Meer Europa

Schlagwort Archiv: Vogel

Tag 184 (10.04.2017) / Spanien: Cartagena -> Alicante

Strecke: 105 km (09:45 – 18:15 Uhr)

Seit langer Zeit zum ersten Mal wieder ziemlich flaches Gelände. Und quasi am einzigen Hügel haben sie mich erneut erwischt.
Zum dritten Mal wurde ich von der Polizei verwarnt. Ich solle meinen Schutzhelm aufziehen. Das sei in Spanien außerhalb geschlossener Ortschaften Pflicht.

Höchststrafe 100 Euro oder Genickbruch.
Ich musste dieses Ding also aufziehen.

Ertappt

Zumindest solange die Motorradstreife in der Nähe sein konnte.

Sonst überhaupt nichts los auf der Strecke.
Völlig zugebaut.

Endlose Häuserzeilen.

Ganz selten mal ein bisschen dass Gefühl: Hier ist es lebenswert.

Kalt ist nur der Tod

Die Einheimischen hatten es sich bequem gemacht.

Die Wasservögel in den Salinen kurz vor Alicante auch.

Am Abend in Alicante eingefahren – mit Wind in der kurzen Mähne.

Alicante eine aufregende Stadt. Viel los. Natürlich auch wegen de Semana Santa. In der Dunkelheit: Prozession nach Prozession. Warmlaufen für die großen Tage, die noch kommen.

Unterkunft in Alicante: Hotel “Mendes Nuñez”. Zentral in Altstadt. Sehr freundlicher Empfang. Hilfsbereit. Zimmer okay. Fahrrad in Keller gestellt.

Tag 176 (02.04.2017) / Spanien: Ronda -> Rincón de la Victoria

Strecke: 124 km (10:00 – 20:00)

Welche Fahr-Freude, welcher Genuss, welch Vertrauen in mein Stahlross.
2 Stunden Abfahrt. Runter von den Bergen. 55 Kilometer in 120 Minuten. Im Schuss – ohne das geringste Gewackele des Vorderrads. 900 Höhenmeter.
Diesmal machte ICH Wind.
Ich sang LAUTER als jeder Vogel am Wegesrand.

Jemand schob Landschafts-Kulissen an mir vorbei.

Berg, Teich, Tal
Berg, Dorf, Olivenhain

Flach war das Flache anschließend dann doch nicht. Ich kam gleichwohl zügig nach Malaga.
Faszinierende Stadt.

Gekonnt

Der Hafen zum Schlendern herausgeputzt und sonntagsvoll.

Gefüllt

Das Meer gleich nach der Stadt schöner als gedacht.

Gekrümmt

Wenn auch das Ufer extrem zersiedelt war. Jeder, der es sich leisten konnte, klotzte eine Villa in den Hang.

Berg, Wald, Villen

Die letzten 10 Kilometer taten noch einmal weh. Es ging immer wieder steil hoch und dann wieder im Sturzflug runter.

Schließlich in “Rincón de la Victoria” Halt gemacht. Kurz vor Sonnenuntergang.

Meer, Sand, Rettungsturm

Unterkunft: “Rincón Sol”. Bettenburg. Aber Rezeptionisten haben mir sympathisch geholfen. Fahrrad in (noch nicht geöffneter) Diskothek untergebracht. 52 Euro mit Frühstück.

Tag 170 (27.03.2017) / Spanien: Sevilla -> Las Cabezas de San Juan

Strecke: 65 km (09:30 – 20:30 Uhr)

Hätt’ ich’s vorher gewußt, hätt’ ich eine andere Strecke gewählt.
Hätte, hätte ….
Ich hätte gewarnt sein können. Blind folgte ich meiner Strecken-App, die mir die ideale Fahrradroute nach Sanlúcar de Barrameda anzeigte. Immer dem östlichen Ufer des Guadalquivir und seinen Altarmen entlang. Schon relativ schnell wurde aus einer befahrbaren Sandpiste ein Schlammbett.

Schlammschlacht

Ich dachte, dass sich das wieder ändern würde, und fuhr fröhlich hinein in den Schlammassel.

Der Lehmboden klebte wie Kaugummi an allem. Setzte sich in Nullkommanix zwischen Reifen und Schutzblech fest und blockierte mir Vorder- und Hinterrad.

Ausgebremst

Ich saß fest. Zurück ging nichts mehr – ich war schon zu weit. Vorwärts ging auch nichts mehr.
Jeder Schritt wurde zur Qual. Der Boden saugte sich an meinen Sohlen fest. Ich hatte Klumpfüße. Beidseitig.

Anhänglich

Und zu allem Übel: Der Vorderreifen machte schlapp. Irgendwo hatte er sich wohl einen Dorn eingefahren.

Dabei war die Landschaft, die ich durchfuhr, unglaublich schön. Hätte ich Muse gehabt, ich hätte die schönsten Vogelfotos schießen können. Ich befand mich am Rande des Doñana Nationalparks und es gurrte, sang, zwitscherte und gackerte symphonisch in Dolby-Surround-Qualität.

