Meer Europa

Schlagwort Archiv: Massentourismus

Tag 254 (06.04.2018) / Bulgarien: Varna -> Baltschik

Strecke: 46 km (10:15 – 16:45 Uhr)

Bulgarien verschloss sich mir. Hatte ich es nicht schon einmal gesagt?

Die Strandorte, die ich passierte: klobig, unförmig, überdimensioniert, reiner Hotel-Strand-Bar-Tourismus (wenn er denn mal stattfände). Häßlich. Ich konnte nichts mit dieser Küste anfangen.

In einem dieser Komplexe dann überraschenderweise ein kleines orthodoxes Kloster: “Die Heiligen Konstantin und Helena“.

zum Himmel empor

Ort der Stille. Aus Masse (Tourist) wird plötzlich wieder Individuum (Mensch).

zum Boden hinab

Eine Fahrradfahr-Stunde später, in den Felsklippen, das ehemalige Höhlenkloster: “Aladscha”.

in den Fels gelebt

Vielleicht schon im 4 Jh. angelegt. Spätestens ab dem 11. Jahrhundert verbürgt.

wie Honigbienen-Waben

Muss nicht leicht gewesen sein, die Höhlen in den Stein zu hauen.

wie kamen die nur da hoch ?

Waren die Mönchszellen über Außenleitern verbunden?

In einer Zelle noch ein Deckengemälde erkennbar.

der Himmel (Zimmerdecke) ausgemalt

Der Boden bedeckt mit frischen Wunschzetteln und Wunschgeld.

Die Silberlinge am Boden (heute Kupferlinge!)

Herrlich gelegener spiritueller Ort. Manche Mönche konnte von ihren Zellen das Meer sehen.

Gemeinschaftsunterkunft? Rekektorium?

Weiter an er Küste entlang. Feiner weißer Sand. Kleine Buchten. Riesengroße Touristen-Komplexe. Was soll daran schön sein? Wie sie nicht alle benamst waren: Goldstrand, Sonnenstrand, Weiße Lagune.

Stadtstrand

Und dann doch: Ein langgezogener Riviera-Beach, der ein bisschen versöhnte. Bei Albena.

Yeah!

Für ein paar Hundert Meter wurde es sogar fast wild.

So kann Küste auch sein

Zeitig in Baltschik angekommen. Bulgarischer Urlaubs-Hotspot. Schön gelegen und trotzdem unansehnlich.

Unterkunft: Hotel Antik. 4 Sterne. Moderner Bau. Direkt am Hafen. Sympathisch. Rezeption hilfsbereit. (Fahrrad in Gepäckraum untergebracht.) 57 Euro (mit Frühstück).

Tag 207 (25.09.2017) / Italien: Santa Margherita Ligure -> Portofino und zurück

Strecke: 10 km (09:00 – 12:00 Uhr)

Ruhetag.
Ausgiebig gefrühstückt und mit Hilfe deutscher Zeitungen (die es frisch gab!) die Bundestagswahl analysiert.
Schönes Santa Margherita. Still, ruhig, mondän.

frühmorgenflau

Dann 5 Kilometer zur Berühmtheit Portofino geradelt. Grandiose Meersichten unterwegs.

stoned

Portofino um 10 Uhr morgens noch unberührt.

frührot

Fast allein auf meiner Treppentour zur hochgelegenen Burg.

yachtweiß

Protzyachten vor der schönsten Kulisse Liguriens.

kesselblau

Haben vor hunderten von Jahren die Dorfgründer hier gebaut, weil sie um die Schönheit des Ortes wussten? Oder ging es ihnen nur um die geschützte Bucht?

rotockergelb

Der Friedhof mit bester Aussicht. Was zahlen die Toten dafür? Eine große Schwelle schützt das Unterdorf vor den Geistern von oben. (Wieso können die sich nicht selbst über die Schwelle heben?)

todschick

Beim Abstieg sah ich schon die ersten Touristenboote kommen (von woher eigentlich?). Bis auf den letzten Stehplatz gefüllt.

grünblauweiß

mittelaltergrün

Eigentlich hatte ich vor, an Portofinos Hafen noch einen Kaffee zu trinken.

