Meer Europa

Schlagwort Archiv: Einheimische

Ruhewoche Ginostra/Stromboli (12.-17.10.2017)

Der reiche Poet

Zimmer mit Aussicht …

… und Schreibtisch

Poetenausstattung

Im Laptop der neueste Band Elena Ferrantes (“Die Geschichte der getrennten Wege”). Im Kühlschrank immer ein gut gekühlter Tropfen.

angelehnt

Der Blick frei – frei aufs Meer. Auf die anderen Liparischen Inseln am nahen Horizont.

zickzack

Auf das Tragflügelboot, das auch mich hierhergebeamt hatte.

Füße gut gekühlt

Ginostra: Im Winter leben hier 30 Menschen. Im Sommer kommen manchmal 500 Touristen an einem Tag. Jetzt, in der Nebensaison, war der Ort fast leer.

Vielzack

Vor 40 Jahren war ich das erste Mal hier. Dann noch zweimal im Abstand von jeweils rund 10 Jahren.
Damals gab es noch keine Schnellboote, die hier anlandeten. Nur eine große Fähre, die weit außerhalb hielt. Fischerboote nahmen mich noch vor 20 Jahren draußen auf und brachten mich an die Steilküste, an der es nur einen Kleinsthafen (für 1 Fischerboot!) gab.
Mittlerweile ragt einen befestigter und robuster Landungssteg in die See.

Etagenbau

Aber noch immer ist der Esel das einzige Transportmittel in Ginostra. Es mühen steile Treppen hoch zum Dorf.

Zieh-Esel

Manche Gesichter erinnere ich noch. Wenn ich auch schnell beschloss, keine Einheimische zu fotografieren. Sie werden im Vierteljahresrhythmus von Fotografen regelrecht belagert.
Seit etwa 12 Jahren fließen Strom und  Wasser im Dorf. (Gab es vorher tatsächlich nicht!)
Strom: Dank einer Solaranlage in einer Bergmulde (versteckt).
Wasser: Dank großer Wassertank-Schiffe aus Neapel. (Früher so gut wie nur Zisternen-Wasser.)
Die Toiletten sind jetzt innerhalb der Häuser. (Früher Plumpsklos draußen.)

Und trotz unübersehbarer Modernisierung: Viel hat sich in Ginostra trotz Landungssteg, Strom und fließend Wasser nicht geändert.
Kein Internet. Keine Bank, kein Geldautomat, kein öffentliches Gebäude. Eine leerstehende Kirche, 2 kleine Läden, 1 offenes Restaurant (bis Ende Oktober).

Kein Auto, kein Fahrrad, keine Vespa.
Nur steile Wege …

scharfer Blick

… samt wunderschöner Häuser im traditionellen Stil.

geschliffene Kanten

erträgliches Rosa

 

eingekalkt

Götterthron

 

Lieblingsblau

Einst war der Ort ein Himmelsgeschenk. Zumindest was die Natur anbelangt. Die Vulkanerde fruchtbar. Der Wein, der auf kunstvoll angelegte Terrassen wuchs, berühmt.

stachelig

Obst und Gemüse im Überfluss.

dickhäutig

Bis ein heftiger Vulkanausbruch in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts fast alles zerstörte: Gärten, Häuser. Ginostra erholte sich nie wieder richtig. Verarmte.
Auf dem Friedhof, der über dem Dorf thront,

Am Fuße der Zeder

ist die Armut in den Gesichtern der Verstorbenen zurückgeblieben. Ausdrucksstarke Gesichter. Fast alle Toten waren Fischer, Bauern, Bäuerinnen, Mägde. Einige wenige: Lehrer, Bürgermeister, Postbeamte.

Erst in den 70er Jahren brachten erste Touristen ein bisschen Wohlstand für die wenigen dagebliebenen Familien. Auch wenn die Anreise für die Abenteurer beschwerlich war. Sie lebten damals – wie ich auch heute in Ginostra: Den Tag verbummeln. Ein bisschen Spazierengehen. Das Meer bestaunen.

Archaeopterix

Den Lauf der Sonne verfolgen.

Sonnenblume

Kurz vor Sunset zur Sciara wandern – der Lava-Rutsche des Vulkans. Eine Viertel Stunde von Ginostra entfernt.

