Meer Europa

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Tag 259 (11.04.2018) / Rumänien: Pause in Murighiol und Fahrt durchs Donaudelta

Ich wollte früh aufbrechen, so im Morgengrauen. Mein Wirt sagte : “sinnlos” – und hatte Recht.
Noch um 8 Uhr war es saukalt und neblig trüb. Um 9 Uhr ein wenig besser.
Wir starteten. Ließen das Boot ins Wasser.
Nach 5 Minuten die Donau-“Tanke” erreicht. Mein Wirt füllte die Bootskanister auf. Ich kaufte einen Sixpack. Und los.

eingemummelt

Durch einen Seitenkanal steuerte mein Gastgeber Richtung Donau. Will heißen: den unteren der 3 Mündungsarme.

eingetrübt

Der Donauarm: breit, riesig, uninteressant.

eingefahren

Spannend wurde es erst, als es ins Gebüsch ging.

eingeschilft

Fischerhütten. Dort übernachten in der Saison Fischer. Am  Morgen bringen sie dann ihren Fang in die Dörfer. 1 Stunde Fahrt.
Manchmal mehr.

Jetzt waren die Hütten unterflutet. Die Donau hatte Hochwasser. Zudem war Schon- und Laichzeit. Kein Fischen erlaubt.

eingeweicht

Auf manchen Delta-Inseln (sehr klein!) lebten Familien in ihren klammen Hütten.

Einödhof

Die Kinder sahen nie eine Schule. Noch packt es der rumänische Staat nicht, solch entlegene Orte mit Infrastruktur zu versorgen (Schul-Boot-Taxi?).

splendid isolation

Wir wurden mit viel Hallo und Geschrei begrüßt und verabschiedet.

als sei’s der Amazonas

Immer tiefer steuerten wir ins Delta hinein. Mein Wirt hatte die Lizenz, selbst in das absolut geschützte Bioreservat zu fahren.

bisschen brackig

Wasserdschungel.

ganz brackig

Die ersten Vögel bekam ich vor die Linse. Unscharf noch.

von hinten

Fasan männlich.

halb von hinten

Fasan weiblich.

halb von der Seite

Weiter und weiter in den Urwald. Mein Wirt kannte jeden Winkel.

verzweigt und verästelt

Sie hatte er aber auch noch nicht gesehen: eine Wildkatze. Für Sekunden war sie da. Lugte durch das Gestrüpp einer kleinen Landzunge. Guckte selbst überrascht.

ertappt

Ich recherchierte später (in der Nacht) im Internet: Offenbar ist es fast unmöglich eine Wildkatze in freier Wildbahn zu fotografieren. Zu scheu. Wildkatzen gelten zudem  als nicht zähmbar.

Offensichtlich hatte ich Riesenglück. Fotojägerglück.

vergrößert

Mir gelangen zwei drei Aufnahmen. Dann war sie weg.

und tschüss

Und kaum eine halbe Stunde später wieder ein Glücksschuss: “Look look” – rief mein Wirt aufgeregt – “a wild dog!”

gemütlich

Er wirkte gar nicht scheu. Schaute interessiert, wie wir uns dem Ufer näherten.

Als wir Anstalten machten, den Grund zu betreten, trottete er von dannen.

Dackelblick

Auch hier recherchierte ich in der Nacht im Internet: Offensichtlich war dies ein “Marderhund”. Gilt ebenfalls als sehr scheu (kann ich nicht bestätigen). Sein Lebenskreis ist eigentlich Japan, China und Sibirien. Seit einigen Jahrzehnten wird er u.a. auch in der Ukraine und eben hier im rumänischen Donaudelta gesichtet.

troll dich, Troll

Was für ein Tag!

Wir drehten noch ein paar Runden im Schilf.

