Meer Europa

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Tag 255 (07.04.2018) / Bulgarien: Baltschik -> Mangalia (Rumänien)

Strecke: 78 km (09:45 – 17:45 Uhr)

Wie soll ich das erklären, ohne nostalgisch zu wirken?
Ich hatte mich kurz nach Baltschik verfahren, war ins “Gebüsch” geraten und entdeckte dort herrliche Katen.

verblüht

Sie schienen noch gar nicht so lange verlassen. Die Farben noch nicht vollständig verblasst.

Sah so die bulgarische Schwarzmeerküste vor zehn oder 20 Jahren aus?

verblasst

Nicht, dass es keine Entwicklung geben darf. Keine Modernisierung. Nicht, dass der vergangene Muff nicht ausgemistet werden müsste.

Aber so? So geschichtslos? Nichts Gewachsenes. Nur Beton. Muss man so eine schöne Landzunge zubauen und doch unbehaust machen?

verpasst

Wenn da Fischer-Katen stünden, Strandbuden, kleine Pensionen, Surfläden, wenn da Kiter, Träumer und Tunixe sich am Strand tummelten? Wegen mir auch vegane Omms und Zehenspitzenyogis. Wär diese kleine Welt da unten nicht besser? Ganzjährig, statt nur von Mai bis September?

vertan

Als ich wieder oben – auf dem Riffkamm – war und weiter Richtung Osten fuhr, erwischte mich der Sturm. Mein Wetterapp hatte ihn angekündigt, mir aber verschwiegen, dass er heimtückisch war. Er blies mich fast vom Rad. Mehrmals. Er behinderte mich stundenlang. Er machte die Fahrt zur Qual. Selbst als ich längst wieder unten im Tal war, eben fuhr. Ich fühlte mich wie im Windkanal – fixiert – ohne Chance voran zu kommen.

getäuscht

Gott weiß, wieso ich doch die rumänische Grenze erreichte. Und noch die 12 Kilometer bis zum Kurort Mangalia schaffte.

Unterkunft in Mangalia: Hotel Solymar. Neuer großer Hotelkomplex am Hafen. Schön bunt, modern. Sehr hilfsbereiter Empfang. (Fahrrad in Abstellkammer gezwängt. 31 Euro (ohne Frühstück).

Tag 192 (18.04.2017) / Spanien: Palomás -> Collioure (Frankreich)

Strecke: 114 km (10:15 – 20:45 Uhr)

Vielleicht wollte sich Spanien zum Abschied noch einmal von seiner sympathischen Seite zeigen. Ich rollte Richtung Frankreich, etwas von der Küste versetzt. Es begann mit einen sehr schönen Feldweg.

Flachweg

Ich kreuzte Bäche …

Bachweg

… und ließ mittelalterliche Dörfchen links liegen.

Burgweg

Bog auch mal ab. Und tauchte ein.

Marktplatzweg

Am frühen Nachmittag trank ich einen Wein in der einzigen Bar eines Dorfes. Als ich zahlen wollte, konnte ich mein Portemonnaie nicht aus der Gesäßtasche ziehen, der Reißverschluss klemmte. Ich bekam ihn auch mit Gewalt nicht auf. Die Wirtin bemerkte es, und machte sich resolut an meinem Hintern zu schaffen. Sie bekam den Geldbeutel irgendwann frei. Und sie gab mir noch einen spanisches Sprichwort mit auf den Weg: “Más vale maña que fuerza!” (Mit Geschicklichkeit kommst Du weiter als mit Kraft.)

Kurz: Im Hinterland war Spanien ganz Provinz. Unverstellt. Angenehm.

Sogar die Küstenbebauung nahm leicht ab.

Kieselweg

Dann aber schien es, als stemmte sich das Land dagegen, dass ich es verließ. Steil ging es bergauf. Dazu jazzte ein frontaler Wind, der schon Sturm war. Zigmal musste ich vom Rad, um nicht umgeblasen zu werden.

