Meer Europa

Schlagwort Archiv: Fischerboot

Tag 276 (27.9.2018)/ Dänemark: Klitmøller -> Lønstrup

Strecke: 139 km (09:15 – 19:00 Uhr)

Hätte ich mich auf meine Wetter-App verlassen, wäre ich im Bett liegen geblieben und hätte mich endlich mal von den Strapazen der letzten Tage erholt. Sturm und Regen waren angesagt.

Aber schon bei Aufbruch in Klitmøller war es zumindest trocken. Wenngleich das kleine Dörfchen – in der Surfercommunity “Cold Hawai” genannt – reichlich verschlafen wirkte. Ich fand kein offenes Café. Fuhr mit knurrendem Magen los.

Leuchttürmchen

Am Morgen blieb es grau. Der Fahrradweg führte durch bezaubernde Dünenlandschaften. Die Farbe Grüngrau dominierte den Morgen.

Wallend

In einer Tanke fand ich schließlich meinen Morgenkaffe.

Je weiter ich mich nach Norden vorarbeitete, um so schöner die Streckenführung. An kleinen Seen vorbei, auf Pfaden, die durch riesige Schilffelder führten. Vorsichtig schimmerte Sonnenlicht aus den Wolken.

Wogend

Ich machte einen Abstecher zum Thorup-Strand und auf einmal lugte die Sonne zaghaft durch Wolkenritze. Nur der Wind peitschte, als wolle er die Fischerboote noch weiter aus dem Meer treiben.

Gestrandet

Endlich mal wieder Farbe vor Linse.

Im Kiesbett
Einheitsfarbe
Beflaggt

Weiter ging’s.
Wieder durch Dünen und Dünenwiesen. Der Weg teilweise mit Golfrasen begrünt. Strange.

Von der Schnur gezogen

Heute fast keinen Asphalt befahren – fast ausschließlich herrliche Wander- und Fahrradwege durch einsame Küstenwälder. Flach war es selten. Eher was für Crossbiker.

Erneut steuerte ich einen Strand an und wurde fast weggeweht – so heftig der Sturm.

Die Sonne zeigte sich jetzt kraftvoll und malte die auf Sand gesetzten Schiffe bunt aus.

Schiffschwarm

Die Szenerie hatte einen Hauch von “mediterran”.

Einzeller

Nur nicht die Dörfer – sie wirkten leer, verlassen, aus der Saison gefallen.

Sanddorf

Ich picknickte kurz (1 Banane, 2 Scheiben Brot mit Käse, 1 Flasche Schweppes).

Farbenfroh
Abgelegt
Bedünt

Und fuhr wieder durchs Hinterland. Jedesmal, wenn der Weg durch einen Wald führte, freute ich mich. Dort windete es nicht so stark.

Durchgehend

Königliches Jagdgebiet. Was bedeutete das Schild? Schieß den König? oder Schießen für den König reserviert?

Angeln verboten

Es war schon Abend, als die Sonne sich endgültig verabschiedete, der Sturm beinahe orkanartig wurde und ich die Klippen von Norre-Lyngby erreichte. Das Dörfchen auf der Klippenkante verliert mit den Jahren immer mehr Häuser. Sie stürzen einfach ab.

Ausgeklippt

Vom Meer geholt. Hier bekam ich eine Ahnung, mit welcher Kraft die Nordsee die Küste bearbeitet.

Gischtende See
Gischtende See 2

Kurz vor der Dunkelheit in Lønstrup reingeradelt. Zufrieden und kaputt.

Unterkunft: Hotel Kirkedal. Zweckmäßig eingerichtet. Empfangen wurde ich – wie so häufig – mit einem Zettel an der Tür: Rezeption geschlossen. Schlüssel befindet sich dort. Bei Fragen bitte folgende Nummer anrufen. (80 Euro mit Frühstück.)

Tag 269 (20.9.2018)/ Niederlande: Alkmaar -> Den Burg

Strecke: 65 km (09:15 – 16:00 Uhr)

Welche Wohltat, in den Niederlanden Fahrrad überland zu fahren. Mir scheint, die Radwege werden noch besser gepflegt als die Straßen.
Heute sogar lange Stücke durch einen friesischen Dünenwald geradelt. Außer mir war dort niemand unterwegs.

Waldeinsamkeit

Von den Dünenspitzen: Aussicht mit Sturm.

Gerichteter Blick

An den Stränden: Einiges los, trotz schlechter Sicht.

