Meer Europa

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Tag 304 (03.07.2019) / Norwegen: Karigasniemi -> Lakselv

Strecke: 93 km (09:00 – 18:30 Uhr)

 

Da ich von den absurd hohen Preisen in Norwegen für Wein, Bier & Co. gelesen hatte, hatte ich mir am Vorabend in Karigasniemi schnell noch im staatlichen Alko-Shop 2 Flaschen französischen Rotwein und 2 Dosen finnisches Bier besorgt und bin am Morgen schließlich schwer beladen über die Grenze. (Dort wurden Grenzgänger tatsächlich stichprobenartig nach Alkohol durchsucht.)

Es ging gleich ordentlich rauf und runter – und ich musste für meinen Weintransport ordentlich büßen. Die Finnmark (so heißt die Region in Norwegen, die ich durchfuhr) war fast noch einsamer als die letzte Strecke in Finnland. Auf fast 40 Kilometern sah ich kein einziges Haus, keine Einsiedelei, nichts. Aber trotz starkem Regen konnte ich erkennen, dass ich durch ein Waldparadies fuhr. Irrsinnig schön.

Im Paradies gibt es aber immer auch einen Vorplatz für die Hölle. Die brachte die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Ein Erinnerungspfad (den ich wegen des Starkregens nicht beging) legte mitten in der Wildnis Zeugnis davon ab.

Etwa auf halber Strecke zickte mein Fahrrad. Irgendetwas lief unrund. Ich fixierte Hinter- und Vorderrad neu. Aber das Vorderrad schleifte immer wieder an den Bremsbelägen. Es schien, als hätten die hydraulischen Bremsen auch Öl verloren. Sie griffen nicht mehr hart genug.

Trotzdem kam ich einigermaßen sicher in Lakselv an. Ein sehr funktionaler Ort. Schon bei der Runterfahrt sah ich im Hintergrund den Fjord: Das Nordmeer lag grau unter den dunklen Wolken.

Tag 301 (30.06.2019) / Finnland: Sodankylä -> Inari

Strecke: 235 km (09:30 – 09:15 Uhr)

Reisewetterbericht: Eine Regenfront ist im Anmarsch. Letzter schöner=sonniger (schön kann er ja auch sonst sein) Tag soll heute sein. Dann mindestens 5 Tage Grauzeit mit Kälte, Wind und ziemlich was von oben.

Also was tun? Nichts – beschloss ich. Nichts organisieren, kein Bett vorbestellen. Losfahren! Und wenn nötig: durch die Nacht (die es grad nicht gibt). Ich wollte Licht genießen.

Es wurde eine 24-stündige Reise durch den Norden Finnlands. 235 Kilometer am Stück bis zur völligen Entkräftung.

Der Anfang: easy. Ebenerdig, eigener Radweg, auf dem ich der alleinige Herr war. Niemand überholte mich, niemand ließ sich überholen. Ich war allein. Diese Route – hoch zum Nordkap – war offensichtlich nicht die Biker-Autobahn.

Ich bewegte mich nun im Innern Finnlands. Seenplatte. Unüberschaubar die Zahl der Gewässer. In vielen machten sich Angler die Füße nass. (Sicher nicht! Sie waren bestens ausgerüstet – ALLE!- mit Gummistiefeln, Spezialkleidung, modernstem Sportgerät.)

Ob Mann, ob Frau – sie hatten ihre Ruhe – und ihren stillen Spaß (Sind das die Faktoren für Glück? Finnisches Glück?).

Ein See, ein Teich, ein Tümpel: Keiner war unbehaust.

Ich fotografierte mich ein wenig durch diese Unübersichtlichkeit, bis ein Einheimischer vorbeikam, mich auf Finnisch aufforderte, ihm zu helfen, sein Boot zu entwässern (einfach umstülpen und aufgefangenes Regenwasser abfließen lassen), sich bedankte (ich versteh kein Finnisch, aber die Gesten waren sehr freundlich eindeutig) und sich wieder davonmachte.

Der Mittag war schon vorbei, ich verließ immer wieder die Hauptstraße (E75), schaute, ob es etwas Interessantes jenseits gab.

