Meer Europa

Schlagwort Archiv: Café

Tag 295 (24.06.2019) / Finnland: Kokkola -> Raahe

Strecke: 128 km (09:45 – 20:15 Uhr)

Die Tage häuften sich, an denen ich jeweils deutlich über 100 Kilometer zurücklegte. Das lag sicher an den eher leichten Routen: Boden-Wellen kaum höher als 20, 30 Meter. Oft Gegenwind, aber selten stark.

Und es lag daran, dass nicht wirklich viel zu sehen war. Ich folgte (zwangsläufig) der Bundesstraße E8. Sie verlief küstennah, berührte das Wasser aber selten. Die Ostsee bekam ich tatsächlich nur wenig in den Blick. Und wenn ich mal eine Stichstraße zu ihr nahm: Sie glich sich an vielen Stellen. Kein offenes Meer – die See glich eher einem Netz miteinander verbundener Teiche und täuschte so fast ein wenig Harmlosigkeit vor. Überall in den kleinen Buchten lugten (Fertig-)Holzhauser mit ihren kleinen Holzanlegern ins Wasser.

Aber immerhin: ab und zu ein schöner Bauernhof.

Und ab und zu sogar mit einem noch schöneren Café im Innenhof. In einem trocknete ich meine nass geschwitzten T-Shirts und machte kurz Rast.

Und dann doch die Überraschung. Nahe Kalajoki: ein, zwei Kilometer lang offene See! Mit vorgelagerten Dünen. Herrlich.

Das Licht leider superhart. Mittagszeit.

Ich stolperte ein wenig durch den Sand.

Braun-Blaues-Farbenspiel.

Noch brummte die Saison nicht.

Die modern-futuristischen Strandhotels fast völlig leer.

Danach war die einzige optische Auflockerung auf der Fahrt ein Fluss, der, obschon kurz vor der Mündung, noch ein Mal Stromschnellen spielte.

Schließlich (nach einigen weiteren Stunden auf dem Sattel) in Raahe angekommen. Ein kleines Städtchen, das man nicht gesehen haben muss.

Ich hatte nach der Ankunft enorme Schwierigkeiten, etwas Essbares zu finden. Landete schließlich in einem Pub. Es war dort wie so oft: Saufen oder an einarmigen Banditen Geld verlieren.

Die Menükarte war nicht zu übersehen. Das Angebot äußerst überschaubar: alles, was sich aus dem Gefrierfach direkt in die Mikrowelle schieben ließ. Ich aß Muikkukori – gebratene Sardellen. (Hab übrigens nach dem finnischen Wort gegoogelt. Das schafft der Internetriese nicht, eine angemessene Übersetzung zu liefern. Es lebe Finnisch!)

Geschmack? Na ja – sättigend.

Tag 290 (19.06.2019) / Finnland: Turku -> Uusikaupunki

Strecke: 86 km (09:00 – 16:15 Uhr)

 

Naantali. Malerische (wie man so sagt) Altstadt, malerischer (wie man so floskelt) Fähr-Hafen. Nur leider schwer zu fotografieren. Am frühen Morgen waren kaum Menschen zu sehen. Nirgends. Selbst der Hafen in schläfriger Beschäftigungslosigkeit. Hier wurde die Zeit gedehnt.

Die Cafés und Restaurants großenteils noch geschlossen.

Entweder war noch nicht Saison – oder ich war zu früh dran (10 Uhr) und der Touristenstrom setzte noch ein?

Straßenzüge von einstöckigen Holzbauten aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

Pittoresk (wie man so sagt). Aber – eben menschenleer.

Nur der übliche Krimskrams-Fensterschmuck.

Einfach weiter geradelt bis Uusikaupunki. Nicht ganz so pittoresk, nicht ganz so malerisch. Aber genauso leer.

Ich hatte Zeit, mich um das Wichtige zu kümmern: Essen und Trinken.

Tag 289 (18.06.2019) / Finnland: Karuna -> Turku

Strecke: 44 km (10:15 – 13:30 Uhr)

Früh losfahren ging nicht. Meine Wirtin war immer noch mit Vorkochen beschäftigt. Sie hatte mich gewarnt: Frühstück frühestens um 9 Uhr. Und dann tischte sie alles auf, was die Küche so gebunkert hatte: Biojoghurt, Biowurst, Früchte (wohl eingeflogen), frischaufgebackene Brötchen, selbstgemachte Marmelade, Filterkaffee, O-Saft und und und … Und ich aß nur den Joghurt samt aller Früchte und trank literweise Kaffee. Damned.

