Meer Europa

Schlagwort Archiv: Beton

Tag 255 (07.04.2018) / Bulgarien: Baltschik -> Mangalia (Rumänien)

Strecke: 78 km (09:45 – 17:45 Uhr)

Wie soll ich das erklären, ohne nostalgisch zu wirken?
Ich hatte mich kurz nach Baltschik verfahren, war ins “Gebüsch” geraten und entdeckte dort herrliche Katen.

verblüht

Sie schienen noch gar nicht so lange verlassen. Die Farben noch nicht vollständig verblasst.

Sah so die bulgarische Schwarzmeerküste vor zehn oder 20 Jahren aus?

verblasst

Nicht, dass es keine Entwicklung geben darf. Keine Modernisierung. Nicht, dass der vergangene Muff nicht ausgemistet werden müsste.

Aber so? So geschichtslos? Nichts Gewachsenes. Nur Beton. Muss man so eine schöne Landzunge zubauen und doch unbehaust machen?

verpasst

Wenn da Fischer-Katen stünden, Strandbuden, kleine Pensionen, Surfläden, wenn da Kiter, Träumer und Tunixe sich am Strand tummelten? Wegen mir auch vegane Omms und Zehenspitzenyogis. Wär diese kleine Welt da unten nicht besser? Ganzjährig, statt nur von Mai bis September?

vertan

Als ich wieder oben – auf dem Riffkamm – war und weiter Richtung Osten fuhr, erwischte mich der Sturm. Mein Wetterapp hatte ihn angekündigt, mir aber verschwiegen, dass er heimtückisch war. Er blies mich fast vom Rad. Mehrmals. Er behinderte mich stundenlang. Er machte die Fahrt zur Qual. Selbst als ich längst wieder unten im Tal war, eben fuhr. Ich fühlte mich wie im Windkanal – fixiert – ohne Chance voran zu kommen.

getäuscht

Gott weiß, wieso ich doch die rumänische Grenze erreichte. Und noch die 12 Kilometer bis zum Kurort Mangalia schaffte.

Unterkunft in Mangalia: Hotel Solymar. Neuer großer Hotelkomplex am Hafen. Schön bunt, modern. Sehr hilfsbereiter Empfang. (Fahrrad in Abstellkammer gezwängt. 31 Euro (ohne Frühstück).

Tag 192 (18.04.2017) / Spanien: Palomás -> Collioure (Frankreich)

Strecke: 114 km (10:15 – 20:45 Uhr)

Vielleicht wollte sich Spanien zum Abschied noch einmal von seiner sympathischen Seite zeigen. Ich rollte Richtung Frankreich, etwas von der Küste versetzt. Es begann mit einen sehr schönen Feldweg.

Flachweg

Ich kreuzte Bäche …

Bachweg

… und ließ mittelalterliche Dörfchen links liegen.

Burgweg

Bog auch mal ab. Und tauchte ein.

Marktplatzweg

Am frühen Nachmittag trank ich einen Wein in der einzigen Bar eines Dorfes. Als ich zahlen wollte, konnte ich mein Portemonnaie nicht aus der Gesäßtasche ziehen, der Reißverschluss klemmte. Ich bekam ihn auch mit Gewalt nicht auf. Die Wirtin bemerkte es, und machte sich resolut an meinem Hintern zu schaffen. Sie bekam den Geldbeutel irgendwann frei. Und sie gab mir noch einen spanisches Sprichwort mit auf den Weg: “Más vale maña que fuerza!” (Mit Geschicklichkeit kommst Du weiter als mit Kraft.)

Kurz: Im Hinterland war Spanien ganz Provinz. Unverstellt. Angenehm.

Sogar die Küstenbebauung nahm leicht ab.

Kieselweg

Dann aber schien es, als stemmte sich das Land dagegen, dass ich es verließ. Steil ging es bergauf. Dazu jazzte ein frontaler Wind, der schon Sturm war. Zigmal musste ich vom Rad, um nicht umgeblasen zu werden.

