Meer Europa

Schlagwort Archiv: Grenze

Tag 304 (03.07.2019) / Norwegen: Karigasniemi -> Lakselv

Strecke: 93 km (09:00 – 18:30 Uhr)

 

Da ich von den absurd hohen Preisen in Norwegen für Wein, Bier & Co. gelesen hatte, hatte ich mir am Vorabend in Karigasniemi schnell noch im staatlichen Alko-Shop 2 Flaschen französischen Rotwein und 2 Dosen finnisches Bier besorgt und bin am Morgen schließlich schwer beladen über die Grenze. (Dort wurden Grenzgänger tatsächlich stichprobenartig nach Alkohol durchsucht.)

Es ging gleich ordentlich rauf und runter – und ich musste für meinen Weintransport ordentlich büßen. Die Finnmark (so heißt die Region in Norwegen, die ich durchfuhr) war fast noch einsamer als die letzte Strecke in Finnland. Auf fast 40 Kilometern sah ich kein einziges Haus, keine Einsiedelei, nichts. Aber trotz starkem Regen konnte ich erkennen, dass ich durch ein Waldparadies fuhr. Irrsinnig schön.

Im Paradies gibt es aber immer auch einen Vorplatz für die Hölle. Die brachte die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Ein Erinnerungspfad (den ich wegen des Starkregens nicht beging) legte mitten in der Wildnis Zeugnis davon ab.

Etwa auf halber Strecke zickte mein Fahrrad. Irgendetwas lief unrund. Ich fixierte Hinter- und Vorderrad neu. Aber das Vorderrad schleifte immer wieder an den Bremsbelägen. Es schien, als hätten die hydraulischen Bremsen auch Öl verloren. Sie griffen nicht mehr hart genug.

Trotzdem kam ich einigermaßen sicher in Lakselv an. Ein sehr funktionaler Ort. Schon bei der Runterfahrt sah ich im Hintergrund den Fjord: Das Nordmeer lag grau unter den dunklen Wolken.

Tag 262 (14.04.2018) / Rumänien: Galati -> Cahul (Moldawien)

Strecke: 67 km (10:30 – 16:30 Uhr)

Am frühen Morgen noch einmal eine Bestandsaufnahme meines Fahrrads vorgenommen: Gepäckträger gebrochen, Lichtkabel zerrissen, Schutzblech hinten teilweise lose und schlackert, Ketten-Schutzblech gebrochen und abgerissen. Kette lahmt, Schaltung tut nicht mehr richtig, Bremsen ziehen kaum noch, Vorderrad quietscht. Reifen ohne Profil. Ich machte mir ernsthaft Sorgen um meinen Gefährten und hatte Zweifel, ob er die letzten paar Tage bis zum meinem Ziel noch durchhalten würde. Sah nach starker Entkräftung aus.

geknickt

Um 9 Uhr in Galati eine offene Fahrradwerkstatt gefunden. Der Mechaniker war skeptisch, ob er mir wenigstens den Gepäckträger würde reparieren können. Einen neuen hatte er nicht. Er kramte in der Abstellkammer herum und fand einen alten gebrauchten.

geschickt

Aus zwei mach eins: Nach einer halben Stunde konnte er das Ding fixieren. Als ich zahlen wollte, meinte er: “Kostet nichts!” Ich schüttelte ungläubig den Kopf. Aber beharrte darauf: Er habe mir doch nur einen gebrauchten Gepäckträger geben können. Der habe ihn ja auch nichts gekostet. Ich drückte ihm 5 Euro in die Hand. Es war ihm peinlich.

Zurück zum Hotel, mein Zeugs gesattelt, um halb elf los und in einer Stunde zur Grenze nach Moldawien.

Die Grenzformalitäten waren (obwohl EU Außengrenze) sehr schnell erledigt.

Im moldawischen Grenz-Dorf wurde ich von einem seltsamen Dreigestirn empfangen:

unvermittelt

Sozialistischer Russenstern, skeptische Jungfrau Maria und extravaganter Jesus.

Jesus in blue

Die Strecke nach Cahul verlief mehr oder weniger parallel zum Grenzfluss Pruth, einem Nebenfluss der Donau.

parallel

Moldawien schien dünn besiedelt. Auf jedenfall kaum zersiedelt. Entweder Landschaft – oder kompaktes Dorf.

