Meer Europa

Schlagwort Archiv: Strand

Tag 310 (09.07.2019) / Norwegen: Tromsø -> Finnsnes

Strecke: 100 km  (09:15 – 20:00 Uhr)

Straßen enden am Meer. Banal. Ohne Brücken und

Fähren kommt man aber auch als Fahrradfahrer nicht voran. Mir war nicht bewusst gewesen, dass Norwegen ein Inselreich ist.

Eine Küstenstraße, die von Nord nach Süd führt, existierte praktisch nicht. Ständig hoppt man von einem Eiland zum nächsten und wieder aufs Festland zurück.

Am Ende wusste ich überhaupt nicht mehr, wo genau ich mich gerade befand. Grundrichtung jedenfalls “southbound”!

Und im Norden gab jetzt der Sommer sein Gastspiel. Zweiter strahlender Sonnentage in Folge!

Um jede Ecke das norwegische Foto-Grundmotiv: rote Fischerhütte vor blauem Meer.

Sogar kleine Sandstrände. Sie malten mit Hilfe der (schwachen) Sonne das Motiv karibisch aus.

Nur selten verliefen die Straßen gerade, ebenerdig. Meist war es ein wüstes Gekurvt und Auf- und Abgestrampel.

Die Berge im Hintergrund lassen es ahnen.

Die Dörfer, die ich auf Fjordhöhe passierte: natürlich Fischerdörfer. Es schien, als habe jedes Haus seinen eigenen kleinen Hafen.

Gegen 15 Uhr legte ich zur zweitgrößten Insel Norwegens ab – Senja.

Sie hat wohl die schönsten und coolsten Sandstrände der Gegend. Davon sah ich aber wenig. Sie befanden sich auf der Westseite, am offenen Meer. Ich aber fuhr die Ostseite ab. Diese war schön, aber nicht aufregend. Ich hatte gut zu arbeiten, um die Tagesstrecke zu packen.

Ziemlich genau um 8 Uhr erreichte ich wieder (diesmal über eine Brücke) bei Finnsnes das Festland. Ich hatte einige Stunden zuvor über ein Buchungsportal ein Hotelzimmer reserviert. Wie so häufig ein Gasthaus ohne Rezeption, ohne Personal. Über einen Code, der einem per sms zugeschickt wird, bekommt man Zugang.

Ein Sesam-Öffne-Dich-Code schließt dir auch deine Zimmertür auf. Du bist für Dich – aber will ich das?

Tag 256 (08.04.2018) / Rumänien: Mangalia -> Konstanza

Strecke: 47 km (09:30 – 13:30 Uhr)

Der Wind hatte nachgelassen, blies aber immer noch so stark, dass ich einen weiteren Tag kämpfen musste. Der Abschied von Mangalia war nicht schwer gefallen, zu wenig hatte der Küstenort zu bieten.

auf Sand gebaut

Die weitere Strecke: mal ein interessantes Dorf (offensichtlich mit türkischer Minderheit).

skyscraper

Meer ohne Ruhe

Mal ein weitgezogener Strand (mit der üblichen Totalverbauung).
Ich war froh, als ich in Konstanza einfuhr. Die Großstadt zuerst erschreckend hässlich.

oben und unten

Erst als ich abgesattelt, im Hotel eingecheckt hatte und mich zu Fuß auf Erkundung begab, änderte sich der Eindruck.
Die Altstadt war rappelvoll.

Zeit, die nicht voranschreitet.

Sie wirkte ein bisschen, als sei  ihr Potenzial gerade erst entdeckt worden, als habe das große Restaurieren gerade eben begonnen.

Es geht voran?

Nur beim genaueren Hinsehen konnte man sehen, dass die schönen Fassaden eher eingesprengten historischen Attrappen glichen in einer immer noch dominierenden unwirtlichen, menschenfeindlichen, ja fast totalitären Architektur. War diese noch-kommunistisch oder schon-kapitalistisch?  (Also vor 89 oder danach?)

links, rechts

Aber wollte ich heute genauer hinsehen? Nein. Heute nicht.
Ich pickte mir die schönsten Ecken heraus (vergaß auch mal, die Kamera gerade zu halten).

welches Jahrhundert?

