Meer Europa

Schlagwort Archiv: Grenze

Tag 304 (03.07.2019) / Norwegen: Karigasniemi -> Lakselv

Strecke: 93 km (09:00 – 18:30 Uhr)

 

Da ich von den absurd hohen Preisen in Norwegen für Wein, Bier & Co. gelesen hatte, hatte ich mir am Vorabend in Karigasniemi schnell noch im staatlichen Alko-Shop 2 Flaschen französischen Rotwein und 2 Dosen finnisches Bier besorgt und bin am Morgen schließlich schwer beladen über die Grenze. (Dort wurden Grenzgänger tatsächlich stichprobenartig nach Alkohol durchsucht.)

Bin gespannt

Es ging gleich ordentlich rauf und runter – und ich musste für meinen Weintransport ordentlich büßen. Die Finnmark (so heißt die Region in Norwegen, die ich durchfuhr) war fast noch einsamer als die letzte Strecke in Finnland. Auf fast 40 Kilometern sah ich kein einziges Haus, keine Einsiedelei, nichts. Aber trotz starken Regens konnte ich erkennen, dass ich durch ein Waldparadies fuhr. Irrsinnig schön.

Und das im Herbst oder im Indian Summer ...

Im Paradies gibt es aber immer auch einen Vorplatz für die Hölle. Die brachte die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Ein Erinnerungspfad (den ich wegen des Starkregens nicht beging) legte mitten in der Wildnis Zeugnis davon ab.

Etwa auf halber Strecke zickte mein Fahrrad. Irgendetwas lief unrund. Ich fixierte Hinter- und Vorderrad neu. Aber das Vorderrad schleifte immer wieder an den Bremsbelägen. Es schien, als hätten die hydraulischen Bremsen auch Öl verloren. Sie griffen nicht mehr hart genug.

Trotzdem kam ich einigermaßen sicher in Lakselv an. Ein sehr funktionaler Ort. Schon bei der Runterfahrt sah ich im Hintergrund den Fjord: Das Nordmeer lag grau unter den dunklen Wolken.

Rutschbahn

Tag 273 (24.9.2018)/ Deutschland: Leer -> Ribe (Dänemark)

Strecke: 80 km (09:15 – 16:30 Uhr)

Flach, klar! Und dennoch meist im 2. Kriechgang. Keine Chance gegen den Sturm, der aus Nordwest blies. Also von vorne.
Die Wolken trieben über mich hinweg so schnell wie Vogelschwärme.
Durch die Lücken lugte manchmal die Minuten-Sonne mit unwirklichem Gewitterlicht hervor.
Kurz vor der dänischen Grenze etwa.

Kirchweg

Ich hatte erwartet, dass es an dem Übergang Kontrollen gibt. Aber die dänischen Rechtspopulisten kriegen wohl nichts hin. Nicht mal Passkontrollen. Gottseidank. Schengen überlebt.

Grenzweg

Kurz nach der Grenze: Platzregen mit Sturm. Die Wassertropfen peitschten mir waagrecht in Gesicht und machten Musik.
Und urplötzlich wieder Sommer-Simulation.

Einfahrt ins Dörfchen Møgeltønder.

Dorfweg

Mein Reiseführer behauptete, ich stünde jetzt in der schönsten Dorfstraße Dänemarks. Na ja.
Wenngleich …

Schönster Weg

Ich kämpfte den ganzen Tag gegen Regen, Hagel und Gegensturm.
Zückte die Kamera nur, wenn die Sonne kurz gegen das Dunkle siegte.

Die Wattenmeerküste toll. Außer Schafen keinem Lebewesen begegnet.

Wiesenweg

Dänen sah ich in ihrem eigenen Land nicht.
Bis auf einen.

Guckweg

Er verschwand schnell wieder, bevor ich etwas fragen konnte.

Endeweg

Ich hatte von Ribe gelesen, die älteste Stadt Dänemarks (?) und eine der schönsten an der Nordseeküste.

Nasser Weg

Als ich reinfuhr, hatte ein Wie-aus-Kübeln-Regen die Straßen gereinigt und alles Leben hinter dicke Mauern getrieben.

Ich war (fast) allein in der Stadt.

