam mir fehl am Platz vor. (Sah ich wirklich so zerzaust aus?)

Tag 267 (18.9.2018)/ Niederlande: Zoutelande -> Den Haag

Strecke: 124 km (11:15 – 20:15 Uhr)

Drei Dinge habe ich heute über mein Gastland gelernt:
1) Beim Fahrradfahren kann ich träumen. Das Velo-Netz ist so irre gut, dass ich mich weder auf die Straße noch auf Autos konzentrieren muss.
2) Im Einwanderungsland Niederlande sehe ich jetzt schon 200 Kilometer lang nur Weiße: am Strand, in den Straßen, in den hochpreisigen Restaurants. Nicht mal als Servicekraft ein Gesicht, aus dem der Migrationshintergrund lächelt. Offenbar sind all die Indonesier, Surinamer, Türken und Curaçaoer in den großen Städten.
3) Es gibt Rückenwind. Zum ersten Mal auf meiner Europa-Tour.

Der Tag begann mit einem Besuch in einem Fahrradladen. Meine Schaltung zickte, ich wollte sie reparieren lassen. Ging aber nicht. Eine Gruppe deutscher Rentner bevölkerte den Shop und ließ sich ausführlich in Sachen E-Bike beraten.

Draußen lärmte der pittoreske Wochenmarkt, rund um die Kirche von Zoutelande.

Marktkirche

Sogar einen großer Stand mit Fahrradartikeln gab es.

Typischer als Holzpantoffeln

Das Wegenetz: großartig. So gut wie immer mit getrennten Rad-Spuren. Mit Autos kam man nur selten in Kontakt. Mit verbissenen und durchgeknallten Radlern ebenso wenig.

Radlerparadies

Ich hatte viel Zeit, abzutauchen … in die Farben … ins strahlende Meer … in mich.

Dreikäsehoch

Die Dörfer herausgeputzt. Adrett. Fast klinisch sauber. Überfüllt von deutschen Rentnern aus dem Rheinland. Ich hörte mehr rheinischen Dialekt als holländisch.

Drei Seelen hoch

Die Strände wild. Rauschhaft. Heute auch stürmisch.

Geerdet

Jugend immer dort in der Überzahl, wo es Sportmöglichkeiten gab.

Gelüftet
Gewässert

Ich durchfuhr das Holländiche Delta. Die großen Flüsse mündeten hier: Rhein, Maas und Schelde. Ich befuhr die größten Sturmflutwehre der Welt. Gigantische Bauwerke, die das Meer bändigen sollen.

Weltwunder

Ich durchradelte Industrielandschaften, die so proper waren, dass sie fast etwas Idyllisches vorspiegelten.

Geputzt

Gewächshäuser wuchsen aus der Erde (statt Gerste, Weizen und Mais). Wie riesige Kunst-Pavillons für eine Dauerausstellung “Virtuelle Landwirtschaft”. Arbeiter, Bauern sah ich nicht. Vielleicht braucht man sie hier auch nicht.

Künstlich, kunstfertig

Ein imposantes Land.

Sehr spät in Den Haag eingefahren. Es dunkelte bereits.

Unterkunft: Hotel Excelsior. Wie alle Hotels in der Hauptstadt extrem überteuert. Für mein kleines (schönes) Zimmer berappte ich 90 Euro (mit Frühstück). Fahrrad auf der Straße gelassen. “Kein Risiko” sagte der Portier.

Tag 214 (02.10.2017) / Italien: Anzio -> Sperlonga

Strecke: 83 km (09:30 – 17:00 Uhr)

Langlang der Morgen.
Lang entlang der See.
Außerordentlich schöne Dünenstrände.

aufgereiht

Zum ersten Mal Wasserkontakt. Kann’s selbst kaum glauben. (Fahre das Mittelmeer entlang, ohne reinzuspringen.)

ungeschönt

Blaublau die Radwege

alongside

Dann stoppte ich. Sah eine merkwürdiges Trauerarrangement.

Ich verstand nichts (will sagen kein Italienisch). Es handelte sich offenbar um Trauerschmuck für im Einsatz umgekommene italienische Soldaten. Wo? Afrika? Syrien?
Wer schmückte? Staat? Militär? Bevölkerung?
Waren die Toten (wenn es sich darum handelte) von hier?
Haben also Freunde das arrangiert?
Mannomann – warum bleib ich so (sprach)dumm!

was ?