Ich hatte beschlossen, eine kurze Etappe zu fahren. Noch muss ich mich schonen, die Nebenhöhlen knirschen und knarzen gewaltig. Also nach 3 Stunden Strampeln Turku angeschaut und gebucht.

Hippe Cafés, schicke Restaurantboote, Jazz for free in einem beliebten Fischrestaurant an der Uferpromenade des Aurajoki. An manchen Stellen wirkte das Ostsee-Städtchen mit seiner Holzbautenarchitektur und mit seinen mit mediterranen Farben ausgepinselten Fassaden fast italienisch heiter.

Schnurstracks

Nur die Kirchenbauer setzten konsequent auf Nordisch-Klinker.

Selbst die Städte und Städtchen in Finnland sind grün – als könne sogar ein Stadt-Finne nicht auf ein bisschen Vor-der-Tür-Wildnis verzichten.

Restaurantschiffe aufgereiht

Tag 253 (05.04.2018) / Bulgarien: Pause in Varna

Gestern Abend in einer schrägen Bar (und mich wie im Prenzlberg gefühlt). Heute morgen in einem reizvollen Café (als wär’s eine Bio-Kooperative mit Fairtrade-Kaffee in München-Neuhausen).
Danach in einem beheizten Riesen-Freibad verweilt, in dem Wasserballer, Schwimmer und Wassertänzerinnen sich auf Wettkämpfe vorbereiteten. (Außentemperatur etwa 11 Grad! Die Trainer und Trainerinnen am Beckenrand in dicke Fleeze-Jacken eingepackt.)

Spitze

Am Mittag in einem stimmungsvollen Traditionsrestaurant mit bulgarischer Küche vom Feinsten (also: rustikal) gegessen. Am Abend in einem Fischlokal an der Kaispitze des Hafens die bulgarische Hautevolee (und Expat-Szene) studiert.
Varna hat alles.
Mancherorts wirkte die bulgarische Hafenstadt sehr sehr modern.
Dann aber wieder: kaputte Strassen, ungepflegte Vorgärten, halbzerfallene Häuserzeilen – so als hätte sich seit 1989 gar nichts getan. Kolonnen von “Kehrerinnen” in den Straßen, als seien sie 1 Dollar-(am Tag)-Sklavinnen. Alles Roma-Frauen. Sie kehrten den Straßendreck (viel Sand) aus den Gehsteigritzen und schaufelten ihn in große Plastiktüten.
(War das ein Sozialprogramm?)
Eine Stadt, die ganz extrem die Klassenunterschiede vorführte. Aber es fehlte? – der Klassenkampf.

Tag 197 (23.04.2017) / Frankreich: Marseille -> Cassis

Strecke: 31 km (10:45 – 13:15 Uhr)

Am Morgen konnte ich einem Marseiller Café ein wenig den Gesprächen folgen. Überwiegend von Franzosen maghrebinischer Herkunft besucht. Fast alle Satzfetzen, die ich verstand, handelten von der heutigen ersten Runde der Präsidentschaftswahl. Die meisten Diskutanten wollten überhaupt nicht zur Wahl. Einige wenige sprachen sich laut für Macron aus.


Ich hatte einen Außenplatz. Eine junge Frau gesellte sich zu mir, fragte, ob es mich stören würde, wenn sie rauchte. Ohne die Antwort abzuwarten, zündete sie den Stengel an. Auch sie eine Französin mit maghrebinischem Migrationshintergrund (wie sich das schon anhört – mit fällt aber nicht ein, wie sich das politisch korrekt etwas schöner formulieren lässt.) Ich fragte sie (gebrochenes Französisch), für wen sie stimmen würde. Sie schüttelte den Kopf und bedeutete, dass sie nicht zur Wahl ginge. Dann wollte sie von mir wissen, ob ich Le Pen “lieben” würde?
Sie verstand meine Entgeisterung nicht wirklich.
Und ich verstand, dass ich mich in Le Pen Country bewegte. Hier im Süden hatte die rechtsextreme Dame verdammt viele Anhänger.

