Meer Europa

Schlagwort Archiv: Fahrradweg

Tag 216 (04.10.2017) / Italien: Pozzuoli -> Sorrento

Strecke: 66 km (10:00 – 17:00 Uhr)

Vorm Verlassen Pozzuolis noch den Fischmarkt der Stadt besucht. Groß, rustikal, laut.
Das Mittelmeer beschenkte die Fischer großzügig mit einer enormen Artenvielfalt.

darkblue fish

Ich wunderte mich, was alles als eßbar galt.

sharp tongue

Gestern noch räuberte der Schwertfisch vor der Küste Kampaniens. Nun ist auch sein Stolz dahin. Gefährdeter Bestand – sagt Greenpeace. Also eher nicht verspeisen.

sharp sword

Der Weg aus Pozzuoli heraus: äußerst mühsam. Die Stadt ging in Vororte über, diese in Dörfer, jene wiederum hatten nur eine Durchgangsstraße und die waren völlig verstopft. Gehupe, Lärm, hektisches Gewusel. Viel Herumstehen und Warten.
Wenn ich mal zum Fahren kam, war auch das zermürbend. Die Straßen waren nicht asphaltiert, sondern mit sehr groben Pflastersteinen ausgelegt. Der absolute Reifenkiller. Es gab so gut wie kein Vorankommen.
Ab und zu Aussicht auf Mittelmeerinseln.

little big fisherman

Auf einmal spülte mich die Straße nach Neapel rein. Und plötzlich – ein Wunder – wurde alles besser. Der Verkehr floß. Entlang der malerischen Meerpromenade ein großzügig angelegter Fahrradweg. Easy going. Und immer wieder kleine Buchten, in denen lokale Kleinfischer ihre Ware schuppten, ausnahmen und gleich verkauften. Die Millionenstadt wirkte auf einmal ganz provinziell.

you need sharp knifes

Mit einem Messer in der Hand lässt sich wirkungsvoll argumentieren!

you need arguments

Da ich Neapel erst vor 2 Jahren schon einmal einige Tage bereist hatte, hielt ich mich nicht lange auf, fand sogar überraschend schnell hinaus.
Der Vesuv warf auch nicht mit Feuer nach mir.

puff

Aber ab jetzt ging’s zur Sache: will sagen – hoch!

nah am Abgrund

Postkartenschöne sorrentinische Küste. Grandiose Halbinsel.

deep down

Grandioses Städtchen Sorrento.

Tag 214 (02.10.2017) / Italien: Anzio -> Sperlonga

Strecke: 83 km (09:30 – 17:00 Uhr)

Langlang der Morgen.
Lang entlang der See.
Außerordentlich schöne Dünenstrände.

aufgereiht

Zum ersten Mal Wasserkontakt. Kann’s selbst kaum glauben. (Fahre das Mittelmeer entlang, ohne reinzuspringen.)

ungeschönt

Blaublau die Radwege

alongside

Dann stoppte ich. Sah eine merkwürdiges Trauerarrangement.

Ich verstand nichts (will sagen kein Italienisch). Es handelte sich offenbar um Trauerschmuck für im Einsatz umgekommene italienische Soldaten. Wo? Afrika? Syrien?
Wer schmückte? Staat? Militär? Bevölkerung?
Waren die Toten (wenn es sich darum handelte) von hier?
Haben also Freunde das arrangiert?
Mannomann – warum bleib ich so (sprach)dumm!

was ?

Mein Fahrrad bockte plötzlich. Quietschte. Ich sah nach. Die Befestigung des vorderen Schutzbleches hatte sich gelöst und schwingte (schwang?) frei.
Mir fehlten Schrauben und Muttern, also schnürte ich das Gestänge mit einem groben Seil (das ich Gott sei Dank mit mir führte) zusammen. Es hielt fürs Erste.

getackert

Abseits der Küste – Landwirtschaft. Der Boden sah fruchtbar aus (sag ich Bauer!).

gefurcht

Irgendwann abgekämpft nach Sperlonga reingeradelt. Reizvoll und herbstleer. Luft war raus dem Ort.

gebräunt

Hoch in die Altstadt gestiefelt und doch immer nach unten geblickt.

geordnet

Extrem enge Gassen. Extrem schöner Ort.

gegoldet

Aber die Schönheit der verstohlenen Plätzchen, Winkel, Ecken – sie ließen sich mit meinen fotografischen Mitteln nicht abbilden.

