Meer Europa

Schlagwort Archiv: Lagune

Tag 195 (21.04.2017) / Frankreich: Gruissan -> Saintes-Maries-de-la-Mer

Strecke: 159 km (09:00 – 20:45 Uhr)

Heute war eine Kopie von gestern.

Abschied

Nicht die Küste war interessant. Ausschließlich das Hinterland. Schnell lag Gruissan hinter mir und die Weinlanschaft des Languedoc vor mir.

Das Weinjahr beginnt

Einige meiner roten Lieblingsweine kommen von hier. Viele davon sind biologisch erzeugt.
Keine Herbizide, um das Unkraut zu beseitigen. Hand- und Maschinenarbeit sind nötig, um den Boden zu bereiten.
So wie hier mit diesem eigentümlichen Getüm, das laut knatternd jätete. Château d’Anglès.

Klapperkiste

Die Schlösser der Weingüter nicht ganz so herausgeputzt und herrschaftlich wie die im Bordeaux.
Château la Négly.

Weinschloss

Kurz nur zweigte ich Richtung Küste ab.

A la plage

Aber die Retortensiedlungen – in denen Häuser, Boote und Yachten sich stapelten –

Stapelboote

trieben mich wieder ins Hinterland.

Schleusengefangen

Erneut folgte ich Kanälen

Kanalweg

und wilden Wegen.

Kanalrot
Kanallila mit kanalgelb

Ganz selten eine Siedlung.

Kanalblau

Kilometerlang ging es auf schmalen, sehr schmalen Streifen durch die Lagunen.

Kanalvoll

Ein Hochgenuß. Ich vergaß die Zeit und spürte die Entfernung nicht mehr. Ich radelte und radelte. Und erreichte nach fast 160 Kilometern schließlich die Camargue.

Sonnenpferd

Saintes-Maries-de-la-Mer empfing mich freundlich.

Unterkunft: Hotel “Le Mirage”. Familiengeführt. Außerordentlich sympathisch. Einfache Zimmer. Völlig okay. (64 Euro mit Frühstück).

Tag 194 (20.04.2017) / Frankreich: Collioure -> Gruissan

Strecke: 93 km (10:00 – 18:00 Uhr)

Die Pyrenäenspitzen noch mit einer Schneehaube, während im Tal die Weinblüte begann. Ich durchfuhr die berühmten Hanglagen des Banyuls. (Mir zu süß, auch wenn es ein Desertwein ist. Vielleicht ist es der Hauch von Rosinengeschmack, der mich schreckt.)

Weinschnee

Kaum in der Ebene angekommen, ging meinem Hinterrad die Luft aus. Ich hatte doppeltes Glück. Zum einen lag Argelès-sur-Mer nur einen Kilometer weg – und ein Fahrradladen hatte dort am frühen Morgen bereits geöffnet. Schneller Service. Ein ziemlicher fieser Dorn hatte sich in den Reifen gebohrt und den Schlauch gepiekst.
Zum zweiten: Ich besaß keinen Ersatzschlauch mehr. (Unterwegs aufgebraucht.) Ich konnte heute wieder Vorrat kaufen.

Skelett

Die Küstenlinie: Sand, Sand, Sand. Langgezogene Strände. Ab und zu Retortensiedlungen. Wer nicht gerne surft, für den ist die Ecke uninteressant.

Higher than the sky

Die eigentliche Attraktion war das Hinterland: Eine bezaubernde Lagunenlandschaft. Mit altertümlichen Fischerkaten.

Nicht für die Ewigkeit

Und herrlichen Seen.

Zeitlos

Auch mal steppenartiges, fast schon wüstenhaft trockenes Flachland.

Platt

Ich folgte überwiegend langgezogenen Kanälen. Oder Seitenkanälen. Oder Verbindungskanälen. Bald blickte ich nicht mehr durch. Manchmal glaubte ich, über offene See zu fahren. Auf einer schmalen Sandpiste, die auf das Wasser gelegt wurde. Wer die Kanäle gegraben hat, wie alt die Anlagen waren, ich wusste es schlicht nicht. Der “Canal du Midi” ist ja schon im 17. Jahrhundert von Tausenden Arbeitern ausgeschaufelt worden. Waren all die anderen Wasserstraßen genauso alt? Ich hatte Stoff zum Nachlesen.

