Meer Europa

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Tag 304 (03.07.2019) / Norwegen: Karigasniemi -> Lakselv

Strecke: 93 km (09:00 – 18:30 Uhr)

 

Da ich von den absurd hohen Preisen in Norwegen für Wein, Bier & Co. gelesen hatte, hatte ich mir am Vorabend in Karigasniemi schnell noch im staatlichen Alko-Shop 2 Flaschen französischen Rotwein und 2 Dosen finnisches Bier besorgt und bin am Morgen schließlich schwer beladen über die Grenze. (Dort wurden Grenzgänger tatsächlich stichprobenartig nach Alkohol durchsucht.)

Es ging gleich ordentlich rauf und runter – und ich musste für meinen Weintransport ordentlich büßen. Die Finnmark (so heißt die Region in Norwegen, die ich durchfuhr) war fast noch einsamer als die letzte Strecke in Finnland. Auf fast 40 Kilometern sah ich kein einziges Haus, keine Einsiedelei, nichts. Aber trotz starkem Regen konnte ich erkennen, dass ich durch ein Waldparadies fuhr. Irrsinnig schön.

Im Paradies gibt es aber immer auch einen Vorplatz für die Hölle. Die brachte die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Ein Erinnerungspfad (den ich wegen des Starkregens nicht beging) legte mitten in der Wildnis Zeugnis davon ab.

Etwa auf halber Strecke zickte mein Fahrrad. Irgendetwas lief unrund. Ich fixierte Hinter- und Vorderrad neu. Aber das Vorderrad schleifte immer wieder an den Bremsbelägen. Es schien, als hätten die hydraulischen Bremsen auch Öl verloren. Sie griffen nicht mehr hart genug.

Trotzdem kam ich einigermaßen sicher in Lakselv an. Ein sehr funktionaler Ort. Schon bei der Runterfahrt sah ich im Hintergrund den Fjord: Das Nordmeer lag grau unter den dunklen Wolken.

Tag 294 (23.06.2019) / Finnland: Vaasa -> Kokkola

Strecke: 136 km (09:45 – 20:00 Uhr)

Okay. Ich hatte mittags geschlafen (3 Stunden) und spät nachts auch (6 – 7 Stunden). Ich fühlte mich nach der (vor)letzten durchzechten und durchradelten Nacht wieder einigermaßen fit. Die Sinusitits (ging einfach nicht weg!) störte, aber behinderte mich nicht mehr. Ich fuhr drauf los. Ich wollte endlich in den Norden. Am besten sofort an den Polarkreis. Aber da lagen nach einige Hundert Kilometer vor mir.

Nur: “gemach” ging heute überhaupt nicht.

Ich kam schnell ins Schwitzen. Keine Anstiege, nichts, und doch: Ich verbrauchte T-Shirt nach T-Shirt. Allesamt klatschnass. Und erst die Funktionsjacken. Konnten gar nicht so viel Wasser aufnehmen und wieder nach außen transportieren.

Es wehte (trotz Sonnenschein) eine kalter, unangenehmer Frontal-Wind.

Gegen 2 Uhr machte ich an der aufgewühlten Ostsee Rast. Breitete meine Klamotten auf dem Rasen eines Picknickplatzes aus. Wind & Sonne sind die besten Trockner.

Schon seit Tagen gab es unterwegs praktisch nichts zu kaufen. Mittsommer-Feiertage. Natürlich hatten auch die Alko-Läden (staatliches Monopol!) zu. Ich hatte es nicht rechtzeitig bemerkt und war in die finnische Alkohol-Falle getappt. In einem Supermarkt (bei einer Tanke) hatte ich mir schließlich eine Flasche spanischen Rotwein besorgt. Alkoholreduziert. Statt 11 Prozent nur mal 5,5 Prozent. Richtigen Wein dürfen die Tanken nicht verkaufen (staatliches Monopol – siehe oben).

Ich tat so als schmeckte er mir.

