Meer Europa

Schlagwort Archiv: Paradies

Tag 304 (03.07.2019) / Norwegen: Karigasniemi -> Lakselv

Strecke: 93 km (09:00 – 18:30 Uhr)

 

Da ich von den absurd hohen Preisen in Norwegen für Wein, Bier & Co. gelesen hatte, hatte ich mir am Vorabend in Karigasniemi schnell noch im staatlichen Alko-Shop 2 Flaschen französischen Rotwein und 2 Dosen finnisches Bier besorgt und bin am Morgen schließlich schwer beladen über die Grenze. (Dort wurden Grenzgänger tatsächlich stichprobenartig nach Alkohol durchsucht.)

Bin gespannt

Es ging gleich ordentlich rauf und runter – und ich musste für meinen Weintransport ordentlich büßen. Die Finnmark (so heißt die Region in Norwegen, die ich durchfuhr) war fast noch einsamer als die letzte Strecke in Finnland. Auf fast 40 Kilometern sah ich kein einziges Haus, keine Einsiedelei, nichts. Aber trotz starken Regens konnte ich erkennen, dass ich durch ein Waldparadies fuhr. Irrsinnig schön.

Und das im Herbst oder im Indian Summer ...

Im Paradies gibt es aber immer auch einen Vorplatz für die Hölle. Die brachte die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Ein Erinnerungspfad (den ich wegen des Starkregens nicht beging) legte mitten in der Wildnis Zeugnis davon ab.

Etwa auf halber Strecke zickte mein Fahrrad. Irgendetwas lief unrund. Ich fixierte Hinter- und Vorderrad neu. Aber das Vorderrad schleifte immer wieder an den Bremsbelägen. Es schien, als hätten die hydraulischen Bremsen auch Öl verloren. Sie griffen nicht mehr hart genug.

Trotzdem kam ich einigermaßen sicher in Lakselv an. Ein sehr funktionaler Ort. Schon bei der Runterfahrt sah ich im Hintergrund den Fjord: Das Nordmeer lag grau unter den dunklen Wolken.

Rutschbahn

Tag 274 (25.9.2018)/ Dänemark: Ribe -> Ringkøbing

Strecke: 139 km (09:15 – 19:30 Uhr)

Ribe am Morgen – genau so entleert wie gestern bei Regen. Trotz Frühsonne.
Merkwürdiges Dänemark. Wo trifft man eigentlich Dänen, wenn nicht auf der Straße?
Vorm Dom eine Statue des Missionar Ansgar, der so etwa um 850 die Wikinger zum christlichen Glauben überredete.

Wikingerflüsterer

Ich nahm Richtung aufs Meer. Unterwegs kleine Seen, Teiche, Tümpel. Mir fehlt der exakte Wortschatz für das, was ich im Norden antreffe.
Haff, Fjord, Sund… Deich, Damm …was stimmt?
(Ich bin Südländer – ich merk es immer mehr.)

Jedenfalls … attraktiv war das Flache durch das Nasse.

Against the sun

Wo kommt eigentlich hier das ganze (Süß)Wasser her?
Ausm Boden?
(Oh Mann, ich weiß gar nichts.)

MitderSonne

Nach der x-ten mäandernden Dorfstraße die Küste erreicht.

Hinführend

Deich hoch – und runter geguckt.
Wattenmeer: seicht.
(Füllte sich das Meer oder wich es? Sack Zement! – wer hilft mir bei diesen existientiellen Wissenslücken (Google bestimmt nicht.)

Zielführend

Saftig die Herbstwiesen.

Ins Gebüsch

Und mittendrin ein weiteres Rätsel:

Bürstenrätsel 1

Was sollten diese überriesigen Bürsten im Gras?

Bürstenrätsel 2

Vielleicht könnte mir ein Däne die Antwort geben – aber es war ja keiner da.
Und wenn, nur als stummer steinerner Gast.

Weißes Rätsel 1

Bam, Bam, Bam (frei nach Mozart).

Aber diese steinernen Monumente  gucken mich nicht an, sie gucken zu den Osterinseln, wo sie offenbar Verwandte haben.

Weißes Rätsel 2

Und weiter, immer weiter.
Schöne Küstenfahrradwege. Und so wunderbar angelegt, gepflegt und nebenbei das Meer gebändigt.
Ich schaute mich mehrmals um, ob ich hier überhaupt fahren durfte, ohne das Landschaftsdesign kaputt zu machen.

