Meer Europa

Schlagwort Archiv: Wald

Tag 312 (11.07.2019) / Norwegen: Gratangen -> Tysfjord

Strecke: 126 km  (09:30 – 21:45 Uhr)

Kurzer Aufwachblick aus dem Fenster: Der Fjord war noch da.

Nach dem Frühstück ging ich zur Küche. Ich wollte mich vom Koch verabschieden, mit dem ich mich gestern bis spät in die Nacht verquasselt hatte, und mich für seine Gastfreundschaft bedanken. Er kam mir zuvor, drückte mir lange die Hand und sagte, ich hätte ihm gestern viel positive Energie gegeben. Es sei an ihm zu danken.

Ich war perplex und fuhr demütig in den neuen Tag hinein.

Er begann mit Zauberbildern.

Ich jagte die noch fast autofreie Straße runter zum Fjord.

Querte danach Täler, Brücken …

… übte den Vogelblick,

… erreichte gegen Mittag die (unansehnliche) Stadt Narvik. Orientierte mich.

Stärkte mich mit einem Beef-Wrap und einem kühlen Blonden.

Und hoppte bald per Brückenhub auf die nächste Halb-Insel.

Auch hier zeigte mir die Vogelperspektive, welch irrsinnig schöne, zerklüftete Welten die Eiszeitgletscher auf ihrem Rückzug nach Norden hinterlassen hatten. Wahre Erdkünstler.

Plötzlich tauchten am Wegrand drei junge Wanderinnen auf.

Ich hatte auf meiner Skandinavien-Umrundung schon ziemlich viel gesehen:

  • Einen Italiener mit roten Rastalocken, der mit dem Rennrad von Rom ans Nordkapp unterwegs war. (Er behauptete, jeden Tag 200 Kilometer zu fahren. Er hatte fast kein Gepäck dabei und schlief meist im Wald. Mir war rätselhaft, von was er sich ernährte, woher er das Trinkwasser besorgte.)
  • Ein Paar, das auf Tretrollern über die Straßen huschte, das schwere Gepäck auf den Rücken geschnallt.
  • Eine Ehepaar, das mit überdachten Fahrrad-Anhängern ihre beiden laut jammernden Bälge durch die Landschaft nach Norden zog.

Aber drei junge Frauen mit Lastenhund?

Wir grüßten uns fröhlich. Hallo, woher kommst Du, wohin geht Ihr? Der aufrichtig freundliche und froh stimmende Wanderer-Small Talk. Und tschüss. Ich wünsch Dir viel Glück. Passt auf Euch auf.

Ich musste wenig später Berge überwinden, um an mein Ziel zu kommen.

Kurz vor 9 erreichte ich schließlich den Fährhafen Skarberget. Dort endete die Hauptstraße (E6) Richtung Süden. Autos mussten über das Meer geschafft werden (so spät waren nur noch wenige unterwegs). Fußgänger und Fahrradfahrer (ich war der einzige) durften umsonst die halbstündige Überfahrt genießen.

Am Horizont glitzerte, wie eine mattkühl angestrahlte Wand, die Traumlandschaft der Lofoten. Auf dieser Reise würde ich sie nicht sehen.

Kurz vor 22 Uhr kam ich an dem mittags bereits vorgebuchten Hotel an. Das Restaurant war schon lange geschlossen, die Bar aber noch offen.

Tag 304 (03.07.2019) / Norwegen: Karigasniemi -> Lakselv

Strecke: 93 km (09:00 – 18:30 Uhr)

 

Da ich von den absurd hohen Preisen in Norwegen für Wein, Bier & Co. gelesen hatte, hatte ich mir am Vorabend in Karigasniemi schnell noch im staatlichen Alko-Shop 2 Flaschen französischen Rotwein und 2 Dosen finnisches Bier besorgt und bin am Morgen schließlich schwer beladen über die Grenze. (Dort wurden Grenzgänger tatsächlich stichprobenartig nach Alkohol durchsucht.)