Spuk

Mit etwas Glück …

Konfrontation

… das Feuerwerk bestaunen, das der Vulkan in schöner Regelmäßigkeit veranstaltet.
Zuhören wie die Lavabrocken und Steine über die Feuerrutsche ins Meer donnern.

Feuersterne

Ich hatte dieses Mal beschlossen, nicht zum Gipfel hoch zu wandern und dort zu übernachten. Ich hatte den Vulkan schon drei Mal bestiegen.

Lieblingsberg

Ich wollte nur faul sein. Nichts tun. Lesen, trinken, lesen, trinken. Den Tag vergehen lassen. Er tat es auch ohne meinen guten Vorsatz.

Tag 184 (10.04.2017) / Spanien: Cartagena -> Alicante

Strecke: 105 km (09:45 – 18:15 Uhr)

Seit langer Zeit zum ersten Mal wieder ziemlich flaches Gelände. Und quasi am einzigen Hügel haben sie mich erneut erwischt.
Zum dritten Mal wurde ich von der Polizei verwarnt. Ich solle meinen Schutzhelm aufziehen. Das sei in Spanien außerhalb geschlossener Ortschaften Pflicht.

Höchststrafe 100 Euro oder Genickbruch.
Ich musste dieses Ding also aufziehen.

Ertappt

Zumindest solange die Motorradstreife in der Nähe sein konnte.

Sonst überhaupt nichts los auf der Strecke.
Völlig zugebaut.

Endlose Häuserzeilen.

Ganz selten mal ein bisschen dass Gefühl: Hier ist es lebenswert.

Kalt ist nur der Tod

Die Einheimischen hatten es sich bequem gemacht.

Die Wasservögel in den Salinen kurz vor Alicante auch.

Am Abend in Alicante eingefahren – mit Wind in der kurzen Mähne.

Alicante eine aufregende Stadt. Viel los. Natürlich auch wegen de Semana Santa. In der Dunkelheit: Prozession nach Prozession. Warmlaufen für die großen Tage, die noch kommen.

Unterkunft in Alicante: Hotel “Mendes Nuñez”. Zentral in Altstadt. Sehr freundlicher Empfang. Hilfsbereit. Zimmer okay. Fahrrad in Keller gestellt.

Tag 172 (29.03.2017) / Spanien: Jerez de la Frontera -> Zahara de los Atúnes

Strecke: 103 km (09:30 – 19:30 Uhr)

Eigentlich wollte ich nicht so schnell wieder asphaltierte Wege verlassen. Es war aber unvermeidlich. Das spanische Straßenverwirrspiel hatte ich immer noch nicht durchschaut. Ganz plötzlich verwandelte sich eine Nationalstraße, die ich mit dem Rad befahren durfte, in eine Autobahn. So schnell konnte ich mein Rad gar nicht in ein Auto umrüsten.
Also: immer wieder durch Pampa.

Es ging gut. Keine Schlammpiste. Die Sonne buk jetzt wieder alles fest. Auch die Waldwege.

Die andalusischen Kleinstädte auf dem Weg zum Meer wirkten amerikanisch: Mall-Straßen. Nichts für Fußgänger.

Stadtwald

Nach einigem Zickzack den Atlantik erreicht. Endloser Sand.

Sandstrand

Schöner wurde es mit den Klippen.

Mädchenstrand

Ein mit Rad befahrbarer Wanderweg ließ herrliche Aussichten zu.

Felsenstrand

Unweit des historischen Leuchtturms von Trafalgar (draußen auf dem Meer fand die Schlacht statt!) parkte ich mein Fahrrad. Sand hatte die Straße zum Turm gefressen.

Fahrradstrand

Waren wohl Engländer, die da siegreich im Sand lagen, sich von der Sonne braten ließen und auf das spanische Monument blickten.

Fußstrand

Die spanischen Städtchen unterwegs wie leergefegt. Klar, es war Mittag. Nur: Die Sonne brannte noch nicht sommerheiß. Höchstens 19 Grad. Und trotzdem niemand in den Straßen.
Geisterstädtengleich.

Stadtleere 1
Stadtleere 2

Stadttore, die weder Ein- noch Ausgang waren.

Stadtleere 3

Ab jetzt wurde es hart! Gegenwind! Viel zu schwach das Wort: Gegenturbulenzen. Oder: Gegensturm.
Ich kam kaum noch voran.