Ich war gespannt, wie am Abend das Ergebnis ausfallen würde. Ob Europa gesprengt oder als Friedens- und Demokratieversprechen weiter entwickelt werden konnte.

Ich hatte beschlossen, mehr oder weniger einen Ruhetag einzulegen. Meine Kraft ließ merklich nach und ich verzichtete darauf, die spektakulären Fjorde des Calenques-Nationalparks abzuradeln. Es hätte mich heute überfordert.

Hohlgasse

Stattdessen fuhr ich direkt nach Cassis, rund 30 Kilometer östlich von Marseille gelegen und gemütlich zu erreichen. In Cassis begann die Côte D’Azur.

Klassisch

Obwohl überlaufen,

Immer noch klassisch

hatte sich das einstige Fischerdorf seinen alten Charme bewahrt.

Farbenmut

Sogar einige ruhige Gassen luden zum Innehalten ein.

Straßenruh

Ich quartierte mich ein und ließ es mir gut gehen.

Um 20 Uhr dann die ersten Hochrechnungen der Präsidentschaftswahl auf dem Handy verfolgt. Vor Ärger über das Le Pen Ergebnis richtete ich eine kleine Katastrophe an. Schüttete aus Versehen ein ganzes Glas Rotwein über den Tisch. Das französische Publikum im Restaurant schien wenig interessiert. An mir und an der Politik.

Unterkunft: Hotel “Laurence”. Schon etwas bejahrt. Zuvorkommender Service. 55 Euro (ohne Frühstück). Fahrrad Foyer abgestellt.

Tag 175 (01.04.2017) / Spanien: Gaucín -> Ronda

Strecke: 39 km (10:00 – 14:00)

Grandioses Aufwachen. Aus meinem Zimmerfenster konnte ich fast den Gibraltarfels anfassen, obwohl er (geschätzt) Luftlinie 30 bis 40 Kilometer entfernt war. Und dahinter Afrika.
Kein Staubkorn versaute die morgenfrühe violettmilchige andalusische Luft.

Unebener Horizont

Ich stand früh auf, kam aber nicht weg. Spanier frühstücken spät. Um 9 Uhr gab es den ersten Kaffee.

Dann ab nach Ronda.
Luftlinie: sehr nah.
Anstrengung: sehr hoch.

Auf geht's

Ich bin halt kein Kletterer.
Es ging rasend schnell ans Eingemachte.
Dafür wieder grandiose (sic!) Aussichten.

Weißes Dorf im Grünen

Weißblütrige Dörfer.

Verwaschenes Weiß

Grandios (wie oft hab ich dieses Wort auf dieser Reise schon gebraucht?).

Überraschendes Weiß

Im Grunde fuhr ich von Gaucín nach Ronda auf einer Panoramastraße. Die Tourismusbehörde hatte alle paar Kilometer einen Aussichtspunkt ausgebaut, von dem jeder fast das gleiche Foto machen konnte. Ich auch.

Werbeschild

Und es wiederholte sich erneut das mir schon bekannte Muster: Ich hoffte hinter jeder Kurve den Scheitelpunkt des Passes zu erreichen. Jedesmal wurde ich enttäuscht, der Berg türmte sich immer höher. Ich japste, gab auch meinem Fahrrad ein paar Ruhepausen.

Fahrradstolz

Zweimal hielt mich die Polizei an und ermahnte mich, den Fahrradhelm aufzusetzen. Sie drohte mir mit 200 Euro Geldstrafe. Ich folgte widerwillig (zeitweise).
Dann den Pass überquert. 1.000 m hoch.

Geschafft?

Die Blicke nach unten schöner als die hinauf.

Blick nach unten

Die Dörfer immer winziger, aber desto verwegener.

In die Höhe getrieben

Schließlich Ronda erreicht. Kein Dorf mehr, schon eine Stadt.

Zur Berühmtheit getrieben

Völlig überfüllt mit Touristen. Selbst vor der eigentlichen Saison. Mir gelang es trotzdem ein paar stille Winkel zu finden.

Maurisch? Weiß-nicht

Schon seit einiger Zeit fragte ich mich, ob es Zierorangen gibt? Oder ob diese Orangenbäume, die auf jedem Dorfplatz wachsen, mir einen veritablen Orangensaft ins Glas zaubern könnten?
Ich muss dringend mal einen Einheimischen anhauen.