Aber Finnlands Provinz glich sich – egal, wo ich fuhr. Schöne (Fertig-) Holzhäuser mit akkurat geschnittenem englischen Rasen (wieso lieben Finnen eigentlich Wildnis?).

Briefkästen nicht an der Hauswand, sondern en bloc am Straßenbeginn.

Und Winz-Dörfer, in denen ich manchmal zweifelte, ob sie überhaupt dauerhaft bewohnt sind.

Ab und zu merkwürdiges Schamanenzeugs.

Und immer, immer, immer: die eigene Hütte am Teichufer.

Und immer, immer, immer mit Sauna (hier rechts im Bild).

Ist das finnische Mittel für Glück einfach nur die Entschleunigung?

Mein fotografisches Trödeln brachte mich langsam in Zeitschwiergkeiten.

Aber ein Motiv reihte sich an das nächste.

Als lebte hier Chingachgook.

Als kämpfte er immer noch gegen die weißen Eindringlinge.

Und als seien die Mohikaner gar nicht brutal gekillt worden, sondern rechtzeitig nach Finnland ausgewandert.

Die Tour wurde nun anstrengender, zeitweise führte die Straße auf 350 Meter hoch. Schon lange war ich durchgeschwitzt. Ich sehnte mich nach einem Bier.

Es war ziemlich spät (21 Uhr) – als ich schließlich die “Gold-Village” erreichte.

Früher eine Banditen-Goldgräberstadt, heute eine stille Touristen-Illusion…

… aber mit einem fantastischen Restaurant.

Ich stärkte mich nach 125 Kilometern querfeldein durchs Land mit einer Rentiersuppe (stilecht serviert auf einer Goldwash-Pan) für die Nacht (die es ja nicht gab) und für die nächsten Hundert Kilometer die noch vor mir lagen.

Tag 288 (17.06.2019) / Finnland: Tammisaari – Karuna

Strecke: 83 km (10:15 – 18:45 Uhr)

Da war sie plötzlich – die wilde Landschaft.

quirlig

Ja, aber was heißt wild? Ein paar Stromschnellen?

strudelig

Ich hatte die Hauptstraße verlassen, fuhr geschotterte Nebenwege. Legte eine Pause an einem verwunschenen Ort ein. (Kaum 500 Meter von einem Bauernhof entfernt.)

in sich ruhend

Nur: Die Wildnis war vorgetäuscht. Ich bewegte mich immer noch in einer Kulturlandschaft, in der Natur intensiv bewirtschaftet wurde. Das wuselige Bächlein entspannt sicher ein paar aufgeregte Großstadtnerven. Aber wild?

ab- und gut gelegen

Eher gezähmt.

Und ich war doch froh, mich hier zu bewegen. Reif fürs Wilde bin ich auf dieser Tour noch nicht. Ich plage mich mit einer hartnäckigen Sinusitis. (Wieviel Liter Schleim kann ein Mensch am Tag produzieren? Verliere ich durch das Ausspucken spürbar an Gewicht? Kiloweise? Wenn es hier schon keine Apotheke gibt, warum können Google/Siri/Alexa mir hier draußen nicht antworten und helfen?)

Schöne Stimmung, verhältnismäßig früh am Tag. Das Licht wurde weicher.

gesegnetes Feld

Kurz vor 19 Uhr in einem 4 oder 5 Häuser Kaff angekommen.