Ich nahm mir die Atempause, um  kurz  Bilanz zu ziehen nach etwas mehr als 2.000 Kilometern spanischer Küste, die ich rauf und runter gefahren war. Auch wenn am Schluss mein Aufmerksamkeitsmuskel fast vollständig zugemacht hatte. Auch wenn ich immer mehr Wut angesammelt hatte auf das architektonische Desaster der Mittelmeerküste: Ich liebte dieses Land. In jeder Bar wurde ich gut empfangen, in (fast) jedem Restaurant gab es hervorragendes Essen, an jeder Hotelrezeption wurde ich interessiert befragt. Großzügigkeit war überall zu spüren.  

Eine letzter Blick zurück – auf Portbou – und auf Spanien.

Steilweg

Nach dem Pass öffnete sich Frankreich vor mir.
Mit verlassenen ehemaligen Zollhäuschen.

Ach wie schön grenzenlos ist Europa

Und mit einem Wahlplakat von Marine Le Pen. Die Europahasserin und -zerstörerin wirbt für sich als neue Präsidentin der Grande Nation direkt an der Grenze zu Spanien. Am Sonntag sind Wahlen.

Blonde poison

Der Gegenwind steigerte sich fast zum Orkan, aber die Pyrenäenausläufer wurden langsam sanfter. Und: Es fehlten die weißen Pünktchen in den Bergen. Nirgends weißgetünchter Beton wie an der spanischen Küste.
Eine Augenweide.

Vive ...!

Mit Anbruch der Dunkelheit in Collioure eingefahren.

Unterkunft: Hotel Le Frégate. Sehr schön gelegen (Hafennähe). Sehr angenehmer Empfang. Fahrrad in Empfangshalle abgestellt. 65 Euro (ohne Frühstück).

Tag 173 (30.03.2017) / Spanien: Zahara de los Atúnes -> Tarifa

Strecke: 41 km (09:30 – 14:00 Uhr)

Irgendjemand hatte in der Nacht vergessen, die Windmaschine auszuschalten.
Wie aus einer Düse eines Jets zischte mir der Sturm entgegen. Ich war Richtung Mittelmeer unterwegs, und genau daher blies der berüchtigte Levante. Übersetzung von Levante: schrägablandiger starker Fallwind aus dem Osten.

Elektrische Müller

Das ganze Tal von Zahara de los Atúnes mit Windrädern bestückt.
Sie feierten ein Fest. Ihre Blätter rotierten so schnell, dass sie ein ohrenbetäubendes Grollen produzierten.

Die Getreidehalme der andalusischen Felder legten sich flach. Zitterten als stünden sie unter Strom.

Elektrisierte Wiesen

Völlig unbeeindruckt dagegen der Sherry-Stier auf dem Hügel

Sherry-Stier

Wie die Reiter in der Bucht es schafften, voran zu kommen, war mir ein Rätsel.

Fortgeschrittene Strände

Ich jedenfalls gab auf. Schon am Mittag.
Selbst im Flachen trat ich den ersten Gang. Musste mehrmals absteigen, um nicht umgeblasen zu werden.

Suchte mir ein Hotel in der verträumten Altstadt von Tarifa. Der Hauptstadt des Windes.
Maurische Gässchen.

Maurisches Gässchen

Sympathische kleine Höfe und Parks.

Maurischer Winkel

Pittoreske Fassaden.

Maurische Tür

Und ein hässlicher Weg zur Isla de Tarifa.
Der Weg trennte geographisch exakt die Meere. Rechts (westlich) der Atlantik. Links (östlich) das Mittelmeer.

Geteilter Ozean

Am langgezogenen Noch-Atlantik-Strand: die Levante-Surfer.

Atlantik first

Während mir der Wind zur Hölle geworden war, durften diese Kiter in ihrem Himmel schweben.

Against the waves
Against the storm
Against the gravity
Against all odds
Waterboarding

Unterkunft: “Posada La Sacristía”. Sehr schönes historisches Haus in der Altstadt. Wunderschön eingerichtet. Sehr aufmerksamer Service. (56 Euro ohne Frühstück). Fahrrad in der Nähe des Empfangs abgestellt.