Schilfinseln

gespiegelt

Dann lotste mich mein Wirt auf einen der vielen Binnenseen im Delta.
Er sagte, leider seien wir zu früh dran. Im April gäbe es dort noch nichts zu sehen. Wasserblumen und Vögel verschönerten die Seen erst ab Mai. Vor allem die Pelikane seien noch in Afrika.
Wie gut, dass er sich irrte.
Kaum waren wir auf dem See, sichteten wir schon die ersten Pelikane.

rosa, weiß, schwarz

Rosapelikane. Schwarze. WeißderTeufelwasfürwelche-IchRecherchierteNichtimInternet.

nach rechts

nach links

nach rechts

nach links

Mittlerweile hatten wir 5 bis 6 Stunden auf dem Wasser verbracht. Wir wurden hungrig. Steuerten das Boot nach Hause.
Ich guckte nicht mehr nach Tieren. Nur noch auf das Wasser. Irre Spiegelungen.

artwork

Kurz vor Ankunft noch ein LanghalsReiher (gibt’s gar nicht, hab ich recherchiert – also ein Fake-Reiher).

Langhals

Es war später Nachmittag als wir wieder festen Boden betraten.
Zuhause brutzelte mir über offenem Feuer mein Wirt noch den besten Grillfisch, den ich je gegessen habe. (Dieser Superlativ muss sein!) Scrumbie!

Hausgrill

Jetzt im April sei der Fisch am besten! Laichzeit. Dann kämen die Schwärme aus dem Schwarzen Meer die Donau hoch. Und genau dann sei das Fleisch der Fische fantastisch. Ich hatte keinen Vergleich, war aber völlig begeistert.

Ich fragte meinen Wirt, wie er eigentlich erkenne, ab wann die Fische über dem Feuer gar seien.

“Wenn die Augen weiß werden”, erwiderte er.

Dinner for two

Und schließlich zeigte er mir, dass man hierzulande den toten Fisch nicht mit Messer und Gabel traktiert, sondern ihn schön mit den Fingern filetiert.
Es war superköstlich.

Dazu servierte die Frau des Wirtes eine selbstgemachte Kaviarcreme. Aus dem Rogen von Donaukarpfen.
Umwerfend.

fast schon leer

Tag 240 (23.03.2018) / Griechenland: Sarti -> Ierissós

Strecke: 82 km (08:45 – 18:15 Uhr)

Ich brach früh auf. Sarti noch im Tiefschlaf.

gibt es ein Dorf ohne Menschen?

Mein Wetter App hatte mir noch etwa 2 Stunden “Bewölkt/Sonnenschein” angezeigt (danach “Regen”) – und ich wollte unbedingt noch einen besonderen Strand im einigermaßen guten Licht sehen. 1 1/2 Kilometer nördlich von Sarti.

42 Jahre Strand

Hier war ich vor 42 Jahren auf meiner ersten großen Europareise (getrampt, mit Isomatte, Bundeswehr-Schlafsack, ohne Zelt, aber mit Gitarre) für eine Woche gestrandet. Nur der Himmel über mir. Das nahe Sarti damals ein verschlafenes Nest mit ein paar wenigen Häusern und zwei, drei Tavernen, die billig, für mich aber immer noch zu teuer waren. Ich fischte (mit loser Leine um den Finger gewickelt), grillte den Fisch im offenen Feuer, kochte mir auf einem Campingkocher was es so gab (Eintopf, Spaghetti).
Ab und zu kamen ein paar griechische Jungs vorbei. Wir klampften, sangen Arbeiterlieder (Sacco und Vanzetti) und Bob Dylan.
Es war das erste Mal (mit 20 Jahren), dass ich absolute Freiheit empfand.
Hierher gelotst hatte mich ein mit Schreibmaschine getippter Reiseführer,

als Reisen noch gebildet hat

mit selbstgemalter Landkarte von Chalkikdi. Mit so wertvollen Tipps wie: “Den besten Zeltplatz sucht man sich am besten selber … und dann per Autostop zum nächsten Dorf, Wasserholen”.

