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Kulinarisches Brevier: Norwegen 1

Ich hoffe, dass ich beim nächsten Mal (wenn ich die Schlussetappe in Norwegen fahre) mehr über norwegische Essensgewohnheiten, über Spezialitäten und die Qualtität der Restaurants sprechen kann. Viel zu selten hatte ich dieses Mal Gelegenheit, in Gasthöfen einzukehren. Und die Supermärkte unterwegs boten kaum Besonderes. Mangels Alternative musste ich mich oft von Konserven ernähren. Thunfisch in Öl oder in Tomatensoße eingelegte Makrelen: Mehr als einmal griff ich zu. Es schmeckte. Nur norwegischen Filter-Kaffee (allgegenwärtig) kann ich langsam nicht mehr ab. Zum Aufwachen ganz gut. Aber kein Genuss.

Alkohol: In den Restaurants und Bars fast unerschwinglich. Ein Lager oder Pis (0,4l) fängt bei ca. 9 Euro an, geht aber auch schon mal bis 12 Euro. Ein Glas Wein (0,12 l) ca. 10 Euro – der Preis steigt rasant mit der Qualität. 15 Euro für einen Schluck guten Sauvignon Blanc – nicht ungewöhnlich. Dosenbier gibt es in Supermärkten zu kaufen (ca. 3 Euro.) Wein dagegen nur in staatlichen Alkoholshops (Vinmonopolet).

Die sind auf dem Land aber eher selten. Eine Flasche durchschnittlicher Côtes du Rhône liegt bei ca. 12 bis 13 Euro.

Und ja: Gebäck ist in Norwegen richtig klasse. Ob Brot oder Zimtbolle.

Das macht Spaß.

Lakselv

Hotelrestaurant “Porsanger Vertshus

Pasta mit Hühnchen.
Anständig.

Repvag

Hotelrestaurant Repvag

Dorsch in Teigmantel
(Polnische Art)
Etwas trocken, aber ausgesprochen gut. Fisch auf den Punkt gegart. Gebratene Kartoffeln waren knackig und (Gottseidank) nicht ölig.

Tromsö

Restaurant “Fiskekompaniet”, am Hafen
Von meinem Reiseführer hochgepriesenes Fischlokal. Jedoch völlig enttäuschend.

Fish Soup
white fish, smoked salmon, mousseline, bottarga
Baked Bacalhau
tomato purèe, saffron risotto, olive-tomato and caper salsa

Sowohl Fischsuppe als als auch Kabeljau. Koch hatte u.a. komplett Salz vergessen. Wusste auch nicht, was würzen sonst heißt. Eigengeschmack wog das nicht auf. Hatte keine Lust, mich zu beschweren. Hätte es aber tun sollen/müssen.

Finnsnes

Hugo’s Pub

Eintopf mit gepökeltem Rentier
Kraut und Rüben. Sättigend. Mehr nicht.

Gratangen

Hotelrestaurant “Fjell Gratangen”
Endlich mal ein Koch, der sich anstrengte. Ich war spät gekommen (eigentlich nach Küchenschluss). Aber der nette Koch wärmte noch ein paar Reste auf. Dafür wirklich köstlich.

Pulled Rentier und Lachspaste auf Brot.
Gebratener heimischer Lachs

Mascarpone-Creme

Narvik

Bude mit Terrasse “Arild’s Grillbar”, Zentrum

Beef-Wrap
Mit allem
Gut.

Kobbelv

Restaurant “Kobbelv Vertshus”

Moose “karbonade” dinner
(Served with mushroom, onion sauce, fried potatoes, vegetables)
Das Rentier-Hacksteak war saftig. Wieder war ich überrascht über den feinen und zarten Geschmack von Rentierfleisch. Der Rest: na ja.

Ornes

Hotelrestaurant “Ornes

Panfried cod tongues from Rost
(Served with cooked potatoes, sour cream dressing and salad)
Fischgeschmack ging in der Panade völlig unter. Schade.

Trondheim

Restaurant “Folk og Fe
Sehr ambitioniertes Lokal an der historischen Brücke Gamle Bybro, das wahlweise ein 3 oder 6 Gänge Menü anbietet. Fast täglich wechselnde Menüfolge. Köche pflegen eine experimentelle nordische Gorurmetküche.

