Meer Europa

Schlagwort Archiv: Zugstrecke

Tag 210 (28.09.2017) / Italien: Vernazza -> Castiglioncello

Strecke: 120 km (08:00 – 18:15 Uhr)

Die Strecke hoch wollte ich mir nicht noch mal zumuten.
Ich wusste, wie es sich anfühlt.
Es gab nur einen Weg zurück. Den gleichen, den ich runtergestürzt war.
Das hätte geheißen: 36 Kilogramm (Fahrrad und Gepäck) 2 Stunden hoch schieben. Der 1. Gang wäre völlig unnütz gewesen.
Genug der Verteidigungsrede.
Ich fühlte mich nicht stark genug, diesen verdammten Vernazza-Berg, den ich vorgestern mit fast versagenden Bremsen hinunter gerast war, wieder hochzustrampeln.
Also nahm ich um 7:09 Uhr den Lokalzug bis La Spezia.
20 Kilometer, 20 Minuten und viele Nerven gespart.
Reine Tunnel-Strecke. Nur an zwei Zwischenhalten kurz Tageslicht gesehen.

Danach: Zunächst wieder (kleine) Berge.

Schwarzwald mit Meer

Lerici. Beschauliches Küstenkaff. Die vielen Boote täuschen. Die Frühstücks-Terassen-Lokale leer. Bis auf mich.

Bodensee mit Platz

Danach: flach. Gottseidank. Ich fühlte mich schwach. Meine Beine radelten irgendwie vor sich hin.

Aus Steilküsten wurden Sandbänke.

Sylt, nur südlicher

Endlos weite Sandstrände. Pudersand.

Eindeutig Italien

Pisa ließ sich nicht umradeln. Meine Strecke – gen Süden – führte mittenmang.

Schief halt.

Durch Foto und Foto bekannt

Und Dutzende, Hunderte, Tausende fanden das lustig.

unseen before

Alle – ausnahmslos alle – wollten irgendwann mit ihren fotografischen Händen den Turm stützen.

Samy Molcho würde sich freuen

Oder gerade rücken.

must be english

Ich hielt mich nicht lange auf. Die Dörfer, Städtchen, die folgten: italienisch (klar – war ja auch hier).

portobello road auf italienisch

Will sagen: belebt, große Märkte, laut, wuselig.
Und immer wieder: gut ausgebaute und markierte Fahrradwege.

walk on the side way of life

Ich kann kein Italienisch, aber vielleicht stimmt’s: ti amo, Italia. Du bist so anders als ich fälschlicherweise gedacht habe.

no ride

Tag 199 (25.04.2017) / Frankreich: Le Lavandou -> Fréjus

Strecke: 69 km (10:00 – 16:15 Uhr)

Ich ließ es “ausrollen”. Diese Tour neigte sich dem Ende zu. Die Tagesetappen wurden kürzer und ich immer langsamer.

Zerhügelt

Oft konnte ich auf eigenen Fahrradstrecken der Küste folgen.

Zerzaust

Manche Routen führten sogar durch Tunnel. Vermutlich stillgelegte Zugstrecken.

Linksgedreht

Ich freute mich darauf, heute Saint-Tropez anzuschauen. Je näher ich dem Hotspot kam, umso höher die Dichte der Cabrios auf den Straßen. Jeder wollte mit heruntergelassenem Visier kenntlich in Saint-Tropez einfahren. Jaguare, Peugeot-Löwen, Tank-Tiger, Ferrari-Pferde, sogar einige aufgehübschte Käfer: Auf freier Wildbahn hatte ich noch nie so viel Fauna gesehen wie auf der Einfallstraße in das Hafenstädtchen. Die halbe Tierwelt und viel menschliche Halbwelt hatten sich gemeinsam aufgemacht.
Aber welch eine Enttäuschung Saint-Tropez selbst. Statt Gunter Sachs: Neckermänner. Statt Brigitte Bardot: Naddels. Statt Sternelokale: Moules-Frites-Buden.

Zum ersten Mal in Frankreich bekam ich mittags einen fast nicht trinkbaren Weißweinfusel vorgesetzt. Tetrapack statt Grand Cru.

Ich ließ meinen zuvor angespitzten Fotoapparat unangetastet in der Satteltasche. Und zog davon.

Nach Fréjus war es nicht mehr weit.

Spitz

Ein unaufgeregtes, sympathisches Städtchen.

Breit
Grün
Orange

Unterkunft: Hotel “Atoll”, Hafennähe. Einfach und gut. 50 Euro (ohne Frühstück). Fahrrad in geschütztem Hof abgestellt.