Meer Europa

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Tag 316 (15.07.2019) / Norwegen: Ornes -> Nesna

Strecke: 150 km mit dem Fahrrad. 

Dazu 3 Fähren mit ca. 44 Kilometern. (07:15- 00:30 Uhr)

Fährentag. Kurz nach 7 Uhr in Ornes auf das Schiff, das mich (und zahlreiche Autos) nach Vassdalsvik brachte.

An Bord wollte ich schnell einen Kaffee trinken. Aber der Automat akzeptierte keine Visa-Karte. Nur Münzen. Zum ersten Mal überhaupt, seit ich in Norwegen unterwegs war, wurde Cash verlangt. Hatte natürlich kein Kleingeld. Also kein Aufwachkaffee.

32 Kilometer geradelt, schon wartete die nächste Auto-Fähre. Ein Haifisch-Monstrum. Irrsinnig – wie viel Geld Norwegen in die Brücken- und Fähren-Infrastruktur steckt. Aber anders ist dieses Insel-, Halbinsel-, Berg-Land nicht zu erschließen.

Die Sonne kämpfte über der Wolkenschicht, um mich Norwegenfahrer zu grüßen und auch ein bisschen aufzuwärmen. Bekam aber kein Licht-Strählchen durch die grauweiße Totalblockade. Ich fror.

Erst heute fiel mir auf, dass das Meer in Norwegen nicht rauschte. Die Fjorde seenhaft ruhig.

Alles, was ich hörte, war das summende Rollen meiner inzwischen völlig abgefahrenen Fahrradreifen.

Bizarre Spiegelungen an den Fjordenden. Ich hatte das Gefühl jeden einzelnen Fjord Norwegens auszufahren.

Schon bald wartete die dritte Fähre. Von Jektvik nach Kilboghamn. Sie fuhr lang.

Und kreuzte genau hier, an diesem grau-grünen Berglein den nördlichen Polarkreis.

Eine Weltkugel am fernen Ufer zeigte den genauen Punkt an.

Das halbe Schiff stapfte auf Deck, um sie (den weit weit entfernten “Punkt” auf der gegenüberliegenden Küstenwiese) zu fotografieren.

Dann noch mal 90 Kilometer bis nach Nesna. Ich hatte auf dem dortigen Campingplatz angerufen und gefragt, ob es noch ein Zimmer oder eine Hütte gäbe. Treffer. Das Problem: Die Rezeption schloss bereits um 19 Uhr, ich aber war noch 60 Kilometer entfernt und es war bereits 18:30 Uhr. Der Rezeptionist war supernett. Sagte, er würde die Tür zu dem Zimmer offen lassen und den Schlüssel aufs Bett legen. Ich solle mir keine Sorgen machen. Machte ich mir nicht.

Und (ich wiederhole mich) hatte der Tag die höchste Schwierigkeit bis zum Schluss aufgehoben. Es ging steil auf rund 350 Meter hoch. Die meiste Zeit (1 Stunde) schob ich. Hatte keine Kraft mehr.

Auf dem Pass Stille Stille Stille. Kein Zikadenlärm (gibt’s hier gar nicht), kein Fledermausgefiepe (gibt’s hier gar nicht?), kein Eulenflügelschlag. Nichts. Stille. Die Sonne war untergegangen. Endlich wieder so etwas wie Nacht, auch wenn der Horizont feurig glühte.

Unter mir lag Nesna

Ich musste nur noch rollen lassen.

Und kam nach 150 Kilometer Strampeln eine habe Stunde nach Mitternacht an. Grandios erschöpft.

Tag 297 (26.06.2019) / Finnland: Oulo -> Kemi

Glück?

Am frühen Morgen aufm Markt in Oulu ein gutes Frühstück (Filterkaffee, Croissant, Krapfen und ein mit geräuchertem Lachs belegtes Brot).

Aus dem Hintergrund melancholiert dazu ein Straßenmusiker finnischen Tango auf seiner Quetschkommode.