Nicht mal die kleinen offenen Kapellen.

gerosat

Kurz vor Sonnenuntergang wieder runter zum Strand gestiefelt. Der Horizont blühte rot. Und obwohl ich extremer Sonnenuntergangs-Allergiker bin, konnte ich nicht anders – ich musste den Auslöser lösen.

gesonnt

Tag 211 (29.09.2017) / Italien: Castiglioncello -> Grosseto

Strecke: 120 km (09:30 – 18:00 Uhr)

Langer Tag – kurz erzählt.
Ellenlange Sandküsten. Feiner, leicht bräunlicher Sand.
Obwohl schon morgens, um die 19 Grad: die allermeisten Strände fast menschenleer.

Hochsitz

Selten mal ein paar Dünen. Aber wenn: Dann waren sie einigermaßen geschützt. Man konnte sie nur über Holzbohlen queren – um zum Meer zu kommen.

in the pines

Wie überhaupt die Riviera alles andere als extrem zugebaut ist. Immer wieder wird die Natur auch in Ruhe gelassen.

sandig

Schöne Radwege – manchmal.

through the pines

In den Ortschaften: Schilderwälder. Mit manchen Besonderheiten.

Schilda

Um die Mittagszeit wurde es hügelig. Die Sonne brannte. Ich scannte lange die Strecke, bis ich eine offene Spaghetteria fand.

Meine Rettung

Papa kochte. Einfach und gut.

fürstlich

Dazu ein herrlich gekühltes Bier. (Ich wunderte mich, dass der bayerische Gerstensaft in der Mitte Italiens so verbreitet war.)

königlich

Gegen den Wind schließlich in Grosseto, dem Zentrum der Maremma, eingetrudelt.
Die Altstadt ist relativ klein. Dafür äußerst entspannt und sympathisch.

outdoor people

Italienische Seniorenheime sind ganz offensichtlich überflüssig. Die Piazza reicht. Die Alten sitten sich gegenseitig.

Spielplatz

eingerahmt

ab nach Hause

Unterkunft: Hotel Nuova Grosseto. Gegenüber Bahnhof, 10 Minuten von der Altstadt entfernt. Modern, großes Zimmer. Sehr freundlicher Empfang. Fahrrad in Garage abgestellt. (65 Euro mit Frühstück.)

Tag 210 (28.09.2017) / Italien: Vernazza -> Castiglioncello

Strecke: 120 km (08:00 – 18:15 Uhr)

Die Strecke hoch wollte ich mir nicht noch mal zumuten.
Ich wusste, wie es sich anfühlt.
Es gab nur einen Weg zurück. Den gleichen, den ich runtergestürzt war.
Das hätte geheißen: 36 Kilogramm (Fahrrad und Gepäck) 2 Stunden hoch schieben. Der 1. Gang wäre völlig unnütz gewesen.
Genug der Verteidigungsrede.
Ich fühlte mich nicht stark genug, diesen verdammten Vernazza-Berg, den ich vorgestern mit fast versagenden Bremsen hinunter gerast war, wieder hochzustrampeln.
Also nahm ich um 7:09 Uhr den Lokalzug bis La Spezia.
20 Kilometer, 20 Minuten und viele Nerven gespart.
Reine Tunnel-Strecke. Nur an zwei Zwischenhalten kurz Tageslicht gesehen.

Danach: Zunächst wieder (kleine) Berge.

Schwarzwald mit Meer

Lerici. Beschauliches Küstenkaff. Die vielen Boote täuschen. Die Frühstücks-Terassen-Lokale leer. Bis auf mich.

Bodensee mit Platz

Danach: flach. Gottseidank. Ich fühlte mich schwach. Meine Beine radelten irgendwie vor sich hin.

Aus Steilküsten wurden Sandbänke.

