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Schlagwort Archiv: Weltkulturerbe

Tag 291 (20.06.2019) / Finnland: Uusikaupunki -> Pori

Strecke: 86 km (09:00 – 16:15 Uhr)

 

Mit großer Vorfreude radelte ich zunächst nach Pyhäranta. Laut Reiseführer sollte sich dort eine uralte hölzerne Opferkirche befinden – mit sensationeller Innenbemalung. Ich fand das Kleinod nicht, nur einen Steinkoloss, düster über der Ostsee thronend.

Die Innenausstattung protestantisch nüchtern.

Ich zweifelte an mir, bis ich merkte, dass ich den Namen falsch gelesen hatte. Die Opferkirche befand sich in Pyhämaa. Etwa 20 Kilometer entfernt von hier. Wieder einmal hatten mich diese (ähnlich klingenden) finnischen Namen ausgetrickst.

Ich strampelte weiter der Ostseeküste entlang, bekam das Meer aber nur sehr selten zu sehen. Meist blockte Wald die freie Sicht. Ich fuhr ein zwei Stichstraßen zum Wasser. Finnische Idylle pur. In jedem Winkel eine Holzhütte.

Vor jeder Hütte ein Anlegesteg für kleine Boote.

Mittlerweile war das Gelände flach – mit nur kleinen Wellen. Ich kam zügig voran. Oft begleitet von herrlich blühenden Wegrändern, meist Lupinen, die Birken- und Nadelwälder einsäumten.

Schließlich einen längeren Spaziergang in Rauma gemacht. Ein UNESCO- Weltkulturerbe-Städtchen.

Mit einem bestens erhaltenen Stadtkern aus Holz.

Schön und überraschend schön leer.

Am Nachmittag dann noch kurz in Schwierigkeiten gekommen. Die Pisten durch den Wald waren extrem grobschotterig. Ich fuhr fast wie auf Treibsand, sank ein. Musste heftig in die Pedale.

Querte eine Hängebrücke.

Und landete bald wieder auf geteerter Landstraße, die durch typische, friedlich schlummernde finnische Dörfer führte.

Pori, eine Industriestadt mit 80.000 Menschen, in der ich am Abend Unterkunft fand, verströmte Beton-Charme. Zum ersten Mal sah ich in dem wohlhabenden skandinavischen Land offene Armut und Gruppen von ziemlich abgerissen gekleideten Menschen.

Tag 217 (05.10.2017) / Italien: Sorrento -> Paestum

Strecke: 96 km (09:00 – 17:30 Uhr)

Amalfi-Küste.
Wie das im Ohr nachhallt: A m a l f i
Wie das riecht: zitronig, orangig, olivig.
Wie sich das anfühlt: steil, azurblau, weißestes Weiß.

Und dann liegt da ’ne Leich aufm Pflaster.

Schöne Leich

Kaum hatte ich die supersteile Kleinstraße (mehr schiebend als fahrend) von Sorrento endlich gepackt – und schnaufte (besser japste) auf der Passhöhe tief durch – fand ich die tote Leich.
Vor der Eingangstür eines Modegeschäftes, das gerade aufmachte. Ich weiß nicht, ob das ein Werbegag war oder einfach eine noch nicht weggeschaffte Schaufenster-Requisite. Jugendfrei war es sicher nicht.

Dann wieder rasend nach unten:
Die Aussichten spektakulär.

Wie kann man so eine Küste besiedeln?

Häuserkaskaden in den Felsen.

Als es noch keinen Tourismus gab .. von was lebten die Menschen dort?

Ein Dorf, ein Blick – schöner als … schön ist gar nicht mehr steigerungsfähig.

Was ist bewundernswerter: die Terrassen- oder die Baukunst?

Atemberaubende Menschen-Nester mit Pool – in die Felsen hineingetrimmt.

Was sind die Matala-Höhlen dagegen?

Nur … unten – in den Dörfern, den Plätzen, den engen Straßen … Überfüllungsalarm.
Spektakulär, wer und was sich sogar in der Nebensaison dort alles tummelte.

Wohl behutet

Ursprünglich hatte ich versucht, mir in einem der attraktiven Orte der Amalfiküste ein Zimmer zu reservieren. Bei Preisen ab 200 Euro (pro Nacht) nahm ich schnell Abschied von der Idee. Und jetzt freute ich mich sogar über meine Entscheidung. Ich hätte das nicht ausgehalten.