seerosengeweihtes Wasser

Eines davon mit einer Bed&Breakfast-Pension mit angeschlossenem Restaurant und Kiosk. Grandioser Schuppen ganz aus Holz. Ehemaliger Bauernhof. Im Alleinbetrieb von einer quirligen Frau gemanagt. Als ich (zu spät) den Gastraum betrat (eigentlich schließt das Haus um 18 Uhr), war sie in der Küche beschäftigt (um ein Essen für ein Bauerntreffen am folgenden Tag vorzubereiten) und fragte mich, ob ich Zeit habe. Sie könne sich jetzt nicht um die Aufnahme kümmern, ohne etwas kaputt zu kochen. Sie drückte mir eine Flasche Bier (nahegelegene kleine Craft-Brauerei) und ein abgepacktes Schinkensandwich in die Hand und verschwand wieder für eine halbe Stunde. Danach kam sie, schüttete mich Fragen zu (woher ich komme, was ich mache, ob ich Familie habe), um gleich von sich selbst zu reden. Überaus sympathisch. Sie liebt den Sommer und würde gerne im Winter nach Italien auswandern. Die finnische Winter-Dunkelheit sei ihr zuwider. Sie bot mir zwischendurch an (obwohl die Küche schon zu hatte), mir “the world best Burger” zuzubereiten. Sie merkte mein Zögern (obwohl ich ordentlich Hunger hatte) und schob nach: Das Beef stamme aus einer Ökofarm ganz in der Nähe, das Chutney, das sie benutze, habe sie selbst zubereitet – und das Brot überhaupt, und ob ich eher ein dickes Bratlet bevorzuge (Medium zubereitet – noch saftig selbstverständlich) oder eher das dünne, trockene bevorzuge.

Das dicke fette schmeckte wirklich gut (obwohl ich selten Burger esse und somit kein Experte bin). Erst als der letzte saftige Krümel vertilgt, erst als das nächste (nochmal Lager) und übernächste Bier (diesmal braunes Craftbier) geschluckt war, drückte sie mir die Schlüssel in die Hand. Geschätzt eineinhalb Stunden nach meiner Ankunft.

Heute war ich ihr einziger Gast. Ich hatte das ganze Haus für mich (sie ging sehr früh schlafen). Ich fiel erschöpft ins Bett – draußen war es immer noch hell. Und der Vorhang dunkelte das Fenster nicht wirklich ab. Ich kann bei Tageslicht nur schlecht schlafen. Was also tun? Zeit abschaffen? Wenigstens die Uhrzeit?

Tag 286 (15.06.2019) / Finnland: Helsinki – Start mit Pausentag

Um Mitternacht angekommen (es dämmerte grad). Musste dem Taxifahrer, der mich vom Flughafen zum Hotel in Helsinkis Innenstadt fuhr, zeigen, wie man  den Innenraum seines Wagens zerlegt, damit mein verpacktes Fahrrad in sein Vehikel passte. Er ließ es mit meinem Versprechen geschehen, die Karre nach Ankunft wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen. 

Vor 30 Jahren war der freundliche und redefreudige Mann aus Bangladesch nach Finnland ausgewandert. Etwa 2.000 ehemalige Landsleute leben – so erzählte er – mittlerweile im Großraum Helsinki. Er selbst fühle sich als Finne. Überhaupt gäbe es nur wenige Migranten im Land. Um so wichtiger sei es, der EU nicht zu folgen – behauptete er – und nicht noch mehr Ausländer hereinzulassen. Das würde die politische Stimmung in Finnland nur weiter nach rechts treiben – meinte er. Und ich wunderte mich, wie oft ich schon diese Geschichte vom Boot, das voll sei, auch von Migranten erzählt bekommen habe.

Ich richtete dem guten Herrn seinen Taxi-Innenraum wieder picobello her.

Am nächsten Tag Helsinki erkundet (war die Sonne eigentlich in der Nacht untergegangen?). Um aufrichtig zu sein: Ich hab – mal Kaffee, mal Bier trinkend – eigentlich nur auf dem Markt, in der Markthalle, an den Schiffsanlegestellen, am alten Hafen und auf der Esplanade herumgelungert.

Hochzeitstag

Vor den Ausflugsbootanlegestegen (schönes Wort!) drängelten sich die unterschiedlichsten Hochzeitsgesellschaften.

Mal hipp finnisch-asiatisch, mal gestylt unternehmerberaterisch – alle Hochzeitsgäste bestens sonnengelaunt.

Schöne Menschen.

Fotografiert sie oder kontrolliert sie die Schminke?

Glücklichste Finnen (sagt zumindest der Weltglücksreport der bescheidwissenden United Nations (UN)).

Kuss am Pier
Der letzte (Möwen)Schrei

Die Stadt nicht voll – aber mit (Tages?)Besuchern gut gefüllt.

Über (fast) allem thront der Dom

Und die Hälfte der Touristen (immerodernurheute?) Asiaten. Fast nur in Gruppen. Nur einige wenige Solisten.