Mein Fahrrad bockte plötzlich. Quietschte. Ich sah nach. Die Befestigung des vorderen Schutzbleches hatte sich gelöst und schwingte (schwang?) frei.
Mir fehlten Schrauben und Muttern, also schnürte ich das Gestänge mit einem groben Seil (das ich Gott sei Dank mit mir führte) zusammen. Es hielt fürs Erste.

getackert

Abseits der Küste – Landwirtschaft. Der Boden sah fruchtbar aus (sag ich Bauer!).

gefurcht

Irgendwann abgekämpft nach Sperlonga reingeradelt. Reizvoll und herbstleer. Luft war raus dem Ort.

gebräunt

Hoch in die Altstadt gestiefelt und doch immer nach unten geblickt.

geordnet

Extrem enge Gassen. Extrem schöner Ort.

gegoldet

Aber die Schönheit der verstohlenen Plätzchen, Winkel, Ecken – sie ließen sich mit meinen fotografischen Mitteln nicht abbilden.

Nicht mal die kleinen offenen Kapellen.

gerosat

Kurz vor Sonnenuntergang wieder runter zum Strand gestiefelt. Der Horizont blühte rot. Und obwohl ich extremer Sonnenuntergangs-Allergiker bin, konnte ich nicht anders – ich musste den Auslöser lösen.

gesonnt

Tag 182 (08.04.2017) / Spanien: Mojácar -> Cartagena

Strecke: 122 km (10:00 – 20:30 Uhr)

3 Stunden gefahren und dann um die Mittagszeit mich mit einem eiskalten Bier gestärkt. Gerade hatte ich Andalusien verlassen und war in die Region Murcia hineingefahren. Ich wusste, gleich hinter Aguila würde ein steiler Aufstieg alles von mir fordern.

Geschafft

Der Berg kostete mich eine Stunde. Dann wieder ab ins Tal. Auch hier erneut Agro-Business. Aber mit nicht ganz so vielen Gewächshäusern. Das Gepflanzte wurde wie Spargelreihen mit Plastik eingehüllt.

Geschlaucht

Überall Saisonarbeiter. Die sich nicht gerne fotografieren lassen wollten.
Diese erlaubten es mir, aber nur mit dem Handy.
(Das sieht nicht so “gefährlich” aus wie meine Spiegelreflex.)
Ob sie den Mindestlohn bekommen? Gut behandelt werden? Eine menschenwürdige Unterkunft haben?

Gestrandet

Ich hatte mir eigentlich für diese Etappe vorgenommen, nicht über Politik nachzudenken. Mich nur auf die Reise und meine Eindrücke zu konzentrieren. Ich schaffte es nicht.
Nicht wegen der Migranten, die ich unterwegs immer wieder sah.
Ich las (fast) jeden Tag Zeitung (“El País”). Terror in Schweden, Giftgas in Syrien, US Bombardement eben dort, Klassenkampf in Venezuela, Tote im Mittelmeer. Der Horror hörte gar nicht mehr auf.
Kann man in solchen Zeiten überhaupt noch unbeschwert (und ohne schlechtes Gewissen) Urlaub machen?

Ich wusste nicht, was ich denken sollte.
Ich fuhr durch eine spanische Gegend, in der die kleinen Bauernhöfe verschwanden…

Windfraß

… die Agrarbarone die Landwirtschaft unter sich ausmachen, Lebensmittel zu industriellen Erzeugnissen umdefinieren. Aber immerhin – hier gibt es Arbeit für die, die welche suchen/brauchen (Migranten).

Ich ließ das Denken sein und konzentrierte mich wieder auf das Naheliegende.

Berge fressen, um ans Ziel zu kommen.

Und wieder ...
geht's …
bergauf

Cartagena müde noch kurz vor Sonnenuntergang erreicht.
Die Stadt vibrierte. Die Feierlichkeiten der Semana Santa waren in vollem Gang. Die Straßen auch nachts noch rappelvoll. Die Kellner der unzähligen Kneipen rannten wie um ihr Leben. Ich hatte Mühe, etwas zu trinken zu ergattern.

Unterkunft in Cartagena: Hotel Los Habaneros. Modern. Am Rande der Altstadt. Komfortabel. Etwas mürrischer Service. Fahrrad in Kammer untergestellt. 42 Euro (ohne Frühstück).

Tag 179 (05.04.2017) / Spanien: Pause in Almería

Ich brauchte eine Atempause.
Ich nahm sie mir.
Ein Tag das lokale Kneipenleben in Almería studiert.

Sehr angenehme Stadt. Wenig wirklich Sehenswertes. Aber entspannter Alltag.

Sehr schöne Markthalle.

