Meer Europa

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Tag 259 (11.04.2018) / Rumänien: Pause in Murighiol und Fahrt durchs Donaudelta

Ich wollte früh aufbrechen, so im Morgengrauen. Mein Wirt sagte : “sinnlos” – und hatte Recht.
Noch um 8 Uhr war es saukalt und neblig trüb. Um 9 Uhr ein wenig besser.
Wir starteten. Ließen das Boot ins Wasser.
Nach 5 Minuten die Donau-“Tanke” erreicht. Mein Wirt füllte die Bootskanister auf. Ich kaufte einen Sixpack. Und los.

eingemummelt

Durch einen Seitenkanal steuerte mein Gastgeber Richtung Donau. Will heißen: den unteren der 3 Mündungsarme.

eingetrübt

Der Donauarm: breit, riesig, uninteressant.

eingefahren

Spannend wurde es erst, als es ins Gebüsch ging.

eingeschilft

Fischerhütten. Dort übernachten in der Saison Fischer. Am  Morgen bringen sie dann ihren Fang in die Dörfer. 1 Stunde Fahrt.
Manchmal mehr.

Jetzt waren die Hütten unterflutet. Die Donau hatte Hochwasser. Zudem war Schon- und Laichzeit. Kein Fischen erlaubt.

eingeweicht

Auf manchen Delta-Inseln (sehr klein!) lebten Familien in ihren klammen Hütten.

Einödhof

Die Kinder sahen nie eine Schule. Noch packt es der rumänische Staat nicht, solch entlegene Orte mit Infrastruktur zu versorgen (Schul-Boot-Taxi?).

splendid isolation

Wir wurden mit viel Hallo und Geschrei begrüßt und verabschiedet.

als sei’s der Amazonas

Immer tiefer steuerten wir ins Delta hinein. Mein Wirt hatte die Lizenz, selbst in das absolut geschützte Bioreservat zu fahren.

bisschen brackig

Wasserdschungel.

ganz brackig

Die ersten Vögel bekam ich vor die Linse. Unscharf noch.

von hinten

Fasan männlich.

halb von hinten

Fasan weiblich.

halb von der Seite

Weiter und weiter in den Urwald. Mein Wirt kannte jeden Winkel.

verzweigt und verästelt

Sie hatte er aber auch noch nicht gesehen: eine Wildkatze. Für Sekunden war sie da. Lugte durch das Gestrüpp einer kleinen Landzunge. Guckte selbst überrascht.

ertappt

Ich recherchierte später (in der Nacht) im Internet: Offenbar ist es fast unmöglich eine Wildkatze in freier Wildbahn zu fotografieren. Zu scheu. Wildkatzen gelten zudem  als nicht zähmbar.

Offensichtlich hatte ich Riesenglück. Fotojägerglück.

vergrößert

Mir gelangen zwei drei Aufnahmen. Dann war sie weg.

und tschüss

Und kaum eine halbe Stunde später wieder ein Glücksschuss: “Look look” – rief mein Wirt aufgeregt – “a wild dog!”

gemütlich

Er wirkte gar nicht scheu. Schaute interessiert, wie wir uns dem Ufer näherten.

Als wir Anstalten machten, den Grund zu betreten, trottete er von dannen.

Dackelblick

Auch hier recherchierte ich in der Nacht im Internet: Offensichtlich war dies ein “Marderhund”. Gilt ebenfalls als sehr scheu (kann ich nicht bestätigen). Sein Lebenskreis ist eigentlich Japan, China und Sibirien. Seit einigen Jahrzehnten wird er u.a. auch in der Ukraine und eben hier im rumänischen Donaudelta gesichtet.

troll dich, Troll

Was für ein Tag!

Wir drehten noch ein paar Runden im Schilf.

