Meer Europa

Schlagwort Archiv: Glück

Tag 297 (26.06.2019) / Finnland: Oulo -> Kemi

Glück?

Am frühen Morgen aufm Markt in Oulu ein gutes Frühstück (Filterkaffee, Croissant, Krapfen und ein mit geräuchertem Lachs belegtes Brot).

Aus dem Hintergrund melancholiert dazu ein Straßenmusiker finnischen Tango auf seiner Quetschkommode.

Dazu viel Sonne und eine völlig unaufgeregte Stimmung. Das ist Glück. Morgenglück!

Die Finnen beeindrucken mich mit jedem Tag mehr. Das manchmal Kolosshafte ihrer Statur ist grobe Tarnung für eine feine Seele. Sentimentale Charaktere. Aber nicht selbstbezogen – sehr empathisch.

Ich schlenderte noch ein wenig über den Markt…

… der von einem aufmerksamen Polizisten freundlich bewacht wurde.

In den Ständen: was die Wälder und Felder der Umgebung eben so hergaben.

Das deftige und rustikale Mittagessen wurde ebenfalls schon vorbereitet.

Der Weg dann nach Kemi – dort wo der Bottnische Busen endet: langweilig.

Strecke: 109 km (09:30 – 18:45 Uhr)

Immer der Bundesstraße E8 folgend. Alle 40, 50 Kilometer gab es (wie meist unterwegs) eine Grillbude, in der ich mir diesmal mein Mittagsbier besorgen konnte.

Rast legte ich häufig auch an Bushaltestellen ein – mit ihren einladenden Holzhäuschen.

Ein Schild zeigte an, dass ich ab jetzt in Lappland war.

Und schon bald landete ich in meinem ersten lappländischen Städtchen: Kemi.

So leer, so langweilig. Aber zum letzten Mal sah ich die Ostsee. Ab morgen würde ich ab ins Landesinnere kurven. Ich nahm Abschied.

Tag 286 (15.06.2019) / Finnland: Helsinki – Start mit Pausentag

Um Mitternacht angekommen (es dämmerte grad). Musste dem Taxifahrer, der mich vom Flughafen zum Hotel in Helsinkis Innenstadt fuhr, zeigen, wie man  den Innenraum seines Wagens zerlegt, damit mein verpacktes Fahrrad in sein Vehikel passte. Er ließ es mit meinem Versprechen geschehen, die Karre nach Ankunft wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen. 

Vor 30 Jahren war der freundliche und redefreudige Mann aus Bangladesch nach Finnland ausgewandert. Etwa 2.000 ehemalige Landsleute leben – so erzählte er – mittlerweile im Großraum Helsinki. Er selbst fühle sich als Finne. Überhaupt gäbe es nur wenige Migranten im Land. Um so wichtiger sei es, der EU nicht zu folgen – behauptete er – und nicht noch mehr Ausländer hereinzulassen. Das würde die politische Stimmung in Finnland nur weiter nach rechts treiben – meinte er. Und ich wunderte mich, wie oft ich schon diese Geschichte vom Boot, das voll sei, auch von Migranten erzählt bekommen habe.

Ich richtete dem guten Herrn seinen Taxi-Innenraum wieder picobello her.

Am nächsten Tag Helsinki erkundet (war die Sonne eigentlich in der Nacht untergegangen?). Um aufrichtig zu sein: Ich hab – mal Kaffee, mal Bier trinkend – eigentlich nur auf dem Markt, in der Markthalle, an den Schiffsanlegestellen, am alten Hafen und auf der Esplanade herumgelungert.

Hochzeitstag

Vor den Ausflugsbootanlegestegen (schönes Wort!) drängelten sich die unterschiedlichsten Hochzeitsgesellschaften.

Mal hipp finnisch-asiatisch, mal gestylt unternehmerberaterisch – alle Hochzeitsgäste bestens sonnengelaunt.

Schöne Menschen.

Fotografiert sie oder kontrolliert sie die Schminke?

Glücklichste Finnen (sagt zumindest der Weltglücksreport der bescheidwissenden United Nations (UN)).

Kuss am Pier
Der letzte (Möwen)Schrei

Die Stadt nicht voll – aber mit (Tages?)Besuchern gut gefüllt.

