Meer Europa

Schlagwort Archiv: Fähre

Tag 317 (16.07.2019) / Norwegen: Nesna -> Vevelstad

Strecke: 73 km mit dem Fahrrad. 

Dazu 2 Fähren mit ca. 24 Kilometern. (10:15- 19:45 Uhr)

Nach dem gestrigen Tag, der mich fast völlig ausgelaugt hatte, ging ich es heute etwas gemütlicher an. Spät erst brach ich auf. Der Tag lud eh zum Bummeln ein. Die Sicht war grau, diesig. Es war kalt. Meine Unterkunft war eine Katzensprung vom Fährhafen in Nesna entfernt. Die Überfahrt nach Levang ging schnell. Der dortige Anlegestelle – wie so häufig – im Niemandsland. Ein Verladesteg. Eine Schlange von wartenden Autos und Caravans. Ein, zwei Häuser. Sonst nichts.

Unterwegs: immer wieder ein paar Siedlungen an den Fjordufern. Ich weiß nicht, ob man bei der Ansammlung einiger Häuser von einem Dorf sprechen kann. Es gab keine Mitte, kein Marktplatz, keine Kirche mit Kirchplatz. Die Häuser standen eher neben einander. Anwohner waren so gut wie nie auf der Straße. Auf dem Wasser manchmal ein paar Fischer oder Angler. Aber ansonsten: Landschaft und Meer ohne Menschen.

Die Küste: ein Gewirr aus Inselchen und Inseln.

Über Land fahren hieß oft: über Brücken fahren. Manche waren spektakulär konstruiert. Eine – die Helgelandbrücke – führte scheinbar aufs Meer, nutzte eine Landzunge im seichten Ozean, um sanft auszulaufen.

Auf der zweiten Fähre sah ich zufällig einen Prospekt, der die Ferien-Unterkünfte der Gegend aufreihte. Ein Gästehaus in der Nähe der schönen Kirche in Vevelstad hatte noch ein Zimmer frei.

Das Haus entpuppte sich als Wunderkiste. Liebevoll im alten Stil eingerichtet. Eine Herberge mit 5 Zimmern.

Die Wirtin kochte selbst – aber nur auf Vorbestellung. Da ich spontan geklingelt hatte, bekam ich nicht das Menü ab. Die Wirtin kramte aus dem Gefrierschrank dafür einen exzellenten Bacalao-Eintopf hervor, kochte ihn vorsichtig auf, würzte und schärfte ihn noch etwas.

Selten einen so schmackhaften (getrockneten und gesalzenen) Kabeljau gegessen. Mit Kartoffeln und Zwiebeln. Portugiesische Klippfischküche im hohen Norden.

Überhaupt die Wirtin: Sie schaute einen listig an, war schlagfertig, juxte viel und war stolz auf ihre Unterkunft. Erklärte gerne die vielen Details der sorgfältig ausgewählten Einrichtung. Fast alles Erinnerungsstücke. Aber nichts, rein gar nichts war muffig. Alles strahlte heiter. So wie die Wirtin. Es schmeichelte ihr, wenn man ihre Kochkünste lobte. Dann seufzte sie tief und zufrieden.

Im kleinen Speisesaal nur Deutsche: ein Männerpaar aus München und ein Blogger (hab vergessen woher), der neue Wanderwege suchte.

Wir zogen uns nach dem Essen gemeinsam ins “Entrée” genannte Herrenzimmer zurück. Berauschten uns an dem, was wir alles schon in Norwegen gesehen hatten.

Tag 316 (15.07.2019) / Norwegen: Ornes -> Nesna

Strecke: 150 km mit dem Fahrrad. 

Dazu 3 Fähren mit ca. 44 Kilometern. (07:15- 00:30 Uhr)

Fährentag. Kurz nach 7 Uhr in Ornes auf das Schiff, das mich (und zahlreiche Autos) nach Vassdalsvik brachte.

An Bord wollte ich schnell einen Kaffee trinken. Aber der Automat akzeptierte keine Visa-Karte. Nur Münzen. Zum ersten Mal überhaupt, seit ich in Norwegen unterwegs war, wurde Cash verlangt. Hatte natürlich kein Kleingeld. Also kein Aufwachkaffee.