Ich flocht mich in das Gewimmel  von Menschen (orthodoxes Osterwochenende!) ein, die am Hafen, unterhalb der großen Moschee, flanierten.

Silber-Silhouette

Und suchte mir ein gutes Restaurant.

Unterkunft: Hotel Carol. Zentral gelegen. Alter, sehr gut restaurierter Bau. Hatte Flair. Sehr netterEmpfang. Fahrrad in Abstellkammer untergebracht. 42 Euro (mit ausgezeichnetem Frühstück.)

Tag 250 (02.04.2018) / Bulgarien: Burgas -> Nessebar

Strecke: 37 km (12:00 – 15:15 Uhr)

Burgas gestern nur in der Nacht gesehen. Nur aus einer Perspektive: todmüde, aber zufrieden, sogar stolz, dass ich es gestern in der Nacht noch bisher geschafft hatte.

Der Morgen glänzte mit schönem Licht. Überblick aus meinen Hotel-Fenster.

Fensterblick

Die Stadt küsste sich wach.
Ich schob mein gesatteltes Rad durch die Fussgängerzone.
Staunte über die kreativen Stadt-Park-Bank-Ideen.

Künstler am Werk

Bedauerte fast, dass ich nicht noch blieb. Schöne Straßenzüge. Schräge junge Stadttypen.

Bewegte mich Richtung Stadt-Strand

Sand Strand Meer

Wusste nicht, ob es sich hier – schon am Stadtrand – um einen Zweiten-Weltkriegs-Bunker oder um einen Kalter-Krieg-Bunker handelte.

sinnvolle Konversion

Der gestrige Marathon-Tag wirkte noch nach. Ich fuhr langsam. Blickte kurz zurück auf Burgas.

Salz Meer

Und beeilte mich nicht sehr, ins nahe gelegene Nessebar zu kommen. Weltkulturerbe: Thrakisch, byzantinisch, osmanisch, Wohn-Häuser aus der  Zeit der “bulgarischen Wiedergeburt”.  Alles schön dicht beisammen  auf einer kleinen felsigen Halbinsel. Im Sommer (laut Reiseführer) sowas wie eine One-Million-Tourist-Village. Jetzt leer und so gut wie alles geschlossen.

Old woman walking

War mir egal. Ich quartierte mich für zwei Nächte ein.

Unterkunft: Hotel St. Stefan. Altstadt. Schönes historisches Gebäude. Zimmer mit Meersicht und Möwen auf dem Balkon. 58 Euro (ohne Frühstück). Fahrrad in Abstellkammer untergebracht.

Tag 240 (23.03.2018) / Griechenland: Sarti -> Ierissós

Strecke: 82 km (08:45 – 18:15 Uhr)

Ich brach früh auf. Sarti noch im Tiefschlaf.

gibt es ein Dorf ohne Menschen?

Mein Wetter App hatte mir noch etwa 2 Stunden “Bewölkt/Sonnenschein” angezeigt (danach “Regen”) – und ich wollte unbedingt noch einen besonderen Strand im einigermaßen guten Licht sehen. 1 1/2 Kilometer nördlich von Sarti.

42 Jahre Strand

Hier war ich vor 42 Jahren auf meiner ersten großen Europareise (getrampt, mit Isomatte, Bundeswehr-Schlafsack, ohne Zelt, aber mit Gitarre) für eine Woche gestrandet. Nur der Himmel über mir. Das nahe Sarti damals ein verschlafenes Nest mit ein paar wenigen Häusern und zwei, drei Tavernen, die billig, für mich aber immer noch zu teuer waren. Ich fischte (mit loser Leine um den Finger gewickelt), grillte den Fisch im offenen Feuer, kochte mir auf einem Campingkocher was es so gab (Eintopf, Spaghetti).
Ab und zu kamen ein paar griechische Jungs vorbei. Wir klampften, sangen Arbeiterlieder (Sacco und Vanzetti) und Bob Dylan.
Es war das erste Mal (mit 20 Jahren), dass ich absolute Freiheit empfand.
Hierher gelotst hatte mich ein mit Schreibmaschine getippter Reiseführer,

als Reisen noch gebildet hat

mit selbstgemalter Landkarte von Chalkikdi. Mit so wertvollen Tipps wie: “Den besten Zeltplatz sucht man sich am besten selber … und dann per Autostop zum nächsten Dorf, Wasserholen”.