Idyllisch

Mehrfach sattelte ich alles ab, befreite die Reifen von Schlamm. Und dann: SCHOB ICH! 4 Stunden! Mein Weg hatte einen leichten Gras- und Blumenbewuchs am Rand. Meine Rettung! Hier sanken weder ich noch mein Fahrrad ein. Ich schob die 50 Kilo durchs Gebüsch. Bis zur Erschöpfung.

Sumpfkanal

Irgendwann kam eine mit Schotter befestigte Piste. Meine zweite Rettung!

Straßenschafe

Ich suchte den Weg zum nächsten Dorf, an einer asphaltierten Straße. Pumpte alle 5 Minuten mein schlapp machendes Vorderrad auf.

Im Winz-Dorf gab es wenigstens eine Bar. Ich machte mich breit …

Meine Werkstatt

… tauschte den Schlauch des Vorderrads aus. Checkte mit dem Handy, wo es die nächste Unterkunft gab. Und fuhr noch einmal 18 Kilometer weiter. Mit einem kleinen Boxenstopp.

Letzte Stärkung

Kurz vor Sonnenuntergang in Las Cabezas de San Juan eingetroffen. Völlig entkräftet. Eher langweiliges Kaff, mit ein paar Bars.


Unterkunft: “Hostal Las Cabezas”. Riesen Apartment, das ich gar nicht nutzen konnte. 43 Euro ohne Frühstück. Das Fahrrad an der Rezeption abgestellt.

Tag 61 (16.04.2015) / Griechenland: Patras > Pyrgos

Strecke: 106 km. (10:00 – 18:15)

Schöne Küstenfahrt von Patras nach Westen. Immer wieder Tavernendörfer. Sehen vielversprechend aus. Sind wohl Wochenendziele für hungrige Athener.

Coast line

Schatten gibt es auch.

Single tree line

Und jede Menge Badewannen.

Boat line

Anschließend ging es mehr ins Landesinnere. Meist ca 5 -10 km von der Küste entfernt. Das Land total platt. Sah auch nicht anders aus als Niedersachsen. Wären am Horizont nicht immer diese hohen kargen Berge. Dem Horizont näherte ich mich aber nicht.

Fruchtbare Erde. Kilometerlang nichts anderes als Erdbeerfelder.

Strawberry fields for ever

Die Saison hat begonnen. Europa wird von hier aus mit Süßstoff versorgt.

Noch ist die Sonne nicht so heiß, dass es unerträglich wäre. Zudem wehte ein manchmal sehr böiger und dann auch frischer Wind.

Strawberry line

Frühkartoffeln werden auch bereits geerntet.

Worker & migrants line

Der Frühling hat endlich(!) mit voller Macht Einzug gehalten.
Der Wegrand mit Klatschmohn gesäumt.

Klatsch!

Schönes Bild. Könnte jetzt sagen: Habe das mit Absicht gemacht. Tatsächlich wollte ich aber testen,
ob meine Kamera bei extrem böigen Wind eine Klatschmohnblüte scharf bekommt.
Sie hat es nicht geschafft.
Sie hat den Gouache-Filter genommen und drauflos gemalt.

Farbtemperatur geändert

Ich war in einem guten Trott. Das Flachlandstrampeln fiel mir leicht.
Manchmal versuchte ich, die Flugschatten, die vor mir über den Asphalt wischten, den entsprechenden Vögeln zuzuordnen: Möwe, Taube, Greif, Krähe, Elster oder Singvogel.
Ich lag beinahe zu 100 Prozent daneben.

Auch so vergeht ein Tag.

Ab und zu Winzdörfer.

Aber kein Ort ohne Kirche, ob alt,

Church line

ob neu.

Auch church line

Auch in Griechenland ist das gesellschaftliche Zentrum dort, wo das Gotteshaus steht. Drumherum gibt es die Kneipen.

Ich stärkte mich in einem Café. Mir gegenüber 3 junge schon ziemlich angeschickerte Frauen.

Girl line

Sie hießen die Bedienung, mir ein Glas Wein zu bringen. Danach wollten sie ein wenig mit mir reden.
Ihr Englisch kaum zu verstehen.
Was sie gerade feierten, habe ich nicht herausbekommen.
Die eine kam aus Albanien und war Babysitterin in einer griechischen Familie. Die beiden Freundinnen arbeiteten als Kellnerinnen in anderen Tavernen.
Sie wollten von mir wissen, ob
a) es in Deutschland teuer sei?
b) es Partys gebe?
c) ob ich Merkel gut fände?
d) und ob mir Varoufakis gefiele?
Der hatte es ihnen angetan. “Cool” war das am häufigsten gebrauchte Adjektiv.

Ich verabschiedete mich und machte mich auf den Weg zu meinem Ziel: Pyrgos. Ein Geschäftsstädtchen, das mit seinen Hochhauswüsten so furchtbar daherkam wie viele griechische Städtchen.

Skyscraper line

Das aber einen sehr belebten Kern hatte.
In dem es nicht nur Fleischer gab,

Lamb line

sondern eine Menge “cooler” Bars.

Unterkunft in Pyrgos: Hotel Olympos im Zentrum. (Geschäftshotel. Ohne Charakter. Freundlicher Portier.) 40 Euro ohne Frühstück. Fahrrad im Keller untergebracht.