Strandaufwärts

Die letzten 15 Kilometer bis zu meinem Zielort – Zahara de los Atúnes – waren die reinste Plackerei.

Fast nur im 1. Gang gefahren. Selbst wenn es mal nicht bergauf ging.

Zaharas Dünenstrand schlummerte bereits im Abendgold als ich ankam.

Dünenstrand

Immerhin ein sehr gutes Restaurant gefunden. Fantastisch gegessen. Doch immer wieder auf die Fischauslage gestarrt.
Ein stolzes Exemplar Corvina war auf Eis gebettet und schaulustig ausgestellt.

Strandgut

Je länger der Abend und je größer die Weinrechnung fragte ich mich, ob dies würdevoll war. Immer wieder kamen Einheimische an die Vitrine, um das tote Tier zu bestaunen. Stolz schwang in ihre Stimmen. Ältere Fischer zeigten jüngeren Kollegen gestenreich, welch guter Fang dies gewesen sei. Sie hatten offensichtlich Ehrfurcht vor dem Fisch.
Er war ein Wesen.
Nur: Haben Wesen nicht Seelen?

Das war mehr als eine rhetorische Frage. Offensichtlich strahlte das tote Tier eine Würde aus, die selbst die Einheimischen, die vom Fischtöten lebten, empfanden.

Aber wurde die Würde des Tieres hier nicht verletzt? Durch die Show, die mit ihm betrieben wurde? Durch das Ausstellen?
Fisch, Fangen, Töten, Auf den Teller: Alles okay.
Aber dieses Prachtexemplar in der Vitrine aufbahren?
Leichenschau! Leichen-Show?

Also zurück: Wurde die Würde verletzt?
Und wenn ein Viech Würde hat, hat es dann auch eine Seele?

Klar: Kein Fisch vermisst einen toten Fisch. (Ist das so klar, selbst in einem Riesenschwarm?)
Ich stelle mir diesen Meeresbewohner in der Vitrine lebend vor – wie er stolz im Meer schwamm.
Nur die Erinnerung macht einen Toten zum (ehemals) Lebenden. Ohne Erinnerung hat niemand gelebt.
Und jetzt erinnerte ich mich an diesen Fisch, wie er vor der Küste schwamm. Haben Fische auch Erinnerungen?

Ich sackte immer tiefer in die Fischphilosophie ein. Sollte ich nicht eine neue philosophische Schule gründen?

Ich ging spät schlafen

Unterkunft: “Hospedería Zahara”. Zentrumsnah. Appartmentblock. Praktisch eingerichtet. 32 Euro ohne Frühstück. Fahrrad im Zimmer abgestellt.

Tag 89 (27.10.2105) / Frankreich: Le Conquet > Guissény

Strecke: 75 km. (09:15 – 18:15)

Unterkunft bei Guissény: Auberge de Keralloret. Etwas versteckt, 4 km landeinwärts. Umgebauter Bauernhof. Sehr friedliche Stimmung. Superfreundliche Patronin. Starke (und gewichtige) Frau. Sie war stolz auf ihren Laden. Im angeschlossenen kleinen Restaurant: nur Hausgemachtes. Eine Wucht! Ich war begeistert von der Unterkunft. (69 Euro ohne Frühstück).

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Im Reiseführer wurde Le Conquet als eher belanglos beschrieben.
Manchmal schreiben auch Kenner Blödsinn. Le Conquet ist schön gelegen,

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Bei Ebbe wird niemals geputzt

hat neben einem relativ großen Hafen einen kleinen netten Dorfkern mit ein zwei guten Restaurants und einen Markt,

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Lebendwaage

der viel Frischware anbietet und den die Einheimischen zahlreich besuchen.

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Gemüse und Obst fürs Auge

Fremde hab ich hier keine gesehen.

Von Le Conquet bin erst einmal gegen meine Fahrtrichtung geradelt. Knapp fünf Kilometer südlich liegt “Saint Mathieu”. Für die Bretonen ist hier das “Ende der Welt”. Finistère.