3 Finger Tipp

Als ich von oben auf den Strand blickte, überlegte ich, ob ich runtergehen sollte. Aber das war mir schließlich zu viel Pathos. Man steigt niemals zweimal in den gleichen Strand.

Ich fuhr einfach weiter … vorbei.

Kaum noch besiedelt die Küste ab jetzt. Viele einsame Strände …

Karibisches Feeling

… die erst im Sommer ihre Anmut verlieren werden.

on top of the rocks

Steinwurzeln

Dann wird sogar die eingemottete schäbige Strandbar wieder schneeweiß/griechischblau leuchten und Menschen, Menschen werden sich davor drängeln.

Winterstarre

Wind kam auf, Regen. Ich musste ein Bergmassiv kreuzen. Suchte ab und zu Schutz unter einem Baum mit breiter Krone.

Es graute früh. Schussabfahrt nach Ierissós mit (geahnt) grandiosen Aussichten auf Inseln, Landzunge, Halbinseln, auf dunkles Meer.

Insel schwimmt immer oben

Unterkunft in Ierissos: Hotel Markos. Strandnah. Familienhotel. Einfach eingerichet. Sehr nette Rezeption. 50 Euro (ohne Frühstück).

Tag 236 (19.03.2018) / Griechenland: Weiterer Pausentag in Thessaloniki

Fast nur ältere Herren. Ich fragte mich, welcher Schicht sie angehören – oder angehörten. Feine Gesichter.

gespiegelt

Die Männer bevölkerten morgens ab 9 Uhr ein uriges Kneipenkarree im Bazarviertel. Solange die Cafés und Restaurants noch nicht öffneten, konnten sie hier ihren kleinen Flohmarkt betreiben.

Dieser Herr überpinselte mit Filzstift Farbflecken auf weggeworfenen Sportschuhen und nähte Sohlen wieder an. Kleinkram zu seinen Füßen. Zeug, das man normalerweise in Mülleimern entsorgt.

genäht

Dieser Herr war etwas professioneller, konnte offenbar Uhren und Schmuck reparieren.

geschraubt

Dieser Herr hielt mich für einen Russen und wollte mit gleich in ein Gespräch verwickeln. Ich verstand aber nichts.

gequalmt

Ein anderer Herr, der nicht fotografiert werden wollte, verkaufte ausrangierte Uralt-Fernbedienungen. Einen ganzen Koffer voll hatte er mitgebracht.
Er sprach sehr gut Deutsch, obwohl er – nach eigenen Angaben – nur 1 Jahr in Berlin gelebt hatte. Er habe als Hotelier gearbeitet. Lange habe er sogar eine kleines Hotel auf der griechischen Halbinsel Chalkidiki betrieben. Vor 10 Jahren sei es von einem Waldfeuer erfasst worden, die Feuerwalze habe alles zerstört. 80 Tausend Euro habe er verloren. Niemand habe ihm eine Entschädigung bezahlt. Ich fragte ihn, ob er denn keine Versicherung gehabt habe. Er verneinte. Das habe sich nicht rentiert. Er habe das Hotel ja nur in der Hauptsaison betrieben.
Er sagte, dass er hier an manchen Tagen mit weniger als 1 Euro Verdienst rausgehe. Nur die Samstage seien gut. Dann verdiene er auch schon mal 30 Euro mit dem Kram, den er sich besorge. Von der griechischen Regierung hielt er nichts, von Europa noch weniger.

gefüllt

Dieser eher “private” Teil des Bazars schien mir heute (Montag) fast voller …

geschaut

… als der “offizielle” Markt.
Montag hatten nicht viele Läden offen. Ganze Bazar-Straßen unbelebt.

geleert

Ein wenig Leben immerhin bei Fisch und Fleisch.

geputzt

Am Nachmittag schließlich die gute Nachricht: Der Fahrradladen, in dem ich meinen Drahtesel reparieren ließ, rief mich an und berichtete, dass sie das Ersatzteil besorgen konnten und ich am Abend das gut Stück abholen könnte.
(Super netter Laden mit extrem hilfsbereiten jungen Kerls!)
Es kann morgen also weitergehen.

