Meer Europa

Schlagwort Archiv: Tunnel

Tag 313 (12.07.2019) / Norwegen: Tysfjord -> Kobbelv

Strecke: 111 km  (09:45- 21:15 Uhr)

Rauf! Runter! Es war schon erstaunlich, wie viele Höhenmeter ich täglich auf dieser Tour abspulte. Allein auf dieser Tagesstrecke geschätzt 2.000 bis 2.500 Meter. Alpenpass!

Ständig sah ich Landschaften aus der Adlerperspektive. Panoramen, die ich vorher nie Norwegen zugeschrieben hätte. Eher dem Norden oder Westen der USA oder auch Kanada. So amerikanisch weit. So wild-west.

An jeder Tanke (die es nur selten gab) kaufte ich Trinkbares nach. So schnell konnte ich die Flüssigkeit gar nicht in mich hineinschütten, wie ich sie schon wieder herausgeschwitzt hatte.

Ich fluchte ständig, bis ich oben war und jaulte glücklich, wenn es wieder im Schuss nach unten ging. Mit meinem schweren Gepäck bekam ich einen ganz schönen Abwärtsschub. Heavy Rider.

Nur einmal jammerte ich. Als spätabends ein Schild mir verbot, weiter der Hauptstraße zu folgen. 4 lange Tunnel waren fürs Fahrrad gesperrt.

Ich musste sie umfahren. Und das am späten Abend.

Irrsinnig steil ging es hoch.

Ich bin kein Kletterer. Ich trainierte jetzt (schiebend) mehr meine Oberarm-Muskulatur als meine Oberschenkel. Nun bekomm ich auf dieser Tour auch noch Muckis.

Und wieder dieser Blick auf eine Landschaft, in der ich zwei Dinge nicht richtig zusammenbrachte: bäuerliches Idyll und wildes Meer.

Mit viel Dusel ein Hotel gefunden. Ich hatte mich schon darauf eingestellt, die Nacht durchzufahren. Mein Unterkunfts-Portal hatte mir angezeigt, dass es 1) kaum bis gar keine Betten auf meiner Strecke gibt und 2) alle schon ausgebucht waren. Müde und vom Schieben/Klettern ausgelaugt war ich gegen Viertel Neun in das seit vielen Stunden erste Gasthaus auf dem Weg gegangen, um mir ein Bier zu genehmigen und hatte nachgefragt, ob es vielleicht doch noch ein freies Zimmer gäbe. Und siehe: ja! Glück! Riesenglück! Mann!

Tag 306 (05.07.2019) / Norwegen: Repvåg -> Honningsvåg

Strecke: 66  km (10:15 – 17:45 Uhr)

Höllenlärm, dass einem fast die Ohren explodierten. Kalt, kalt kalt. Dazu völlig durchnässt von der Anstrengung. Ich hätte mir diese Tagestour nicht so schwer vorgestellt, zumal sie ja eigentlich eher kurz angelegt war. 66 Kilometer. Und der Tag hatte ohne Regen begonnen.

Nach einem Frühstück mit russischen Blinis und Rührei war ich ziemlich spät aufgebrochen.

Mein Gastort der letzten Nacht schien noch (obwohl bereits 10 Uhr) im Tiefschlaf.

Je weiter ich mich entfernte, um so schöner wurde Repvag.

Die Straße zunächst angenehm flach, windlos. Ich flog mehr als dass ich strampelte – oder beinahe.

Bei den ersten Steigungen wurde mir endgültig klar, dass etwas mit meiner Gangschaltung nicht stimmte. Der kleinste Gang tat überhaupt nicht mehr. Fatal fürs Berge fahren.

Und die Berge kamen nun.

