Meer Europa

Schlagwort Archiv: Tourist

Tag 301 (30.06.2019) / Finnland: Sodankylä -> Inari

Strecke: 235 km (09:30 – 09:15 Uhr)

Reisewetterbericht: Eine Regenfront ist im Anmarsch. Letzter schöner=sonniger (schön kann er ja auch sonst sein) Tag soll heute sein. Dann mindestens 5 Tage Grauzeit mit Kälte, Wind und ziemlich was von oben.

Also was tun? Nichts – beschloss ich. Nichts organisieren, kein Bett vorbestellen. Losfahren! Und wenn nötig: durch die Nacht (die es grad nicht gibt). Ich wollte Licht genießen.

Es wurde eine 24-stündige Reise durch den Norden Finnlands. 235 Kilometer am Stück bis zur völligen Entkräftung.

Der Anfang: easy. Ebenerdig, eigener Radweg, auf dem ich der alleinige Herr war. Niemand überholte mich, niemand ließ sich überholen. Ich war allein. Diese Route – hoch zum Nordkap – war offensichtlich nicht die Biker-Autobahn.

Ich bewegte mich nun im Innern Finnlands. Seenplatte. Unüberschaubar die Zahl der Gewässer. In vielen machten sich Angler die Füße nass. (Sicher nicht! Sie waren bestens ausgerüstet – ALLE!- mit Gummistiefeln, Spezialkleidung, modernstem Sportgerät.)

Ob Mann, ob Frau – sie hatten ihre Ruhe – und ihren stillen Spaß (Sind das die Faktoren für Glück? Finnisches Glück?).

Ein See, ein Teich, ein Tümpel: Keiner war unbehaust.

Ich fotografierte mich ein wenig durch diese Unübersichtlichkeit, bis ein Einheimischer vorbeikam, mich auf Finnisch aufforderte, ihm zu helfen, sein Boot zu entwässern (einfach umstülpen und aufgefangenes Regenwasser abfließen lassen), sich bedankte (ich versteh kein Finnisch, aber die Gesten waren sehr freundlich eindeutig) und sich wieder davonmachte.

Der Mittag war schon vorbei, ich verließ immer wieder die Hauptstraße (E75), schaute, ob es etwas Interessantes jenseits gab.

Aber Finnlands Provinz glich sich – egal, wo ich fuhr. Schöne (Fertig-) Holzhäuser mit akkurat geschnittenem englischen Rasen (wieso lieben Finnen eigentlich Wildnis?).

Briefkästen nicht an der Hauswand, sondern en bloc am Straßenbeginn.

Und Winz-Dörfer, in denen ich manchmal zweifelte, ob sie überhaupt dauerhaft bewohnt sind.

Ab und zu merkwürdiges Schamanenzeugs.

Und immer, immer, immer: die eigene Hütte am Teichufer.

Und immer, immer, immer mit Sauna (hier rechts im Bild).

Ist das finnische Mittel für Glück einfach nur die Entschleunigung?

Mein fotografisches Trödeln brachte mich langsam in Zeitschwiergkeiten.

Aber ein Motiv reihte sich an das nächste.

Als lebte hier Chingachgook.

Als kämpfte er immer noch gegen die weißen Eindringlinge.

Und als seien die Mohikaner gar nicht brutal gekillt worden, sondern rechtzeitig nach Finnland ausgewandert.

Die Tour wurde nun anstrengender, zeitweise führte die Straße auf 350 Meter hoch. Schon lange war ich durchgeschwitzt. Ich sehnte mich nach einem Bier.

Es war ziemlich spät (21 Uhr) – als ich schließlich die “Gold-Village” erreichte.

Früher eine Banditen-Goldgräberstadt, heute eine stille Touristen-Illusion…

… aber mit einem fantastischen Restaurant.

Ich stärkte mich nach 125 Kilometern querfeldein durchs Land mit einer Rentiersuppe (stilecht serviert auf einer Goldwash-Pan) für die Nacht (die es ja nicht gab) und für die nächsten Hundert Kilometer die noch vor mir lagen.

Tag 286 (15.06.2019) / Finnland: Helsinki – Start mit Pausentag

Um Mitternacht angekommen (es dämmerte grad). Musste dem Taxifahrer, der mich vom Flughafen zum Hotel in Helsinkis Innenstadt fuhr, zeigen, wie man  den Innenraum seines Wagens zerlegt, damit mein verpacktes Fahrrad in sein Vehikel passte. Er ließ es mit meinem Versprechen geschehen, die Karre nach Ankunft wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen. 