3 Finger Tipp

Als ich von oben auf den Strand blickte, überlegte ich, ob ich runtergehen sollte. Aber das war mir schließlich zu viel Pathos. Man steigt niemals zweimal in den gleichen Strand.

Ich fuhr einfach weiter … vorbei.

Kaum noch besiedelt die Küste ab jetzt. Viele einsame Strände …

Karibisches Feeling

… die erst im Sommer ihre Anmut verlieren werden.

on top of the rocks

Steinwurzeln

Dann wird sogar die eingemottete schäbige Strandbar wieder schneeweiß/griechischblau leuchten und Menschen, Menschen werden sich davor drängeln.

Winterstarre

Wind kam auf, Regen. Ich musste ein Bergmassiv kreuzen. Suchte ab und zu Schutz unter einem Baum mit breiter Krone.

Es graute früh. Schussabfahrt nach Ierissós mit (geahnt) grandiosen Aussichten auf Inseln, Landzunge, Halbinseln, auf dunkles Meer.

Insel schwimmt immer oben

Unterkunft in Ierissos: Hotel Markos. Strandnah. Familienhotel. Einfach eingerichet. Sehr nette Rezeption. 50 Euro (ohne Frühstück).

Tag 210 (28.09.2017) / Italien: Vernazza -> Castiglioncello

Strecke: 120 km (08:00 – 18:15 Uhr)

Die Strecke hoch wollte ich mir nicht noch mal zumuten.
Ich wusste, wie es sich anfühlt.
Es gab nur einen Weg zurück. Den gleichen, den ich runtergestürzt war.
Das hätte geheißen: 36 Kilogramm (Fahrrad und Gepäck) 2 Stunden hoch schieben. Der 1. Gang wäre völlig unnütz gewesen.
Genug der Verteidigungsrede.
Ich fühlte mich nicht stark genug, diesen verdammten Vernazza-Berg, den ich vorgestern mit fast versagenden Bremsen hinunter gerast war, wieder hochzustrampeln.
Also nahm ich um 7:09 Uhr den Lokalzug bis La Spezia.
20 Kilometer, 20 Minuten und viele Nerven gespart.
Reine Tunnel-Strecke. Nur an zwei Zwischenhalten kurz Tageslicht gesehen.

Danach: Zunächst wieder (kleine) Berge.

Schwarzwald mit Meer

Lerici. Beschauliches Küstenkaff. Die vielen Boote täuschen. Die Frühstücks-Terassen-Lokale leer. Bis auf mich.

Bodensee mit Platz

Danach: flach. Gottseidank. Ich fühlte mich schwach. Meine Beine radelten irgendwie vor sich hin.

Aus Steilküsten wurden Sandbänke.

Sylt, nur südlicher

Endlos weite Sandstrände. Pudersand.

Eindeutig Italien

Pisa ließ sich nicht umradeln. Meine Strecke – gen Süden – führte mittenmang.

Schief halt.

Durch Foto und Foto bekannt

Und Dutzende, Hunderte, Tausende fanden das lustig.

unseen before

Alle – ausnahmslos alle – wollten irgendwann mit ihren fotografischen Händen den Turm stützen.

Samy Molcho würde sich freuen

Oder gerade rücken.

must be english

Ich hielt mich nicht lange auf. Die Dörfer, Städtchen, die folgten: italienisch (klar – war ja auch hier).

portobello road auf italienisch

Will sagen: belebt, große Märkte, laut, wuselig.
Und immer wieder: gut ausgebaute und markierte Fahrradwege.

walk on the side way of life

Ich kann kein Italienisch, aber vielleicht stimmt’s: ti amo, Italia. Du bist so anders als ich fälschlicherweise gedacht habe.

no ride

Tag 200 (26.04.2017) / Frankreich: Fréjus -> Juan-les-Pins

Strecke: 52 km (10:45 – 15:45 Uhr)

Zwei (!) Hundertster Tag meiner jetzt schon langen Europa-Umrundung. Netto mehr als ein halbes Jahr auf dem Europa-Sattel zugebracht. Ich war ein bißchen in Feierstimmung, der Himmel aber nicht. Wolkenverhangen. Ab und zu regnete es.

