Meer Europa

Schlagwort Archiv: Café

Tag 295 (24.06.2019) / Finnland: Kokkola -> Raahe

Strecke: 128 km (09:45 – 20:15 Uhr)

Die Tage häuften sich, an denen ich jeweils deutlich über 100 Kilometer zurücklegte. Das lag sicher an den eher leichten Routen: Boden-Wellen kaum höher als 20, 30 Meter. Oft Gegenwind, aber selten stark.

Und es lag daran, dass nicht wirklich viel zu sehen war. Ich folgte (zwangsläufig) der Bundesstraße E8. Sie verlief küstennah, berührte das Wasser aber selten. Die Ostsee bekam ich tatsächlich nur wenig in den Blick. Und wenn ich mal eine Stichstraße zu ihr nahm: Sie glich sich an vielen Stellen. Kein offenes Meer – die See glich eher einem Netz miteinander verbundener Teiche und täuschte so fast ein wenig Harmlosigkeit vor. Überall in den kleinen Buchten lugten (Fertig-)Holzhauser mit ihren kleinen Holzanlegern ins Wasser.

Aber immerhin: ab und zu ein schöner Bauernhof.

Und ab und zu sogar mit einem noch schöneren Café im Innenhof. In einem trocknete ich meine nass geschwitzten T-Shirts und machte kurz Rast.

Und dann doch die Überraschung. Nahe Kalajoki: ein, zwei Kilometer lang offene See! Mit vorgelagerten Dünen. Herrlich.

Das Licht leider superhart. Mittagszeit.

Ich stolperte ein wenig durch den Sand.

Braun-Blaues-Farbenspiel.

Noch brummte die Saison nicht.

Die modern-futuristischen Strandhotels fast völlig leer.

Danach war die einzige optische Auflockerung auf der Fahrt ein Fluss, der, obschon kurz vor der Mündung, noch ein Mal Stromschnellen spielte.

Schließlich (nach einigen weiteren Stunden auf dem Sattel) in Raahe angekommen. Ein kleines Städtchen, das man nicht gesehen haben muss.

Ich hatte nach der Ankunft enorme Schwierigkeiten, etwas Essbares zu finden. Landete schließlich in einem Pub. Es war dort wie so oft: Saufen oder an einarmigen Banditen Geld verlieren.

Die Menükarte war nicht zu übersehen. Das Angebot äußerst überschaubar: alles, was sich aus dem Gefrierfach direkt in die Mikrowelle schieben ließ. Ich aß Muikkukori – gebratene Sardellen. (Hab übrigens nach dem finnischen Wort gegoogelt. Das schafft der Internetriese nicht, eine angemessene Übersetzung zu liefern. Es lebe Finnisch!)

Geschmack? Na ja – sättigend.

Tag 290 (19.06.2019) / Finnland: Turku -> Uusikaupunki

Strecke: 86 km (09:00 – 16:15 Uhr)

 

Naantali. Malerische (wie man so sagt) Altstadt, malerischer (wie man so floskelt) Fähr-Hafen. Nur leider schwer zu fotografieren. Am frühen Morgen waren kaum Menschen zu sehen. Nirgends. Selbst der Hafen in schläfriger Beschäftigungslosigkeit. Hier wurde die Zeit gedehnt.

Die Cafés und Restaurants großenteils noch geschlossen.

Entweder war noch nicht Saison – oder ich war zu früh dran (10 Uhr) und der Touristenstrom setzte noch ein?

Straßenzüge von einstöckigen Holzbauten aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

Pittoresk (wie man so sagt). Aber – eben menschenleer.

Nur der übliche Krimskrams-Fensterschmuck.

Einfach weiter geradelt bis Uusikaupunki. Nicht ganz so pittoresk, nicht ganz so malerisch. Aber genauso leer.

Ich hatte Zeit, mich um das Wichtige zu kümmern: Essen und Trinken.

Tag 289 (18.06.2019) / Finnland: Karuna -> Turku

Strecke: 44 km (10:15 – 13:30 Uhr)

Früh losfahren ging nicht. Meine Wirtin war immer noch mit Vorkochen beschäftigt. Sie hatte mich gewarnt: Frühstück frühestens um 9 Uhr. Und dann tischte sie alles auf, was die Küche so gebunkert hatte: Biojoghurt, Biowurst, Früchte (wohl eingeflogen), frischaufgebackene Brötchen, selbstgemachte Marmelade, Filterkaffee, O-Saft und und und … Und ich aß nur den Joghurt samt aller Früchte und trank literweise Kaffee. Damned.