Dazu viel Sonne und eine völlig unaufgeregte Stimmung. Das ist Glück. Morgenglück!

Die Finnen beeindrucken mich mit jedem Tag mehr. Das manchmal Kolosshafte ihrer Statur ist grobe Tarnung für eine feine Seele. Sentimentale Charaktere. Aber nicht selbstbezogen – sehr empathisch.

Ich schlenderte noch ein wenig über den Markt…

… der von einem aufmerksamen Polizisten freundlich bewacht wurde.

In den Ständen: was die Wälder und Felder der Umgebung eben so hergaben.

Das deftige und rustikale Mittagessen wurde ebenfalls schon vorbereitet.

Der Weg dann nach Kemi – dort wo der Bottnische Busen endet: langweilig.

Strecke: 109 km (09:30 – 18:45 Uhr)

Immer der Bundesstraße E8 folgend. Alle 40, 50 Kilometer gab es (wie meist unterwegs) eine Grillbude, in der ich mir diesmal mein Mittagsbier besorgen konnte.

Rast legte ich häufig auch an Bushaltestellen ein – mit ihren einladenden Holzhäuschen.

Ein Schild zeigte an, dass ich ab jetzt in Lappland war.

Und schon bald landete ich in meinem ersten lappländischen Städtchen: Kemi.

So leer, so langweilig. Aber zum letzten Mal sah ich die Ostsee. Ab morgen würde ich ab ins Landesinnere kurven. Ich nahm Abschied.

Tag 286 (15.06.2019) / Finnland: Helsinki – Start mit Pausentag

Um Mitternacht angekommen (es dämmerte grad). Musste dem Taxifahrer, der mich vom Flughafen zum Hotel in Helsinkis Innenstadt fuhr, zeigen, wie man  den Innenraum seines Wagens zerlegt, damit mein verpacktes Fahrrad in sein Vehikel passte. Er ließ es mit meinem Versprechen geschehen, die Karre nach Ankunft wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen. 

Vor 30 Jahren war der freundliche und redefreudige Mann aus Bangladesch nach Finnland ausgewandert. Etwa 2.000 ehemalige Landsleute leben – so erzählte er – mittlerweile im Großraum Helsinki. Er selbst fühle sich als Finne. Überhaupt gäbe es nur wenige Migranten im Land. Um so wichtiger sei es, der EU nicht zu folgen – behauptete er – und nicht noch mehr Ausländer hereinzulassen. Das würde die politische Stimmung in Finnland nur weiter nach rechts treiben – meinte er. Und ich wunderte mich, wie oft ich schon diese Geschichte vom Boot, das voll sei, auch von Migranten erzählt bekommen habe.

Ich richtete dem guten Herrn seinen Taxi-Innenraum wieder picobello her.

Am nächsten Tag Helsinki erkundet (war die Sonne eigentlich in der Nacht untergegangen?). Um aufrichtig zu sein: Ich hab – mal Kaffee, mal Bier trinkend – eigentlich nur auf dem Markt, in der Markthalle, an den Schiffsanlegestellen, am alten Hafen und auf der Esplanade herumgelungert.

Hochzeitstag

Vor den Ausflugsbootanlegestegen (schönes Wort!) drängelten sich die unterschiedlichsten Hochzeitsgesellschaften.

Mal hipp finnisch-asiatisch, mal gestylt unternehmerberaterisch – alle Hochzeitsgäste bestens sonnengelaunt.

Schöne Menschen.

Fotografiert sie oder kontrolliert sie die Schminke?

Glücklichste Finnen (sagt zumindest der Weltglücksreport der bescheidwissenden United Nations (UN)).

Kuss am Pier
Der letzte (Möwen)Schrei

Die Stadt nicht voll – aber mit (Tages?)Besuchern gut gefüllt.

Über (fast) allem thront der Dom

Und die Hälfte der Touristen (immerodernurheute?) Asiaten. Fast nur in Gruppen. Nur einige wenige Solisten.

Fernweh?