In Wahrheit süffelte ich maximal einen leicht alkoholischen Traubensaft. Aus Deutschland hatte ich mir extra ein spezielles Wein-Plastikglas mitgebracht (unkaputtbar) und auf dieser Tour schon vielfach ausprobiert. Es taugte! Fast kein Unterschied zu Glas. Nur diesmal machte es den (alkoholreduzierten) “Sangre de Toro” auch nicht lebendiger.

Mein Mittagessen bestand aus 1 Glas Rotwein, 1 Banane, 1 Pflaume.

Irgendwann durch Jakobstad geradelt. Beeindruckender Wasserturm (war das einer?).

Und dann wieder ein Lupinen-Radweg. Rad Rad Rad nach Norden.

Die Ostsee gewährte mittlerweile großzügig Einblicke.

Auf den letzten zwei drei Stunden hüpfte ich (mit Hilfe von Brücken) von Schäre zu Schäre und landete schließlich im vollkommen feiertagstoten Kokkola. Erneut kein Restaurant, keine Bar offen. Nur zwei drei Kebab-Pizza-Service-Läden. In einem versorgte ich mich mit einer Margherita zum Mitnehmen und entsorgte das wertvolle Lebensmittel gleich danach in einem städtischen Mülleimer – wegen Ungenießbarkeit.

Kulinarisches Brevier: Bulgarien

Im Landesinnern Bulgariens gibt es kaum eine touristische Infrastruktur.
Dort war ich auf “Schmalhans-Kost” (Brot, Käse) angewiesen.
An der Schwarzmeerküste waren zudem im April noch fast alle Restaurants geschlossen, so dass es mir so gut wie unmöglich ist, etwas über die kulinarische Qualitäten der bulgarischen Küche zu sagen.
Eine Gourmet-Reise waren meine 7 Tage in Bulgarien jedenfalls nicht.

Selbst in den großen Städten war es nicht leicht, Qualität zu bekommen. Es gibt in dem osteuropäischen Land offensichtlich noch einiges aufzuholen.

Swilengrad

Restaurant Park. Etwas außerhalb des Zentrums. 2-stöckig. Die erste Etage ziemlich auf nobel gemacht. Die zweite eher für das “normale” Publikum.

1) Brokkoli in Sauce mit Blauschimmel-Käse (4 Euro)
2) Lamm-Koteletts in Weißweinsauce, mit Spinat und Ziegenkäse (15 Euro)
3) Panacotta mit Brombeer-Crème (2 Euro)

Brokkoli verkocht, Lammkotelett zu trocken, Spinat mit Käse fast noch kalt (wohl gerade aufgetaut). Nachspeise ein Industrieprodukt. Zudem: Alles zusammen für bulgarische Verhältnisse völlig überteuert.

Burgas

Bistro Allegro. Zentrum. Gemütliche und urige Gaststätte. Auch für den späten Hunger. Sehr interessantes einheimisches Publikum.

1) Hähnchenschnitzel
2) Tomaten- und Krautsalat
3) Brotfladen

Alles einfach zubereitet, aber gleichwohl gut. Ich war nach einem extrem anstrengenden Tag enorm hungrig und sättigte mich vor allem mit dem Brot, das in etwa wie ein Pizzateig schmeckte, mit Olivenöl und etwas Kraut parfümiert war und es mir angetan hatte.
Ein 1/2 Liter Wein samt Essen kostete etwa 7 Euro.

Nessebar

Restaurant Tangra. Altstadt.Schlicht eingerichtet.

1) Fischsuppe
2) Frittierte Fischfilets

Fischsuppe schmeckte intensiv. Fischfilets dagegen nach nichts.
Ein 1/2 Liter Wein samt Essen kostete etwa 10 Euro.

Restaurant Sea Wolf. Altstadt- am Hafen. Hatte den ersten Tag auf und bereitete sich noch auf die Saison vor. Gab nur wenig auf der Speisekarte. Typisches Touristenrestaurant. Gleichwohl sympathisch und sehr bemüht.

1) Fischsuppe
2) Auberginensalatmit Brotfladen
3) Gegrillter fangfrischer Fisch

Exzellente Suppe. Auberginensalat gute Hausmannskost und Fisch auf den Punkt gegart. Solide Küche.