Ich nahm mir die Atempause, um  kurz  Bilanz zu ziehen nach etwas mehr als 2.000 Kilometern spanischer Küste, die ich rauf und runter gefahren war. Auch wenn am Schluss mein Aufmerksamkeitsmuskel fast vollständig zugemacht hatte. Auch wenn ich immer mehr Wut angesammelt hatte auf das architektonische Desaster der Mittelmeerküste: Ich liebte dieses Land. In jeder Bar wurde ich gut empfangen, in (fast) jedem Restaurant gab es hervorragendes Essen, an jeder Hotelrezeption wurde ich interessiert befragt. Großzügigkeit war überall zu spüren.  

Eine letzter Blick zurück – auf Portbou – und auf Spanien.

Steilweg

Nach dem Pass öffnete sich Frankreich vor mir.
Mit verlassenen ehemaligen Zollhäuschen.

Ach wie schön grenzenlos ist Europa

Und mit einem Wahlplakat von Marine Le Pen. Die Europahasserin und -zerstörerin wirbt für sich als neue Präsidentin der Grande Nation direkt an der Grenze zu Spanien. Am Sonntag sind Wahlen.

Blonde poison

Der Gegenwind steigerte sich fast zum Orkan, aber die Pyrenäenausläufer wurden langsam sanfter. Und: Es fehlten die weißen Pünktchen in den Bergen. Nirgends weißgetünchter Beton wie an der spanischen Küste.
Eine Augenweide.

Vive ...!

Mit Anbruch der Dunkelheit in Collioure eingefahren.

Unterkunft: Hotel Le Frégate. Sehr schön gelegen (Hafennähe). Sehr angenehmer Empfang. Fahrrad in Empfangshalle abgestellt. 65 Euro (ohne Frühstück).

Tag 191 (17.04.2017) / Spanien: Barcelona -Palomás

Strecke: 121 km (09:30 – 20:00 Uhr)

Selten glückt es mir, leicht aus einer Großstadt herauszufinden. Diesmal bin ich nur der Strandlinie gefolgt – und schon war ich draußen.
Danach 40, 50 Kilometer das Übliche: Rechts der langgezogene Sandstrand (manchmal mit kleinen Dünen). Links Haus an Haus. Eigentlich hatte ich immer das Gefühl in einer Stadt zu sein, obwohl Barcelona schon lange hinter mir lag. Aber es war Provinz. Einstige Fischer-Siedlungen, die zu einem Riesen-Straßen-Dorf zusammengewachsen waren.

Ab und zu ein paar schöne Ecken. Ab und zu auch ein paar Nacktbadestrände.

Unkleidsam?

Ich wählte auch nach dieser architektonischen Durststrecke absichtlich die Küstenstraße, um zu meinem Ziel, Palomás, zu gelangen. In der Hoffnung, noch ein wenig Natur zu atmen. Meine Karten-App hatte schwieriges Gelände angezeigt, aber Natur. Und in der Tat führte die Straße die letzten 3 Stunden in anstrengenden Serpentinen durch eine zerklüftete Berglandschaft.

Ich lag dennoch falsch. Der Betongeruch überlagerte das Kiefernaroma. Keine Kurve, hinter der der Blick nicht völlig verbaut war.

Unwegsam? Wegsam?

Und doch ein Höhepunkt der Reise: Bilderbuchlandschaft bei Tossa de Mar.
Ein Foto, das es wohl millionenfach gibt. Von einem Aussichtspunkt der Panoramastraße. Kein Tourist, der hier nicht hält und sein Handy zückt. Ich reihte mich in die Warteschlange ein.

Unwirklich?

Spektakuläre Runtersichten.

Untypisch?
Blaue Lagune

Junge, Junge, wie schön könnte das alles sein. Wen soll man eigentlich schlagen? Franco? Spanische Politiker, die sich von Baufirmen korrumpieren ließen? Tourismusmanager? Die Touristen selbst?