Chaos kommt von oben

Von der Ferne schienen die Dörfer grau.

kompakt

ab-schüssig

Aus der Nähe war es eine Farbenpracht.

farb-fühlig

farb-fühlig 2

Ähnlich schon wie auf der rumänischen Seite. Überhaupt schien man sich hier entlang der Grenze ziemlich nah.
Wobei: In Moldawien tendierten manche Häuser-Verzierungen ins ziemlich Kitschige.

kitsch as kitsch can

Autos waren kaum zu sehen, nicht geparkt, nicht unterwegs auf der Straße.

empty way

Relativ früh in Cahul angekommen. Einem sehr sympathischen Kleinstädtchen.
Der zentrale Platz: mit einer Universität bestückt.

bildungsnah

Später las ich, dass Cahul eines der wenigen moldawischen Städtchen war, das wuchs, statt seine junge Bevölkerung ins Ausland zu verlieren.

ohne Kommentar

Unterkunft: Hotel Azalia. Stadtmitte. Plattenbau, aber kürzlich renoviert. Netter Empfang. Zimmer groß, mit alten Möbeln bestückt. Eigener Wohnzimmerbereich. Fahrrad in Hof angekettet. 32 Euro (mit Frühstück).

Tag 168 (25.3.2017) / Portugal: Tavira -> Huelva (Spanien)

Strecke: 73 km (09:30 – 17:30 Uhr)

Plus eine Fährstrecke Portugal-Spanien über den Grenzfluss.

Grenzenlos schön! Tavira. Wenige Kilometer von der Grenze zu Spanien entfernt.

Charmant

Die Wettergöttin hatte mein Flehen als hinreichend devot akzeptiert und mir eine halbe Stunde Sonnenschein geschenkt.

Viertel nach Sieben durch das Städtchen gehechtet und fotografiert. Die Uhr lief.

Hellwach
Schön

Hinreißend schön.

Bei der Stadtausfahrt eine mobile Roma-Famile überholt.

Gemütlich

Nach der halben Stunde: wieder Regen! Bis zur Grenze.
Konnte mich grad so auf die Fähre retten. Klatschnass.

Länderhopping

Irre, dass es erst ein paar Jahre her ist, dass hier zwischen Portugal und Spanien ein einigermassen einfacher “Transit” stattfindet. Beide mögen sich offenbar nicht wirklich. Offene und leicht passierbare Grenzen sehen anders aus.

Auf der anderen, der spanischen Seite, lockte die Sonne.

Bienvenido!

Aber nur kurz. Noch wusste ich nicht, welchen Wetterteufel ich in Spanien umschmeicheln musste. Ich fuhr viel durch Wald und Sumpf.

SandSumpfWeg

Und der Regen kam immer wieder.

Ich fuhr ziemlich versaut in Huelva rein.

Unterkunft: Hotel “Costa de la luz” in der Altstadt. Eher billige Absteige. Aber sehr freundlicher Service. (Fahrrad in Abstellraum gestellt.) 28 Euro ohne Frühstück.

Tag 167 (24.03.2017) / Portugal: Lagos > Tavira

Strecke: 124 km (08:45 – 18:15 Uhr)

Das Tagesziel war, so nah wie möglich an die portugiesisch/spanische Grenze zu kommen. Regen und Kälte waren vohergesagt, doch die Sonne brach immer wieder die Wolken auseinander

Um die Mittagszeit genehmigte ich mir ein Bier auf dem Zentralen Platz in Albufeira.

Algarve - Herz

Vielleicht war ich zu feige, dieses Foto zu schießen: Ein Paar lief an mir vorbei. ER oben ohne, SIE im Bikini. Bei 13 Grad und reichlich kaltem Wind. Beide hatten nicht das geringste Problem, ihre üppigen Speckfalten zu zeigen. Engländer. Biergesichter, gerötete Augen. Er: Glatze. Sie: Halbglatze auf der einen Seite, auf der anderen rotgesträhntes Haar. Stolze Prolls. Und davon gab es reichlich in Albufeira an der Felsenalgarve. Sie stolzierten rum, als sei Hochsommer, während ich mir fröstelnd meine Kapuze überzog. Ich schoss es nicht, das Foto. Und fragte mich noch nach Stunden, warum nicht? Weil man Hässliches nicht zeigt ? Aber war es überhaupt hässlich? Die, die mit wenig Geld den maximalen Suff in der Sonne haben wollen:  Sind die hässlich? Ist das verkehrt? Ist es ein ästhetisches Problem (also eher eine Mittel-/Unterschicht Differenz)?  Mir fiel auf die Schnelle keine Antwort ein – auch das irritierte mich.