Es ging gleich ordentlich rauf und runter – und ich musste für meinen Weintransport ordentlich büßen. Die Finnmark (so heißt die Region in Norwegen, die ich durchfuhr) war fast noch einsamer als die letzte Strecke in Finnland. Auf fast 40 Kilometern sah ich kein einziges Haus, keine Einsiedelei, nichts. Aber trotz starkem Regen konnte ich erkennen, dass ich durch ein Waldparadies fuhr. Irrsinnig schön.

Im Paradies gibt es aber immer auch einen Vorplatz für die Hölle. Die brachte die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Ein Erinnerungspfad (den ich wegen des Starkregens nicht beging) legte mitten in der Wildnis Zeugnis davon ab.

Etwa auf halber Strecke zickte mein Fahrrad. Irgendetwas lief unrund. Ich fixierte Hinter- und Vorderrad neu. Aber das Vorderrad schleifte immer wieder an den Bremsbelägen. Es schien, als hätten die hydraulischen Bremsen auch Öl verloren. Sie griffen nicht mehr hart genug.

Trotzdem kam ich einigermaßen sicher in Lakselv an. Ein sehr funktionaler Ort. Schon bei der Runterfahrt sah ich im Hintergrund den Fjord: Das Nordmeer lag grau unter den dunklen Wolken.

Tag 303 (02.07.2019) / Finnland: Inari -> Karigasniemi

Strecke: 100 km (09:00 – 17:45 Uhr)

Es ging früh zügig hoch. Und genau so früh war Grau-Grün die bestimmende Tagesfarbe.

Nur zu Beginn mit ein paar Sonnenstrahlen aufgehellt, die riesige Steinbrocken im Wald ausleuchteten.

Abbiege links: und noch 343 Kilometer bis zum Nordkap.

Die Straße Richtung Norwegen schmal und sehr wellig – manchmal richtig bergig. Sie führte bis auf 350 Meter hoch, stürzte dann ein wenig ab, um gleich wieder Höhe zu gewinnen. Nicht das, was sich ein Fahrradfahrer wünscht, will er schnell vorankommen. Anyway.

Einmal hielt mich eine ältere Dame an. Sie hatte mich mit ihrem Auto überholt, stoppte und winkte mich zu sich. In ruhigen Sätzen erklärte sie mir auf Englisch, dass einer Bekannten hier in der Gegend ihr junger Husky ausgebüchst sei. Wahrscheinlich folge er Rentieren oder Elchen. Sie bat mich, unterwegs aufmerksam zu schauen, ob ich den Hund vielleicht sichten könnte. Dann sollte ich dringend die Bekannte anrufen und ihr den genauen Ort schildern. Ein Fahrradfahrer – sagte die Dame – sehe mehr als ein Autofahrer. Sie bat mich von ihrem Handy einen Post der Bekannten abzufotografieren, samt Telefonnummer.

Ich versprach, sollte ich den Husky sehen, mich umgehend zu melden.

Ich passte wirklich auf, pfiff auf meiner Weiterfahrt manchmal laut, um den Hund zu locken. Aber mein Pfeiffen bewirkte nur, dass die Wolken sich zürnend entluden und mich den ganzen Rest des Weges bis an die norwegische Grenze mit Regen zuschütteten. Vom Hund habe ich nichts gesehen.

In Karigasniemi, dem letzten Ort vor der norwegischen Grenze, nahm ich Abschied von einem Land, das ich lieben gelernt hatte. 1.700 Kilometer lang.

Tag 296 (25.06.2019) / Finnland: Raahe -> Oulo

Strecke: 76 km (11:15 – 18:00 Uhr)

Lag ich falsch oder veränderte sich nun merklich die Landschaft? Immer noch Wald, Wald, Wald. Aber die Waldsäume wurden karger. Kaum noch Lupinen. Nicht mehr so üppig wie im Süden.

Ich hatte einen Bummel-Tag eingelegt. Hatte Oulu angesteuert. Eine Großstadt an der Ostsee, die sich als Provinz verkleidet. Sympathische Provinz. Volle Biergärten. Viel Jugend.

Und … ein bisschen mondän – konnte die Stadt auch.