Müde Ankunft in Palomás. Wenigstens dieses Städtchen hatte ein wenig Charme.

Unglaublich?

Unterkunft: Hotel Trias. In Hafennähe. Modernisiertes Traditionshaus. Sehr schöne große Zimmer. Sehr freundlicher Service. Fahrrad in Garage untergebracht. 65 Euro (mit Frühstück).

Tag 186 (12.04.2017) / Spanien: Dénia -> Valencia

Strecke: 95 km (10:00 -19:00 Uhr)

Über weite Strecken fuhr ich die alte Landstraße, die, meist ein wenig ins Innere versetzt, die Küstenlinie nachbildete.

Rollweg

Orangenhaine prägten die Gegend. Oft mit Direktverkauf.

Der Horizont war mit scheußlicher Architektur zugekleistert. Die gesamte Strecke. Kilometer für Kilometer.

Betonierter Horizont

Kam ich mal ans Meer, fragte ich mich, wie jemand einen solchen Urlaub überhaupt aushalten kann. Vom Hotelbett an den übervölkerten Strand ins überlaufene Restaurant an die übervolle Strandbar zurück ins ausgebuchte Hotel.

Selbst aus den Autos mit geschlossenen Fensterscheiben drang penetranter Sonnencremegeruch.

Ich hatte das Gefühl, dass mehr Einheimische als Ausländer an der Costa Blanca ihren Oster-Urlaub verbrachten.
Manchmal hörte ich ihren Gesprächen zu.
Spanier reden morgens darüber, was sie mittags essen wollen, und diskutieren am Nachmittag über das Abendmenü.
Deutsche sprechen den ganzen Tag von irgendwelchen Schnäppchen.
Und ich? Ich murmelte unterwegs unablässig mein Reise-Mantra: “Kilometer fressen Kräfte auf”.

Ich war froh, heute ein wenig versetzt zum Trubel radeln zu können.
Ich hatte sogar Zeit, mich in Nichtigkeiten zu vertiefen.
So war ich am Morgen durch eine tiefe Pfütze geradelt und hatte mir die Füße klatschnass gemacht. Meine Strümpfe trockneten nicht. Trotz 20 Grad Frühlingswärme und den ganzen Tag Sonne. Das beschäftigte mich über Stunden.

Selten mal etwas anderes als Felder. Eine fast naturbelassene Flussmündung.

Süßwasserhaus

Sonst waren auch Bach- und Flussufer in Siedlungsnähe meist ausbetoniert.

Süßwasserverbauung
Unverbaut

15 Kilometer weiter schon die drittgrößte Stadt Spaniens: Valencia. Ihr geht der Ruf voraus, ein häßliches Industriemonster zu sein.

Ich sah aber viel Schönes und Interessantes.

Schön gebaut
Youtube-Dance

In der Altstadt wurden, für mich überraschend, früh die Bürgersteige hochgeklappt.

Obwohl hungrig angekommen, sah ich mir in einem irischen Pub erst die beiden Championsleague Spiele (Dortmund/Monaco und B. München/Real Madrid) an. Anschließend suchte ich ein Lokal, um die berühmte valencianische Paella zu genießen. Nichts wurde aus der Idee. Ab 23 Uhr war überall die Küche geschlossen. Sehr ungewöhnlich für Spanien.

Kunstvoll

Ich sättigte mich mit Bellota-Schinken und reichlich Wein.

Unterkunft: Hotel Villacarlos. Im Zentrum. Modern ausgestattet. Zuvorkommender Service. Gut. (45 Euro ohne Frühstück). Fahrrad in Abstellkammer untergebracht.

Tag 185 (11.04.2017) / Spanien: Alicante -> Dénia

Strecke: 108 km (10:15 -19:00 Uhr)

Copacabana-Flair am Hausstrand von Alicante. Schon früh am morgen füllte sich der Beach.

Frühlings-Beach

Schön herausgeputzt für die Festtage.