Gegenlichtfarben

Erst abends sah ich leibhaftige Dänen – im Restaurant.
Konnte mich aber nicht um sie kümmern, ich hatte genug zu tun, mich an die irren Preise zu gewöhnen.

Unterkunft: Danhostel. Ich hatte mich bei der Buchung vertan und übersehen, dass es eine Jugendherberge war. Von der Rezeptionistin wurde ich gefragt, ob ich Bettwäsche dabei hatte. Nein. Ich musste mir also welche kaufen. Die Unterkunft so teuer wie ein Komfort-Hotel in Deutschland. Mein lieber Däne. Aber sonst: richtig gutes Hostel. Ich kam sogar noch nach 22 Uhr rein. Schlief in einem schmalen Etagebett.

 

 

 

Tag 271 (22.9.2018)/ Niederlande: Groningen -> Leer (D)

Strecke: 74 km (11:15 – 15:45 Uhr)

Gemütliches Flachradeln Richtung deutscher Grenze.

Windgeschützt

En miniature rauschte an mir noch einmal das typisch Niederländische vorbei: Grachten, gut ausgebaute Fahrradwege, Familienhäuser im Backstein-Lego-Stil, freundlich “Moin” rufende Menschen und Angler an den vielen Kanälen. Manche mussten noch nicht mal ihr Grundstück verlassen, um einen frischen Morgenfisch zu fangen.

Skulpturenpark
Auch eine Skulptur?

Recht schnell kam ich zur Grenze: ein Kanälchen. Hüben: NL Drüben: D
Wie schön, dass es in Europa immer noch möglich ist, Grenzen ohne Kontrollen zu passieren. Vielleicht siegt ja doch noch die Vernunft.

Grenzgang

An der kleinen Brücke war eine Gedenktafel angebracht. Ich lernte, dass ab 1933 niederländische Kommunisten deutschen Juden, Gewerkschaftlern, Kommunisten und Sozialdemokraten hier zur Flucht aus Hitlerdeutschland verhalfen. Durch den Grenzkanal.

Rote Hilfe

Bald das friesische Städtchen Leer erreicht. Hübsch.

Unterkunft: Hotel Ostfriesenhof. (75 Euro mit Frühstück.) Fahrrad außen angekettet.

Tag 266 (17.9.2018)/ Belgien: Oostende -> Zoutelande (Niederlande)

Strecke: 71 km (09:30 – 17:45 Uhr)

Wie freute ich mich auf mein Glas Mittagswein. Ich wollte schnell in meinen Rhythmus finden und tat alles dafür.

Treibmittel

Der erste Tag der neunten Etappe: spätsommerlich heiß.
Meine Richtung: Von Oostende nach Norden.
Das Ziel: Kopenhagen. Vielleicht sogar Schweden.
Vier Nordsee-Wochen habe ich diesmal Zeit.

Belgien war schnell durchflogen.

Können Bojen fliegen?

Die Küste zugebaut, entweder mit gesichtslosen Appartment-Hochhäusern …

Atlantikwall

oder mit Strand-Umkleidekabinen.

Atlantikwall 2

Die Strände breit und feinsandig und wenn ein wenig belebt – dann von Selfie-Prinzesinnen.

Schon nach 40 Kilometern führte ein holpriger Fahrradweg über die Grenze …

Schleichweg

… ins Königreich der Niederlande.

Windflüsterer

Die Dörfer sympathisch aufgeräumt. Fast puppenstubenmäßig.

Provinzidyll

Der Atlantik schläfrig. Nur ein bisschen aufgewühlt durch ein rasendes Lotsen-Boot, das an unserer Fähre angeberisch vorbeirauschte. Auf der Fähre nach Vlissingen fast ausschließlich einheimische Radler.

Mit Wucht

Vlisssingen: im Kern schön altertümlich, in Meernähe mondän.

Herbststrand
Wohnturm

Hinter 30 bis 40 Meter hohen Dünen kuschelten sich Dörfer.

Geschützt

Auf der meerzugewandten Seite der Dünen: horizontlange Strände.

Bestrahlt

Für die Nebensaison noch erstaunlich belebt.