Zielpunkt 1

Eine akkuratere Küste habe ich noch nicht gesehen.

Zielpunkt 2

Aber wo sind die Dänen?

No point

Die Einheimischen?

Hier übrigens endet das Wattenmeer. In Ho Bugt. Warum – hat mir mein Reiseführer nicht erklärt.

Gestreiftes Rätsel

Nach Ho Bugt motte ich meinen Fotoapparat eint. Es stürmt mir ins Gesicht (unverschämt!), es trübte sich ein (Frechheit), es versaute und versuppte mir fast den Tag, bis – kurz vor Sonnenuntergang – sich ein Durchgang, ein Blick ins Paradies öffnete. Und prompt packte ich meine Spiegelreflex wieder aus.

Yeah!

Oh Mann! Und es gab null- ich wiederhole – nicht eine einzige freie Unterkunft hier. Ich wär so gern geblieben.

Sandiger als das Paradies

In dieser fantastischen Dünenwelt.

Zwei Augen Prinzip

Aber ich musste weiter, immer weiter – gegen Sturm, Wind und Böe (wer erklärt mir die Abstufungen?), …

Tschüss

… bis ich mein Unterkunftsziel erreichte: am Stadtrand von Ringkøbing.

Unterkunft: Ein Apartment, dessen Verwalter mir telefonisch beschrieb, wie ich hinfinden würde. Der Schlüssel steckte außen in der Tür. Es war bereits dunkel, als ich aufschloss.

Tag 239 (22.03.2018) / Griechenland: Neos Marmaras -> Sarti

Strecke: 56 km (09:00 – 17:15 Uhr)

Kaum war ich aufgebrochen, bremste mich eine “Raupen-Kette” ab. Diese Prozessionsraupen sollen beim Anfassen heftige Allergieschübe auslösen. Also unternahm ich keinen Rettungsversuch, um die Tierchen vor dem Überfahrenwerden zu retten.
Warum sie sich aufreihen, sich aneinander ketten und damit verletzbarer machen, verstehe ich allerdings nicht.

Raupen-S-Bahn

Die Straße führte mich steil nach oben, dann verließ ich den Asphalt und stürzte mich wieder nach unten …

Wellenreiten (trocken)

… Strandtag!

Schon nach einer halben Stunde kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Robinson Crusoe Strand

Ich bewegte mich in einer Wunderwelt.

Robinson Crusoe hat eine große Auswahl

Eine Bucht reihte sich an die andere. Nirgends auch nur ein Mensch, ein domestiziertes Tier, eine Bewegung zu sehen.
„Paradies“ schoss es in mich: „Paradies“.

Trotz milchiger Sicht packte ich meinen Fotoapparat erst gar nicht mehr ein. Wie muss das erst bei klarem Sonnenschein und feinem Schattenwurf – früh am Morgen oder spät am Abend – wirken! Ist das Paradies immer fern?
No! no! no!

Dschungelstrand

Ich folgte einer Schotterpiste, die mich durch einsamste Landschaften lotste.

Küstenschotterpiste

Ich kam kaum zum Atmen, nicht wenn ich nach unten blickte, nach vorn, um mich herum.

Standfest
Auch standfest

Völlig unverständlich, dass hier Besucher erst ab Juni kommen – und dann auch noch alle auf einmal.

Grandiose Westküste der Halbinsel Sithonia.

Einfach schön

Es hörte überhaupt nicht auf.

Einfach wunderschön

Dem Strand vorgelagerte Lagunen.

Frühlingsbote

Der Ginster lies die ersten Blüten ausbrechen und lockte Kleinvieh an.

Frühlingsbote 2

Die Sicht immer diesiger, trotzdem …

Feinsandig

… ich frohlockte laut – und kam kaum voran. Hielt mehr, als ich fuhr. Urplötzlich schlug aber das Wetter um. Schon in diesem staunenswerten Naturhafen kam eisiger Wind auf, heftige Böen peitschten auf mich ein. Ein Sturm baute sich auf.

Es klärt sich was

Ich war inzwischen wieder auf der (kaum befahrenen) Autostraße und kämpfte mich an der Südspitze Sithonias einen Pass hoch. Fror auf einmal. Musste mehrmals absteigen, um nicht vom Rad geweht zu werden.