Ich verlor aber die Lust. Hunderte Menschen wuselten plötzlich auf dem Platz. Die Terrassen-Bars und Restaurants um 11 Uhr schon komplett besetzt. 5 Euro der Kaffee. 3 Euro die Kugel Eis im Laden.
Strange world: Portofino ist extrem hochpreisig und wird überschwemmt vom Massentourismus. Santa Margherita Ligure – eigentlich die mondänere Schwester – ist dafür deutlich preiswerter und wird von den Neckermännern übersehen.

Ich setzte mich dort in einer netten Straßenkneipe fest und trank ligurischen Weißwein. Pigato. Klasse Entdeckung: trocken, würzig.

Je länger ich saß, um so mehr wuchs Welt aus meinem Glas.

halbvoll

Tag 196 (22.04.2017) / Frankreich: Saintes-Maries-de-la-Mer -> Marseille

Strecke: 107 km (09:15 – 18:00 Uhr)

Vor schätzungsweise 35 Jahren hatte ich schon einmal Saintes-Maries-de-la-Mer besucht. Damals ein verschlafenes Nest, das außerhalb der berühmten Wallfahrt der Zigeuner wie eingemottet wirkte.
Wie sehr hat sich das einstige Fischernest verändert. Parktisch kein Haus, das nicht zum Restaurant, zur Bar, zum Souvernishop ausgebaut wurde. Der alte Hafen zum Yacht-Marktplatz erweitert. Erneut demonstrierte der Massentourismus seine egalitäre Kraft: Alles sah gleich aus. Wie überall. Es war schwierig, überhaupt noch ein paar Ecken zu finden, die ein Fitzelchen des “Alten” bewahrt hatten.

Wehrhaft
Geschattet

Ich machte mich rasch auf den Weg.
Die Meer- und Landfarben hatten eine Licht-Kraft, die Maler begeistern würde.

Gleißend

Die Camargue flach,

Farblich abgestimmt

das Rhonedelta seicht und brackig.

Abfluß

Eine 30 Kilometer lange Sandpiste ermöglichte Wanderern und Radfahrern den Zugang.

Zufahrt

Ich fuhr langsam, genoss die absolute Stille. Immer wieder hielt ich.

Ich sah Herden von Flamingos, Schwärme von weißen Camargue-Pferden, Scharen von schwarzen Rindern.

Wildlife

Nach 3 Stunden brachte eine Fähre mein Fahrrad und mich über einen Rhône-Arm aus der Camargue heraus.

Stillstand

Ich nahm Fahrt auf Richtung Marseille.
Sah irgendetwas im Gebüsch rot blitzen und fotografierte schnell, bevor das Etwas sich unsichtbar machen konnte.
Welch eine Pracht! Fasan?

Wildlife 2

Unterwegs immer wieder kleine sympathische Provinzstädtchen.

Wie gemalt

Ich verweilte nicht lange. Ich hatte es eilig. Ich wollte rechtzeitig in Marseille sein. Das Ladekabel meines Laptops war gebrochen. Ich brauchte ein neues. Musste also vor Ladenschluss ankommen.
In Hafennähe gab es riesige Einkaufskomplexe. Ein Türsteher bewachte mein beladenes Fahrrad, während ich in das Einkaufszentrum hechtete und mir ein Ersatzkabel besorgen konnte.
(Auf dieser Reise hatte ich ziemlichen Materialverschleiß. Sowohl am Fahrrad als auch an meiner Fotoausrüstung und meinem Computer-Equipment.)

Dann Marseille genossen. Eine Stadt, die mich sofort gefangen nahm. Nicht wirklich schön, aber pulsierend.

Am großen Rad drehen

Irres Völkergemisch.

That's citylife

Lautes Nachtleben.