In den verwinkelten Gassen, prießen fast alle Lokale Partys an.

Algarve - Party

Unverkennbar war ich in einer Hochburg für englische Touristen gelandet.

Albufeira lag schön in Felsklippen hinein gebaut.

Algarve - Fassade

Ganz offensichtlich war das Städtchen zweigeteilt. Ein wenig Exklusiv-Tourismus (Oberstadt)…

Algarve - Illusion

… und ziemlich viel Billig-Tourismus (Unterstadt).

Algarve - Beton

Ich machte mich davon. Musste in einiger Distanz zur Küste radeln. Das Hinterland der Algarve völlig zersiedelt. Langweilig.

Algarve - Hinterland

Interessanter wurde es erst wieder entlang der so benamsten Sand-Algarve. Riesige Lagunen, riesige Obstplantagen, kleine Städte, an denen die Touristenströme vorbeizogen. Ich stärkte mich kurz in Olhāo. Ein großer Fischereihafen. Viele Fischkonserven-Fabriken.

Einsames Bike in Olhāo

Die Ortschaften, die ich querte/längste: geprägt von alten Männern. Frauen sah ich seltener – und nie beschürzte Frauen wie auf meinen ersten Portugal-Reisen vor bald 30 Jahren.

Ganz zum Schluss erwischte mich noch ein heftiger Regenguss. (Drei Tage Regen waren prognostiziert). Ziemlich nass erreicht ich Tavira. Endstation für heute. Selbst im Trüben sah ich, dass es ein außerordentlich schöner Ort war. Ich hoffte darauf, dass morgen die Sonne mir ein paar fotografische Minuten schenken würde.

Tag 105 (12.11.2015) / Belgien: Dunkerque (Dünkirchen) (F) -> Oostende (B)

Strecke: 52 km (09:15 – 14:00)

Geschafft! Letzter Tag!

Ich ließ es ausrollen. Verabschiedete mich von Dunkerque.
Trödelte mich aus der Stadt hinaus.

Wie schon die ganze normannische Küste fuhr ich auch hier ständig an Weltkriegsstätten vorbei.

Viele Soldatenfriedhöfe. Französische, alliierte.

Ist der Tod nicht immer anonym?

An einem Grab sah ich eine beschriebene Schiefertafel. Mit einer bewegenden Widmung für einen 1940 umgekommenen französischen Soldaten.

Rührend

“73 Jahre nach deinem Tod konnte sich jetzt endlich” – hatte ein Angehöriger gekritzelt – “deine Braut wieder mit dir vereinigen.” Im Himmel. Da hat jemand lange erinnert und geliebt.

Kaum einen Kilometer weiter wieder Kreuze. Diesmal aus dem 1. Weltkrieg.
Die Normandie war über Jahrhunderte Schlachtfeld.

R.I.P.

Um halb zwölf die französisch/belgische Grenze erreicht. Überall Polizei. Eine Gruppe junger Flüchtlinge hatte wohl versucht, sich nach Belgien durchzuschlagen. Polizisten in voller Montur umringten bedrohlich stehend die gleichmütig am Boden Kauernden.

Europas Grenzen sind nicht mehr offen.

Um 14 Uhr Oostende erreicht, das mich mit Sonne begrüßte.

Sunny afternoon

Etappe 3 vorbei! Geschafft! Den französischen Atlantik bezwungen. 5 Wochen hat er mich über 2.600 Kilometer lang herausgefordert. Ich bin müde. Ich will nach Hause.

Unterkunft in Oostende: “Hotel Princess”. Zentrum. Hinter Strandpromenade. Professionell. (50 Euro mit Frühstück.) Fahrrad in Garage abgestellt.

Tag 73 (11.10.2015) / Frankreich: San Sebastían -> Bayonne

Strecke: 63 km (10:00 – 17:30)

Keine Berge mehr zu überwinden. Nur noch Ausläufer. Ich war überrascht, wie schnell ich den “Rest” Spaniens hinter mir gelassen hatte.
In Irún nahm ich mit einem Cortado und der “El País” Abschied von dem Land, das mir so sehr gefiel.

Ich

Die Basken würden allerdings bestreiten, eine Grenze überschritten zu haben. Für sie reicht das Baskenland tief nach Südwest-Frankreich hinein.

French Beach

Jedenfalls: Auf den Promenaden der ersten französischen Atlantikstrände hörte ich fast ausschließlich Spanisch.

