Meer Europa

Schlagwort Archiv: Berge

Tag 320 (19.07.2019) / Norwegen: Namsos -> Steinkjer

Strecke: 74 km.  (10:45 – 17:00 Uhr)

Wie ich mich fühle? So:

Vorletzter Tag. Ich hatte beschlossen, morgen in Trondheim die Tour zu beenden. Ich war kaputt. Ich kämpfte gegen eine ganze Rebellenarmee in mir:

  • Die rechte Wade verweigerte immer dreister den Dienst
  • Eine Hirnhälfte verhielt sich zunehmend subversiv und flüsterte mir ein, Unsinn zu machen, statt faul mit Freunden in der Sonne zu liegen, zu plaudern, zu lesen und dazu einen gut gekühlten Riesling zu trinken
  • Sogar mein einst treuer Gefährte Fahrrad bockte wieder und wollte nicht mehr durch Staub, Schlamm oder Kiesel

Ich hatte alle Mühe, den Aufstand niederzuschlagen, setzte grobe Mittel ein, kam aber dennoch zusehends in öffentlichen Rechtfertigungszwang.

Schon seit Tagen nahm ich kaum mehr noch Menschen, Landschaften, Situationen, Fotomotive wahr. Ich war nur noch mit mir selbst beschäftigt. Das Weiterkommen ein einziger Kampf mit mir (nicht mit den Bergen, der Straße oder dem Gegenwind).

Ich wünschte manchmal, ich könnte mir ein Hexentaxi nehmen und mich auf einem Besen zum Etappenziel kutschieren lassen.

Oder dass ich mich in einen Baumriesen verwandelte: fest verwurzelt, nie unstet, nie wandernd. Einfach da. Nie weg. Die Sonne kreist um jeden einzelnen Baum, nicht nur um die Erde. So muss man denken! Ich – Baum – Zentrum!

Aber es nutzte nichts. Noch war ich nicht vegan wiedergeboren. Ich musste in diesem Leben weiterkommen. Aber nur noch bis morgen. Ich kam früh in Steinkjer an. Sammelte Kräfte für den letzten Hexenritt nach Trondheim. 135 Kilometer. Morgen.

Tag 318 (17.07.2019) / Norwegen: Vevelstad -> Bogen

Strecke: 102 km mit dem Fahrrad. 

Dazu 2 Fähren. (09:30- 18:45 Uhr)

Manchmal wurde es richtig flach. Die Berge zogen sich ins Hinterland zurück. Weiße Schneehauben waren seit ein paar Tagen (seit wann eigentlich genau?) verschwunden.

Jetzt dominierten die Bauernhäuser. Fischerkaten wurden seltener.

Nicht mehr jedes Haus war rotbraun oder gelb. Manche im aristokratischen Weiß.

Mit schöner Schreinerkunst.

Aber die Berge kamen zurück. Forderten mich wieder heraus.

Ich machte häufiger Rast.

Der Wald wuchs in das Meer hinein. Von oben wirkten die Fjorde jetzt wie aufgeraute Waldseen.

Nach etwa 100 Kilometern hatte ich Glück. Ich spechtete in einem Dreiseelendorf ein “Feriehus”, das sogar noch ein Zimmer frei hatte. Das teuerste natürlich. Ein riesiges Apartment mit Einbauküche. Ich hatte vorgesorgt. Ich hatte genügend Wein, Brot, Käse und Dosentunfisch (in Öl und peperoni-scharf) dabei. Ich wurde satt. Und durstig blieb ich auch nicht.

Tag 313 (12.07.2019) / Norwegen: Tysfjord -> Kobbelv

Strecke: 111 km  (09:45- 21:15 Uhr)

Rauf! Runter! Es war schon erstaunlich, wie viele Höhenmeter ich täglich auf dieser Tour abspulte. Allein auf dieser Tagesstrecke geschätzt 2.000 bis 2.500 Meter. Alpenpass!