Schilfinseln

gespiegelt

Dann lotste mich mein Wirt auf einen der vielen Binnenseen im Delta.
Er sagte, leider seien wir zu früh dran. Im April gäbe es dort noch nichts zu sehen. Wasserblumen und Vögel verschönerten die Seen erst ab Mai. Vor allem die Pelikane seien noch in Afrika.
Wie gut, dass er sich irrte.
Kaum waren wir auf dem See, sichteten wir schon die ersten Pelikane.

rosa, weiß, schwarz

Rosapelikane. Schwarze. WeißderTeufelwasfürwelche-IchRecherchierteNichtimInternet.

nach rechts

nach links

nach rechts

nach links

Mittlerweile hatten wir 5 bis 6 Stunden auf dem Wasser verbracht. Wir wurden hungrig. Steuerten das Boot nach Hause.
Ich guckte nicht mehr nach Tieren. Nur noch auf das Wasser. Irre Spiegelungen.

artwork

Kurz vor Ankunft noch ein LanghalsReiher (gibt’s gar nicht, hab ich recherchiert – also ein Fake-Reiher).

Langhals

Es war später Nachmittag als wir wieder festen Boden betraten.
Zuhause brutzelte mir über offenem Feuer mein Wirt noch den besten Grillfisch, den ich je gegessen habe. (Dieser Superlativ muss sein!) Scrumbie!

Hausgrill

Jetzt im April sei der Fisch am besten! Laichzeit. Dann kämen die Schwärme aus dem Schwarzen Meer die Donau hoch. Und genau dann sei das Fleisch der Fische fantastisch. Ich hatte keinen Vergleich, war aber völlig begeistert.

Ich fragte meinen Wirt, wie er eigentlich erkenne, ab wann die Fische über dem Feuer gar seien.

“Wenn die Augen weiß werden”, erwiderte er.

Dinner for two

Und schließlich zeigte er mir, dass man hierzulande den toten Fisch nicht mit Messer und Gabel traktiert, sondern ihn schön mit den Fingern filetiert.
Es war superköstlich.

Dazu servierte die Frau des Wirtes eine selbstgemachte Kaviarcreme. Aus dem Rogen von Donaukarpfen.
Umwerfend.

fast schon leer

Tag 240 (23.03.2018) / Griechenland: Sarti -> Ierissós

Strecke: 82 km (08:45 – 18:15 Uhr)

Ich brach früh auf. Sarti noch im Tiefschlaf.

gibt es ein Dorf ohne Menschen?

Mein Wetter App hatte mir noch etwa 2 Stunden “Bewölkt/Sonnenschein” angezeigt (danach “Regen”) – und ich wollte unbedingt noch einen besonderen Strand im einigermaßen guten Licht sehen. 1 1/2 Kilometer nördlich von Sarti.

42 Jahre Strand

Hier war ich vor 42 Jahren auf meiner ersten großen Europareise (getrampt, mit Isomatte, Bundeswehr-Schlafsack, ohne Zelt, aber mit Gitarre) für eine Woche gestrandet. Nur der Himmel über mir. Das nahe Sarti damals ein verschlafenes Nest mit ein paar wenigen Häusern und zwei, drei Tavernen, die billig, für mich aber immer noch zu teuer waren. Ich fischte (mit loser Leine um den Finger gewickelt), grillte den Fisch im offenen Feuer, kochte mir auf einem Campingkocher was es so gab (Eintopf, Spaghetti).
Ab und zu kamen ein paar griechische Jungs vorbei. Wir klampften, sangen Arbeiterlieder (Sacco und Vanzetti) und Bob Dylan.
Es war das erste Mal (mit 20 Jahren), dass ich absolute Freiheit empfand.
Hierher gelotst hatte mich ein mit Schreibmaschine getippter Reiseführer,

als Reisen noch gebildet hat

mit selbstgemalter Landkarte von Chalkikdi. Mit so wertvollen Tipps wie: “Den besten Zeltplatz sucht man sich am besten selber … und dann per Autostop zum nächsten Dorf, Wasserholen”.

3 Finger Tipp

Als ich von oben auf den Strand blickte, überlegte ich, ob ich runtergehen sollte. Aber das war mir schließlich zu viel Pathos. Man steigt niemals zweimal in den gleichen Strand.