1/2 Liter Wein und Essen ca. 20 Euro.

Varna

Ресторант – Стария Чинар. Altstadt. Hochgelobtes bulgarisches Restaurant. Sehr gut besucht. Dennoch eine entspannte Atmosphäre. Sehr aufmerksame und kenntnisreiche Bedienung.

1) Gartensalat mit Quinoa und Wallnussdressing (3 Euro)
2) Geschmortes Wildschwein mit Pflaumenmus (8 Euro)

Sehr gutes Essen!

Restaurant Captain Cook. An der Hafenspitze. Mit Panoramablick über den Hafen. Hier traf sich alles, was in Varna Geld hat: Geschäftsleute, Expats, EU-Beamte.

1) Thunfisch-Tatar (8,50 Euro)
2) Garnelen auf Rotweinrisotto (9 Euro)

Exzellent!

Baltschik

Restaurant des Hotels Antik. An der Promenade. Schön gelegen.

1) Gebratener Halumi-Käse
2) Gedämpfte Miesmuscheln

Beides solide. (Kann man eh nicht so viel falsch machen.)

Tag 228 (11.03.2018) / Griechenland: Athen -> Chalkida (Euböa)

Hab die 8. Etappe meiner Europa-Umradlung in Angriff genommen. In 6 Wochen von Athen über (Türkei?) Bulgarien und Rumänien (Ukraine?) bis nach Moldawien.
Letzte Tour am Mittelmeer entlang.

Mal gespannt, ob ich die zweieinhalbtausend Kilometer schaffe.

Die ersten 78 von Athen nach Chalkida waren schon Tortur genug.

Untrainiert fuhr ich hinter Athen in die Frühlingsberge rein.

20 Grad warme Blüte

Kam schnell ins Schwitzen und Krampfen.

Nach zwei Dritteln der Strecke brauchte mein Körper Benzin: Retsina. Der Tavernen-Wirt schenkte keine Gläser ein – nur (Original-Zitat:) “1/2 Kilo oder ganzes Kilo”.

Ich glaube nicht, dass ich einen halben Liter Weißwein serviert bekam, das Kännchen sah kleiner aus.

17 Grad Kalt Wein

Und kostete nur 1 Euro! (War gleichwohl trinkbar und erfrischend.)

1 Euro billigergeht nicht

Der Effekt: Aber ab jetzt wuchs jeder Winz-Hügel zum Mount Everest an. Ich verausgabte mich vollständig und war froh, als mein Tagesziel unter mir lag: die Ägäis mit der Insel Euböa.

Ägäis-Blau

Die alte Brücke vom Festland misst ca. 40 Meter.

Ist das noch ne Insel?

Das Trojanische Pferd wurde im schmalen Kanal zwischengeparkt.

Griechen-Trojaner

feindlicher Krieger

Auf der Hafenpromenade mächtig was los. Sonntagnachmittag.

Coole Twens sangen (orientalisch), tanzten (asiatisch) und freuten sich an sich selbst (griechisch).

Cool im heißen Sonnenlicht

Sonnenchoreographie

Sonnenuntergangs-Choreographie

Ruhewoche Ginostra/Stromboli (12.-17.10.2017)

Der reiche Poet

Zimmer mit Aussicht …

… und Schreibtisch

Poetenausstattung

Im Laptop der neueste Band Elena Ferrantes (“Die Geschichte der getrennten Wege”). Im Kühlschrank immer ein gut gekühlter Tropfen.

angelehnt

Der Blick frei – frei aufs Meer. Auf die anderen Liparischen Inseln am nahen Horizont.

zickzack

Auf das Tragflügelboot, das auch mich hierhergebeamt hatte.

Füße gut gekühlt

Ginostra: Im Winter leben hier 30 Menschen. Im Sommer kommen manchmal 500 Touristen an einem Tag. Jetzt, in der Nebensaison, war der Ort fast leer.