32 Kilometer geradelt, schon wartete die nächste Auto-Fähre. Ein Haifisch-Monstrum. Irrsinnig – wie viel Geld Norwegen in die Brücken- und Fähren-Infrastruktur steckt. Aber anders ist dieses Insel-, Halbinsel-, Berg-Land nicht zu erschließen.

Die Sonne kämpfte über der Wolkenschicht, um mich Norwegenfahrer zu grüßen und auch ein bisschen aufzuwärmen. Bekam aber kein Licht-Strählchen durch die grauweiße Totalblockade. Ich fror.

Erst heute fiel mir auf, dass das Meer in Norwegen nicht rauschte. Die Fjorde seenhaft ruhig.

Alles, was ich hörte, war das summende Rollen meiner inzwischen völlig abgefahrenen Fahrradreifen.

Bizarre Spiegelungen an den Fjordenden. Ich hatte das Gefühl jeden einzelnen Fjord Norwegens auszufahren.

Schon bald wartete die dritte Fähre. Von Jektvik nach Kilboghamn. Sie fuhr lang.

Und kreuzte genau hier, an diesem grau-grünen Berglein den nördlichen Polarkreis.

Eine Weltkugel am fernen Ufer zeigte den genauen Punkt an.

Das halbe Schiff stapfte auf Deck, um sie (den weit weit entfernten “Punkt” auf der gegenüberliegenden Küstenwiese) zu fotografieren.

Dann noch mal 90 Kilometer bis nach Nesna. Ich hatte auf dem dortigen Campingplatz angerufen und gefragt, ob es noch ein Zimmer oder eine Hütte gäbe. Treffer. Das Problem: Die Rezeption schloss bereits um 19 Uhr, ich aber war noch 60 Kilometer entfernt und es war bereits 18:30 Uhr. Der Rezeptionist war supernett. Sagte, er würde die Tür zu dem Zimmer offen lassen und den Schlüssel aufs Bett legen. Ich solle mir keine Sorgen machen. Machte ich mir nicht.

Und (ich wiederhole mich) hatte der Tag die höchste Schwierigkeit bis zum Schluss aufgehoben. Es ging steil auf rund 350 Meter hoch. Die meiste Zeit (1 Stunde) schob ich. Hatte keine Kraft mehr.

Auf dem Pass Stille Stille Stille. Kein Zikadenlärm (gibt’s hier gar nicht), kein Fledermausgefiepe (gibt’s hier gar nicht?), kein Eulenflügelschlag. Nichts. Stille. Die Sonne war untergegangen. Endlich wieder so etwas wie Nacht, auch wenn der Horizont feurig glühte.

Unter mir lag Nesna

Ich musste nur noch rollen lassen.

Und kam nach 150 Kilometer Strampeln eine habe Stunde nach Mitternacht an. Grandios erschöpft.

Tag 261 (13.04.2018) / Rumänien: Tulcea -> Galati

Strecke: 83 km (10:30 – 18:00 Uhr)

Beim Losfahren blockierte wiedermal mein Hinterrad. Das Schutzblech war auf den Reifen abgesunken und bremste ihn. Ich hatte Mühe, das wieder zu richten. Das Blech ließ sich nicht richtig fixieren. Mit Ach und Krach ging’s dann doch.
Die Strecke Richtung moldawischer Grenze unspektakulär. Nur selten kam ich der Donau spucknah.

gedoppelt

Die Donau-Ortschaften einfach.
Die drei Damen, die an einem Dorfeingang Honig, Selbsteingemachtes und selbstgebraute Getränke verkauften, ließen sich erst fotografieren, nachdem sie sich hübsch gemacht hatten.
“Zieh dein Kopftuch aus dem Gesicht” – hatte die eine zur andern gerufen. Und alle drei haben gelacht und sich nach dem “Fotoshooting” bekreuzigt.

Die drei Damen von der Schankstelle

Kurz bevor ich die Fähre zur Donauhafenstadt Galati erreichte, passierte es.
Ein Schlag – und wieder blockierte mein Hinterrad.
Jetzt war ich gezwungen, genauer hinschauen.
Der Gepäckträger war gebrochen. Die Aufhängung des Schutzbleches hinten ebenfalls. Das Lichtkabel gerissen.
So war kein Weiterkommen.
(Schon vor 2 Tagen hatte ich das Schutzblech über der Kette verloren und noch ein paar andere Wehwehchen am Rad entdeckt. Offensichtlich war es den Belastungen der Tour nicht mehr gewachsen. Ich musste hoffen, die Tour noch irgendwie zu Ende bringen zu können.)