Tag 172 (29.03.2017) / Spanien: Jerez de la Frontera -> Zahara de los Atúnes

Strecke: 103 km (09:30 – 19:30 Uhr)

Eigentlich wollte ich nicht so schnell wieder asphaltierte Wege verlassen. Es war aber unvermeidlich. Das spanische Straßenverwirrspiel hatte ich immer noch nicht durchschaut. Ganz plötzlich verwandelte sich eine Nationalstraße, die ich mit dem Rad befahren durfte, in eine Autobahn. So schnell konnte ich mein Rad gar nicht in ein Auto umrüsten.
Also: immer wieder durch Pampa.

Es ging gut. Keine Schlammpiste. Die Sonne buk jetzt wieder alles fest. Auch die Waldwege.

Die andalusischen Kleinstädte auf dem Weg zum Meer wirkten amerikanisch: Mall-Straßen. Nichts für Fußgänger.

Stadtwald

Nach einigem Zickzack den Atlantik erreicht. Endloser Sand.

Sandstrand

Schöner wurde es mit den Klippen.

Mädchenstrand

Ein mit Rad befahrbarer Wanderweg ließ herrliche Aussichten zu.

Felsenstrand

Unweit des historischen Leuchtturms von Trafalgar (draußen auf dem Meer fand die Schlacht statt!) parkte ich mein Fahrrad. Sand hatte die Straße zum Turm gefressen.

Fahrradstrand

Waren wohl Engländer, die da siegreich im Sand lagen, sich von der Sonne braten ließen und auf das spanische Monument blickten.

Fußstrand

Die spanischen Städtchen unterwegs wie leergefegt. Klar, es war Mittag. Nur: Die Sonne brannte noch nicht sommerheiß. Höchstens 19 Grad. Und trotzdem niemand in den Straßen.
Geisterstädtengleich.

Stadtleere 1
Stadtleere 2

Stadttore, die weder Ein- noch Ausgang waren.

Stadtleere 3

Ab jetzt wurde es hart! Gegenwind! Viel zu schwach das Wort: Gegenturbulenzen. Oder: Gegensturm.
Ich kam kaum noch voran.

Strandaufwärts

Die letzten 15 Kilometer bis zu meinem Zielort – Zahara de los Atúnes – waren die reinste Plackerei.

Fast nur im 1. Gang gefahren. Selbst wenn es mal nicht bergauf ging.

Zaharas Dünenstrand schlummerte bereits im Abendgold als ich ankam.

Dünenstrand

Immerhin ein sehr gutes Restaurant gefunden. Fantastisch gegessen. Doch immer wieder auf die Fischauslage gestarrt.
Ein stolzes Exemplar Corvina war auf Eis gebettet und schaulustig ausgestellt.

Strandgut

Je länger der Abend und je größer die Weinrechnung fragte ich mich, ob dies würdevoll war. Immer wieder kamen Einheimische an die Vitrine, um das tote Tier zu bestaunen. Stolz schwang in ihre Stimmen. Ältere Fischer zeigten jüngeren Kollegen gestenreich, welch guter Fang dies gewesen sei. Sie hatten offensichtlich Ehrfurcht vor dem Fisch.
Er war ein Wesen.
Nur: Haben Wesen nicht Seelen?

Das war mehr als eine rhetorische Frage. Offensichtlich strahlte das tote Tier eine Würde aus, die selbst die Einheimischen, die vom Fischtöten lebten, empfanden.

Aber wurde die Würde des Tieres hier nicht verletzt? Durch die Show, die mit ihm betrieben wurde? Durch das Ausstellen?
Fisch, Fangen, Töten, Auf den Teller: Alles okay.
Aber dieses Prachtexemplar in der Vitrine aufbahren?
Leichenschau! Leichen-Show?

Also zurück: Wurde die Würde verletzt?
Und wenn ein Viech Würde hat, hat es dann auch eine Seele?