Ständig sah ich Landschaften aus der Adlerperspektive. Panoramen, die ich vorher nie Norwegen zugeschrieben hätte. Eher dem Norden oder Westen der USA oder auch Kanada. So amerikanisch weit. So wild-west.

An jeder Tanke (die es nur selten gab) kaufte ich Trinkbares nach. So schnell konnte ich die Flüssigkeit gar nicht in mich hineinschütten, wie ich sie schon wieder herausgeschwitzt hatte.

Ich fluchte ständig, bis ich oben war und jaulte glücklich, wenn es wieder im Schuss nach unten ging. Mit meinem schweren Gepäck bekam ich einen ganz schönen Abwärtsschub. Heavy Rider.

Nur einmal jammerte ich. Als spätabends ein Schild mir verbot, weiter der Hauptstraße zu folgen. 4 lange Tunnel waren fürs Fahrrad gesperrt.

Ich musste sie umfahren. Und das am späten Abend.

Irrsinnig steil ging es hoch.

Ich bin kein Kletterer. Ich trainierte jetzt (schiebend) mehr meine Oberarm-Muskulatur als meine Oberschenkel. Nun bekomm ich auf dieser Tour auch noch Muckis.

Und wieder dieser Blick auf eine Landschaft, in der ich zwei Dinge nicht richtig zusammenbrachte: bäuerliches Idyll und wildes Meer.

Mit viel Dusel ein Hotel gefunden. Ich hatte mich schon darauf eingestellt, die Nacht durchzufahren. Mein Unterkunfts-Portal hatte mir angezeigt, dass es 1) kaum bis gar keine Betten auf meiner Strecke gibt und 2) alle schon ausgebucht waren. Müde und vom Schieben/Klettern ausgelaugt war ich gegen Viertel Neun in das seit vielen Stunden erste Gasthaus auf dem Weg gegangen, um mir ein Bier zu genehmigen und hatte nachgefragt, ob es vielleicht doch noch ein freies Zimmer gäbe. Und siehe: ja! Glück! Riesenglück! Mann!

Tag 264 (16.04.2018) / Moldawien: Comrat -> Chisinau

Strecke: 100 km (09:00 – 16:30 Uhr)

Letzter Radl-Tag. Auch wenn mein Drahtesel krächzte, stöhnte, quietschte: Er hielt durch. So wie ich.

in Konkurrenz

Gagausien ließen wir gemeinsam hinter uns.

Die schlechten Straßen ebenso.

Sinfonie in Braungrün

Die Berge und Dörfer auch.

mit blauen Einsprengseln

Wir schrubbten zusammen nochmal ganz schön was runter.
Achteten kaum noch auf Details.

braun-blau-grün

Wir wollten beide nur heil in der Hauptstadt Chisinau ankommen. Es wurde uns gewährt: sogar schneller als gedacht.

Das Hotel, in dem wir uns einquartierten, kannten wir schon vom letzten Besuch (vor 1 1/2) Jahren.
Ankunft nach exakt 2.305 km.

Jetzt schloss sich der Kreis. Die letzte Lücke war geschlossen und die Südroute Europas damit auch geschafft.

Unterkunft: Weekend Boutique Hotel, zentrumsnah. Ruhepol in der sonst ziemlich hektischen Stadt. Sehr zuvorkommender Service. Sehr schöne Zimmer. Großes Bad. 38 Euro (ohne Frühstück).

Tag 212 (30.09.2017) / Italien: Grosseto -> Civitavecchia

Strecke: 123 km (09:15 – 18:15 Uhr)

Mühsam war der Beginn. Den direkten Weg zur Küste konnte ich nicht nehmen, der war nur Autos vorbehalten. Also musste ich mir kleine Provinzstraßen suchen. Die führten durch sehr welliges Hinterland. Ich war in der nicht sehr klassischen Toskana.

on the top

Maremma hieß die Gegend. Ich kannte sie von einem klingenden Weinnamen: Morellino di Scansano.
Scansano war nicht wirklich weit weg. 30 bis 35 Kilometer.
Aber was hätte ich dort getan?
Weinkeller leertrinken?
Am frühen Morgen?