Ich hatte beschlossen, eine kurze Etappe zu fahren. Noch muss ich mich schonen, die Nebenhöhlen knirschen und knarzen gewaltig. Also nach 3 Stunden Strampeln Turku angeschaut und gebucht.

Hippe Cafés, schicke Restaurantboote, Jazz for free in einem beliebten Fischrestaurant an der Uferpromenade des Aurajoki. An manchen Stellen wirkte das Ostsee-Städtchen mit seiner Holzbautenarchitektur und mit seinen mit mediterranen Farben ausgepinselten Fassaden fast italienisch heiter.

Schnurstracks

Nur die Kirchenbauer setzten konsequent auf Nordisch-Klinker.

Selbst die Städte und Städtchen in Finnland sind grün – als könne sogar ein Stadt-Finne nicht auf ein bisschen Vor-der-Tür-Wildnis verzichten.

Restaurantschiffe aufgereiht

Tag 253 (05.04.2018) / Bulgarien: Pause in Varna

Gestern Abend in einer schrägen Bar (und mich wie im Prenzlberg gefühlt). Heute morgen in einem reizvollen Café (als wär’s eine Bio-Kooperative mit Fairtrade-Kaffee in München-Neuhausen).
Danach in einem beheizten Riesen-Freibad verweilt, in dem Wasserballer, Schwimmer und Wassertänzerinnen sich auf Wettkämpfe vorbereiteten. (Außentemperatur etwa 11 Grad! Die Trainer und Trainerinnen am Beckenrand in dicke Fleeze-Jacken eingepackt.)

Spitze

Am Mittag in einem stimmungsvollen Traditionsrestaurant mit bulgarischer Küche vom Feinsten (also: rustikal) gegessen. Am Abend in einem Fischlokal an der Kaispitze des Hafens die bulgarische Hautevolee (und Expat-Szene) studiert.
Varna hat alles.
Mancherorts wirkte die bulgarische Hafenstadt sehr sehr modern.
Dann aber wieder: kaputte Strassen, ungepflegte Vorgärten, halbzerfallene Häuserzeilen – so als hätte sich seit 1989 gar nichts getan. Kolonnen von “Kehrerinnen” in den Straßen, als seien sie 1 Dollar-(am Tag)-Sklavinnen. Alles Roma-Frauen. Sie kehrten den Straßendreck (viel Sand) aus den Gehsteigritzen und schaufelten ihn in große Plastiktüten.
(War das ein Sozialprogramm?)
Eine Stadt, die ganz extrem die Klassenunterschiede vorführte. Aber es fehlte? – der Klassenkampf.

Tag 197 (23.04.2017) / Frankreich: Marseille -> Cassis

Strecke: 31 km (10:45 – 13:15 Uhr)

Am Morgen konnte ich einem Marseiller Café ein wenig den Gesprächen folgen. Überwiegend von Franzosen maghrebinischer Herkunft besucht. Fast alle Satzfetzen, die ich verstand, handelten von der heutigen ersten Runde der Präsidentschaftswahl. Die meisten Diskutanten wollten überhaupt nicht zur Wahl. Einige wenige sprachen sich laut für Macron aus.


Ich hatte einen Außenplatz. Eine junge Frau gesellte sich zu mir, fragte, ob es mich stören würde, wenn sie rauchte. Ohne die Antwort abzuwarten, zündete sie den Stengel an. Auch sie eine Französin mit maghrebinischem Migrationshintergrund (wie sich das schon anhört – mit fällt aber nicht ein, wie sich das politisch korrekt etwas schöner formulieren lässt.) Ich fragte sie (gebrochenes Französisch), für wen sie stimmen würde. Sie schüttelte den Kopf und bedeutete, dass sie nicht zur Wahl ginge. Dann wollte sie von mir wissen, ob ich Le Pen “lieben” würde?
Sie verstand meine Entgeisterung nicht wirklich.
Und ich verstand, dass ich mich in Le Pen Country bewegte. Hier im Süden hatte die rechtsextreme Dame verdammt viele Anhänger.