Über (fast) allem thront der Dom

Und die Hälfte der Touristen (immerodernurheute?) Asiaten. Fast nur in Gruppen. Nur einige wenige Solisten.

Fernweh?

Direkt am Hafen der zentrale Markt.

Finnisches Gewusel

Ebenfalls die traditionsreiche Markthalle.

Mit einem professionellen Trinkgeldeintreiber.

Immer freundlich und todernst

Und natürlich mit allem, was die finnische Wildnis hergibt. (Im Ergebnis: gemeuchelte und verwurstete, eingedoste Rentiere.)

Konserve

Tag 238 (21.03.2018) / Griechenland: Nea Moudania -> Neos Marmaras

Strecke: 60 km (09:00 – 15:30 Uhr)

3 Finger hat Chalkidi. Den ersten mit Namen “Kassandra” ließ ich aus. Nahm Kurs auf den zweiten: “Sithonia”.

Es begann flach.

Land-Zünglein

Wurde steiler.

runterhoch

Die Strände immer schöner.

Strandvorlage

Das Meer spielte mit menschlichen Vorstellungen, wusch die Steine aus zu erotischen Bilderrätseln.

Steinrätsel

Steinrätsel 2

Die Küste wurden langsam wilder.

so ist Mittelmeer

Die Sandstrände abenteuerlicher.

umwerfend

Einzelstrand

Sehr früh mein Ziel erreicht: Neos Marmaras.
Es war unerwartet schwierig, eine offene Pension zu finden. Das Hafenstädtchen wie ausgestorben.

noch leblos

Und noch aufwändiger war es, mir ein Abendessen zu organisieren. So gut wie alles geschlossen.
Schließlich doch ein Lokal entdeckt.

lebe-liebevoll

Ich – der einzige Gast. Der Koch und Besitzer des Restaurants: ein alter Mann, mit gegerbtem Gesicht und imposanten Zahnlücken.
Er verschwand eine Viertelstunde in der Küche und zauberte mir eine herrliche Anchovis-Suppe. Als ich später (nach einigen Weißweinen) zahlen wollte, konnte er nicht auf einen 50er Schein herausgeben. Ich zog los, suchte einen Geldautomaten, kehrte mit kleinen Scheinen zurück und machte ihn glücklich.

Unterkunft: Pension: Greek House Hotel. Am Stadtrand. War das einzige Hotel, das offen hatte. Familienbetrieb. Wunderschön eingerichtet. Viel Liebe zum Detail. 25 Euro (ohne Frühstück). Fahrrad im Eingang untergestellt.

Tag 229 (12.03.2018) / Griechenland: Chalkida -> Rovies

Strecke: 90 km (09:00 – 18:30 Uhr)

Ich schrie vor Glück!

650 Meter mich und meinen Drahtesel den Berg hochgewuchtet. Geschwitzt, geflucht, mir geschworen, nie wieder so was zu Beginn einer Etappe zu machen.

Out of the green

Und dann die ellenlange (sprich halbstündige) Abfahrt mit Endorphinantrieb und schon erstaunlich warmem Begleitwind. Ich konnte gar nicht anders als laut vor Glück zu brüllen.

top to down

Im Tal angekommen, musste ich schnell realisieren, dass es grad so weiter ging. Nicht mehr so steil und hoch wie der erste Berg, aber beständig auf und ab.
Urwüchsig die Insellandschaft. Das Meer von hohen Bergzügen verdeckt.

Green Valley

Erst kurz vor Sonnenuntergang das letzte Hindernis geschafft.

Da unten – irgendwo im Schwarz – würd’ ich die Nacht verbringen. Glücklich.

Darkland

Unterkunft: Ferienwohnung (Apartment) “West” in Rovies mit großem Garten. Schön an kleinem Strand gelegen. Sehr zuvorkommender Besitzer. 35 Euro (mit Frühstück). Fahrrad im großen Zimmer untergebracht.

Tag 148 (18.09.2016) / Polen: Białystok -> Białowieża

Strecke: 83 km (09:30 – 16:00)

Unterkunft in BBiałowieża: “Apartamenty Galeria Trunków”. Bin erst erschrocken, als ich sah, dass die Pension Teil einer Tankstelle war. Dann entpuppte sie sich als außerordentlich großräumig, nach hinten rausblickend, still (auch ohne Geruchsbelästigung) und mit einem sehr gut englisch sprechenden Mann, der äußerst hilfsbereit mir alles erklärte. (30 Euro ohne Frühstück). Fahrrad im Hof untergebracht.