Und vor allem die Tunnel. Ich hatte sie völlig unterschätzt. Der Nordkapptunnelen war 6870 Meter lang. Die Einfahrt geschätzt auf 100 Meter Meereshöhe. Ich schoss zunächst in die Tiefe, bis 212 Meter unter die Wasseroberfläche. But what comes down musst go up. Ab der Mitte des Tunnels musste ich in einer 10%igen Steigung wieder 300 Höhenmeter rauf. Schwer beladen. Und das ohne 1. Gang. Ich war nahe am Verzweifeln. Autos, die von vorn oder hinten kamen, kündigten sich mit einem Wahnsinnslärm an, den der dunkle Tunnel, der kahl und ohne jede Verkleidung war, wie ein Trichter ins Unermessliche verstärkte. Es tropfte von den Wänden und jeder Tropfen, der mich traf, rutschte widerstandslos durch meine eh schon nassgeschwitzte Kleidung. Ich hatte bald das Gefühl, mehr zu schwimmen als Fahrrad zu fahren.

Kaum raus aus dem Tunnel, kam der nächste. Nicht mehr so tief, aber seltsamerweise mit Steigungen (wieso muss man im Tunnel Hügel hinauf und wieder hinabfahren?).

Die Landschaft immer wilder, nordischer.

Die Dörfer wie hingemalt. Inzwischen regnete es stark.

Ein Frontal-Wind peitschte mir ins Gesicht. Ich war halb blind. Hatte Linsen an – und doch schlierte die Sicht. Ich bekam nichts mehr scharf.

Als ich in Honningsvag einfuhr, einer sicher schönen Hafenstadt (endlich Städtchen!), hatte ich keinen Blick mehr für Bilder und Fotos.

Ich suchte mir eine Bar, tauschte auf der Toilette meine Kleidung, bestellte mir (jetzt wieder trocken) ein Bier. Sortierte mich kurz: Was war wichtig?

Fahrradwerkstatt! Gab es keine.

Wein! Der staatliche Alkoholmonopolist schloss bereits um 5 Uhr – also gleich.

Also Bier geleert, raus aus der Bar, rein in die Weinhandlung und einen ordentlichen Roten gekauft. (Die Weinpreise sind völlig in Ordnung. Happig ist nur der Konsum von Alkohol in Kneipen. Eine Halbe (Bier): ab 9 Euro. Ein Glas Wein 0,16l ab 10 Euro.)

So gut ausgerüstet für die Nacht, fuhr ich die knapp 8 Kilometer weiter bis zum Nordkapp-Camping. Ich hatte für 2 Nächte ein Zimmer gebucht.

Tag 305 (04.07.2019) / Norwegen: Lakselv -> Repvåg

Strecke: 112  km (09:15 – 19:15Uhr)

Norwegian Rain. Ich “arbeitete” die angekündigten Regentage ab. Hielt stur an meinem Plan fest und steuerte das Nordkap an. Auch wenn das Rad unter der Belastung immer häufiger zickte (Gangschaltung und vorderes Radlager machen Probleme).

Ich ahnte, was man fotografisch aus den Motiven hätte herausholen können – mit ein bisschen Sonnenstrahl-Unterstützung.

So war alles grau-milchig. Und für mich – der ich zum ersten Mal das Nordmeer sah – dennoch faszinierend.

Keine Menschen vor den Häusern.

Unbesungen die Kirchen.

Straßen, die sich wie Lindwürmer durch eine karg gewordene Landschaft schlängelten.

Mal flach, küstenbegleitend, mal bergig und herausfordernd.

Mal durch lange eiskalte und dunkle Tunnel führend.

Mehr als einmal fragte ich mich, wie Menschen sich absichtlich so in die Einsamkeit zurückziehen können. Vor traumhafter Kulisse ja – aber was, wenn die Tage nur dunkel sind? Was tut man dann hier?

Wenn nicht einmal mehr die Bergriesen zu bestaunen sind?

Erschöpft in Repvag angekommen. Ein kleines Fischernest, noch ca. 85 Kilometer vom Nordkapp entfernt. Ich hatte überhaupt kein Gefühl für die Uhrzeit. Mein Handy war – regenbedingt – ausgefallen, hatte sich (wohl wegen Kondenswasser) urplötzlich entladen. Eine Armbanduhr besaß ich nicht. Ich fragte am Dorfeingang eine Frau nach der Zeit. Die Frau entschuldigte sich auf russisch, dass sie keine Uhr dabei habe. Ich wusste nicht, war es schon Nacht? Ich hatte das Gefühl sehr lange für die Fahrt hierher gebraucht zu haben.