Unten warfen sich die Wellen mit Macht an die Küste, so als wollten sie die übermächtigen Berge angreifen und langsam schwächen.

Küsten-Tosen
Als würde gerade die Welt erschaffen

Nach steiler halbstündiger Abfahrt, vorbei an riesigen Schafsweiden und Ziegenställen, stellte ich im Ferienort Kalamitsi mein Fahrrad kurz ab, suchte nach einem offenen Café oder einer Taverne. Fehlanzeige, Nichts, rein gar nichts hatte in diesem so schön gelegenen Kaff offen, nicht einmal ein winziger Supermarkt.

Ich hatte unterwegs schon mit meiner HotelApp versucht, eine Unterkunft vorzuorganisieren. Fehlanzeige. 100 Kilometer Küstenstrecke ohne eine einzige offene Pension. Absolute Nebensaison. Inexistentes Gebiet!

Angelehnt

Ich brauchte noch einmal fast zwei Stunden, um den Wind zu besiegen und um zu meinem eigentlichen Ziel zu kommen: das Küstenstädtchen Sarti. Ich vertraute darauf, mir dort ein Privatzimmer organisieren zu können.

Wellenangriff

Ich wurde nicht enttäuscht.
Es wurde ein interessanter Abend.

Auch Sarti war zunächst einmal wie ausgestorben, so gut wie nichts war offen.

Erstes Glück: Ich sah Bewegung in einem Café. Ich ging entschlossen auf die Tür zu und schon kam mir eine ältere Frau entgegen und fragte im besten Deutsch, ob ich ein Zimmer suche.
Sie war vor einer Stunde zusammen mit ihrem Sohn aus Thessaloniki gekommen, um ab jetzt bis November ihre kleine Pension in Sarti zu betreiben. Ich war der erste Saisongast.
Sie fegte schnell noch den Raum aus, organisierte Bettwäsche und voilà: Ich war untergekommen.
Die Pensionsbesitzerin hatte 15 Jahre eine Kneipe in Solingen betrieben und hatte sich dann entschlossen, in der alten Heimat wieder etwas aufzubauen. Nach einer halben Stunde kannte ich ihre komplette Familiengeschichte.

Zweites Glück: Ich fand am Abend eine offene Taverne. Die einzige, wie mir der Wirt versicherte.
Er rief seine Mutter von irgendwoher, dass sie mir ein Abendessen zubereite (aus Tiefkühlfrost).

Ich war auch lange alleiniger Gast, bis sich auf einmal ein großgewachsener Freund des Wirtes dazu gesellte.

Er kam rein mit Wollmütze und in Fischer-Tracht: Langer grüner Parker und weite grüne Hose aus Ölhaut. Eine imposante, stolze Figur mit einem grauweißen Moustaki-Wuschelbart, wie ihn viele orthodoxe Priester tragen.
Er erzählte von der Fischerei, die er vor einigen Jahren aufgegeben habe. Davon, dass die Ägäis überfischt sei, kaum ein Fischer mehr nachhaltig arbeite und er selbst keinen Spaß mehr an seinem Beruf habe. Jetzt sei er 60 Jahre und es sei genug.

In schlechtem Englisch verständigten wir uns.

Ich reizte ihn ein wenig von „früher“ zu erzählen und er schwärmte davon, wie er “früher” Touristinnen für jeweils eine Saison kennengelernt habe: Däninnen, Deutsche, Französinnen. Ich nannte ihn einen Beachboy und er musste lachen.

Zu später Stunde verriet ich ihm den eigentlichen Grund, warum ich auf meiner Reise unbedingt in Sarti Zwischenstation machen wollte: Nostalgie.

Ich war vor genau 42 Jahren schon einmal an diesem Ort gewesen. Hatte 1 Woche lang an einem Strand nahe des Dorfes (in einem Bundeswehrschlafsack) geschlafen.
Von hier aus wollte ich mit einem Boot dann in die Mönchsrepublik Athos übersetzen. Die Einreise-Papiere hatte ich schon zusammen. Ich bekam aber plötzlich hohes Fieber, konnte den festgesetzten Termin nicht einhalten und hatte es so nicht mehr auf diese nur von Männern bevölkerte und bewirtschaftete Halbinsel geschafft.
Was – so scherzte ich – vielleicht ein Glück war. Jemand hätte mir nämlich damals erzählt, dass einige Mönche gar nicht so “keusch” leben würden, sondern ziemlich heftig hinter jungen Männern (Touristen) her gewesen seien. (Ich drückte es etwas drastischer aus.)
Ab diesem Moment gefror das Gespräch.
Der Seemann wurde mürrisch, war sichtlich angeknockt.