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Wow! Welch eine Wucht. Etwa 2 Stunden nachdem ich Białystok verlassen hatte, fuhr ich durch ein Dorf names Trześcianka und hielt unverzüglich an.

Wild East

Wild East

Das nächste schöner als das vorige – oder war vice versa? Ich lief wieder zurück. Konnte meinen Fotoapparat gar nicht absetzen. Bauernhaus an Bauernhaus aus dem 16. Jahrhundert. Alle bewohnt, alle unter Denkmalschutz und gut restauriert.

Zwillinge

Zwillinge

Konnte mich nicht sattsehen an diesen Holzkonstruktionen. Über 500 Jahre alt.

Janus

Janus

Ich hatte meine Route zufällig ausgewählt. Hatte nichts über diese Gegend gelesen. Auch andere Straßen führten nach Süden, vielleicht sogar schneller.

Doppelflügel

Doppelflügel

Was oder Wer führte mir dann heute Glück zu? Der Zufall?

Ich brütete eine Weile darüber. Und kam zu dem Schluss, dass es eine unsinnige Frage war.

Ich kannte die anderen Optionen nicht. Vielleicht verbargen sich dort noch schönere Welten.
Nur: Warum hab ich mich an der letzten Kreuzung für links statt rechts entschieden?

vierfach

vierfach

Ich konnte mich nicht sattsehen an den alten Ornamenten.

Ornament

Ornament

Das Dorf war 15hundertnochwas von russischen Siedlern gegründet worden. Schon bald wurde eine Kirche gebaut.
Diese hier – dem Erzengel Michael gewidmet – wurde 1864 gezimmert.

Sakrament

Sakrament

Leider waren die Türen verschlossen. Auch bei der nächsten orthodoxen Kirche, ein paar Weiler weiter.

Doppel

Doppel

Ich fuhr weiter Richtung Nationalpark Białowieża – herrliches Grün unterwegs. Der letzte Urwald Europas. Ich war gespannt.

Tag 88 (26.10.2105) / Frankreich: Morgat > Le Conquet

Strecke: 97 km. (09:15 – 18:00)

Unterkunft in Le Conquet: Hotel Au But Du Monde. Auf den letzten Drücker gebucht. Kurz vor Sonnenuntergang per Internet. Hatte Angst, nichts mehr zu finden. Teuer. Aber sehr sehr gut. Super netter Patron. Äußerst hilfsbereit. Das Frühstück am nächsten Morgen (Extra!) für französische Verhältnisse eine Sensation: Müsli, Früchte, Käse, Schinken, frisches Brot, Säfte. Zimmer hatte einen eigenen Hinterhof. Dort Fahrrad untergestellt.

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Abschied

Harter Tag. Das wusste ich aber erst als ich Morgat – ein sehr hübscher Ferienort – verlassen hatte.

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Kalt angekommen, kalt verlassen

Wie sich ein Ozean-Skipper über einen Süßwasser-Kapitän lustig macht, so spottete ich innerlich über die radlerische Herausforderung Bretagne: Maximale Steigungen bis 150 Meter!
Verdammt. Nie großspurig sein. Nicht einmal gegenüber sich selbst.
Mehr als einmal war ich kurz davor, das Fahrrad in die Büsche zu werfen. Ich wollte einfach nicht mehr.

Jede Böschung bedeutete: Raufklettern (immer maximale Steigung) – Runter dann Schuss.

Sack Zement!

Der wurde auch viel auf Brücken verbaut. Franzosen haben selbst für Wald und Wiesen Brücken ästhetische Lösungen.

25 HZ Flirren

25 HZ Flirren

Wie immer hielt ich um die Mittagszeit kurz an, um mich mit einer “flûte” (0,12l) zu stärken.

Fingerhut voller Glück

Fingerhut voller Glück

Der Dialog mit dem Wirt ist dabei stets gleich:

Ich: “Un blanc s’il vous plaît.”
Wirt: ein gegrummeltes “Hmmm?” (Übersetzt: Was denn nun? Sauvignon, Muscadet, Chardonnay ? ….)
Ich: “Un Sauvignon!”