Tag 291 (20.06.2019) / Finnland: Uusikaupunki -> Pori

Strecke: 86 km (09:00 – 16:15 Uhr)

 

Mit großer Vorfreude radelte ich zunächst nach Pyhäranta. Laut Reiseführer sollte sich dort eine uralte hölzerne Opferkirche befinden – mit sensationeller Innenbemalung. Ich fand das Kleinod nicht, nur einen Steinkoloss, düster über der Ostsee thronend.

Die Innenausstattung protestantisch nüchtern.

Ich zweifelte an mir, bis ich merkte, dass ich den Namen falsch gelesen hatte. Die Opferkirche befand sich in Pyhämaa. Etwa 20 Kilometer entfernt von hier. Wieder einmal hatten mich diese (ähnlich klingenden) finnischen Namen ausgetrickst.

Ich strampelte weiter der Ostseeküste entlang, bekam das Meer aber nur sehr selten zu sehen. Meist blockte Wald die freie Sicht. Ich fuhr ein zwei Stichstraßen zum Wasser. Finnische Idylle pur. In jedem Winkel eine Holzhütte.

Vor jeder Hütte ein Anlegesteg für kleine Boote.

Mittlerweile war das Gelände flach – mit nur kleinen Wellen. Ich kam zügig voran. Oft begleitet von herrlich blühenden Wegrändern, meist Lupinen, die Birken- und Nadelwälder einsäumten.

Schließlich einen längeren Spaziergang in Rauma gemacht. Ein UNESCO- Weltkulturerbe-Städtchen.

Mit einem bestens erhaltenen Stadtkern aus Holz.

Schön und überraschend schön leer.

Am Nachmittag dann noch kurz in Schwierigkeiten gekommen. Die Pisten durch den Wald waren extrem grobschotterig. Ich fuhr fast wie auf Treibsand, sank ein. Musste heftig in die Pedale.

Querte eine Hängebrücke.

Und landete bald wieder auf geteerter Landstraße, die durch typische, friedlich schlummernde finnische Dörfer führte.

Pori, eine Industriestadt mit 80.000 Menschen, in der ich am Abend Unterkunft fand, verströmte Beton-Charme. Zum ersten Mal sah ich in dem wohlhabenden skandinavischen Land offene Armut und Gruppen von ziemlich abgerissen gekleideten Menschen.

Tag 208 (26.09.2017) / Italien: Santa Margherita Ligure -> Vernazza

Strecke: 87 km (08:45 – 17:00 Uhr)

Entgegen meiner Gewohnheit hatte ich alle Unterkünfte der ersten 5 bis 6 Tage schon vorher gebucht. Im Internet hatte ich gesehen, dass so gut wie alle Hotels – obwohl Nebensaison – nicht verfügbar waren. Also buchte ich Privatunterkünfte. B&B oder Airbnb – was auch immer. Der Nachteil: Ich musste mich auf die Empfangszeiten der Anbieter einstellen. Manchmal konnte ich erst ab 19 Uhr ins Zimmer, manchmal nur davor. Das verkomplizierte meine Reise ungemein. Diesmal hatte der Vermieter geschrieben, dass er Gäste nur zwischen 14 und 16 Uhr empfangen würde. Ich hatte aber keine Ahnung, wie lange meine Tour dauern würde. Ich kündigte per mail an, vermutlich erst gegen 17 Uhr oder ein wenig später einzutreffen – und erntete immerhin keinen Widerspruch. Aber es trieb mich unnötig an.

Und es wurde ein langer, kräftezehrender Trip.

Sehr schnell ging es rauf. Steil.

Natur und Konstruktion

Oben lichtete sich schon der Wald.

Saumwald

Zwei dreimal war ich nah dran, vor Erschöpfung meinen Drahtesel die Böschung runter zu werfen.
Zwei dreimal musste ich kraftlos schieben. Zu steil.
Hoch ging’s und immer höher.

Ruherad

Dann wieder runter.

eingebeult

Dann wieder hoch.

eingeschwärzt

Ich fuhr nach Cinque Terre.
5 Terre – schrieben sie auf Schildern.

Doppelthron

Schön ist gar kein Ausdruck.