Auf manchen Kanälen schipperten ein paar wenige Touristen. (Meist parkten sie irgendwo im Schatten und ließen es sich an Bord mit Wein und Baguette gutgehen.)

Kanal voll

Eher selten waren Fischerhäuser.

Kanal gar nicht voll

Wirtschaftswege begleiteten die Kanäle. Gut befahrbare Schotterpisten oder Sandwege.

Kanal leer
Immer grad aus

Der Tag wurde zum Genuß. Er machte mir richtig Spaß. Ich wollte, dass der Abend sich heute verspätete.

Dürre wo Wasser ist

Relativ früh erreichte ich Gruissan. Eine von Süßwasser umflossene Trutzburg. Das Mittelmeer nur einen Steinwurf weit weg.

Wasserdorf

Entspannte Atmosphäre im Dorfkern.

Querschnitt
Noch ein Querschnitt

Die schönen Straßen noch nicht überlaufen. (Während auf der anderen Seite – am Yachthafen – es bereits ziemlich rummelte.)

Hochschnitt
Fast quadratisch

Ich genoß den milden Frühlings-Abend.

Unterkunft: Hotel “Le Mirage” am Yachthafen. Gesichtsloser Klotz. Fahrrad in Garage untergestellt. 70 Euro (ohne Frühstück).

Tag 167 (24.03.2017) / Portugal: Lagos > Tavira

Strecke: 124 km (08:45 – 18:15 Uhr)

Das Tagesziel war, so nah wie möglich an die portugiesisch/spanische Grenze zu kommen. Regen und Kälte waren vohergesagt, doch die Sonne brach immer wieder die Wolken auseinander

Um die Mittagszeit genehmigte ich mir ein Bier auf dem Zentralen Platz in Albufeira.

Algarve - Herz

Vielleicht war ich zu feige, dieses Foto zu schießen: Ein Paar lief an mir vorbei. ER oben ohne, SIE im Bikini. Bei 13 Grad und reichlich kaltem Wind. Beide hatten nicht das geringste Problem, ihre üppigen Speckfalten zu zeigen. Engländer. Biergesichter, gerötete Augen. Er: Glatze. Sie: Halbglatze auf der einen Seite, auf der anderen rotgesträhntes Haar. Stolze Prolls. Und davon gab es reichlich in Albufeira an der Felsenalgarve. Sie stolzierten rum, als sei Hochsommer, während ich mir fröstelnd meine Kapuze überzog. Ich schoss es nicht, das Foto. Und fragte mich noch nach Stunden, warum nicht? Weil man Hässliches nicht zeigt ? Aber war es überhaupt hässlich? Die, die mit wenig Geld den maximalen Suff in der Sonne haben wollen:  Sind die hässlich? Ist das verkehrt? Ist es ein ästhetisches Problem (also eher eine Mittel-/Unterschicht Differenz)?  Mir fiel auf die Schnelle keine Antwort ein – auch das irritierte mich.

In den verwinkelten Gassen, prießen fast alle Lokale Partys an.

Algarve - Party

Unverkennbar war ich in einer Hochburg für englische Touristen gelandet.

Albufeira lag schön in Felsklippen hinein gebaut.

Algarve - Fassade

Ganz offensichtlich war das Städtchen zweigeteilt. Ein wenig Exklusiv-Tourismus (Oberstadt)…

Algarve - Illusion

… und ziemlich viel Billig-Tourismus (Unterstadt).

Algarve - Beton

Ich machte mich davon. Musste in einiger Distanz zur Küste radeln. Das Hinterland der Algarve völlig zersiedelt. Langweilig.

Algarve - Hinterland

Interessanter wurde es erst wieder entlang der so benamsten Sand-Algarve. Riesige Lagunen, riesige Obstplantagen, kleine Städte, an denen die Touristenströme vorbeizogen. Ich stärkte mich kurz in Olhāo. Ein großer Fischereihafen. Viele Fischkonserven-Fabriken.