Immerhin gab es in Repvag ein Hotel (das ich gestern vorgebucht hatte), dessen Tür aber verschlossen war. Ein handgeschriebenes Plakat erklärte, dass Hotel und Restaurant wegen “low season” noch zu sei. Nach langem Klopfen erschien eine junge Frau, schloss auf und bat mich rein. Ebenfalls eine Russin. Model-Figur, kluge Augen, strahlendes Lächeln, lautes herzliches Lachen. Erklärte, dass das Schild nichts bedeute, sie wollten im Moment nur keine unangemeldeten Gruppen von “Motorradfahrern” verköstigen. Nur Gäste, die angemeldet seien. Und ich hätte mich ja angemeldet.

Es war erst 19 Uhr (ich war also schneller geradelt, als ich gedacht hatte). Die junge Russin erklärte mir in schnörkellosem Englisch, wo ich mein Zimmer finden würde, bot mir ein Abendessen an (im Teigmantel zubereiteter Dorsch) und fragte mich nach meinen Wünschen für das Frühstück aus.

Eine Stunde später war ich geduscht und gut gelaunt zurück im Restaurant. Auf einem kurzen Spaziergang durch das kleine Dorf (ca. 10 bis 15 Häuser) hatte ich ausschließlich Autos (Geländewagen) mit russischen oder ukrainischen Kennzeichen gesehen.

Ich war einziger Gast im Restaurant (in den Unterkünften hatte ich ich einen weiteren deutschen Radler kurz gesprochen). Der Koch brutzelte fleißig an meinem vorbestellten Dorsch und ich hatte Zeit, mich mit der jungen Russin zu unterhalten.

Sie stammte aus Kaliningrad, studierte noch, war während der Ferienzeit hier in Repvag, um im Hotel und Restaurant ein wenig Geld zu verdienen.

Bereitwillig gab sie Auskunft, dass vor ca. 7 Jahren das Hotel von einem russischen Geschäftsmann gekauft worden war – und seither immer mehr Russen sich hier ansiedelten oder ihren Urlaub verbrachten. Vor allem um nach Königskrabben zu fischen – oder überhaupt, um zu fischen. Es gäbe mittlerweile sogar ein eigenes russisches Fischercamp hier. Sie selbst langweilte sich ein wenig in dieser menschenleeren Region und hatte Sehnsucht nach Kaliningrad, in dem es gerade sommerlich heiß sei – und nicht so nasskalt wie in Nordnorwegen.

Draußen blinzelte die Nacht-Sonne. Und beschien Klein-Russland in Norwegen.

Die Fischer nagelten ihre Jagd-Trophäen an die Außenwand.

Ist das skurril oder eine besondere Art von Humor?

Ich blieb lange im Restaurant als einziger (aber nicht stummer) Gast.

Tag 210 (28.09.2017) / Italien: Vernazza -> Castiglioncello

Strecke: 120 km (08:00 – 18:15 Uhr)

Die Strecke hoch wollte ich mir nicht noch mal zumuten.
Ich wusste, wie es sich anfühlt.
Es gab nur einen Weg zurück. Den gleichen, den ich runtergestürzt war.
Das hätte geheißen: 36 Kilogramm (Fahrrad und Gepäck) 2 Stunden hoch schieben. Der 1. Gang wäre völlig unnütz gewesen.
Genug der Verteidigungsrede.
Ich fühlte mich nicht stark genug, diesen verdammten Vernazza-Berg, den ich vorgestern mit fast versagenden Bremsen hinunter gerast war, wieder hochzustrampeln.
Also nahm ich um 7:09 Uhr den Lokalzug bis La Spezia.
20 Kilometer, 20 Minuten und viele Nerven gespart.
Reine Tunnel-Strecke. Nur an zwei Zwischenhalten kurz Tageslicht gesehen.

Danach: Zunächst wieder (kleine) Berge.