Vor 30 Jahren war der freundliche und redefreudige Mann aus Bangladesch nach Finnland ausgewandert. Etwa 2.000 ehemalige Landsleute leben – so erzählte er – mittlerweile im Großraum Helsinki. Er selbst fühle sich als Finne. Überhaupt gäbe es nur wenige Migranten im Land. Um so wichtiger sei es, der EU nicht zu folgen – behauptete er – und nicht noch mehr Ausländer hereinzulassen. Das würde die politische Stimmung in Finnland nur weiter nach rechts treiben – meinte er. Und ich wunderte mich, wie oft ich schon diese Geschichte vom Boot, das voll sei, auch von Migranten erzählt bekommen habe.

Ich richtete dem guten Herrn seinen Taxi-Innenraum wieder picobello her.

Am nächsten Tag Helsinki erkundet (war die Sonne eigentlich in der Nacht untergegangen?). Um aufrichtig zu sein: Ich hab – mal Kaffee, mal Bier trinkend – eigentlich nur auf dem Markt, in der Markthalle, an den Schiffsanlegestellen, am alten Hafen und auf der Esplanade herumgelungert.

Hochzeitstag

Vor den Ausflugsbootanlegestegen (schönes Wort!) drängelten sich die unterschiedlichsten Hochzeitsgesellschaften.

Mal hipp finnisch-asiatisch, mal gestylt unternehmerberaterisch – alle Hochzeitsgäste bestens sonnengelaunt.

Schöne Menschen.

Fotografiert sie oder kontrolliert sie die Schminke?

Glücklichste Finnen (sagt zumindest der Weltglücksreport der bescheidwissenden United Nations (UN)).

Kuss am Pier
Der letzte (Möwen)Schrei

Die Stadt nicht voll – aber mit (Tages?)Besuchern gut gefüllt.

Über (fast) allem thront der Dom

Und die Hälfte der Touristen (immerodernurheute?) Asiaten. Fast nur in Gruppen. Nur einige wenige Solisten.

Fernweh?

Direkt am Hafen der zentrale Markt.

Finnisches Gewusel

Ebenfalls die traditionsreiche Markthalle.

Mit einem professionellen Trinkgeldeintreiber.

Immer freundlich und todernst

Und natürlich mit allem, was die finnische Wildnis hergibt. (Im Ergebnis: gemeuchelte und verwurstete, eingedoste Rentiere.)

Konserve

Tag 207 (25.09.2017) / Italien: Santa Margherita Ligure -> Portofino und zurück

Strecke: 10 km (09:00 – 12:00 Uhr)

Ruhetag.
Ausgiebig gefrühstückt und mit Hilfe deutscher Zeitungen (die es frisch gab!) die Bundestagswahl analysiert.
Schönes Santa Margherita. Still, ruhig, mondän.

frühmorgenflau

Dann 5 Kilometer zur Berühmtheit Portofino geradelt. Grandiose Meersichten unterwegs.

stoned

Portofino um 10 Uhr morgens noch unberührt.

frührot

Fast allein auf meiner Treppentour zur hochgelegenen Burg.

yachtweiß

Protzyachten vor der schönsten Kulisse Liguriens.

kesselblau

Haben vor hunderten von Jahren die Dorfgründer hier gebaut, weil sie um die Schönheit des Ortes wussten? Oder ging es ihnen nur um die geschützte Bucht?

rotockergelb

Der Friedhof mit bester Aussicht. Was zahlen die Toten dafür? Eine große Schwelle schützt das Unterdorf vor den Geistern von oben. (Wieso können die sich nicht selbst über die Schwelle heben?)

todschick

Beim Abstieg sah ich schon die ersten Touristenboote kommen (von woher eigentlich?). Bis auf den letzten Stehplatz gefüllt.

grünblauweiß

mittelaltergrün

Eigentlich hatte ich vor, an Portofinos Hafen noch einen Kaffee zu trinken.

Ich verlor aber die Lust. Hunderte Menschen wuselten plötzlich auf dem Platz. Die Terrassen-Bars und Restaurants um 11 Uhr schon komplett besetzt. 5 Euro der Kaffee. 3 Euro die Kugel Eis im Laden.
Strange world: Portofino ist extrem hochpreisig und wird überschwemmt vom Massentourismus. Santa Margherita Ligure – eigentlich die mondänere Schwester – ist dafür deutlich preiswerter und wird von den Neckermännern übersehen.