Ich hatte dennoch Glück im Unglück, dass das Ganze kurz vor der Fähre passiert war. Ich schob das havarierte Gerät bis zum Fluss. Löste das Ticket und setzte über.

so fern, so nah

Auf der anderen Seite der Donau sattelte ich die Gepäcktaschen ab. Lud alles in die Reisetasche um.

so kaputt

Schulterte das gesamte Gepäck, fixierte den Gepäckträger mit 2 Spannseilen, so dass ich wenigstens fahren konnte, und strampelte die letzten 4 Kilometer bis zu meinem Hotel in Galati.

18 Uhr – alle Geschäfte zu – ich musste hoffen, morgen (Samstag) eine offene Werkstatt zu finden.

Der Blick aus meinem Hotelfenster auf das Donauufer gegenüber entschädigte mich ein wenig.

am andern Ufer

am andern Ufer 2

Galati interessant, jung, voll. Ich war aber zu müde, um den Trubel zu genießen.

Unterkunft: Hotel Falezza. Toll am Donauufer gelegen. Grandioser Blick auf das Donautal. Modernisierter Plattenbau. Etwas schwierig die Kommunikation mit der Rezeption (kein Englisch). Fahrrad draußen angekettet. 45 Euro (mit Frühstück).

Tag 231 (14.03.2018) / Griechenland: Agiokampos Porto -> Volos

Strecke: 78 km (08:00 – 16:00 Uhr)

Ein paar Pendler “bevölkerten” die Kantine der Fähre. Oben – obwohl schönstes Morgenwetter – war ich mit dem Himmel allein.

Leergut

Eine halbe Stunde – und ich betrat in Glifa wieder griechisches Festland. Noch schnell einen Kaffee getrunken (hier lieben sie ihn parfümiert mit Vanille) – und ab.

von nun an ging’s bergauf

Der Südosten Thessaliens eher dünn besiedelt. Landwirtschaft, Fischerei, Tourismus – und stimmungsvolle Runterblicke.

Mittagsglut

Herrliche naturbelassene Olivenhaine mit explodierendem Blüten-Rot.

Lieblingsrot

Relativ früh in der rausgeputzten Provinzhauptstadt Volos angekommen. Jung, studentisch, rammelvolle Promenaden.

angekommen

Unterkunft: Hotel Elektra. Stadtzentrum. Etwas in die Jahre gekommen, aber völlig in Ordnung. Fahrrad in Abstellkammer untergebracht. 43 Euro (mit Frühstück).

Tag 230 (13.03.2018) / Griechenland: Rovies -> Agiokampos Porto

Strecke: 37 km (10:30 – 15:15 Uhr)

Ich bummelte. Frühstückte spät (9:15 Uhr) – und schaute dabei auf das “veschneite” Festland.

eisige Aussicht

Das Apartmenthaus hatte einen netten Strandzugang.

kieseliger Strand

Gegen halb 11 trödelte ich langsam los. Entlang der Küste.

Dead End

Ich hatte nur vergessen, vorher in die Karte zu schauen.

Fußbefeuchter

Nach 2 Kilometern war Schluss. Bächlein. Ich hatte keine Lust mir nasse Füße zu holen. Also wieder zurück und durch Olivenhaine zur Hauptstraße.

Adresse: Olivenweg

Hügel rauf, Hügel runter. Nicht besonders anstrengend. Schöne Blicke auf einsame Fischernester.

Down-Town

Vorsaison. Sogar die Boote noch in den Garageneinfahrten eingemottet und noch nicht ausgepackt.

eingeparkt

Nur 1 fleißiger Junge spielte schon ein wenig Hauptsaison …

Boots-Blockade

und brachte mitten auf der kleinen Hauptstraße des Dorfes sein Schiff auf Vordermann.

verhüllt

frisch beschriftet

Ich bummelte zu sehr. Fuhr nach Agiokampos rein, als die letzte Fähre gerade ablegte.

no ticket

Eigentlich wollte ich da mit, rüber zum Festland. Mein Reiseführer hatte behauptet, dass sie hier bis 18 Uhr ablegten.
Stimmte nicht, 15 Uhr ist Schicht.

away it goes

Also saß ich fest.