Also kurvte ich weiter durch die italienische Agrarwelt.
Mal türmten sich Burgdörfer auf.

Unser Dorf soll schöner werden

Mal duckten sich kleine unscheinbare Weingüter hinter Herbstreben weg.

hoffentlich ein guter Jahrgang

Und dann kam eine meiner Lieblings-Viertelstunden: Vollen Schuss runter ins Tal. (Hätte ich lange Haare – sie wehten immer noch hinter mir.)
Bis ans Meer.

on the rocks

on the sands

Aber kaum unten, kletterte ich schon wieder rauf. Ansedonia hieß das Küstenkaff. Und schlängelte sich steil den Berg hoch. Das Meer bekam ich praktisch nich mehr zu sehen. Alles Villen – Millionärsverstecke. Fotografieren lohnte sich nicht. Mauern oder Buschmauern waren ihnen sicherer Sichtschutz.

exklusive Aussicht

Wieder unten im Tal führten autoleere Straßen durch ein herrliches Naturschutzgebiet.

Ein Viertel leer

Bald war auch Civitavecchia zu spüren. Ölig – der Geruch. Breit wurden die Straßen. Schmutzig die Einfahrt. Eine heruntergekommene Hafenstadt. Durchgangsstation, wie ich sie schon so oft durchfahren habe. Kaum ein Tourist bleibt hier länger als die paar Stunden, die er auf seine Fähre zu warten hat.

Und doch war die Stadt total liebenswert.
Pralles Altstadtleben.
Auf der Straßenterrasse der Weinbar, die ich mir ausgesucht hatte, waren alle Tische belegt. Also servierte mir der Wirt seine Empfehlungen auf eine freie Parkbank. Exzellenter Morellino. Exzellente Antipasti. Geld wollte er zum Schluss auch kaum. Nicht einmal den halben Preis akzeptierte er als Bezahlung. Es blieb sein Geheimnis, womit ich seine Großzügigkeit verdient hatte.

Ideale Kombi

Ich jedenfalls schrieb mir zum zweiten Mal auf der Reise in mein Notizbuch: Ich liebe Italien!
Und kleinen italienischen Dramen durfte ich auch noch zuschauen. (Waren es überhaupt welche?)

Auch ein Kombi?

Unterkunft: Hotel Porto Di Roma. Altstadt. Klein aber sehr fein. Grandioser Portier. Überschlug sich fast mit seiner Hilfsbereitschaft. Fahrrad in Abstellkammer untergebracht. (60 Euro mit Frühstück.)

Tag 210 (28.09.2017) / Italien: Vernazza -> Castiglioncello

Strecke: 120 km (08:00 – 18:15 Uhr)

Die Strecke hoch wollte ich mir nicht noch mal zumuten.
Ich wusste, wie es sich anfühlt.
Es gab nur einen Weg zurück. Den gleichen, den ich runtergestürzt war.
Das hätte geheißen: 36 Kilogramm (Fahrrad und Gepäck) 2 Stunden hoch schieben. Der 1. Gang wäre völlig unnütz gewesen.
Genug der Verteidigungsrede.
Ich fühlte mich nicht stark genug, diesen verdammten Vernazza-Berg, den ich vorgestern mit fast versagenden Bremsen hinunter gerast war, wieder hochzustrampeln.
Also nahm ich um 7:09 Uhr den Lokalzug bis La Spezia.
20 Kilometer, 20 Minuten und viele Nerven gespart.
Reine Tunnel-Strecke. Nur an zwei Zwischenhalten kurz Tageslicht gesehen.

Danach: Zunächst wieder (kleine) Berge.

Schwarzwald mit Meer

Lerici. Beschauliches Küstenkaff. Die vielen Boote täuschen. Die Frühstücks-Terassen-Lokale leer. Bis auf mich.

Bodensee mit Platz

Danach: flach. Gottseidank. Ich fühlte mich schwach. Meine Beine radelten irgendwie vor sich hin.