Ich fuhr weiter – langsam.
Ich wollte alles sehen.

Jedes Eck …

Ist er nun auch schief?

jeden Winkel …

selbst Burgen, die als Restaurantkulissen dienten.

Ritterglück

Good bye Amalfiküste.
Ich radelte einfach weiter bis es dunkel wurde.
Und fand ein wunderschönes (bezahlbares) Hotel in der Ebene.
Direkt gegenüber einem Weltkulturerbe: einem der besterhaltenen griechischen Tempel – und das auf römischem Territorium.

Tag 160 (30.09.2016) / Rumänien: Suceava -> Iași

Strecke: 141km (09:00 – 19:45)

Unterkunft in Iași: “Traian Grand Hotel”. Im Stadtzentrum. Von Eiffel entworfenes Hotel. Viel klassischer Charme. Sehr große Zimmer. (59 Euro mit gutem Frühstück). Fahrrad in Wäschekammer untergebracht.

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Bevor ich Suceava verließ, warf ich noch schnell einen Blick in die Klosterkirche. Ebenfalls Weltkulturerbe.
Viele Gläubige, die werktags früh den Männerstimmen lauschten. Im völligen Dunkel. Schöne Gesänge wieder.

Dunkelkammer

Dunkelkammer

Es fand gerade eine Messe statt, so dass ich mir keine Zeit nehmen konnte, das Innere weiter zu bestaunen.

Gotteskammer

Gotteskammer

Ich nahm Richtung auf die moldawische Grenze. Wollte unbedingt Iași erreichen. Ca. 140 Kilometer entfernt. Letzte rumänische Stadt vor der Grenze.

Anfangs tief es glatt. Leere Landschaften, leere Straßen.

road to where?

road to where?

Bis wieder die Lastwagen kamen. Sie machten mir schon seit Tagen das Fahrradfahren zur Hölle.
Mehrmals haben sie mich in den Graben gehupt. Ohne den geringsten Bremsversuch rasen sie (andere Laster überholend) mir auf meiner schmalen Spur entgegen. Oft blieb nur ein panisches Ausweichmanöver: ab in den Schotter am Straßenrand – oder gleich ins Gras. Mehrmals war ich in Gefahr. Niemals durfte ich unaufmerksam sein. Manchmal kamen sie von hinten und von vorn. Gleichzeitig hupend. Nie bremsend.
Ich war selbst überrascht, welche Gewaltphantasien ich in mir zur absoluten Filmreife entwickelte. (Altersfreigabe nicht unter 30 Jahren!). Auf jedem Martial-Arts Festival würde ich mit meinen Lastwagenfahrerfolterdrehbüchern die Goldene Peitsche oder zumindest das Silberne Schlachtmesser gewinnen.

Ich beruhigte mich im Lauf des Tages wieder. Die Landschaft beruhigte sich mit mir.

Steppenfluss

Steppenfluss

Entweder alle Felder bestellt …

durchgepflügt

durchgepflügt

fruchtbare Steppe

fruchtbare Steppe

… oder Kodachrome-Landschaften. Fast amerikanisch.

grünbraun

grünbraun

Steppe. Mit Ranch. Fehlen nur noch die Indianer.

braunbraun

braunbraun

Zwei Stunden vor Iași wurde die Straße vierspurig. Autobahnähnlich. Der Verkehr nahm zu. Stockte nur, wenn mal wieder eine Herde Kühe die Spuren querte.

geflecktbraun

geflecktbraun

Tief im Dunkeln die Stadt erreicht. Völlig erschöpft.

Fliegenschirme

Fliegenschirme

Die Stadt von Studenten bevölkert.

In der Nacht Irrsinns Krämpfe bekommen. Die Wadenmuskeln machten zu. Gleich drauf auch noch die Muskeln im Spann. Wie wild zuckten sie und verkürzten sich. Ich hätte vor Schmerzen schreien können, hatte viel Mühe die Krämpfe unter Kontrolle zu bekommen.
Irgendwann ließen sie mich in Ruhe.