Sylt, nur südlicher

Endlos weite Sandstrände. Pudersand.

Eindeutig Italien

Pisa ließ sich nicht umradeln. Meine Strecke – gen Süden – führte mittenmang.

Schief halt.

Durch Foto und Foto bekannt

Und Dutzende, Hunderte, Tausende fanden das lustig.

unseen before

Alle – ausnahmslos alle – wollten irgendwann mit ihren fotografischen Händen den Turm stützen.

Samy Molcho würde sich freuen

Oder gerade rücken.

must be english

Ich hielt mich nicht lange auf. Die Dörfer, Städtchen, die folgten: italienisch (klar – war ja auch hier).

portobello road auf italienisch

Will sagen: belebt, große Märkte, laut, wuselig.
Und immer wieder: gut ausgebaute und markierte Fahrradwege.

walk on the side way of life

Ich kann kein Italienisch, aber vielleicht stimmt’s: ti amo, Italia. Du bist so anders als ich fälschlicherweise gedacht habe.

no ride

Tag 26 (8.10.2014) / Portugal: Caldas da Rainha -> Lissabon

Strecke: 91 km (9:00 – 21:00)

Caldas -> Lissabon

Es wurde ein langer Tag. Schon als ich aufs Rad stieg, pfiff der Wind von vorne. Die Landschaft zudem immer bergiger. Ich hatte mir zwar Lissabon als Ziel gesetzt, doch zweifelte ich, ob ich es unter diesen widrigen Umstände überhaupt würde schaffen können.
Dann kam auch noch Regen dazu. Alle halbe Stunde ein heftiger Guss. Mal konnte ich mich irgendwo in eine Bar retten, mal bekam ich auf der Landstraße die volle Breitseite ab.

Rainy Day

Zum Glück war auf der N8, die ich größtenteils befuhr, wenig los.

Mehrmals wollte ich aufgeben, fand aber keine Unterkunft. Als dann gegen 18 Uhr der Regen aufhörte, die Sonne sich zeigte und Lissabon nur noch 25 – 30 Kilometer entfernt war, trat ich noch einmal in die Pedale.
Ich erreichte die Stadt und mein eigenes Limit.

In der Nacht noch ein wenig durch die Altstadt gestrichen. 

Hipsterfriseure arbeiteten sich noch an den Bärten der Hiptsergeneration ab.

Lissabon by night

Kein Sitzplatz blieb leer in einem der tausenden Restaurants. Die Straßen übervoll.

Lissabon by night

Ich fragte mich, wie man hier von Wirtschaftskrise sprechen kann? 

Bis mir spät der Groschen fiel. So gut wie nirgends traf ich einen Portugiesen. Höchstens als Kellner oder Barman. Alle Gäste waren europäische Cityhopper aus Deutschland, Frankreich, GB und auch aus Spanien.

Wochenendinvasion der europäischen Heuschreckenschwärme.

Zwar um 9 Uhr in Lissabon angekommen, aber lange kein Hotel gefunden. Gleiche Situation wie zuvor in Porto. Beide Städte sind absolute Wochenend-Partystädte. Jeder Platz ausgebucht. Nur mit Hilfe einer sehr netten Empfangsdame eines Hotels, die spanisch sprach und für mich in der Gegend rumtelefonierte, fand ich noch eine Unterkunft, in die ich irgendwann nach 22 Uhr gelangte. Clarion Suites. 78 Euro.

Tag 25 (7.10.2014) / Portugal: S. Pedro de Moel -> Caldas da Rainha

Strecke: 48 km (9:30 – 16:15)

S. Pedro -> Caldas

Immer noch führte der Fahrradweg durch Kiefernwald und Dünenlandschaft. Der Wind extrem widrig. Das Wetter drohte zu kippen. Sturm und heftige Regengüsse wurden vorhergesagt.

Die Steilküste aufregend.

Vale Furado
Vale Furado
Vale Furado

In der Mittagshitze Nazaré (Nazareth) erreicht. Pilgerstätte für viele Portugiesen. Der Strand leer und eindrucksvoll.