Tag 166 (23.03.2017) / Portugal: Pause in Lagos

Schon leichter Regen hatte sämtliche Touristen aus den engen Gassen Lagos’ geschwemmt.

Leergespült

Beinahe gespenstische Stille.

Gassenruhe

Kam die Sonne durch, glänzten die Kachelfassaden.

Grüngekachelt

Lagos zeigte sich in aller Herrlichkeit.

Keine Touristen, nur Einheimische im zentralen Fischmarkt, der überaus modern wirkte

Abgefischt

Es wurde geschuppt, gehackt, gehäutet und ausgenommen.

Eine Spezialität: Pata – Roxa (Kleingefleckter Katzenhai).

Gehäutet

Fixe Hände hatten sie im Nu küchenfertig.

Ausgeweidet

Als die Sonne für eine Stunde die Stadt aufhellte, lief ich schnell zum nahen Strand.

Gebackener Sand
Naturfantasie

Berühmte Felsenküste.

Arg zerzauste Sandklippen.

Sandburg

Konnte durch einen Durchguck meine morgige Strecke Richtung Faro in Augenschein nehmen.

Durchblick 1
Durchblick 2

Am Abend, wie schon gestern zweimal und heute Nachmittag (also jetzt 4 Mal!), in meine ZweitagesStammKneipe gegangen. Besser gesagt meine Stamm-Vinothek.

My favorite valent-wine

Eine richtig gute Weinbar mit exzellenten Fachleuten hinter der Theke und noch besseren Weinen in den Regalen.

Heute diskutierten die Wirte (Kollektiv?) miteinander, wo sie so ein Teleskop-Gerät herbekommen könnten, um Weinflaschen aus den oberen Regalen herunter zu holen. Sie hatten keine Lust mehr, ständig auf wacklige Schemeln aufzusteigen, um die oberen Flaschen greifen zu können. Sie kannten aber den Fachbegriff für die Gerätschaft nicht. Wir diskutierten rum (auf Englisch). Ich schlug vor nach “Flaschengreifern” zu googeln. Auf Deutsch, Englisch oder Spanisch. Ohne Erfolg. Wir spornten uns gegenseitig an, einen Begriff zu finden, der einen Google-Treffer produzieren könnte. Bis mir die Suchbegriffe “langer Arm” und Greifer” einfielen. Hatte sofort Erfolg. Die nächste Viertel Stunde bemühten die Wirte auf ihren Handys den portugiesischen Übersetzer und frohlockten schließlich.

Ich hörte gar nicht mehr zu, ließ mir gut gekühlte Rotweine servieren, mal aus dem Dão, dem Alentejo oder dem Douro.
Ich fand auch noch nach Hause.

Und dort erinnerte ich mich noch an eine weitere Begebenheit in der Bar. Plötzlich war einer der Wirte hinaus ins Freie gestürzt. Atemlos. Zuvor war ein etwas abgerissener, eher junger Mann ins Lokal gestiefelt und hatte um eine Zigarette gebeten. Er wirkte ein wenig hilflos, sogar desorientiert. Der Wirt gab sie ihm, der Beschenkte nach draußen, warf mit großer Geste die Tür hinter sich zu. Und auf einmal öffnete der Wirt die Kasse. Zog einen Zehner heraus, lief dem Mann hinterher und drückte ihn ihm die Hand. Ich konnte dies gut durch das Fenster verfolgen. Ich fragte mich, was sich hinter der Begebenheit verbarg. Handelte es sich um einen abgestürzten Ex-Freund, einen verstoßenen Bruder? Um einen fremden Fremden? Warum griff der Wirt in die Kasse und nicht in seinen privaten Geldbeutel? Warum dachte ich überhaupt in diesem Moment über diesen Unterschied nach? Wichtig und ergreifend war doch nur die Geste des Schenkens. Ich schlief wohl über diese Frage ein.