Meerwacht

Die serpentinische Abfahrt nach Vernazza kostete mich Nerven, manchmal roch ich, wie das Bremsgummi schmurgelte. Alles war heißgelaufen, mein Fahrrad, mein Gesicht, alles hyperventilierte, meine Bremsen, ich.
Und dann: Unten!
Mannomann. Welch schöne Welt.

über-welt-igend

Ich setzte mich am Hafen fest.

abgeblättert

Guckte links, guckte rechts.

angestrahlt

Bewegte mich keinen Millimeter mehr.

ain’t no sundown without sundowner

Und genoss andächtig den ligurischen Abendwein.

Unterkunft: “A Cà Da Nonna”. Privatunterkunft Altstadt. Schön gelegen. Ruhig. Steile Treppe hoch zum Apartment. Fahrrad grad so durch die enge Treppe hoch bekommen. In Zimmer geparkt. Überteuert, wie alles in Vernazza.

Tag 168 (25.3.2017) / Portugal: Tavira -> Huelva (Spanien)

Strecke: 73 km (09:30 – 17:30 Uhr)

Plus eine Fährstrecke Portugal-Spanien über den Grenzfluss.

Grenzenlos schön! Tavira. Wenige Kilometer von der Grenze zu Spanien entfernt.

Charmant

Die Wettergöttin hatte mein Flehen als hinreichend devot akzeptiert und mir eine halbe Stunde Sonnenschein geschenkt.

Viertel nach Sieben durch das Städtchen gehechtet und fotografiert. Die Uhr lief.

Hellwach
Schön

Hinreißend schön.

Bei der Stadtausfahrt eine mobile Roma-Famile überholt.

Gemütlich

Nach der halben Stunde: wieder Regen! Bis zur Grenze.
Konnte mich grad so auf die Fähre retten. Klatschnass.

Länderhopping

Irre, dass es erst ein paar Jahre her ist, dass hier zwischen Portugal und Spanien ein einigermassen einfacher “Transit” stattfindet. Beide mögen sich offenbar nicht wirklich. Offene und leicht passierbare Grenzen sehen anders aus.

Auf der anderen, der spanischen Seite, lockte die Sonne.

Bienvenido!

Aber nur kurz. Noch wusste ich nicht, welchen Wetterteufel ich in Spanien umschmeicheln musste. Ich fuhr viel durch Wald und Sumpf.

SandSumpfWeg

Und der Regen kam immer wieder.

Ich fuhr ziemlich versaut in Huelva rein.

Unterkunft: Hotel “Costa de la luz” in der Altstadt. Eher billige Absteige. Aber sehr freundlicher Service. (Fahrrad in Abstellraum gestellt.) 28 Euro ohne Frühstück.

Tag 163 (20.03.2017) / Portugal: Alcácer do Sal -> Vila Nova de Milfontes

Strecke: 91 km (09:00 – 18:00 Uhr)

Befremdliche Angewohnheit vieler Touristenhotels, das Frühstück erst ab 8 Uhr oder noch später zu servieren. Ich wäre gerne früher gestartet, kam aber so erst ab 9 Uhr in die Gänge.
Und dann: gleich ab in die Hügel der “Serra de Grândola” – irgendwas um 330 m hoch.
Auch wenn’s wenig klingt: Ich kam früh ins Schnaufen.

Der Hirndarm lässt sich nur über völlige körperliche Verausgabung entleeren. Darum geht’s bei jedem Etappenstart. Körper gegen widerspenstigen Geist. Ich kannte das bereits. Es tut auf den ersten Kilometern immer weh.

Schöne weißblaue (und leere) Dörfer unterwegs.

Gewinkelt

Meist aber: viel Wald (Korkeichen) und nur wenige Siedlungen. Ab und zu eine stillgelegte Windmühle.

Kulisse 1

Obwohl kaum Verkehr, bekam ich relativ rasch eine Straßenallergie. Ich suchte Wald- und Wiesenwege, wo immer es auch ging.

Ginster? Forsythie? Gelbblume?

Nach ein paar Stunden die Küste erreicht. Auch dort: gelbe Blumenpracht.

Vordergrund schlägt Hintergrund

Ab jetzt nur noch nach Worten gesucht für die atemberaubende Wasser-Berg-Landschaft.