Ich fuhr einfach weiter … vorbei.

Kaum noch besiedelt die Küste ab jetzt. Viele einsame Strände …

Karibisches Feeling

… die erst im Sommer ihre Anmut verlieren werden.

on top of the rocks

Steinwurzeln

Dann wird sogar die eingemottete schäbige Strandbar wieder schneeweiß/griechischblau leuchten und Menschen, Menschen werden sich davor drängeln.

Winterstarre

Wind kam auf, Regen. Ich musste ein Bergmassiv kreuzen. Suchte ab und zu Schutz unter einem Baum mit breiter Krone.

Es graute früh. Schussabfahrt nach Ierissós mit (geahnt) grandiosen Aussichten auf Inseln, Landzunge, Halbinseln, auf dunkles Meer.

Insel schwimmt immer oben

Unterkunft in Ierissos: Hotel Markos. Strandnah. Familienhotel. Einfach eingerichet. Sehr nette Rezeption. 50 Euro (ohne Frühstück).

Tag 236 (19.03.2018) / Griechenland: Weiterer Pausentag in Thessaloniki

Fast nur ältere Herren. Ich fragte mich, welcher Schicht sie angehören – oder angehörten. Feine Gesichter.

gespiegelt

Die Männer bevölkerten morgens ab 9 Uhr ein uriges Kneipenkarree im Bazarviertel. Solange die Cafés und Restaurants noch nicht öffneten, konnten sie hier ihren kleinen Flohmarkt betreiben.

Dieser Herr überpinselte mit Filzstift Farbflecken auf weggeworfenen Sportschuhen und nähte Sohlen wieder an. Kleinkram zu seinen Füßen. Zeug, das man normalerweise in Mülleimern entsorgt.

genäht

Dieser Herr war etwas professioneller, konnte offenbar Uhren und Schmuck reparieren.

geschraubt

Dieser Herr hielt mich für einen Russen und wollte mit gleich in ein Gespräch verwickeln. Ich verstand aber nichts.

gequalmt

Ein anderer Herr, der nicht fotografiert werden wollte, verkaufte ausrangierte Uralt-Fernbedienungen. Einen ganzen Koffer voll hatte er mitgebracht.
Er sprach sehr gut Deutsch, obwohl er – nach eigenen Angaben – nur 1 Jahr in Berlin gelebt hatte. Er habe als Hotelier gearbeitet. Lange habe er sogar eine kleines Hotel auf der griechischen Halbinsel Chalkidiki betrieben. Vor 10 Jahren sei es von einem Waldfeuer erfasst worden, die Feuerwalze habe alles zerstört. 80 Tausend Euro habe er verloren. Niemand habe ihm eine Entschädigung bezahlt. Ich fragte ihn, ob er denn keine Versicherung gehabt habe. Er verneinte. Das habe sich nicht rentiert. Er habe das Hotel ja nur in der Hauptsaison betrieben.
Er sagte, dass er hier an manchen Tagen mit weniger als 1 Euro Verdienst rausgehe. Nur die Samstage seien gut. Dann verdiene er auch schon mal 30 Euro mit dem Kram, den er sich besorge. Von der griechischen Regierung hielt er nichts, von Europa noch weniger.

gefüllt

Dieser eher “private” Teil des Bazars schien mir heute (Montag) fast voller …

geschaut

… als der “offizielle” Markt.
Montag hatten nicht viele Läden offen. Ganze Bazar-Straßen unbelebt.

geleert

Ein wenig Leben immerhin bei Fisch und Fleisch.

geputzt

Am Nachmittag schließlich die gute Nachricht: Der Fahrradladen, in dem ich meinen Drahtesel reparieren ließ, rief mich an und berichtete, dass sie das Ersatzteil besorgen konnten und ich am Abend das gut Stück abholen könnte.
(Super netter Laden mit extrem hilfsbereiten jungen Kerls!)
Es kann morgen also weitergehen.