Ich war gespannt, wie am Abend das Ergebnis ausfallen würde. Ob Europa gesprengt oder als Friedens- und Demokratieversprechen weiter entwickelt werden konnte.

Ich hatte beschlossen, mehr oder weniger einen Ruhetag einzulegen. Meine Kraft ließ merklich nach und ich verzichtete darauf, die spektakulären Fjorde des Calenques-Nationalparks abzuradeln. Es hätte mich heute überfordert.

Hohlgasse

Stattdessen fuhr ich direkt nach Cassis, rund 30 Kilometer östlich von Marseille gelegen und gemütlich zu erreichen. In Cassis begann die Côte D’Azur.

Klassisch

Obwohl überlaufen,

Immer noch klassisch

hatte sich das einstige Fischerdorf seinen alten Charme bewahrt.

Farbenmut

Sogar einige ruhige Gassen luden zum Innehalten ein.

Straßenruh

Ich quartierte mich ein und ließ es mir gut gehen.

Um 20 Uhr dann die ersten Hochrechnungen der Präsidentschaftswahl auf dem Handy verfolgt. Vor Ärger über das Le Pen Ergebnis richtete ich eine kleine Katastrophe an. Schüttete aus Versehen ein ganzes Glas Rotwein über den Tisch. Das französische Publikum im Restaurant schien wenig interessiert. An mir und an der Politik.

Unterkunft: Hotel “Laurence”. Schon etwas bejahrt. Zuvorkommender Service. 55 Euro (ohne Frühstück). Fahrrad Foyer abgestellt.

Tag 175 (01.04.2017) / Spanien: Gaucín -> Ronda

Strecke: 39 km (10:00 – 14:00)

Grandioses Aufwachen. Aus meinem Zimmerfenster konnte ich fast den Gibraltarfels anfassen, obwohl er (geschätzt) Luftlinie 30 bis 40 Kilometer entfernt war. Und dahinter Afrika.
Kein Staubkorn versaute die morgenfrühe violettmilchige andalusische Luft.

Unebener Horizont

Ich stand früh auf, kam aber nicht weg. Spanier frühstücken spät. Um 9 Uhr gab es den ersten Kaffee.

Dann ab nach Ronda.
Luftlinie: sehr nah.
Anstrengung: sehr hoch.

Auf geht's

Ich bin halt kein Kletterer.
Es ging rasend schnell ans Eingemachte.
Dafür wieder grandiose (sic!) Aussichten.

Weißes Dorf im Grünen

Weißblütrige Dörfer.

Verwaschenes Weiß

Grandios (wie oft hab ich dieses Wort auf dieser Reise schon gebraucht?).

Überraschendes Weiß

Im Grunde fuhr ich von Gaucín nach Ronda auf einer Panoramastraße. Die Tourismusbehörde hatte alle paar Kilometer einen Aussichtspunkt ausgebaut, von dem jeder fast das gleiche Foto machen konnte. Ich auch.

Werbeschild

Und es wiederholte sich erneut das mir schon bekannte Muster: Ich hoffte hinter jeder Kurve den Scheitelpunkt des Passes zu erreichen. Jedesmal wurde ich enttäuscht, der Berg türmte sich immer höher. Ich japste, gab auch meinem Fahrrad ein paar Ruhepausen.

Fahrradstolz

Zweimal hielt mich die Polizei an und ermahnte mich, den Fahrradhelm aufzusetzen. Sie drohte mir mit 200 Euro Geldstrafe. Ich folgte widerwillig (zeitweise).
Dann den Pass überquert. 1.000 m hoch.

Geschafft?

Die Blicke nach unten schöner als die hinauf.

Blick nach unten

Die Dörfer immer winziger, aber desto verwegener.

In die Höhe getrieben

Schließlich Ronda erreicht. Kein Dorf mehr, schon eine Stadt.

Zur Berühmtheit getrieben

Völlig überfüllt mit Touristen. Selbst vor der eigentlichen Saison. Mir gelang es trotzdem ein paar stille Winkel zu finden.

Maurisch? Weiß-nicht

Schon seit einiger Zeit fragte ich mich, ob es Zierorangen gibt? Oder ob diese Orangenbäume, die auf jedem Dorfplatz wachsen, mir einen veritablen Orangensaft ins Glas zaubern könnten?
Ich muss dringend mal einen Einheimischen anhauen.