An diesem Strand, landeten am 14. August 1944 die Alliierten, um Frankreich und Europa zu befreien.

Stone washed

Ein Landungsboot der US-Marine zeugt davon.

Heroes

Trotz trübem Wetter: grandiose Natur! Porphyrrot.

Red flowers red stones

Das Massif de l’Estérel schiebt sich mit Wucht zwischen Fréjus und Cannes und hat doch lauschige Plätzchen. Wer würde nicht gerne mit dem Besitzer da unten tauschen, wenigsten für ein paar Wochen im Jahr und sein Abendbrot direkt auf der Meerterrasse zubereiten? Windbeschützt von rotem Fels und wild wuchernden Pinien.

Hier könnt ich wohnen / Teil 1

Eine wunderschöne Panoramastraße führt um die zerklüfteten Bergzüge herum. Und immer wieder entdeckte ich Orte, an denen ich es gut mal ein halbes Jahr aushalten könnte. (Und dass sich kein Mensch nähere!)

Hier könnt ich wohnen / Teil 2
Hier könnt ich wohnen / Teil 3

Ich verlangsamte meine Fahrt. Hielt immer wieder an. Staunte.

Red ball
Red stone

Nur der angekündigte Regen trieb mich weiter.

Red sand

“Where do you go to my lovely”?
Natürlich nach Juan-les-Pins.

Konnte aber bei der Ankunft in dem legendären Badeort der Côte d’Azur nicht ganz begreifen, was so legendär an ihm ist.
Lag es am grauen Wetter? An den leeren Stränden? Den verlassenen Kneipen? Den schon ziemlich heruntergekommenen Seitenstraßen? Den trotz Tristesse irreal überhöhten Preisen in den wenigen offenen Lokalen?

Unterkunft: Hotel “Villa Nina”. Strandnah. Eine Oase in der Schar der gesichtslosen Großhotels. Eine kleine privat geführte Villa, innen sehr geschmackvoll und kolonial eingerichtet. Sogar bezahlbar (59 Euro ohne Frühstück). Absolut zu empfehlen. Fahrrad in Hofschuppen abgestellt.

Tag 191 (17.04.2017) / Spanien: Barcelona -Palomás

Strecke: 121 km (09:30 – 20:00 Uhr)

Selten glückt es mir, leicht aus einer Großstadt herauszufinden. Diesmal bin ich nur der Strandlinie gefolgt – und schon war ich draußen.
Danach 40, 50 Kilometer das Übliche: Rechts der langgezogene Sandstrand (manchmal mit kleinen Dünen). Links Haus an Haus. Eigentlich hatte ich immer das Gefühl in einer Stadt zu sein, obwohl Barcelona schon lange hinter mir lag. Aber es war Provinz. Einstige Fischer-Siedlungen, die zu einem Riesen-Straßen-Dorf zusammengewachsen waren.

Ab und zu ein paar schöne Ecken. Ab und zu auch ein paar Nacktbadestrände.

Unkleidsam?

Ich wählte auch nach dieser architektonischen Durststrecke absichtlich die Küstenstraße, um zu meinem Ziel, Palomás, zu gelangen. In der Hoffnung, noch ein wenig Natur zu atmen. Meine Karten-App hatte schwieriges Gelände angezeigt, aber Natur. Und in der Tat führte die Straße die letzten 3 Stunden in anstrengenden Serpentinen durch eine zerklüftete Berglandschaft.

Ich lag dennoch falsch. Der Betongeruch überlagerte das Kiefernaroma. Keine Kurve, hinter der der Blick nicht völlig verbaut war.

Unwegsam? Wegsam?

Und doch ein Höhepunkt der Reise: Bilderbuchlandschaft bei Tossa de Mar.
Ein Foto, das es wohl millionenfach gibt. Von einem Aussichtspunkt der Panoramastraße. Kein Tourist, der hier nicht hält und sein Handy zückt. Ich reihte mich in die Warteschlange ein.

Unwirklich?

Spektakuläre Runtersichten.

Untypisch?
Blaue Lagune

Junge, Junge, wie schön könnte das alles sein. Wen soll man eigentlich schlagen? Franco? Spanische Politiker, die sich von Baufirmen korrumpieren ließen? Tourismusmanager? Die Touristen selbst?

