Meer Europa

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Tag 311 (10.07.2019) / Norwegen: Finnsnes -> Gratangen

Strecke: 113 km  (09:00 – 20:00 Uhr)

Fast den ganzen Tag über hatte ich das Gefühl, die Alpen zu queren und nicht an der Fjord-Küste des Nordmeeres entlang zu fahren.

Auch wenn ich mich jetzt schon einige Hundert Kilometer südlich des Nordkaps befand trugen die Berge immer noch weiße Kappen. Der Schnee schmolz in der Juli-Sonne aber spektakulär ab. Wasser schoss an fast allen Berghängen mit ohrenbetäubendem Rauschen in die Tiefe.

Die vielen Aufstiege hatten mich müde gemacht und (Radfahrergesetz!) kam der schweißtreibendste zum Schluss. Von 0 auf 450 Meter. Es war bereits 18 Uhr und es lagen noch gut 20 Kilometer vor mir.

Die einzige Unterkunft, die ich über mein Reiseportal auf der Strecke gefunden hatte, war kurz nach dem Passgipfel. Schloss aber schon um 19 Uhr. Das war unmöglich zu schaffen.

Ich rief an und man versicherte mir, bis 20 Uhr auf mich zu warten. 

Schlag 20 Uhr stand ich ausgepowert vor dem Hotel und staunte über den überwältigenden Blick runter auf den silbrig-schlummernden Gratangen-Fjord.

Ein freundlicher Herr empfing mich. Offensichtlich der Koch, der auch gleich die Rezeption des ziemlich leeren Hotels mit versorgte. Ich fragte ihn, ob denn das Restaurant noch geöffnet habe. Er zeigte mir das Schild über dem Speisesaal:  “Ab 20 Uhr geschlossen“. Er lachte und sagte, dass er mir gerne noch ein kleines Menü zubereiten werde, speziell nur für mich.

Das war – wie sich später (nach dem Schnellduschen) herausstellte – ein wenig geflunkert. Denn nach mir kam noch ein (taubstummes) Paar, das ebenfalls das Spezialmenü serviert bekam. 

Vorspeise: Pulled Rentier auf Brot. Hauptseite: Gebratener heimischer Lachs. Nachspeise: Mascarpone-Creme. Köstlich.

Zwischen den Gängen hatte der Koch Zeit, ein wenig zu plaudern. Erzählte, dass das Hotel eigentlich ein Winterhotel sei und jetzt probeweise zum ersten Mal im Sommer geöffnet habe.

Der Koch stammte aus Indien und war vor 3 Jahren nach Norwegen gekommen. Ich fragte ihn, ob er sich hier oben nicht langweile? Es sei doch ziemlich einsam hier?

Er verneinte, sagte, dass er sowieso die Städte meiden würde – zu gefährlich! Ich hakte nach – wieso gefährlich? Doch nicht in Norwegen?

Der Koch deutete mit dem Zeigefinger der rechten Hand auf seinen linken Oberarm: Schau, ich hab braune Haut. Deswegen ist es gefährlich. Ich wollte wissen, ob er denn Rassismus spüre, das könne ich mir hier in Norwegen nicht recht vorstellen. Wieder verneinte er – nein, darum gehe es nicht. Und er erzählte eine für mich merkwürdig klingende Geschichte. Einmal hatte er in Schweden (nicht weit weg!) auf winterglatter Straße einen kleinen, nicht schweren Unfall. Konnte aber nicht weiterfahren. Die einzige Unterkunft weit und breit war mit einer Gruppe von Asylbewerbern belegt, die ihn die Nacht über beherbergten. Irgendwann bemerkte er, dass die Männer sich gemeinsam begeistert Dschihad-Filme anschauten. Ein Pakistani sprach ihn an, ob er sich denn nicht auch für den Dschihad interessiere? Er bekam Angst und machte sich am nächsten Tag schnell davon. Er meinte, dass er offensichtlich aufgrund seiner Hautfarbe als „Gleichgesinnter“ vereinnahmt worden war und untermauerte seine These mit einer zweiten Geschichte: Auf der Rückreise von einem Heimaturlaub in Indien wäre er auf dem Osloer Flughafen gelandet. Bei der Einreise nahm ihn ein Offizieller (der offensichtlich arabischstämmig war) zur Seite und machte Andeutungen, ob er, der Koch, sich nicht für den Dschihad begeistere? Er könnte ihm helfen, eine gute Arbeit zu bekommen. Der Koch meinte, er wisse nicht, ob der getestet worden sei oder vielleicht doch angeworben werden sollte. Jedenfalls, je weiter weg von solchen Leuten, um so besser. Er fühle sich in den Bergen sehr wohl.