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End of the world

Ich war schon an so vielen Orten dieser Welt, die sich “Ende der Welt” nennen, doch merkwürdigerweise nistete sich hier tatsächlich das Gefühl ein, das Weltende erreicht zu haben.
Ich habe lange darüber nachgedacht, warum, und hab’ nur eine Erklärung gefunden.
In diesem Landstrich (der sich offiziell Finistère nennt) wirkt vieles Sehr Sehr Schwer. Die Granit-Steinhäuser, die Granit-Wegkreuze an jeder Ecke, die Granit-Kalvarienberge, die Granit-Kirchen….

Granit, Granit … Ein Stein für die Ewigkeit und genauso für die Endlichkeit. (Und sei es nur die Angst vor ihr.)

Auf dieser Gegend lastet eine Schwere – wie ein Schutz gegen das Ungeheuer Meer. Da draußen kann es jeden sofort verschlingen: End of the world.

Dafür war es heute ziemlich friedlich.

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Klippenpracht

Am Morgen hatte es noch stark geregnet. Dann aber kämpfte sich die Sonne zurück und zwang das Wetter wieder freundlich-herbstlich zu sein. Ein bisschen jedenfalls.

Riesige Strände.

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Weißer Strand

Kein Mensch.

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Weißer Strand mit roter Einfassung

Auf der Weiterfahrt zahlreiche Buchten. Und Stichstraßen, die im Nichts (= Meer) endeten.

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Weg ins Ende

Ich trödelte ein wenig, ließ mich von dieser radikal schönen Küste zur Langsamkeit agitieren –

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Weg am Rande des Endes

wobei – das Meer hatte sich vor Stunden zurückgezogen und kehrte nun mit Macht zurück.

Das Meer kommt zurück

Das Meer kommt zurück

Ich fuhr Umwege, immer küstennah, hielt mal da mal dort. Fotografierte diese beiden alten Häuser und erlebte eine Überraschung.

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Häuser am Rande des Weges zum Ende

Ich knipste mit meinem Weitwinkel und erntete einen entsetzten Schrei. Genau in dem Moment, als ich abdrückte, öffnete sich ein Fenster und eine Mädchenstimme zetere. Wie ertappt. Wie wütend. Wie überrascht. Wie … ich weiß nicht wie…

Ich konnte nichts erkennen, habe mir erst am Abend das Bild genauer angesehen und das Schwarze Fenster am Computer heraus vergrößert. Erst da sah ich, dass sich in dieser Finsternis eine halbnackte (nackte?) Frau aufhielt, stark tätowiert und … ja was … erschreckt zu mir schaute ?

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Mysterious Girl

Ich hätte zu gerne gewusst, was diese Gestalt dazu bewegt hatte, nachmittags gegen drei Uhr zum ersten Mal am Tag das Fenster zu öffnen und mit dem Sonnenstrahl, der in das Zimmer fiel, in dem sie sich aufhielt (allein?), und mit meinem Knipsgeräusch sich ertappt fühlte, bei was ? ….. Sekunden später schloss eine blondmähnige Frau das Fenster, das immerhin hatte ich noch am (Tat?)Ort erkannt.

Was hätte Hitchcock aus so einer Szene entwickelt (“Fenster zum Hof”) ?

Ich hatte genügend Zeit darüber nachzugrübeln. Meine Fahrt wurde nämlich lang und länger. Selbstverständlich war ich davon ausgegangen, dass es in dieser eigentlich touristischen Gegend zumindest in den Kleinstädten offene Hotels geben müsste. Weit gefehlt. Ich radelte wie bekloppt und mit aller Kraft um weiterzukommen. Die Sonne war schon untergegangen, als ich dann doch noch eine Herberge fand.

Ein Juwel! Ein umgebauter Bauernhof – ein richtig guter Landgasthof. Hier war definitiv die Welt nicht zu Ende.

Angekommen

Angekommen

Tag 86 (24.10.2105) / Frankreich: Quiberon > Concarneau

Strecke: 102 km. (09:30 – 19:30)

Unterkunft in Concarneau: Hotel Les Oceanides. Winziges Zimmer. Heruntergekommenes Mobiliar. Aber alles sauber. Nicht weit weg von Zentrum. Nette und auch hilfsbereite Patronin. Hotel – wie alle nach denen ich geschaut hatte – völlig überteuert. 72 Euro (ohne Frühstück).