Direkt am Hafen der zentrale Markt.

Finnisches Gewusel

Ebenfalls die traditionsreiche Markthalle.

Mit einem professionellen Trinkgeldeintreiber.

Immer freundlich und todernst

Und natürlich mit allem, was die finnische Wildnis hergibt. (Im Ergebnis: gemeuchelte und verwurstete, eingedoste Rentiere.)

Konserve

Tag 231 (14.03.2018) / Griechenland: Agiokampos Porto -> Volos

Strecke: 78 km (08:00 – 16:00 Uhr)

Ein paar Pendler “bevölkerten” die Kantine der Fähre. Oben – obwohl schönstes Morgenwetter – war ich mit dem Himmel allein.

Leergut

Eine halbe Stunde – und ich betrat in Glifa wieder griechisches Festland. Noch schnell einen Kaffee getrunken (hier lieben sie ihn parfümiert mit Vanille) – und ab.

von nun an ging’s bergauf

Der Südosten Thessaliens eher dünn besiedelt. Landwirtschaft, Fischerei, Tourismus – und stimmungsvolle Runterblicke.

Mittagsglut

Herrliche naturbelassene Olivenhaine mit explodierendem Blüten-Rot.

Lieblingsrot

Relativ früh in der rausgeputzten Provinzhauptstadt Volos angekommen. Jung, studentisch, rammelvolle Promenaden.

angekommen

Unterkunft: Hotel Elektra. Stadtzentrum. Etwas in die Jahre gekommen, aber völlig in Ordnung. Fahrrad in Abstellkammer untergebracht. 43 Euro (mit Frühstück).

Tag 165 (22.03.2017) / Portugal: Carrapateira -> Lagos

Strecke: 38 km (08:00 – 14:30 Uhr)

Gleich nach dem Aufstehen das Rad gesattelt und zur “Praia do Amado” gestrampelt. Ein paar Sonnenstrahlen halfen mir, wach zu werden.

Out in the wilderness

Im Tiefschlaf allerdings noch die Surfer-Bucht.
Fels, Sand und Meer nur für mich.

Out in the wilderness 2

Immer mehr entwickele ich mich auf dieser Tour zum Beach-Spotter.

Der Küstenwanderweg war auch mit dem Rad (meist) gut befahrbar.

Rotorangene Klippen

Noch an keiner europäischen Küstenlinie eine solche Anzahl unbeschreiblicher Strände gesehen.

Redcliff

Nach einer weiteren halben Stunde den Strand “Praia Da Bordeira” von oben bestaunt. Eine von Wasser umflossene Klein-Wüste. Ich fläzte mich wie eine Echse auf einen Stein und wärmte mich. Bald – so sagte es mein WetterApp – sollte es regnen.

Pur!

Ich beschloss nicht Sagres anzusteuern, das wohl schon im Regen lag, sondern durch die Sierra Richtung Lagos zu radeln.
Eine Schotterpiste führte mich nach Pedralva. Ein eigentlich verlassenes Nest, aus dem vor Jahrzehnten fast sämtliche Dorfbewohner weggezogen waren.

Seit einiger Zeit aber erlebt der Ort eine eigentümliche Renaissance. Ein Portugiese aus Lissabon kaufte den Großteil der vom Zerfall bedrohten Bauernhäuser, restaurierte sie und machte aus dem ganzen Dorf ein Hotel.

Kaufe Dorfstraße

Nachhaltiger Tourismus für Betuchte.

Ziehe auf Dorfplatz

Ziemlich guten Kaffee trank ich.

Setz Dich zur Ruhe

Am frühen Nachmittag dann noch Lagos erreicht. Mit den ersten heftigen Regengüssen.

Unterkunft: Hotel “Mar Azul”. In Fußgängerzone. Trotzdem ruhig. Angenehm und preiswert. (30 Euro ohne Frühstück.) Fahrrad im 1. Stock in Rumpelkammer untergestellt.