Dabei fiel mir noch eine Analyse meiner Friseuse in San Sebastian ein. Ich hatte sie danach gefragt, ob es immer noch eine spürbare Wirtschaftskrise in Spanien gebe. Sie meinte: “Weniger als vor einem Jahr”. Auffallend viele Spanier hätten dieses Jahr ihren Urlaub nicht im Ausland verbracht, sondern (um Geld zu sparen) an den einheimischen Stränden. Das habe die Tourismus-Industrie deutlich angekurbelt.

Manche dachten wohl, dass das baskische Frankreich auch noch zum Inland dazugehörte.

Welch poetisch klingende Namen die französischen Atlantik-Orte hatten: “Saint-Jean-de-Luz”. Der Name einer französisch/spanischen Schimäre.
Wie klänge ein deutscher Städtename: “Heiliger Johann des Lichts”?

Wo läge dieser Ort?

Französische Basken

“Saint-Jean-de-Luz” nicht nur eine phonetische Schönheit. Der überaus pittoreske Ortskern bevölkert von – was wohl? – Spaniern.

I love Europe!

Der weitere Weg: anstrengend. Ich hätte nicht gedacht, dass so wenige Höhenmeter mich derart ans Limit bringen könnten. Es ging ständig auf und ab. Und wenn auf, dann steil. Nie ohne Gegenwind. Der blies nicht aus Nord, Süd, West oder Ost: Er kam immer frontal.

Am Nachmittag Biarritz erreicht.

Eigentlich nicht anders als Baden-Baden. Ziemlich aus der Zeit gefallen. Nur eben mit Atlantik.

Mondäner Sand

Würde Brenners Park Hotel (für die Nicht-Orts-Kundigen: Nobelhotel in Baden-Baden) nicht auch ein wenig blaues Meer vertragen?

Mondäner Stein

Ich hatte kurz überlegt, mir eine Unterkunft in Biarritz zu suchen. Doch nach 3,70 Euro für ein Null-Komma-Zweier-Bier am Stadtstrand nahm ich davon Abstand.

Ich radelte 10 Kilometer weiter ins benachbarte Bayonne.

Bildschöner (aber wettertrüber) Bachstrand

Wunderschöner Ortskern.

Häusermuster

Beim Abendessen in einem gut besuchten Restaurant lud mich ein junges Pärchen, das neben mir am Tisch saß, ein, mit ihm in Biarritz die Nacht zu feiern. Wir diskutierten lange (weiß nicht mehr in welcher Sprache, sicher nicht auf französisch). Das Paar fuhr alleine los. Ein wenig enttäuscht.

Süden! Frankreich!

Unterkunft in Bayonne: Hotel Le Port Neuf. Altes Haus in noch älterer Altstadt. Rezeption nicht besetzt. Musste Besitzerin anrufen, kam sofort.  Kleines Zimmer, aber liebevoll eingerichtet. Modernes Bad. Weil keine Saison, auch kein wirklicher Service. Fahrrad in Abstellkammer untergestellt. 60 Euro (ohne Frühstück).

Tag 44 (30.03.2015) / Kroatien: Neum -> Dubrovnik

Strecke: 54 km (08:30- 15:45)

Grau, wolkenverhangen und windig der Tag. Der März ist in Kroatien das, was der April in Deutschland ist. Ein launischer Monat.

Schnell Bosnien verlassen. Pass vorgezeigt, durchgewunken und wieder in Kroatien. Ob Bosnien und Kroatien viel oder wenig verbindet, ob Kriegswunden überwunden sind: Ich habe es in dieser kurzen Zeit nicht erfragt. Die Grenze jedenfalls nichts wirklich Trennendes.

Die Strecke jetzt weitgehend Menschen- und Dörfer-leer. Und wenn Bergnester, dann waren sie verlassen, die wenigen Häuser verfallen.

In einem kleinen Fjord sah ich Boote, die einen ähnlichen Höllen-Lärm machten wie illegale Goldschürfer-Boote im Amazonas-Gebiet. Diesel-Generatoren pumpten laut ratternd Schlammwasser an Deck. Aber hier wurden keine Nuggets ausgewaschen, sondern Muscheln.
Drecksarbeit!

Wie Goldgräber
Muschelgold
Drecksarbeit

Je mehr ich mich Dubrovnik näherte, umso schöner die Küste. Das Einzige, was nervte: Der Verkehr schwoll an. Und kroatische Bus- und Lastwagenfahrer nehmen kaum Rücksicht auf Fahrradfahrer.