Ich vergaß IHN zu fragen

Ronda wunderschön. Ich musste mir nur all die Japse, Chinos, Krauts und EnglischHooligans wegdenken. (Gottseidank konzentrierten sich die nur auf ein paar ausgewählte Straßenzüge.)

Sonne gibt auch keine Antwort

Ich saß gerade in einem Straßen-Café, als mich ein heftiges metallisches Schlagen elektrisiertes. Und gleich darauf ein vielstimmiges leidvolles Schnaufen.

Männer stemmten ein zentnerschweres Gerüst und trugen es unter Schmerzen ein paar Meter weiter.

Probelauf
Zweite Gruppe

Wie Galeerensklaven.

Probelauf für die Karwoche, die “Semana Santa”: Das Heiligste, was es für einen (die meisten?) Andalusier gibt.

Blick nach Innen

Das war – zwei Wochen vor dem Fest – nur ein Probelauf. Die Bruderschaft choreografierte ihre Schritte.

Von der Last befreit
Seelenruhig
Rausblick
Es braucht Muskeln, um Maria zu tragen

Am Tag der Tage werden sie sich Kapuzen überstülpen.

Schon jetzt sahen sie aus, als könnte ihnen der Eintritt in das Himmelreich niemals verwehrt werden.
Sünder ja. Aber jede Sünde schon längst vergeben.

Leidensfähig

Während in der Altstadt alte Sitten gepflegt wurden, flegelten in der Neustadt ein paar Rapper ziemlich laut die Neuzeit herbei.

Jesus für die Alten / Rap für die Jungen

Ein Büßerhemd würden sie höchstens ein paar Autoritäten überziehen.

Unterkunft: Hotel Sevilla. Neustadt. Modern. Sehr fürsorglicher Service. Zweckmäßige Zimmer. Fahrrad in Abstellkammer untergebracht.. 55 Euro (mit Frühstück).

Tag 174 (31.03.2017) / Spanien: Tarifa -> Gaucín

Strecke: 92 km (10:00 – 18:45 Uhr)

Kein Wind! Nichts! Wie weggeblasen. Das Morgenlicht rückte Afrika näher an Spanien heran.
Zum Greifen nah das tunesische Küstengebirge. Wer schaute dort gerade über die Meerenge auf Europa?

Dem Fremden so nah

Kurz vor Algeciras entschied ich mich, Gibraltar zu umfahren.
Erstens war ich schon einmal auf dem Affenfelsen gewesen.
Zweitens hatte ich keine Lust auf Küstenrummel.
Drittens wollte ich einige weiße andalusische Dörfer sehen.
Ich fuhr also ins spanische Küstenhinterland.

Lange Zeit war’s flach.

Die höchsten Erhebungen: Strommasten.

Fast alle mit Storchennestern gekrönt.

Storchenallee

Am frühen Nachmittag war’s dann vorbei mit dem fröhlichen Flachlandrollen. Es wurde steil.

Noch lieblich

Und es tat stellenweise weh. Dafür die Aussichten immer luftiger, aufregender.

Dorfweiß

Blütenweise Dörfer in die Hänge gepflanzt.

Zu weiß

Ich musste mich anstrengen. Die Anstiege forderten mich. Unterwegs fragte ich mich, ob meine Reise Sinn machte? Ich verkürzte die Tage durch Aktivität, statt sie durch Nichtstun in Unendliche zu dehnen. Ich verkürzte meine Lebenszeit, statt sie durch Faulheit zu verlängern.

Auf etwa 700 Metern Höhe machte ich Stopp. In Gaucín.
Schön gelegen, schön langweilig.

Fassadenweiß

Angeblich wohnen hier einige Dutzend englische Aussteiger und Künstler. Sie blieben weitgehend unter sich und unsichtbar. Nur auf dem Zentralen Dorfplatz ein wenig Leben und angelsächsisches Idiom.

Platzweiß

Ich blieb lange in dem netten Café und futterte mich durch die ausgezeichnete Tapaskarte.

Nachtweiß

Unterkunft: “Hostal Breñaverde”. Eineinhalb Kilometer außer-/oberhalb Gaucíns. Schöne Lage. Etwas in die Tage gekommen. Und auch etwas grummeliger Service. 50 Euro ohne Frühstück. Fahrrad im Zimmer abgestellt.