Ich sah meinen Fehler und versuchte das Gespräch wieder auf andere Themen zu lenken.
Der Seemann schimpfte auf Griechisch, dann redete er auf mich ein, dass Athos eine großartige Republik sei – mit großartigen und gebildeten Mönchen. Dass ich gut täte, doch noch einmal dorthin zu gehen, um zu sehen, welche spirituelle Erfahrungen dort aus dem mönchischen Leben erwüchsen.

Ich ahnte, dass er oft dort verweilte, vielleicht regelmässig seine österlichen Exerzitien absolvierte, vielleicht mit Gedanken spielte, ganz dort zu leben.

Nach und nach vertieften wir uns dann aber auch wieder in andere Sujets, unterhielten uns über Mikis Theodorakis (überragend) und Georges Moustaki (schräger Romantiker), Demis Roussos (schrille Stimme), über die alten Zeiten.
Der Wirt beteiligte sich jetzt ebenfalls und servierte seinen Spezialschnaps (doppelt destillierten Ouzo).
Als ich mich verabschiedete, lagen wir uns alle Drei in den Armen und versprachen, uns wieder zu sehen.

Unterkunft: Pension Petris. Schön strandnah. Meerblick. Neu eingerichtet. 30 Euro (ohne Frühstück)

Tag 123 (13.04.2016) / Italien: Lecce -> Marina di Leuca

Strecke: 97 km. (09:30 – 18:30)

Schon am frühen Morgen durch Blütenmeere geradelt.

Rot grundiert
Impressionistisch unscharf

Die Straße gehörte nur mir, kaum Verkehr.

Straße nur für mich

Nach etwas mehr als 2 Stunden, hinter Otranto die Küste wieder erreicht.
Die schönste, die ich bisher in Italien befahren habe.

Grün gesäumt
Green green green

Selten mal ein Gehöft.

Muss schön sein hier zu wohnen

Wenige Ortschaften – und dann meist winzig in noch winzigeren Buchten. Wie Porto Badisco.
Ein kleiner Fjord. Eine Handvoll Häuser. Zwei drei Trattorien.

Wo all die Einheimischen herkamen?

In diesem Gartenrestaurant gab es nur einen einzigen Menü-Punkt:
Seeigel.

Köstlichkeiten

Eimerweise präparierten die Fischer ihre Tagesernte.

Frisch auf den Tisch

Mit riesigen Zangen knackten sie die Seeigelgehäuse.

Der Seeigel-Meister

Paradies-Küste!

Fast schon irisch, aber tief im europäischen Süden!
Irlandgrün
Irlandrosa
Wehrhaft

Nach der Hälfte der Strecke wuchsen die Orte zu kleinen Städtchen.

Palmenhafen

Unverkennbar der orientalische Einfluß in Castro Marina.

Orient

Manche Straßen waren bunter als eine Wasserfarbenpalette.

Bello

Ich konnte mich zwischen den beiden Fotos nicht entscheiden. Also lass ich sie beide posieren.

Auch bello

Zum Schluss wurde es nochmal steil. Als ich schon keine Lust hatte weiter zu strampeln.

Blick zurück

Aber das salentinische Ende der Welt war nah. Ich hatte bald mit “Santa Marina di Leuca” den Absatz Italiens erreicht. Mit anderen Worten: Ich war am äußersten Punkt der Halbinsel Salento angekommen.

Ende der Welt

Traumhafter Tag!

Unterkunft in Leuca: “Hotel Terminal”. Am Meer. Obwohl ein Touristenblock, sehr nett. Empfang äußerst freundlich. Gab mir, warum auch immer, ein Upgrade. Großes Zimmer mit Meerblick. (41 Euro mit Frühstück.) Fahrrad in Hinterhof untergebracht.