Vielzack

Vor 40 Jahren war ich das erste Mal hier. Dann noch zweimal im Abstand von jeweils rund 10 Jahren.
Damals gab es noch keine Schnellboote, die hier anlandeten. Nur eine große Fähre, die weit außerhalb hielt. Fischerboote nahmen mich noch vor 20 Jahren draußen auf und brachten mich an die Steilküste, an der es nur einen Kleinsthafen (für 1 Fischerboot!) gab.
Mittlerweile ragt einen befestigter und robuster Landungssteg in die See.

Etagenbau

Aber noch immer ist der Esel das einzige Transportmittel in Ginostra. Es mühen steile Treppen hoch zum Dorf.

Zieh-Esel

Manche Gesichter erinnere ich noch. Wenn ich auch schnell beschloss, keine Einheimische zu fotografieren. Sie werden im Vierteljahresrhythmus von Fotografen regelrecht belagert.
Seit etwa 12 Jahren fließen Strom und  Wasser im Dorf. (Gab es vorher tatsächlich nicht!)
Strom: Dank einer Solaranlage in einer Bergmulde (versteckt).
Wasser: Dank großer Wassertank-Schiffe aus Neapel. (Früher so gut wie nur Zisternen-Wasser.)
Die Toiletten sind jetzt innerhalb der Häuser. (Früher Plumpsklos draußen.)

Und trotz unübersehbarer Modernisierung: Viel hat sich in Ginostra trotz Landungssteg, Strom und fließend Wasser nicht geändert.
Kein Internet. Keine Bank, kein Geldautomat, kein öffentliches Gebäude. Eine leerstehende Kirche, 2 kleine Läden, 1 offenes Restaurant (bis Ende Oktober).

Kein Auto, kein Fahrrad, keine Vespa.
Nur steile Wege …

scharfer Blick

… samt wunderschöner Häuser im traditionellen Stil.

geschliffene Kanten

erträgliches Rosa

 

eingekalkt

Götterthron

 

Lieblingsblau

Einst war der Ort ein Himmelsgeschenk. Zumindest was die Natur anbelangt. Die Vulkanerde fruchtbar. Der Wein, der auf kunstvoll angelegte Terrassen wuchs, berühmt.

stachelig

Obst und Gemüse im Überfluss.

dickhäutig

Bis ein heftiger Vulkanausbruch in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts fast alles zerstörte: Gärten, Häuser. Ginostra erholte sich nie wieder richtig. Verarmte.
Auf dem Friedhof, der über dem Dorf thront,

Am Fuße der Zeder

ist die Armut in den Gesichtern der Verstorbenen zurückgeblieben. Ausdrucksstarke Gesichter. Fast alle Toten waren Fischer, Bauern, Bäuerinnen, Mägde. Einige wenige: Lehrer, Bürgermeister, Postbeamte.

Erst in den 70er Jahren brachten erste Touristen ein bisschen Wohlstand für die wenigen dagebliebenen Familien. Auch wenn die Anreise für die Abenteurer beschwerlich war. Sie lebten damals – wie ich auch heute in Ginostra: Den Tag verbummeln. Ein bisschen Spazierengehen. Das Meer bestaunen.

Archaeopterix

Den Lauf der Sonne verfolgen.

Sonnenblume

Kurz vor Sunset zur Sciara wandern – der Lava-Rutsche des Vulkans. Eine Viertel Stunde von Ginostra entfernt.

Spuk

Mit etwas Glück …

Konfrontation

… das Feuerwerk bestaunen, das der Vulkan in schöner Regelmäßigkeit veranstaltet.
Zuhören wie die Lavabrocken und Steine über die Feuerrutsche ins Meer donnern.

Feuersterne

Ich hatte dieses Mal beschlossen, nicht zum Gipfel hoch zu wandern und dort zu übernachten. Ich hatte den Vulkan schon drei Mal bestiegen.

Lieblingsberg

Ich wollte nur faul sein. Nichts tun. Lesen, trinken, lesen, trinken. Den Tag vergehen lassen. Er tat es auch ohne meinen guten Vorsatz.