Fernweh?

Direkt am Hafen der zentrale Markt.

Finnisches Gewusel

Ebenfalls die traditionsreiche Markthalle.

Mit einem professionellen Trinkgeldeintreiber.

Immer freundlich und todernst

Und natürlich mit allem, was die finnische Wildnis hergibt. (Im Ergebnis: gemeuchelte und verwurstete, eingedoste Rentiere.)

Konserve

Kulinarisches Brevier: Moldawien 2

Deutliches Land-Stadt Gefälle. Auf dem Land ist es sehr schwer, überhaupt ein Restaurant zu finden. Selbst Bars, Gaststuben, einfache Kneipen sind selten. Oft haben kleine Minimärkte (Tante Emma Läden) einen Tisch auf dem Gehsteig. Dort kann man dann sein gekühltes Bier zu sich nehmen und irgendetwas Kaltes dazu essen. Brot. Wurst gibt es auch. Sie wird aber häufig nicht gramm-  oder scheibchenweise verkauft, sondern als ganzes Wurst.

Einmal hab’ ich ich mich eben nur von Bier und trocken Brot ernährt. Geht auch mal für einen Tag. Spottbillig zudem.

Das Frühstück in den Landhotels (wenn es überhaupt welche gibt) – äußerst schlicht: Kaffee, hart gekochte Eier, bisschen Wurst und Käse.

Moldawien ist noch weitgehend ein touristisches Entwicklungsland.

Ganz anders sieht es dagegen in der Hauptstadt aus. Dort gibt es fast schon ein Überangebot guter Restaurants und Cafés.
Die Küche dort mit allerlei mediterranen, kontinentalen und osteuropäischen Einflüssen. Die Preise aber (verglichen mit mitteleuropäischen Verhältnissen) sind immer noch sehr moderat.

Cahul

Es war schwierig, ein offenes Restaurant zu finden. Die zwei vom Reiseführer empfohlenen Lokale beherbergten geschlossene Gesellschaften.
In einer kleinen netten Bar bekam ich wenigstens einen Snack (mit Spinat gefüllte Teigtasche).

Später dann doch nich etwas entdeckt: “Andy’s Pizza”.
Wie ich erst danach feststellte, war dies eine sehr erfolgreiche Restaurant-Kette – mit ettlichen Filialen in der Hauptstadt. Das Menü beinhaltete weit mehr als “nur” Pizza.

1) Bruschetta mit geräuchertem Lachs (2,25 Euro)
2) Rindfleischeintopf mit Auberginen, Zucchini, Paprika (4 Euro)
3) Mango-Käsekuchen (2 Euro)

Alles sehr fein und köstlich.

Comrat

Auch hier wieder nichts anderes gefunden außer die o.g. Pizza-Kette.

Pizza mit Artischocken, Pilzen, Oliven und Schinken. (4 Euro)
Gutes Niveau.

Chisinau

La Taifas (Altstadt)
Restaurant in historischem Gewölbekeller. Mit gutgelaunt aufspielender Folkloregruppe.

1) Borscht mit Entenfleisch
2) Geschmortes Kaninchen

Köstlich beides!

Cerbul de Aur (Altstadt)
Kleines Lokal mit 5 Tischen. Spezialisiert auf Wildgerichte. Sehr kompetenter Betreiber. Viele Wildschwein-, Hirsch- und sonstige präparierte Köpfe an der Wand.

1) Blinii mit geräuchertem Lachs und Butter (5,50 Euro)
2) Hirschgulasch mit exotischen Früchten (7 Euro)

Beides exzellent! Vor allem der Hirschgulasch war sehr fein abgestimmt. Überraschende Aromen durch Orangen, Kiwi, Melone. Dazu selbstgemachtes Zwetschgenmus. Und ebenfalls selbstgemachter Rotwein! Durchaus etwas rustikal. Passte aber sehr gut.

Cactus (Altstadt)
Eher eine Art Bistro. Fast schon kalifornisches Ambiente. Dazu passend auch die Speisekarte und die Preise. Für Chisinau: teuer.

Aal mit Avocado-Creme und Mozzarella (12,50 Euro)

Ungewöhnliche Kombination. Aber klasse.