Einsames Bike in Olhāo

Die Ortschaften, die ich querte/längste: geprägt von alten Männern. Frauen sah ich seltener – und nie beschürzte Frauen wie auf meinen ersten Portugal-Reisen vor bald 30 Jahren.

Ganz zum Schluss erwischte mich noch ein heftiger Regenguss. (Drei Tage Regen waren prognostiziert). Ziemlich nass erreicht ich Tavira. Endstation für heute. Selbst im Trüben sah ich, dass es ein außerordentlich schöner Ort war. Ich hoffte darauf, dass morgen die Sonne mir ein paar fotografische Minuten schenken würde.

Tag 118 (08.04.2016) / Italien: Campomarino -> Peschici

Strecke: 98 km (09:30 – 18:30)

Unterkunft in Peschici: “B&B Albergo Celestina”. Altstadteingang. Ist eigentlich ein großes Restaurant. Vermietet aber auf B&B Basis auch einige Zimmer. Sehr geräumig. Balkone. Teilweise Blick aufs Meer. Restaurant auf Großbetrieb eingestellt. Trotzdem gemütlich. Große Terrasse mit Meersicht! (50 Euro mit Frühstück.) Fahrrad in Innenhof abgestellt.

T0118-I-Campomarino-Peschici

Das Ziel der letzten Tage war: dem grauen und nebligen Norditalien entkommen. Es bestand Aussicht auf Erfolg.
300 Kilometer war ich die letzten 3 Tage geradelt, immer gen Süden. Jetzt erreichte ich die Einfahrt zum Gargano. Dem italienischen Sporn.
Empfangen wurde ich dort von einer überlebensgroßen Figur des Padre Pio: der Nationalheilige des Südens.

zerrupfter Heiliger

zerrupfter Heiliger

Er war noch in Grau gehüllt, aber am Horizont blitzten schon ein paar Lichter.
Die Sonne zerstach die Wolkendecke und ließ ahnen, in welch prächtige Landschaft ich hineinfuhr.

T0118-Gargano-01

Gehöft am Meer

Der Beginn des Gargano war von zwei Lagunen geprägt, in denen Fischerboote auf ihren Einsatz warteten.

T0118-Gargano-02

Comes a time

T0118-Gargano-03

Flottenstrategie

Schließlich verließ ich das Flache. Und es wurde anstrengend. Schnell (oder auch nicht) gewann ich an Höhe.

Die Küste wurde aufregend. Die Sonne kämpfte noch mit ihrem Versprechen, mich mit Licht zu versorgen.

T0118-Gargano-04

Wald, Wiese, Meer

Rodi Garganico, ein kleines wildes Städtchen, lag noch im Tiefschlaf. Es war mir fast unmöglich meinen Nachmittagswein zu organisieren. Ein Ort für schönere Tage! Irgendwann mal wieder.

Schließlich aus der Ferne meine Ziel fixiert: Peschici. Stadt auf den Klippen.

T0118-Gargano-05

Wald, Klippe, Stadt, Meer

Traumhaft schön. Eine Altstadt zum verlieben. Auch wenn ich nur kurz das Vergnügen hatte, durch die engen Gassen zu schlendern.

T0118-Gargano-06

Der Himmel öffnete sämtliche Schleusen und ließ Regen niederprasseln, der jeden anständigen Menschen (und auch die Nichtanständigen) nach Innen trieb. Ich freute mich. Die Luft würde morgen klarer sein. Der Frühling würde beginnen!

Tag 106 (27.03.2016) / Italien: Udine -> Portogruaro

Strecke: 52 km. (10:45 – 15:00)

Unterkunft in Portogruaro: “Hotel Spessotto”. Zentrum. Schön gelegen. Alte Villa im venezianischen Jugendstil. Geschmackvoll eingerichtet. (57 Euro mit Frühstück.) Fahrrad in Hinterhof angekettet.

T0106-I-Udine-Portogruaro

Jetzt ist Italien dran: Die nächsten 4 Wochen geht’s die Adria runter.
Die erste Etappe völlig flach: von Udine nach Portogruaro. Ideal zum Einradeln.

Aufs Wasser gebaut

Aufs Wasser gebaut

Das historische Städtchen war einst über Kanäle mit der Lagunenstadt Venedig verbunden.