Tag 162 (19.03.2017) / Portugal: Lissabon -> Alcácer do Sal

Start zur 6. Etappe meiner Europa-Umrundung.
Sie soll mich von Portugals Hauptstadt aus rund um die iberische Halbinsel führen. Vielleicht bis Barcelona.
Vor den Start hatte ich noch 2 Tage Lissabon–Aufenthalt gehängt.
Das Zentrum bezaubernd – gleiche herzliche Empfindung wie das letzte Mal auch.

Und die Stadt ebenso überlaufen. Es wurde mir schnell zu viel, zu voll.

Konserviert

Lisboa wie eine riesige Sardinenbüchse. (Wobei das genau die neueste Mode ist: eingelegter statt frischer Fisch. Ölsardinen. Dosenkunst in tausend Variationen.)

Frau am Konservenfließband

Am Sonntag schließlich die 6. Etappe gestartet.
Der erste Tag zum Einrollen:

Strecke: 77 km (08:00 – 17:00 Uhr)

Frühmorgens mit der Fähre den Tejo überquert.

Fluss wie Meer

Obwohl immer noch Lissabon, wirkten die Vorstadt-Viertel schon sehr ländlich.

Malerisch gelegener Vorort
Trockenwäsche

29 Kilometer bis Setúbal geradelt und dort die zweite Fähre genommen, diesmal um über die Flussmündung des Sado zu gelangen.

Nur fort!

Kilometerlanges Naturschutzgebiet um Troia. Und trotzdem unzählige Bötchen mit Hobbyfischern. Manche sogar in Tretbooten unterwegs. Alle mit Angel und Netz bewaffnet.

Paddelfischer

Grandiose halbwüstenähnliche Dünen-Landschaft.

Hingedünt

Kilometerlange Sandstrände. Kilometerlanger Sonnenschein. Doch noch keine Sommergefühle. Immer wieder attackierten mich die Arbeitseindrücke der letzten Monate:
TrumpIlliberaleDemokratieKaczyńskiKeineninteressiertSyrienUndundund…
Ich will versuchen diesen toxischen politischen Feinstaub abzuschütteln. Mich nur auf die Reise zu konzentrieren.

Die Welt hinter mir eine Kugel
Gestrandet
Gefußelt

Storchennest Comporta.

Schau immer nach oben!
Deswegen

Hier verließ ich die Küste und begleitete den Sado flußaufwärts und landeinwärts. Unterwegs immer wieder traditionelle und vor allem kleine Bauernhöfe. Manche Scheunen strohbedeckt.

Unten wohnen die Menschen

In Carrasqueira haben Fischer ihre kleinen Arbeits-Hütten auf Stelzen ins Marschland gepflockt.
Pittoresk.

Fishermen’s Haus 1
Fishermen’s Haus 2
Fishermen’s Haus 3 & 4
Fishermen’s Stelzen 1

Mittlerweile weiß der Ort den optischen Schatz auch in touristische Münzen umzusetzen. Scharen von Hobby-Fotografen und Birdspottern.

Früh am Abend, lange vor Sonnenuntergang, mein Ziel erreicht: Alcácer do Sal.
Attraktives Städtchen mit ein zwei guten Restaurants.

Coming home

Unterkunft in Alcácer: “Hotel A Cegonha”. In der kleinen Altstadt. Familiengeführt. Groß. Sehr netter und bemühter Empfang. Zimmer ein wenig kalt. Fahrrad in Garage untergebracht. 50 Euro (mit Frühstück).