Dunstig ist überhaupt keine Beschreibung

Das Wetter in Nordholland wechselte im Minutentakt.

Verschleiert, geschliert

Mal verhalten strahlend.

Spätsommersonnig

Mal überraschend nicht völlig suppig.

Herbstsonnig

Für morgen war ein Temperatursturz angesagt, samt Regen und heftigen Windböen.

Spätsommerherbstsonnig

Ich nutzte die letzten warmen Stunden und setzte mit der Fähre von Den Helder auf die westfriesische Insel Texel über.

Doppelgriffig

Die Insel bestand im Prinzip nur aus Vieh- und Schafsweiden. Mit ein paar eingesprengten Dörfern.
Überraschend groß allerdings die Fischfangflotte, die in Oudeschild im  Hafen liegt.

Ausladend
Eingerastet

Die Dörfer schmuck, die Häuser frisch getüncht, die Vorgärten akkurat. Ich fühlte mich wie in einer Lego-Welt für Erwachsene.
Ich hatte das “S”-Wort eigentlich vermeiden wollen. Aber ich entkam ihm nicht. Trotz überhaupt nicht aufgesetzter Gastfreundschaft, trotz guter Laune, die Kellner und Ladenbesitzer warmherzig verströmten:
Es war spießig hier in Nordholland.
Wo waren die bärbeißigen Walfänger und Seefahrer, die tätowierten Rocker und amsterdamschen Rumhänger, wo die Flippigen und jungen Straßenkiffer oder Tunixe?

“Gepflegt” war hier alles, von der Straße über den Radweg bis zu den Häusern, den Stränden und sogar das Verhalten der Menschen.

Die größte Extravaganz, die sich Einheimische, Urlauber und zugereiste Rentner erlaubten, war der eigene Hund: gestriegelt, gekämmt, “gepflegt” und immer an der Leine.
Jeder hier führte einen Köter mit sich.

Meine Kamera weigerte sich, dieses Elend zu fotografieren. Also begnügte ich mich mit Fassaden …

Windkreuz

…und Straßenansichten.

Leergefegt

Irgendwann würde sich auch wieder die Lust einstellen,

Gereiht

Menschen zu fotografieren.

Begrünt

Vielleicht morgen.

Unterkunft: Hotel De Smulpot. Feines und sehr schönes Boutique-Hotel im Zentrum von Den Burg. Wie alle Unterkünfte sehr hochpreisig. 100 Euro (mit Frühstück). Fahrrad draußen angekettet.

Ruhewoche Ginostra/Stromboli (12.-17.10.2017)

Der reiche Poet

Zimmer mit Aussicht …

… und Schreibtisch

Poetenausstattung

Im Laptop der neueste Band Elena Ferrantes (“Die Geschichte der getrennten Wege”). Im Kühlschrank immer ein gut gekühlter Tropfen.

Angelehnt

Der Blick frei – frei aufs Meer. Auf die anderen Liparischen Inseln am nahen Horizont.

Zickzack

Jeden Tag des gleiche Tragflügelboot, aber das Meer mit Chamäleonfarben.

Füße gut gekühlt

Ginostra: Im Winter leben hier am Fuße des Vulkans Stromboli 30 Menschen. Im Sommer kommen manchmal 500 Touristen an einem Tag. Jetzt, in der Nebensaison, war der Ort fast leer.

Vielzack

Vor 40 Jahren war ich das erste Mal hier. Dann noch zweimal im Abstand von jeweils rund 10 Jahren.
Damals gab es noch keine Schnellboote, die hier anlandeten. Nur eine große Fähre, die weit außerhalb hielt. Fischerboote nahmen mich noch vor 20 Jahren draußen auf und brachten mich an die Steilküste, an der es nur einen Kleinsthafen (für 1 Fischerboot!) gab.
Mittlerweile ragt ein befestigter und robuster Landungssteg in die See.

Etagenbau

Aber noch immer ist der Esel das einzige Transportmittel in Ginostra. Es mühen steile Treppen vom Hafen hoch zum Dorf.

Zieh-Esel

Manche Gesichter erinnere ich noch. Wenn ich auch schnell beschloss, keine Einheimische zu fotografieren. Sie werden im Vierteljahresrhythmus von Fotografen regelrecht belagert.
Seit etwa 12 Jahren fließen Strom und  Wasser im Dorf. (Gab es vorher tatsächlich nicht!)
Strom: Dank einer Solaranlage in einer Bergmulde (versteckt).
Wasser: Dank großer Wassertank-Schiffe aus Neapel. (Früher so gut wie nur Zisternen-Wasser.)
Die Toiletten sind jetzt innerhalb der Häuser. (Früher Plumpsklos draußen.)