Besonnt

Kilometerlang reihten sich Strandkabine an Strandkabine.

Gereiht
Bebohlt

Bei Sonnenuntergang muss man sich entscheiden: unten im Rot oder oben im Gelbgrau.

Bevölkert

Unterkunft in Zoutelande: Hotel Het Verschil. Ortsmitte. Hotel hat auch ein sehr gutes Restaurant. Nettes, zuvorkommendes Personal. Kleines Zimmer. 65 Euro (mit Frühstück). Fahrrad in Hinterhof angekettet.

Tag 262 (14.04.2018) / Rumänien: Galati -> Cahul (Moldawien)

Strecke: 67 km (10:30 – 16:30 Uhr)

Am frühen Morgen noch einmal eine Bestandsaufnahme meines Fahrrads vorgenommen: Gepäckträger gebrochen, Lichtkabel zerrissen, Schutzblech hinten teilweise lose und schlackert, Ketten-Schutzblech gebrochen und abgerissen. Kette lahmt, Schaltung tut nicht mehr richtig, Bremsen ziehen kaum noch, Vorderrad quietscht. Reifen ohne Profil. Ich machte mir ernsthaft Sorgen um meinen Gefährten und hatte Zweifel, ob er die letzten paar Tage bis zum meinem Ziel noch durchhalten würde. Sah nach starker Entkräftung aus.

geknickt

Um 9 Uhr in Galati eine offene Fahrradwerkstatt gefunden. Der Mechaniker war skeptisch, ob er mir wenigstens den Gepäckträger würde reparieren können. Einen neuen hatte er nicht. Er kramte in der Abstellkammer herum und fand einen alten gebrauchten.

geschickt

Aus zwei mach eins: Nach einer halben Stunde konnte er das Ding fixieren. Als ich zahlen wollte, meinte er: “Kostet nichts!” Ich schüttelte ungläubig den Kopf. Aber beharrte darauf: Er habe mir doch nur einen gebrauchten Gepäckträger geben können. Der habe ihn ja auch nichts gekostet. Ich drückte ihm 5 Euro in die Hand. Es war ihm peinlich.

Zurück zum Hotel, mein Zeugs gesattelt, um halb elf los und in einer Stunde zur Grenze nach Moldawien.

Die Grenzformalitäten waren (obwohl EU Außengrenze) sehr schnell erledigt.

Im moldawischen Grenz-Dorf wurde ich von einem seltsamen Dreigestirn empfangen:

unvermittelt

Sozialistischer Russenstern, skeptische Jungfrau Maria und extravaganter Jesus.

Jesus in blue

Die Strecke nach Cahul verlief mehr oder weniger parallel zum Grenzfluss Pruth, einem Nebenfluss der Donau.

parallel

Moldawien schien dünn besiedelt. Auf jedenfall kaum zersiedelt. Entweder Landschaft – oder kompaktes Dorf.

Chaos kommt von oben

Von der Ferne schienen die Dörfer grau.

kompakt

ab-schüssig

Aus der Nähe war es eine Farbenpracht.

farb-fühlig

farb-fühlig 2

Ähnlich schon wie auf der rumänischen Seite. Überhaupt schien man sich hier entlang der Grenze ziemlich nah.
Wobei: In Moldawien tendierten manche Häuser-Verzierungen ins ziemlich Kitschige.

kitsch as kitsch can

Autos waren kaum zu sehen, nicht geparkt, nicht unterwegs auf der Straße.

empty way

Relativ früh in Cahul angekommen. Einem sehr sympathischen Kleinstädtchen.
Der zentrale Platz: mit einer Universität bestückt.

bildungsnah

Später las ich, dass Cahul eines der wenigen moldawischen Städtchen war, das wuchs, statt seine junge Bevölkerung ins Ausland zu verlieren.

ohne Kommentar

Unterkunft: Hotel Azalia. Stadtmitte. Plattenbau, aber kürzlich renoviert. Netter Empfang. Zimmer groß, mit alten Möbeln bestückt. Eigener Wohnzimmerbereich. Fahrrad in Hof angekettet. 32 Euro (mit Frühstück).