Tag 166 (23.03.2017) / Portugal: Pause in Lagos

Schon leichter Regen hatte sämtliche Touristen aus den engen Gassen Lagos’ geschwemmt.

Leergespült

Beinahe gespenstische Stille.

Gassenruhe

Kam die Sonne durch, glänzten die Kachelfassaden.

Grüngekachelt

Lagos zeigte sich in aller Herrlichkeit.

Keine Touristen, nur Einheimische im zentralen Fischmarkt, der überaus modern wirkte

Abgefischt

Es wurde geschuppt, gehackt, gehäutet und ausgenommen.

Eine Spezialität: Pata – Roxa (Kleingefleckter Katzenhai).

Gehäutet

Fixe Hände hatten sie im Nu küchenfertig.

Ausgeweidet

Als die Sonne für eine Stunde die Stadt aufhellte, lief ich schnell zum nahen Strand.

Gebackener Sand
Naturfantasie

Berühmte Felsenküste.

Arg zerzauste Sandklippen.

Sandburg

Konnte durch einen Durchguck meine morgige Strecke Richtung Faro in Augenschein nehmen.

Durchblick 1
Durchblick 2

Am Abend, wie schon gestern zweimal und heute Nachmittag (also jetzt 4 Mal!), in meine ZweitagesStammKneipe gegangen. Besser gesagt meine Stamm-Vinothek.

My favorite valent-wine

Eine richtig gute Weinbar mit exzellenten Fachleuten hinter der Theke und noch besseren Weinen in den Regalen.

Heute diskutierten die Wirte (Kollektiv?) miteinander, wo sie so ein Teleskop-Gerät herbekommen könnten, um Weinflaschen aus den oberen Regalen herunter zu holen. Sie hatten keine Lust mehr, ständig auf wacklige Schemeln aufzusteigen, um die oberen Flaschen greifen zu können. Sie kannten aber den Fachbegriff für die Gerätschaft nicht. Wir diskutierten rum (auf Englisch). Ich schlug vor nach “Flaschengreifern” zu googeln. Auf Deutsch, Englisch oder Spanisch. Ohne Erfolg. Wir spornten uns gegenseitig an, einen Begriff zu finden, der einen Google-Treffer produzieren könnte. Bis mir die Suchbegriffe “langer Arm” und Greifer” einfielen. Hatte sofort Erfolg. Die nächste Viertel Stunde bemühten die Wirte auf ihren Handys den portugiesischen Übersetzer und frohlockten schließlich.

Ich hörte gar nicht mehr zu, ließ mir gut gekühlte Rotweine servieren, mal aus dem Dão, dem Alentejo oder dem Douro.
Ich fand auch noch nach Hause.

Und dort erinnerte ich mich noch an eine weitere Begebenheit in der Bar. Plötzlich war einer der Wirte hinaus ins Freie gestürzt. Atemlos. Zuvor war ein etwas abgerissener, eher junger Mann ins Lokal gestiefelt und hatte um eine Zigarette gebeten. Er wirkte ein wenig hilflos, sogar desorientiert. Der Wirt gab sie ihm, der Beschenkte nach draußen, warf mit großer Geste die Tür hinter sich zu. Und auf einmal öffnete der Wirt die Kasse. Zog einen Zehner heraus, lief dem Mann hinterher und drückte ihn ihm die Hand. Ich konnte dies gut durch das Fenster verfolgen. Ich fragte mich, was sich hinter der Begebenheit verbarg. Handelte es sich um einen abgestürzten Ex-Freund, einen verstoßenen Bruder? Um einen fremden Fremden? Warum griff der Wirt in die Kasse und nicht in seinen privaten Geldbeutel? Warum dachte ich überhaupt in diesem Moment über diesen Unterschied nach? Wichtig und ergreifend war doch nur die Geste des Schenkens. Ich schlief wohl über diese Frage ein.