Ich vergaß IHN zu fragen

Ronda wunderschön. Ich musste mir nur all die Japse, Chinos, Krauts und EnglischHooligans wegdenken. (Gottseidank konzentrierten sich die nur auf ein paar ausgewählte Straßenzüge.)

Sonne gibt auch keine Antwort

Ich saß gerade in einem Straßen-Café, als mich ein heftiges metallisches Schlagen elektrisiertes. Und gleich darauf ein vielstimmiges leidvolles Schnaufen.

Männer stemmten ein zentnerschweres Gerüst und trugen es unter Schmerzen ein paar Meter weiter.

Probelauf
Zweite Gruppe

Wie Galeerensklaven.

Probelauf für die Karwoche, die “Semana Santa”: Das Heiligste, was es für einen (die meisten?) Andalusier gibt.

Blick nach Innen

Das war – zwei Wochen vor dem Fest – nur ein Probelauf. Die Bruderschaft choreografierte ihre Schritte.

Von der Last befreit
Seelenruhig
Rausblick
Es braucht Muskeln, um Maria zu tragen

Am Tag der Tage werden sie sich Kapuzen überstülpen.

Schon jetzt sahen sie aus, als könnte ihnen der Eintritt in das Himmelreich niemals verwehrt werden.
Sünder ja. Aber jede Sünde schon längst vergeben.

Leidensfähig

Während in der Altstadt alte Sitten gepflegt wurden, flegelten in der Neustadt ein paar Rapper ziemlich laut die Neuzeit herbei.

Jesus für die Alten / Rap für die Jungen

Ein Büßerhemd würden sie höchstens ein paar Autoritäten überziehen.

Unterkunft: Hotel Sevilla. Neustadt. Modern. Sehr fürsorglicher Service. Zweckmäßige Zimmer. Fahrrad in Abstellkammer untergebracht.. 55 Euro (mit Frühstück).

Tag 174 (31.03.2017) / Spanien: Tarifa -> Gaucín

Strecke: 92 km (10:00 – 18:45 Uhr)

Kein Wind! Nichts! Wie weggeblasen. Das Morgenlicht rückte Afrika näher an Spanien heran.
Zum Greifen nah das tunesische Küstengebirge. Wer schaute dort gerade über die Meerenge auf Europa?

Dem Fremden so nah

Kurz vor Algeciras entschied ich mich, Gibraltar zu umfahren.
Erstens war ich schon einmal auf dem Affenfelsen gewesen.
Zweitens hatte ich keine Lust auf Küstenrummel.
Drittens wollte ich einige weiße andalusische Dörfer sehen.
Ich fuhr also ins spanische Küstenhinterland.

Lange Zeit war’s flach.

Die höchsten Erhebungen: Strommasten.

Fast alle mit Storchennestern gekrönt.

Storchenallee

Am frühen Nachmittag war’s dann vorbei mit dem fröhlichen Flachlandrollen. Es wurde steil.

Noch lieblich

Und es tat stellenweise weh. Dafür die Aussichten immer luftiger, aufregender.

Dorfweiß

Blütenweise Dörfer in die Hänge gepflanzt.

Zu weiß

Ich musste mich anstrengen. Die Anstiege forderten mich. Unterwegs fragte ich mich, ob meine Reise Sinn machte? Ich verkürzte die Tage durch Aktivität, statt sie durch Nichtstun in Unendliche zu dehnen. Ich verkürzte meine Lebenszeit, statt sie durch Faulheit zu verlängern.

Auf etwa 700 Metern Höhe machte ich Stopp. In Gaucín.
Schön gelegen, schön langweilig.

Fassadenweiß

Angeblich wohnen hier einige Dutzend englische Aussteiger und Künstler. Sie blieben weitgehend unter sich und unsichtbar. Nur auf dem Zentralen Dorfplatz ein wenig Leben und angelsächsisches Idiom.

Platzweiß

Ich blieb lange in dem netten Café und futterte mich durch die ausgezeichnete Tapaskarte.

Nachtweiß

Unterkunft: “Hostal Breñaverde”. Eineinhalb Kilometer außer-/oberhalb Gaucíns. Schöne Lage. Etwas in die Tage gekommen. Und auch etwas grummeliger Service. 50 Euro ohne Frühstück. Fahrrad im Zimmer abgestellt.