Von Wasser eingerahmt

Von Wasser eingerahmt

Auffallend viele kleine Männer an diesem Oster-Nachmittag unterwegs. Bonsai-Italiener mit Halbglatze, geschwellter Brust, Napoleon-Gang und einem Berlusconi-Grinsen.
Als ich einen fotografieren wollte, fiel mein Standard-Objektiv von meiner Kamera und zerschellte auf dem Steinboden. Ich hätte schreien und heulen können. Die nächsten 4 Wochen keine Weitwinkelaufnahmen mehr! Muss mit einem Teleobjektiv und meiner Handykamera auskommen.

Die lange Tüte funktioniert immerhin. Auch wenn ich spöttische Blicke erntete.

Black is the new color

Mit Sonnenuntergang belebte sich das Städtchen und die jungen Männer wuchsen wieder zur Normalgröße und meine Laune auf Urlaubsniveau.

Tore öffnen Welten

Tore öffnen Welten

Tag 23 (5.10.2014) / Portugal: Espinho -> Figueira da Foz

Strecke: 116 km (9:45 – 21:15)

Espinho -> Figueira

Was für ein Morgen. Das heruntergekommene Espinho verlassen und in das noch schmuddligere Silvalde geradelt. Und dann diese Strandsichten!

Fischerboote wie aus einer anderen Welt. Mehr Schmuckstücke als Arbeitsgeräte

Der Strand übersät mit zum Trocknen ausgelegten Fischnetzen.

Auf der Promenade einige Stände, in denen Fischersfrauen den frischen Fisch feilboten.

Danach wurde es hart für mich. Eigentlich wollte ich direkt nach Aveiro wieder zum Meer. Aber ein Marathon verhinderte meine Pläne. Die gesamte Strecke war abgesperrt. Niemand konnte mir sagen für wie lange. Ich versuchte über Umwege mein Glück, musste aber nach einer Stunde passen. Kein Durchkommen.

Also weiter im Landesinnern, relativ weit weg von der Küste. Ziemlich wellig die Gegend.
Irgendwann gelang es mir dann wieder in Meernähe zu radeln. Bei Ganfanha do Carmo ging’s eine Lagune entlang. Kilometerlange Straßendörfer. Alles andere als eine reiche Bauerngegend. Die meisten Häuser eher ärmlich. Und trotzdem mit viel Geschmack. Viele Fassaden waren gekachelt.

Es schien, als gäbe es in den Dörfern einen Wettbewerb um die schönste Front.

Jede Schmuckkachel erzählte etwas aus der portugiesischen Tradition.

Spät, schon sehr spät das Meer nicht nur gerochen, sondern auch wieder gesehen. Praia de Mira.

Nur portugiesischer Wochenendtourismus. Das Meer tobte und warf Welle über Welle an den Strand. Gleißend das Licht. Meine Fotos überwiegend überbelichtet. Nur wenige rettbar, verwendbar.

Ich suchte mir einen ruhigeren Strandabschnitt und genoß noch einmal das milchige diesige dunstige schlierige Nachmittagslicht.

Irgendwann habe ich das letzte Hotel auf der Strecke verpasst. Es graute bereits. Und ich musste immer weiter, obwohl die Beine schon lange wehtaten. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, nicht mehr in die Nacht hinein zu fahren. Diesmal aber war es unvermeidlich. Es gab einfach keine Unterkünfte. Es wurde furchtbar. Ab und zu angehalten, um ein Bier zu trinken. Und weiter. Wenigstens fuhren kaum Lastwagen (Sonntag). Dann noch ein grauenhaft langer Aufstieg – und schließlich runter im Schuß (Wie doof! Nachts! Bei den Schlaglöchern!) nach Figueira da Foz (“Feigenanlage in der Mündung”).
Schnell ein saugutes Hotel gefunden. Und noch schneller eine exzellente Weinbar.

116 Kilometer lagen hinter mir.

Hotel in Figueira: “Lazza”. 3 Sterne. Außerordentlich geschmackvoll eingerichtetes Haus. Modern und ansprechend. Nettes Empfangspersonal. Zimmer groß. 35 Euro. Eigentlich unvorstellbar der Preis. (Fahrrad in einem Nebenraum untergebracht.)