Meer Europa

Schlagwort Archiv: Schnee

Tag 318 (17.07.2019) / Norwegen: Vevelstad -> Bogen

Strecke: 102 km mit dem Fahrrad. 

Dazu 2 Fähren. (09:30- 18:45 Uhr)

Manchmal wurde es richtig flach. Die Berge zogen sich ins Hinterland zurück. Weiße Schneehauben waren seit ein paar Tagen (seit wann eigentlich genau?) verschwunden.

Jetzt dominierten die Bauernhäuser. Fischerkaten wurden seltener.

Nicht mehr jedes Haus war rotbraun oder gelb. Manche im aristokratischen Weiß.

Mit schöner Schreinerkunst.

Aber die Berge kamen zurück. Forderten mich wieder heraus.

Ich machte häufiger Rast.

Der Wald wuchs in das Meer hinein. Von oben wirkten die Fjorde jetzt wie aufgeraute Waldseen.

Nach etwa 100 Kilometern hatte ich Glück. Ich spechtete in einem Dreiseelendorf ein “Feriehus”, das sogar noch ein Zimmer frei hatte. Das teuerste natürlich. Ein riesiges Apartment mit Einbauküche. Ich hatte vorgesorgt. Ich hatte genügend Wein, Brot, Käse und Dosentunfisch (in Öl und peperoni-scharf) dabei. Ich wurde satt. Und durstig blieb ich auch nicht.

Tag 307 (06.07.2019) / Norwegen: Honningsvag -> Nordkap

Strecke: 53  km (hin und zurück)  (09:30 – 15:30 Uhr)

Yeah! Ich hab’s geschafft! Ich hab’s Nordkap erreicht.

Wobei: Ich hatte erhebliche Zweifel, ob mein Fahrrad das noch schaffen würde. In Stuttgart hatte ich es Tage vor der Tour noch einmal überholen lassen, war aber dort bereits gewarnt worden, dass Kette, Schaltung und diverses andere Zeug möglicherweise nicht mehr den Strapazen standhalten würden.

Und es sieht in der Tat nicht gut aus. Der Wehwehchen-Katalog meines Rennpferdes ist beachtlich: Bremsen ausgeleiert (und Öl verloren), Kette springt wild auf den Blättern herum, 1. Gang geht nicht mehr (obwohl ich an der Schaltung rumgeschraubt habe) und Vorderrad eiert und schleift am rechten Bremsbelag. Weit und breit keine Fahrradwerkstatt in Sicht.

Also hatte ich überhaupt keine andere Optionen als aufgeben (kurz vor dem Ziel) oder irgendwie durch.

Ich wählte die Variante zwei. Ließ sämtliches Gepäck (sogar das Werkzeug und sogar meine schwere Kamera) im Zimmer und begann – so “erleichtert”, aber doch bang – das Unternehmen.

Gleich hinter dem Campingplatz ging es auf 3 Kilometern heftig steil nach oben. 9 Prozent. Ich hatte mir vorgenommen, zur Not zu schieben, aber: Ohne das ganze Gepäck hatte ich überschüssige Kraft, sogar im 2. Gang den Anstieg auf 350 Meter zu meistern.

Schon zu Beginn der Tour – im Tal, über dem Campingplatz – lagen dunkle Wolken auf der Welt.

Sie regneten sich Gottseidank nicht ab. Wasser schoss nur aus den Felsen.

Immer noch lag Schnee am Wegrand.

Die Wolken ruhten sich auf der Straße aus. Es wurde kalt.

Die Sicht zunehmend schlechter. Als ich nach zweieinhalb Stunden Schufterei das Nordkap erreichte, konnte ich kaum die Hand vor meinen Augen sehen.

Ich zog meine nassen Sachen aus, hing sie zum Abtropfen über mein Fahrrad.