Goldküste

Über Internet hatte ich mir bereits eine Privat-Unterkunft besorgt. Was ich nicht wusste: Dubrovnik ist eine Treppen-Stadt. Ich konnte gar nicht bis zur Haustür vorfahren. Musste weit vorher absatteln, dann Gepäck und Fahrrad Treppen rauf Treppen runter bis vor die Wohnung wuchten. War anstrengender als einen Berg hoch zu strampeln.

Unterkunft: “Apartments Minerva” in Dubrovnik. Sehr schön in der Altstadt gelegen. Großzügiges Zimmer mit Wohnbereich, extra Schlafzimmer und schönem Bad. (44 Euro ohne Frühstück.) Außerordentlich sympathische Besitzerin. Fahrrad im Eingangsbereich untergebracht.

Tag 43 (29.03.2015) / Bosnien-Herzegowina: Makarska -> Neum

Strecke: 84 km (09:15- 16:45)

Der Tag flutschte richtig. Kein Hauch von Wind. Das Rad rollte leicht – selbst die Steigungen hoch.
Die Küste immer noch schön.

Berge, die ins Meer abfielen, kleine an die Hänge geworfene Dörfer, Straßen, die mal rauf mal runter schlängelten.

Irgendwann führte der Weg ins Landesinnere. Von den Bergen aus schöne Blicke auf Binnenseen.

Das Neretva-Delta gequert.

Stracks ins Meer

Die Neretva ist ein recht breiter Fluss, der im Mündungsgebiet sehr sumpfig ist. Besser war. Inzwischen ist viel Land in einer Art Poldersystem gewonnen und fruchtbar gemacht worden.

Begradigte Sümpfe

Reiche Ernte für die Bauern.

Es geht ums Eingemachte
Natur-Feinkost

Aus dem Tal erneut in die Berge. Steiler, langer Anstieg.
Emil wiedergetroffen. Ich war ihm schon am Tag zuvor in Makarska begegnet.
Emil ist ein 22jähriger Mechaniker aus der Tuttlinger Gegend und hat sich mit seinem Rad auf eine Weltreise begeben. In seinen Satteltaschen alles drin, was man sich nur denken kann: Zelt, Schlafsack, Notfall-Apotheke, Ersatzteile, Kochgeschirr, Mehl, Zucker, Gewürze, Wurst und Brot. 40 kg Gepäck. Keine Ahnung wie er es macht, aber selbst an einem steilen Aufstieg zieht er mit dieser Last an mir vorbei. (Ich schlepp’ etwa 15 kg Zeugs mit mir.)
Ein überaus sympathischer Kerl. Im Sommer will er China erreicht haben.
Emil ist kein Weltenbummler, er ist ein Weltenraser!

Auch er schreibt einen Blog. http://www.impressions-of-travelling.com

Nach ein paar Kilometern verlor ich ihn aus den Augen.

Nicht Weltenbummler: Weltenraser

Am Nachmittag Bosnien-Herzegowina erreicht. Ein 9 km kurzer Küstenstreifen verbindet Bosnien mit dem Meer und der Großen Weiten Welt.

Schmaler Grenzstreifen

Der Hafenort Neum: ein gesichtsloses Wesen, das im Wesentlichen aus Supermärkten besteht. Die Preise etwa ein Drittel niedriger als in Kroatien. Reger Grenzverkehr.

Den spanischen Weißen Dörfern nachgemacht

Am Abend kein interessantes Restaurant gefunden. Daher im Motel gegessen. Pizza. Dabei Fußball geschaut (Georgien-Deutschland).

Unterkunft: “Motel More” in Neum (Bosnien-Herzegowina). Von außen okay – von innen ein wenig schäbig. Aber superbillig. (15 Euro ohne Frühstück.) Sehr nettes Personal. Fahrrad im eigenen Zimmer untergebracht.

Tag 30 (16.03.2015) / Kroatien: Izola -> Poreč

Strecke: 54 km (10:30 – 15:30)

Dauerregen den ganzen Tag. Meine Regenkleidung hielt dicht, ich schwitzte allerdings dermaßen, dass die Funktionskleidung nicht mehr nachkam das viele Wasser nach draußen zu osmieren. Ich war schnell völlig nass.

Es wurde jetzt fast bergig. Ich war noch nicht richtig eingefahren und die langen und steilen Aufstiege taten weh.