Klar: Kein Fisch vermisst einen toten Fisch. (Ist das so klar, selbst in einem Riesenschwarm?)
Ich stelle mir diesen Meeresbewohner in der Vitrine lebend vor – wie er stolz im Meer schwamm.
Nur die Erinnerung macht einen Toten zum (ehemals) Lebenden. Ohne Erinnerung hat niemand gelebt.
Und jetzt erinnerte ich mich an diesen Fisch, wie er vor der Küste schwamm. Haben Fische auch Erinnerungen?

Ich sackte immer tiefer in die Fischphilosophie ein. Sollte ich nicht eine neue philosophische Schule gründen?

Ich ging spät schlafen

Unterkunft: “Hospedería Zahara”. Zentrumsnah. Appartmentblock. Praktisch eingerichtet. 32 Euro ohne Frühstück. Fahrrad im Zimmer abgestellt.

Tag 164 (21.03.2017) / Portugal: Vila Nova de Milfontes -> Carrapateira

Strecke: 92 km (08:30 – 18:30 Uhr)

Der erste Frühlingstag (kalendarisch)! Der frühe Morgen war aber immer noch winterfrisch.
Selbst Steine froren.

Nur langsam wärmte die Sonne den Boden, aus dem Windmühlen emporwuchsen. Mal in einem Dorf – als attraktives Zentrum.

Kulisse 1

Mal in der Pampa – als touristischer Magnet.
Alle Exemplare hatten als Arbeits-Mühle ausgedient.

Kulisse 2

Hoch waren die Strandberge nicht. Aber dennoch wirkten die weiten Flächen wie Hochebenen.

Kuhsiesta

Manche Bauernhöfe hielten merkwürdig fremdes Vieh.

Einwanderer

An der Küste pfiff der Wind. Ein Leuchtturm hielt ihm stoisch stand.

noch gebraucht

Je weiter ich mich nach Süden kämpfte, um so spektakulärer die Klippen.

Storchklippen

Sogar Störche hatten sich am Cabo Sardão ihr Feriendomizil eingerichtet. Mit bester Aussicht.

Felsenstorch

Sturm, Gischt, Kälte und ein infernalisches Meeresrauschen beeindrucken die Meister Adebare offensichtlich nicht.

Über mehrere Stunden folgte ich dem Wanderweg “Rota Vicentina”, der direkt am Klippenrand entlang führte. Noch nie auf meiner Europa-Tour bin ich einen solch naturnahen Pfad gefahren.

Klippen-Ich

Manchmal führte er auch durch Macchia.

Klippenweg

Aus der Ferne strahlte mir der Strand von Odeceixe entgegen.

Gotteswerk?

Prachtvolles Panorama.

wer schafft so was?

So wie gestern mich die körperliche Anstrengung dazu brachte, gar nichts mehr zu denken, so waren es heute die vielen Landschaftsbilder, die mich sprach- und gedankenlos machten.

Grüntal

Ich saugte nur noch Eindrücke auf.

Hangdorf

Kurz vor Sonnenuntergang mein Ziel erreicht: Carrapateira. Winzdorf. Ein paar Häuser, sonst nichts. Und von denen waren noch einige zum Verkauf angeboten.

Leerstand

Nur alte Einheimische bewegten sich (langsam) in den Dorfgassen.

Und ein paar junge Touristen, die am nahegelegenen Strand campten. Wellenreiter, die ins Dorf surften, sich im einzigen Lebensmittelladen mit Proviant versorgten und wieder davon segelten.

Unterkunft: “Casa da Estela”. Nette kleine Privatzimmer. 30 Euro die Übernachtung (ohne Frühstück). Fahrrad in Garage abgestellt.

Tag 42 (28.03.2015) / Kroatien: Pause in Makarska

Der Sturm zwang mich zu einer Pause.