Aus Steilküsten wurden Sandbänke.

Sylt, nur südlicher

Endlos weite Sandstrände. Pudersand.

Eindeutig Italien

Pisa ließ sich nicht umradeln. Meine Strecke – gen Süden – führte mittenmang.

Schief halt.

Durch Foto und Foto bekannt

Und Dutzende, Hunderte, Tausende fanden das lustig.

unseen before

Alle – ausnahmslos alle – wollten irgendwann mit ihren fotografischen Händen den Turm stützen.

Samy Molcho würde sich freuen

Oder gerade rücken.

must be english

Ich hielt mich nicht lange auf. Die Dörfer, Städtchen, die folgten: italienisch (klar – war ja auch hier).

portobello road auf italienisch

Will sagen: belebt, große Märkte, laut, wuselig.
Und immer wieder: gut ausgebaute und markierte Fahrradwege.

walk on the side way of life

Ich kann kein Italienisch, aber vielleicht stimmt’s: ti amo, Italia. Du bist so anders als ich fälschlicherweise gedacht habe.

no ride

Tag 176 (02.04.2017) / Spanien: Ronda -> Rincón de la Victoria

Strecke: 124 km (10:00 – 20:00)

Welche Fahr-Freude, welcher Genuss, welch Vertrauen in mein Stahlross.
2 Stunden Abfahrt. Runter von den Bergen. 55 Kilometer in 120 Minuten. Im Schuss – ohne das geringste Gewackele des Vorderrads. 900 Höhenmeter.
Diesmal machte ICH Wind.
Ich sang LAUTER als jeder Vogel am Wegesrand.

Jemand schob Landschafts-Kulissen an mir vorbei.

Berg, Teich, Tal
Berg, Dorf, Olivenhain

Flach war das Flache anschließend dann doch nicht. Ich kam gleichwohl zügig nach Malaga.
Faszinierende Stadt.

Gekonnt

Der Hafen zum Schlendern herausgeputzt und sonntagsvoll.

Gefüllt

Das Meer gleich nach der Stadt schöner als gedacht.

Gekrümmt

Wenn auch das Ufer extrem zersiedelt war. Jeder, der es sich leisten konnte, klotzte eine Villa in den Hang.

Berg, Wald, Villen

Die letzten 10 Kilometer taten noch einmal weh. Es ging immer wieder steil hoch und dann wieder im Sturzflug runter.

Schließlich in “Rincón de la Victoria” Halt gemacht. Kurz vor Sonnenuntergang.

Meer, Sand, Rettungsturm

Unterkunft: “Rincón Sol”. Bettenburg. Aber Rezeptionisten haben mir sympathisch geholfen. Fahrrad in (noch nicht geöffneter) Diskothek untergebracht. 52 Euro mit Frühstück.

Tag 94 (1.11.2015) / Frankreich: Saint Brieuc -> Dinard

Strecke: 98 km (09:15 – 18:30)

So wie ich nur schwer nach Saint Brieuc reingekommen bin, so fand ich auch kaum hinaus. Wieder das gleiche Spiel. Ich folgte der Fahrradbeschilderung Richtung Strand und endete an einer für Fahrräder gesperrten vierspurigen Straße. Erneut musste ich Riesenumwege radeln, fand aber zum Glück doch irgendwie (und ohne Ariadne-Faden) raus aus dieser merkwürdigen Stadt. Die Ratsheeren scheinen nicht viel Fahrradfahrerhirn zu besitzen.

Der Tag nahm seinen Verlauf. Keinen Kontakt zu irgendwem. Die Dörfer wie leergefegt, manche Strände wiederum gut besucht. Entweder gibt es gar keine Franzosen oder sie treten gehäuft auf. Ich hatte mich schon seit Tagen darauf eingestellt, dass dies immer mehr ein Exerzizien-Urlaub wurde. Innere Einkehr.