Tag 87 (25.10.2105) / Frankreich: Concarneau -> Morgat

Strecke: 86 km (08:45 – 17:45)

Am Morgen eine Überraschung erlebt. Noch gestern nacht hatte ich mich gewundert, warum Concarneau so einen klingenden touristischen Namen hatte. Ich wähnte mich bei der Restaurantsuche in historischen Gemäuern und fand sie ziemlich gewöhnlich. Ziemlich daneben. Ich weiß nicht, ob ich einfach zu müde gewesen bin, aber ich hatte die historische Altstadt schlicht übersehen. Sie lag auf einer kleinen ummauerten Insel, die nur über einen Brücke zu erreichen war.
Wie eben so üblich – im Mittelalter. Ich hatte das Mittelalter übersehen!

Dicke Nummer

Morgens um halb neun hatte ich dafür das ganze Altertum für mich.
Absolut niemand unterwegs. Absolut alles geschlossen.

Dünne Luft

Aufweck-Kaffee gab es nur in der Neustadt. Einen trank ich in Concarneau, den nächsten in der Stadt Quimper.

Zwillingstürme

In der Bretagne ist überall Mittelalter.

Knie nieder und tue Buße
Leuchtender Pfad
Abgekanzelt

Welch ein Städtchen: Locranon!

Die Sünden hinter dicken Mauern versteckt

Granit ist ein religiöser Stein! So profan auch bäuerliche und bürgerliche Granithäuser sind, mich befallen merkwürdig religiöse Gefühle. Auch hier. In diesen jahrhundertealten Bürgertumsgassen. Granit!

Ich sag's doch: Granit!

Auch auf der Weiterreise.
Granit-Kleinode an jeder Ecke.

Kreuze ….

On the right side of the world

Kirchen …

Normale Dorfkirche, nichts Besonderes

Ich wurde langsam kirre.
Gottseidank (!) hat mich die Küste wieder geerdet.

Ich war auf der Halbinsel Crozon angekommen.

Highlander! (Dabei war er nur ein frierender Surfer.)

Es kann nicht nur einen geben!
Eben !
Rot hat gewonnen

Wären doch alle Sonntagnachmittage so schön.

Sunday afternoon

Ich will ja nicht verheimlichen, dass es ein verdammt anstrengender Tag war. An der bretonischen Klippen-Küste entlang zu fahren heißt: 80 Meter im Schuss runter, 80 Meter im Ersten Gang hochhecheln. Manchmal musste ich absteigen.

Aber oft genug stieg ich ab, um diese irre Landschaft auf mein digitales Zelluloid zu bannen.

Cliffhanger

Dabei konnte ich mich selten für EINE Perspektive entscheiden.

Version 1
Version 2
Version 3

Am Abend (todmüde) ein fantastisches Restaurant gefunden.

Was für ein klasse Tag!

Unterkunft in Morgat: Hotel de la Baie. Sehr engagierte Empfangsdame. Redete nur französisch – sprach aber langsam und erklärte alles, bis ich es verstanden hatte. Brachte mit mir zusammen das Fahrrad ums Eck in die Hotelgarage. 63,50 Euro (ohne Frühstück).

Tag 79 (17.10.2105) / Frankreich: Soulac-sur-Mer -> La Rochelle

Strecke: 84 km (08:45 – 17:15)

Sehr früh losgeradelt. Ohne Frühstück, ohne Kaffee. Ich hatte es eilig. 8 Kilometer bis zur Fähre, die nur alle paar Stunden ablegte. Die nächste, die ich auf jeden Fall erreichen wollte, ließ um 9:30 Uhr die Leinen los.

Ich kam pünktlich an.

Süßwasserdampfer

5 Euro die Fahrt über die Gironde-Mündung von Le Verdon nach Royan. Fahrrad eingeschlossen.
Es war ein sehr ruhiges Schippern, das Wasser brettlglatt, obwohl eine spürbare Brise jeder/m das Haar durcheinander wirbelte.