War um 9 Uhr aufgebrochen. Hätte eigentlich durch den Nachtlärm gewarnt sein sollen. Konnte kaum schlafen wegen des Windes, der durch die Dunkelheit grölte. “Wind” war auch am Morgen untertrieben. Es war ein regelrechter Sturm.
Ich stemmte mich gegen die Natur, versuchte auf mein Fahrrad aufzusteigen. Schon das misslang. Ich wartete ein wenig, schob mein Gefährt durch die Straßen, in der Hoffnung, dass das alles sich legen würde. Nichts. Einmal riss mir der Sturm das Fahrrad aus der Hand, und ich konnte es gerade noch auffangen, bevor es auf die Straße platzte.
Ich suchte Unterschlupf in einem Café, wo die Barkeeperin mir wenig Hoffnung machte: Die “Bura” sei wieder unterwegs. Die Fernseh-Nachrichten würden melden, dass in der Nähe sogar ein Lastwagen umgeworfen worden sei. Okay. Ich gab auf und kehrte zu meiner Unterkunft zurück, die ich – da ja eh kaum Gäste im Ort waren – problemlos um eine Nacht verlängern konnte.

Erst gegen Mittag flaute der Sturm etwas ab. Ich nutzte die Gelegenheit, um in die Berge zu wandern.

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Schmaler Pfad durch die “wilderness”

Steil die Pfade nach oben. Die Bäume alle wind-zerzaust.

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Bura-Baum

Der Frühling schickte schon ein paar Test-Blüten vor.

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Alpin

Die Bergdörfer in Kälte eingemummelt. Fast als wäre ich in den Alpen.

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Mittelmeer-Alpen

Aber immer wieder schafften es ein paar Blumen, der Kälte und dem Wind zu trotzen.

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Frühling filigran

Auch dieses Jahr würde der Frühling den Winter besiegen!

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Frühling filigran

Herrliche Blicke auf Makarska.

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Vögel haben immer Panorama-Sicht

Die Fischer waren am Morgen nicht ausgelaufen, zu gefährlich der Sturm.

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Weiß-Blauer Hafen

Erst am Nachmittag ein wenig Bewegung.
Der Fischer, der mir gestern den Tipp mit dem Thunfisch gegeben hatte, entlud seinen frischen Schrimps-Fang.

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My fisherman’s friend

Den Großteil würde er nach Dubrovnik liefern. Dort brumme auch jetzt schon der Tourismus und mithin orderten auch die dortigen Restaurants frische Meeresfrüchte.

Er vertraute mir an, einen kleinen Teil des Fangs auch an die hiesige Kanoba von gestern zu liefern.

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Dort ließ ich mir am Abend allerdings frischen Hai aufschwatzen. Auch der exzellent zubereitet.

Tag 39 (25.03.2015) / Kroatien: Sibenik-> Trogir

Strecke: 62 km (08:30- 16:30)

Villa Tudor in Trogir. Sehr schöne, fast privat gehaltene Unterkunft. Musste bei Ankunft Besitzerin per Telefon informieren. War aber gleich da. Sehr nette Gastgeberin. Geschmackvolle Zimmer. Klasse Lage. Vor meinem Fenster breitete sich die ganze Altstadt aus. Fahrrad im Eingangsbereich untergebracht. (38 Euro ohne Frühstück.)

Strecke 0039-Kroatien-Sibenik-Trogir

Der Tag fing mit einem Tropfen an. Und endete in einem katastrophalen Regensturm.

In Sibenik noch relativ trocken am Markt vorbei gefahren. Wobei: Es nieselte nicht mehr, es regnete bereits.

Regenmarkt

Regenmarkt

Wenig später schütte es aus vollen Kanistern. Eigentlich hatte ich mir vor der Reise extra gute Regenkleidung gekauft. Fehleinkauf. Schon nach wenigen Kilometern war ich völlig durchgeweicht.

Selten eine Küste gesehen, die so viele schöne kleine Dorfkerne aneinanderreiht.

Regenstadt

Regenstadt

Aber wenn keine Saison ist, sind alle Kerne wie weggespuckt. Ich suchte Schutz in Primosten. Der Wind peitschte laut durch die Straßen, die Böen waren so stark, dass ich vom Rad absteigen musste, der Himmel kübelte sämtliches verfügbare Wasser auf mich: Und – es ist langweilig zu sagen – keine Bar, kein Café, kein Restaurant offen – nicht am Marktplatz, nicht am Hafen, nicht am Strand. Nirgends Schutz.