Vor “Schreck”,
endlich einmal exzellent zu essen, habe ich vergessen, mir Notizen zu machen und bekam das 3 Gänge Menü dann später auch nicht mehr richtig zusammen. Schon die Vorspeise
(Seeteufelcreme mit Kartoffelchips)
hatte eine solche Vielfalt an Aromen, dass ich fast überfordert war. Die Hauptspeise
(Gebratener Seehecht)
war samt butterzarter Soße unbeschreiblich. Mir ein Rätsel, wie man so eine krosse Haut hinbekommt, ohne dass sie verbrannt schmeckt und ohne, dass das Fischfleisch übergart wird.
Und dann das schmelzige
Nusseis
Irre!

Ich war kulinarisch wieder versöhnt mit Norwegen 🙂

Trondheim

Restaurant “Baklandet Skydsstation
Man muss nur in die Stadt gehen und schon hat man eine Riesenauswahl an guten Lokalen. Am zweiten Tag in Trondheim besuchte ich den Platzhirsch der lokalen Küche. Exzellente Hausmannskost.

Ob intensive und leicht scharf gewürzte
Fischsuppe
(Red tomato-based soup
w/ salmon, pollock, shrimp, carrots, celery, herbs. Bread and butter)
oder der Klassiker
Rentiergulasch
(Wild reindeer casserole in a delicious rich sauce with onions and mushrooms. Served with potatoes, crisp mixed salad, wild cranberries and flatbread).
Das war Gasthausküche at it’s best! Ganz zu schweigen vom
Hausgemachten Kuchen
(cheescake with blueberry sauce)
Kriegt man besser nicht hin.

Kulinarisches Brevier: Finnland

Zu den Geheimnissen der finnischen Küche bin ich nicht vorgedrungen. Das lag auch daran, dass ich unterwegs nicht häufig genug Restaurants fand, in denen einheimisch oder irgendwie “nordisch” gekocht wurde. Die Gasthofdichte auf dem Land – selbst entlang der Ostseeküste – ist gering.

Wenn ein Lokal offen hatte, dann waren es oft Pizzerien, Schnellimbisse, Kebab-Stuben. Die Qualität dort: miserabelst. Einmal musste ich eine Pizza – trotz Riesenhungers – sofort entsorgen. Sie schwamm in Fett und trug eine verklebte billige Käsematte – schlicht ungenießbar.

Wenn ich Glück hatte gab’s wenigstens Meeressnacks aus der Tiefkühltruhe.

Oder – und das war dann köstlich – belegte Brote aller Art. Einmal bestellte ich in einem Kiosk ein Dosenbier dazu. Es ist eigentlich nicht erlaubt, dieses auch im Imbiss gleich zu trinken. Die Wirtin camouflierte das Bier aber augenzwinkernd. Schüttete es in Kaffeehumpen, so dass es aussah, als tränke ich Cappuccino.

Und dann gab es noch die Burger-Stuben. Nicht so ganz mein Geschmack. Aber besser als verhungern. Immerhin war die Qualität des Fleisches und vor allem auch der Brötchen gut.

Fand ich dann doch ein Restaurant, war das Essen meist das, was wir bei uns “gutbürgerlich” nennen. Die Preise stattlich. Die Hauptgerichte etwa zwischen 20 bis 25 Euro. Bier und Wein in den Lokalen astronomisch teuer. Da half dann nur “Selbstversorgung” in den staatlichen “Alko”-Shops.

Sie lagen manchmal etwas versteckt (Absicht?). Aber dort gab es für den Preis eines 0,12 l Glases im Restaurant gleich die ganze Flasche. Ein akzeptabler Côtes du Rhône kostet dort etwa 12 Euro.

Tammisaari

Restaurant “Fyren“, direkt am Hafen
Neu, riesige Glasfront, die den Blick auf die Ostsee freigibt. Ambitionierte Küche, die gleichwohl auf Klassiker setzt.

Gebratener Lachs mit grünem Spargeld und Pell-Kartoffeln
Gut.

Karuna

Restaurant/Pension “Kievari”
Eigentlich unglaublich, dass es in einem so winzigen Dorf ein solch gutes Restaurant gibt. Wenngleich die Karte sehr übersichtlich war und ich nicht viel mehr als die Wahl zwischen Burger und Steak hatte. Hier wurde aber mit Liebe gebrutzelt. So gut wie alle Zutaten kamen aus der näheren Umgebung und waren “Bio”. Sogar das Bier war aus einer kleinen Craftbeer-Brauerei – einige Kilometer entfernt.