Auf mich wirkte er ein wenig traumatisiert. 

Wir quasselten noch weiter, auch als das taubstumme Paar schon längst in sein Zimmer gegangen war und ich der einzige Gast in dem großen Restaurantsaal war.

Ich fragte den Koch, welches Ziel er denn jetzt für sein Leben hier in Norwegen habe?

Er sagte: Ich will mich nach oben kochen.

Tag 31 (17.03.2015) / Kroatien: Poreč -> Rovinj

Strecke: 36 km (8:30 – 14:15)

Poreč auch am morgen danach leer. Niemand, der Brötchen orderte, einen Kaffee an der Theke trank, die Zeitung holte.

Such den Mensch

Das Städtchen im Dornröschenschlaf bis Ostern. Dann wird auch kein Röschen mehr schlafen können. Dann werden Zehntausende Touristen kommen.

Da im Hintergrund sind welche!

Die heutige Tour kurz, dafür anstrengend. Stets hoch bergauf und tief bergab.
Spektakulär der Limski-Kanal. Ein kroatischer Fjord. Laut Reiseführer sollten auf dem Weg dorthin Dutzende Austernlokale die Besucher locken. Mich lockte keines. Nicht mal Wasser konnte ich mir unterwegs besorgen. Kein Geschäft, Lokal, Imbiss auf. Ich fuhr durch trockenes Land.
Schöne Gegend dennoch.

Apatschen-Land

Fehlte nur, dass ich Huckleberry Finn, Old Shatterhand und Nscho-tschi begegnete. Aber die kommen wahrscheinlich auch erst über Ostern.

Karl May saß hier
Keine Goldgräber - nur Austern-Fischer
Klar, dass man hier Huck&Finn Filme drehen könnte

Recht früh in Rovinj angekommen. Die Stadt noch leerer als zuvor Poreč. Am Abend fast verzweifelt. Hatte meinen Reiseführer aufmerksam studiert und mich auf gute Restaurants gefreut. Aber jede einzelne Empfehlung mit einem Schild vor der Tür: Offen erst wieder ab Ostern.
Selbst das angeblich beste Restaurant Istriens.

Die Schokoladenseite des Städtchens

Möglicherweise bin ich ein Luxusgeschöpf geworden. Aber mir verdirbt es die Laune, wenn ich nichts Gutes zu Essen – und auch nichts Gutes zu Trinken bekomme. Nicht einmal ein offenes Geschäft, in dem ich mir eine anständige Flasche Wein hätte besorgen könne, um sie am Strand zu leeren. Ich stand vor einem unlösbaren Problem. Und ich fragte mich, wie kann ein Städtchen überleben, wenn es nur von Ostern bis zu den Herbstferien Saison hat, die restliche 6 Monate aber im Tiefschlaf versinkt?

Immer noch die Schokoladenseite

Was machen die Kellner, die Köche, die Fischer und Lieferanten in der Stillstandszeit?
Gibt es keine Einheimische, die es mal nach draußen lockt, zum Schäkern in ein Café, zum Grölen in eine Kneipe oder nur zum Championsleague-Gucken an der Theke?