Tag 97 (4.11.2015) / Frankreich: Granville -> Cherbourg

Strecke: 124 km (08:45 – 19:00)

Nettes Städtchen, Granville.
Relativ früh aufgebrochen.

Am Hafen noch einen Café getrunken, kurz in das leere Meeresschwimmbecken gespuckt und dann los.

Lack ab

Flach, der Weg oft direkt am Meer entlang. Kerzengerade Promenaden…

Mehr Sand als Meer

… ewiglange Sandstrände

Dunes, Dunes, Dunes

… groteske Strandzwergenhäuschen

Sandwittchen wohnt hier

… und ab und zu ein paar Fischer, die auch ohne Hafen auskamen.

Bauer oder Fischer oder beides ?
Der ganze Fang

Die Dörfchen nett, manche hatten Markttag. Zu solchen Anlässen merkte ich, dass tatsächlich Menschen in Frankreich lebten.

Kurzzeitig belebt

Ansonsten das gewohnte Bild: menschenleere Straßen, Dörfer, Landschaften.

Es nieselte, es regnete, es windete. Und es wurde langsam duster.

Nur noch einmal riss die Wolkendecke auf, aber nicht über mir, über der britischen Insel Jersey draußen im Meer.

Where the sun shines

Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, heute noch bis Cherbourg zu kommen. Leider hatte ich die Entfernung unterschätzt. Es sammelten sich am Ende 124 Kilometer. Und wie immer – die Aufstiege kamen zum Schluss. Also: Es tat weh. Es stockfinsterte bereits und an mir jagten Auto nach Auto vorbei. Ich bekam manchmal Angst, so dicht streiften sie mich – so als ob sie mich nicht sehen würden. Aber ich hatte die Lichter an.
Es wurde elendig.
Um 19 Uhr dann schließlich angekommen.

In der Nacht die Hafengegend durchstreift. Der Reiseführer versprach “wildes Leben” und “trinkfeste Briten”. Das findet wohl nur in der Hochsaison statt. Es gab viele Pubs, die meisten leer. In einem zumindest etwas gefüllten schaute ich mir Championsleague und Arsenal an.
Ich passte mich an und zeigte mich trinkfest.

Unterkunft in Cherbourg: “Hotel du Louvre”. Zentrum. Okay. Sehr nette Empfangsdamen. Hilfsbereit. Sprachen Englisch. (55 Euro ohne Frühstück.) Fahrrad in Garage untergestellt.

Tag 74 (12.10.2015) / Frankreich: Bayonne -> Mimizan Plage

Strecke: 102 km (09:30 – 18:30)

Beim Hinausfahren aus Bayonne nieselte es ein wenig.
Ich folgte einer kleinen Landstraße.
Ab und zu bemalte Wassertürme.

What goes up ...

Zwei Stunden dauerte es, bis ich bei Capbreton wieder das Meer zu Gesicht bekam. Riesige Hotelanlagen, die aber fast völlig verwaist waren. Mit Ausnahme von einigen Surf-Schulen, die Gruppen von Jugendlichen im Wellenreiten schulten.

Es sah aus als würden junge Soldaten den Strand stürmen.

Gestrandete

Die Invasion verlief allerdings friedlich.

Die Invasion verlief allerdings friedlich

Auf dem zentralen Markt warteten die Verkäuferinnen und Fischausnehmerinnen auf Kunden.

Mehr Fisch als Fleisch
Nur Fisch

Nur Stichstraßen und Kanäle führen zum Strand.

Mit dem Lineal gezogen

Die eigentliche Route verlief im Landesinnern. Riesige Eichen und Kiefernwälder. Manchmal 10, 15 Kilometer ohne eine einzige Behausung. Reiner Fahrradweg. Absolute Stille.
Nicht einmal ein Vogelschrei.

Kein Weg raus

Nach den Baskischen Bergen war ich nun im Flachland, eigentlich. Aber einfach war die Strecke nicht, immer wieder kurze heftige Anstiege, eine Düne rauf.
Schon bald schmerzten mir beide Knie.