Windjammer

Die ersten 3 Stunden führten durch Provinz, Provinz. In einiger Entfernung zum Meer.
Kleine Flüsschen wie die La Seudre saugten aber immer noch weit im Landesinneren Ebbe und Flut auf. An den Ufern Austernfischer. Das ganze Land scheint im Austernrausch zu sein. Kaum ein Lokal, in denen sie nicht Halb-Dutzend-Weise angeboten werden.

Austernflüsschen

Vor Rochefort: hochgeschraubte Brücken.

Braunflüsschen

Nach Rochefort: wieder Meernähe gesucht.
Es entzog sich mir.

Eben Ebbe

Schließlich Einfahrt in eine grandioses Stadtpanorama. Zwischen Mittelalter und avangardistischer Moderne: La Rochelle. Schöner als ich gehört hatte.

Oh là là

Unterkunft in La Rochelle: Hotel Les Brises. Zweckmäßiger Betonbau am Meerufer. 2 km von Zentrum entfernt. Zimmer okay. Fahrrad in Garage untergebracht. 63 Euro (ohne Frühstück).

Tag 78 (16.10.2105) / Frankreich: Margaux -> Soulac-sur-Mer

Strecke: 84 km (10:00 – 17:15)

In Margaux ein für französische Verhältnisse außergewöhnlich reichhaltiges Frühstück bekommen. Mit frischgepresstem O-Saft. Selbst gebackenem Kuchen, klasse gebrühtem Kaffee. Es sind zwei Frauen, die die Pension betreiben. Man spürt ihren Enthusiasmus Qualität in jedem Detail zu haben. Ein wenig auf Englisch geplaudert.

Das Dorf Margaux selbst ist ziemlich belanglos. Nur an seinen Rändern hat es Charme.

Herbstwein

Teuren Charme. Das berühmteste Weingut der Welt: Chateau Margaux verschanzt sich hinter Zäunen und Mauern.

1.200 Euro pro 3/4 Liter

Es wird wohl auf ewig ein Traum bleiben, einmal vom teuersten Bordeaux zu kosten. Unbezahlbar. Meine Tour durch das Bordelais glich schnell einer Flucht vor den hohen Preisen. Gerne hätte ich mich durch die phantastischen Weinkarten getrunken. Nur zu gerne hätte ich bei jedem Chateau gehalten und ein wenig probiert.

Traumlagen-Wein

Selbst bei den weniger bekannten Gütern.

Rot-Spezialist

Ich hoffe, ich bekomme dereinst im Himmel Einladungen, das nachzuholen, was mir auf Erden schändlich verwehrt bleibt.

Very british
Very french
Very rich

So radelte ich wehmütig durch die Weinwelt. Weg, schnell weg, weit weg.

Weinstraße
Weindorf

Auffallend war, wie wenig die zahlreichen kleinen Weindörfer vom Ruf des Bordeaux profitierten. Viele sind eher heruntergekommen, wenig geputzt (überhaupt kein Vergleich mit Dörfern entlang der elsässischen oder pfälzischen Weinstraße).

Ohne-Wein-Dorf

Offensichtlich saugen die Chateaux mit ihren Höfen, Hotels, Restaurants und Probierstuben alles Geld ab.

Die Weinhügel folgen dem Lauf der Gironde. Aber in gehörigem Abstand.

Wein mit Fluß

Der Fluß lange kaum spürbar, erst als ich mich dem Mündungsgebiet näherte, näherte  sich auch die Straße dem Ufer.

Gleiches Bild nur anders

Flut und Ebbe bestimmen den Rhythmus des Flusses.

Boot, Schilf, Fluss

Das Mündungsdelta breit.

Schlamm, Stelzen, Fluss

Fischerhütten versteckt hinter Schilf.

Schilf, Steg, Fluss
Treppe, Schlamm, Fluss
Kette, Steg, Fluss

Am frühen Abend in das bezaubernde Soulac-sur-Mer hineingefahren. Nettes Städtchen – wenn auch schon halb geschlossen.