Ich traf niemand in diesem so außerordentlich schönen Mittelmeer-Geisterstädtchen, der mir diese Frage hätte beantworten können.

Stürzende Vertikale (Turm)

(Manchmal kann ich mich bei der nächtlichen Bildbearbeitung nicht mehr erinnern. Überwältigte mich jetzt das satte Abendfeuer am Himmel? Oder war es doch eher die amerikanisch blaue Stunde? Kühles Stahlblau in allen Schattierungen, das sich über das ganze Foto goss?)

Stürzende Horizontale (Wasser)

(Und beim Fotografieren selbst wusste ich manchmal nicht wie entscheiden, welche Linie musste ich notgedrungen stürzen lassen? Die Vertikale oder die Horizontale?)

Notgedrungen ging ich indes in das einzig geöffnete Lokal. Ein Balkangrill, wie es ihn in Deutschland in den 70er Jahren tausendfach gab. So schmeckte es auch. Fettig, ein wenig scharf, ein wenig lieblos und ziemlich geschmacklos.

Ich hatte schon bessere Tage.

Hotel Eden – am Stadtrand. Tito-Bettenburg. Völlig gesichtslos. Aber in der Altstadt hatten alle Unterkünfte zu. 62 Euro mit Frühstück. Fahrrad durfte ich nicht mit reinnehmen. Kettete es draußen vor dem Hotel an ein Geländer an. Desinteressiertes Personal.

Kulinarisches Brevier: Italien, Slowenien

Hatte nur einen Tag Aufenthalt in Italien und nur kurze Gelegenheit die original italienische Küche zu beschnüffeln.
Das aber hat Lust auf (viel viel) mehr gemacht.

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“Lonza affumicata (Kaiser) con Pere e Rabiola” (Geräucherter Südtiroler Schinken (von der Lende) mit Birne und Frischkäse). Aromen ergänzten sich ausgezeichnet. (12 Euro.)

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“Spaghetti à la Carbonara e Tartufo Nero” (Spaghetti alla Carbonara mit Schwarzem Trüffel). Klasse. Nicht so eine nasse Pampe wie in den meisten Lokalen. Und auch nicht mit Rohem Schinken, sondern mit angebratenem Speck. Auf den Punkt. Trüffel gut. Insgesamt überragender Geschmack. (12 Euro.)

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“Torta al cioccolato” (Schokoladenkuchen). Bin nicht wirklich ein Süßesser. War jetzt aber begeistert. Lauwarmer Kuchen mit Merenguehäubchen, die nicht fest und bröselig, sondern fast flüssig waren. Sehr sehr gut. (4 Euro.)

(Alle vorgenannten Gerichte: Restaurant “Vanilija à la carte” (Hotel Eden) in Sistiana. Exzellenter Koch. Für die servierte Qualität richtig billig. Auch Weinbegleitung klasse durch sehr aufmerksamen Kellner.
Am Nachbartisch saßen 2 italienische Paare, die sich vor dem Essen gemeinschaftlich bekreuzigten. Habe das zum ersten Mal überhaupt in einem Restaurant gesehen.)

Auch die slowenische Küche nur im Vorbeigehen mitbekommen. Scheint sehr italienisch orientiert zu sein.

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“Bruschette češnjev paradižnik, bivolja mocarela,bazilika,origano.” (Tomaten, Büffelmozzarella, Basilikum, Oregano.) Gut gemacht, leicht angewärmt serviert. (4,40 Euro.)

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“Domači fuži z gamberi, škampi in mlado špinačo” (Hausgemachte Pasta mit Garnelen, Scampi und Spinat.) Ebenfalls ordentlich zubereitet. Fehlte ein wenig die Finesse. (12,90 Euro.)

Beide Gerichte: Restaurant “Gostilnica Gust” in Izola. Eigentlich eine Pizzeria. Hat aber weit mehr auf der Karte. Netter und schneller Service.