Und trotz unübersehbarer Modernisierung: Viel hat sich in Ginostra trotz Landungssteg, Strom und fließend Wasser nicht geändert.
Kein Internet. Keine Bank, kein Geldautomat, kein öffentliches Gebäude. Eine leerstehende Kirche, 2 kleine Läden, 1 offenes Restaurant (bis Ende Oktober).

Kein Auto, kein Fahrrad, keine Vespa.
Nur steile Wege ..

Scharfer Blick

… samt wunderschöner Häuser im traditionellen Stil.

Geschliffene Hauskanten & Goldrand am Horizont

Tagsüber das Licht grell. Nur kräftige Farben können Paroli bieten.

Lieblingsblau
Götterthron
Farbenmut
Farbenmut 2
Selbst das Weiß ist kräftig, fast massiv

Einst war der Ort ein Himmelsgeschenk. Zumindest was die Natur anbelangt. Die Vulkanerde fruchtbar. Der Wein, der auf kunstvoll angelegte Terrassen wuchs, berühmt.

Stachelig

Obst und Gemüse im Überfluss.

Dickhäutig

Bis ein heftiger Vulkanausbruch in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts fast alles zerstörte: Gärten, Häuser. Ginostra erholte sich nie wieder richtig. Verarmte.
Auf dem Friedhof, der über dem Dorf thront,

Am Fuße der Zeder

ist die Armut in den Gesichtern der Verstorbenen zurückgeblieben. Ausdrucksstarke Gesichter. Die Gedenktafeln erzählten mir, dass fast alle Toten Fischer, Bauern, Bäuerinnen, Mägde waren. Einige wenige: Lehrer, Bürgermeister, Postbeamte.

Erst in den 70er Jahren brachten erste Touristen ein bisschen Wohlstand für die wenigen dagebliebenen Familien. Auch wenn die Anreise für die Abenteurer beschwerlich war. Sie lebten damals in Ginostra so wie ich auch heute: Den Tag verbummeln. Ein bisschen Spazierengehen. Das Meer bestaunen.

Archaeopterix

Den Lauf der Sonne verfolgen.

Sonnenblume

Kurz vor Sunset zur Sciara wandern – der Lava-Rutsche des Vulkans. Eine Viertel Stunde von Ginostra entfernt.

Er spuckt

Mit etwas Glück …

Komm mir nicht zu nah!

… das Feuerwerk bestaunen, das der Vulkan in schöner Regelmäßigkeit veranstaltet.
Zuhören wie die Lavabrocken und Steine über die Feuerrutsche ins Meer donnern.

1000 Wunderkerzen

Ich hatte dieses Mal beschlossen, nicht zum Gipfel hoch zu wandern und dort zu übernachten. Ich hatte den Vulkan schon drei Mal bestiegen.

Lieblingsberg

Ich wollte nur faul sein. Nichts tun. Lesen, trinken, lesen, trinken. Den Tag vergehen lassen. Er tat es auch ohne meinen guten Vorsatz.

Tag 210 (28.09.2017) / Italien: Vernazza -> Castiglioncello

Strecke: 120 km (08:00 – 18:15 Uhr)

Die Strecke hoch wollte ich mir nicht noch mal zumuten.
Ich wusste, wie es sich anfühlt.
Es gab nur einen Weg zurück. Den gleichen, den ich runtergestürzt war.
Das hätte geheißen: 36 Kilogramm (Fahrrad und Gepäck) 2 Stunden hoch schieben. Der 1. Gang wäre völlig unnütz gewesen.
Genug der Verteidigungsrede.
Ich fühlte mich nicht stark genug, diesen verdammten Vernazza-Berg, den ich vorgestern mit fast versagenden Bremsen hinunter gerast war, wieder hochzustrampeln.
Also nahm ich um 7:09 Uhr den Lokalzug bis La Spezia.
20 Kilometer, 20 Minuten und viele Nerven gespart.
Reine Tunnel-Strecke. Nur an zwei Zwischenhalten kurz Tageslicht gesehen.

Danach: Zunächst wieder (kleine) Berge.

Schwarzwald mit Meer

Lerici. Beschauliches Küstenkaff. Die vielen Boote täuschen. Die Frühstücks-Terassen-Lokale leer. Bis auf mich.

Bodensee mit mediterranem Platz

Danach: flach. Gottseidank. Ich fühlte mich schwach. Meine Beine radelten irgendwie vor sich hin.