Tag 168 (25.3.2017) / Portugal: Tavira -> Huelva (Spanien)

Strecke: 73 km (09:30 – 17:30 Uhr)

Plus eine Fährstrecke Portugal-Spanien über den Grenzfluss.

Grenzenlos schön! Tavira. Wenige Kilometer von der Grenze zu Spanien entfernt.

Charmant

Die Wettergöttin hatte mein Flehen als hinreichend devot akzeptiert und mir eine halbe Stunde Sonnenschein geschenkt.

Viertel nach Sieben durch das Städtchen gehechtet und fotografiert. Die Uhr lief.

Hellwach
Schön

Hinreißend schön.

Bei der Stadtausfahrt eine mobile Roma-Famile überholt.

Gemütlich

Nach der halben Stunde: wieder Regen! Bis zur Grenze.
Konnte mich grad so auf die Fähre retten. Klatschnass.

Länderhopping

Irre, dass es erst ein paar Jahre her ist, dass hier zwischen Portugal und Spanien ein einigermassen einfacher “Transit” stattfindet. Beide mögen sich offenbar nicht wirklich. Offene und leicht passierbare Grenzen sehen anders aus.

Auf der anderen, der spanischen Seite, lockte die Sonne.

Bienvenido

Aber nur kurz. Noch wusste ich nicht, welchen Wetterteufel ich in Spanien umschmeicheln musste. Ich fuhr viel durch Wald und Sumpf.

SandSumpfWeg

Und der Regen kam immer wieder.

Ich fuhr ziemlich versaut in Huelva rein.

Unterkunft: Hotel “Costa de la luz” in der Altstadt. Eher billige Absteige. Aber sehr freundlicher Service. (Fahrrad in Abstellraum gestellt.) 28 Euro ohne Frühstück.

Tag 167 (24.03.2017) / Portugal: Lagos > Tavira

Strecke: 124 km (08:45 – 18:15 Uhr)

Das Tagesziel war, so nah wie möglich an die portugiesisch/spanische Grenze zu kommen. Regen und Kälte waren vohergesagt, doch die Sonne brach immer wieder die Wolken auseinander

Um die Mittagszeit genehmigte ich mir ein Bier auf dem Zentralen Platz in Albufeira.

Algarve - Herz

Vielleicht war ich zu feige, dieses Foto zu schießen: Ein Paar lief an mir vorbei. ER oben ohne, SIE im Bikini. Bei 13 Grad und reichlich kaltem Wind. Beide hatten nicht das geringste Problem, ihre üppigen Speckfalten zu zeigen. Engländer. Biergesichter, gerötete Augen. Er: Glatze. Sie: Halbglatze auf der einen Seite, auf der anderen rotgesträhntes Haar. Stolze Prolls. Und davon gab es reichlich in Albufeira an der Felsenalgarve. Sie stolzierten rum, als sei Hochsommer, während ich mir fröstelnd meine Kapuze überzog. Ich schoss es nicht, das Foto. Und fragte mich noch nach Stunden, warum nicht? Weil man Hässliches nicht zeigt ? Aber war es überhaupt hässlich? Die, die mit wenig Geld den maximalen Suff in der Sonne haben wollen:  Sind die hässlich? Ist das verkehrt? Ist es ein ästhetisches Problem (also eher eine Mittel-/Unterschicht Differenz)?  Mir fiel auf die Schnelle keine Antwort ein – auch das irritierte mich.

In den verwinkelten Gassen, prießen fast alle Lokale Partys an.

Algarve - Party

Unverkennbar war ich in einer Hochburg für englische Touristen gelandet.

Albufeira lag schön in Felsklippen hinein gebaut.

Algarve - Fassade

Ganz offensichtlich war das Städtchen zweigeteilt. Ein wenig Exklusiv-Tourismus (Oberstadt)…

Algarve - Illusion

… und ziemlich viel Billig-Tourismus (Unterstadt).

Algarve - Beton

Ich machte mich davon. Musste in einiger Distanz zur Küste radeln. Das Hinterland der Algarve völlig zersiedelt. Langweilig.