Robinson Crusoe Strand!
Da hat kein Mensch was verloren - Strand!
Stairways to beach - Strand!

Die Postkartenklippen trieben mich immer weiter nach Süden.

Fotografier mich!
Wherever you take me, I will follow you

Irgendwann musste ich meine Küstenschnappschuss-Schnappatmung wieder auf Normalmaß runterpegeln.
Am Abend Vila Nova de Milfontes erreicht. Das Dorf lag milchig schön im Abendlicht. War aber an Langweiligkeit nicht zu übertreffen.

Sonnengold

Sämtliche Restaurants (weil Montag?) geschlossen: Das Dorf eine einzige Baugrube (für den Sommer aufgehübscht?). Und in meinem Hotel zwei Gruppen junger Kanuten, die den ganzen Abend im Hotelrestaurant nichts anderes taten, als auf ihr Handy zu starren.

Ich war im Urlaub!

Unterkunft in Milfontes: “Milfontes Beach”. Am Hafen. Riesendrum! Trotzdem hilfsbereiter und freundlicher Empfang. Fahrrad in Lobby abgestellt. Großes Restaurant mit (schrecklichem) Buffet. Unterkunft: 30 Euro (ohne Frühstück).

Tag 111 (01.04.2016) / Italien: Ravenna -> Rimini

Strecke: 79 km (11:30 – 19:00)

Unterkunft in Rimini: “Hotel Sunset. Am Strand. Hat zwar 4 Sterne, ist aber einfach ausgestattet. Dafür sehr hilfsbereiter Portier. Unschlagbar der Schnäppchenpreis. (35 Euro mit Frühstück.) Fahrrad in Garage abgestellt.

T0111-I-Ravenna-Rimini

Meine B&B-Unterkunft in Ravenna lag in der “Pier Paolo Pasolini Straße”. Ich fragte mich, ob in Deutschland bislang irgendeine Straße etwa nach Rainer Werner Fassbinder benannt wurde? Nach einem schwulen Eigenbrötler und Bürgerschreck, so wie Pasolini einer war. Die Pasolini-Straße befand sich im historischen Zentrum in unmittelbarer Nähe zur Hauptattraktion Ravennas: der Basilica San Vitale.

Ich ließ mich zu früher Stunde  lange verzaubern von den 1500 Jahre alten Mosaiken. Von den Kaisern, Kaiserinnen, Bischöfen und Hofdamen. Von der fast dunklen Kirche.

Byzantinisch

Byzantinisch

Himmlisch

Himmlisch

Kaiserlich

Kaiserlich

Zentralbau

Zentralbau

Verspätet machte ich mich auf den Weg nach Rimini.

Wieder ein Tag, der völlig in Schmutzgrau getunkt war. Keine Fernsicht. Und was in Nähe lag, war nicht ansehenswert. Rimini hatte seine Beton-Vorboten ausgeschickt, schon wenige Kilometer hinter Ravenna. Ich bin noch keine europäische Küste entlang gefahren, die auf rund 50 Kilometer Länge kaum einen einzigen Grashalm wachsen ließ. So gut wie alles zubetoniert. Dabei waren Anlagen und Strand jetzt im April menschenleer. Die Saison beginnt Ende Mai und geht bis Ende September. In dieser kurzen Zeitspanne wird alles erwirtschaftet. Die restlichen langen Monate lebt die Wüste nicht.
Nur ab und zu ein paar Highlights: Kanalmündungen, an denen entlang sich Netzfischer angesiedelt haben.

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Am Kanalausgang

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An Fluß(?)Mündung – hier gab’s mal Gras!

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Fast schon im Meer

Eigentlich darf man dies Adria-Küste nur Mitte August bereisen. Dieser Massentourismus muss viele faszinieren. Immerhin pilgerte auch der große Fellini sommers stets nach Rimini!

Es gab aber auch zwei drei Überraschungen. Manche der gesichtslosen Strandstädte hatten pittoreske alte Stadtkerne.

In einem entdeckte ich auch dieses Riesen-Osterei.