Tag 103 (10.11.2015) / Frankreich: Le Tréport -> Boulogne-sur-Mer

Strecke: 104 km (09:30 – 17:10)

Novembergrau setzte sich durch. Schon der Morgen zeigte die ganze Tagesrichtung an: keine Sonne, schwere Wolken, Null Sicht. Es kam mir zupass. Mein Tagesziel: weit kommen.

Treport=3 Häfen?

Le Tréport über die Brücke zum Nachbarort verlassen.
Im schmucken Badestädtchen Mers-les-Bains kurz Kaffee getrunken (Café allongé) und dann los.

Puppenstube

Nichts gesehen, nichts erlebt, selten angehalten. Nur einmal, um meine Mittagsstärkung einzunehmen (1 Glas Sauvignon).

Der Abend kam und war wie der Morgen: grau.

Normannischer Friedhof mit Kirche, Burg und Gräbern

Rechtzeitig Boulogne-sur-Mer erreicht. Wieder war ich überrascht wie schön (mittelalterlich) der Stadtkern (Festung) ist. Ein paar belebte Weinkneipen. Massenweise Briten unterwegs. Sie kommen in Scharen. Die Insel liegt ja auch in Spuckentfernung – und von Boulognes großem Hafen gehen Fähren ab.

Unterkunft in Boulogne: “Hotel Les Gens De Mer”. Zentrumsnah. Hotelblock. Etwas runtergekommen, aber sauber. Höflicher und flotter Empfang. (42,50 Euro ohne Frühstück.) Fahrrad in Kammer abgestellt.

Tag 101 (8.11.2015) / Frankreich: Trouville-sur-Mer -> Fécamp

Strecke: 86 km (09:15 – 17:00)

Vor dem Weiterfahren noch einmal früh über den Fischmarkt von Trouville geschlendert, der auch am Sonntag Morgen aufhatte. Die Vielfalt an bester Ware ist einfach sensationell. Abends ist der Markt ebenfalls geöffnet und bietet an vielen Ständen Degustationen an (mit Wein): Dann ist hier die Hölle los.

Tierische Früchte

Beim Raus- und Hochfahren reihte sich eine Villa an die nächste.

Wow!

Eine schöner als die andere.

Palastblick
Palästewettlauf (alt gegen neu)
Schön gemütlich

Dann erstmal zwei Stunden gestrampelt. Und schon wieder eine Perle von einer Stadt: Honfleur.

Auf jeder Seite des alten Hafens sah es genauso aus

Ich setzte mich in ein Café und schaute dem Sonntag-Morgen-Betrieb zu. Die Stadt würde gegen Mittag hoffnungslos überlaufen sein.

Stadt ohne Dornröschenschlaf
Apfelreich

Unweit von Honfleur mündet die Seine. Eine Autobahnbrücke verbindet die beiden Ufer.
Für Fahrradfahrer ist eine schmale Spur zugelassen.

Bridge over Seine

Die Seine selbst: breit, träge, graublaugrün. Ein Fluß der Liebe ist sie wohl nur in Paris. Hier hat sie wenig Charme.

Ganz weit hinten liegt Paris

Ein schöner Radweg, der durch einsames Sumpfgelände führte, brachte mich bis ins Hafengebiet von Le Havre. Riesige Anlage.
Der Stadtkern von Le Havre selbst ist grau. Im Krieg völlig zerbombt. Schnell und gesichtslos wieder aufgebaut. Das Rathaus verströmt stalinistische Tristesse.

Palast der république

Unweit davon baute Oscar Niemeyer ein Kulturzentrum, das im Volksmund “Joghurtbecher” genannt wird.

Weißes Futur

Nach Le Havre ging es rauf und runter.

Die Normandie überraschte mich immer mehr. Die Klippen wurden steiler, hinter jeder Weg-Biegung ein neues pittoreskes Städtchen, ein phantastischer Blick auf die Küste.

Wie gerne hätte ich mir jetzt etwas Göttermacht geborgt. Ich hätte ab sofort die Tage nur noch aus Abendstunden bestehen lassen. Mit phantastisch weichem Licht.
So musste ich mich mit harten Schatten und Kontrasten herumärgern.