Bunt-Beach

Spektakuläre Bergwelt als Strand-Hintergrund.

Schirm-Beach

Ich hatte mir vorgenommen, heute die halbe Strecke nach Valencia zu schaffen. Fuhr die “Costa Blanca” ab. Weitestgehend eine Betonwüste.
Nur selten mal ein Kleinod. Ein Winzausschnitt, der ahnen lässt, dass es hier – vor der Franco’schen Bauwut – einmal schön gewesen war.
Villa Joiosa.

Durchblick

90 Prozent von Benidorms Hotels sind laut Lokalzeitung in der Osterwoche bereits ausgebucht.
Die Einfahrt in das Touristenmonster wie eine Ankunft in eine Kopie amerikanischer Vorstädte.

Wer kommt mit dem Bicycle?

Den Strand schöner fotografiert als er ist. Überhaupt fällt es mir schwer, so dokumentarisch zu knipsen, dass die volle Hässlichkeit sichtbar wird.
Ich suche meist das Harmonische, Exotische und Interessante im Ausschnitt.

Pink Point

Der Ausschnitt verfälscht.

Yellow friend

Nichts war hier schön.
Es gab drei Gründe, warum ich heute für den Tag dankbar sein kann:
1) Der Himmel ist mir nicht auf den Kopf gefallen.
2) Kein Polizist hat mich angehalten.
3) Ich habe in Altea ein exzellentes Ceviche (Corvina, Mango) gegessen.

Gab es einen Grund in Benidorm zu bleiben?
Zur Hölle NEIN! Nicht mal für ein kurzes Bier.

Aber wenigstens wellte das Meer hier so blau wie überall.

Blue sea

Welch ein Jammer: absolut fantastisches Küstengebirge. Alles mit Häusern zugekleistert.

Gibraltar Kopie

Gar nicht so spät Dénia erreicht.

Burg + Hafen = Hafenburg

Unterkunft: “Hotel Adsubia”. Moderner Klotz am Rande der Altstadt. Winzzimmer. Sehr freundlicher Empfang. Fahrrad in Garage abgestellt. 40,50 Euro (mit Frühstück)

Tag 177 (03.04.2017) / Spanien: Rincón de la Victoria -> Salobreña

Strecke: 78 km (09:30 – 17:30)

Meine Beine streikten. Sie hatten alle Kraft verloren. Schon bei der leichtesten Steigung hatte ich Lust vom Rad zu steigen und das Ganze zu lassen.
Es gab viele Steigungen.

Und dann war ich seltsam spanienmüde. Oft hatte ich das Land bereist. Kaum etwas überraschte mich noch. Die Tour, die mich gerade um die iberische Halbinsel leitete, barg selten noch ein Korn Entdeckungsenthusiamsmus. Ich merkte es komischerweise daran, dass ich immer weniger meinen Fotoapparat auspackte. Und wenn, schoss ich völlig uninspirierte Standard-Fotos.

Schon am Morgen musste ich mich zwingen, den Auslöser am  Strand von Rincón de la Victoria zu drücken.

Frühsport

Unterwegs auch. Sogar, als mir klar wurde, dass die Costa del Sol nicht nur aus Beton besteht, sondern durchaus einige schöne Buchten und sogar fast naturbelassene Strände hatte.

GrauSand

Klar der Beton überwog. Der “Balkon Europas” in Nerja selbst in der Vorsaison hoffnungslos von Briten und Deutschen überrannt. Da wirkte schon eine kleine Bucht, in die die fußfaulen Touristen nicht hinunterlaufen wollten, wie eine Natur-Oase.

Zerklüftet

Klar, dass auch die Spanier mit ihrer Immobilienblasensucht jedes noch so kleine Fischerdorf in eine sommerliche Bettenburg verwandeln.

Zersiedelt

Aber: Es gab auch die stillen Strände …

Eingezwängt
Eingefasst

… die “einsamen” Fischer im Meer.