Nachtbrunnen

Immerhin tolle Weinbar entdeckt und mich die ganze Nacht fest verwurzelt.

Unterkunft in Soulac: Hotel L’Ecume des Jours. Hatte bereits auf Nebensaison umgestellt. Restaurant geschlossen. Sehr sympathisches Ehepaar, das das Geschäft führte. Bekam großes Zimmer mit Terrasse, um mein Fahrrad dort unterzustellen. Sehr angenehmes Haus. Schöner Garten als Innenhof. 58 Euro (ohne Frühstück).

Tag 31 (17.03.2015) / Kroatien: Poreč -> Rovinj

Strecke: 36 km (8:30 – 14:15)

Poreč auch am morgen danach leer. Niemand, der Brötchen orderte, einen Kaffee an der Theke trank, die Zeitung holte.

Such den Mensch

Das Städtchen im Dornröschenschlaf bis Ostern. Dann wird auch kein Röschen mehr schlafen können. Dann werden Zehntausende Touristen kommen.

Da im Hintergrund sind welche!

Die heutige Tour kurz, dafür anstrengend. Stets hoch bergauf und tief bergab.
Spektakulär der Limski-Kanal. Ein kroatischer Fjord. Laut Reiseführer sollten auf dem Weg dorthin Dutzende Austernlokale die Besucher locken. Mich lockte keines. Nicht mal Wasser konnte ich mir unterwegs besorgen. Kein Geschäft, Lokal, Imbiss auf. Ich fuhr durch trockenes Land.
Schöne Gegend dennoch.

Apatschen-Land

Fehlte nur, dass ich Huckleberry Finn, Old Shatterhand und Nscho-tschi begegnete. Aber die kommen wahrscheinlich auch erst über Ostern.

Karl May saß hier
Keine Goldgräber - nur Austern-Fischer
Klar, dass man hier Huck&Finn Filme drehen könnte

Recht früh in Rovinj angekommen. Die Stadt noch leerer als zuvor Poreč. Am Abend fast verzweifelt. Hatte meinen Reiseführer aufmerksam studiert und mich auf gute Restaurants gefreut. Aber jede einzelne Empfehlung mit einem Schild vor der Tür: Offen erst wieder ab Ostern.
Selbst das angeblich beste Restaurant Istriens.

Die Schokoladenseite des Städtchens

Möglicherweise bin ich ein Luxusgeschöpf geworden. Aber mir verdirbt es die Laune, wenn ich nichts Gutes zu Essen – und auch nichts Gutes zu Trinken bekomme. Nicht einmal ein offenes Geschäft, in dem ich mir eine anständige Flasche Wein hätte besorgen könne, um sie am Strand zu leeren. Ich stand vor einem unlösbaren Problem. Und ich fragte mich, wie kann ein Städtchen überleben, wenn es nur von Ostern bis zu den Herbstferien Saison hat, die restliche 6 Monate aber im Tiefschlaf versinkt?

Immer noch die Schokoladenseite

Was machen die Kellner, die Köche, die Fischer und Lieferanten in der Stillstandszeit?
Gibt es keine Einheimische, die es mal nach draußen lockt, zum Schäkern in ein Café, zum Grölen in eine Kneipe oder nur zum Championsleague-Gucken an der Theke?

Ich traf niemand in diesem so außerordentlich schönen Mittelmeer-Geisterstädtchen, der mir diese Frage hätte beantworten können.

Stürzende Vertikale (Turm)

(Manchmal kann ich mich bei der nächtlichen Bildbearbeitung nicht mehr erinnern. Überwältigte mich jetzt das satte Abendfeuer am Himmel? Oder war es doch eher die amerikanisch blaue Stunde? Kühles Stahlblau in allen Schattierungen, das sich über das ganze Foto goss?)

Stürzende Horizontale (Wasser)

(Und beim Fotografieren selbst wusste ich manchmal nicht wie entscheiden, welche Linie musste ich notgedrungen stürzen lassen? Die Vertikale oder die Horizontale?)