Unterkunft: Hotel “Lutetia”. Nahe am Alten Hafen. Etwas gammeliger Eindruck, aber völlig okay. Sehr netter Empfang. Fahrrad in Kammer untergebracht. 50 Euro (ohne Frühstück).

Tag 188 (14.04.2017) / Spanien: Alcossebre -> Deltebre

Strecke: 80 km (10:30 -19:15 Uhr)

Ein wenig Ruhe gefunden in der “Serra d’Irta” – einem keinen Streifen naturbelassener Küste nördlich von Alcossebre.

Wipfelruh
Bergruh

Vielleicht 20 Kilometer Rumpelpiste, die eine Ahnung vermittelten, wie schön dieser Küstenstreifen vor Beginn des Massentourismus wohl gewesen war.

Leergefegt

Ein paar wenige Mountainbiker und Crossfield-Radler störten meine Kontemplation (nur kurz).

Schotterfahrt

Die Illusion einer Steilküste …

Küstenruh

… und kleine Schotterstrände.

Steinruh

Am nördlichen Ausgang des Naturparks dann wieder tourism as usual.

Ungemein schön lag Peníscola im Meer. Ein wenig vom Wasser und Nebel verschluckt.

Nebelruh

Ein Kleinstädtchen mit mittelalterlichem Flair. 7.000 Einwohner und 150.000 Touristen täglich in der Hochsaison. Heute war wohl Hochsaison. Als hätte jemand die Tore eines Fußballstadions aufgemacht, flutete mir eine Masse Mensch entgegen, dass ich in diesem Strom fast keinen Halt fand. Fluchtartig verließ ich die Altstadt.

Pustete am Strand durch. Sah den Einheimischen kurz bei ihrem Freizeitvergnügen zu.

Strandruh

Und machte mich auf in die große Ebene der Ebro-Mündung.

Flussruh

Ein paar Flamingos von Weitem.

Flamingorot
Flamingoweiß

Ein paar schwirrende Etwasse über mir.

Vogelruh

Und viel Zeit, um auf engen Feldwegen mein Ziel zu finden.

Deltebre. Ein Provinzstädtchen, das – wie anscheinend alles – gerade völlig ausgebucht war. Ich hatte schon am Morgen die Gegend nach freien Hotelbetten duschgescannt. Alle Internet-Portale signalisierten: NICHTS MEHR. NIRGENDS.
Bis auf eine kleine Privatpension in Deltebre. Dort gab es das letzte Zimmer im Umkreis von 50 Kilometern.
Ich schlug sofort zu. Auch wenn es der DREIFACHPREIS des Normalen war.
(Lehrstück des Wucher-Kapitalismus. Nachfrage bestimmt den Preis. Noch für das letzte Loch.)

Unterkunft: Casa Angela. Privatpension. Kleines Zimmer mit Gemeinschaftsbad. Irrsinnig überteuert. 90 Euro ohne Frühstück. Fahrrad in Zimmer gequetscht.

Tag 111 (01.04.2016) / Italien: Ravenna -> Rimini

Strecke: 79 km (11:30 – 19:00)

Unterkunft in Rimini: “Hotel Sunset. Am Strand. Hat zwar 4 Sterne, ist aber einfach ausgestattet. Dafür sehr hilfsbereiter Portier. Unschlagbar der Schnäppchenpreis. (35 Euro mit Frühstück.) Fahrrad in Garage abgestellt.

T0111-I-Ravenna-Rimini

Meine B&B-Unterkunft in Ravenna lag in der “Pier Paolo Pasolini Straße”. Ich fragte mich, ob in Deutschland bislang irgendeine Straße etwa nach Rainer Werner Fassbinder benannt wurde? Nach einem schwulen Eigenbrötler und Bürgerschreck, so wie Pasolini einer war. Die Pasolini-Straße befand sich im historischen Zentrum in unmittelbarer Nähe zur Hauptattraktion Ravennas: der Basilica San Vitale.