Tag 162 (19.03.2017) / Portugal: Lissabon -> Alcácer do Sal

Start zur 6. Etappe meiner Europa-Umrundung.
Sie soll mich von Portugals Hauptstadt aus rund um die iberische Halbinsel führen. Vielleicht bis Barcelona.
Vor den Start hatte ich noch 2 Tage Lissabon–Aufenthalt gehängt.
Das Zentrum bezaubernd – gleiche herzliche Empfindung wie das letzte Mal auch.

Und die Stadt ebenso überlaufen. Es wurde mir schnell zu viel, zu voll.

Konserviert

Lisboa wie eine riesige Sardinenbüchse. (Wobei das genau die neueste Mode ist: eingelegter statt frischer Fisch. Ölsardinen. Dosenkunst in tausend Variationen.)

Frau am Konservenfließband

Am Sonntag schließlich die 6. Etappe gestartet.
Der erste Tag zum Einrollen:

Strecke: 77 km (08:00 – 17:00 Uhr)

Frühmorgens mit der Fähre den Tejo überquert.

Fluss wie Meer

Obwohl immer noch Lissabon, wirkten die Vorstadt-Viertel schon sehr ländlich.

Malerisch gelegener Vorort
Trockenwäsche

29 Kilometer bis Setúbal geradelt und dort die zweite Fähre genommen, diesmal um über die Flussmündung des Sado zu gelangen.

Nur fort!

Kilometerlanges Naturschutzgebiet um Troia. Und trotzdem unzählige Bötchen mit Hobbyfischern. Manche sogar in Tretbooten unterwegs. Alle mit Angel und Netz bewaffnet.

Paddelfischer

Grandiose halbwüstenähnliche Dünen-Landschaft.

Hingedünt

Kilometerlange Sandstrände. Kilometerlanger Sonnenschein. Doch noch keine Sommergefühle. Immer wieder attackierten mich die Arbeitseindrücke der letzten Monate:
TrumpIlliberaleDemokratieKaczyńskiKeineninteressiertSyrienUndundund…
Ich will versuchen diesen toxischen politischen Feinstaub abzuschütteln. Mich nur auf die Reise zu konzentrieren.

Die Welt hinter mir eine Kugel
Gestrandet
Gefußelt

Storchennest Comporta.

Schau immer nach oben!
Deswegen

Hier verließ ich die Küste und begleitete den Sado flußaufwärts und landeinwärts. Unterwegs immer wieder traditionelle und vor allem kleine Bauernhöfe. Manche Scheunen strohbedeckt.

Unten wohnen die Menschen

In Carrasqueira haben Fischer ihre kleinen Arbeits-Hütten auf Stelzen ins Marschland gepflockt.
Pittoresk.

Fishermen’s Haus 1
Fishermen’s Haus 2
Fishermen’s Haus 3 & 4
Fishermen’s Stelzen 1

Mittlerweile weiß der Ort den optischen Schatz auch in touristische Münzen umzusetzen. Scharen von Hobby-Fotografen und Birdspottern.

Früh am Abend, lange vor Sonnenuntergang, mein Ziel erreicht: Alcácer do Sal.
Attraktives Städtchen mit ein zwei guten Restaurants.

Coming home

Unterkunft in Alcácer: “Hotel A Cegonha”. In der kleinen Altstadt. Familiengeführt. Groß. Sehr netter und bemühter Empfang. Zimmer ein wenig kalt. Fahrrad in Garage untergebracht. 50 Euro (mit Frühstück).

Tag 38 (24.03.2015) / Kroatien: Zadar-> Sibenik

Strecke: 75 km (08:00 – 15:30)

Hotel Jadran in Sibenik. Wohl seit Jahrzehnten nicht mehr renoviert. Leider mieser Standard. Dafür wirklich überteuert. Liegt aber super, nahe der Kathedrale. Fahrrad im Foyer untergebracht. (59 Euro mit Frühstück.)

Strecke begann sehr leicht. Völlig flach.