Ich setzte mich dort in einer netten Straßenkneipe fest und trank ligurischen Weißwein. Pigato. Klasse Entdeckung: trocken, würzig.

Je länger ich saß, um so mehr wuchs Welt aus meinem Glas.

halbvoll

Tag 194 (20.04.2017) / Frankreich: Collioure -> Gruissan

Strecke: 93 km (10:00 – 18:00 Uhr)

Die Pyrenäenspitzen noch mit einer Schneehaube, während im Tal die Weinblüte begann. Ich durchfuhr die berühmten Hanglagen des Banyuls. (Mir zu süß, auch wenn es ein Desertwein ist. Vielleicht ist es der Hauch von Rosinengeschmack, der mich schreckt.)

Weinschnee

Kaum in der Ebene angekommen, ging meinem Hinterrad die Luft aus. Ich hatte doppeltes Glück. Zum einen lag Argelès-sur-Mer nur einen Kilometer weg – und ein Fahrradladen hatte dort am frühen Morgen bereits geöffnet. Schneller Service. Ein ziemlicher fieser Dorn hatte sich in den Reifen gebohrt und den Schlauch gepiekst.
Zum zweiten: Ich besaß keinen Ersatzschlauch mehr. (Unterwegs aufgebraucht.) Ich konnte heute wieder Vorrat kaufen.

Skelett

Die Küstenlinie: Sand, Sand, Sand. Langgezogene Strände. Ab und zu Retortensiedlungen. Wer nicht gerne surft, für den ist die Ecke uninteressant.

Higher than the sky

Die eigentliche Attraktion war das Hinterland: Eine bezaubernde Lagunenlandschaft. Mit altertümlichen Fischerkaten.

Nicht für die Ewigkeit

Und herrlichen Seen.

Zeitlos

Auch mal steppenartiges, fast schon wüstenhaft trockenes Flachland.

Platt

Ich folgte überwiegend langgezogenen Kanälen. Oder Seitenkanälen. Oder Verbindungskanälen. Bald blickte ich nicht mehr durch. Manchmal glaubte ich, über offene See zu fahren. Auf einer schmalen Sandpiste, die auf das Wasser gelegt wurde. Wer die Kanäle gegraben hat, wie alt die Anlagen waren, ich wusste es schlicht nicht. Der “Canal du Midi” ist ja schon im 17. Jahrhundert von Tausenden Arbeitern ausgeschaufelt worden. Waren all die anderen Wasserstraßen genauso alt? Ich hatte Stoff zum Nachlesen.

Auf manchen Kanälen schipperten ein paar wenige Touristen. (Meist parkten sie irgendwo im Schatten und ließen es sich an Bord mit Wein und Baguette gutgehen.)

Kanal voll

Eher selten waren Fischerhäuser.

Kanal gar nicht voll

Wirtschaftswege begleiteten die Kanäle. Gut befahrbare Schotterpisten oder Sandwege.

Kanal leer
Immer grad aus

Der Tag wurde zum Genuß. Er machte mir richtig Spaß. Ich wollte, dass der Abend sich heute verspätete.

Dürre wo Wasser ist

Relativ früh erreichte ich Gruissan. Eine von Süßwasser umflossene Trutzburg. Das Mittelmeer nur einen Steinwurf weit weg.

Wasserdorf

Entspannte Atmosphäre im Dorfkern.

Querschnitt
Noch ein Querschnitt

Die schönen Straßen noch nicht überlaufen. (Während auf der anderen Seite – am Yachthafen – es bereits ziemlich rummelte.)

Hochschnitt
Fast quadratisch

Ich genoß den milden Frühlings-Abend.

Unterkunft: Hotel “Le Mirage” am Yachthafen. Gesichtsloser Klotz. Fahrrad in Garage untergestellt. 70 Euro (ohne Frühstück).

Tag 193 (19.04.2017) / Frankreich: Pause in Collioure

Ich wurde mir nicht klar darüber, ob ich schon früh am Morgen einer Anti-Terror-Übung zusah oder einer öffentlichen Kadettenausbildung der französischen Marine.

Martial Arts 1

Jedenfalls tummelten sich zwei Dutzend junger Kerle in Neopren und mit wasserdichten (Spielzeug?)-Maschinengewehren im Hafen von Collioure und spielten Krieg.

Martial Arts 2

Die Touristen nahmen nur kurz Notiz von ihnen. Die Einheimischen schon gleich gar nicht.
Merkwürdige Zeiten.

Martial tourism

Collioure: eine einzige Postkarte.