Tag 101 (8.11.2015) / Frankreich: Trouville-sur-Mer > Fécamp

Strecke: 86 km. (09:15 – 17:00)

Unterkunft in Fécamp: “Hotel L’Angleterre. Strandblick vom Zimmer aus. Sehr engagierte Empfangsdame. Hatte lange in Deutschland gelebt und sprach sehr gut Deutsch. Zimmer gut und geräumig. Mit kleinem Balkon. Hotel hat einen netten irischen Pub und ein Crêpe-Restaurant. (65 Euro ohne Frühstück.) Fahrrad in Garagenkammer abgestellt.

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Vor dem Weiterfahren noch einmal früh über den Fischmarkt von Trouville geschlendert, der auch am Sonntag Morgen aufhatte. Die Vielfalt an bester Ware ist einfach sensationell. Abends ist der Markt ebenfalls geöffnet und bietet an vielen Ständen Degustationen an (mit Wein): Dann ist hier die Hölle los.

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Tierische Früchte

Beim Raus- und Hochfahren reihte sich eine Villa an die nächste.

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Wow!

Eine schöner als die andere.

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Palastblick

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Palästewettlauf

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Schön gemütlich

Dann erstmal zwei Stunden gestrampelt. Und schon wieder eine Perle von einer Stadt: Honfleur.

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auf jeder Seite des alten Hafens sah es genauso aus

Ich setzte mich in ein Café und schaute dem Sonntag-Morgen-Betrieb zu. Die Stadt würde gegen Mittag hoffnungslos überlaufen sein.

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Stadt ohne Dornröschenschlaf

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Apfelreich

Unweit von Honfleur mündet die Seine. Eine Autobahnbrücke verbindet die beiden Ufer.
Für Fahrradfahrer ist eine schmale Spur zugelassen.

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Bridge over Seine

Die Seine selbst: breit, träge, braun. Ein Fluß der Liebe ist sie wohl nur in Paris. Hier hat sie wenig Charme.

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Ganz weit hinten liegt Paris

Ein schöner Radweg, der durch einsames Sumpfgelände führte, brachte mich bis ins Hafengebiet von Le Havre. Riesige Anlage.
Der Stadtkern von Le Havre selbst ist grau. Im Krieg völlig zerbombt. Schnell und gesichtslos wieder aufgebaut. Das Rathaus verströmt stalinistische Tristesse.

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Palast der Republik

Unweit davon baute Oscar Niemeyer ein Kulturzentrum, das im Volksmund “Joghurtbecher” genannt wird.

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Weißes Futur

Nach Le Havre ging es rauf und runter.

Die Normandie überraschte mich immer mehr. Die Klippen wurden steiler, hinter jeder Weg-Biegung ein neues pittoreskes Städtchen, ein phantastischer Blick auf die Küste.

Wie gerne hätte ich mir jetzt etwas Göttermacht geborgt. Ich hätte ab sofort die Tage nur noch aus Abendstunden bestehen lassen. Mit phantastisch weichem Licht.
So musste ich mich mit harten Schatten und Kontrasten herumärgern.

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Steinbrücke

Der Sonntagsstrand von Étretat gut besucht.

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Wand mit Durchblick

Das Winzdorf auch.
In einer Weinbar fragte mich eine Frau, ob sie sich mit ihrem Sohn zu mir an den Tisch setzen könne. Sehr unüblich in Frankreich. Die Frau (die, wenn sie sprach, ein ausgesprochen nettes sympathisches kleines Zucken am Mundwinkel hatte) beherrschte Deutsch und hatte mir die Landsmannschaft wohl angesehen. Beruflich hatte sie schon die halbe Welt bereist und ließ jetzt in Fécamp, einem Küstenstädtchen nicht weit von hier, die Welt zu sich kommen. Sie bot ihre Wohnung Reisenden zum Nulltarif an (Couchsurfing). (Hätte ich da schon gewusst, dass ich am Abend in Fécamp landen würde, hätte ich um ihre Adresse gebeten.)

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Viel mehr gibt es hier nicht

Schließlich kurz vor Sonnenuntergang im besagten Fécamp gestrandet.

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Meer in der Zange

Müde, happy.