Wine Bar/ Q-Bar (Altstadt)
Nettes Lokal. Modern eingerichtet. Entsprach auch dem Stil der Küche.

1) Bruschetta klassisch (3 Euro)
2) Scharfe Bohnensuppe (2,75 Euro)
3) Gegrillte Forelle mit Kräutern (5,50 Euro)

Sehr überzeugende Küche. Bohnensuppe eher fein als derb. Forelle klasse. Auf den Punkt gegart.

Tag 263 (15.04.2018) / Moldawien: Cahul -> Comrat

Strecke: 80 km (10:00 – 16:30 Uhr)

Am Morgen noch kurz über den Markt in Cahul gegangen, um mich mit Wasser und Snacks für die Fahrt einzudecken. Hatte leider den Fotoapparat nicht dabei. Sehr belebter und schöner Markt. Wie überhaupt: Cahul hatte mich beeindruckt.

Die Fahrt dann sehr anstrengend. Es ging quer zu den Bergketten.

Einen Weinberg rauf.

Rebland

Den andern wieder runter.

Berg-Tal-Land

Extrem ermüdend. Die Straße schlecht. Aber auch heute kaum Autos unterwegs. Ich freute mich immer, wenn ein Dorf auftauchte.

Straßendorf

Es brachte ein wenig Abwechslung in die staubige und noch gar nicht frühlingsbereite Landschaft.

Seestraßendrof

Urplötzlich wurde die Straße besser. Und es wurde flacher.

einsatzfähig

Unterwegs immer wieder deutliche Zeichen von echter Volksfrömmigkeit.
Zahlreiche gut gepflegte Kapellen.

vergoldet

Oder Kirchen.

versilbert

In einem Minimarkt kaufte ich mir mein Mittags-Bier.
Im Nu hatte ich Gesellschaft. Ein Herr, der mich mit seinen Goldzähnen anlachte, ließ sich nicht lange bitten.

unterhaltsam

Ich lud ihn zu einem Wodka samt Chisinau-Bier ein.
Der Herr konnte zwei, drei Brocken Deutsch: “Auf Wiedersehen”, “Bier”, “Tschüss” und wiederholte seine Kenntnisse gerne.

Goldanlage

Ich befand mich im Herzen Gagausiens (gesprochen: Gaga-Usien). Die Region beansprucht ähnlich wie Transnistrien eine autonomes Gebiet zu sein. Noch (immerhin) kam es aber mit Moldawien nicht zu einem militärischen Konflikt.

Comrat, die Hauptstadt Gagausiens, herausgeputzt.

goldversilbert

Mit Erinnerung an den realen Sozialismus.

überlebt

Und dem Klimbim, den eine autonome Region wohl haben muss: übermässiger Nationalstolz.

Brimbamborium, das ich nie verstehe

Eigenes Militär. Und Kram.

Schild-Autonomie

Die Menschen in den Straßen: friedlich, freundlich.

Unterkunft: Hotel Altin Palace. Zentrum. Völlig verwinkelter Bau. Mein Zimmer ohne Fenster. Eng. Empfang sprach nur russisch. Schwierige Verständigung. 30 Euro (ohne Frühstück).

Tag 232 (15.03.2018) / Griechenland: Volos -> Platamonas

Strecke: 111 km (09:15 – 18:15 Uhr)

Und über allem thront …

Götter-Thron

Stundenlang fuhr ich auf den Olymp zu. Wenig Menschen in den Dörfern, kaum Autos auf den Straßen. Fast tibetanisch karg die Landschaft. Am Straßenrand eine Eule (?), die es sich im Müll bequem gemacht hatte. Offenbar kann sie beide Augen getrennt steuern. Ich wusste nicht, ob sie mich anschaute, schielte oder einfach die Ruhe weghatte. Oder war sie – wie es der antike Aberglaube nahelegte – eine Unglücksbotin? Tagsüber soll sie ja selten zu sehen sein und wenn – dann soll sie Seuchen und Unglück ankündigen. Und wenn es gar keine Eule war, sondern ein Kauz?