Algarve - Hinterland

Interessanter wurde es erst wieder entlang der so benamsten Sand-Algarve. Riesige Lagunen, riesige Obstplantagen, kleine Städte, an denen die Touristenströme vorbeizogen. Ich stärkte mich kurz in Olhāo. Ein großer Fischereihafen. Viele Fischkonserven-Fabriken.

Einsames Bike in Olhāo

Die Ortschaften, die ich querte/längste: geprägt von alten Männern. Frauen sah ich seltener – und nie beschürzte Frauen wie auf meinen ersten Portugal-Reisen vor bald 30 Jahren.

Ganz zum Schluss erwischte mich noch ein heftiger Regenguss. (Drei Tage Regen waren prognostiziert). Ziemlich nass erreicht ich Tavira. Endstation für heute. Selbst im Trüben sah ich, dass es ein außerordentlich schöner Ort war. Ich hoffte darauf, dass morgen die Sonne mir ein paar fotografische Minuten schenken würde.

Tag 149 (19. 09. 2016) / Polen: Pause in Białowieża

Wegen ihm hab ich den Umweg gemacht.

Fine eye art

Mr. Wisent!

Black is beautiful

Ich spielte ein wenig mit ihm, hatte ja sonst nichts zu tun. Freier Tag. Pause.

Ich schau dir in die Augen, ...

Białowieża rühmt sich, den letzten und einzigen Tiefland-Urwald in Europa zu haben.

Führt ins Herz

Weltnaturerbe!

Es gibt aber auch ein Nazi-Erbe. Die braune Flut war auch hierher geschwappt, hatte erst “germanische” Tiere ansiedeln wollen und später einfach alles abgefackelt. Zarenschloss – ganze Dörfer.

Manches wurde wieder aufgebaut.
Parkverwaltung …

Herrscht übers Herz

… und ein Dorf, das es so nie gab (anstelle des gesprengten Dorfes pflanzten hier Privatspender ein Museumsdorf mit Original-Häusern, Original-Windmühlen … aus der näheren Gegend).

Hier schlug mal das Herz
Zentrale Werkstätte
Küche mit Wohnzimmer

Die Ferien waren vorbei. In Białowieża ist wieder grauer Alltag eingekehrt. Das hatte ich ich nicht beachtet. Eigentlich wollte ich einen Führer mieten und mit ihm den “inneren” Kern des Nationalparks erkunden. Mit ein bisschen Glück die letzen frei lebenden Wisente in Europa sehen. Wisent = europäischer Bison.

Ging aber nicht. Ich hätte alles im voraus buchen müssen.
Genauso wie ein Tagesvisum, um über die Grenze nach Weißrussland zu wandern.
Auch das braucht einen Vorlauf.
Der Park reicht weit bis ins Nachbarland hinein.
Was blieb?
Die Gegend rund um den Park erkunden.
Stundenlang durch den Wald geradelt. Der war wild genug und ebenfalls geschützt.

Modriges Herz
Fällt und steht

Und dann in den nahegelegenen Zoo (heisst offiziell “Reservat”) gegangen.
Um all die Tiere aus der Nähe zu sehen, die ich sonst nur mit totalem Glück aus der Ferne hätte entdecken können, als winzige Punkte in der Landschaft.

So aber hatte ich den Wisent-Harem …

Für immer unfrei

… und Mr. Wisent atemnah vor mir.

Bestes Fleisch, das ich je gegessen habe: Bison

Und alles, was ich sonst auch noch mochte …

Hirschgulasch hatte ich gestern
Wildschwein werd' ich heute bestellen
Elch hatte ich letzte Woche: zart!

Tag 146 (16.09.2016) / Polen: Augustów -> Kruszyniany

Strecke: 119 km (08:30 – 17:30)

Früh in den Tag gestartet.
Augustów noch im Tiefschlaf.

Quergestellt

Nur Angler unterwegs. (Ob die auch nachts fischen?)

Angelt ein Angler nur oder fischt er auch?

Ich fuhr so gut wie immer auf kleinen Landstraßen. Podlachien heißt die polnische Provinz. Sie ist eine der am dünnsten besiedelten Regionen des Landes und wohl auch recht abgehängt. Fast nichts außer Landwirtschaft und ein bisschen Tourismus. Wegen der vielen Seen.