Beefburger
(Mit selbstangerührter Soße und Chutney)
Klasse.

Turku

Restaurant Vaakahuone Pavilion. Beliebtes Fischlokal mit Terrasse, direkt am Fluss. Schneller und freundlicher Service. Jazz gab’s live und umsonst.

Gebratener Lachs
(mit gekochten Kartoffeln und Paprikagemüse)
Ordentlich.

Oulu

Restaurant “Hellas”
Schönes und gemütliches Lokal im Zentrum.

Jerusalem artichoke soup
Suppe fein.
Overcooked beef brisket and pork rips
Rinderbrust zart. Für meinen Geschmack hätte es nicht so eine dicke Béarnaise Sauce gebraucht.

Rovaniemi

Restaurant “Monte Rosa“, im Hotel Arctic City
Sehr gute Küche. Wie so häufig befinden sich viele der besseren Restaurants in Finnland in Hotels.

Dreierlei Brot
(mit gesalzener cremiger Butter)
Das ist Standard in Norwegen. Immer gibt es gutes Brot zum Menü.
Lachssuppe mit Pellkartoffeln

Rentier auf 2 Arten zubereitet
Waldbeeren mit Joghurt Eis

Alles – Suppe, Fleisch, Nachspeise – richtig köstlich. Überrascht war ich über das zarte, sehr aromatische Rentierfleisch, das so gar nicht nach “Wild” schmeckte (wobei ich das mag). Die Nachspeise klang in der Ankündigung simpel, war aber sehr raffiniert kombiniert.

Rovaniemi

Restaurant “Nili”
Touristisches Lokal, ein bisschen auf mittelalterlich getrimmt. Sicher stimmungsvoll, wenn nicht so viele Gruppen da wären. Das machte den Ort eher zu einer Durchlauf-Kantine.

Bear meat stock

Caramelized pork side
(and fresh pea mayonnaise with mustard)
Arctic pikeperch
(in rye crust and carrot foam)
Homemade oven cheese
(of colostrum milk and garden berries)

Das ganze Menü klang sehr raffiniert,
aber alles (bis auf die Bärensuppe) war eine einzige Enttäuschung. Vielleicht hatte der Koch keinen guten Tag.
Beim Zander fehlte Salz und Pfeffer.
Das Schweinefleisch war Gummi. Und die Nachspeise war lieblos.

Sodankylä

Hotelrestaurant “Sodankylä”
Gutes Niveau.

Parmesan Snails
Schnecken gut.
Reindeer Wok
Sehr gut wieder einmal das Rentier. Geschnetzelt, im Wok zubereitet, mit noch krossem Gemüse drapiert und mit Sauerrahm verfeinert.

Inari

Restaurant “Aanaar”, im Hotel Kultahovi
Sehr schön an einer Stromschnelle gelegen, unweit des Zentrums von Inari. Restaurant hat Gourmet-Ansprüche und erfüllt sie auch. Bestes Essen, seit ich in Finnland unterwegs bin.

Nettle and Lingonberry Toast
(Reindeer calf’s liver and matsutake jus)
Grilled Lake Imari Whitefish
(Hollandaise sauce seasoned with pine needles, cauliflower purée and carrot and lemon air)
Bark cake crumble, sweet grass ice cream
(with berries and spruce needle granita)

Irre, das Nessel-Brot.
Mir ein Rätsel, wie man so was hinbekommt. Sensationeller Geschmack und erst in der Kombi mit den Beeren. Unglaublich.
Der Fisch auf den Punkt gegart mit einer fantastischen Hollondaise.
Und die Aromenbombe zum Schluss: unglaublich. Da wurde mit Tannennadeln experimentiert, mit unterschiedlichen Texturen. Ich war verzaubert.
Später las ich, dass die Küche schon mehrfach ausgezeichnet wurde. Total verdient.

Karigasniemi

Hotelrestaurant “Hansabar”
Hatte etwas von einer bayerischen Gaststube. Das Bier floss gut und die Speisen waren vor allem üppig.

Smoked-reindeer pasta.
Sehr anständiges Wirtshaus-Essen. Zum wiederholten Male war ich vom Geschmack des Rentierfleisches (diesmal geräuchert) sehr angetan.