Befreit von Plastik sahen die Obst- und Gemüseauslagen einladend aus.

Wär ich nur nicht vorher durch die apokalyptische Agro-Landschaft Almerías geradelt. Um Gemüse und Obst zu erzeugen, braucht es keine Bauern mehr. Nur noch Industrie.

Tag 109 (30.03.2016) / Italien: Mestre -> Porto Tolle

Strecke: 98 km. (08:30 – 16:00)

Die Kanäle laufen schnurstracks. Manche über 50, 60 Kilometer. Keine Biegung, keine Kurve. Direkt in den Horizont.

Die meiste Zeit fuhr ich auf der lärmigen Landstraße, manchmal auf dem Damm selbst. Die vielen versteckten Erdlöcher bremsten mich jedoch gewaltig.

Dammlich geht’s zum Horizont

So wählte ich also wieder Asphalt.

Gut ausgebaut das Straßennetz. Die Züge fahren überpünktlich (das konnte ich in Venedig feststellen). Busse gibt es zuhauf und verbinden noch die kleinsten Ortschaften untereinander.
Das Einzige, was bisher nicht in Italien funktioniert: Die Straßenpfosten halten nichts aus.
Einer brach unter der Last meines abgestellten Fahrrads regelrecht ab.

Ausgebremst

Anyway. Ich schoß mein Selfie.

Spieglein Spieglein an der Straß’ ...

Nach zwei Stunden die Provinz Venezia verlassen und die Po-Ebene erreicht. Brettflach. Kanäle, Flussarme, Felder, Moore. Ab und zu ein Gehöft oder eine Winzsiedlung.

Einöd mit Zweibaum

Jetzt bin ich schon 3 Tage unterwegs und habe immer noch nicht dass offene Meer zu sehen bekommen.
Lagunen, Flüsse, Bäche, Binnenseen. Viel Wasser.

Ausgebootet

Immer wieder Fliegenschwärme, die über mich herfielen. Oder waren es Mücken? Winzkäfer? Stachen jedenfalls nicht.
Die Landschaft eintönig, mit nur wenig Farbkraft. Nur ab und zu lauschige Winkel.

Kreuchtierparadies

Eigentlich wirkte vieles verlassen oder zumindest eher ärmlich. Doch dann immer wieder kleine Feudalgrundstücke mit ansehnlichen Bauernhäusern.

Sogar das Wasser schimmert klar

Die Fischerbehausungen dagegen eher ärmlich. Die Bootsschuppen aus Wellblech. Improvisierte Kleinsthäfen.

Sogar das Wasser dümpelt faulig
Armut ist pittoresker als Reichtum

Ein altes Fischerpaar näherte sich.

Immer zu zweit!
Eine Hand hilft der anderen

Der Fang: Krebse satt und dazwischen/darunter/darüber: ein Aal.

Hölleneimer
Sic!

Kaum war der Fang entladen, stiefelte das Fischerpaar über die Straße die nächste Böschung runter, bestieg ein Kleinstboot und kontrollierte geduldig die ausgelegten Reusen im nächsten Gewässer.

Warum finden Krebse und Aale nicht mehr aus der Reuse raus?

Lange dachte ich, während ich weiterfuhr, ich würde mich einem Leuchtturm nähern. Doch als ich davor stand, entpuppte sich der Turm als ein Taubenhaus(?).

Taubenschornstein

Merkwürdige Dinge gab es in der Po-Ebene. Auch museumsreife Traktoren, deren Motoren liefen, ohne dass sich ein Fahrer in der Nähe befand. Irgendetwas wurde gepumpt. Es erschloss sich mir aber nicht, was!

Pumpstation

Einige Kilometer vor meinem Tagesziel kam mir ein Fahrradwanderer entgegen, der sich offensichtlich verirrt hatte. Ein 76jähriger Schweizer, der in der Poebene Vögel spotten wollte und in genau das gleiche Dorf zu radeln gedachte wie ich auch. Nur: Er fuhr in die entgegengesetzte Richtung. Es kostete mich einige Minuten, ihm klar zu machen, dass er sich irrte. Er sagte, er habe schon 60 Kilometer auf dem Buckel. Ich lotste ihn (mein HandyNavi überzeugte ihn!) auf den richtigen Weg.

Good country for old man

Wir fuhren Seit an Seit weiter. Baten unterwegs eine Dame am Wegrand, ein Foto von uns beiden Italienbummlern zu schießen. Es gelang ihr nur mit Mühe, uns unsere Beine nicht vollständig abzuschneiden. Auch nachschärfen (am Abend) konnte das Foto nicht wirklich retten.