Schön beschilft

Aus den seltenen Dörfern wuchsen mächtige Kirchen.

Kein Baum wächst so hoch wie ein Kirchturm

Manche haben landesweiten Rang als Wallfahrtsort:

Hat die der Papst auch besucht?

In dieser Kirche in Sokółka ereignete sich nach Angaben von Gläubigen ein “Hostienwunder”. Eine geweihte Hostie verwandelte sich in “in Muskelgewebe eines menschlichen Herzens, das lebt, aber sehr leidet und bereits in Agonie gefallen ist” – so schreiben es höchst einbildungskräftig die Anhänger dieses Verwandlungskultes in ihren Pamphleten.
Tief tief tief ist manchmal der (Aber)Glaube.

Kam dann der Papst auch im Bus?

(Ich war nur kurz in der Kirche. Sie war busladungsvoll mit Pilgern.
Das Beste war eh nebendran: eine herrliche Eisdiele. Sie hatte fast italienische Qualität.)

Ich näherte mich immer mehr der weißrussischen Grenze. Konnte die Wälder Weißrusslands sehen.
Ausgesprochen schöne Landschaft mit sanftgeschwungenen Waldrücken, sanftgrünen Hügeln, braungrünen Feldern und gradnochgrünen Weiden. Der Herbst beginnt.

Die Straßen oft schöne Alleen, die ich meist allein befuhr. Angenehmes Radeln. (Wenn da nicht die vielen Steigungen gewesen wären … rein in die Mulde … raus aus der Mulde).

Nur einmal heftiger Schwerlastverkehr, rings um eine riesige Sandgrube.

Die Welt auf Sand gebaut

In den Weilern viele Häuser traditionell aus Holz.
Manche waren mit baltisch Gelb verschönt.

Und du guckst raus
Manche waren nur vorsichtig farbig

Aus Holz auch zwei kleine polnische Zeitwunder: Moscheen.

Eine in Bohoniki. WinzWeiler. Ein paar Häuser und dieses schöne Zimmermannskunstwerk!
Mit Holz baut man in dieser Gegend Häuser und Kirchen.
Und eben ein muslimisches Gotteshaus.

Ohne Holzwurm

Eine Frau, in tatarischer Tracht, erklärte drinnen drei polnischen Touristen offenbar das Wesen ihres Glaubens. Ich verstand nur die Worte “Koran” und sonst nichts.

Left side

Ich hätte so viele Fragen an sie gehabt. Ob sie eine Imamin sei? Wie sie die polnische Politik sieht, die keine muslimischen Einwanderer ins Land lassen will?

Left side

Sie sprach aber keine andere Sprache als Polnisch.

Sympathisch

Sie lächelte nur verlegen.

Ende des 18.Jahrhunderts haben sich in diesem Landstrich Tataren angesiedelt. Ihre Nachfahren haben bis heute ihren Glauben bewahrt.
Die Gemeinde muss allerdings recht klein sein.
Es war Freitag, muslimischer Feiertag, und ich sah außer der Fremdenführerin keine weiteren Gemeindemitglieder.

Eineinhalb Stunden weiter südlich – an der Grenze zu Weisrussland – das Dörfchen Kruszyniany. Nach langer Fahrt endlich erreicht. 80 Einwohner. Auch hier eine Holzmoschee. Gerade noch vor Sonnenuntergang erwischt.

Polnisch Grün

Ich fuhr zu meiner gestern vorbestellten Unterkunft.
Ein kleines Blockhaus.

My castle

Ich hatte allerdings einen Gedankenfehler gemacht.
Bei der Buchung der Unterkunft hatte ich im Internet von einem tatarischen Restaurant im Dorf gelesen. Und war selbstverständlich davon ausgegangen, dass ich am Abend dort köstlich verpflegt werden würde.
Nix!
Ich ging gegen 19 Uhr hin (100 Meter von meiner Unterkunft entfernt) – und es war zu! Schließt immer um 18 Uhr.
Klar! Weil die Busse die die Touristen bringen, um die Moschee und das tatarische Restaurant zu besuchen, um 18 Uhr schon wieder abfahren.