Ich ließ mich zu früher Stunde  lange verzaubern von den 1500 Jahre alten Mosaiken. Von den Kaisern, Kaiserinnen, Bischöfen und Hofdamen. Von der fast dunklen Kirche.

Byzantinisch

Byzantinisch

Himmlisch

Himmlisch

Kaiserlich

Kaiserlich

Zentralbau

Zentralbau

Verspätet machte ich mich auf den Weg nach Rimini.

Wieder ein Tag, der völlig in Schmutzgrau getunkt war. Keine Fernsicht. Und was in Nähe lag, war nicht ansehenswert. Rimini hatte seine Beton-Vorboten ausgeschickt, schon wenige Kilometer hinter Ravenna. Ich bin noch keine europäische Küste entlang gefahren, die auf rund 50 Kilometer Länge kaum einen einzigen Grashalm wachsen ließ. So gut wie alles zubetoniert. Dabei waren Anlagen und Strand jetzt im April menschenleer. Die Saison beginnt Ende Mai und geht bis Ende September. In dieser kurzen Zeitspanne wird alles erwirtschaftet. Die restlichen langen Monate lebt die Wüste nicht.
Nur ab und zu ein paar Highlights: Kanalmündungen, an denen entlang sich Netzfischer angesiedelt haben.

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Am Kanalausgang

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An Fluß(?)Mündung – hier gab’s mal Gras!

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Fast schon im Meer

Eigentlich darf man dies Adria-Küste nur Mitte August bereisen. Dieser Massentourismus muss viele faszinieren. Immerhin pilgerte auch der große Fellini sommers stets nach Rimini!

Es gab aber auch zwei drei Überraschungen. Manche der gesichtslosen Strandstädte hatten pittoreske alte Stadtkerne.

In einem entdeckte ich auch dieses Riesen-Osterei.

Die Bewohner hatte Wünsche, Gratulationen, Bitten auf tausende kleine Stoffbänder aufgemalt. Und ein geschickter Mensch hat daraus eine Oster-Überraschung gebastelt.

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Überraschungsei

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Zettelwirtschaft

Schöner Brauch, wenn er denn einer ist.

Dann wieder leere Strände entlang.

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Am Horizont geht es nicht weiter

Ganz selten war ein direkter Strandzutritt möglich. Alles von den Hotels parzelliert und gut für die eigene Kundschaft abgeriegelt.

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Wieviel der Sommergrill-Gäste wohl diesem Körperideal entsprechen werden?

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Muskelprotz und italienische Badenixe

Und plötzlich doch ein wenig Grün: Vielleicht ein ein Kilometer langer schmaler Streifen Küstenwald, der zwischen zwei Straßen eingekeilt verlief und eine Ahnung vermittelte, wie es hier vor 100 Jahren einmal ausgesehen hat.

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Idyll

Der Tag hielt noch eine versöhnliche Geste bereit: Er präsentierte mir  den Kanal von Cesenatico. Einst von Leonardo da Vinci für die Hafenflotte entworfen, strahlt er immer noch  Ruhe und Schönheit aus.

So könnten alle Küstenorte aussehen!

So könnten alle Küstenorte aussehen!

Ich setzte mich in ein Straßencafé.  Parlierte eine wenig mit der Wirtin auf Deutsch (scheint hier eine übliche Verkehrsprache zu sein). Und ließ mir zwei kalte Weißweine aus dem Friaul schmecken.

T0111-Cesenatico-02

Von Da Vinci bemalt?

Auf dem Weg nach Rimini habe ich dann auch noch den Rubikon überschritten!
Schwer verständlich, wieso aus so einem kleinen schmutzigen Bächlein eine weltgeschichtliche Metapher wurde.

Cäsar hat ihn berühmt gemacht

Cäsar hat ihn berühmt gemacht

Tag 64 (19.04.2015) / Griechenland: Kalamata > Githio

Strecke: 98 km. (8:45 – 18:15)

Unterkunft in Githio: Hotel Aktaion an der Hafenpromenade. (Geschmackvolle Einrichtung. Balkon mit Meerblick. Hilfsbereiter Service.) 40 Euro mit Frühstück. Fahrrad zum ersten Mal draußen lassen müssen. Drinnen gab es tatsächlich keinen Platz. Nichts passiert.