Lief vor zum Wahrzeichens des Nordkaps, schaute kurz in die Tiefe, in der nichts außer Wolken zu sehen waren …

… und setzte mich ins Café des riesigen Touristenzentrums, kaufte mir ein Glas Sauvignon Blanc und eine belgische Waffel und dankte meinem Fahrrad, das es all diesen Unsinn mit mir gemeinsam geschafft hat.

Tag 202 (28.04.2017) / Frankreich: Juan-les-Pins -> Nizza

Strecke: 32 km (10:00 – 13:15 Uhr)

Getrödelt, langsam in Juan-les-Pins losgefahren.
Bald bemerkt, dass etwas am hinteren Rad nicht stimmte. Gepäckträger war gebrochen. Irgendetwas anderes schleifte. Mein Fahrrad wurde instabil und schlingerte.
Die Etappe hatte mein Gefährt wohl überfordert. Es hatte einen Ermüdungsbruch.
Und auch ich war durch. Völlig verwildert. Gierig, bald unter die Schere zu kommen: Wuschelhaar und Robinson-Bart.
Meine Gesichtshaut in 6 Wochen gegerbt, ledrig.

Schon nach einer halben Stunde machte ich Halt in Antibes. Nahe des wunderschönen “Provenzalischen Marktes” frühstückte ich ausgiebig.

Es war nicht mehr weit bis Nizza.

Ich raffte noch einmal Kräfte zusammen. Ein bequemer Radweg lotste mich. Ich hatte das Gefühl auf die Alpen zuzufahren.

Zunächst dachte ich, dass sich blitzweiße Wolken über die Berge schieben würden, bis ich sah, dass die Kuppen zugeschneit waren. Die letzten Tage hatte es einen Temperatursturz gegeben. Die Nächte bitterkalt. Auch an diesem Morgen Temperaturen um die 8, 9 Grad.

This is the end!

Aber nichts konnte mich mehr erschüttern.
Ich war bald am Ziel.

Tag 47 (02.04.2015) / Montenegro: Herceg-Novi -> Kotor

Strecke: 49 km (09:30- 14:45)

Unterkunft: “Hotel Marija” in Kotor. Sehr schön in Altstadt gelegen. Bekam – als einziger Gast – das Zimmer mit dem besten Ausblick. Fahrrad in Abstellkammer untergebracht

Strecke 0047-Montenegro-Herceg Novi-Kotor

Ich bekam heute die Schokoladenseite Montenegros zu sehen: Die Bucht von Kotor. Weltkulturerbe.
Unterwegs  bot sich mir die Möglichkeit, die Fahrstrecke zu halbieren. Mittels einer Fähre, die mir viele Kilometer erspart hätte. Ich hatte aber auf die große Runde Lust und fragte mein Gefährt: “Na, wärst du bereit für einen kleinen Ausritt?”
Es wieherte ein „Ja“.
So bekam mein Fahrrad nach zwei Jahren endlich einen Namen: „Fury“. Auch wenn es ja eigentlich ein Esel aus Draht ist und natürlich nicht wiehern kann.

Es wurde ein herrlicher Ausflug.

Lange wähnte ich mich in den Alpen. Trotz Sonne war es kalt.

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Schnee, Sonne, Meer

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Schnee, Sonne, Eisbrecher

Die Straßen gut, die Dörfer schön. Sie durften sich hier – anders als im Rest des Landes – nicht wild ausbreiten.

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Schnee, Sonne, Meer, frierender Matrose

Dich Bucht von Kotor gilt als eine der schönsten des ganzen Mittelmeerraumes.

Kotor selbst hat eine gut erhaltene “Alte Stadt”. Sie ist komplett von einer hohen Stadtmauer umgeben und nur für Fußgänger freigegeben. Wunderschön. Aus der Stadt gelangt man über Hunderte von in den Fels gehauenen Treppen zu einer Burg – hoch oben auf dem Berg. Extrem anstrengend hinaufzugelangen, extrem lohnend. Welch ein Ausblick!