Keine Gesichter fotografiert, keine Naheinstellungen, keinem Menschen auf die Pelle gerückt.

Es wurde ein Totalen-Tag.

Heide-Meer

Die Sonne schaffte es die Luft auf fast 20 Grad aufzuheizen. Ich genoss die Wärme, radelte im T-Shirt.

Meer-Heidi
Dorf-Meer

Und sah grandiose Küstenlandschaften.

Dünen-Meer
Kiefern-Meer
Heide-Kiefern-Meer

Obwohl maximal nur 70, 80  Höhenmeter zu überwinden waren, hatte ich bisweilen das Gefühl, mich im Gebirge zu mühen.

Wald-Meer

Richtig steile Klippen am Cap Frehel.

Felsen-Meer

Ich hatte fast 100 Kilometer hinter mir und noch immer keine Unterkunft.
Die Sonne war bereits untergegangen, als sich in Saint-Lunaire dieses Abendmeer vor mir ausbreitete.

Dämmerungs-Meer

Fünf Minuten später war es schon duster.

Nacht-Meer

Noch eine halbe Stunde bis Dinard. Auf dem Weg ins Zentrum schnell ein Hotel gefunden. Mit dem Portier meine ersten Worte gesprochen.
Und gleich darauf einen ganzen Wortschwall abbekommen – bei der Bestellung meines Menüs in einer nahegelegenen Brasserie.
Zur Belohnung für das taglange Schweigen bekam ich ein ausgezeichnetes Mal serviert.
Ich musste vor aber zuerst meinen trockenen Mund kräftig ausspülen.
Herrlicher Tagesabschluss.

Unterkunft in Dinard: Hotel Brit. Im Zentrum. Durchschnittshotel. Sehr fairer Preis, sehr faire Unterkunft. Überaus netter Concierge, der mein Fahrrad in einer Kammer sicherte. (50 Euro ohne Frühstück.)

Tag 86 (24.10.2105) / Frankreich: Quiberon -> Concarneau

Strecke: 102 km (09:30 – 19:30)

War heute mit Abstand die anstrengendste Etappe im Land der Grande Nation. Waren keine Berge, die ich raufklettern musste, nicht mal anständige Hügel. Nur Klippen. Rauf und runter. Am Abend hatte ich Krämpfe von der Anstrengung. Und war überhaupt froh, noch mit etwas Tageslicht angekommen zu sein.

Der Reihe nach: Am Morgen war mir immer noch der Geschmack des gestrigen fantastischen Abendessens in Erinnerung: eine Riesenplatte bretonischer Meeresfrüchte.

Mein Restaurant-Tisch war mit einem OP-Besteck bestückt worden, damit ich all die Muscheln, Meeresschnecken, Krabben, Garnelen und Austern fachgerecht sezieren konnte.

Ich gab mir reichlich Mühe (sah aber später aus wie ein Arzt nach ziemlich blutiger Operation).

Das Skalpell bitte !

Muss die nächsten Tage dringend meine Klamotten mal durchwaschen.

Der Tag leicht diesig, mal sonnig, meist schattig. Und kalt.
Das störte aber die Strandjungs in ihren fliegenden/rollen Sand-Surf-Kisten überhaupt nicht.

Segel kratzt Himmel

Erster Kurzaufenthalt in Saint Louis / Bretagne.
Ein sympathischer Hafenort, der sich besonders im Morgenlicht schick macht.

Morgenlicht

Wie fast alle Orte, Städtchen, die ich durchradelte, schien mir auch St. Louis zuerst menschenleer.
So viele Straßen in denen kein Lebewesen zu sehen war.
(Wo sind denn die Franzosen? Hinterm Ofen? Den ganzen Tag?)
Dann aber den Dorfmarkt entdeckt. Dort (und in ein, zwei kurzen Seitenstraßen) wenigsten ein paar Einheimische zu Gesicht bekommen.

In St. Louis die Fähre genommen zur Stadt Lorient am anderen Ufer des Flusses. 1, 50 Euro das Ticket.