Dorf ohne people.

Leerstand

Immerhin fand ich eine Unterkunft. Ich = einziger Gast.

für mich allein

Das Dorf noch in Endzeitstimmung:

Schlammwasserwelt

Hoffte auf Erlösung:

SchildfürBürger

The day will come:

Sit down

Ab Ostern spült das Meer auch hier Massen an.
Solange musste der schlechtrasierte Restaurantbesitzer – (immerhin hatte etwas offen!) – nur für mich kochen. Er frittierte ein paar kleine Eisfach-Fische. Während draußen ein Stürmchen über Wasser und Straße fegte. Gegen 18:30 bedeutete mir der freundliche Patron: Schluss!

inside out

Ich ging früh (und ohne Internet) zu Bett.

Unterkunft: Hotel nahe der Anlegestelle. Ich klingelte und es erschien eine ältere Dame im Nachthemd (15.30 Uhr !!!!). Sie entschuldigte sich, und zog sich zurück und um. Kam wieder und öffnete mir ein kaltes Zimmer. Mit Meerblick. Völlig okay. Ich war der einzige Gast. Fahrrad vor der Tür angekettet. 35 Euro (ohne Frühstück).

Tag 225 (18.10.2017) / Italien: Rückfahrt nach Milazzo

Eine Woche war rum.
Warum?
Ich hatte wieder gelernt, langsam zu sein. Nichts tun – gar nichts tun. Erholsamer als jeden Tag 100 Kilometer abzustrampeln.
Ich musste aber meine Etappe zu Ende bringen. Also zurück. Frühmorgens mit der Fähre. Nicht mit dem rasenden Tragflügelboot. Ich wollte langsam Abschied nehmen, nicht fliehen.
Schweren Herzens tappte ich in völliger Dunkelheit hinunter zum Landesteg. Leuchtete mir mit der Handy-Lampe den Weg.

Nachtgespenst

Es graute, als die Fähre sich aus dem Hafen schlich. Selbst die Frühaufsteher Ginostras dachten noch nicht daran, ihr Haus zu verlassen. Völlige Stille.

Gerade das war es, an was ich mich so gewöhnt hatte.
Ginostra war still. Kein Straßenlärm. Kein Menschenlärm. Manchmal meldete sich die Natur, ein Zirpen, ein Zwitschern, ein Flattern, ein Maulen des Esels, ein paar unterscheidbare Stimmen. Manchmal hörte ich den Vulkan, wenn er rumpelte, rülpste, zischte.
Sonst nichts. Kein künstlicher Ton – nirgends. Kein Fernseher, der lief.
Doch – manchmal brummte mein Kühlschrank. Dann stellte ich ihn aus.

Herrliche Stille. Sie hielt die Zeit an.
Und jetzt lief sie wieder.

I come back

Die Fähre stampfte. Aber ich ignorierte das.
Ich war auf Deck – mal Bug mal Heck – und guckte.

Wie Inseln an mir vorbei schwammen.

Horizont-Schleiche

Wie Inseln von ersten Sonnenstrahlen gewärmt wurden.

Fels im stillen See

Wie mein geliebter Stromboli immer mehr Form bekam – zur reinen Idee wurde – zum Idealbild eines Vulkans.

O I do look back

Wie die Sonne kämpfte, ihr Morgenrot abzuschütteln.

Schwarz gegen Sonne

Wie Fährschiffe sich als Forschungsschiffe maskierten, um unbekannte Welten zu erkunden.

was gibt’s zu forschen?

Wie meine fast menschenleere Fähre Kurs ins Blaue nahm.

wake up

Wie die Hauptinsel Lipari sich führ meinen Empfang schick machte.

Ales liegt irgendwann aufm Horizont

Wie ganz plötzlich das Wache über das Schläfrige siegte.

Here comes the sun

Wie eine Stadt sich belebte.

Kirche immer on top

Gleich neben Lipari …

Slow

… lag Vulcano.
Der Vulkan ist nicht mehr aktiv. Die Erde schwefelt aber nach.

schwefelig

Schließlich siegte der Tag endgültig über die Nacht. Und ich war zurück in Sizilien.
Milazzo, das ich vor einer Woche verlassen hatte, nahm mich wieder freundlich auf.