Schwarzwald mit Meer

Lerici. Beschauliches Küstenkaff. Die vielen Boote täuschen. Die Frühstücks-Terassen-Lokale leer. Bis auf mich.

Bodensee mit Platz

Danach: flach. Gottseidank. Ich fühlte mich schwach. Meine Beine radelten irgendwie vor sich hin.

Aus Steilküsten wurden Sandbänke.

Sylt, nur südlicher

Endlos weite Sandstrände. Pudersand.

Eindeutig Italien

Pisa ließ sich nicht umradeln. Meine Strecke – gen Süden – führte mittenmang.

Schief halt.

Durch Foto und Foto bekannt

Und Dutzende, Hunderte, Tausende fanden das lustig.

unseen before

Alle – ausnahmslos alle – wollten irgendwann mit ihren fotografischen Händen den Turm stützen.

Samy Molcho würde sich freuen

Oder gerade rücken.

must be english

Ich hielt mich nicht lange auf. Die Dörfer, Städtchen, die folgten: italienisch (klar – war ja auch hier).

portobello road auf italienisch

Will sagen: belebt, große Märkte, laut, wuselig.
Und immer wieder: gut ausgebaute und markierte Fahrradwege.

walk on the side way of life

Ich kann kein Italienisch, aber vielleicht stimmt’s: ti amo, Italia. Du bist so anders als ich fälschlicherweise gedacht habe.

no ride

Tag 204 (22.09.2017) / Frankreich: Menton -> Albenga

Strecke: 85 km (09:45 – 16:00 Uhr)

Fantastisches Frühstück auf meinen Zimmerbalkon geliefert bekommen. Irgendwas zwischen amerikanisch, kontinental und französisch.

Septemberfrühstück

Und noch ein Geschenk bekommen. Eine Freundin schickte mir in der Nacht ein Foto, passend zu meiner gestrigen Erinnerung. 2 Siebzehnjährige in Menton. Rucksack, Gitarre, Schlacks.

2 Schlackse

Dann ab aufs Rad. Bald Italien erreicht. Schöne Küstenstrecke. Nicht allzu schwer.

blau gebogen

Manchmal mit gut ausgebauten Fahrradstrecken. Auf ehemaligen Bahntrassen.

schwarz gebogen

Immer wieder lange Tunnel, in denen völlige Stille auf mich drückte. Nur mein Inneres war zu hören: das Gedankenrauschen, Herzwimmern, Seelenrascheln. Ab und zu fiel ein Tropfen Wasser krachend zu Boden und ich erschrak mich. Bin nicht für Stille geboren.

Schmucke Dörfer reihten sich aneinander.

graubraun gebogen

Nur im steilen Fels war nichts verbaut.

rosa ?

Immer wieder hübsche kleine Altstadtkerne.

Herbstobst

Die ligurischen Farben: sattes Rot, fahles Ocker.

herbstrot

Wie in Santo Stefano al mare.

fischgrün

Einladende Cafés und Bars.

Nachmittagswein

Recht früh Albenga erreicht. Bezaubernde kleine mittelalterliche Altstadt.

Abend-Mittelalter

Unterkunft: B&B La Casa di Meme. Altstadt. Nette Wohnung. Vermieter war ein wenig kompliziert zu erreichen. Aber sehr sympathisch. (65 Euro mit Frühstück.) Fahrrad in Treppengang abgestellt. Frühstück gibt’s in nahegelegener Bar. Dort muss ich auch Schlüssel abgeben.

Tag 199 (25.04.2017) / Frankreich: Le Lavandou -> Fréjus

Strecke: 69 km (10:00 – 16:15 Uhr)

Ich ließ es “ausrollen”. Diese Tour neigte sich dem Ende zu. Die Tagesetappen wurden kürzer und ich immer langsamer.

Zerhügelt

Oft konnte ich auf eigenen Fahrradstrecken der Küste folgen.

Zerzaust

Manche Routen führten sogar durch Tunnel. Vermutlich stillgelegte Zugstrecken.