Ausgeladen

Und die spektakulär gelegenen Ortschaften in den Felsenküsten.

Hochbau

Genau hier machte ich Stopp. Ziemlich am Ende meiner Tageskraft.

In der Ferne trugen die Höhen der Sierra Nevada noch Schneekappen.


Während hier am Strand von Salobreña Palmen im lauen Abendwind grünten/braunten.

Ich setzte mich am Strand fest.

Warten auf den Sonnenuntergang

Ließ den Tag verglühen.

Da iss er

Unterkunft: “Hostal Jaíma”. In der Altstadt. Sehr freundlicher Familienbetrieb. Empfehlenswert. Fahrrad in Garage untergestellt. 38 Euro ohne Frühstück.

Tag 117 (07.04.2016) / Italien: Pescara -> Campomarino

Strecke: 107 km (09:15 – 18:45)

Unterkunft in Campomarino: “B&B La Casa del Nono”. Zentrum. Sehr schönes, gepflegtes Haus. Zimmer geschmackvoll und groß. Riesenbad. Netter Empfang. (42 Euro mit Frühstück.) Fahrrad in Zimmer untergebracht.

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Der nächste Kilometer-Fress-Tag!

Ich fuhr früh drauf los. Ein Fahrradweg führte aus Pescara heraus. Und dan immer entlang der Landstraße SS16, der ich schon lange folgte. Sie hatte einen ausgebauten Seitenstreifen, der ziemlich sicheres Fahren ermöglichte.

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long red road

Langsam verließ ich diese Betonwüsten, die mich fast vergessen ließen, wie es ist, durch Natur zu fahren.
Jetzt gab es immer wieder auch eine kleine Überraschungen: eine Landzunge,

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eine lang-gezogene Mini-Steilküste,

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kleine Weingüter, die sich Hügel hinaufwanden,

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Grünlicht

oder Städtchen, die sich gegen das Meer einmauerten.

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Sandlicht

Das hätte bei Lichte gesehen einigen Charme gehabt.
Aber Licht gab es nur im technischen Sinne (es war nicht dunkel).

Ich fuhr einfach so lange ich konnte – und landete am Abend in einem unscheinbaren Dörfchen, das immerhin eine B&B Unterkunft hatte: Campomarino. Das eine Restaurant, das es gab, hatte geschlossen.
Auch egal.
Wieder über 100 Kilometer geschafft.

Tag 114 (04.04.2016) / Italien: Cattolica -> Fano

Strecke: 37 km (10:30 – 15:30)

Unterkunft in Fano: “Hotel Paradise”. Familiengeführtes Etablissement alten Stils (wenn auch neu und sachlich eingerichtet). Meerblick! (50 Euro mit Frühstück.) Fahrrad in Garage abgestellt.

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Rund 37 Kilometer geradelt heute. Mehr war nicht drin.

Ich liebe die Kanal-Häfen!

Ich liebe die Kanal-Häfen!

Selbst die nicht wirklich hohen Berge, die direkt hinter einem Kanalhafen Cattolicas aufstiegen, brachten mich an meine Grenze. Ich schwitzte immer noch diese blöde Erkältung/Grippe raus.
Immerhin hatte ich jetzt die Betonwüsten hinter mir gelassen und fuhr durch Natur.

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green green green

Blickte selten zurück.

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Muß man sich jetzt 50 Kilometer lang denken!

Landeinwärts wurde es immer bergiger. Italien zeigte urplötzlich ein anderes Gesicht.

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Schön

Ich fing an, wieder zu genießen.

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noch schöner

Und wünschte mir mein Ziel schnell herbei.

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fast schon Urwald

Ich hatte Hunger. Endlich! Und Durst auf Wein.

Tag 111 (01.04.2016) / Italien: Ravenna -> Rimini

Strecke: 79 km (11:30 – 19:00)

Unterkunft in Rimini: “Hotel Sunset. Am Strand. Hat zwar 4 Sterne, ist aber einfach ausgestattet. Dafür sehr hilfsbereiter Portier. Unschlagbar der Schnäppchenpreis. (35 Euro mit Frühstück.) Fahrrad in Garage abgestellt.