Tag 159 (29.09.2016) / Rumänien: Putna -> Suceava

Strecke: 77 km  (11:00 – 17:45)

Unterkunft in Suceava: “Hotel Continental”. Im Stadtzentrum. Großer Block. Geschäftshotel. Sehr modern. Großzügige Zimmer. (27,90 Euro mit Frühstück). Fahrrad in Foyer untergebracht.

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Schon als ich frühmorgens den Klostergarten betrat, hörte ich ihre Gesänge.

kleinmonumental

kleinmonumental

Keine Mauer, kein Dach konnten ihre Stimmen dämpfen. Ihr Gott sollte sie ja hören.

Der Vater war ein Zimmermann

Der Vater war ein Zimmermann

Der Eintritt in die Betkirche noch lichtdurchflutet.

draußen ist weit weg

draußen ist weit weg

Die Arbeitsklamotten fein säuberlich aufgehängt.

geordnet

geordnet

Drinnen: Dunkelheit. Bis zum Altar waren es mehrere Durchgänge, die das Kircheninnerere immer mehr einschwärzten.
Ganz vorne sangen Mönche liturgische Lieder. In ihrem pechschwarzen Habit waren sie kaum auszumachen. Nur ihre polyphonen Stimmen zeugten von Leben in der Kirche. Seit Stunden schon priesen sie den Herrn.
Wunderschöne Gesänge, die auch im Hörer ein Trance-Begehren auslösen.

Manche Mönche auf den Boden geworfen.

gebeugt

gebeugt

Das Kloster Putna ist rumänisch-orthodox. Es gehört wie einige weitere Klöster und Kirchen der Region zum UNESCO Weltkulturerbe. Moldauklöster. Südliche Bukowina. Karpatenvorland. Tief religiöse Gegend.

Viele Ikonen nicht mit goldenem, sondern silbernem Hintergrund.
(Hier erschloss sich mir plötzlich auch die profane Welt der silbernen Dächer und Firste vieler Bauernhöfe. Dies war ganz offensichtlich eine religiöse Referenz!)

geblendet

geblendet

Nach Ende der Liturgie blieben einige Mönche nahe der Sakristei, um die Bibel zu studieren. Ein Buch, das sie längst auswendig kannten.

gereinigt

gereinigt

Ich unterhielt mich im Klostergarten mit einem 60jährigen Mönch, der ein exzellentes Englisch sprach. Lange hatte er in den USA gelebt. Vor 3 Jahren fühlte er sich zum religiösen Leben hingezogen und kam zurück in sein Heimatland. Wurde im Kloster Putna aufgenommen.
Als Grund nannte er die kaputte Welt, die von undurchsichtigen Mächten kontrolliert würde. Er breitete mir seine Theorien aus (Verschwörungstheorien) vom Zusammenbruch der Bankenwelt, vom Nine-Eleven Attentat bis zur Katastrophe im Nahen Osten. Die USA schienen für ihn der neue Satan zu sein.
Ich versuchte nicht zu diskutieren, hörte stumm zu.

Auch draußen gab es kleine Pforten. Sie führten in die bäuerliche Welt, die nicht weniger geordnet schien.

Bauernpforte 1

Bauernpforte 1

Pagodendächer.

Bauernpforte 2

Bauernpforte 2

Abgeschlossene Einheiten. Sehr proper, sehr sauber, sehr aufgeräumt.

Hofquadrat

Hofquadrat

Der rußende Außenherd mitten im Hof.

um das Feuer gebaut

um das Feuer gebaut

In manchen Höfen war Leben. Überwiegend die Alten arbeiteten dort.

aufmerksam

aufmerksam

Mir war bisher nicht klar, dass ich mich in einem Mais-Land befand. Die Ernte wurde gerade eingebracht.

vertieft

vertieft

Der Herr im Hof versuchte mir offensichtlich zu erklären – nachdem ich mich als Deutscher zu erkennen gegeben hatte -, dass nicht weit weg ebenfalls ein Deutscher leben würde. Bessarabiendeutscher? Einer der wenigen, der nicht ausgewandert war? Ich versuchte Näheres zu erfahren. Aber so weit glückten unsere Verständigungsversuche nicht. (Rumänisch hat ein paar Brocken, die nach Spanisch klingen – aber es reichte dann doch nicht!). Außerdem kam gleich Maisnachschub. Die Herrschaften mussten weitermachen!

immer weiter

immer weiter

Ich zog weiter ins nächste Dorf. Prächtige Höfe auch hier.

wo ist eigentlich der Misthaufen?

wo ist eigentlich der Misthaufen?