Rainboy

Manchmal gab es eigene Radwege. Einer folgte einer alten aufgelassenen Eisenbahnlinie und führte durch einen 500m langen Tunnel.

Durchblick

Alle Runterblicke auf die Küste wetterversaut, diesig.

Draufblick

Nach zwei Stunden die kroatische Grenze passiert. Pass vorgezeigt. Lachende Zöllnerin winkte mich durch.
“Good to be in Europe” rief ich ihr zu.

In Kroatien erstmal nicht der Küste entlang, sondern durchs gebirgige Innere.
Schöne Dörfer.
Aber auch sie heute wetterversaut. So wie Buje, dessen Kirche einst aus antiken römischen Gesteinsblöcken gebaut wurde.

Hinaufblick
Regenblick

Früh am Tag Poreč erreicht. Eine der touristischen Hochburgen Istriens. Menschenleer. Die kalten Regengüsse hatten alles Leben aus der Stadt gespült.
Ich war der einzige Gast im Hotel.
Am Abend der einzige Kunde im Restaurant.
Danach der einzige Spaziergänger in der nächtlichen Altstadt.
Der einzige Sucher nach einem offen Weinlokal (vergebens).
Der Einzige, der laut fluchend durch die klammen, engen und dunklen Gassen lief.

Bin ich etwa einzigartig?

Hotel Mauro in der Altstadt. Sehr stimmungsvoll und mit fürsorglichem Personal. Hatte Einzelzimmer verlangt, bekam – da das Hotel leer war – ein kostenloses Upgrade. Großes Zweibettzimmer. Riesenbad. (52 Euro mit Frühstück). Fahrrad in Nebengebäude untergestellt.

Tag 29 (15.03.2015) / Slowenien: Sistiana -> Izola

Strecke: 56 km (10:30 – 15:30)

Am Morgen eine Stunde in den Duineser Elegien (Klippen) spazieren gegangen. Rilke Weg nachgewandert. Blick auf das Schloss Duino, in dem Rilke die Gräfin Marie von Thurn und Taxis-Hohenlohe mit Versen beglückte.

“Ein jeder Engel ist schrecklich.”

Poetenburg

Dann weiter gen Süden; immer gegen die Sonne angeradelt.

Poetengold

Triest schnell durchquert. Sonntagsmassen auf den Plätzen. Jede Familie führte die Mama und Großmutter spazieren.

Stillgelegt
Stillgehalten

Kleine Fischerdörfer gab es auch. Muggia besonders schön.

Sonntagsstille
Er muss auch sonntags ran

Nicht lang gebraucht, um Italien zu verlassen. Mit Wehmut. Der eine Tag im Friaul hatte mir Lust gemacht. Außerordentlich zuvorkommende und hilfsbereite Menschen. Mit Herz. Und mit Verstand. Klasse Service erlebt. Köstliches Essen. Italien hat sich in nur 24 Stunden für mich rehabilitiert. No Berlusconi Country! No country for old man!

Slowenische Grenze ohne Grenzkontrolle: Schengen eben.
Welch ein Glück in Europa zu leben. Slowenien jetzt schon über 10 Jahre dabei. Ja: dabei!

So frei ist Europa

Immer klarer wird mir, dass Russland/Putin nicht die NATO fürchtet, sondern die Demokratie. Eine demokratische Ukraine als Nachbar ist für die Oligarchen-und-KGB-Herrschaft in Moskau tausend Mal gefährlicher als eine flügellahme NATO.

Slowenien: ziemlich italienisch.

Das Städtchen Koper.

Schön
Nach oben geguckt

Izola:

Sinfonie in Orange

Bunt, sonnenabgewandt die Straßen. Selten beugen sie sich dem Winter.

Schmale Schlucht
Alles taugt als Fußballfeld

Häuser wie auf alte Leinwände gemalt.

Stimmt

Die Sonne übermalte das Alte und Marode.

Verdammt mutige Farben

Und plötzlich liefen mir Vater und Tochter (?) oder Bruder und Schwester (?) ins Bild. Flüchtlinge? Vor woher kamen sie?

Wohin gehen sie?

Unterkunft: Hotel Miramar (60 Euro mit Frühstück). Anonymer Klotz mit schlechtem Frühstück. Soll aber dennoch exzellentes Restaurant haben (war leider Sonntag zu). Fahrrad in Schwimmbad untergebracht (das gerade nicht benutzt wurde).