Tag 212 (30.09.2017) / Italien: Grosseto -> Civitavecchia

Strecke: 123 km (09:15 – 18:15 Uhr)

Mühsam war der Beginn. Den direkten Weg zur Küste konnte ich nicht nehmen, der war nur Autos vorbehalten. Also musste ich mir kleine Provinzstraßen suchen. Die führten durch sehr welliges Hinterland. Ich war in der nicht sehr klassischen Toskana.

on the top

Maremma hieß die Gegend. Ich kannte sie von einem klingenden Weinnamen: Morellino di Scansano.
Scansano war nicht wirklich weit weg. 30 bis 35 Kilometer.
Aber was hätte ich dort getan?
Weinkeller leertrinken?
Am frühen Morgen?

Also kurvte ich weiter durch die italienische Agrarwelt.
Mal türmten sich Burgdörfer auf.

Unser Dorf soll schöner werden

Mal duckten sich kleine unscheinbare Weingüter hinter Herbstreben weg.

hoffentlich ein guter Jahrgang

Und dann kam eine meiner Lieblings-Viertelstunden: Vollen Schuss runter ins Tal. (Hätte ich lange Haare – sie wehten immer noch hinter mir.)
Bis ans Meer.

on the rocks

on the sands

Aber kaum unten, kletterte ich schon wieder rauf. Ansedonia hieß das Küstenkaff. Und schlängelte sich steil den Berg hoch. Das Meer bekam ich praktisch nich mehr zu sehen. Alles Villen – Millionärsverstecke. Fotografieren lohnte sich nicht. Mauern oder Buschmauern waren ihnen sicherer Sichtschutz.

exklusive Aussicht

Wieder unten im Tal führten autoleere Straßen durch ein herrliches Naturschutzgebiet.

Ein Viertel leer

Bald war auch Civitavecchia zu spüren. Ölig – der Geruch. Breit wurden die Straßen. Schmutzig die Einfahrt. Eine heruntergekommene Hafenstadt. Durchgangsstation, wie ich sie schon so oft durchfahren habe. Kaum ein Tourist bleibt hier länger als die paar Stunden, die er auf seine Fähre zu warten hat.

Und doch war die Stadt total liebenswert.
Pralles Altstadtleben.
Auf der Straßenterrasse der Weinbar, die ich mir ausgesucht hatte, waren alle Tische belegt. Also servierte mir der Wirt seine Empfehlungen auf eine freie Parkbank. Exzellenter Morellino. Exzellente Antipasti. Geld wollte er zum Schluss auch kaum. Nicht einmal den halben Preis akzeptierte er als Bezahlung. Es blieb sein Geheimnis, womit ich seine Großzügigkeit verdient hatte.

Ideale Kombi

Ich jedenfalls schrieb mir zum zweiten Mal auf der Reise in mein Notizbuch: Ich liebe Italien!
Und kleinen italienischen Dramen durfte ich auch noch zuschauen. (Waren es überhaupt welche?)

Auch ein Kombi?

Unterkunft: Hotel Porto Di Roma. Altstadt. Klein aber sehr fein. Grandioser Portier. Überschlug sich fast mit seiner Hilfsbereitschaft. Fahrrad in Abstellkammer untergebracht. (60 Euro mit Frühstück.)

Tag 208 (26.09.2017) / Italien: Santa Margherita Ligure -> Vernazza

Strecke: 87 km (08:45 – 17:00 Uhr)

Entgegen meiner Gewohnheit hatte ich alle Unterkünfte der ersten 5 bis 6 Tage schon vorher gebucht. Im Internet hatte ich gesehen, dass so gut wie alle Hotels – obwohl Nebensaison – nicht verfügbar waren. Also buchte ich Privatunterkünfte. B&B oder Airbnb – was auch immer. Der Nachteil: Ich musste mich auf die Empfangszeiten der Anbieter einstellen. Manchmal konnte ich erst ab 19 Uhr ins Zimmer, manchmal nur davor. Das verkomplizierte meine Reise ungemein. Diesmal hatte der Vermieter geschrieben, dass er Gäste nur zwischen 14 und 16 Uhr empfangen würde. Ich hatte aber keine Ahnung, wie lange meine Tour dauern würde. Ich kündigte per mail an, vermutlich erst gegen 17 Uhr oder ein wenig später einzutreffen – und erntete immerhin keinen Widerspruch. Aber es trieb mich unnötig an.