Martial sea
Nicht mehr ganz so martial

Mit netten Straßen,

Beschirmt

schönen Details,

Pastellt

und einem kleinen Markt.

Auch Ton in Ton

Ich fühlte mich wohl unter all den frenchmen.

Alles Wurst

Ich war wie alle.
Ich war Masse.

Und entwickelte ziemlichen Hunger.

Gesotten
Fein

Tag 187 (13.04.2017) / Spanien: Valencia -> Alcossebre

Strecke: 138 km (10:00 -21:00 Uhr)

“Die spanische Mittelmeerküste ist ein einziges Desaster. Eine ästhetische Beleidigung”. Das sagte ich in der Nacht spontan zum Kellner, mit dem ich ins Gespräch über meine Reise gekommen war. Ich war immer noch wütend.

Dabei hatte der Tag entspannt begonnen. Die Ausfahrt aus Valencia war angenehm. Der Jachthafen noch im hellen Dämmerschlaf.

Mondän

Der langgezogene Strand füllte sich erst langsam.

Bürgerlich

Ab dann aber wurde es schlimm.
Das Meer komplett verbaut mit unansehnlichen Hochhäusern und riesigen Hotelkomplexen.Die Strände völlig überlaufen. Nur dort, wo der Strand mehr Kies-Geröll als Sand war, war es leer. Ansehnlich war es aber auch dort nicht.

Proletarisch

Ich hatte vorher bereits in einigen Artikeln gelesen, dass einige Städtchen, die ich heute durchfuhr, von Umweltschützern zu den Orten gezählt werden mit den schlimmste Bausünden und dem höchsten Grad der Bodenversiegelung. Weltweit!

Ich war also gewarnt.
Ich hatte mir auch eine Art Taktik zurechtgelegt, wie ich den Tag schaffen könnte. Einfach stoisch vor mich hinradeln: Zen oder die Kunst ein Fahrrad zu fahren – trotz widriger Umstände.

Und doch schockte mich, was ich sah.
Dazu kam, dass ich allergrößte Schwierigkeiten hatte, einen Weg zu finden. Immer wieder ging die Landstraße in eine autobahnähnliche Schnellstraße über, in der Fahrräder verboten waren.

Selbst mein Navi verlor die Orientierung, lotste mich ins Hinterland und in ein Dead-End. Kein Durchkommen. Zu tief das versuppte Wasser.

Archaisch

So verworren die Wasserpflanzen, so verworren meine Gefühlslage.

Manisch

Nicht mal kleine Oasen der Ruhe konnte mich runterbringen …

Rundlich

… von der Wut, die ich empfand.

Die Sonne war schon längst untergegangen, als ich nach fast 140 Kilometern mein Ziel fand.

Rotrötlich

Alcossebre. Völlig überfüllt. Die Touristen standen vor den Terrassenrestaurants Schlange. Ich hatte allergrößte Mühe, irgendwo einen freien Tisch zu finden.
Und klagte dem Kellner dann mein großes Leid.

Unterkunft in Alcossebre: “Hotel Alegría”. Riesenkomplex. Gesichtslos. Aber freundlicher Service. Fahrrad in Kammer abgestellt. 65 Euro (mit Frühstück).

Tag 185 (11.04.2017) / Spanien: Alicante -> Dénia

Strecke: 108 km (10:15 -19:00 Uhr)

Copacabana-Flair am Hausstrand von Alicante. Schon früh am morgen füllte sich der Beach.

Frühlings-Beach

Schön herausgeputzt für die Festtage.

Bunt-Beach

Spektakuläre Bergwelt als Strand-Hintergrund.

Schirm-Beach

Ich hatte mir vorgenommen, heute die halbe Strecke nach Valencia zu schaffen. Fuhr die “Costa Blanca” ab. Weitestgehend eine Betonwüste.
Nur selten mal ein Kleinod. Ein Winzausschnitt, der ahnen lässt, dass es hier – vor der Franco’schen Bauwut – einmal schön gewesen war.
Villa Joiosa.

Durchblick

90 Prozent von Benidorms Hotels sind laut Lokalzeitung in der Osterwoche bereits ausgebucht.
Die Einfahrt in das Touristenmonster wie eine Ankunft in eine Kopie amerikanischer Vorstädte.

Wer kommt mit dem Bicycle?

Den Strand schöner fotografiert als er ist. Überhaupt fällt es mir schwer, so dokumentarisch zu knipsen, dass die volle Hässlichkeit sichtbar wird.
Ich suche meist das Harmonische, Exotische und Interessante im Ausschnitt.