Ich musste lange suchen, bis ich am Rande des Örtchens dennoch ein offenes Café fand. Nette Jungs dort.
Ich zog meine klammen, durchweichten Sachen aus und legte sie im Café zum Trocknen aus.

Keine Regenhose

Keine Regenhose

Ein bißchen merkwürdig ist es schon, durch eine Welt zu reisen, die es außerhalb der Saison gar nicht gibt.
Ich fragte einen der Jungs, was für einen nassen Sturm denn dies nun sei, er wehte ja vom Meer her und nicht wie der Bura von den Bergen.
Die Antwort habe ich leider nicht verstanden. Einer sprach aber von “Jugo”.
Das kurze Googeln ergab: Südsturm. Warm.

Ob er das war, gegen den ich kämpfte? Und hatte “Jugo” etwas mit “Jugoslawien” zu tun? Also etwa: Das Land der Slawen, dort wo der Südwind weht?

Ich konnte das nicht klären. Ich hatte die Befürchtung, dass ich mein Tagesziel Trogir nicht erreichen würde. Alle 5 Minuten zwang mich der Mistwind vom Rad.

Irgendwie kam ich doch an.

Unglaublich schöne Altstadt.
Natürlich nur für mich.

Die Pension, die ich gebucht hatte: mit einem grandiosen Fensterblick.

Regenblick

Regenblick

Tag 25 (7.10.2014) / Portugal: S. Pedro de Moel -> Caldas da Rainha

Strecke: 48 km (9:30 – 16:15)

S. Pedro -> Caldas

Immer noch führte der Fahrradweg durch Kiefernwald und Dünenlandschaft. Der Wind extrem widrig. Das Wetter drohte zu kippen. Sturm und heftige Regengüsse wurden vorhergesagt.

Die Steilküste aufregend.

Vale Furado
Vale Furado
Vale Furado

In der Mittagshitze Nazaré (Nazareth) erreicht. Pilgerstätte für viele Portugiesen. Der Strand leer und eindrucksvoll.

Nazaré
Nazaré

110 Meter höher, auf den Klippen und rund um die Kirche “Nossa Senhora da Nazaré” (Heiligtum Unserer Lieben Frau von Nazareth), lockten Süßigkeitenverkäuferinnen in traditioneller Tracht Touristen an.

Ein Blick nach oben ließ erahnen, wie es im Himmel aussehen könnte.

Nach kurzem Zwischenstopp weiter die Küste entlang. Der Wald lag hinter mir.
In S. Martinho do Porto Abschied vom Atlantik genommen.

S. Martinho do Porto

Ab jetzt führte der Weg durchs Landesinnere Richtung Lissabon.
Obwohl mein Tagesziel eigentlich näher an Portugals Hauptstadt lag, kapitulierte ich in Caldas da Raina vor dem Gegenwind. Ich hatte genug davon zu strampeln und doch kaum voranzukommen.

In der gleiche Sackgasse, in dem ich mein Hotel fand, befand sich auch eine kleines Wunder an portugiesischer Gastlichkeit. “Pacha” nannte sich eine “Snack-Bar”. Aber welch eine Untertreibung. Es war ein vorzügliches Tapas-Restaurant, zudem mit einer klasse Weinauswahl. Die halbe Kleinstadt schien sich dort zu treffen. “Tradição Gourmet” war auf einen Schild eingraviert. Das traf zu. Ich blieb von der Ankunft bis zum Türschluss.

Hotel in Caldas: “Europeia”. 3 Sterne. Immerhin gab es in dem Ort Hotels. 35 Euro. (Fahrrad in Abstellkammer untergebracht.)

Tag 24 (6.10.2014) / Portugal: Figueira da Foz -> S. Pedro de Moel

Strecke: 63 km. (10:15 – 17:30)

Figueira - S. Pedro

Figueira: ein schönes Hafenstädtchen. Sympathischer Stadtkern. Strand und Hafengebiet wirkten – saisongemäß – verlassen.