Müde Ankunft in Palomás. Wenigstens dieses Städtchen hatte ein wenig Charme.

Unglaublich?

Unterkunft: Hotel Trias. In Hafennähe. Modernisiertes Traditionshaus. Sehr schöne große Zimmer. Sehr freundlicher Service. Fahrrad in Garage untergebracht. 65 Euro (mit Frühstück).

Tag 188 (14.04.2017) / Spanien: Alcossebre -> Deltebre

Strecke: 80 km (10:30 -19:15 Uhr)

Ein wenig Ruhe gefunden in der “Serra d’Irta” – einem keinen Streifen naturbelassener Küste nördlich von Alcossebre.

Wipfelruh
Bergruh

Vielleicht 20 Kilometer Rumpelpiste, die eine Ahnung vermittelten, wie schön dieser Küstenstreifen vor Beginn des Massentourismus wohl gewesen war.

Leergefegt

Ein paar wenige Mountainbiker und Crossfield-Radler störten meine Kontemplation (nur kurz).

Schotterfahrt

Die Illusion einer Steilküste …

Küstenruh

… und kleine Schotterstrände.

Steinruh

Am nördlichen Ausgang des Naturparks dann wieder tourism as usual.

Ungemein schön lag Peníscola im Meer. Ein wenig vom Wasser und Nebel verschluckt.

Nebelruh

Ein Kleinstädtchen mit mittelalterlichem Flair. 7.000 Einwohner und 150.000 Touristen täglich in der Hochsaison. Heute war wohl Hochsaison. Als hätte jemand die Tore eines Fußballstadions aufgemacht, flutete mir eine Masse Mensch entgegen, dass ich in diesem Strom fast keinen Halt fand. Fluchtartig verließ ich die Altstadt.

Pustete am Strand durch. Sah den Einheimischen kurz bei ihrem Freizeitvergnügen zu.

Strandruh

Und machte mich auf in die große Ebene der Ebro-Mündung.

Flussruh

Ein paar Flamingos von Weitem.

Flamingorot
Flamingoweiß

Ein paar schwirrende Etwasse über mir.

Vogelruh

Und viel Zeit, um auf engen Feldwegen mein Ziel zu finden.

Deltebre. Ein Provinzstädtchen, das – wie anscheinend alles – gerade völlig ausgebucht war. Ich hatte schon am Morgen die Gegend nach freien Hotelbetten duschgescannt. Alle Internet-Portale signalisierten: NICHTS MEHR. NIRGENDS.
Bis auf eine kleine Privatpension in Deltebre. Dort gab es das letzte Zimmer im Umkreis von 50 Kilometern.
Ich schlug sofort zu. Auch wenn es der DREIFACHPREIS des Normalen war.
(Lehrstück des Wucher-Kapitalismus. Nachfrage bestimmt den Preis. Noch für das letzte Loch.)

Unterkunft: Casa Angela. Privatpension. Kleines Zimmer mit Gemeinschaftsbad. Irrsinnig überteuert. 90 Euro ohne Frühstück. Fahrrad in Zimmer gequetscht.

Tag 187 (13.04.2017) / Spanien: Valencia -> Alcossebre

Strecke: 138 km (10:00 -21:00 Uhr)

“Die spanische Mittelmeerküste ist ein einziges Desaster. Eine ästhetische Beleidigung”. Das sagte ich in der Nacht spontan zum Kellner, mit dem ich ins Gespräch über meine Reise gekommen war. Ich war immer noch wütend.

Dabei hatte der Tag entspannt begonnen. Die Ausfahrt aus Valencia war angenehm. Der Jachthafen noch im hellen Dämmerschlaf.

Mondän

Der langgezogene Strand füllte sich erst langsam.

Bürgerlich

Ab dann aber wurde es schlimm.
Das Meer komplett verbaut mit unansehnlichen Hochhäusern und riesigen Hotelkomplexen.Die Strände völlig überlaufen. Nur dort, wo der Strand mehr Kies-Geröll als Sand war, war es leer. Ansehnlich war es aber auch dort nicht.