Pink Point

Der Ausschnitt verfälscht.

Yellow friend

Nichts war hier schön.
Es gab drei Gründe, warum ich heute für den Tag dankbar sein kann:
1) Der Himmel ist mir nicht auf den Kopf gefallen.
2) Kein Polizist hat mich angehalten.
3) Ich habe in Altea ein exzellentes Ceviche (Corvina, Mango) gegessen.

Gab es einen Grund in Benidorm zu bleiben?
Zur Hölle NEIN! Nicht mal für ein kurzes Bier.

Aber wenigstens wellte das Meer hier so blau wie überall.

Blue sea

Welch ein Jammer: absolut fantastisches Küstengebirge. Alles mit Häusern zugekleistert.

Gibraltar Kopie

Gar nicht so spät Dénia erreicht.

Burg + Hafen = Hafenburg

Unterkunft: “Hotel Adsubia”. Moderner Klotz am Rande der Altstadt. Winzzimmer. Sehr freundlicher Empfang. Fahrrad in Garage abgestellt. 40,50 Euro (mit Frühstück)

Tag 177 (03.04.2017) / Spanien: Rincón de la Victoria -> Salobreña

Strecke: 78 km (09:30 – 17:30)

Meine Beine streikten. Sie hatten alle Kraft verloren. Schon bei der leichtesten Steigung hatte ich Lust vom Rad zu steigen und das Ganze zu lassen.
Es gab viele Steigungen.

Und dann war ich seltsam spanienmüde. Oft hatte ich das Land bereist. Kaum etwas überraschte mich noch. Die Tour, die mich gerade um die iberische Halbinsel leitete, barg selten noch ein Korn Entdeckungsenthusiamsmus.

Ich merkte es komischerweise daran, dass ich immer weniger meinen Fotoapparat auspackte. Und wenn, schoss ich völlig uninspirierte Standard-Fotos.

Tja, schon am Morgen musste ich mich zwingen, den Auslöser am  Strand von Rincón de la Victoria zu drücken.

Frühsport

Unterwegs auch. Sogar, als mir klar wurde, dass die Costa del Sol nicht nur aus Beton besteht, sondern durchaus einige schöne Buchten und sogar fast naturbelassene Strände hatte.

GrauSand

Klar der Beton überwog. Der “Balkon Europas” in Nerja selbst in der Vorsaison hoffnungslos von Briten und Deutschen überrannt. Da wirkte schon eine kleine Bucht, in die die fußfaulen Touristen nicht hinunterlaufen wollten, wie eine Natur-Oase.

Zerklüftet

Klar, dass auch die Spanier mit ihrer Immobilienblasensucht jedes noch so kleine Fischerdorf in eine sommerliche Bettenburg verwandeln.

Zersiedelt

Aber: Es gab auch die stillen Strände …

Eingezwängt
Eingefasst

… die “einsamen” Fischer im Meer.

Ausgeladen

Und die spektakulär gelegenen Ortschaften in den Felsenküsten.

Hochbau

Genau hier machte ich Stopp. Ziemlich am Ende meiner Tageskraft.

In der Ferne trugen die Höhen der Sierra Nevada noch Schneekappen.


Während hier am Strand von Salobreña Palmen im lauen Abendwind grünten/braunten.

Ich setzte mich am Strand fest.

Warten auf den Sonnenuntergang
Da iss er

Ließ den Tag verglühen.

Unterkunft: “Hostal Jaíma”. In der Altstadt. Sehr freundlicher Familienbetrieb. Empfehlenswert. Fahrrad in Garage untergestellt. 38 Euro ohne Frühstück.

Tag 171 (28.03.2017) / Spanien: Las Cabezas de San Juan -> Jerez de la Frontera

Strecke: 53 km (10:00 – 15:00 Uhr)

Der Frühling besuchte jetzt auch Andalusien!

Weitblick

Ich fuhr heute nur befestigte Straßen!

Sicherer Untergrund

Und nicht zu lang! Ich hatte mich umentschieden. Sanlúca de Barrameda wollte mich gestern offensichtlich nicht als Gast. Also fuhr ich heute auch nicht hin, sondern steuerte direkt Jerez de la Frontera an.
Früh angekommen. Fantastische Stadt.

Wurde mit einem Sherry begrüßt.

Fino

Noch wenige Touristen unterwegs.

Aufgeräumt

Ich schaute mir selbstverständlich ein paar Essentials an.

Must see 1

Alcázar und Kathedrale. Außen wie innen beeindruckend.