Tag 84 (22.10.2015) / Frankreich: Vannes -> Quiberon

Strecke: 56 km (10:00 – 16:30)

Hatte am Morgen etwas Kopfweh vom gestrigen Abend. Die Bedienung hatte mir ohne nachzufragen einen Rum eingeschenkt. Das Restaurant, in dem ich gewesen war, ist offensichtlich auf karibischen Rum spezialisiert. Aus Martinique und Guadalupe. Alte französische Kolonialinseln.
Schwarz – bedeutete – glaubt man den Rum-Etiketten, mit denen im Lokal geworben wird – vor allem nackt und barbusig und dem Weißen Patron stets zu Diensten.
Auch das eine Art Kolonialgeschichte zu bewahren.

Barbusiger Rum

Ich schaute mir noch die Altstadt Vannes an. Mittelalterliches Flair. Häuser so krumm, dass der schiefe Turm von Pisa dagegen kerzengerade wirkt.

Krumm und schief

Einladendende Winkel gibt es in den meisten französischen Kleinstädten.

Geschmackvoll eingerichtete Läden, Cafés, die Wert auf Qualität und Stil legen.

Manchmal kann ich nicht widerstehen und nahm, nachdem ich Quiberon verlassen hatte und zwei Stunden geradelt war,

An "Buin" bin ich vorbeigeradelt

Platz im Garten eines Bistros in Auray.

Ein Gourmet stand hinter der Theke, hatte allerlei Schmackhaftes anzubieten.

Auch schön gelegen

Mir war aber – obwohl die Versuchung groß war – noch nicht nach Essen. Ich begnügte mich mit einem Sancerre als kleine Stärkung.

Schön gesessen

Kein Wind, kaum Steigungen. Welch leichtes Fahren heute.
Der einzige Wermutstropfen.
Diesiges Wetter. Den ganzen Tag.

Recht bald Carnac erreicht.

Hinkelsteinparadies.

Ich war im Herz der Bretagne angekommen.

Hinkel 1
Hinkel 2
Hinkel & Elster

Danach noch bis Quiberon geradelt. Auch das ging schnell.

Quiberon liegt fantastisch an der Spitze der gleichnamigen Halbinsel. War sehr voll. Fast nur französische Großfamilien. Entsprechend das Angebot an der Uferpromenade und auf der Hafenmeile: Crêpes, Sandwiches, Moules & Frites, Pizza.

War recht schwer, etwas Anständiges zum Essen zu finden.

Unterkunft in Quiberon: Hotel Des Druides. Bekam Zimmer mit großem Balkon und Blick aufs Meer: schön. Winterbetrieb. Ziemlich leer. Fahrrad im Hinterhof an Baum gekettet. 56 Euro (ohne Frühstück).

Tag 53 (08.04.2015) / Albanien: Vlore -> Himare

Strecke: 73 km (10:00- 19:30)

Hatte in Vlore am Morgen getrödelt. Versucht den netten Hotelbesitzer ein wenig über Albanien auszufragen. Ist mir leider nicht gelungen. Sein Englisch reicht nur für den Hotelservice. Schade. Aber tolles Frühstück bekommen. Danach zu Rossmann gegangen, Rei aus der Tube gekauft und noch ein paar notwendige Dinge.
In Albanien haben sich Rossmann und die Raiffeisen-Bank niedergelassen. In Kroatien waren es Lidl und DM. Der Balkan ist unter den Deutschen gut aufgeteilt.

Bauboom am Beach

Die Küste zugebaut. Jeder noch so kleine Fleck. Zumindest zu dieser Jahreszeit gibt es ein Übergebot an allem. An Hotels, Restaurants, Bars, Bäckereien, Mini-Märkten, an Tankstellen und Auto-Werkstätten.
Ich bezweifele, dass sich das alles während der Tourismus-Saison füllt.
Viele Albaner wollen am Aufbruch des Landes teilhaben, schuften und werkeln. Hoffentlich werden sie nicht einfach nach den Marktgesetzen (wo keine Nachfrage, da kein Durchkommen) wieder zu armen Schluckern gemacht.

Leere – überwinternde Hotelanlagen. Auf der ganzen Strecke.

Hotel Surreal

Kurz bevor ich ins Landesinnere abzweigte, sah ich am Straßenrand eine Familie (vermute ich), die von Klein bis Groß Sonnenschirme flocht.

Family at work

Die Familie hatte nichts dagegen, dass ich ein paar Fotos schoss. Der älteste Sohn war einmal für kurze Zeit in Worms gewesen. Sprach aber nur Begrüßungs- und Abschiedsfloskeln auf Deutsch. “Guten Tag”. “Auf  Wiedersehen”. “Tschüss”. “Bayern München”. Seinen Hund hatte er “Rudi” genannt (nach Rudi Völler).