Strecke 0063-Griechenland-Kalamata-Githio

Brutal anstrengende Strecke. Es ging ins Gebirge. Mit Abstand landschaftlich die bisher schönste Route in Griechenland. Einziges Manko: Eklatant schlechte Sicht. Enorm diesig. Keine Kontraste. Das was mein Auge sah, konnte die Kamera nicht abbilden. Wie schade.

Der Reihe nach.

Gleich hinter Kalamata schlängelte sich die Straße in Serpentinen in den Himmel hinein. Von dort aus wunderbare Aussichten über das noch hügelige Land, das mir immer mehr wie die schönere Toskana erschien.

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Leider wenig zu sehen

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Licht – es werde Licht!

Schon bald wurden aus Hügeln Berge.

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Man könnte hier Western drehen

Fruchtbares Land. Oben …

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Oliventerassen

…wie unten (=Hochebene).

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Filmkulisse

Die Küste bizarr.

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Fingerberge

Halbe Stunde Abfahrt. Im Schuss. Meine Wangen von aufgeprallten Mücken, Schmetterlingen und Geschmeiß so verdreckt wie eine Auto-Windschutzscheibe. (Können diese Viecher eigentlich nicht navigieren?)
By the way: Habe noch kein Land gesehen, wo so viele totgefahrene Hunde und Katzen (manchmal auch Schildkröten) am Wegrand lagen.

Unten angekommen: gestaunt über pittoreske Fischerdörfer. Der Massentourismus hat noch keinen Weg hierher gefunden.

Eine halbe Stunde Pause eingelegt und mich ein wenig aufgepäppelt.

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Alt-Herren-Mütze in Kalamata gekauft

Mit Käse gefüllte Paprika gegessen. Dazu klasse lokales Olivenöl.

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Beste Produkte

Schließlich wieder den Weg nach oben eingeschlagen. Kam mir noch steiler vor als der erste Aufstieg. Es tat weh.

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Dorf kann nicht schöner werden

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Dorf kann auch nicht mehr schöner werden

Nur noch selten Dörfer. Dafür wurden sie immer malerischer.

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Hochgebirgsdorf

Auf dem Weg ins Hochgebirge eine Schildkröte gerettet. Ich holte sie von der Straße runter und setzte sie ins Gebüsch.

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Panzer schützt nicht vor Autoreifen

Winzorte. Mit Winzkirchen.

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Wie alt sie wohl ist?

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Duster im Altarraum

Ein paar Bauern boten (wem eigentlich?) ihre Ernte an. Honig, Oliven, getrocknete Kräuter – vor allem Oregano. Ich kaufte ein Glas (4 Euro).

Blickfang

Blickfang

Dann wieder Schussfahrt ans Meer.
Ausgepumpt und entkräftet im Hafenstädtchen Githio angekommen.

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Sicherer Hafen

Herrlicher Tag!

Tag 48 (03.04.2015) / Montenegro: Kotor -> Ulcinj

Strecke: 88 km (09:15- 17:45)

Unterkunft: “Apartments Palata Venezia” in Ulcinj. Phantastisch  gelegen in der “Old City”. Bekam – (nichts Neues / da einziger Gast) –  Riesen-Apartment. Fahrrad draußen gelassen. War absolut sicher.

Strecke 0048-Montenegro-Kotor-Ulcinj

Anstrengender Tag: Viele Buchten, jede von ihnen ausgefahren. Hang rauf, Hang runter. Irgendwann waren meine Muskeln überstrapaziert. Ich versuchte in einer Apotheke Voltaren zu besorgen. Bekam ein Generikum für 2 Euro. In der Apotheke gab es nur das Nötigste.