Strecke 0038-Kroatien-Zadar-Sibenik

Erst nach zwei drei Stunden die ersten Hügel und Ausblicke auf die Inselwelt vor der Küste.

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Inseln am Horizont

Gegen Ende dann bergig und mit einer langen Brücke über einen Fjord.

T0038-Sibenik-01-imp

Sibenik am Horizont

Sibenik schön. Verwinkelte Altstadt mit einer Weltkulturerbe-Kathedrale, die aber gerade innen restauriert wird. Alles eingerüstet.

Sibenik - Weltkulturerbe

Sibenik – Weltkulturerbe

Abends in einer Kneipe in Marktnähe essen gegangen. Nur Männer, nur Einheimische. Alle aßen Fleisch, keinen Fisch. Ich bestellte mir Kohlrouladen. Köstlich. (Der Kohl schmeckte fast schon nach Sauerkraut. Die Füllung: Hackfleisch mit Reis. Dazu Kartoffelstampf.)

Kurz zuvor hatte mich die Nachricht vom Absturz eines deutschen Flugzeugs über Frankreich erreicht. Rund 150 Tote. Obwohl weit weg, konnte ich mich von dieser Katastrophe nicht freimachen.

Tag 23 (5.10.2014) / Portugal: Espinho -> Figueira da Foz

Strecke: 116 km (9:45 – 21:15)

Espinho -> Figueira

Was für ein Morgen. Das heruntergekommene Espinho verlassen und in das noch schmuddligere Silvalde geradelt. Und dann diese Strandsichten!

Fischerboote wie aus einer anderen Welt. Mehr Schmuckstücke als Arbeitsgeräte

Der Strand übersät mit zum Trocknen ausgelegten Fischnetzen.

Auf der Promenade einige Stände, in denen Fischersfrauen den frischen Fisch feilboten.

Danach wurde es hart für mich. Eigentlich wollte ich direkt nach Aveiro wieder zum Meer. Aber ein Marathon verhinderte meine Pläne. Die gesamte Strecke war abgesperrt. Niemand konnte mir sagen für wie lange. Ich versuchte über Umwege mein Glück, musste aber nach einer Stunde passen. Kein Durchkommen.

Also weiter im Landesinnern, relativ weit weg von der Küste. Ziemlich wellig die Gegend.
Irgendwann gelang es mir dann wieder in Meernähe zu radeln. Bei Ganfanha do Carmo ging’s eine Lagune entlang. Kilometerlange Straßendörfer. Alles andere als eine reiche Bauerngegend. Die meisten Häuser eher ärmlich. Und trotzdem mit viel Geschmack. Viele Fassaden waren gekachelt.

Es schien, als gäbe es in den Dörfern einen Wettbewerb um die schönste Front.

Jede Schmuckkachel erzählte etwas aus der portugiesischen Tradition.

Spät, schon sehr spät das Meer nicht nur gerochen, sondern auch wieder gesehen. Praia de Mira.

Nur portugiesischer Wochenendtourismus. Das Meer tobte und warf Welle über Welle an den Strand. Gleißend das Licht. Meine Fotos überwiegend überbelichtet. Nur wenige rettbar, verwendbar.

Ich suchte mir einen ruhigeren Strandabschnitt und genoß noch einmal das milchige diesige dunstige schlierige Nachmittagslicht.

Irgendwann habe ich das letzte Hotel auf der Strecke verpasst. Es graute bereits. Und ich musste immer weiter, obwohl die Beine schon lange wehtaten. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, nicht mehr in die Nacht hinein zu fahren. Diesmal aber war es unvermeidlich. Es gab einfach keine Unterkünfte. Es wurde furchtbar. Ab und zu angehalten, um ein Bier zu trinken. Und weiter. Wenigstens fuhren kaum Lastwagen (Sonntag). Dann noch ein grauenhaft langer Aufstieg – und schließlich runter im Schuß (Wie doof! Nachts! Bei den Schlaglöchern!) nach Figueira da Foz (“Feigenanlage in der Mündung”).
Schnell ein saugutes Hotel gefunden. Und noch schneller eine exzellente Weinbar.