Und eine prächtige Holzkirche dazu.

wie neu

wie neu

Glück führte mich zum Kirchen-Zerberus.
Ein gemütlicher Herr, den jeder Schritt schmerzte.

Schnaufend suchte er einen gewaltigen Schlüssel in seinem Hof.
Schlurfend bewältigte er die Hundert Meter bis zur Kirchenpforte.
Und schloss mir sein Himmel-Reich auf.

wer schmiedet so einen Schlüssel?

wer schmiedet so einen Schlüssel?

Sein ist das Reich

Sein ist das Reich

Ich aber merkte, wie ich nichts mehr aufnehmen konnte.

und die Herrlichkeit

und die Herrlichkeit

4 Wochen jetzt unterwegs, 6 Länder bisher gequert, 6 Sprachen nicht verstanden und mich doch irgendwie verständigt. Umwerfende Gastfreundschaft auch hier in Rumänien. Und immer noch kam jeden Tag ein neues Natur-, Kultur, oder Menschen-Wunder dazu.
Jetzt schnaufte ich – und nicht der Alte Herr.

Zum ersten Mal auf dieser Reise hatte ich den Wunsch, dass sie zu Ende ginge. Bald.
Fehlen noch zwei, maximal 3 Tage.

Die Landschaft hier in Rumänien erinnerte mich ein wenig an das Alpenvorland.

ohne Alpenglühen

ohne Alpenglühen

Riesige abgeerntete Maisfelder, durch die Hirten nomadengleich ihre Schafherden trieben.

in the heat of the day

in the heat of the day

Kurz vor Ankunft in Suceava noch eine weitere „UNESCO“-Kirche besucht.

UNESCO beschützt

UNESCO beschützt

Die ehemalige Betkirche eines Nonnenklosters.

Mit langsam verblassenden Außenfresken.

ausgemalt

ausgemalt

Tag 152 (22.09.2016) / Polen: Chełm -> Zamość

Strecke: 59 km  (09:00 – 13:30)

Unterkunft in Zamość: “Góscinec Kanclerz”. In unmittelbarer Nachbarschaft zur Altstadt. Schön gelegen. Von einer Polin geführt, die lange in Wien lebte. Wenige Zimmer, aber alle sehr eigen und geschmackvoll gestaltet. (32 Euro mit Frühstück). Extrem zuvorkommender Service. Und sehr gutes Restaurant. Fahrrad im Keller untergebracht.

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Google-Alleswisser-Map-Fahrradangabe. Ich bin auf dieser Strecke von 58,5 Kilometer heute zwischen 177 Meter Meereshöhe und 303 Meter oszilliert. 379 Meter hoch und 344 Meter runter insgesamt. So weit die nüchternen Fakten über meine Tour.

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In Wahrheit hab ich mir die Seele aus dem Leib gestrampelt, tausendfach geflucht und bin zweimal abgestiegen, weil die Steigungen deutlich über 10 Prozent hatten. Und aus den prognostizierten 3 Stunden wurden 4 1/2. Was weiß Google eigentlich über den menschlichen Faktor? Über mein Herz, meine Alter, meine Lunge,. Über meinen Zielalkohol-Konsum?
Wieso versagt sein Algorithmus so deutlich? Ist Google überhaupt wer? Oder nur Was? Irgendwas.

never ending road

never ending road

Die Straße führte quer zu vielen Bergrücken – also mit Schwung runter und mit Krämpfen hoch.

Die knapp 60 Kilometer bis Zamość dauerten deutlich länger als geplant.

Aber, ich wurde entschädigt.

Grandiose Renaissance-Stadt!

erhaben

erhaben

Meine letzte Station in Polen.

farbintensiv

farbintensiv

In vollen Zügen genossen.

gespiegelt und geachst

gespiegelt und geachst

Die Altstadt (Unesco Weltkulturerbe) kaum breiter als 400 Meter und ebenso lang.
Rasch durchlaufen. Wunderschön.

mediterran

mediterran

“Padua des Nordens” nennt sich das Ensemble.