I love my bike

Mein Fahrrad und ich die einzige Transportlast.

Flag of french fathers

Durch Lorient durchgekämpft, die richtige Ausfahrt mehrmals verpasst, dann den Landweg gefunden und mich gegen den Wind müde gefahren.

Lange Sandstränge ignoriert…

Too much sand

… und immer nur gerade ausgefahren. Bis es nicht mehr weiterging.
Mein Handy-Navi hatte mir hier eine Brücke angegeben.
Nicht mal ein Schlauchboot fuhr an dieser Stelle von einem zum anderen Ufer.

No connection

Also wieder einen Umweg gefahren, bis (weit im Hinterland) eine Brücke mich erneut in die Spur brachte.

Fast mit dem letzten Licht mein Tagesziel Concarneau erreicht.

Begrünter Hafen

Fürchterliche Stadt. Hatte Schwierigkeiten ein Restaurant zu finden. Es gab genügend, aber fast überall wurde ich abgewiesen, da niemand einen Tisch mit einer Einzelperson besetzen wollte.
Hier brummte der Binnentourismus. Und hier waren Franzosen ausschließlich in Gruppen unterwegs. Und möglichst billig und laut.
(Warum dann aber die Hotel- und Restaurant-Preise jeden Rahmen sprengten, erschloss sich mir nicht.)

Unterkunft in Concarneau: Hotel Les Oceanides. Winziges Zimmer. Heruntergekommenes Mobiliar. Aber alles sauber. Nicht weit weg von Zentrum. Nette und auch hilfsbereite Patronin. Hotel – wie alle nach denen ich geschaut hatte – völlig überteuert. 72 Euro (ohne Frühstück).

Tag 74 (12.10.2015) / Frankreich: Bayonne -> Mimizan Plage

Strecke: 102 km (09:30 – 18:30)

Beim Hinausfahren aus Bayonne nieselte es ein wenig.
Ich folgte einer kleinen Landstraße.
Ab und zu bemalte Wassertürme.

What goes up ...

Zwei Stunden dauerte es, bis ich bei Capbreton wieder das Meer zu Gesicht bekam. Riesige Hotelanlagen, die aber fast völlig verwaist waren. Mit Ausnahme von einigen Surf-Schulen, die Gruppen von Jugendlichen im Wellenreiten schulten.

Es sah aus als würden junge Soldaten den Strand stürmen.

Gestrandete

Die Invasion verlief allerdings friedlich.

Die Invasion verlief allerdings friedlich

Auf dem zentralen Markt warteten die Verkäuferinnen und Fischausnehmerinnen auf Kunden.

Mehr Fisch als Fleisch
Nur Fisch

Nur Stichstraßen und Kanäle führen zum Strand.

Mit dem Lineal gezogen

Die eigentliche Route verlief im Landesinnern. Riesige Eichen und Kiefernwälder. Manchmal 10, 15 Kilometer ohne eine einzige Behausung. Reiner Fahrradweg. Absolute Stille.
Nicht einmal ein Vogelschrei.

Kein Weg raus

Nach den Baskischen Bergen war ich nun im Flachland, eigentlich. Aber einfach war die Strecke nicht, immer wieder kurze heftige Anstiege, eine Düne rauf.
Schon bald schmerzten mir beide Knie.

Zum Ausruhen immer wieder zu den Stränden.
Ewig lange Sandbänke.
Feiner Sand.

Könnte auch Nordsee sein
Sandmeer

Viele Strandsiedlungen völlig leer. Hier brummt das Geschäft nur im Sommer.

Gleich kommt Django

Niemand, der mir ein Glas Wein zur Stärkung reichte.
Es wurde ein langer Tag.
Über 100 Kilometer am Ende abgestrampelt.

Unterkunft in Mimizan Plage: Chez Jean Paul. Sympathisch, bürgerlich, im Zentrum. Großes Zimmer mit modernem Bad. Fahrrad in Abstellkammer untergestellt. 50 Euro (ohne Frühstück).