Und es wurde ein langer, kräftezehrender Trip.

Sehr schnell ging es rauf. Steil.

Natur und Konstruktion

Oben lichtete sich schon der Wald.

Saumwald

Zwei dreimal war ich nah dran, vor Erschöpfung meinen Drahtesel die Böschung runter zu werfen.
Zwei dreimal musste ich kraftlos schieben. Zu steil.
Hoch ging’s und immer höher.

Ruherad

Dann wieder runter.

eingebeult

Dann wieder hoch.

eingeschwärzt

Ich fuhr nach Cinque Terre.
5 Terre – schrieben sie auf Schildern.

Doppelthron

Schön ist gar kein Ausdruck.

Meerwacht

Die serpentinische Abfahrt nach Vernazza kostete mich Nerven, manchmal roch ich, wie das Bremsgummi schmurgelte. Alles war heißgelaufen, mein Fahrrad, mein Gesicht, alles hyperventilierte, meine Bremsen, ich.
Und dann: Unten!
Mannomann. Welch schöne Welt.

über-welt-igend

Ich setzte mich am Hafen fest.

abgeblättert

Guckte links, guckte rechts.

angestrahlt

Bewegte mich keinen Millimeter mehr.

ain’t no sundown without sundowner

Und genoss andächtig den ligurischen Abendwein.

Unterkunft: “A Cà Da Nonna”. Privatunterkunft Altstadt. Schön gelegen. Ruhig. Steile Treppe hoch zum Apartment. Fahrrad grad so durch die enge Treppe hoch bekommen. In Zimmer geparkt. Überteuert, wie alles in Vernazza.

Tag 199 (25.04.2017) / Frankreich: Le Lavandou -> Fréjus

Strecke: 69 km (10:00 – 16:15 Uhr)

Ich ließ es “ausrollen”. Diese Tour neigte sich dem Ende zu. Die Tagesetappen wurden kürzer und ich immer langsamer.

Zerhügelt

Oft konnte ich auf eigenen Fahrradstrecken der Küste folgen.

Zerzaust

Manche Routen führten sogar durch Tunnel. Vermutlich stillgelegte Zugstrecken.

Linksgedreht

Ich freute mich darauf, heute Saint-Tropez anzuschauen. Je näher ich dem Hotspot kam, umso höher die Dichte der Cabrios auf den Straßen. Jeder wollte mit heruntergelassenem Visier kenntlich in Saint-Tropez einfahren. Jaguare, Peugeot-Löwen, Tank-Tiger, Ferrari-Pferde, sogar einige aufgehübschte Käfer: Auf freier Wildbahn hatte ich noch nie so viel Fauna gesehen wie auf der Einfallstraße in das Hafenstädtchen. Die halbe Tierwelt und viel menschliche Halbwelt hatten sich gemeinsam aufgemacht.
Aber welch eine Enttäuschung Saint-Tropez selbst. Statt Gunter Sachs: Neckermänner. Statt Brigitte Bardot: Naddels. Statt Sternelokale: Moules-Frites-Buden.

Zum ersten Mal in Frankreich bekam ich mittags einen fast nicht trinkbaren Weißweinfusel vorgesetzt. Tetrapack statt Grand Cru.

Ich ließ meinen zuvor angespitzten Fotoapparat unangetastet in der Satteltasche. Und zog davon.

Nach Fréjus war es nicht mehr weit.

Spitz

Ein unaufgeregtes, sympathisches Städtchen.

Breit
Grün
Orange

Unterkunft: Hotel “Atoll”, Hafennähe. Einfach und gut. 50 Euro (ohne Frühstück). Fahrrad in geschütztem Hof abgestellt.