Tag 130 (31.08.2016) / Estland: Tallinn

Habe die Fünfte Etappe mit einem Ruhetag begonnen. Bin in Tallinn/Estland gestrandet.

Die Turmreiche

Die Turmreiche

Im Weltkulturerbe und an der östlichen Flanke der NATO.
Ich tauchte ins Mittelalter…

Das Mittelalter war jung und hübsch

Das Mittelalter war jung und hübsch

… flanierte durch Pariser Straßen (Montmartre)

fehlt nur die Baskenmütze

fehlt nur die Baskenmütze

Vergeigt

Vergeigt

…und sonnte mich in Sowjet-Nostalgie…

eigentlich mehr Spott als Nostalgie

eigentlich mehr Spott als Nostalgie

hübsche Sowjetzeit

hübsche Sowjetzeit

Finger weg vom Wodka

Finger weg vom Wodka

Breschnew ?

Breschnew ?

Aufregend die Stadt. Nicht nur weil überall gebaut wird und einem die Ohren ob des Bagger- und Planierraupenlärms wehtun. Außerhalb der Altstadt wachsen in Industriebrachen alternative Kulturen. Wie in jeder europäischen Stadt.

Alternativ

Alternativ

Tallinn am äußersten Rand der EU – aber auch mitten dabei. Das Wohlstandsgefälle nehme ich nur auf Märkten war. Es gibt alles, aber sie scheinen leicht ärmlich, dennoch (oder vielleicht deshalb) sind sie ungemein pittoresk.

Obst- und Gemüseland

Obst- und Gemüseland

Auch Bauern starren auf smartphones

Auch Bauern starren auf smartphones

Die Ostsee wie ein Planschbecken für Kreuzfahrtschiffe. Die Saison noch nicht vorbei.

Ein Kreuz mit diesen Schiffen

Ein Kreuz mit diesen Schiffen

Die Schiffsungetüme spucken tausendfach Touristenklone aus, die Tallinns Altstadt fast unbegehbar machen.
Jedes Grüppchen hat eine eigene Nummer.

Touristen durchnummeriert

Touristen durchnummeriert

Eigentlich unmöglich eine leere Straße zu durchlaufen. (Höchstens zur Mittagszeit – wenn alle verpflegt werden in Restaurants, in denen Kellner wie Minnesänger zwischendurch zur Laute greifen.)

Abgelegen

Abgelegen

Alt ist die Stadt – aber sie verjüngt sich. Um den Stadtkern bastelt sie neue urbane Zentren – nicht immer wohnlich, aber ambitioniert.

Kolossal

Kolossal

Lastwagen über Lastwagen donnern in Baustellen.
Manche mit den schönsten LKW-Nixen der Ostsee.

LKW-Nixe

LKW-Nixe

Morgen beginnt dann die Tour. Sie wird mich (hoffentlich) durch das Baltikum und Ostpolen bis in die Ukraine führen.

Tag 121 (11.04.2016) / Italien: Bari -> Brindisi

Strecke: 143 km (09:3 – 20:00)

Unterkunft in Brindisi: “Hotel Colonna”. Zentrum. Nett geführt. Enges Zimmer. (53 Euro mit Frühstück.) Fahrrad in Hotelflur abgestellt.

T0121-I-Bari-Brindisi

Wenn es etwas wie eine Fahrradsucht gibt, dann bin daran erkrankt.
Nach den gestrigen anstrengenden 139 Kilometern hatte ich mir für heute fest vorgenommen, es ein wenig entspannter angehen zu lassen.

Doch dann kam es anders. Es wurden 143.

Den Küstenweg musste ich schon bald verlassen, da es beinahe unmöglich war, einen Fahrradweg gen Süden zu finden. Die Hauptstraße war für Fahrräder gesperrt.

Also radelte ich ins Landesinnere.
An einem Stauferstädtchen (Conversano) mit Burg vorbei …

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felsenfest

… Richtung der berühmten apulischen Trulli, die sich auch bald schon zeigten.

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da schaust raus

Trulli sind ohne Mörtel gemauerte Steinhäuser, die sich meist an- und ineinanderschmiegen. Ein Trullo dient als Schlafraum, der andere als Küche, der nächste als Wohnraum usw..
Manche der Dächer sind mit magischen Schutzzeichen aus Kalkfarbe bemalt.