Ende meines Französisch.
Jeden Tag wiederholte sich dieses kleine Theaterstück.
Jeden Tag ein großes mittägliches Glücksgefühl.

Gibt es eigentlich Glück ohne Sucht?
Ohne Sucht nach Glück?

Nur: In diesem Städtchen war diesmal nix mit Glück. La Faou war geschlossen für Einheimische und für Gäste. Ich grollte lang.

leergefegt

leergefegt

Da nur eine Nationalstraße/Autobahn den direkten Weg nach Brest zuließ, musste ich einen irren langen Umweg radeln.
Brest lag in diesigem, abweisenden Licht und ich fuhr (gefühlt zwei Stunden) in der Peripherie herum, um an dem Straßenmonster vorbeizukommen.

Dabei wieder einmal ein französisch architektonisches Kunststück passiert. Brest Arena.

marsisch? extragalaktisch? irdisch?

marsisch? extragalaktisch? irdisch?

Dann – trotz Regen – trotz Steigungen und Schussgefälle – trotzt unverschämter junger Autofahrer, die einfach keinen Abstand zum mir einhalten wollten – trotz Wadenkräpfe – trotz ….

Trotz allem: Ich erreichte Le Conquet. Ziemlich am Ende der Welt.
Und bekam ein wärmendes Zimmer.

himmlisch

himmlisch?

Tag 20 (2.10.2014) / Spanien: Pontevedra -> Tui

Strecke: 48 km (plus ein paar Umwege) (9:45 – 21:00)

Pontevedra -> Tui

Der härteste Tag – seit dem Ankunftschaos in Bilbao.
Nach irgendeinem Grundgesetz, das Fahrradanfänger bestraft, wenn sie zu blauäugig losradeln, nach diesem anonymen Gesetz also wurde mir heute jedwede Lektion erteilt. Ich kann jetzt Hinterrad wechseln, Schlauch reparieren, platzende Reifen überleben, schlingerndes Fahrrad im Gleichgewicht halten, Gepäck schultern und Fahrradwrack kilometerweit schleppen. Ich kann jetzt alles.
Ich muß mir jetzt mich als glücklichen Menschen vorstellen.

Der Reihe nach.
Teil 1)
Fröhlich losgefahren kurz vor 10. Ich wollte die spanisch/portugiesische Grenze erreichen. Schon nach wenigen Kilometern merkte ich, dass Luft aus dem Hinterrad entwich. Ich pumpte auf, fuhr weiter: das gleiche Spiel.
Es kostete mich Mühe das Hinterrad zu lösen. Ich hatte es noch nie gemacht. Schaffte es aber. Danach Schlauch rausgeholt, neuen Schlauch (den ich als Ersatz dabei hatte) leicht aufgepumpt und eingesetzt. Klappte. Nur: Ich brachte keine Luft hinein! Das Ventil funktionierte nicht. Also das Ventil des kaputten Schlauchs genommen, das passte aber nicht. Irgendjemand hatte mir in Deutschland Scheiss verkauft. Inzwischen war ein Bauer auf mich aufmerksam geworden und wollte helfen. Auch er brachte Ventil und neuen Schlauch nicht zusammen.
Also alten Schlauch genommen, mit Bauer auf seinen Hof gegangen und in Wasserbottich die lecke Stelle gesucht. Repariert, zugeklebt, das ganze Programm. Eingesetzt. Aufgepumpt. Klappte. Inzwischen waren 2 Stunden vergangen.

Teil 2)
Losgefahren – aber gleich fing das Hinterrad zu eiern an. Es war nicht zu kontrollieren. Gepäck abgeladen, ich dachte, ich hätte das Rad falsch eingesetzt. Also nochmal nachjustiert. Losgefahren, fast umgefallen. So stark war das Schlingern. Zum Glück sah ich eine Autowerkstatt nicht weit weg. Ich packte es bis dahin. Die Jungs dort waren sehr hilfsbereit, hatten auch Werkzeug für die Fahrradreperatur. Sie stellten schnell fest, dass der Mantel (Reifenmantel) deformiert war und deswegen eierte. Sie versuchten ihn zu richten. Es ging einigermaßen.
Wieder 1 Stunde vergangen. Sie wollten 3 Euro. (Unglaublich die Preise in Spanien, unglaublich auch die Hilfsbereitschaft). Ich gab ihnen 10.
Als ich schon weit weg war, bemerkte ich, dass ich meine Luftpumpe in der Werkstatt hatte liegen lassen. Das hatte gerade noch gefehlt.