Notgedrungen ging ich indes in das einzig geöffnete Lokal. Ein Balkangrill, wie es ihn in Deutschland in den 70er Jahren tausendfach gab. So schmeckte es auch. Fettig, ein wenig scharf, ein wenig lieblos und ziemlich geschmacklos.

Ich hatte schon bessere Tage.

Hotel Eden – am Stadtrand. Tito-Bettenburg. Völlig gesichtslos. Aber in der Altstadt hatten alle Unterkünfte zu. 62 Euro mit Frühstück. Fahrrad durfte ich nicht mit reinnehmen. Kettete es draußen vor dem Hotel an ein Geländer an. Desinteressiertes Personal.

Tag 20 (2.10.2014) / Spanien: Pontevedra -> Tui

Strecke: 48 km (plus ein paar Umwege) (9:45 – 21:00)

Der härteste Tag – seit dem Ankunftschaos in Bilbao.
Nach irgendeinem Grundgesetz, das Fahrradanfänger bestraft, wenn sie zu blauäugig losradeln, nach diesem anonymen Gesetz also wurde mir heute jedwede Lektion erteilt. Ich kann jetzt Hinterrad wechseln, Schlauch reparieren, platzende Reifen überleben, schlingerndes Fahrrad im Gleichgewicht halten, Gepäck schultern und Fahrradwrack kilometerweit schleppen. Ich kann jetzt alles.
Ich muß mir jetzt mich als glücklichen Menschen vorstellen.

Der Reihe nach.
Teil 1)
Fröhlich losgefahren kurz vor 10. Ich wollte die spanisch/portugiesische Grenze erreichen. Schon nach wenigen Kilometern merkte ich, dass Luft aus dem Hinterrad entwich. Ich pumpte auf, fuhr weiter: das gleiche Spiel.
Es kostete mich Mühe das Hinterrad zu lösen. Ich hatte es noch nie gemacht. Schaffte es aber. Danach Schlauch rausgeholt, neuen Schlauch (den ich als Ersatz dabei hatte) leicht aufgepumpt und eingesetzt. Klappte. Nur: Ich brachte keine Luft hinein! Das Ventil funktionierte nicht. Also das Ventil des kaputten Schlauchs genommen, das passte aber nicht. Irgendjemand hatte mir in Deutschland Scheiss verkauft. Inzwischen war ein Bauer auf mich aufmerksam geworden und wollte helfen. Auch er brachte Ventil und neuen Schlauch nicht zusammen.
Also alten Schlauch genommen, mit Bauer auf seinen Hof gegangen und in Wasserbottich die lecke Stelle gesucht. Repariert, zugeklebt, das ganze Programm. Eingesetzt. Aufgepumpt. Klappte. Inzwischen waren 2 Stunden vergangen.

Teil 2)
Losgefahren – aber gleich fing das Hinterrad zu eiern an. Es war nicht zu kontrollieren. Gepäck abgeladen, ich dachte, ich hätte das Rad falsch eingesetzt. Also nochmal nachjustiert. Losgefahren, fast umgefallen. So stark war das Schlingern. Zum Glück sah ich eine Autowerkstatt nicht weit weg. Ich packte es bis dahin. Die Jungs dort waren sehr hilfsbereit, hatten auch Werkzeug für die Fahrradreperatur. Sie stellten schnell fest, dass der Mantel (Reifenmantel) deformiert war und deswegen eierte. Sie versuchten ihn zu richten. Es ging einigermaßen.
Wieder 1 Stunde vergangen. Sie wollten 3 Euro. (Unglaublich die Preise in Spanien, unglaublich auch die Hilfsbereitschaft). Ich gab ihnen 10.
Als ich schon weit weg war, bemerkte ich, dass ich meine Luftpumpe in der Werkstatt hatte liegen lassen. Das hatte gerade noch gefehlt.

Teil 3)
Ich war sowieso mit mulmigem Gefühl weitergefahren. Nach einigen Kilometern an einer Straßenbar ein Bier getrunken.