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Einzigartig

Die Stadt selbst war heute von Tagestouristen überschwemmt. Die meisten waren mit einem Kreuzfahrtschiff gekommen und in der Nacht schon wieder verschwunden.

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Altstadt

Eine der bedeutendsten orthodoxen Kirchen im Zentrum.

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Ikone

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Altar

 

Welch schöner Tag heute!

Tag 35 (21.03.2015) / Kroatien: Selce -> Novalja

Strecke: 92 km (09:15 – 19:15)

Hotel Terra in Novalja. Schlicht. (55 Euro mit Frühstück.) Sehr aufmerksamer Portier. Fahrrad im Foyer abgestellt.

Strecke 00345Kroatien-Selce-Novalja

Harter Tag. Kämpfte mit den Bergen, mit Bura und mit mir.

Der Reihe nach: Von Selce eher gemütlich die Küste entlang bis nach Senj getrödelt. Schöner Ort. Samstag Mittag flanierte das halbe Dorf am Hafen und trank einen Espresso in den zwei drei Hafencafés.
Ich reihte mich ein. Kräftigte mich mit einem Schluck Malvasia. Gut gemachter, spritziger kroatischer Weißwein.
Herrlich normale Menschen um mich herum. Manche herausgeputzt fürs Wochenende. Ein Hauch von Mondän umwehte einige Frauen, die sich wie exotische Blüten der Sonne öffneten. (Mit schwarz getönten Brillen selbstverständlich.) Konnte nicht wirklich erkennen, was sie bestellten. Jedenfalls keinen Hugo oder ein mir bekanntes Modegetränk.

Was mich wunderte: Kroatien ist alles andere als billig. Schon gar nicht für die Einheimischen. Störte hier aber niemanden.

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Danach begann ein leichter Aufstieg. Mit schönen Ausblicken auf die Adria. Die Insel Krk ständig im Hintergrund. Die ganze Tagestour.

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Blaue Lagune

Aus einem leichten wurde ein schwerer Aufstieg. Hatte kaum noch den Nerv für Meerblicke.

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BraunBlau

Und aus einem schweren Aufstieg wurde eine nicht enden wollende Tortour. 3 Stunden Kletterei im 1. Gang.

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Hinter jeder Biegung eine Steigung

Hinter jeder Kurve vermutete ich die Abfahrt. Sie kam und kam nicht. Dafür wehte mich der kroatische Eiswind Bura fast vom Rad. Das Gebirge, durch das ich fuhr, hatte noch Schnee auf den Kuppen. Dort machte sich der Wind so richtig kalt, blies mir immer feindlich von vorn. Die Hände erfroren mir beinahe. Trotz Sonnenschein.

Als dann die Abfahrt kam, bremste mich der Wind aus. Maximal strampelte ich im 3. Gang. Bergrunter!

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what goes up must come down

Gegen 16 Uhr 30 den Fährhafen Prizna erreicht. Bis auf den Kartenschalter hatte alles geschlossen. Kein Geschäft, kein Gasthaus offen.

Die Ticketverkäuferin machte mir Mut, dass ich in Novalja ein offenes Hotel finden würde. Ich verließ mich auf sie. Was blieb mir übrig.

Die Fähre leer. Legte um 18 Uhr 10 ab.

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Dann doch noch ein Fahrgast – wir waren schon zu zweit! So langsam beginnt also doch die Saison.

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Von der Anlegestelle auf der Insel Pag in die Dunkelheit hineingefahren und gegen 19:15 Uhr in Novalja angekommen.
Es gab tatsächlich ein Hotel, das offen hatte. Aber dafür kein Restaurant.
Novalja ist im Sommer die europäische Spaß- und Partyhauptstadt mit Riesendiscos und den angesagtesten DJs.
Jetzt hatte ich das ganze Dorf ganz für mich.

Ich ließ mir vom netten Hotelwirt zwei drei Weine einschenken und nahm die Gläser mit auf mein Zimmer. Ich hatte einen langen Abend vor mir