Peter & Stefan

Unterwegs erzählte mir “Peter”, so hatte er sich mir vorgestellt, dass er vor kurzem von seinen Ärzten MS diagnostiziert bekommen habe. Jetzt wolle er noch so lange Fahrrad fahrend die Welt erleben wie er noch strampeln/gehen könne. Er hatte kein Hotel vorbestellt, nichts. Mit 76!
Ich führte ihn zu meiner Unterkunft, die ich schon am Morgen per Internet gebucht hatte. Und dachte: Wow!

This is the end

In Porto Tolle, dem Zentrum der Po-Ebene, nahmen wir noch zusammen das Abendbrot ein. Peter erzählte von einem langen Leben. Good man!

Unterkunft in Porto Tolle: “Hotel Italia”. An der Hauptstraße gelegen. Modern. Zweckmäßig. Sehr netter Empfang. (45 Euro mit Frühstück.) Fahrrad in Garage abgestellt.

Tag 99 (6.11.2015) / Frankreich: Carentan -> Bayeux

Strecke: 48 km (09:15 – 13:00)

Regentag. Superwindtag. Böen, die mich fast vom Fahrrad warfen.
Nur selten klarte es etwas auf. Nur einmal, als es ein bisschen trockener wurde, zückte ich mein Foto.

Ich fuhr durch Bauernland. Ohne das ich jeh einen Bauern zu sehen bekam. Die gehen bei Wind und Wetter wohl auch nicht raus.

Ob's hier europäische Subventionen gibt?

Völlig durchweicht gab ich nach 3 Stunden Druckwasserbespaßung auf und sucht mir in Bayeux ein Hotel.

Ich hatte Glück. Ich hatte dieses Städtchen im Reiseführer überlesen. Sehr sehr sehr schön. Mit einer der schönsten Kathedralen, die ich je besucht habe.

Alle Kraft zum Himmel hoch
Alle Kraft im Stein

Langsam werd’ ich zum Kirchgänger. Immerhin wird man dort nicht nass.

Klasse Ort. Mit vielen kleinen Bars, Weinprobierstuben und Restaurants. Ich bekam den Tag auch so rum – ohne Fahrradfahren.

Besuchte ein beeindruckendes Museum. 70 Meter gestickter Stoff – über tausend Jahre alt – erzählt in Leinen-Bildern die Geschichte der Eroberung Englands durch die Normannen. Weltkulturerbe.

Alle Kraft voraus

Feine Arbeit.

Alle Kraft zum Töten

Zum ersten Mal viele Touristen gesehen, Keine Binnenfranzosen, extrem viele US-Bürger. Verbinden wohl D-Day-Tourismus mit französischer Küche. Am Abend fiel mir auf, dass morgen mein hundertster Tag der Europa-Umrundung beginnen würde. HUNDERT TAGE!

Ich genehmigte mir ein feines Mal auf das Jubiläum.

(Und hatte keine Ahnung wie viel weitere hundert Tage noch folgen würden, bis ich diesen Kontinent umrundet haben würde.)

Jubel

Vorspeise: “L’assiette de coquillages et crevettes” (huitres, bulots, birgoneaux, crevettes) / (Meeresfrüchte)
Hauptgericht: “Pavé de noix de veau campagnard et sauveurs d’automne aux bais rouges” (Rindersteak)
Und als Nachspeise einen exzellenten normannischen Apfelkuchen mit Vanilleeis und Karamellcreme.

Unterkunft in Bayeux: “Hotel Reine Mathilde”. Gegenüber Kathedrale. Sehr hilfsbereiter Empfang. Sprach etwas Englisch. Hotel hatte Bar/Brasserie. Angenehm. (60 Euro ohne Frühstück.) Fahrrad in Garage untergestellt. Kostete 5 Euro extra.

Tag 97 (4.11.2015) / Frankreich: Granville -> Cherbourg

Strecke: 124 km (08:45 – 19:00)

Nettes Städtchen, Granville.
Relativ früh aufgebrochen.

Am Hafen noch einen Café getrunken, kurz in das leere Meeresschwimmbecken gespuckt und dann los.

Lack ab

Flach, der Weg oft direkt am Meer entlang. Kerzengerade Promenaden…

Mehr Sand als Meer

… ewiglange Sandstrände

Dunes, Dunes, Dunes

… groteske Strandzwergenhäuschen

Sandwittchen wohnt hier

… und ab und zu ein paar Fischer, die auch ohne Hafen auskamen.