Sonnenschirmflechter

Nette, neugierige, aufgeschlossene Menschen.

Sonnenschirmflechterin

Die Mutter aller Sonnenschirmflechter.

Es ging von nun an immer weiter Richtung Landesinnere. Die Küste selbst für Straßenbaukünstler zu steil.
Ich musste ins Gebirge. Bei Anblick der Schneeberge schwante mir nichts Gutes.

Blaue Berge mit Schneekuppen

Immer höher schraubte sich der Weg. Immer wilder und rauer das Land.

Durchs wilde Albanistan

Das Meer weit weg, aufgrund der diesigen Sicht kaum noch auszumachen.

Schwarze Berge

Unterwegs ein Denkmal, dessen Inschrift ich nicht verstand. Ich vermute, hier werden tapfere Albaner verehrt,  die im Zweiten Weltkrieg italienischen Faschisten Widerstand geleistet hatten.

R.I.P.

Ab jetzt tat der Aufstieg nur noch weh. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich abgestiegen bin und das Fahrrad geschoben habe. Mehr als 10% Steigung packe ich nicht. Es hörte und hörte nicht auf. 1027 Meter schuftete ich mich in die Höhe. Am Straßenrand lagen noch Schneebrocken. Es war fürchterlich kalt und mir froren die Finger. Dann endlich den Scheitelpunkt des Llogara-Passes erreicht. Mitten in einem faszinierenden Nationalpark. Nur – mir blieb die Luft weg.

Zum Glück gab es nicht weit hinterm Pass ein Gasthaus. Die Betreiberfamile saß zu dritt vereint um einen Ofen, um sich zu wärmen. Sie luden mich zu sich. Ich stärkte mich mit einem Viertel Rotwein.

Kamingespräch mit 3 Generationen (Eine davon schlief.)

Rudolfo nannte sich der Jüngste. Er sprach ein paar Brocken Englisch. Seine Sprachkenntnis hatte er sich über das Gucken von nicht synchronisierten US-Spielfilmen angeeignet. Rudolfo meinte, sein Land habe in den letzten zwei Jahrzehnten große Fortschritte gemacht. Er war sehr dafür, der EU beizutreten. Skeptisch war er allerdings gegenüber dem Euro. Das würde für Albanien nicht gut gehen.

(Dabei ist der Euro in Albanien so etwas wie Zweitwährung. Überall – in der kleinsten Klitsche – kann man mit Euro zahlen.)

Ich machte mich wieder auf den Weg. Im Glauben, dass es ab jetzt nur noch bergab ginge.

Mein Fahrrad wollte nicht mehr

Weit gefehlt.

So nah und doch so fern

Die Straße schlängelte sich durch die Albanische Bergwelt, mal steil nach unten – um sofort den Höhenverlust wieder durch heftige Anstiege auszugleichen.

Fantastische Runterblicke ins Paradies.

Kein Weg dahin

Aber ich hatte das Gefühl, überhaupt nicht voranzukommen, nur Höhenmeter oder Tiefenmeter abzufahren.

On top of the hill

Der Abend kam, das letzte Tageslicht drohte und mir war langsam bang, noch die Küste zu erreichen. Ich konnte kaum die ungeheuer schöne Bergwelt genießen.

Einfach schön

Ab und zu klangvolle Dorfnamen.

Namedropping

19:15 ging die Sonne unter. 19:30 war es duster.

19:35 kam ich in Himare, einem kleinen Küstendorf, an.

7 Euro zahlte ich für ein Hotelzimmerchen, direkt über dem Meer.

Into the wide world

Ich begann in einem nahen (leeren) Restaurant wieder zu atmen und  Pläne zu schmieden.

Tief durchatmen (geht hier1)

Unterkunft: Backpackerhotel. Direkt am Dorf-Strand. Bekam wohl Sonderpreis, weil ich recht abgerissen aussah. 7 Euro ohne Frühstück. Hotelwirt war froh, überhaupt einen Gast zu haben. Zimmer einfachst. Aber mit Dusche. Und – fantastisch! – einem kleinen Balkon direkt überm Strand. Klasse. Fahrrad im Zimmer.