Im (sehr kleinen) Dorf gab es noch nicht einmal einen Laden. Tot!
Ich suchte verzweifelt nach einer Essmöglichkeit, landete schließlich vor einer Pension, die Gäste beherbergte. Ich fragte dort, ob es nicht irgendetwas Essbares für mich gäbe. Und bekam die volle Ladung polnischer Gastfreundschaft.
Ich durfte in der Küche am Katzentisch Platz nehmen und wurde mit einem Zweigängemenü verwöhnt.

Ich bat frech um ein Bier. Die Gastgeberin kramte im Kühlschrank. Das Dorf war anscheinend alkoholfrei (muslimisch?), aber es fand sich etwas für mich. 2 Dosen. Eine nahm ich mit in mein Holzhüttenheim und dankte meinen freundlichen Rettern aufs Herzlichste.

Unterkunft in Kruszyniany “EkoWczasy u Lejli”. Art noble Holzhüttensiedlung. 2er, 3er oder 4er Blockhütten. Ich hatte die kleinste (mit immerhin 40 qm). Ein ältere Dame empfing mich. Sprach ein wenig Englisch und war sehr redselig. Hütte mit Obergeschoss (Schlafen) samt Balkon und Untergeschoss (Wohnbereich). Alles neu und schön. Viel zu groß für 1 Person. Hatte aber nichts anderes gefunden. (40 Euro ohne Frühstück). Fahrrad im Haus untergebracht.

Tag 144 (14.09.2016) / Litauen: Kaunas -> Suwałki (Polen)

Strecke: 119 km (11:00 – 19:00)

Es wurde ein Speed-Day. Sehr spät gestartet. Eigentlich wollte ich noch einen Tag in Kaunas dranhängen. Die Stadt gefielt mir außerordentlich gut. Aber das Hotel war ausgebucht. Ich wartete bis 11 Uhr und dann resignierte ich. Niemand cancelte seine Reservierung. Hatte keine Lust, umzuziehen.
Also auf den Sattel und los.

Ich wusste, es lagen fast 120 Kilometer vor mir.

Ich gab Gas.

Hielt einmal kurz an, um eine wunderschöne Holzkirche zu fotografieren.

Geschmackvoll

Lange konnte ich die Autobahn nach Polen meiden, fuhr fast leere Landstraßen.
Dann aber doch. Musste auf die Via Baltica. Schlimmer als der frühere Autoput in Jugoslawien. Ein Lastwagen nach dem anderen donnerte in Zentimeter-Abständen an mir vorbei. Manchmal gab es Seitenstreifen, auf denen ich einigermassen sicher fahren konnte, manchmal verschwand er einfach. Und nicht selten hatte ich Angst.
Es gab aber keinen anderen Weg. Und zumindest auf dieser Strecke ist es Fahrradfahrern erlaubt, die Autobahn zu nutzen.

Nur einmal machte ich noch Halt. In Marijampole, dem letzten größeren litauischen Städtchen vor Polen.

Der Zentrale Platz hatte immer noch den Charme eines sozialistischen Aufmarschgebietes.

Trotzdem die Stadtverwaltung sich sichtlich Mühe gegeben hatte, den Ort einigermassen wohnlich aussehen zu lassen.

Weiter auf dem litauischen Autoput.
Hart!

Die Grenze gegen 17:30 Uhr erreicht. Verlassene, überflüssige Grenzstationen. Ich war in Europa! Schengenraum!
Offene Grenzen. Wie genoss ich das.

Nach rund 1260 Kilometern in zwei Wochen verließ ich das Baltikum. Estland, Lettland, Litauen: Unterschiede können von Spezialisten sicher ausgemacht werden.
Für mich waren es 3 liebenswerte Länder, die erkennbar europäisch ausgerichtet sind. I love it.

Jetzt Polen.

Polen kompakt

Bin gespannt, was mich erwartet, jenseits der erwartbaren Marienverehrung an fast jedem Bäumchen.

She loves you, yeah yeah yeah

Unterkunft in Suwalki: “Hotel Loft 1898. 1 km von der kleinen Altstadt entfernt. Modern. Riesig. Gut. Und günstig. Sehr zuvorkommender Empfang. (39 Euro mit Frühstück.) Fahrrad vor Hotel angekettet.