Linksgedreht

Ich freute mich darauf, heute Saint-Tropez anzuschauen. Je näher ich dem Hotspot kam, umso höher die Dichte der Cabrios auf den Straßen. Jeder wollte mit heruntergelassenem Visier kenntlich in Saint-Tropez einfahren. Jaguare, Peugeot-Löwen, Tank-Tiger, Ferrari-Pferde, sogar einige aufgehübschte Käfer: Auf freier Wildbahn hatte ich noch nie so viel Fauna gesehen wie auf der Einfallstraße in das Hafenstädtchen. Die halbe Tierwelt und viel menschliche Halbwelt hatten sich gemeinsam aufgemacht.
Aber welch eine Enttäuschung Saint-Tropez selbst. Statt Gunter Sachs: Neckermänner. Statt Brigitte Bardot: Naddels. Statt Sternelokale: Moules-Frites-Buden.

Zum ersten Mal in Frankreich bekam ich mittags einen fast nicht trinkbaren Weißweinfusel vorgesetzt. Tetrapack statt Grand Cru.

Ich ließ meinen zuvor angespitzten Fotoapparat unangetastet in der Satteltasche. Und zog davon.

Nach Fréjus war es nicht mehr weit.

Spitz

Ein unaufgeregtes, sympathisches Städtchen.

Breit
Grün
Orange

Unterkunft: Hotel “Atoll”, Hafennähe. Einfach und gut. 50 Euro (ohne Frühstück). Fahrrad in geschütztem Hof abgestellt.

Tag 119 (09.04.2016) / Italien: Peschici – Monte Sant’ Angelo

Strecke: 80 km (09:15 – 19:30)

Unterkunft in Monte Sant’ Angelo: “Hotel Michael”. Altstadt. Genau gegenüber der Grottenkirche. Klasse Haus. Sehr gemütlich eingerichtet. Sehr liebevoll geführt. Wunderschöne Frühstückstrasse auf dem Dach! (55 Euro mit fantastischem Frühstück.) Fahrrad in Hotelflur abgestellt.

T0119-I-Peschici-Monte Sant' Angelo

Der anstrengendste Tag bisher. Ich ließ mich von der Sonne treiben. Ja! Sie war da – ab und zu. Ich heftete mich an ihre Fersen und fuhr bergauf bergab, um sie nicht zu verlieren. Und es ging immer rauf und runter!

Der Gargano ist wild und rau! Etwas für geübte Beine.

Rauf auf die Bergspitze, runter ins Tal. Zum nächsten Städtchen: Vieste. In Reiseführern viel gepriesen.

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Sich selbst ein Denkmal

Mir hatte aber Peschici deutlich besser gefallen. Auch wenn der Strand von Vieste ein herrlicher Sommerstrand war.

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Der Strand zur Stadt

Dann wieder hoch. In dichter Folge versprachen kleine und größere Buchten Urlaubsglück.

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Noch ohne Klippenspringer

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eingerahmt

Schöner und schöner!

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Ein (fast) unsichtbarer Pool auf den Klippen

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Privatbucht, herausvergrößert

Illegalerweise dann eine Abkürzung genommen. Obwohl ausdrücklich von dicken Schildern verboten, fuhr ich durch vier aufeinanderfolgende Kilometer lange Auto-Tunnels. Polizei war nicht zu sehen. Der Verkehr eh samstäglich dünn. Ohne diese Schonung hätten meine Beine den letzten Aufstieg nicht geschafft.
Der hatte es in sich.

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Olivental

Durch Olivenhaine und -terrassen schlängelte sich über 3 Stunden der Weg von Serpentine zu Serpentine auf fast 800 Meter Höhe.

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I ride a bicycle

Ich hatte weiche Knie. Mehrmals stieg ich ab und japste.
Im letzten Abendlicht dann den Monte Sant’Angelo vor Augen.
Ein Dorf mit einem der wichtigsten Heiligtümer der Italiener: Der Grotte, in die sich Erzengel Michael im 5 Jh. zurückgezogen haben soll.