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Strand errötet

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Orangen-Sonne

Auch der Empfang des Hotels, das ich mir gesucht hatte, sprach Deutsch. Die Dame hatte lange in Köln gelebt und war nun wieder in ihre Heimat zurückgekehrt.
So viel wie an diesem Tag habe ich die ganzen 5 Wochen zuvor nicht geredet. Ich war dankbar und nahm mir vor, irgendwann doch einmal Französisch zu lernen. Irgendwann.

Tag 95 (2.11.2015) / Frankreich: Dinard > Mont Saint Michel

Strecke: 80 km. (09:15 – 18:15)

Unterkunft in Mont Saint Michel: Hotel Vert. Großer Kasten wie alle Hotels auf der Landseite.  Fairer Preis (58 Euro ohne Frühstück.) Fahrrad draußen angekettet.

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Ich freute mich richtig auf diesen Tag. Das Wetter App hatte Sommer angezeigt (ein bisschen), ich war auf dem Weg nach der mythischen Kirchenburg Mont Saint Michel und ich fühlte mich sehr wohl im Städtchen Dinard.

Ersteinmal in einem Café gekräftigt.

Frühstück a la française.

bittersweet

bittersweet

Dann mich ein wenig umgeschaut.

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Aristokratisch

Und in der Ferne schon mal mein nächstes Ziel ausgemacht: Saint Malo.
Hafen.

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Plebejisch

Keine Ahnung warum ich schon als Jugendlicher Saint Malo mit Abenteuer in Verbindung gebracht hatte.

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Eingemauert

Ich kenne keine Piratengeschichten, keine d’Artagnon-Fechtereien von hier. Aber im Wort “Saint Malo” hatte von jeher Große Welt mitgeschwungen.

Wie auch immer. Jetzt ist die Stadt nur noch für den großen Geldbeutel.

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Frühsport

Ich hielt mich nur kurz auf und umfuhr anschließend das nördliche Cap.

Viel Landwirtschaft.

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Feld, Bäume, Meer

Und nach der letzten Cap-Biegung: Zum ersten Mal in der Ferne den “Mont Saint Michel” erspäht.
Wie Dutzende wilde Camper auch.
(Langsam wird mir klar, warum z. Zt. kaum Hotels geöffnet sind. Franzosen reisen vor allem in ihren Wohnmobilen. Es gibt definitiv mehr Campingplätze als Hotels.)

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Einheitslook

Cancale! Austernstadt. Wagemutige Fischerstadt.

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Starke Mauer

Von halsbrecherischer Austernzucht war nichts zu sehen. Dafür selbst an einem Montag das Hafenstädtchen total überlaufen. Tagesfranzosen noch und nöcher.

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Austerntourismus

Wem das Restaurant zu teuer war, der besorgte sich dutzendweise das Glibberzeug direkt am Hafen.

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Austermama

Ich setzte mich lieber in eine kleine verdreckte Bar und schlürfte das halbe Dutzend mit Zitrone und Meersalz. Nicht besonders gut und nicht besonders teuer.

Meeresperlen

Meeresperlen

(Hab’ bei der Gelegenheit festgestellt, dass ein Muscadet wesentlich besser zu diesem Meerestier passt als ein Sauvignon.)

Ein wenig schummrig weitergeradelt und plötzlich metallene Ungeheur gesehen.

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AusternErnteWasserMaschineaufvierRädern

Austern-Ernte-Maschinen. Zu Wasser und zu Land.

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AusternErnteWasserMaschineaufsechsRädern

Wie aus der futuristischen Vergangenheit. (Zu groß geratene James-Bond-Spielzeuge. Fehlte nur noch, dass Ursula Andress im Bikini und mit einem Austernmesser bewaffnet von den Pilotenkabinen heruntersprang.)

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AusternErnteWasserMachineaufdreiRädernbeiderArbeit

Ich radelte diesen Monstern nach …

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Ein Fest für die Möwen

… sah erneut den “Mont Saint Michel” in der Ferne …

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er kommt näher

und traute mich nicht richtig weiter. Meine Fahrradreifen sanken schon bedenklich im Schlick ein.

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Ruhendes WasserRad

Also drehte ich um und fuhr weiter der Straße nach: Richtung “Mont Saint Michel”. Luftlinie ca. 20 Kilometer. Straßenlinie ca. 32 bis 34. Ich hatte also noch zu tun und strampelte wie ein Idiot um rechtzeitig vor Sonnenuntergang anzukommen.

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… immer näher

Gerade noch geschafft.