Steinbrücke

Der Sonntagsstrand von Étretat gut besucht.

Wand mit Durchblick

Das Winzdorf auch.
In einer Weinbar fragte mich eine Frau, ob sie sich mit ihrem Sohn zu mir an den Tisch setzen könne. Sehr unüblich in Frankreich. Die Frau (die, wenn sie sprach, ein ausgesprochen nettes sympathisches kleines Zucken am Mundwinkel hatte) beherrschte Deutsch und hatte mir die Landsmannschaft wohl angesehen. Beruflich hatte sie schon die halbe Welt bereist und ließ jetzt in Fécamp, einem Küstenstädtchen nicht weit von hier, die Welt zu sich kommen. Sie bot ihre Wohnung Reisenden zum Nulltarif an (Couchsurfing). (Hätte ich da schon gewusst, dass ich am Abend in Fécamp landen würde, hätte ich um ihre Adresse gebeten.)

Viel mehr gibt es hier nicht

Schließlich kurz vor Sonnenuntergang im besagten Fécamp gestrandet.

Meer in der Zange

Müde, happy.

Strand errötet
Blutorange-Sonne

Auch der Empfang des Hotels, das ich mir gesucht hatte, sprach Deutsch. Die Dame hatte lange in Köln gelebt und war nun wieder in ihre Heimat zurückgekehrt.
So viel wie an diesem Tag habe ich die ganzen 5 Wochen zuvor nicht geredet. Ich war dankbar und nahm mir vor, irgendwann doch einmal Französisch zu lernen. Irgendwann.

Unterkunft in Fécamp: “Hotel L’Angleterre. Strandblick vom Zimmer aus. Zimmer gut und geräumig. Mit kleinem Balkon. Hotel hat einen netten irischen Pub und ein Crêpe-Restaurant. (65 Euro ohne Frühstück.) Fahrrad in Garagenkammer abgestellt.

Tag 97 (4.11.2015) / Frankreich: Granville -> Cherbourg

Strecke: 124 km (08:45 – 19:00)

Nettes Städtchen, Granville.
Relativ früh aufgebrochen.

Am Hafen noch einen Café getrunken, kurz in das leere Meeresschwimmbecken gespuckt und dann los.

Lack ab

Flach, der Weg oft direkt am Meer entlang. Kerzengerade Promenaden…

Mehr Sand als Meer

… ewiglange Sandstrände

Dunes, Dunes, Dunes

… groteske Strandzwergenhäuschen

Sandwittchen wohnt hier

… und ab und zu ein paar Fischer, die auch ohne Hafen auskamen.

Bauer oder Fischer oder beides ?
Der ganze Fang

Die Dörfchen nett, manche hatten Markttag. Zu solchen Anlässen merkte ich, dass tatsächlich Menschen in Frankreich lebten.

Kurzzeitig belebt

Ansonsten das gewohnte Bild: menschenleere Straßen, Dörfer, Landschaften.

Es nieselte, es regnete, es windete. Und es wurde langsam duster.

Nur noch einmal riss die Wolkendecke auf, aber nicht über mir, über der britischen Insel Jersey draußen im Meer.

Where the sun shines

Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, heute noch bis Cherbourg zu kommen. Leider hatte ich die Entfernung unterschätzt. Es sammelten sich am Ende 124 Kilometer. Und wie immer – die Aufstiege kamen zum Schluss. Also: Es tat weh. Es stockfinsterte bereits und an mir jagten Auto nach Auto vorbei. Ich bekam manchmal Angst, so dicht streiften sie mich – so als ob sie mich nicht sehen würden. Aber ich hatte die Lichter an.
Es wurde elendig.
Um 19 Uhr dann schließlich angekommen.

In der Nacht die Hafengegend durchstreift. Der Reiseführer versprach “wildes Leben” und “trinkfeste Briten”. Das findet wohl nur in der Hochsaison statt. Es gab viele Pubs, die meisten leer. In einem zumindest etwas gefüllten schaute ich mir Championsleague und Arsenal an.
Ich passte mich an und zeigte mich trinkfest.

Unterkunft in Cherbourg: “Hotel du Louvre”. Zentrum. Okay. Sehr nette Empfangsdamen. Hilfsbereit. Sprachen Englisch. (55 Euro ohne Frühstück.) Fahrrad in Garage untergestellt.