Die Bewohner hatte Wünsche, Gratulationen, Bitten auf tausende kleine Stoffbänder aufgemalt. Und ein geschickter Mensch hat daraus eine Oster-Überraschung gebastelt.

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Überraschungsei

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Zettelwirtschaft

Schöner Brauch, wenn er denn einer ist.

Dann wieder leere Strände entlang.

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Am Horizont geht es nicht weiter

Ganz selten war ein direkter Strandzutritt möglich. Alles von den Hotels parzelliert und gut für die eigene Kundschaft abgeriegelt.

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Wieviel der Sommergrill-Gäste wohl diesem Körperideal entsprechen werden?

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Muskelprotz und italienische Badenixe

Und plötzlich doch ein wenig Grün: Vielleicht ein ein Kilometer langer schmaler Streifen Küstenwald, der zwischen zwei Straßen eingekeilt verlief und eine Ahnung vermittelte, wie es hier vor 100 Jahren einmal ausgesehen hat.

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Idyll

Der Tag hielt noch eine versöhnliche Geste bereit: Er präsentierte mir  den Kanal von Cesenatico. Einst von Leonardo da Vinci für die Hafenflotte entworfen, strahlt er immer noch  Ruhe und Schönheit aus.

So könnten alle Küstenorte aussehen!

So könnten alle Küstenorte aussehen!

Ich setzte mich in ein Straßencafé.  Parlierte eine wenig mit der Wirtin auf Deutsch (scheint hier eine übliche Verkehrsprache zu sein). Und ließ mir zwei kalte Weißweine aus dem Friaul schmecken.

T0111-Cesenatico-02

Von Da Vinci bemalt?

Auf dem Weg nach Rimini habe ich dann auch noch den Rubikon überschritten!
Schwer verständlich, wieso aus so einem kleinen schmutzigen Bächlein eine weltgeschichtliche Metapher wurde.

Cäsar hat ihn berühmt gemacht

Cäsar hat ihn berühmt gemacht

Tag 25 (7.10.2014) / Portugal: S. Pedro de Moel -> Caldas da Rainha

Strecke: 48 km (9:30 – 16:15)

S. Pedro -> Caldas

Immer noch führte der Fahrradweg durch Kiefernwald und Dünenlandschaft. Der Wind extrem widrig. Das Wetter drohte zu kippen. Sturm und heftige Regengüsse wurden vorhergesagt.

Die Steilküste aufregend.

Vale Furado
Vale Furado
Vale Furado

In der Mittagshitze Nazaré (Nazareth) erreicht. Pilgerstätte für viele Portugiesen. Der Strand leer und eindrucksvoll.

Nazaré
Nazaré

110 Meter höher, auf den Klippen und rund um die Kirche “Nossa Senhora da Nazaré” (Heiligtum Unserer Lieben Frau von Nazareth), lockten Süßigkeitenverkäuferinnen in traditioneller Tracht Touristen an.

Ein Blick nach oben ließ erahnen, wie es im Himmel aussehen könnte.

Nach kurzem Zwischenstopp weiter die Küste entlang. Der Wald lag hinter mir.
In S. Martinho do Porto Abschied vom Atlantik genommen.

S. Martinho do Porto

Ab jetzt führte der Weg durchs Landesinnere Richtung Lissabon.
Obwohl mein Tagesziel eigentlich näher an Portugals Hauptstadt lag, kapitulierte ich in Caldas da Raina vor dem Gegenwind. Ich hatte genug davon zu strampeln und doch kaum voranzukommen.

In der gleiche Sackgasse, in dem ich mein Hotel fand, befand sich auch eine kleines Wunder an portugiesischer Gastlichkeit. “Pacha” nannte sich eine “Snack-Bar”. Aber welch eine Untertreibung. Es war ein vorzügliches Tapas-Restaurant, zudem mit einer klasse Weinauswahl. Die halbe Kleinstadt schien sich dort zu treffen. “Tradição Gourmet” war auf einen Schild eingraviert. Das traf zu. Ich blieb von der Ankunft bis zum Türschluss.

Hotel in Caldas: “Europeia”. 3 Sterne. Immerhin gab es in dem Ort Hotels. 35 Euro. (Fahrrad in Abstellkammer untergebracht.)