Proletarisch

Ich hatte vorher bereits in einigen Artikeln gelesen, dass einige Städtchen, die ich heute durchfuhr, von Umweltschützern zu den Orten gezählt werden mit den schlimmste Bausünden und dem höchsten Grad der Bodenversiegelung. Weltweit!

Ich war also gewarnt.
Ich hatte mir auch eine Art Taktik zurechtgelegt, wie ich den Tag schaffen könnte. Einfach stoisch vor mich hinradeln: Zen oder die Kunst ein Fahrrad zu fahren – trotz widriger Umstände.

Und doch schockte mich, was ich sah.
Dazu kam, dass ich allergrößte Schwierigkeiten hatte, einen Weg zu finden. Immer wieder ging die Landstraße in eine autobahnähnliche Schnellstraße über, in der Fahrräder verboten waren.

Selbst mein Navi verlor die Orientierung, lotste mich ins Hinterland und in ein Dead-End. Kein Durchkommen. Zu tief das versuppte Wasser.

Archaisch

So verworren die Wasserpflanzen, so verworren meine Gefühlslage.

Manisch

Nicht mal kleine Oasen der Ruhe konnte mich runterbringen …

Rundlich

… von der Wut, die ich empfand.

Die Sonne war schon längst untergegangen, als ich nach fast 140 Kilometern mein Ziel fand.

Rotrötlich

Alcossebre. Völlig überfüllt. Die Touristen standen vor den Terrassenrestaurants Schlange. Ich hatte allergrößte Mühe, irgendwo einen freien Tisch zu finden.
Und klagte dem Kellner dann mein großes Leid.

Unterkunft in Alcossebre: “Hotel Alegría”. Riesenkomplex. Gesichtslos. Aber freundlicher Service. Fahrrad in Kammer abgestellt. 65 Euro (mit Frühstück).

Tag 185 (11.04.2017) / Spanien: Alicante -> Dénia

Strecke: 108 km (10:15 -19:00 Uhr)

Copacabana-Flair am Hausstrand von Alicante. Schon früh am morgen füllte sich der Beach.

Frühlings-Beach

Schön herausgeputzt für die Festtage.

Bunt-Beach

Spektakuläre Bergwelt als Strand-Hintergrund.

Schirm-Beach

Ich hatte mir vorgenommen, heute die halbe Strecke nach Valencia zu schaffen. Fuhr die “Costa Blanca” ab. Weitestgehend eine Betonwüste.
Nur selten mal ein Kleinod. Ein Winzausschnitt, der ahnen lässt, dass es hier – vor der Franco’schen Bauwut – einmal schön gewesen war.
Villa Joiosa.

Durchblick

90 Prozent von Benidorms Hotels sind laut Lokalzeitung in der Osterwoche bereits ausgebucht.
Die Einfahrt in das Touristenmonster wie eine Ankunft in eine Kopie amerikanischer Vorstädte.

Wer kommt mit dem Bicycle?

Den Strand schöner fotografiert als er ist. Überhaupt fällt es mir schwer, so dokumentarisch zu knipsen, dass die volle Hässlichkeit sichtbar wird.
Ich suche meist das Harmonische, Exotische und Interessante im Ausschnitt.

Pink Point

Der Ausschnitt verfälscht.

Yellow friend

Nichts war hier schön.
Es gab drei Gründe, warum ich heute für den Tag dankbar sein kann:
1) Der Himmel ist mir nicht auf den Kopf gefallen.
2) Kein Polizist hat mich angehalten.
3) Ich habe in Altea ein exzellentes Ceviche (Corvina, Mango) gegessen.

Gab es einen Grund in Benidorm zu bleiben?
Zur Hölle NEIN! Nicht mal für ein kurzes Bier.

Aber wenigstens wellte das Meer hier so blau wie überall.

Blue sea

Welch ein Jammer: absolut fantastisches Küstengebirge. Alles mit Häusern zugekleistert.

Gibraltar Kopie

Gar nicht so spät Dénia erreicht.

Burg + Hafen = Hafenburg

Unterkunft: “Hotel Adsubia”. Moderner Klotz am Rande der Altstadt. Winzzimmer. Sehr freundlicher Empfang. Fahrrad in Garage abgestellt. 40,50 Euro (mit Frühstück)