Bierkastenthron

Ich machte in einem unscheinbaren Dorf einen Zwischenstopp: schnelles Bier. Unterhielt mich mit einigen Rentnern, die gebrochen Deutsch sprachen. Alle kannten Stuttgart, alle hatten Jahre bei Bosch, Daimler und Autozuliefererfirmen gearbeitet. Sie freuten sich, einige deutsche Wortbrocken wieder aus ihrer Erinnerung meißeln zu können.

Schafsweg zum Thron

Endlos die Schlussstunde.

no game of throne

Ich durchquerte einen Gebirgszug, entlang eines spektakulären Flüsschens, das sich tief in den Berg hineingegraben hatte. Die Sonne packte es nicht bis auf den Grund. Es war kalt und dunkel.

Unterkunft: Hotel Dias in Platamonas. Schön strandnah gelegen und modern. Wie häufig auf dieser Tour war ich der einzige Gast. Fahrrad in Abstellkammer untergebracht. (45 Euro. Frühstück kostete 7 Euro extra. War ausgezeichnet. Specially made for me!)

Tag 211 (29.09.2017) / Italien: Castiglioncello -> Grosseto

Strecke: 120 km (09:30 – 18:00 Uhr)

Langer Tag – kurz erzählt.
Ellenlange Sandküsten. Feiner, leicht bräunlicher Sand.
Obwohl schon morgens, um die 19 Grad: die allermeisten Strände fast menschenleer.

Hochsitz

Selten mal ein paar Dünen. Aber wenn: Dann waren sie einigermaßen geschützt. Man konnte sie nur über Holzbohlen queren – um zum Meer zu kommen.

in the pines

Wie überhaupt die Riviera alles andere als extrem zugebaut ist. Immer wieder wird die Natur auch in Ruhe gelassen.

sandig

Schöne Radwege – manchmal.

through the pines

In den Ortschaften: Schilderwälder. Mit manchen Besonderheiten.

Schilda

Um die Mittagszeit wurde es hügelig. Die Sonne brannte. Ich scannte lange die Strecke, bis ich eine offene Spaghetteria fand.

Meine Rettung

Papa kochte. Einfach und gut.

fürstlich

Dazu ein herrlich gekühltes Bier. (Ich wunderte mich, dass der bayerische Gerstensaft in der Mitte Italiens so verbreitet war.)

königlich

Gegen den Wind schließlich in Grosseto, dem Zentrum der Maremma, eingetrudelt.
Die Altstadt ist relativ klein. Dafür äußerst entspannt und sympathisch.

outdoor people

Italienische Seniorenheime sind ganz offensichtlich überflüssig. Die Piazza reicht. Die Alten sitten sich gegenseitig.

Spielplatz

eingerahmt

ab nach Hause

Unterkunft: Hotel Nuova Grosseto. Gegenüber Bahnhof, 10 Minuten von der Altstadt entfernt. Modern, großes Zimmer. Sehr freundlicher Empfang. Fahrrad in Garage abgestellt. (65 Euro mit Frühstück.)

Tag 185 (11.04.2017) / Spanien: Alicante -> Dénia

Strecke: 108 km (10:15 -19:00 Uhr)

Copacabana-Flair am Hausstrand von Alicante. Schon früh am morgen füllte sich der Beach.

Frühlings-Beach

Schön herausgeputzt für die Festtage.

Bunt-Beach

Spektakuläre Bergwelt als Strand-Hintergrund.

Schirm-Beach

Ich hatte mir vorgenommen, heute die halbe Strecke nach Valencia zu schaffen. Fuhr die “Costa Blanca” ab. Weitestgehend eine Betonwüste.
Nur selten mal ein Kleinod. Ein Winzausschnitt, der ahnen lässt, dass es hier – vor der Franco’schen Bauwut – einmal schön gewesen war.
Villa Joiosa.

Durchblick

90 Prozent von Benidorms Hotels sind laut Lokalzeitung in der Osterwoche bereits ausgebucht.
Die Einfahrt in das Touristenmonster wie eine Ankunft in eine Kopie amerikanischer Vorstädte.

Wer kommt mit dem Bicycle?

Den Strand schöner fotografiert als er ist. Überhaupt fällt es mir schwer, so dokumentarisch zu knipsen, dass die volle Hässlichkeit sichtbar wird.
Ich suche meist das Harmonische, Exotische und Interessante im Ausschnitt.