Nazaré
Nazaré

110 Meter höher, auf den Klippen und rund um die Kirche “Nossa Senhora da Nazaré” (Heiligtum Unserer Lieben Frau von Nazareth), lockten Süßigkeitenverkäuferinnen in traditioneller Tracht Touristen an.

Ein Blick nach oben ließ erahnen, wie es im Himmel aussehen könnte.

Nach kurzem Zwischenstopp weiter die Küste entlang. Der Wald lag hinter mir.
In S. Martinho do Porto Abschied vom Atlantik genommen.

S. Martinho do Porto

Ab jetzt führte der Weg durchs Landesinnere Richtung Lissabon.
Obwohl mein Tagesziel eigentlich näher an Portugals Hauptstadt lag, kapitulierte ich in Caldas da Raina vor dem Gegenwind. Ich hatte genug davon zu strampeln und doch kaum voranzukommen.

In der gleiche Sackgasse, in dem ich mein Hotel fand, befand sich auch eine kleines Wunder an portugiesischer Gastlichkeit. “Pacha” nannte sich eine “Snack-Bar”. Aber welch eine Untertreibung. Es war ein vorzügliches Tapas-Restaurant, zudem mit einer klasse Weinauswahl. Die halbe Kleinstadt schien sich dort zu treffen. “Tradição Gourmet” war auf einen Schild eingraviert. Das traf zu. Ich blieb von der Ankunft bis zum Türschluss.

Hotel in Caldas: “Europeia”. 3 Sterne. Immerhin gab es in dem Ort Hotels. 35 Euro. (Fahrrad in Abstellkammer untergebracht.)

Tag 24 (6.10.2014) / Portugal: Figueira da Foz -> S. Pedro de Moel

Strecke: 63 km. (10:15 – 17:30)

Figueira - S. Pedro

Figueira: ein schönes Hafenstädtchen. Sympathischer Stadtkern. Strand und Hafengebiet wirkten – saisongemäß – verlassen.

Von Figueria führte der Weg erst vom Meer weg. Dann hatte ich Mühe, den Atlantik wieder zu finden. Ich durchfuhr ein (gefühlt unendliche Kilometer) langes Waldgebiet. Ein geschützter Naturpark. Mit nur wenigen Zugängen zu (dann aber) spektakulären Sandbuchten.
Eigentlich radelte ich auf Dünen. Rauf und runter.
Anstrengend. Und gleichwohl sehr entspannend. Es gab (zum ersten Mal!) Fahrradwege. Und kaum Autos.
Ich konnte den Wald atmen hören!

Pinhal de Leiria

Und er atmete schwer. Jeder Tanne wurde das Harz entnommen. Ein ganzer Wald gemolken. Kilometer für Kilometer.

Am Praia de Pedrogao endlich wieder Meer gesichtet. Von der Waldstraße aus führen nur sporadisch Stichstraßen zum Ozean.
Völlig leeres Fischer- und Touridorf! Aber spektakulärer Strand!

Praia de Pedrogao

Das Dünenaufundab ging auf die Knochen. Dann aber auch wieder lange entspannende Strecken: kerzengrad.

Und schließlich der Gegenwind! Zum ersten Mal richtig Sturm gegen mich gehabt. Immer von vorne, nie von hinten. Es tat weh.

Praia da Vieira

Die meisten Badeorte – wie Praia da Vieira – völlig verlassen.
Wie viel müssen die Menschen hier in den Saisonmonaten verdienen, damit sie den Rest des Jahres überleben können?

Gegen halb sechs gab ich mich geschlagen. Eigentlich wollte ich weiter. Aber der Gegenwind bremste mich aus. In S. Pedro de Moel nahm ich die einzig verfügbare Unterkunft. Und ließ danach das Meer mich in die Nacht tosen.

Hotel in S. Pedro de Moel: “Mar & Sol”. Nannte sich Spa Hotel. War aber im Stil eines Geschäftshotels für Handlungsreisende. Extrem unpersönlich. Aber okay. Nebensaisonpreis: 45 Euro (mit Frühstück). (Fahrrad im Nebenraum untergebracht.)