Sizilien!

Ruhewoche Ginostra/Stromboli (12.-17.10.2017)

Der reiche Poet

Zimmer mit Aussicht …

… und Schreibtisch

Poetenausstattung

Im Laptop der neueste Band Elena Ferrantes (“Die Geschichte der getrennten Wege”). Im Kühlschrank immer ein gut gekühlter Tropfen.

angelehnt

Der Blick frei – frei aufs Meer. Auf die anderen Liparischen Inseln am nahen Horizont.

zickzack

Auf das Tragflügelboot, das auch mich hierhergebeamt hatte.

Füße gut gekühlt

Ginostra: Im Winter leben hier 30 Menschen. Im Sommer kommen manchmal 500 Touristen an einem Tag. Jetzt, in der Nebensaison, war der Ort fast leer.

Vielzack

Vor 40 Jahren war ich das erste Mal hier. Dann noch zweimal im Abstand von jeweils rund 10 Jahren.
Damals gab es noch keine Schnellboote, die hier anlandeten. Nur eine große Fähre, die weit außerhalb hielt. Fischerboote nahmen mich noch vor 20 Jahren draußen auf und brachten mich an die Steilküste, an der es nur einen Kleinsthafen (für 1 Fischerboot!) gab.
Mittlerweile ragt einen befestigter und robuster Landungssteg in die See.

Etagenbau

Aber noch immer ist der Esel das einzige Transportmittel in Ginostra. Es mühen steile Treppen hoch zum Dorf.

Zieh-Esel

Manche Gesichter erinnere ich noch. Wenn ich auch schnell beschloss, keine Einheimische zu fotografieren. Sie werden im Vierteljahresrhythmus von Fotografen regelrecht belagert.
Seit etwa 12 Jahren fließen Strom und  Wasser im Dorf. (Gab es vorher tatsächlich nicht!)
Strom: Dank einer Solaranlage in einer Bergmulde (versteckt).
Wasser: Dank großer Wassertank-Schiffe aus Neapel. (Früher so gut wie nur Zisternen-Wasser.)
Die Toiletten sind jetzt innerhalb der Häuser. (Früher Plumpsklos draußen.)

Und trotz unübersehbarer Modernisierung: Viel hat sich in Ginostra trotz Landungssteg, Strom und fließend Wasser nicht geändert.
Kein Internet. Keine Bank, kein Geldautomat, kein öffentliches Gebäude. Eine leerstehende Kirche, 2 kleine Läden, 1 offenes Restaurant (bis Ende Oktober).

Kein Auto, kein Fahrrad, keine Vespa.
Nur steile Wege …

scharfer Blick

… samt wunderschöner Häuser im traditionellen Stil.

geschliffene Kanten

erträgliches Rosa

 

eingekalkt

Götterthron

 

Lieblingsblau

Einst war der Ort ein Himmelsgeschenk. Zumindest was die Natur anbelangt. Die Vulkanerde fruchtbar. Der Wein, der auf kunstvoll angelegte Terrassen wuchs, berühmt.

stachelig

Obst und Gemüse im Überfluss.

dickhäutig

Bis ein heftiger Vulkanausbruch in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts fast alles zerstörte: Gärten, Häuser. Ginostra erholte sich nie wieder richtig. Verarmte.
Auf dem Friedhof, der über dem Dorf thront,

Am Fuße der Zeder

ist die Armut in den Gesichtern der Verstorbenen zurückgeblieben. Ausdrucksstarke Gesichter. Fast alle Toten waren Fischer, Bauern, Bäuerinnen, Mägde. Einige wenige: Lehrer, Bürgermeister, Postbeamte.

Erst in den 70er Jahren brachten erste Touristen ein bisschen Wohlstand für die wenigen dagebliebenen Familien. Auch wenn die Anreise für die Abenteurer beschwerlich war. Sie lebten damals – wie ich auch heute in Ginostra: Den Tag verbummeln. Ein bisschen Spazierengehen. Das Meer bestaunen.

Archaeopterix

Den Lauf der Sonne verfolgen.