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Kapuzenhäuser

Valle d’Itria heißt diese apulische Gegend.
Zentrum (und Weltkulturerbe) ist Alberobello.

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Stadtleben

Mit über 1.400 Trulli auf engstem Raum.
(Und jeden Tag der zehnfachen Menge an Touristen.)

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die Ecken sind rund

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Auf die Köpfe geschaut

Ich fuhr und fuhr durch das Hügelland – und vergass die Zeit.

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Liebe zum Wein

Als die Zeit wiederkam, bemerkte ich, dass ich das Trulli-Tal bereits verlassen hatte und mich Richtung Brindisi bewegte.

Also machte ich weiter, warum sollte ich stoppen? Und kam nach 143 Kilometer mit dem letzten Sonnenstrahl an.

Ich nahm mir vor, bald in Fahrradtherapie zu gehen.
Als erste Präventionsmaßnahme beschloß ich einen Fahrradfreien-Nachmittag.
Fester Vorsatz für morgen!

Tag 112 (02.04.2016) / Italien: Rimini -> San Marino -> Cattolica (I)

Strecke: 69 km (09:30 – 18:00)

Unterkunft in Cattolica: “Hotel Major”. In zweiter Strandreihe. Gesichtsloser Block. Einfache Einrichtung. Aber wieder extrem hilfsbereite Empfangsdamen. Saisonbedingt Niedrigpreis. (35 Euro mit Frühstück.) Fahrrad in Lounge abgestellt.

T0112-I-Rimini-SanMarino-Cattolica

Ich hätte es nicht tun sollen. Ich bin schon krank losgefahren und dann ging es auch noch in steilsten Serpentinen 600 Meter hoch nach San Marino. Ein simples Schild signalisierte, dass ich mich ab jetzt in der ältesten Republik der Welt (seit 301 !) befand.

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sachlich

Für jeden Bürger einen Stuhl

Für jeden Bürger einen Stuhl

Hinein in den Hochnebel und in die Kälte.
Es fühlte sich an wie die Hölle: Wo Finsternis aus den Gemäuern mit Hundert Schwarzen Augen sah!

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Machtvoll

Ich hatte jetzt schon zwei Tage nichts gegessen (Grippe und keinen Hunger), verspürte nicht mal Appetit auf ein Glas Wein. Mit jedem Höhenmeter, den ich bis zur Altstadt San Marinos strampelte, fror ich mehr. Ich war dankbar für die Touristenbusse, die im Minutentakt an mir vorbeifuhren. Ihre Motoren liefen am Berg heiß und gaben mir beim Überholen etwas Wärme ab.

San Marino sicher ein schöner Ort – Weltkulturerbe. Aber auch Disneyland. Und ein großer Mehrwertsteuer freier Supermarkt.

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Plausch

Auf dem freien Markt auch ganz besondere Angebote: Be young get a gun!

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Echte!

Eigentlich wollte ich über die Berge weiter Richtung Süden zu meinem Ziel Cattolica.

Aber die Kraft fehlte, der Nebel wurde eh dichter. Also schoss ich den Berg runter nach Rimini und von dort die Küstenstraße weiter.

Irgendwo (hab vergessen wo) ein surreales Bild: Die Fußgängerzone war mit einem grünen Teppich ausgelegt.
Natursimulation!

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Grüne Bewegung auf italienisch

Ich war ziemlich erleichtert, als ich endlich in Cattolica einfuhr.
Sofort ins Bett.

Tag 55 (10.04.2015) / Griechenland: Saranda -> Igoumenitsa

Strecke: 65 km (09:15- 15:45)

Unterkunft: Hotel Jolly in Hafennähe. Zimmer etwas runtergekommen. Aber supernette Besitzerin. Sehr bemüht. (35 Euro mit Frühstück.) Fahrrad im Hinterzimmer abgestellt.

Letzter Tag in Albanien. Ich bummelte noch etwas durch Saranda.
Trank einen Espresso am Hafen.

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Schöner Hafen

Schaute den Fischern zu, wie sie Fische und Shrimps aus den Netzen puhlten.

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Fischer fischt Fisch aus Fischers Fischnetz

Wer Zeit hatte, kam früh, um den besten Fisch frisch vom Fang zu kaufen. Direkt am Kai.