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Meine B&B-Unterkunft in Ravenna lag in der “Pier Paolo Pasolini Straße”. Ich fragte mich, ob in Deutschland bislang irgendeine Straße etwa nach Rainer Werner Fassbinder benannt wurde? Nach einem schwulen Eigenbrötler und Bürgerschreck, so wie Pasolini einer war. Die Pasolini-Straße befand sich im historischen Zentrum in unmittelbarer Nähe zur Hauptattraktion Ravennas: der Basilica San Vitale.

Ich ließ mich zu früher Stunde  lange verzaubern von den 1500 Jahre alten Mosaiken. Von den Kaisern, Kaiserinnen, Bischöfen und Hofdamen. Von der fast dunklen Kirche.

Byzantinisch

Byzantinisch

Himmlisch

Himmlisch

Kaiserlich

Kaiserlich

Zentralbau

Zentralbau

Verspätet machte ich mich auf den Weg nach Rimini.

Wieder ein Tag, der völlig in Schmutzgrau getunkt war. Keine Fernsicht. Und was in Nähe lag, war nicht ansehenswert. Rimini hatte seine Beton-Vorboten ausgeschickt, schon wenige Kilometer hinter Ravenna. Ich bin noch keine europäische Küste entlang gefahren, die auf rund 50 Kilometer Länge kaum einen einzigen Grashalm wachsen ließ. So gut wie alles zubetoniert. Dabei waren Anlagen und Strand jetzt im April menschenleer. Die Saison beginnt Ende Mai und geht bis Ende September. In dieser kurzen Zeitspanne wird alles erwirtschaftet. Die restlichen langen Monate lebt die Wüste nicht.
Nur ab und zu ein paar Highlights: Kanalmündungen, an denen entlang sich Netzfischer angesiedelt haben.

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Am Kanalausgang

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An Fluß(?)Mündung – hier gab’s mal Gras!

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Fast schon im Meer

Eigentlich darf man dies Adria-Küste nur Mitte August bereisen. Dieser Massentourismus muss viele faszinieren. Immerhin pilgerte auch der große Fellini sommers stets nach Rimini!

Es gab aber auch zwei drei Überraschungen. Manche der gesichtslosen Strandstädte hatten pittoreske alte Stadtkerne.

In einem entdeckte ich auch dieses Riesen-Osterei.

Die Bewohner hatte Wünsche, Gratulationen, Bitten auf tausende kleine Stoffbänder aufgemalt. Und ein geschickter Mensch hat daraus eine Oster-Überraschung gebastelt.

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Überraschungsei

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Zettelwirtschaft

Schöner Brauch, wenn er denn einer ist.

Dann wieder leere Strände entlang.

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Am Horizont geht es nicht weiter

Ganz selten war ein direkter Strandzutritt möglich. Alles von den Hotels parzelliert und gut für die eigene Kundschaft abgeriegelt.

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Wieviel der Sommergrill-Gäste wohl diesem Körperideal entsprechen werden?

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Muskelprotz und italienische Badenixe

Und plötzlich doch ein wenig Grün: Vielleicht ein ein Kilometer langer schmaler Streifen Küstenwald, der zwischen zwei Straßen eingekeilt verlief und eine Ahnung vermittelte, wie es hier vor 100 Jahren einmal ausgesehen hat.

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Idyll

Der Tag hielt noch eine versöhnliche Geste bereit: Er präsentierte mir  den Kanal von Cesenatico. Einst von Leonardo da Vinci für die Hafenflotte entworfen, strahlt er immer noch  Ruhe und Schönheit aus.

So könnten alle Küstenorte aussehen!

So könnten alle Küstenorte aussehen!