Sonnenblume

Kurz vor Sunset zur Sciara wandern – der Lava-Rutsche des Vulkans. Eine Viertel Stunde von Ginostra entfernt.

Spuk

Mit etwas Glück …

Konfrontation

… das Feuerwerk bestaunen, das der Vulkan in schöner Regelmäßigkeit veranstaltet.
Zuhören wie die Lavabrocken und Steine über die Feuerrutsche ins Meer donnern.

Feuersterne

Ich hatte dieses Mal beschlossen, nicht zum Gipfel hoch zu wandern und dort zu übernachten. Ich hatte den Vulkan schon drei Mal bestiegen.

Lieblingsberg

Ich wollte nur faul sein. Nichts tun. Lesen, trinken, lesen, trinken. Den Tag vergehen lassen. Er tat es auch ohne meinen guten Vorsatz.

Tag 223 (11.10.2017) / Italien: Villa San Giovanni -> Milazzo

Strecke: 56 km (10:00 – 18:15 Uhr)

Mit der Fähre in weniger als einer halben Stunde die Straße von Messina gequert.

Inselhopper

In Messina selbst tobte ein heftiges Unwetter …

Regenfilter

… das sich bei der Anlandung Gottseidank bereits ausgepowert hatte. Ich entkam dem Regen.
Statt den kürzesten Weg querfeldein und hoch über die Berge (700 Meter Pass), wählte ich die längere bequeme Strecke, die sich um den Nordzipfel der Insel schlängelte. Immer dicht am Ufer.
Nach 3 1/2 Stunden lag Milazzo vor mir.

Regenfilter 2

Auch hier hatte das Unwetter losgedonnert- und mir als Erinnerung nur einen Regenbogen über der vorgelagerten Raffinerie zurückgelassen.

stairway to what? to whom?

Da ich viel früher als gedacht mein Etappenziel (Catania) erreichen werde, hatte ich gestern spontan beschlossen, eine längere Fahr-Pause einzulegen: auf der Vulkaninsel Stromboli. Ich fuhr gleich zum Hafen und besorgte mir ein Ticket für den nächsten Morgen.

Tag 212 (30.09.2017) / Italien: Grosseto -> Civitavecchia

Strecke: 123 km (09:15 – 18:15 Uhr)

Mühsam war der Beginn. Den direkten Weg zur Küste konnte ich nicht nehmen, der war nur Autos vorbehalten. Also musste ich mir kleine Provinzstraßen suchen. Die führten durch sehr welliges Hinterland. Ich war in der nicht sehr klassischen Toskana.

on the top

Maremma hieß die Gegend. Ich kannte sie von einem klingenden Weinnamen: Morellino di Scansano.
Scansano war nicht wirklich weit weg. 30 bis 35 Kilometer.
Aber was hätte ich dort getan?
Weinkeller leertrinken?
Am frühen Morgen?

Also kurvte ich weiter durch die italienische Agrarwelt.
Mal türmten sich Burgdörfer auf.

Unser Dorf soll schöner werden

Mal duckten sich kleine unscheinbare Weingüter hinter Herbstreben weg.

hoffentlich ein guter Jahrgang

Und dann kam eine meiner Lieblings-Viertelstunden: Vollen Schuss runter ins Tal. (Hätte ich lange Haare – sie wehten immer noch hinter mir.)
Bis ans Meer.

on the rocks

on the sands

Aber kaum unten, kletterte ich schon wieder rauf. Ansedonia hieß das Küstenkaff. Und schlängelte sich steil den Berg hoch. Das Meer bekam ich praktisch nich mehr zu sehen. Alles Villen – Millionärsverstecke. Fotografieren lohnte sich nicht. Mauern oder Buschmauern waren ihnen sicherer Sichtschutz.

exklusive Aussicht

Wieder unten im Tal führten autoleere Straßen durch ein herrliches Naturschutzgebiet.

Ein Viertel leer

Bald war auch Civitavecchia zu spüren. Ölig – der Geruch. Breit wurden die Straßen. Schmutzig die Einfahrt. Eine heruntergekommene Hafenstadt. Durchgangsstation, wie ich sie schon so oft durchfahren habe. Kaum ein Tourist bleibt hier länger als die paar Stunden, die er auf seine Fähre zu warten hat.