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Fishemans’s friends

Die Wegstrecke heute nicht anstrengend. Kaum Steigungen. Bald den schönen Butrint-See erreicht. Nationalpark.

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Butrint-See

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Butrint-See Ausfluss

Mitten drin: eine antike griechische Ruinenstadt. Weltkulturerbe.

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Blühende Ruinen

Im Theater wird zur jeder Viertel Stunde ein Froschkonzert gegeben. Vielstimmiger Chor. Ohrenbetäubender Lärm.

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Theater mit Froschteich

Gleich neben dem antiken Gelände setzt eine Winz-Fähre Fußgänger ans andere Ufer. Manchmal auch einen Fahrradfahrer wie mich.

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Comes a ferry

Der Fährmann zapft den Sprit aus einer umgebastelten Wasser-Flasche.

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Sprit für ferryman

10 Minuten noch auf albanischem Boden. Ich blickte beinahe wehmütig zurück. Ich hatte das Land und seine Menschen liebgewonnen.

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Blick zurück

Die letzten Kilometer setzte ich mir eine Qeleshe  auf, die ich mir in Saranda besorgt hatte. Mit der traditionellen Skipetaren-Mütze nahm ich Abschied von einem sympathischen Land.

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Ich Albaner

 

Der Grenzübertritt nach Griechenland problemlos (ohne Mütze).

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Griechisches Blau mit Rosa

Schnell wieder an der Küste.

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Griechische Farben

Und schnell im ersten Ort an einem Café gehalten und ein Bier getrunken.
Parfümwolken nebelten mich ein.
Die Kellnerin, der Wirt, die Gäste: Alle waren sie parfümiert. Erst jetzt fiel mir auf, dass ich in Albanien nie Parfüm gerochen hatte.
Merkwürdig.

Tag 47 (02.04.2015) / Montenegro: Herceg-Novi -> Kotor

Strecke: 49 km (09:30- 14:45)

Unterkunft: “Hotel Marija” in Kotor. Sehr schön in Altstadt gelegen. Bekam – als einziger Gast – das Zimmer mit dem besten Ausblick. Fahrrad in Abstellkammer untergebracht

Strecke 0047-Montenegro-Herceg Novi-Kotor

Ich bekam heute die Schokoladenseite Montenegros zu sehen: Die Bucht von Kotor. Weltkulturerbe.
Unterwegs  bot sich mir die Möglichkeit, die Fahrstrecke zu halbieren. Mittels einer Fähre, die mir viele Kilometer erspart hätte. Ich hatte aber auf die große Runde Lust und fragte mein Gefährt: “Na, wärst du bereit für einen kleinen Ausritt?”
Es wieherte ein „Ja“.
So bekam mein Fahrrad nach zwei Jahren endlich einen Namen: „Fury“. Auch wenn es ja eigentlich ein Esel aus Draht ist und natürlich nicht wiehern kann.

Es wurde ein herrlicher Ausflug.

Lange wähnte ich mich in den Alpen. Trotz Sonne war es kalt.

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Schnee, Sonne, Meer

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Schnee, Sonne, Eisbrecher

Die Straßen gut, die Dörfer schön. Sie durften sich hier – anders als im Rest des Landes – nicht wild ausbreiten.

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Schnee, Sonne, Meer, frierender Matrose

Dich Bucht von Kotor gilt als eine der schönsten des ganzen Mittelmeerraumes.

Kotor selbst hat eine gut erhaltene “Alte Stadt”. Sie ist komplett von einer hohen Stadtmauer umgeben und nur für Fußgänger freigegeben. Wunderschön. Aus der Stadt gelangt man über Hunderte von in den Fels gehauenen Treppen zu einer Burg – hoch oben auf dem Berg. Extrem anstrengend hinaufzugelangen, extrem lohnend. Welch ein Ausblick!

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Einzigartig

Die Stadt selbst war heute von Tagestouristen überschwemmt. Die meisten waren mit einem Kreuzfahrtschiff gekommen und in der Nacht schon wieder verschwunden.

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Altstadt

Eine der bedeutendsten orthodoxen Kirchen im Zentrum.

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Ikone

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Altar

 

Welch schöner Tag heute!