Keine Akademikerhand, meine Fahrrad-Arbeiter-Hand!

Weitergefahren. Plötzlich ein Schlag. Fahrrad außer Rand und Band. Hinten Luft raus, Reifen explodiert. Aus dem Mantel stachen Eisendrähte heraus.
Ich war in der Pampa. Eine Zeit lang konnte ich mein Rad noch schieben, quasi auf der Felge.
Dann blockierte alles.
Also Gepäck abgesattelt, den größeren Teil geschultert, den Rest auf dem Sattel gelassen. Fahrrad hinten angehoben und erneut geschoben. Das ging so zwei Kilometer. Bis ich endlich Häuser erreichte.

Teil 4)
In einem der ersten Häuser nach dem Besitzer gerufen. Ein alter Mann kam aus dem Hof. Ich bat ihn, mir ein Taxi zu rufen. Ich ließ mein gesamtes Gepäck bei dem Unbekannten. Baute das Hinterrad wieder aus und fuhr mit dem Taxifahrer ins nächste Städtchen, in dem es glücklicherweise einen Fahrradshop gab. Nur: Siesta! Bis 16:30.
Also in eine Bar gegangen, zwei drei Bier getrunken, lange mit dem Wirt herumphilosphiert. Er erklärte mir auch das System, warum in Spaniens Kneipen Bier, Wein, Kaffee so viel billiger als in Deutschland sind. (Dazu später mehr).
Der Besitzer des Fahrradshops staunte nicht schlecht als er meinen zerrissenen Fahrradreifen begutachtete. Er versorgte mich mit allem Nötigen: neuer Reifen, Schlauch, Ersatzschlauch, neue Pumpe. Für weniger als 60 Euro. Und wieder hatte ich das Gefühl, das mich das in Deutschland erheblich teurer gekommen wäre.
Der gleiche Taxifahrer bracht mich zurück zum Haus des alten Mannes und wollte dann für beide Fahrten (die ziemlich weit waren) 10 Euro. Ich gab ihm 20.

Teil 5)
Fahrrad wieder zusammengebaut. Der alte Mann unterstützte mich tatkräftig. Entschuldigte sich dafür, dass er mich nicht selbst in das Städtchen gefahren habe. Aber er habe eine schwerkranke Frau im Haus, die er nicht ohne Aufsicht lassen könne.
Dann lotste er mich in seinen Keller. Ein Weinparadies. Der Kerl war Schreiner gewesen und nebenbei kelterte er jedes Jahr was die Reben hergaben. Er servierte mir einen jungen Weißwein. Richtig süffig. Danach drängte er mich, einen Roten (Mencía) zu probieren. Der war noch nicht ausgereift. War reichlich stark.
Dann lud er mich zum Essen ein und ich hatte richtig Mühe ihn davon zu überzeugen, dass ich weiter musste.
Ich dankte ihm für alles und bemühte zum ersten Mal eine Formel, die mir sonst nicht über die Lippen geht: Dass Gott ihm sein großes Herz vergelten möge. Er war gerührt und drückte mich an sich.
Und ich war überwältigt von der galizischen Gastfreundschaft.

Es war so dunkel, dass ich keine Schärfe in das Bild bekam. Alles verwackelt. Aber trotzdem: Bildnis eines guten Menschen.

Teil 6)
Inzwischen war es 18 Uhr geworden. Ich fuhr in das Städtchen, in dem ich den Hinterreifen habe erneuern lassen, fand aber keine Unterkunft. Also beschloss ich weiterzufahren.
Mein Fahrrad lief und lief und gegen 21 Uhr erreichte ich Tui, den spanischen Grenzort zu Portugal.

Ich war total fertig. Und ich war glücklich.

Hotel in Tui: “Colon”. Aparthotel. Habe leider nichts anderes gefunden. Macht auf Luxus ohne luxuriös zu sein. Hat aber immerhin eine ausgezeichnete Weinbar. 60 Euro (mit Frühstück (große Auswahl).