Meist schien die Sonne, dennoch war es eisig kalt und phasenweise extrem windig. Ständig hatte ich die
Baumwipfel 100 Meter voraus im Blick. So konnte ich frühzeitig erkennen, ob es wieder Böen gab. Kamen sie von der Seite, musste ich absteigen und das Rad festhalten. Dieser Wind reißt dich um.

Die Straßen zwar viel besser als zu Beginn, dennoch musste ich aufpassen. Am Rand immer wieder sandige Abschnitte, manchmal fehlten Abdeckungen auf Gullys und ab und zu aufgesprungener Asphalt mit tiefen Schlaglöchern. Selbst bergab fuhr ich nicht Schuss, ich hatte Schiss.
Manchmal sogar richtig Angst. Immer wieder gab es längere Tunnels, manche völlig dunkel. Unbeschreiblich welch Höllenlärm Autos, insbesondere Lastwagen, in Tunnels erzeugen. Der Schall scheint sich über Echo aufzuschaukeln. Ohrenbetäubend. Dann blendete auch noch das Licht entgegenkommender Fahrzeuge. Ich fürchtete, man könnte mich mit meiner kleinen Fahrradfunzel übersehen und war froh, wennzubetoniertsich wieder die Sonne am Ende des Tunnels zeigte.

Die Küstenstrecke eigentlich schön.

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Long and windy beach

Jedoch keine Bucht, die nicht im Stile der Costa Brava zubetoniert war – oder gerade wurde.
Apartment-Komplexe für vermögende Russen.

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Black is the color

Hotel-Komplexe für den Massentourismus.

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Bauboom

Ab und zu: ein paar marode Brücken.

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Am Ende der Straße…

Und immer wieder die Vorstellung, dass die Küste doch schön sein könnte.

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Es gibt Stellen, da kann nichts zugebaut werden

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Auch im Mittelalter gab es bereits einen Bauboom

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Berge, die ins Meer fingern

In der Hafenstadt Bar eine kurze Wein-Rast eingelegt. Langweiliger Ort, mit schönen Kirchen …

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Gold is the color

… und im Zentrum mit unübersehbaren Baukunstwerken aus der Tito-Zeit.

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White is the color

 

Am späten Nachmittag endlich Ulcinj erreicht.

Das interessanteste Städtchen auf meiner bisherigen Montenegro Tour. Sehr saubere und gepflegte Neustadt. Unübersehbar der albanische Einfluss. Zig Moscheen.
Der Muezzin sang sein Abendgebet mit ausgesprochen schöner Stimme.

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Klein Albanien 1

 

Auch direkt am Hafen eine Moschee.

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Klein Albanien 2

Nur mit Mühe fand ich meine am Morgen per Internet gebuchte Unterkunft. Sie lag in der Altstadt, hoch auf dem Berg. Die Altstadt ist ein ausgewachsener Burgkomplex, weitgehend unbewohnt. Aber ein paar schöne Hotels und Restaurants haben sich in den alten Gemäuern eingenistet. Ich musste das Fahrrad samt Gepäck einen Steilweg und dann einen Treppenaufgang durch ein Burgtor hochstemmen. Um gleich wieder Treppen runter zu rattern.
Die Hotellage traumhaft: Blick aufs Meer. Das Restaurant hatte leider geschlossen, auch wenn die Tische fleißig eingedeckt wurden.
Am nächsten Tag sollte hier der albanische Ministerpräsident samt Delegation vom montenegrinischen Präsidenten empfangen werden.

So machte ich mich auf in die Neustadt. In zwei Fischrestaurants fragte ich nach etwas Essbarem: Beide hatten nur die Bar offen. Die Saison – so wurde mir gesagt- begänne erst ab dem 15. April.

Ich fand einen kleinen Schnellimbiss, der auf Kebab spezialisiert war. Ich aß ein Steak. Es war richtig klasse.

Natürlich war ich der einzige Gast.
Manchmal hat das aber auch Vorteile. In den Hotels bekomme ich meist das beste Zimmer, in den Restaurants den besten Tisch, das beste Fleisch, die volle Aufmerksamkeit …