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War heute mit Abstand die anstrengendste Etappe im Land der Grande Nation. Waren keine Berge, die ich raufklettern musste, nicht mal anständige Hügel. Nur Klippen. Rauf und runter. Am Abend hatte ich Krämpfe vor Anstrengung. Und war überhaupt froh, noch bei etwas Tageslicht angekommen zu sein.

Der Reihe nach: Am Morgen war mir immer noch den Geschmack des gestrigen fantastischen Abendessen in Erinnerung: Eine Riesenplatte bretonischer Meeresfrüchte.

Mein Restaurant-Tisch war mit einem OP-Besteck bestückt worden, damit ich all die Muscheln, Meeresschnecken, Krabben, Garnelen und Austern fachgerecht sezieren konnte.

Ich gab mir reichlich Mühe (sah aber später aus wie ein Arzt nach ziemlich blutiger Operation).

Das Skalpell bitte !

Das Skalpell bitte !

Muss die nächsten Tage dringend meine Klamotten mal durchwaschen.

Der Tag leicht diesig, mal sonnig, meist schattig. Und kalt.
Das störte aber die Strandjungs in ihren fliegenden/rollen Sand-Surf-Kisten überhaupt nicht.

Segel kratzt Himmel

Segel kratzt Himmel

Erster Kurzaufenthalt in Saint Louis / Bretagne.
Ein sympathischer Hafenort, der sich besonders im Morgenlicht schick macht.

Morgenlicht

Morgenlicht

Wie fast alle Orte, Städtchen, die ich durchradelte, schien mir auch St. Louis zuerst menschenleer.
So viele Straßen in denen kein Lebewesen zu sehen war.
(Wo sind denn die Franzosen? Hinterm Ofen? Den ganzen Tag?)
Dann aber den Dorfmarkt entdeckt. Wenigsten ein paar Einheimische zu Gesicht bekommen.

Crowded

Crowded

In St. Louis die Fähre genommen zur Stadt Lorient am anderen Ufer des Flusses. 1, 50 Euro das Ticket.

I love my bike

I love my bike

Mein Fahrrad und ich die einzige Last.

Flag of french fathers

Flag of french fathers

Durch Lorient durchgekämpft, die richtige Ausfahrt mehrmals verpasst, dann den Landweg gefunden und mich gegen den Wind müde gefahren.

Lange Sandstränge ignoriert…

too much sand

too much sand

… und immer nur gerade ausgefahren. Bis es nicht mehr weiterging.
Mein Handy-Navi hatte mir hier eine Brücke angegeben.
Nicht mal ein Schlauchboot fuhr an dieser Stelle von einem zum anderen Ufer.

no connection

no connection

Also wieder einen Umweg gefahren, bis (weit im Hinterland) eine Brücke mich erneut in die Spur brachte.

Fast mit dem letzten Licht mein Tagesziel Concarneau erreicht.

begrünter Hafen

begrünter Hafen

Fürchterliche Stadt. Hatte Schwierigkeiten ein Restaurant zu finden. Es gab genügend, aber fast überall wurde ich abgewiesen, da niemand einen Tisch mit einer Einzelperson besetzen wollte.
Hier brummte der Binnentourismus. Und hier waren Franzosen ausschließlich in Gruppen unterwegs. Und möglichst billig und laut.
(Warum dann aber die Hotel- und Restaurant-Preise jeden Rahmen sprengten, erschloss sich mir nicht.)

Kulinarisches Brevier: Albanien

Die paar Tage in Albanien reichten, um mich von der einheimischen Küche zu überzeugen. Von derb, kräftig bis fein und exquisit: Alles dabei. Nie Schnickschnack. Das Produkt immer im Vordergrund. Das ist in Albanien – ob Fleisch, Käse, Fisch oder Meeresfrüchte – immer von einer ausgezeichneten Qualität.

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“Ddjathë feta” (Schafskäse mit Pita – Brot auf offener Flamme geröstet). Beides köstlich.

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„Antipasta“ (Frühlingsrolle mit Spinat gefüllt; Mit Reis gefülltes Weinblatt; Kartoffelauflauf.)
Alles sehr fein zubereitet. Mit viel Genuss verzehrt. 200 Lek (1,40 Euro).

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„Trofte e Eger“ (Gegrillte Wildforellen). Absolute Köstlichkeit. Superzart. Haut resch.
1200 Lek (8,50 Euro).