Teil 3)
Ich war sowieso mit mulmigem Gefühl weitergefahren. Nach einigen Kilometern an einer Straßenbar ein Bier getrunken.

Keine Akademikerhand, meine Fahrrad-Arbeiter-Hand!

Weitergefahren. Plötzlich ein Schlag. Fahrrad außer Rand und Band. Hinten Luft raus, Reifen explodiert. Aus dem Mantel stachen Eisendrähte heraus.
Ich war in der Pampa. Eine Zeit lang konnte ich mein Rad noch schieben, quasi auf der Felge.
Dann blockierte alles.
Also Gepäck abgesattelt, den größeren Teil geschultert, den Rest auf dem Sattel gelassen. Fahrrad hinten angehoben und erneut geschoben. Das ging so zwei Kilometer. Bis ich endlich Häuser erreichte.

Teil 4)
In einem der ersten Häuser nach dem Besitzer gerufen. Ein alter Mann kam aus dem Hof. Ich bat ihn, mir ein Taxi zu rufen. Ich ließ mein gesamtes Gepäck bei dem Unbekannten. Baute das Hinterrad wieder aus und fuhr mit dem Taxifahrer ins nächste Städtchen, in dem es glücklicherweise einen Fahrradshop gab. Nur: Siesta! Bis 16:30.
Also in eine Bar gegangen, zwei drei Bier getrunken, lange mit dem Wirt herumphilosphiert. Er erklärte mir auch das System, warum in Spaniens Kneipen Bier, Wein, Kaffee so viel billiger als in Deutschland sind. (Dazu später mehr).
Der Besitzer des Fahrradshops staunte nicht schlecht als er meinen zerrissenen Fahrradreifen begutachtete. Er versorgte mich mit allem Nötigen: neuer Reifen, Schlauch, Ersatzschlauch, neue Pumpe. Für weniger als 60 Euro. Und wieder hatte ich das Gefühl, das mich das in Deutschland erheblich teurer gekommen wäre.
Der gleiche Taxifahrer bracht mich zurück zum Haus des alten Mannes und wollte dann für beide Fahrten (die ziemlich weit waren) 10 Euro. Ich gab ihm 20.

Teil 5)
Fahrrad wieder zusammengebaut. Der alte Mann unterstützte mich tatkräftig. Entschuldigte sich dafür, dass er mich nicht selbst in das Städtchen gefahren habe. Aber er habe eine schwerkranke Frau im Haus, die er nicht ohne Aufsicht lassen könne.
Dann lotste er mich in seinen Keller. Ein Weinparadies. Der Kerl war Schreiner gewesen und nebenbei kelterte er jedes Jahr was die Reben hergaben. Er servierte mir einen jungen Weißwein. Richtig süffig. Danach drängte er mich, einen Roten (Mencía) zu probieren. Der war noch nicht ausgereift. War reichlich stark.
Dann lud er mich zum Essen ein und ich hatte richtig Mühe ihn davon zu überzeugen, dass ich weiter musste.
Ich dankte ihm für alles und bemühte zum ersten Mal eine Formel, die mir sonst nicht über die Lippen geht: Dass Gott ihm sein großes Herz vergelten möge. Er war gerührt und drückte mich an sich.
Und ich war überwältigt von der galizischen Gastfreundschaft.

Es war so dunkel, dass ich keine Schärfe in das Bild bekam. Alles verwackelt. Aber trotzdem: Bildnis eines guten Menschen.

Teil 6)
Inzwischen war es 18 Uhr geworden. Ich fuhr in das Städtchen, in dem ich den Hinterreifen habe erneuern lassen, fand aber keine Unterkunft. Also beschloss ich weiterzufahren.
Mein Fahrrad lief und lief und gegen 21 Uhr erreichte ich Tui, den spanischen Grenzort zu Portugal.

Ich war total fertig. Und ich war glücklich.

Hotel in Tui: “Colon”. Aparthotel. Habe leider nichts anderes gefunden. Macht auf Luxus ohne luxuriös zu sein. Hat aber immerhin eine ausgezeichnete Weinbar. 60 Euro (mit Frühstück (große Auswahl)).