116 Kilometer lagen hinter mir.

Hotel in Figueira: “Lazza”. 3 Sterne. Außerordentlich geschmackvoll eingerichtetes Haus. Modern und ansprechend. Nettes Empfangspersonal. Zimmer groß. 35 Euro. Eigentlich unvorstellbar der Preis. (Fahrrad in einem Nebenraum untergebracht.)

Unzusammenhängende Beobachtungen / Spanien 1 (2014)

1) Zeitungen

haben in Spanien meist eine umgekehrte Hierarchie:

  • Regional/Lokal (extrem ausführlich)
  • National (Spanien) (nicht mehr ganz so breit)
  • International (kursorisch)

Wirkt zuerst provinziell, erreicht aber dadurch ganz offensichtlich die Leser. Der eigene Kirchturm interessanter als der Moncloa-Palast. (Häufig aufgeschnappter Satz: “Die da oben lügen und bereichern sich doch eh alle …”)

(In Deutschland ist es fast immer: Welt->National->Regional->Lokal.)

2) Fernseher

läuft immer. Selbst in guten Restaurants. Und durchaus laut.
Einmal, als ich allein in einem Frühstücksraum eines Hotels saß, schaltete der Wirt den Apparat an. Als ich darum bat, ihn wieder auszumachen, weil ich mich eh nicht für die Morgenshow interessiere, antwortete er mir knapp: Ich sei doch allein, mit dem TV hätte ich wenigstens einen Begleiter.

3) Cafébars

sind die eigentlichen Parlamente in Spanien. Stets früh auf. Jeder(Mann) schaut vorbei. Spanien ist eine Männer Demokratie. Einen Cortado, einen Espresso für weniger als einen Euro. Immer die ersten Zeitungen auf dem Tresen ausgebreitet. Niemand, der sich nicht echauffiert über das Gelesene. Im lauten Fernseher läuft  dazu das Morgenmagazin. Niemand, der nicht einen Kommentar zum aktuellen politischen Geschehen abgibt. Wirt und Gast sind sich meist einig. Es scheint eine ideologische Vorsortierung zu geben. Linke gehen in Sozialistenbars. Rechte suchen sich ebenfalls ihr Milieu.

4) Frauen / Männer / Kinder / Geschrei

Frauen werden schwarzhaarig geboren, erblonden aber sehr schnell. Viele überschminkte püppchenhafte Gesichter.

Männer kommen gegen 19 Uhr aus den Büros. Empfangen dann Ehefrau und kleine Kinder vorzugsweise an Plätzen mit Freiluftbars und Cafés. Für eine Stunde (bevor die Männer mit Männern an die nächste Theke weiterziehen und die Frauen die Kinder einpacken). Kinder werden mit dem neusten Plastikspielzeug beschenkt und dürfen in ihrer Happy-Hour alles: Extrem laut schreien, durch die Stuhlreihen rasen und alles aus dem Weg rempeln, Gläser von den Tischen fegen, sich als Bonsai-Hooligans aufführen und Imponiergesten lernen.
(Ich habe mir zur Regel gemacht, zwischen 19 und 20 Uhr keine öffentlichen Plätze zu besuchen).

5) Preise

Nordspanien ist fast schon niedrigpreisig.  Beim Friseur für 40 Minuten Haare waschen, Kopf massieren, Haare mit Schere schneiden, föhnen: 8,50 Euro bezahlt.

Kein Espresso über 1 Euro. Die meisten Weine (0,1l) unter 1 Euro. Zu jedem Kalt-Getränk gibt es fast immer einen kleinen Snack.