Und doch war die Stadt total liebenswert.
Pralles Altstadtleben.
Auf der Straßenterrasse der Weinbar, die ich mir ausgesucht hatte, waren alle Tische belegt. Also servierte mir der Wirt seine Empfehlungen auf eine freie Parkbank. Exzellenter Morellino. Exzellente Antipasti. Geld wollte er zum Schluss auch kaum. Nicht einmal den halben Preis akzeptierte er als Bezahlung. Es blieb sein Geheimnis, womit ich seine Großzügigkeit verdient hatte.

Ideale Kombi

Ich jedenfalls schrieb mir zum zweiten Mal auf der Reise in mein Notizbuch: Ich liebe Italien!
Und kleinen italienischen Dramen durfte ich auch noch zuschauen. (Waren es überhaupt welche?)

Auch ein Kombi?

Unterkunft: Hotel Porto Di Roma. Altstadt. Klein aber sehr fein. Grandioser Portier. Überschlug sich fast mit seiner Hilfsbereitschaft. Fahrrad in Abstellkammer untergebracht. (60 Euro mit Frühstück.)

Tag 196 (22.04.2017) / Frankreich: Saintes-Maries-de-la-Mer -> Marseille

Strecke: 107 km (09:15 – 18:00 Uhr)

Vor schätzungsweise 35 Jahren hatte ich schon einmal Saintes-Maries-de-la-Mer besucht. Damals ein verschlafenes Nest, das außerhalb der berühmten Wallfahrt der Zigeuner wie eingemottet wirkte.
Wie sehr hat sich das einstige Fischernest verändert. Parktisch kein Haus, das nicht zum Restaurant, zur Bar, zum Souvernishop ausgebaut wurde. Der alte Hafen zum Yacht-Marktplatz erweitert. Erneut demonstrierte der Massentourismus seine egalitäre Kraft: Alles sah gleich aus. Wie überall. Es war schwierig, überhaupt noch ein paar Ecken zu finden, die ein Fitzelchen des “Alten” bewahrt hatten.

Wehrhaft
Geschattet

Ich machte mich rasch auf den Weg.
Die Meer- und Landfarben hatten eine Licht-Kraft, die Maler begeistern würde.

Gleißend

Die Camargue flach,

Farblich abgestimmt

das Rhonedelta seicht und brackig.

Abfluß

Eine 30 Kilometer lange Sandpiste ermöglichte Wanderern und Radfahrern den Zugang.

Zufahrt

Ich fuhr langsam, genoss die absolute Stille. Immer wieder hielt ich.

Ich sah Herden von Flamingos, Schwärme von weißen Camargue-Pferden, Scharen von schwarzen Rindern.

Wildlife

Nach 3 Stunden brachte eine Fähre mein Fahrrad und mich über einen Rhône-Arm aus der Camargue heraus.

Stillstand

Ich nahm Fahrt auf Richtung Marseille.
Sah irgendetwas im Gebüsch rot blitzen und fotografierte schnell, bevor das Etwas sich unsichtbar machen konnte.
Welch eine Pracht! Fasan?

Wildlife 2

Unterwegs immer wieder kleine sympathische Provinzstädtchen.

Wie gemalt

Ich verweilte nicht lange. Ich hatte es eilig. Ich wollte rechtzeitig in Marseille sein. Das Ladekabel meines Laptops war gebrochen. Ich brauchte ein neues. Musste also vor Ladenschluss ankommen.
In Hafennähe gab es riesige Einkaufskomplexe. Ein Türsteher bewachte mein beladenes Fahrrad, während ich in das Einkaufszentrum hechtete und mir ein Ersatzkabel besorgen konnte.
(Auf dieser Reise hatte ich ziemlichen Materialverschleiß. Sowohl am Fahrrad als auch an meiner Fotoausrüstung und meinem Computer-Equipment.)

Dann Marseille genossen. Eine Stadt, die mich sofort gefangen nahm. Nicht wirklich schön, aber pulsierend.

Am großen Rad drehen

Irres Völkergemisch.

That's citylife

Lautes Nachtleben.

Unterkunft: Hotel “Lutetia”. Nahe am Alten Hafen. Etwas gammeliger Eindruck, aber völlig okay. Sehr netter Empfang. Fahrrad in Kammer untergebracht. 50 Euro (ohne Frühstück).