Von Figueria führte der Weg erst vom Meer weg. Dann hatte ich Mühe, den Atlantik wieder zu finden. Ich durchfuhr ein (gefühlt unendliche Kilometer) langes Waldgebiet. Ein geschützter Naturpark. Mit nur wenigen Zugängen zu (dann aber) spektakulären Sandbuchten.
Eigentlich radelte ich auf Dünen. Rauf und runter.
Anstrengend. Und gleichwohl sehr entspannend. Es gab (zum ersten Mal!) Fahrradwege. Und kaum Autos.
Ich konnte den Wald atmen hören!

Pinhal de Leiria

Und er atmete schwer. Jeder Tanne wurde das Harz entnommen. Ein ganzer Wald gemolken. Kilometer für Kilometer.

Am Praia de Pedrogao endlich wieder Meer gesichtet. Von der Waldstraße aus führen nur sporadisch Stichstraßen zum Ozean.
Völlig leeres Fischer- und Touridorf! Aber spektakulärer Strand!

Praia de Pedrogao

Das Dünenaufundab ging auf die Knochen. Dann aber auch wieder lange entspannende Strecken: kerzengrad.

Und schließlich der Gegenwind! Zum ersten Mal richtig Sturm gegen mich gehabt. Immer von vorne, nie von hinten. Es tat weh.

Praia da Vieira

Die meisten Badeorte – wie Praia da Vieira – völlig verlassen.
Wie viel müssen die Menschen hier in den Saisonmonaten verdienen, damit sie den Rest des Jahres überleben können?

Gegen halb sechs gab ich mich geschlagen. Eigentlich wollte ich weiter. Aber der Gegenwind bremste mich aus. In S. Pedro de Moel nahm ich die einzig verfügbare Unterkunft. Und ließ danach das Meer mich in die Nacht tosen.

Hotel in S. Pedro de Moel: “Mar & Sol”. Nannte sich Spa Hotel. War aber im Stil eines Geschäftshotels für Handlungsreisende. Extrem unpersönlich. Aber okay. Nebensaisonpreis: 45 Euro (mit Frühstück). (Fahrrad im Nebenraum untergebracht.)

Tag 10 (22.9.2014) / Spanien: Ribadeo -> Viveiro

Strecke: 59 km (9:15-16:45)

Ribadeo -> Viveiro

Weitere Lektionen in Sachen Radfahren bekommen. Auf halber Strecke ist mir der Zug der Gangschaltung gerissen. Ich hatte Glück: Keinen Kilometer entfernt – in Burela – befand sich eine der auf dieser Strecke seltenen Fahrradläden. Einziges Manko: Der Mechaniker hatte Urlaub. Er sollte erst in 2 Tagen wieder zur Arbeit erscheinen und die außerordentlich nette Bedienung konnte nicht am Rad rumschrauben. Doppeltes Glück: Ein anwesender Gast griff sich kurzerhand das Gerät und löste mein Problem in weniger als 5 Minuten.

Das begegnete mir jetzt schon die gesamte Strecke entlang der Nordküste Spaniens. Äußerst hilfsbereite und freundliche Wirte, Bedienungen, Gäste, Portiers, Passanten!

Meine zweite Lektion heute: Heftigste Regengüsse mit Sturmböen und nirgendwo ein Dach unter das ich mich hätte stellen können. Ich benutzte mein riesiges Regencape wie ein Zelt und schützte das Gepäck und mich. Nur: Zum Weiterfahren taugte das Cape nicht, die Kappe flog mir ständig vom Kopf. Das Cape war zudem viel zu lang und flatterte mir stets unters Rad. Sollte es also weiter aus dem Himmel runtermachen, muss ich irgendwo einen passablen Regenschutz besorgen.

Von der Küste nicht viel mitbekommen. Heute nur Grau gesehen.

Hotel in Viveiro: “Orfeo”. Mittelmäßiges Geschäftshotel. Ein anderes war in der Nähe der Altstadt nicht zu finden. Aber nettes Personal. 35 Euro.