Ich setzte mich in ein Straßencafé.  Parlierte eine wenig mit der Wirtin auf Deutsch (scheint hier eine übliche Verkehrsprache zu sein). Und ließ mir zwei kalte Weißweine aus dem Friaul schmecken.

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Von Da Vinci bemalt?

Auf dem Weg nach Rimini habe ich dann auch noch den Rubikon überschritten!
Schwer verständlich, wieso aus so einem kleinen schmutzigen Bächlein eine weltgeschichtliche Metapher wurde.

Cäsar hat ihn berühmt gemacht

Cäsar hat ihn berühmt gemacht

Tag 82 (20.10.2105) / Frankreich: Saint-Gilles-Croix-de-Vie > Saint-Brevin-les-Pins

Strecke: 97 km. (09:15 – 19:15)

Unterkunft in Saint Brevin: Hotel Rose-Marie. Glücksfall. Liegt klasse, direkt am Meer. Ist schön eingerichtet. Hat tollen Patron und auch noch gutes Restaurant. Wirt brachte Fahrrad in Garage. 58 Euro (ohne Frühstück).

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Es gibt Grund zu klagen: Seit Tagen schmerzen die Knie. Die rechte Wade macht Probleme. Sehne entzündet? Who knows. Ich reibe Knie und Muskeln mit Voltaren ein. Hilft nur kurzzeitig. Eher gar nicht.

Dazu der ekelhafte Wind. Natürlich immer von vorn. Obwohl es kaum nennenswerte Steigungen unterwegs gibt, habe ich ständig das Gefühl, stramm bergauf zu fahren. Brauche volle Kraft, um gegen dieses Naturungeheuer anzukommen.
Dann die Morgenkälte. 4 oder 5 Grad. Zusammen mit dem Wind sind es gefühlte Eisgrade.
Jeden Morgen fahre ich frierend los.

Wünsche mir Sonne, aber kein Mensch oder Gott nimmt davon Notiz.

Wieder ein Tag, der im kalten Grau beginnt.

Saint-Gilles-Croix-de-la-Vie.
“Kreuz des Lebens”. Welche Bürde dieser Stadtname den Einwohnern auferlegt.
Liegt sehr schön.
Ufert fürchterlich aus.

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Turm mit Aussicht

Irgendwann war ich in Saint-Hilaire-de-Riez.
Und irgendwann woanders.
Die Stadt-, Dorf- und Gemeindegrenzen waren unbedeutend. Alles verschwamm ineinander.

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Wenn sie nur nicht zugebaut wäre

Die französische Atlantikküste: Hunderte Kilometer feinster Sandstrand, fantastische Dünen, Miniaturklippen

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diro

…. und Hunderte Kilometer Beton-Siedlungen, die sich nur im Sommer lebensfreundlich zeigen.

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schön trist

Jetzt im kalten Herbst generieren sie höchstens Wut gegen die kalten Architekten.

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Fahrrad mit Platte

(Plattenbauten wurden wohl im Westen erfunden.)

Die Strecke flach, windig, grau.
Dabei gab es unterwegs schöne Fotomotive.

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grau ist alle Bildtheorie

Auch schöne Städtchen.

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grau ist jede Bildidee

Erst ganz zu Schluß, eine Stunde vor der Abenddämmerung bohrte sich plötzlich die Sonne einen Tunnel durch die Wolken und wärmte mich.

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nur die Sonne kann Farben malen

Eine halbe Stunde gab sie mir Zeit, den Ozean, das Ufer und die seltsamen Fischer-Stelzen-Häuschen zu bestaunen.

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Abendsonne hat zu viel Blau im Malkasten

Als sie Sonne schon untergegangen war, erreichte ich Saint Brevin. Und hatte ausgesprochenen Dusel, sofort ein offenes Hotel zu finden. Und was für ein kleines Juwel!
Der Wirt (Typ Seebär mit weißem Bart) versorgte mich mit allem, was Göttlich ist: Exzellentes Essen, ausgezeichneter Wein und reichlich Frohsinn.
Vive la France.