Ein Wirt in Rodendela erklärte mir das System: In Deutschland würden Lokale die Verkaufspreise mindestens das 3 fache des Einkaufspreises betragen. In Spanien kalkulierten die Wirte dagegen mit dem 2 bis maximal 2 1/2 fachen. Dafür kämen in die Cafés und Bars mehr Gäste. Da die Lokale auch Kommunikationszentren seien. Die kostenlosen Tapas würden geldmäßig nicht so ins Gewicht fallen, da sie meist aus billigen Grundnahrungsmitteln hergestellt seien (Bohnen, Kartoffeln, Pasta, Brot): Allerdings sei die Herstellung zeitaufwändig. Und für diese Arbeitszeit würden sie nicht bezahlt.
(Mir schien das eine Form der Selbstausbeutung.)

6) Damals / Heute

Ich habe mir einen Spaß daraus gemacht, mit alten Reiseführern durch Nordspanien zu radeln. (Aus den Jahren 1987 bis 1992.)

ANDERS REISEN (1987),Richtig Reisen (1989), Spaniens Nordküste (1992)

Die Esel und Maultiere sind mittlerweile aus den Dörfern und Feldwegen verschwunden. Bei Ebbe stapfen nicht mehr Scharen “schwarzer Frauen” durch den Meeresschlick, um nach Muscheln zu graben, Hexen gibt es auch im tiefsten Galizien nicht mehr und Fischerdörfer haben sich zu großen Feriensiedlungen gemausert, in denen nur noch ein kleiner Fischereihafen und eine Innungskneipe an die verwegenen Zeiten der “wilden Kerle” erinnert. Nordspanien ist selbstverständlich modern geworden und durch und durch europäisch.

Aber auch das Europäisch-Enthusiastische wirkt wie schon längst vergangen. Aus den alten Reiseführern entnehme ich, dass in den späten 80er Jahren drei Themen das öffentliche Bewusstsein beherrschten: Die Überwindung der bleiernen und  schrecklichen Franko-Dikatatur, die Demokratisierung des Landes und die ungeheuere Hoffnung, die die meisten Spanier in den Beitritt zur Europäischen Union setzten (Wirtschaftlicher Fortschritt, Liberalisierung, Freiheit, offene Kultur).

Heute kämpft Spanien mit den Folgen der Globalisierung, mit der Finanzkrise und mit einem wieder korrupten Parteien-System  (Ein typischer Spruch beim Fernsehsehen: “Mal sehen, was uns die Politiker heute wieder geklaut haben …”). Und natürlich mit dem Separatismus (Katalonien und das Baskenland wollen raus aus Spanien.)

Massive Europa-Enttäuschung habe ich allerdings so gut wie nie vernommen.

In La Coruña bin ich durch in “Anders Reisen” beschriebene Straßen geschlendert. Das Straßenbild hat sich gegenüber 1987 kaum verändert. Nur: Kein einziges Lokal, das damals empfohlen wurde, ob intimes Fischrestaurant, In-Kneipe oder urige Weinbar, existierte 3 Jahrzehnte später noch. Meist residierten unter den angegeben Adressen jetzt schicke und große Etablissements.

Tag 17 (29.9.2014) / Spanien: Carnota -> Noia

Strecke: 47 km (9:15 – 14:45)

Carnota -> Noia

Nach der Überstrapazierung gestern, ging ich es heute etwas ruhiger an.
Zudem: Die steilen Berge sind passé. Die Rías Baixas sind wesentlich sanfter.
Trotzdem hatte ich Mühe. Gestern hab’ ich wohl mein Immunsystem ausgetrickst. Habe heftige Erkältung über Nacht bekommen. Stimme weg, Ohrweh.
Gleichwohl konnte ich die Landschaft genießen. Wieder ein fantastischer Herbsttag.

Monte y Lagoa de Louro
Monte y Lagoa de Louro
Strand bei San Francisco
Ich Suchbild
Fischer mit Kaktus
Fischer mit Kaktus gemalt

Hotel in Noia: “Elizardo”. 1 Stern. Sehr nettes Etablissement. In der Altstadt gelegen. Große Zimmer und ausgezeichnetes Fischrestaurant. 22 Euro die Übernachtung. Fahrrad in eigener Garage.