Pink Point

Der Ausschnitt verfälscht.

Yellow friend

Nichts war hier schön.
Es gab drei Gründe, warum ich heute für den Tag dankbar sein kann:
1) Der Himmel ist mir nicht auf den Kopf gefallen.
2) Kein Polizist hat mich angehalten.
3) Ich habe in Altea ein exzellentes Ceviche (Corvina, Mango) gegessen.

Gab es einen Grund in Benidorm zu bleiben?
Zur Hölle NEIN! Nicht mal für ein kurzes Bier.

Aber wenigstens wellte das Meer hier so blau wie überall.

Blue sea

Welch ein Jammer: absolut fantastisches Küstengebirge. Alles mit Häusern zugekleistert.

Gibraltar Kopie

Gar nicht so spät Dénia erreicht.

Burg + Hafen = Hafenburg

Unterkunft: “Hotel Adsubia”. Moderner Klotz am Rande der Altstadt. Winzzimmer. Sehr freundlicher Empfang. Fahrrad in Garage abgestellt. 40,50 Euro (mit Frühstück)

Tag 182 (08.04.2017) / Spanien: Mojácar -> Cartagena

Strecke: 122 km (10:00 – 20:30 Uhr)

3 Stunden gefahren und dann um die Mittagszeit mich mit einem eiskalten Bier gestärkt. Gerade hatte ich Andalusien verlassen und war in die Region Murcia hineingefahren. Ich wusste, gleich hinter Aguila würde ein steiler Aufstieg alles von mir fordern.

Geschafft

Der Berg kostete mich eine Stunde. Dann wieder ab ins Tal. Auch hier erneut Agro-Business. Aber mit nicht ganz so vielen Gewächshäusern. Das Gepflanzte wurde wie Spargelreihen mit Plastik eingehüllt.

Geschlaucht

Überall Saisonarbeiter. Die sich nicht gerne fotografieren lassen wollten.
Diese erlaubten es mir, aber nur mit dem Handy.
(Das sieht nicht so “gefährlich” aus wie meine Spiegelreflex.)
Ob sie den Mindestlohn bekommen? Gut behandelt werden? Eine menschenwürdige Unterkunft haben?

Gestrandet

Ich hatte mir eigentlich für diese Etappe vorgenommen, nicht über Politik nachzudenken. Mich nur auf die Reise und meine Eindrücke zu konzentrieren. Ich schaffte es nicht.
Nicht wegen der Migranten, die ich unterwegs immer wieder sah.
Ich las (fast) jeden Tag Zeitung (“El País”). Terror in Schweden, Giftgas in Syrien, US Bombardement eben dort, Klassenkampf in Venezuela, Tote im Mittelmeer. Der Horror hörte gar nicht mehr auf.
Kann man in solchen Zeiten überhaupt noch unbeschwert (und ohne schlechtes Gewissen) Urlaub machen?

Ich wusste nicht, was ich denken sollte.
Ich fuhr durch eine spanische Gegend, in der die kleinen Bauernhöfe verschwanden…

Windfraß

… die Agrarbarone die Landwirtschaft unter sich ausmachen, Lebensmittel zu industriellen Erzeugnissen umdefinieren. Aber immerhin – hier gibt es Arbeit für die, die welche suchen/brauchen (Migranten).

Ich ließ das Denken sein und konzentrierte mich wieder auf das Naheliegende.

Berge fressen, um ans Ziel zu kommen.

Und wieder …
geht’s …
bergauf

Cartagena müde noch kurz vor Sonnenuntergang erreicht.
Die Stadt vibrierte. Die Feierlichkeiten der Semana Santa waren in vollem Gang. Die Straßen auch nachts noch rappelvoll. Die Kellner der unzähligen Kneipen rannten wie um ihr Leben. Ich hatte Mühe, etwas zu trinken zu ergattern.

Unterkunft in Cartagena: Hotel Los Habaneros. Modern. Am Rande der Altstadt. Komfortabel. Etwas mürrischer Service. Fahrrad in Kammer untergestellt. 42 Euro (ohne Frühstück).