Must see 2

Göttliche Stille (Ich war allein in den Hallen!)

Must see 3

Jerez bereitete sich schon auf die Semana Santa vor. Auf Plätzen und in den Straßen wurden bereits Zuschauerränge aufgestellt. Für die Karfreitagsprozession.

Es kommt der Tag

Mich schließlich belohnt für die gestrigen Strapazen.
Mit einem fantastischen Essen.
Erst Kabeljau Carpaccio mit kandierten Orangen.
Dann Reis in schwarzer Tintenfischsoße mit Garnelen.

Geschmeckt

Den Tag in einer Flamenco-Kneipe beendet.

Zugehört

Die Peña war rammelvoll. Ich bekam die Musik-Gruppe gar nicht zu sehen. Konnte sie nur hören. Aber auch das war gut!

Heute war alles gut.
Sogar die handgeschriebene Kreide-Rechnung vor meinem Weinglas.

Abgerechnet

Unterkunft: Hostal Fenix, am Rande der Altstadt. Sehr schönes Haus, sehr geschmackvoll eingerichtet. 32 Euro mit Frühstück. Äußerst empfehlenswert! (Fahrrad in Zimmer untergestellt.)

Tag 167 (24.03.2017) / Portugal: Lagos > Tavira

Strecke: 124 km (08:45 – 18:15 Uhr)

Das Tagesziel war, so nah wie möglich an die portugiesisch/spanische Grenze zu kommen. Regen und Kälte waren vohergesagt, doch die Sonne brach immer wieder die Wolken auseinander

Um die Mittagszeit genehmigte ich mir ein Bier auf dem Zentralen Platz in Albufeira.

Algarve - Herz

Vielleicht war ich zu feige, dieses Foto zu schießen: Ein Paar lief an mir vorbei. ER oben ohne, SIE im Bikini. Bei 13 Grad und reichlich kaltem Wind. Beide hatten nicht das geringste Problem, ihre üppigen Speckfalten zu zeigen. Engländer. Biergesichter, gerötete Augen. Er: Glatze. Sie: Halbglatze auf der einen Seite, auf der anderen rotgesträhntes Haar. Stolze Prolls. Und davon gab es reichlich in Albufeira an der Felsenalgarve. Sie stolzierten rum, als sei Hochsommer, während ich mir fröstelnd meine Kapuze überzog. Ich schoss es nicht, das Foto. Und fragte mich noch nach Stunden, warum nicht? Weil man Hässliches nicht zeigt ? Aber war es überhaupt hässlich? Die, die mit wenig Geld den maximalen Suff in der Sonne haben wollen:  Sind die hässlich? Ist das verkehrt? Ist es ein ästhetisches Problem (also eher eine Mittel-/Unterschicht Differenz)?  Mir fiel auf die Schnelle keine Antwort ein – auch das irritierte mich.

In den verwinkelten Gassen, prießen fast alle Lokale Partys an.

Algarve - Party

Unverkennbar war ich in einer Hochburg für englische Touristen gelandet.

Albufeira lag schön in Felsklippen hinein gebaut.

Algarve - Fassade

Ganz offensichtlich war das Städtchen zweigeteilt. Ein wenig Exklusiv-Tourismus (Oberstadt)…

Algarve - Illusion

… und ziemlich viel Billig-Tourismus (Unterstadt).

Algarve - Beton

Ich machte mich davon. Musste in einiger Distanz zur Küste radeln. Das Hinterland der Algarve völlig zersiedelt. Langweilig.

Algarve - Hinterland

Interessanter wurde es erst wieder entlang der so benamsten Sand-Algarve. Riesige Lagunen, riesige Obstplantagen, kleine Städte, an denen die Touristenströme vorbeizogen. Ich stärkte mich kurz in Olhāo. Ein großer Fischereihafen. Viele Fischkonserven-Fabriken.

Einsames Bike in Olhāo

Die Ortschaften, die ich querte/längste: geprägt von alten Männern. Frauen sah ich seltener – und nie beschürzte Frauen wie auf meinen ersten Portugal-Reisen vor bald 30 Jahren.

Ganz zum Schluss erwischte mich noch ein heftiger Regenguss. (Drei Tage Regen waren prognostiziert). Ziemlich nass erreicht ich Tavira. Endstation für heute. Selbst im Trüben sah ich, dass es ein außerordentlich schöner Ort war. Ich hoffte darauf, dass morgen die Sonne mir ein paar fotografische Minuten schenken würde.