Aus Steilküsten wurden Sandbänke. Endlos weite Sandstrände. Pudersand. Wie Sylt. Nur südlicher.

Pisa ließ sich nicht umradeln. Meine Strecke – gen Süden – führte mittenmang.

Schief halt.

Durch Foto und Foto bekannt

Dutzende, Hunderte, Tausende fanden das lustig.

Alle – ausnahmslos alle – wollten irgendwann mit ihren fotografischen Händen den Turm stützen.

Oder gerade rücken.

Must be english

Samy Molcho hätte sich gefreut.

Ich hielt mich nicht lange auf. Die Dörfer, Städtchen, die folgten: italienisch (klar – war ja auch hier).

Portobelloroad auf italienisch

Will sagen: belebt, große Märkte, laut, wuselig.
Und immer wieder: gut ausgebaute und markierte Fahrradwege.

Walk on the sideway of life

Ich kann kein Italienisch, aber vielleicht stimmt’s: ti amo, Italia. Du bist so anders als ich fälschlicherweise gedacht habe.

No ride

Tag 118 (08.04.2016) / Italien: Campomarino -> Peschici

Strecke: 98 km. (09:30 – 18:30)

Das Ziel der letzten Tage war: dem grauen und nebligen Norditalien entkommen. Es bestand Aussicht auf Erfolg.
300 Kilometer war ich die letzten 3 Tage geradelt, immer gen Süden. Jetzt erreichte ich die Einfahrt zum Gargano. Dem italienischen Sporn.
Empfangen wurde ich dort von einer überlebensgroßen Figur des Padre Pio: der Nationalheilige des Südens.

Zerrupfter Heiliger

Er war noch in Grau gehüllt, aber am Horizont blitzten schon ein paar Lichter.
Die Sonne zerstach die Wolkendecke und ließ ahnen, in welch prächtige Landschaft ich hineinfuhr.

Gehöft am Meer

Der Beginn des Gargano war von zwei Lagunen geprägt, in denen Fischerboote auf ihren Einsatz warteten.

Comes a time
Flottenstrategie 1
Flottenstrategie 2

Schließlich verließ ich das Flache. Und es wurde anstrengend. Schnell (oder auch nicht) gewann ich an Höhe.

Die Küste wurde aufregend. Die Sonne kämpfte noch mit ihrem Versprechen, mich mit Licht zu versorgen.

Wald, Wiese, Meer

Rodi Garganico, ein kleines wildes Städtchen, lag noch im Tiefschlaf. Es war mir fast unmöglich meinen Nachmittagswein zu organisieren. Ein Ort für schönere Tage! Irgendwann mal wieder.

Schließlich aus der Ferne meine Ziel fixiert: Peschici. Stadt auf den Klippen.

Wald, Klippe, Stadt
Wald, Klippe, Stadt, Meer

Traumhaft schön. Eine Altstadt zum verlieben. Auch wenn ich nur kurz das Vergnügen hatte, durch die engen Gassen zu schlendern.

Der Himmel öffnete sämtliche Schleusen und ließ Regen niederprasseln, der jeden anständigen Menschen (und auch die Nichtanständigen) nach Innen trieb. Ich freute mich. Die Luft würde morgen klarer sein. Der Frühling würde beginnen!

Unterkunft in Peschici: “B&B Albergo Celestina”. Altstadteingang. Ist eigentlich ein großes Restaurant. Vermietet aber auf B&B Basis auch einige Zimmer. Sehr geräumig. Balkone. Teilweise Blick aufs Meer. Restaurant auf Großbetrieb eingestellt. Trotzdem gemütlich. Große Terrasse mit Meersicht! (50 Euro mit Frühstück.) Fahrrad in Innenhof abgestellt.

Tag 59 (14.04.2015) / Griechenland: Pause in Astakos

Die Fahrzeugflotte Astakos’ wurde schon lange nicht mehr erneuert.

Gelber Pickup
Weißer Pickup
Grüner Pickup

Die Fischerboote auch nicht.

Fischerboot braucht keine Farbe

Auch die Einwohner werden älter und älter.

Warten auf den frischesten Fisch

Die Jungen gehen weg oder schlagen sich als Fischer oder Kellner  durch.

Gefangen
Jedes Gramm zählt

Ich tat den ganzen Tag nichts anderes als die vielen Katzen in Astakos:
Ich döste an diesem ersten richtig heißen Tag der Tour vor mich hin.

Faule Gesellin