Bauer oder Fischer oder beides ?
Der ganze Fang

Die Dörfchen nett, manche hatten Markttag. Zu solchen Anlässen merkte ich, dass tatsächlich Menschen in Frankreich lebten.

Kurzzeitig belebt

Ansonsten das gewohnte Bild: menschenleere Straßen, Dörfer, Landschaften.

Es nieselte, es regnete, es windete. Und es wurde langsam duster.

Nur noch einmal riss die Wolkendecke auf, aber nicht über mir, über der britischen Insel Jersey draußen im Meer.

Where the sun shines

Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, heute noch bis Cherbourg zu kommen. Leider hatte ich die Entfernung unterschätzt. Es sammelten sich am Ende 124 Kilometer. Und wie immer – die Aufstiege kamen zum Schluss. Also: Es tat weh. Es stockfinsterte bereits und an mir jagten Auto nach Auto vorbei. Ich bekam manchmal Angst, so dicht streiften sie mich – so als ob sie mich nicht sehen würden. Aber ich hatte die Lichter an.
Es wurde elendig.
Um 19 Uhr dann schließlich angekommen.

In der Nacht die Hafengegend durchstreift. Der Reiseführer versprach “wildes Leben” und “trinkfeste Briten”. Das findet wohl nur in der Hochsaison statt. Es gab viele Pubs, die meisten leer. In einem zumindest etwas gefüllten schaute ich mir Championsleague und Arsenal an.
Ich passte mich an und zeigte mich trinkfest.

Unterkunft in Cherbourg: “Hotel du Louvre”. Zentrum. Okay. Sehr nette Empfangsdamen. Hilfsbereit. Sprachen Englisch. (55 Euro ohne Frühstück.) Fahrrad in Garage untergestellt.

Tag 96 (3.11.2015) / Frankreich: Mont Saint Michel > Granville

Strecke: 58 km (08:45 – 14:15)

Der Morgen brachte den Wetterumschwung: Wind, Nieselregen. Es sollte noch heftiger werden.

Ich machte mich davon und nahm Abschied vom “Mont Saint Michel”.
Auf einen Besuch des Kirchenberges hatte ich verzichtet. Zum einen weil ich schon einmal in den Gemäuern war, zum andern weil mich die Busladungen von asiatischen Touristen schreckten, die schon früh dahin aufgebrochen waren. (Wieso tragen sie hier am Meer Mundschutz?)

Schafsberg

Die Mont Saint Michel Bucht ist weitläufig, zwei Tage brauchte ich, um mich dem Bauwerk zu nähern und wieder zu entfernen.

Rotberg

Ich konnte gar nicht anders als ständig den Blick nach hinten zu richten: Ich wollte sehen, wie es ihm erging.

Gerade tobte ein Unwetter über dem Thron.

Silberberg

Irgendwann – nach Stunden – war er kaum noch zu sehen: ein winziger Punkt am Horizont.

Weite Weite

Ich befand mich ab jetzt in der Normandie!
Und alles war anders als in der Bretagne!
Es ist irre, wie sich mit den Menschen auch die Landschaft ändert. Ich weiß, dass das normalerweise anders herum erklärt wird. Ich kann das Phänomen auch nicht verstehen, die Gegend war ja die gleiche: die Bucht Saint Michel – nur etwas nördlicher. Ich habe auch kein Foto, das das verdeutlichen kann, ein Gesicht, ein Beleg, irgendetwas. Die Menschen waren plötzlich mehr Bauern als Fischer, auf einmal waren draußen mehr Felder als Weiden. Die Häuser in den Dörfern auf einen Schlag mit weniger Granit, dafür häufig mit Mörtelfassaden.
Der Mensch macht die Landschaft. Und die war in der Normandie definitiv anders als in der Bretagne.

Mein Tagesziel, Granville, hatte ich schnell erreicht.

Normannischer Badestrand

Welch ein Glück! In der Rezeption des Hotels begrüßte mich eine Französin mit guatemaltekischen Wurzeln. Wir quasselten eine halbe Stunde auf Spanisch (über ihre Heimat, wie sie nach Frankreich gekommen war, warum sie unbedingt Deutsch lernen wollte und … und … und). Ich fühlte mich wieder unter Menschen.

Unterkunft in Granville: “Hotel Des Bains”. Klasse Lage. Zimmer mit Meerblick. Supersympathische Empfangsdame. (65 Euro ohne Frühstück.) Fahrrad in einem nicht benutzten Raum untergestellt.