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Welch ein Fels

Gestern war der französische Staatspräsident hier…

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Wow!

heute ich …

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Ruhe sanft!

um ein neues Wunder zu bestaunen. Die Franzosen wollen Mont Saint Michel wieder dem Meer zurückgeben und haben Schleusen, Kanäle, Wasserwerk und ich weiß nicht was noch gebaut, um die Verlandung und Versandung des berühmten Kirchenberges zu verhindern.

Ich blieb andächtig und in respektvoller Entfernung, bis die Nacht fiel.

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Maschine und Natur sind eins

Tag 61 (16.04.2015) / Griechenland: Patras > Pyrgos

Strecke: 106 km. (10:00 – 18:15)

Unterkunft in Pyrgos: Hotel Olympos im Zentrum. (Geschäftshotel. Ohne Charakter. Freundlicher Portier.) 40 Euro ohne Frühstück. Fahrrad im Keller untergebracht.

Strecke 0060-Griechenland-Patras-Pyrgos

Schöne Küstenfahrt von Patras nach ähesten. Immer wieder Tavernendörfer. Sehen vielversprechend aus. Sind wohl Wochenendziele für hungrige Athener.

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Schatten gibt es auch.

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Und jede Menge Badewannen.

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Anschließend ging es mehr ins Landesinnere. Meist ca 5 -10 km von der Küste entfernt. Das Land total platt. Sah auch nicht anders aus als Niedersachsen. Wären am Horizont nicht immer diese hohen kargen Berge. Dem Horizont näherte ich mich aber nicht.

Fruchtbare Erde. Kilometerlang nichts anderes als Erdbeerfelder.

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strawberry fields for ever

Die Saison hat begonnen. Europa wird von hier aus mit Süßstoff versorgt.

Noch ist die Sonne nicht so heiß, dass es unerträglich wäre. Zudem wehte ein manchmal sehr böiger und dann auch frischer Wind.

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Frühkartoffeln werden auch bereits geerntet.

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Der Frühling hat endlich(!) mit voller Macht Einzug gehalten.
Der Wegrand mit Klatschmohn gesäumt.

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Klatsch!

Schönes Bild. Könnte jetzt sagen: Habe das mit Absicht gemacht. Tatsächlich wollte ich aber testen,
ob meine Kamera bei extrem böigen Wind eine Klatschmohnblüte scharf bekommt.
Sie hat es nicht geschafft.
Sie hat den Gouache-Filter genommen und drauflos gemalt.

Ich war in einem guten Trott. Das Flachlandstrampeln fiel mir leicht.
Manchmal versuchte ich, die Flugschatten, die vor mir über den Asphalt wischten, den entsprechenden Vögeln zuzuordnen: Möwe, Taube, Greif, Krähe, Elster oder Singvogel.
Ich lag beinahe zu 100 Prozent daneben.

Auch so vergeht ein Tag.

Ab und zu Winzdörfer.

Aber kein Ort ohne Kirche, ob alt,

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ob neu.

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Auch in Griechenland ist das gesellschaftliche Zentrum dort, wo das Gotteshaus steht. Drumherum gibt es die Kneipen.

Ich stärkte mich in einem Café. Mir gegenüber 3 junge schon ziemlich angeschickerte Frauen.

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Sie hießen die Bedienung, mir ein Glas Wein zu bringen. Danach wollten sie ein wenig mit mir reden.
Ihr Englisch kaum zu verstehen.
Was sie gerade feierten, habe ich nicht herausbekommen.
Die eine kam aus Albanien und war Babysitterin in einer griechischen Familie. Die beiden Freundinnen arbeiteten als Kellnerinnen in anderen Tavernen.
Sie wollten von mir wissen, ob
a) es in Deutschland teuer sei?
b) es Partys gebe?
c) ob ich Merkel gut fände?
d) und ob mir Varoufakis gefiele?
Der hatte es ihnen angetan. “Cool” war das am häufigsten gebrauchte Adjektiv.

Ich verabschiedete mich und machte mich auf den Weg zu meinem Ziel: Pyrgos. Ein Geschäftsstädtchen, das mit seinen Hochhauswüsten so furchtbar daherkam wie viele griechische Städtchen.

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Das aber einen sehr belebten Kern hatte.
In dem es nicht nur Fleischer gab,

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lamb line

sondern eine Menge “cooler” Bars.