Tag 198 (24.04.2017) / Frankreich: Cassis -> Le Lavandou

Strecke: 91 km (10:15 – 18:15 Uhr)

Cassis: Von mächtigen Bergen eingerahmt. Und von Wein. Ausgesprochen schöne Ausreise aus dem Städtchen.

Mighty

Wenig später durch den Weinberge des Bandol geradelt. Einen Weißen dann auch im gleichnamigen Städtchen getrunken. Extraklasse!

Schließlich einen weiteren Halt in Sanary gemacht. Pittoresker Hafen. Die Promenade hatte mondäne Anflüge.

Frontal

Ich hatte gelesen, dass während der Naziherrschaft in Deutschland große deutsche Schriftsteller wie Thomas Mann, Lion Feuchtwanger und Stefan Zweig in diesem ehemaligen Fischerdorf zeitweise Exil gefunden hatten. Als ich dann am Tourist-Office die Gedenktafel sah, war ich erstaunt wie viele Namen dort eingraviert waren. Es schien, als sei das halbe literarische Deutschland vor den Nazis an die Côte d’Azur geflohen. Beeindruckende Liste.

Who is who

Was ist von diesen Geistesolymp an diesem Ort noch geblieben?
Ich konnte dem nicht nachspüren. Auf den ersten Blick unterschied sich Savigny nicht von anderen touristischen Orten entlang der französischien Riviera.

Ins Herz

Der Rest des Tages ist schnell erzählt.
Es passierte nichts mehr.

Bis… bis auf die Tatsache, dass mir erst jetzt auffiel, dass fast alle Ortsschilder in zwei Sprachen geschrieben waren.
Französisch und Okzitanisch. Aber wer sprach das hier noch?

In beiden Sprachen wohlklingend

Unterkunft in Le Lavandou. Hotel “Le Terminus”. So langweilig wie der Ort selbst. Weniges wurde es langsam wieder ein wenig billiger. 50 Euro (ohne Frühstück). Fahrrad in Abstellkammer untergebracht.

Tag 195 (21.04.2017) / Frankreich: Gruissan -> Saintes-Maries-de-la-Mer

Strecke: 159 km (09:00 – 20:45 Uhr)

Heute war eine Kopie von gestern.

Abschied

Nicht die Küste war interessant. Ausschließlich das Hinterland. Schnell lag Gruissan hinter mir und die Weinlanschaft des Languedoc vor mir.

Das Weinjahr beginnt

Einige meiner roten Lieblingsweine kommen von hier. Viele davon sind biologisch erzeugt.
Keine Herbizide, um das Unkraut zu beseitigen. Hand- und Maschinenarbeit sind nötig, um den Boden zu bereiten.
So wie hier mit diesem eigentümlichen Getüm, das laut knatternd jätete. Château d’Anglès.

Klapperkiste

Die Schlösser der Weingüter nicht ganz so herausgeputzt und herrschaftlich wie die im Bordeaux.
Château la Négly.

Weinschloss

Kurz nur zweigte ich Richtung Küste ab.

A la plage

Aber die Retortensiedlungen – in denen Häuser, Boote und Yachten sich stapelten –

Stapelboote

trieben mich wieder ins Hinterland.

Schleusengefangen

Erneut folgte ich Kanälen

Kanalweg

und wilden Wegen.

Kanalrot
Kanallila mit kanalgelb

Ganz selten eine Siedlung.

Kanalblau

Kilometerlang ging es auf schmalen, sehr schmalen Streifen durch die Lagunen.

Kanalvoll

Ein Hochgenuß. Ich vergaß die Zeit und spürte die Entfernung nicht mehr. Ich radelte und radelte. Und erreichte nach fast 160 Kilometern schließlich die Camargue.

Sonnenpferd

Saintes-Maries-de-la-Mer empfing mich freundlich.

Unterkunft: Hotel “Le Mirage”. Familiengeführt. Außerordentlich sympathisch. Einfache Zimmer. Völlig okay. (64 Euro mit Frühstück).