Zum Ausruhen immer wieder zu den Stränden.
Ewig lange Sandbänke.
Feiner Sand.

Könnte auch Nordsee sein
Sandmeer

Viele Strandsiedlungen völlig leer. Hier brummt das Geschäft nur im Sommer.

Gleich kommt Django

Niemand, der mir ein Glas Wein zur Stärkung reichte.
Es wurde ein langer Tag.
Über 100 Kilometer am Ende abgestrampelt.

Unterkunft in Mimizan Plage: Chez Jean Paul. Sympathisch, bürgerlich, im Zentrum. Großes Zimmer mit modernem Bad. Fahrrad in Abstellkammer untergestellt. 50 Euro (ohne Frühstück).

Tag 38 (24.03.2015) / Kroatien: Zadar-> Sibenik

Strecke: 75 km (08:00 – 15:30)

Strecke begann sehr leicht. Völlig flach.

Erst nach zwei drei Stunden die ersten Hügel und Ausblicke auf die Inselwelt vor der Küste.

Inseln am Horizont

Gegen Ende dann bergig und mit einer langen Brücke über einen Fjord.

Sibenik am Horizont

Sibenik schön. Verwinkelte Altstadt mit einer Weltkulturerbe-Kathedrale, die aber gerade innen restauriert wird. Alles eingerüstet.

Sibenik - Weltkulturerbe

Abends in einer Kneipe in Marktnähe essen gegangen. Nur Männer, nur Einheimische. Alle aßen Fleisch, keinen Fisch. Ich bestellte mir Kohlrouladen. Köstlich. (Der Kohl schmeckte fast schon nach Sauerkraut. Die Füllung: Hackfleisch mit Reis. Dazu Kartoffelstampf.)

Kurz zuvor hatte mich die Nachricht vom Absturz eines deutschen Flugzeugs über Frankreich erreicht. Rund 150 Tote. Obwohl weit weg, konnte ich mich von dieser Katastrophe nicht freimachen.

Hotel Jadran in Sibenik. Wohl seit Jahrzehnten nicht mehr renoviert. Leider mieser Standard. Dafür wirklich überteuert. Liegt aber super, nahe der Kathedrale. Fahrrad im Foyer untergebracht. (59 Euro mit Frühstück.)

Tag 34 (20.03.2015) / Kroatien: Plomin -> Selce

Strecke: 81 km (10:45 – 18:15)

Ab dem schön hoch gelegenen Hotel ging es erst mal immer runter. 21. Gang! Eine ganze Stunde. Welche Wonne.

In die Klippen gebaut

Im Tal: Bäderarchitektur: Will sagen: mondän wie in Baden-Baden oder Bad C oder Bad D oder Bad E.

Gekurvt
Einladend

Dann wieder rauf und runter. Anstrengend.

Ausladend

Es dämmerte, graute, dunkelte bereits bedenklich und ich war immer noch ohne Unterkunft. In Crikvenica jedes Hotel, jede Ferienwohnung abgeklingelt. Keine Tür öffnete sich. Eine Frau auf der Straße gab mir den Tipp bis nach Selce weiter zu fahren. Dort habe das Hotel Marina wahrscheinlich offen.

Yep!

Mit dem letzten Tageslicht das wahrscheinliche Hotel erreicht! Der Empfangsboy saß schon draußen und fischte mir den Frischfisch fürs Abendbrot!

Caspar David beim Abendrot-Angeln

Unterkunft: Hotel Marina in Selce. Tito-Flair. Aber wenigstens außerhalb der Saison offen. Extrem nettes Personal. Restaurant: so lala. (Aber wenigstens außerhalb der Saison offen. (Ufff!)). (54 Euro mit Frühstück.) Fahrrad im noch nicht benutzten Fitness-Raum untergebracht.