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heiliger Ort

Wunderliches Land Italien:

Engel, die die Backsteinhütte der Gottesmutter Maria aus Nazareth komplett einpacken und in die Berge nach Loreto tragen. (Wissenschaftler sagen, es waren christliche Plünderer und Kreuzritter.)
Der Erzengel Michael, der sich im 5. Jahrhundert in einer Grotte am Monte Sant’ Angelo niederlässt. (Wissenschaftler haben dort noch keinen Erzengel ausgemacht.)
Padre Pio, dessen Wirkungsstätte in Apulien zum wichtigsten Wallfahrtsort der Süditaliener geworden ist. (Wissenschaftler sagen, es handle sich um einen Betrüger, der sich die Wundmale (Christi) an Händen, Füßen und Brust selbst beigebracht habe. Heiliggesprochen wurde er dennoch.)

Wundersames Italien: Fand in der Nacht eine kleine Trattoria, die exquisit eingerichtet war, in der ich aber allein blieb.
Der Wirt/Koch versprach mir das beste Menü, das ich bisher gegessen hätte. Er hatte müde kleingeschlitzte Augen, war aber hellwach, fast überdreht.
Erst wollte er wissen, wie ich zu ihm gefunden hätte.
Zufall.
Dann schimpfte er über die Reiseführer, die ihn immer noch nicht richtig würdigen würden, ihn den besten Koch des Ortes.
Nach dem ersten Gang war er bereits der beste Koch der Region.
Er groß mir von einem köstlichen Wein (Nero di Troia) ein.
Er verwöhnte mich mit “Orecchiete con cime di rape” und mit ausgesprochen guten Ochsenbäckchen.
Am Schluß der Schlacht waren seine Augen noch kleiner (und leicht blutunterlaufen) und seine Zunge immer noch schneller. Inzwischen war er zum besten Koch überhaupt aufgestiegen und feierte dies mit mir mit einem weiteren guten Glas Rotwein.

Tag 30 (16.03.2015) / Kroatien: Izola -> Poreč

Strecke: 54 km (10:30 – 15:30)

Hotel Mauro in der Altstadt. Sehr stimmungsvoll und mit fürsorglichem Personal. Hatte Einzelzimmer verlangt, bekam – da das Hotel leer war – ein kostenloses Upgrade. Großes Zweibettzimmer. Riesenbad.
(52 Euro mit Frühstück). Fahrrad in Nebengebäude untergestellt.

Strecke 0030- Kroatien-Izola-Porec

Dauerregen den ganzen Tag. Meine Regenkleidung hielt dicht, ich schwitzte allerdings dermaßen, dass die Funktionskleidung nicht mehr nachkam das viele Wasser nach draußen zu osmieren. Ich war schnell völlig nass.

Es wurde jetzt fast bergig. Ich war noch nicht richtig eingefahren und die langen und steilen Aufstiege taten weh.

Rainboy

Rainboy

Manchmal gab es eigene Radwege. Einer folgte einer alten aufgelassenen Eisenbahnlinie und führte durch einen 500m langen Tunnel.

Durchblick

Durchblick

Alle Ausblicke auf die Küste wetterversaut.

Izola diesig

Izola diesig

Nach zwei Stunden die kroatische Grenze passiert. Pass vorgezeigt. Lachende Zöllnerin winkte mich durch.
“Good to be in Europe” rief ich ihr zu.

In Kroatien erstmal nicht der Küste entlang, sondern durchs gebirgige Innere.
Schöne Dörfer.
Aber auch sie heute wetterversaut. So wie Buje, dessen Kirche einst aus antiken römischen Gesteinsblöcken gebaut wurde.

Buje diesig

Buje diesig

Buje den ganzen Tag diesig

Buje den ganzen Tag diesig

Früh am Tag Poreč erreicht. Eine der touristischen Hochburgen Istriens. Menschenleer.
Ich war der einzige Gast im Hotel.
Am Abend der einzige Kunde im Restaurant.
Danach der einzige Spaziergänger in der nächtlichen Altstadt.
Der einzige Sucher nach einem offen Weinlokal (vergebens).
Der Einzige, der laut fluchend durch die nasskalten, engen und dunklen Gassen lief.

Bin ich etwa einzigartig?