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„Mish Mix“ (Grillplatte mit Hähnchenbrust, Lamm, Schwein, Salcicca, Speck). Ebenfalls am offenen Feuer zubereitet (Klasse. Nicht die Spur von zähem Fleisch).
1000 Lek (7 Euro).

Alle vorgenannten Gerichte: Restaurant “Tradita” in Shkodra. Außerordentlich gutes Lokal, das viel Wert auf Auftritt und Qualität legt. Sehr empfehlenswert.

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„Supe peshku“ (Fischsuppe) 250 Lek (1,75 Euro).

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„Spaghetti me te zeze, sepje e fruta deti“ (Spaghetti mit Tintenfisch und Meeresfrüchten).
600 Lek (4,25 Euro).

Sowohl Suppe als auch (die verkochten) Spaghetti hatten die gleichen Einlage: etwas gummiartige Meeresfrüchte und ein paar Fischfetzen.

Beide Gerichte: Hotelrestaurant Continental in Vore. Gesichtsloses Geschäftshotel mit angeschlossenem Restaurant. Lieblose Zubereitung der Speisen. War mir an diesem Abend aber egal. Ich war froh, überhaupt etwas gefunden zu haben.

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“Sup pule”  (Hühnchensuppemit Hühnchenfleisch). Ausgezeichneter voller Geschmack.

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“Lakror ose yohmer” (Kartoffelauflauf) mit “Kas dele” (Schafs-Jogurth). Überraschend gut.

Beide Gerichte: Taverne “Lela” in Hafennähe in Vlore. Niemand sprach verstehbares Englisch. Nur Einheimische im Lokal. Supernetter Wirt. Es gab keine Speisekarte auf Englisch, also brachte er mir einfach etwas aus der Küche. Später schrieb er mir auf, was ich gegessen hatte, so konnte ich mit einer Übersetzungshilfe entschlüsseln, was es ungefähr war. Für alles zusammen (inklusive einem Glas Weißwein) kassierte er 850 Lek (6 Euro).

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“Djathë skuqur feta” (Gebratener Schafskäse). Klasse intensiver Geschmack. 350 Lek (2,50 Euro)

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Tintenfisch in Zitronen-Tomatensoße. Köstlich zubereitet. Sehr zart. 1100 Lek (7,80 Euro).

Beide Gerichte im Restaurant “Piazza Restoran” an der Hafenpromenade in Himare. Familienbetrieb. Sehr rustikal. Die ganze Familie verzehrte ihr Abendbrot an einem großen Tisch. Ich war der einzige Gast.

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„Supe peshku“ (Fischsuppe). Gut zubereitet. Wieder mal anders: nicht klar, eher sämig – mit kleinen Fischfetzen. 400 Lek (2,85 Euro)

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„Ngyala“ (Gebratener Aal. Köstlichkeit. Bei weitem nicht so fett wie die deutschen Aale, die ich bisher gegessen habe. Vielleicht war das Fett auch herausgebraten. Aale  nicht so dick, eher schlank. Ich war begeistert. 900 Lek (6,40 Euro).

Beide Gerichte: Taverne “Peshku Gerthela” in Saranda. Gutes Lokal. Hatte aber das Pech, dass eine deutsche Reisegruppe anwesend war und mit Hossa  Hossa Gesängen mich völlig nervte.

Tag 38 (24.03.2015) / Kroatien: Zadar-> Sibenik

Strecke: 75 km (08:00 – 15:30)

Hotel Jadran in Sibenik. Wohl seit Jahrzehnten nicht mehr renoviert. Leider mieser Standard. Dafür wirklich überteuert. Liegt aber super, nahe der Kathedrale. Fahrrad im Foyer untergebracht. (59 Euro mit Frühstück.)

Strecke begann sehr leicht. Völlig flach.

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Erst nach zwei drei Stunden die ersten Hügel und Ausblicke auf die Inselwelt vor der Küste.

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Inseln am Horizont

Gegen Ende dann bergig und mit einer langen Brücke über einen Fjord.

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Sibenik am Horizont

Sibenik schön. Verwinkelte Altstadt mit einer Weltkulturerbe-Kathedrale, die aber gerade innen restauriert wird. Alles eingerüstet.

Sibenik - Weltkulturerbe

Sibenik – Weltkulturerbe

Abends in einer Kneipe in Marktnähe essen gegangen. Nur Männer, nur Einheimische. Alle aßen Fleisch, keinen Fisch. Ich bestellte mir Kohlrouladen. Köstlich. (Der Kohl schmeckte fast schon nach Sauerkraut. Die Füllung: Hackfleisch mit Reis. Dazu Kartoffelstampf.)

Kurz zuvor hatte mich die Nachricht vom Absturz eines deutschen Flugzeugs über Frankreich erreicht. Rund 150 Tote. Obwohl weit weg, konnte ich mich von dieser Katastrophe nicht freimachen.

Tag 31 (17.03.2015) / Kroatien: Poreč -> Rovinj

Strecke: 36 km (8:30 – 14:15)

Hotel Eden – am Stadtrand. Tito-Bettenburg. Völlig gesichtslos. Aber in der Altstadt hatten alle Unterkünfte zu. 62 Euro mit Frühstück. Fahrrad durfte ich nicht mit reinnehmen. Kettete es draußen vor dem Hotel an ein Geländer an. Desinteressiertes Personal.

Strecke 0031-Kroatien-Porec-Rovinj

Poreč auch am morgen danach leer. Niemand, der Brötchen orderte, einen Kaffee an der Theke trank, die Zeitung holte.

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Suchbild ohne Mensch

Das Städtchen im Dornröschenschlaf bis Ostern. Dann wird auch kein Röschen mehr schlafen können. Dann werden Zehntausende Touristen kommen.

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Porec

Die heutige Tour kurz, dafür anstrengend. Stets hoch bergauf und tief bergab.
Spektakulär der Limski-Kanal. Ein kroatischer Fjord. Laut Reiseführer sollten auf dem Weg dorthin Dutzende Austernlokale die Besucher locken. Mich lockte keines. Nicht mal Wasser konnte ich mir unterwegs besorgen. Kein Geschäft, Lokal, Imbiss auf. Ich fuhr durch trockenes Land.
Schöne Gegend dennoch.

Apatschen-Land

Fehlte nur, dass ich Huckleberry Finn, Old Shatterhand und Nscho-tschi begegnete. Aber die kommen wahrscheinlich auch erst über Ostern.

Winnetou-Farben

Winnetou-Farben

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Keine Goldgräber – nur Austern-Fischer

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Klar, dass man hier Huck&Finn Filme drehen könnte

Recht früh in Rovinj angekommen. Die Stadt noch leerer als zuvor Poreč. Am Abend fast verzweifelt. Hatte meinen Reiseführer aufmerksam studiert und mich auf gute Restaurants gefreut. Aber jede einzelne Empfehlung mit einem Schild vor der Tür: Offen erst wieder ab Ostern.
Selbst das angeblich beste Restaurant Istriens.

Möglicherweise bin ich ein Luxusgeschöpf geworden. Aber mir verdirbt es die Laune, wenn ich nichts Gutes zu Essen – und auch nichts Gutes zu Trinken bekomme. Nicht einmal ein offenes Geschäft, in dem ich mir eine anständige Flasche Wein hätte besorgen könne, um sie am Strand zu leeren. Ich stand vor einem unlösbaren Problem. Und ich fragte mich, wie kann ein Städtchen überleben, wenn es nur von Ostern bis zu den Herbstferien Saison hat, die restliche 6 Monate aber im Tiefschlaf versinkt?

Was machen die Kellner, die Köche, die Fischer und Lieferanten in der Stillstandszeit?
Gibt es keine Einheimische, die es mal nach draußen lockt, zum Schäkern in ein Café, zum Grölen in eine Kneipe oder nur zum Championsleague-Gucken an der Theke?

Ich traf niemand in diesem so außerordentlich schönen Mittelmeer-Geisterstädtchen, der mir diese Frage hätte beantworten können.

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Nicht die Schokoladen Seite

Die Schokoladenseite sieht so aus

Die Schokoladenseite sieht so aus

Notgedrungen ging ich indes in das einzig geöffnete Lokal. Ein Balkangrill, wie es ihn in Deutschland in den 70er Jahren tausendfach gab. So schmeckte es auch. Fettig, ein wenig scharf, ein wenig lieblos und ziemlich geschmacklos.

Ich hatte schon bessere Tage.